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VT 69 902 im Bw Osnabrück Rbf (m1B)

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 06.06.07 20:43

HIER hatte User "BahnfanFritzlar" nach dem Gütertriebwagen VT 69 gefragt, von dem er - da auch wohl jüngerer Eisenbahnfreund - noch nie etwas gehört hatte. Da es wohl auch noch anderen hier so geht, habe ich Kontakt zu Lothar H. Hülsmann aufgenommen, der in seinem Buch "125 Jahre Eisenbahn in Osnabrück" ein Bild dieses Triebwagens veröffentlicht hatte.
Soeben erhielt ich seine Antwortmail mit der freundlichen Erlaubnis, das Foto hier zu präsentieren. Dafür - wohl auch im Namen der HiFo-Teilnehmer - besten Dank!

Das Foto zeigt den letzten betriebsfähigen VT 69, den VT 69 902 (hier als GGtrieb 69 902 beschriftet) am 11. Januar 1962 im Bw Osnabrück Rbf. Fotograf ist Peter Konzelmann, Smlg. Lothar H. Hülsmann:
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/54/8714754/6631356334643963.jpg


1930 stellte die DRG drei Triebwagen in Dienst, die hauptsächlich im "Stückgut-Schnellverkehr" zum Einsatz kommen sollten. Als Antriebsaggregat diente ein Maybach 6-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor mit einer Leistung von 175 PS, der seine Kraft mittels Blindwelle und Kuppelstange auf ein Drehgestell übertrug. Die Kraftübertragung erfolgte mechanisch über ein Viergang-Getriebe auf die Blindwelle des Antriebsdrehgestelles. An den Maschinenraum des 21,4 Meter langen Triebwagens schloss sich der 40 qm große Laderaum an. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 90 km/h. Die DRG reihte die Wagen als VT 10 001 bis 003 ein. Alle drei Wagen gelangten nach dem Kriege zur DB, die sie dann als VT 69 901 bis 903 bezeichnete.
In Osnabrück sind die Wagen wie folgt nachgewiesen (Quelle: Hülsmann "125 Jahre Eisenbahn in Osnabrück"):
1934: 1 Exemplar
1945: 1 Exemplar
1953: 3 Exemplare
1957: 3 Exemplare
1960: 2 Exemplare
1962: 1 Exemplare

Es handelt sich hier um Stichtagserfassungen. Von wann bis wann die Stationierungen im Detail dauerten, kann leider nicht mehr festgestellt werden.


Bis neulich - natürlich im wwh

Rolf Köstner

RAL 9017
RAL 3020
RAL 1028




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:01:22:15:03:43.

Re: VT 69 902 im Bw Osnabrück Rbf (m1B)

geschrieben von: willem

Datum: 06.06.07 21:47

Später hieß das dann,in leicht abgewandelter Form,Cargo-Sprinter.
Gebracht hat es auch nix.

gruß
Willem

Der gräbt Sachen aus...

geschrieben von: Isartalbahner

Datum: 06.06.07 23:42

Mensch Rolf,

wären heute nicht so viele billante Beiträge wieder im HiFo erschienen, ich würde Deinen glatt als Beitrag des Tages auszeichnen.
Trotzdem, ein absolutes Highlight, ein zu der Zeit bereits über 30 Jahre altes seltenes Urviech nahezu im Originalzustand, nur die Spitzenleuchte ist jüngeren Datums.

Erstaunlich, dass auf der Nase zur Betriebsnummer auch die Gattungsbezeichnung noch stand.

Mach nur so weiter...

wünscht und grüsst der Isartalbahner

Obwohl "not exactly" mein Spezialgebiet, ...

geschrieben von: 03 1008

Datum: 07.06.07 08:01

... vielen Dank an die beiden Verantwortlichen für das interessante Foto!

Von dem 10 001 gibt es ja auch die klassischen Aufnahmen von Carl Bellingrodt an der Ahr, etwa bei

Klaus Kemp: Die Ahrtalbahn, Freiburg (EK) 1983, S. 232.

Nach dem dortigen Text kamen die Triebwagen u. a. in der Relation Dortmund - Wuppertal - Köln - Remagen - Ahrweiler zum Einsatz.

Ist eigentlich bekannt, weshalb die Umzeichnung nicht nach aufsteigenden DR-Nummern erfolgte?

Laut

Klaus-Detlev Holzborn: Umzeichnungsplan der Verbrennungstriebwagen der DB (DR-West) von 1947, in: VdEF-Mitteilungen 11/67, S. 09R:

10 001 --> 69 902 Os-R + 18.07.62
10 002 --> 69 900 Os-V + 27.12.60
10 003 --> 69 901 Os-V + 25.05.61



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:06:07:08:03:26.

DB VT 69 902 und Cargo Sprinter

geschrieben von: Pleus Dieter

Datum: 07.06.07 08:59

Jemand namens "willem" schrieb: «Später hieß das dann, in leicht abgewandelter Form, Cargo-Sprinter. Gebracht hat es auch nix.»

Das ist, in freundlicher Klarheit bemerkt, sowohl im ersten als auch im zweiten Satz falsch.
Der Cargo Sprinter sollte dem intermodalen Güterverkehr eine wirtschaftliche Perspektive eröffnen. Ob es am Kostenaufwand oder an dem Monopolbewusstsein der damals fast noch allein den Markt beherrschenden Fa. DB Cargo AG lag, ist für uns aussen Stehende nicht mit der nötigen Klarheit zu erkennen. Die Konzepte des Güterverkehrs mit diesen Triebwagen in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts und die des Cargo Sprinter sind nicht miteinander vergleichbar.

Die Idee des Cargo Sprinters hat einen passablen Erfolg. Diese Fahrzeuge gibt es mindestens in Österreich, wo hin die deutschen Fahrzeuge verkauft wurden, in der Schweiz, in Australien bei einigen Bahngesellschaften und im United Kingdom (vulgo, aber unrichtig: Grossbritannien). Bis jetzt ohne Tendenz zur Abstellung der Fahrzeuge.

Und zum Schluss besten Dank an den Einsteller dieses Fotos, sowohl bezüglich der Seltenheit des Objekts als auch der Qualität der Wiedergabe.
In Zusammenhang mit dem Bw Osnabrück Rbf taucht auch immer wieder das Bw Osnabrück Vbf auf. Dieses ist die ältere Bezeichnung für das Bw Rbf. Ich weiß jetzt nicht genau - Hartmut Riedemann kann das sicherlich sagen - wann die Umbenennung erfolgte, könnte aber so um 1962 gewesen sein. So wurde dann der letzte (VT 69 902) beim Bw Rbf ausgemustert, während die beiden anderen noch beim Bw Vbf ausgemustert wurden, aber trotzdem bei der gleichen Dienststelle.


Bis neulich

Rolf Köstner

RAL 9017
RAL 3020
RAL 1028

Wo fuhr er denn?

geschrieben von: railroadwilli

Datum: 07.06.07 09:16

Moin,

ist denn noch bekannt, auf welchen Strecken sich der GGtrieb in seinen letzten Jahren beim Bw Ossenbrügge herumtrieb?

Gruß
Willi

Re: VT 69 902 im Bw Osnabrück Rbf (m1B)

geschrieben von: Der Holsteiner

Datum: 07.06.07 09:45

Gab es nicht auch noch eine modernere Version der Gütertriebwagen namens VT 20.5, die auch als Schlepptriebwagen geeignet waren?
Und waren die nicht auch in Osnabrück beheimatet?

Danke und Gruß,
Olaf
. . . doch erst einmal Rolf vielen Dank für die Mühe mit dem Bild.

Beginnen wir mit den Lebensläufen, die auch für unsere Köln-Fraktion von besonderem Interesse sein dürften.


VT 69 900     ex VT 10002
Wismar 30/20006

Bw Aachen Hbf          06.11.1930 - 04.06.1937
Bw Oberhausen Hbf      05.06.1937 - 01.10.1939
Bw Oberhausen Hbf      02.10.1939 - 09.10.1944   betriebsfähig abgestellt
?                      10.10.1944 - 31.03.1946

RAW Opladen            29.05.1946 - 28.09.1946
Bw Hamburg-Altona      30.09.1946 - 02.05.1947
Bw Osnabrück Rbf       05.05.1947 -       1959
Bw Osnabrück Rbf, z          1959 - 26.12.1960
ausgemustert ab                     27.12.1960


VT 69 901     ex VT 10003
Wismar 30/20007

Bw Osnabrück Rbf       05.11.1930 - 01.09.1939
Bw Osnabrück Rbf       02.09.1939 - 31.12.1945   betriebsfähig abgestellt
Bw Osnabrück Rbf       14.01.1946 - 08.03.1946
RAW Opladen            09.03.1946 - 28.09.1946
Bw Hamburg-Altona      29.09.1946 - 02.05.1947
Bw Osnabrück Rbf       03.05.1947 - 11.06.1960
Bw Osnabrück Rbf, z    12.06.1960 - 26.12.1960
ausgemustert ab                     27.12.1960


VT 69 902     ex VT 10001
Wismar 30/19970

Bw Aachen Hbf          06.11.1930 - 18.05.1937
Bw Kreuzberg/Ahr       19.05.1937 - 28.06.1939
RAW Opladen            30.06.1939 - 04.08.1939
Bw Osnabrück Rbf       05.08.1939 - 27.05.1961
Bw Osnabrück Rbf, z    28.05.1961 - 17.07.1962
ausgemustert ab                     18.07.1962

Anmerkungen:
VT 69 900 erhielt Ende Juli 1955 einen 225 PS-Motor, zuvor war ein 150 PS-Motor eingebaut.
VT 69 901 war im zweiten Weltkrieg als mobile Fahrkartenausgabe im Einsatz.
VT 69 903 soll in den 50er Jahren zeitweise beim Bw Hannover Hgbf (leihweise) im Einsatz gewesen sein.

Zu den obigen Beheimatungsangaben ist anzumerken, dass das Bw Osnabrück Rbf bis ca. 1951 "Gbf" hieß und anschließend bis 1961 "Vbf". Ich habe die obige Schreibweise der einheitlichen Darstellung wegen gewählt.
Erhaltungs-AW waren die (R)AW Opladen und Friedrichshafen.

Für den Sommerfahrplan ab 29.05.1960 ist ein eintägiger Umlaufplan (Nr. 24 des Bw Osnabrück Vbf) bekannt. Danach hat sich der Triebwagen um 04:00 h an der Güterabfertigung in Osnabrück einzufinden, wird beladen, um dann als 5301 um 05:32 h nach Kirchweyhe aufzuzbrechen, dass er um 11:44 h erreicht. Die Rückleistung ab Kirchweyhe erfolgt um Schlag 16:00 h als 5300 nach Osnabrück, wo um 22:26 wieder die Güterabfertigung erreicht wird. Das Entladen ist dann noch bis 00:26 h angesetzt. 218 km sind dafür als Kilometerleistung zu verbuchen.

Alle drei Triebwagen unterscheiden sich deutlich voneinander in Details. Besonders interessant ist, dass die Beschriftung aus einer Mischung zwischen Triebfahrzeugnummer und Gattungsbezeichnung ausgeführt wurde, da ist dann z.B. von GGtrieb 69 901 zu lesen.

Was die "schräge" Eingliederung in das ab 1947 gültige Bezeichnungssystem als VT 69 angeht, so vermute ich, dass der 10001 nicht im Bereich der britischen bzw. amerikanischen Zone vorhanden war. Der Census vom 23.03.1947 führt ihn jedenfalls nicht im Bereich der RBD Münster auf. Möglicherweise stand er in der französischen Zone im RAW Friedrichshafen abgestellt.

Weitere Textausführungen und Bilder finden sich hier:
- Eisenbahn-Journal 2/1981, Seite 35
- 130 Jahre Eisenbahn in Osnabrück
- Die Eisenbahn in Osnabrück
- Die Triebfahzeuge der DB und ihre Heimat-Bw, 31.12.1958
- Meisterfotos von der Bundesbahn, Band 3, Seite 91
- Eisenbahn-Kurier 9/201, Seiten 46/47

Als letztes bliebe anzumerken, dass es auch einmal ein H0-Modell als Bausatz von DRG-Modell in Berlin gab (1989 oder 1990).

Beste Grüße
Hartmut


Edit: Fabriknummern ergänzt - Danke, Mathias!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:06:07:15:14:32.
Bild, Lebensläufe (mit dem Reihenfolgenrätsel) und Umlaufplan (mit zusätzlichen Erläuterungen) fügen sich zu einer excellenten "Exotengeschichte" zusammen. Da lacht mein Herz!
Danke & Gruß
Donni

? zu VT 20.5 - zur Frage von "Der Holsteiner"

geschrieben von: Isartalbahner

Datum: 07.06.07 11:54

Moin,

vorab herzlichen Dank an Hartmut Riedemann für die explizite Aufklärung!

"Der Holsteiner" fragt nach dem VT 20.5 (GGtrieb-38), meines Erachtens auch zu diesem Thema gehörend.
Nach Quelle (1) war er, im Gegensatz zum Güter-Triebwagen VT 69.9, als Güter-Schlepptriebwagen bezeichnet. Aufgrund seiner höheren Motorleistung (600 PS) und dem hydraulischen Getriebe wäre er demnach eher als Schleppfahrzeug zu betrachten. Auch war die Ladefläche mit 25 m² geringer als die des VT 69.9 (40 m²).
Der VT 20.5 besass Steuerleitungskupplungen (Steuersystem Mehrfach 1936), wofür war dies gedacht?
In Quelle (2) ist folgendes verzeichnet:
- Nachtrag 4 vom 1. Juli 1957
Das Blatt ist diagonal zu durchkreuzen, Wagen sind ausgemustert -

Vielleicht kann Hartmut Riedemann auch zu dieser Baureihe etwas zur Aufklärung beitragen?

Danke und Grüsse
Isartalbahner

Quellen
(1) Horst J. Obermayer, Taschenbuch Deutsche Triebwagen; Franckh´sche Verlagshandlung Stuttgart 1974; ISBN 3-440-04054-2 LH 19 hä
(2) Merkbuch für die Schienenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn, III - DV 939c, Ausgabe 1952; alba reprint; Alba Publikationen Düsseldorf, Jahrgang unbekannt; ISBN 3-87094-906-6

Re: VT 69 902 im Bw Osnabrück Rbf (m1B)

geschrieben von: Guido Rademacher

Datum: 07.06.07 13:44

Mensch Rolf,

da hast Du ja ein tolles Thema aufgegriffen. Und nun lese ich auch noch im Lebenslauf, dass diese Triebwagen in zeitweise in Aachen beheimatet waren. Da bin ich mal wieder hin und weg, was über das HiFo so alles zu Tage kommt.
Herzlichen Dank für die Beiträge.

Beste Grüße

Guido

http://www.guidorademacher.de/Banner.jpg

Ergänzung der Fabriknummern

geschrieben von: kingpin

Datum: 07.06.07 13:50

VT 10 001 Wismar 1930/19970
VT 10 002 Wismar 1930/20006
VT 10 003 Wismar 1930/20007

Gruß
Mathias

Danke für Bild und Lebensläufe

geschrieben von: iw

Datum: 11.06.07 21:22

Hallo,

es ist immer wieder erstaunlich, was hier so alles zum Vorschein kommt.

Eine Anmerkung habe ich aber noch: Laut mir vorliegende DV 939 von 1952 sollte ein Motor mit 210 PS eingebaut werden. Für den vorhandenen Motor werden 175 PS angegeben. Neben dem Motor sollte auch das Getriebe vom Typ T1 gegen eines vom Typ T2a getauscht werden. Jetzt frage mich aber bitte niemand, was das ist...

Grüße iw
http://abload.de/img/singaturkopiey2u56.jpg
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