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Une ex-alsacienne dans le Quercy
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 08.01.22, 22:52
Das teils zerklüftete, teils liebliche Quercy am südwestlichen Rand des Zentralmassivs ist mit seinen gelblich schimmernden Felsformationen und verwunschenen Bruchsteinhäusern im selben Farbton, mit seinen verschlungenen Sträßlein und geschichtsträchtigen Orten eine überaus reizvolle Landschaft.

Nicht ganz einfach gemacht wird es allerdings dem Bahnfotografen, denn das Streckennetz der ländlichen Gegend ist durch (teils schon lange zurückliegende) Stilllegungen, inklusive landschaftlich wunderschöner Bahnlinien wie Cahors - Capdenac oder Souillac - Saint-Denis-près-Martel (gut, da gibt es immerhin noch Tourismusverkehr auf einem Teilstück), merklich ausgedünnt. Auf den verbliebenen Nebenbahnen dominieren "Baleines" den überschaubaren Regionalverkehr und auch die "POLT" ist in diesem Abschnitt nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Umso erfreulicher ist, dass SNCF Infra in der Gegend zwei seiner landesweit acht Etablissements Industriels des Voies (EIV) betreibt und somit ab und an für interessante Zugleistungen sorgt. Während in Brive die zentrale Instandhaltung aller SNCF-Draisinen stattfindet, befindet sich in Bretenoux an der Strecke von Saint-Denis-près-Martel nach Aurillac das Kompetenzzentrum für alles rund ums Thema Holz, vor allem also die Produktion von Holzschwellen, aber auch Bohlen für Bahnübergänge u.ä.

Mehr oder weniger regelmäßig wird das EIV Quercy-Corrèze, Site de Bretenoux von Brive aus angefahren. Zum Einsatz kommen in der Regel klassische Dieselloks der Reihen BB 67400 oder BB 69000 von SNCF Infra.

Am 17. Dezember 2021 war in den Morgenstunden ein solcher Zug eingelegt. Wir erwarteten ihn zwischen Saint-Denis-près-Martel und Vayrac, wobei die unerträglich langsam über die Bäume kletternde Dezembersonne es spannend machte. Kurz vor der Planzeit leuchtete der Felshang im Hintergrund im Sonnenlicht, während der kürzlich gerodete Bahndamm noch beängstigend stark von Schatten dominiert wurde. Glücklicherweise flatterte in diesen Minuten die Info aufs Handy, dass der erwartete Zug Brive mit etwa 30 Minuten Verspätung verlassen hatte... Das sollte also passen!

Und tatsächlich grummelte der anschwellende Klang des Dieselmotors erst durchs Tal, als sich die Schatten auf ein dekoratives Maß zurückgezogen hatten. Was dann letztlich als Infra 814718 (Brive-Estavel - Bretenoux-Biars) im Bildausschnitt auftauchte, sorgte ebenso für Zufriedenheit: Die blaue BB 67510 mit zweiachsigen Rungenwagen, wie sie im kommerziellen Güterverkehr längst ausgedient haben! Die Lok zählt dabei, wie Basti schnell erkannte, zu den langjährig im Dépôt Straßburg beheimateten Maschinen, die nach der Reduzierung des Elsässer Umlaufplans an die Infrastruktursparte abgegeben wurden.

Auf dem Berg im Hintergrund, dem Puy d'Issolud, lag übrigens nach dem heutigen Stand der Forschung das antike Oppidum Uxellodunum des gallischen Stamms der Kadurker. Dort schlug Julius Cäsar im Jahr 51 v.Chr. die letzte Schlacht seines Gallischen Krieges und setzte einen endgültigen Schlussstrich unter die Eroberung des „freien Galliens“. Weiter leben die Kadurker noch heute im Namen des Landstrichs - Denn das Quercy leitet sich vom lateinischen "Cadurci" ab.

PS: Graffiti auf der Lokflanke digital entfernt

Datum: 17.12.2021 Ort: Saint-Denis-près-Martel [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Zugvögel
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 05.01.22, 20:43
Zugvogel, der: Vogelart, deren Habitat sich regelmäßig in oder unmittelbar an Gleisanlagen befindet. Ideale klimatische Bedingungen für ihre Brutgebiete herrschen insbesondere über Schotter, Schienen oder Weichenstraßen. Nur selten verlassen sie ihr angestammtes Territorium, denn wohl fühlen sie sich nur dort, wo es Züge gibt.

So findet man es in jedem guten Lexikon. Na ja, oder so ähnlich... Irgendwie ;)

Auch wenn vielleicht doch alles ganz anders ist mit den Zugvögeln, hat auf dem Schornstein des Empfangsgebäudes von Sarralbe tatsächlich ein Storchenpaar sein Nest errichtet und kehrt Jahr für Jahr wieder dorthin zurück. Gemeinsam mit zahlreichen Artgenossen, die sich hier im äußersten Zipfel Lothringens angesiedelt haben. Ob am Bahnhof, auf Wohnhäusern, Strommasten, Straßenlaternen oder dem Kirchturm. Obwohl der Weißstorch doch eigentlich nur im benachbarten Elsass der inoffizielle Wappenvogel ist, scheint es ihnen auch im Département Moselle bestens zu gefallen. Die Homepage der Stadt beinhaltet sogar eine entsprechende Webcam [www.sarralbe.fr] Beim Schreiben dieser Zeilen war dort erstaunlicherweise "jemand zu Hause" ;) - Ich dachte bislang, Störche würden im Winter in den Süden fliegen...

Wenn man ein bisschen Glück hat, lassen sich die Tiere auch gemeinsam mit einem Zug einfangen. So am Morgen des 29. März 2021, als die BB 60115 gemeinsam mit einer Schwesterlok eine Leine Kesselwagen zum Ineos-Chemiewerk gebracht hat und nun vor dem beheizten Personalwarteraum im Erdgeschoss des Empfangsgebäudes, am Bahnsteig der ehemaligen direkten Strecke aus Sarreguemines, auf die Rückfahrt als FRET 431018 (Sarralbe - Woippy) wartet. Wenig später werden sich die Loks, wie so oft auch an diesem Tag ohne Last, über die abzweigende Weiche in Bewegung setzen und nach einem sofortigen Richtungswechsel den Rangierbahnhof vor den Toren von Metz ansteuern.

Das Schwellenkreuz im Vordergrund hingegen macht deutlich, dass es in diese Richtung nicht mehr weiter geht. Es handelt sich um die Reste der Strecke nach Bénestroff und von dort aus weiter über Château-Salins nach Champigneulles (Nancy), die im Abschnitt Sarralbe - Bénestroff im Jahr 1970 ihren Personenverkehr verloren hat. Bis Anfang des neuen Jahrtausends wurde noch ein kleines Reststück zum Gleisanschluss Sécométal/Secofab in Rech im Güterverkehr befahren, doch auch das ist inzwischen längst passé. Einziger verbliebener Güterkunde im einstigen Linienkreuz von Sarralbe ist heute Ineos (ehemals Solvay).

Architektonisch ist auch das Bahnhofsgebäude selbst interessant. Errichtet wurde es in nämlich in zwei Etappen. Die vom Betrachter aus gesehen vorderen Gebäudeteile mit dem Dachfirst parallel zur Gleisachse sind einer der "belgischen" Bahnhofsbauten, wie sie in Lothringen an einigen wenigen Bahnlinien realisiert wurden, deren Bau infolge der Weigerung der Compagnie de l'Est zur Nutzung der ihr zuvor erteilten Konzessionen an die Chemins de fer de l’État belge übertragen wurde. Da Belgien im deutsch-französischen Krieg 1870/71 neutral war, konnten die unter deren Ägide begonnenen Strecken samt Bahnbauten auch unter deutscher Verwaltung fertiggestellt werden. 1877/78 ergänzten die nunmehrigen Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) das Ensemble um einen größeren Sandsteinbau inklusive eines repräsentativen Turms (im Bild links), der seitdem der höchste Teil des Gebäudes ist und sogar das Storchennest überragt. ;)

(Mehr zu den Bahnhofsbauten im Elsass und dem lothringischen Département Moselle findet sich im neuen EK-Buch "Eisenbahngeschichte Elsass-Lothringen" auf S. 242 ff.)

Datum: 29.03.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Les volcans enneigés
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 02.01.22, 17:05
Anfang bis Mitte Dezember 2021 sorgten mehrere Tiefdruckgebiete in fast allen Gebirgen Frankreichs, von den Pyrenäen bis ins Jura, für teils ergiebige Schneefälle. Nicht anders war das auch im Massif Central, wobei mit der auf den Schnee folgenden Sonne rasch auch milde Temperaturen einsetzten, die die weiße Pracht vielerorts dahin schmelzen ließen. Nur in den höheren Lagen der Vulkanberge der Auvergne hatte sich auch über die Monatsmitte hinaus noch ein winterliches Landschaftsbild gehalten.

Grund genug für einen kleinen Abstecher an die Bahnlinie Aurillac - Neussargues - Arvant, wenn man ohnehin in der Gegend ist! Denn im Abschnitt um den Scheitelpunkt Le Lioran, wo sich auch ein ausgedehntes Wintersportgebiet erstreckt, erreicht die Strecke immerhin Höhen um 1150 Meter.

Le Lioran hat der aus X 73675 im aktuellen AURA-Design und einem weiteren "Wal" in neutraler TER-Livrée gebildete TER 873843 (Neussargues - Aurillac), Anschlusszug für das Überbleibsel des Causses-Schnellzuges "Aubrac", am 17. Dezember 2021 bereits hinter sich gelassen, als er - stetig bergab fahrend - über den Viaduc d'Elbarat dem nächsten Halt in Saint-Jacques-des-Blats entgegen rollt. Unmittelbar links von uns, die wir nach strapaziöser Suche am durch Schnee und Matsch extrem rutschigen Hang gerade noch rechtzeitig zur Zugdurchfahrt einen passenden Standort inmitten des dichten Bewuchses gefunden hatten, befand sich früher der Haltepunkt Puy Griou, wobei das Stationsgebäude heute noch als Wohnhaus erhalten ist.

Das Landschaftspanorama der weißen Gipfel dominiert indes der gleichnamige Phonolitkegel, dessen markante Spitze bis auf 1694 Meter ansteigt. Er ist einer der zentralen Berge der auf vulkanische Aktivität vor Jahrmillionen zurückgehenden Monts du Cantal, wobei sich die Wissenschaft offenbar streitet, ob es sich um einen erodierten Schlot des vorzeitlichen Cantal-Vulkans handelt oder er erst nach der eruptiven Phase der Gegend entstanden ist.

Datum: 17.12.2021 Ort: Saint-Jacques-des-Blats [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Une gare au milieu de nulle part
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 26.12.21, 12:47
Nichts ungewöhnliches sind Landbahnhöfe, die - der Doppel- oder gar Mehrfachname deutet es in der Regel schon an - der Erschließung mehrerer Orte in der Umgebung dien(t)en, sei es aus geografischen Gegebenheiten oder weil sich ein eigener Bahnhof für jeden Ort wirtschaftlich einfach nicht lohnte. In Frankreich können die namensgebenden Siedlungen mitunter auch mal arg weit abseits der Bahnlinie liegen. Besonders drastisch zeigt sich dies am Beispiel des Bahnhofs Châteauneuf-Bujaleuf im Verlauf der Strecke Limoges - Meymac (- Ussel). Rund acht Straßenkilometer sind es von dort aus ins Zentrum des 1500 Einwohner-Örtchens Châteauneuf-la-Forêt, schlappe sechs kurvenreiche Kilometer nach Bujaleuf (821 Einwohner).

Da verwundert es fast ein bisschen, dass noch 2021 Züge in dem kleinen Landbahnhof halten - Und für französische Nebenbahnverhältnisse gar nicht mal so wenige. Acht Zugpaare sind es unter der Woche, am Wochenende etwas weniger. Auch wenn Châteauneuf-Bujaleuf mittlerweile als point d'arrêt non géré (PANG) betrieben wird, also ohne örtliches Personal, hat er sich viel von seinem Charme vergangener Zeiten bewahrt. Ein äußerlich gepflegtes Empfangsgebäude und auf dem gegenüber liegenden Bahnsteig ein typisches Wartehäuschen, dahinter ein zur Laderampe führendes Nebengleis, ein Wasserkran samt (im Bild nicht sichtbarem) Wasserturm und sogar eine mechanische Vollschranke hat bis ins 21. Jahrhundert überlebt, wenngleich ihr Nutzen ohne zugehörigen Bahnübergang (der ist übrigens selbst auf den ältesten mir bekannten Luftaufnahmen aus den 60er Jahren nicht mehr erkennbar) als reiner Bahnsteigzugang äußerst begrenzt ist...

Als am 18. Dezember 2021 der X 73717 als TER 868602 (Limoges - Ussel) einen Halt einlegte, schaute nur der Zugbegleiter einmal kurz aus einer der Türen hervor. Fahrgastwechsel gab es an diesem Wintersamstagvormittag nicht, sodass schnell wieder Ruhe zwischen den Feldern und Wäldern des Limousins einkehrte, nachdem der Triebwagen unter freundlichem Gruß des Lokführers an die beiden Fotografen davon gebrummt war.

PS: Weißer Farbklecks auf der Front, wohl ein verunglücktes Tag, weggepixelt

Datum: 18.12.2021 Ort: Châteauneuf-Bujaleuf [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 5 Punkte

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€tang 4000
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 15.12.21, 15:23 sternsternstern Top 3 der Woche vom 26.12.21
Zu den wohl ungewöhnlichsten Anschlussgleisen im Hexagon gehört zweifelsohne dasjenige des Lafarge-Zementwerks im südfranzösischen Port-la-Nouvelle (vgl. [www.drehscheibe-online.de] ). Es zweigt am nordwestlichen Bahnhofskopf von den Hauptgleisen ab und führt in einem engen Bogen mitten hinein in die Lagunenlandschaft der Étangs, vorbei an Fischerhütten und deren in buntesten Farben schillernden Booten. Als Lagerraum hat - wenn ich das Objekt in Bildmitte richtig deute - sogar der Aufbau eines ehemaligen Kühlwagens in dem illustren Sammelsurium überlebt...

Nachdem die ITE (das steht für "Installation Terminale Embranchée", das französische Äquivalent zum Anschlussgleis) über ein Jahrzehnt ungenutzt und dem Verfall und Bewuchs preisgegeben war, erweckte Lafarge sie Ende 2016 wieder zum Leben. Hintergrund war die zeitgleiche Reduzierung der Unternehmensaktivität am Standort La Couronne bei Angoulême, wo seit Anfang 2017 nur noch die Zementmühle (Broyage) zur Zerkleinerung des bereits zuvor gebrannten Zementklinkers in Betrieb ist. Letzterer wird seitdem per Bahn vom Standort Port-la-Nouvelle aus zugeführt. [www.railpassion.fr]

Mit der Durchführung der zwei- bis dreimal pro Woche stattfindenden Transporte ist Europorte betraut, wobei vor den 1.500 Tonnen schweren Zügen aufgrund der nötigen Rangierarbeiten an den Endbahnhöfen - u.a. auf "unserem" Anschlussgleis - trotz des komplett elektrifizierten Hauptlaufs eine der beindruckenden Euro 4000-Großdieselloks des Unternehmens zum Einsatz gelangt.

Am Morgen des 23. September 2021 war €4034 pünktlich mit dem Leerzug 60201 (Angoulême - Port-la-Nouvelle) am Zielbahnhof eingetroffen. Keine zehn Minuten nach der Ankunft - die Rangiercrew war extrem fix - drückte sie die Wagenschlange bereits quer durch die Lagune in Richtung der Beladestelle auf dem Werksgelände, wo ebenso rasch die Beladung mit Klinker abgewickelt werden und der Vollzug sich noch im Laufe des Vormittags wieder auf die Rückreise machen wird.

Datum: 23.09.2021 Ort: Port-la-Nouvelle [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-EURO 4000 Fahrzeugeinsteller: Europorte
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 19 Punkte

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Deux Bordelaises en vacances
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 12.12.21, 18:01
Seit jeher und noch bis vor wenigen Jahren erlebte die Strecke nach Briançon, wo rund um die nach eigenen Angaben (die einer eingehenden Prüfung allerdings nicht standhalten ;)) höchstgelegene Stadt Europas eine Vielzahl von Pisten auf Wintersportler wartet, in den Monaten Dezember bis März einen teils ausgeprägten Saisonverkehr. Insbesondere galt dies bis zuletzt für die Wochenenden, an denen in Paris die Schulferien begannen und zahlreiche Familien an der Gare d'Austerlitz den Liegewagen in die französischen Alpen enterten. Seit der Saison 2016/17 sind die zusätzlichen Sonderzüge allerdings Geschichte. Nur der planmäßige Nachtzug wird seitdem noch um etliche Wagen verstärkt.

Am ersten Märzwochenende 2013 hingegen waren in der Nacht von Freitag auf Samstag nicht weniger als vier Nachtzüge von Paris nach Briançon unterwegs und boten dem Ansturm an Ski- und Snowboardtouristen auf dem Weg zu den Pisten an Dévoluy, Queyras und Pelvoux eine Alternative zu den chronisch verstopften Straßen. Einer davon war Lunéa 5825 (Paris Austerlitz - Briançon), dessen lange Wagenschlange am Morgen des 2. März 2013 über den imposanten, bis zu 53 Meter hohen Viaduc de la Selle vor den Toren von Gap rollte. Beobachtet vom Portal des gleichnamigen Tunnels aus.

Für die Traktion zuständig waren BB 67424 und BB 67496, die eine weitere Besonderheit der „Pointes hivernales“ verdeutlichen. Um den gegenüber dem Normalbetrieb deutlich gestiegenen Lokbedarf abdecken zu können, sammelte man neben den Maschinen aus dem Stammdépôt Chambéry im ganzen Land weitere BB 67400 ein und spendierte ihnen ein paar Wochen Alpenluft. Die beiden gezeigten Loks waren eigens aus Bordeaux (STF Aquitaine) angereist und für die Dauer der Saisonverkehre in Portes-lès-Valence stationiert.

Eine andere Sichtweise auf den Viadukt mit blauer 67300er-UM: [www.drehscheibe-online.de]

Datum: 02.03.2013 Ort: Gap [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

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Winter in Méjean
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 11.12.21, 18:58 sternsternstern Top 3 der Woche vom 26.12.21
Eine Katze huscht über die leere Straße, die Sport- und Fischerboote wippen im geschützten Hafenbecken sanft auf und ab, während der Wind immer wieder massive Wolken aus dem Landesinneren bis an die Küste trägt. Nur wenige Ausflügler verirren sich in die Calanque-Landschaft, das Bistro "Le Mange Tout" wenige Meter von der Kaikante entfernt hat geschlossen. Winter in Méjean.

Völlig anders als in der Sommersaison, wenn die Côte Bleue - der westlich von Marseille am Steilhang der Chaîne de l’Estaque gelegene Küstenstreifen - Bade- und Bootstouristen, Taucher und Küstenwanderer anzieht und sich die geparkten Autos entlang der schmalen Straßen aufreihen, zeigt sie sich außerhalb der warmen Jahreszeit ziemlich ruhig. Zwei deutsche Fotografen sind am 3. März 2014 trotzdem dort und machen einen kleinen Spaziergang über den "Sentier des Douaniers" in Richtung Cap Méjean.

Schier unvermeidlich fällt der Blick dabei natürlich auch auf den Viaduc de Méjean, eine der unzähligen Brücken im Verlauf der Bahnstrecke von L'Estaque über Martigues nach Miramas. ;) In einem lichten Moment brummte ein vierteiliger B 81500 als TER 879740 (Marseille-St-Charles - Miramas) in Richtung der "Ville cheminote".

Datum: 03.03.2014 Ort: Méjean [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 26 Punkte

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Cathédrale de la Sarre
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 03.12.21, 17:43
Aus dem einstmaligen Bahnknoten Sarralbe, von dem heute nur noch wenig übrig geblieben ist, sind mittlerweile bereits einige Fotos in der Galerie enthalten. Keines jedoch zeigt das von weit her sichtbare Wahrzeichen der Stadt, die katholische Pfarrkirche Saint Martin, landläufig als "Cathédrale de la Sarre" bezeichnet. Auch wenn es mangels zugehörigem Bischof keine "echte" Kathedrale ist, lassen die gemessen an der Größe der Stadt imposanten Dimensionen keine Zweifel aufkommen, wo der Beiname herrührt. Erbaut wurde sie im neogotischen Stil in den Jahren 1904 bis 1907, als Sarralbe - wie das gesamte Département Moselle - unter dem deutschen Namen Saaralben zum "Reichsland Elsaß-Lothringen" gehörte und damit Teil des Kaiserreichs war. Als Baumaterial diente der rosafarbene Vogesensandstein. An weiteren Details der wechselvollen Geschichte der Kirche Interessierten sei dieses kurze Video empfohlen: [www.youtube.com]

Mit dem Bahnverkehr zusammen festhalten lässt sich die Cathédrale de la Sarre am besten in den Wintermonaten, wenn die Vegetation entlang der ehemaligen Strecke nach Sarreguemines über Hambach, die heute nur noch auf wenigen Hundertmetern als Anschlussgleis zum Solvay/Ineos-Chemiewerk befahren wird, einen relativ freien Blick ermöglicht. Die Lücke passt nicht nur längenmäßig ideal für eine solo fahrende Lok, diese ist auch aus einem anderen Grund an dieser Stelle praktisch zwingend: Wenn Last am Zughaken ist, befinden sich die Wagen - auf der Hinfahrt geschoben - nämlich stets rechts der Lok, was naturgemäß wenig fotogen ist...

Am 24. März 2021 hatte ich Glück, dass die DE18 309 von CFL Cargo, eine von insgesamt elf 2017 an die Tochtergesellschaft der luxemburgischen Staatsbahnen gelieferten Maschinen dieses Vossloh-Typs, "haut le pied" nach Sarralbe gekommen war, um dort ein knappes Dutzend leerer Propen/Propylen-Kesselwagen abzuholen und im Verlauf des Vormittags über die "Ligne 9" nach Hausbergen zu bringen.

Datum: 24.03.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: LU-DE18 Fahrzeugeinsteller: CFL
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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La vedette de la Bosse
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 29.11.21, 12:46
Der zuletzt vorgestellte Blick ( -> [www.drehscheibe-online.de] ) funktioniert ebenso gut in der Gegenrichtung und zählt vom Portal des Tunnel du Cul-de-Brey n°2 aus wohl zu den klassischen Motiven der "Ligne de la Bosse" Dijon - Vallorbe. Aufmerksame Betrachter des vorangegangenen Fotos werden bereits erahnen, dass der Standort ebenfalls recht "delikat" ist und gutes Schuhwerk voraussetzt... Ich war an diesem Tag jedenfalls nicht böse drum, einen Motivator zur Seite zu haben, der sicheren Schrittes vorangegangen ist. ;)

Hat man sich aber nach einer kurzen ausgesetzten Passage erst einmal mitsamt hausgemachter Éclairs aus der örtlichen Bäckerei bequem über dem Tunnel eingerichtet, steht einem entspannten Warten auf den Starzug der Strecke, den theoretisch jeden Werktag verkehrenden Getreide(leer)zug aus Italien nach Gevrey, nichts mehr entgegen.

Dass das Wort "theoretisch" besonders hervorzuheben ist, habe ich glaube ich an dieser Stelle schon mehrfach unter Bildern des vormittäglichen Gegenzuges geschrieben. Denn wie es sich für einen Star gehört, ist der "Céréalier" eine echte Diva, die sich mitunter rar macht und durch Fernbleiben glänzt. ;) Am 23. Oktober 2021 war er jedoch in beiden Fahrtrichtungen mit Last eingelegt und die Hinfahrt des Vollzuges in Richtung Schweiz/Italien auch bereits eingesackt.

Der Status der Rückfahrt machte es im Tagesverlauf indes spannend: Zunächst war sie mit respektablen 518 Minuten Verspätung erst am Morgen statt bereits am Vorabend im italienisch-schweizerischen Grenzbahnhof Domo II eingetrudelt und ich sah das geplante Foto am Roche du Feu vor dem geistigen Auge schon scheitern... Die SBB zeigten sich aber sportlich und beförderten den Zug umgehend weiter nach Vallorbe, wo das Prima-Doppel aus BB 27067 und 27094 bereits für den finalen SNCF-Abschnitt wartete. Letztlich war der Zug dann ab Vallorbe sogar mit verfrühter Abfahrt im System und sorgte nun aus dem genau gegenteiligen Grund als ein paar Stunden zuvor für latenten Stress, aber im Endeffekt klappte alles zur vollsten Zufriedenheit, als um kurz nach halb vier FRET 47620 ([Busca -] Vallorbe - Gevrey) mit Achtungspfiff aus dem Tunnel du Cul-de-Brey n°3 rollte und gemächlich talwärts bremste.

Datum: 23.10.2021 Ort: Mesnay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 27000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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La montée vers le plateau
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 28.11.21, 18:48 sternsternstern Top 3 der Woche vom 12.12.21
Ehe die Reise durch die abwechslungsreichen Landschaften des französischen Juras führt, muss die Bahnstrecke Dijon/Dole - Vallorbe zunächst einmal einen beachtlichen Höhenunterschied überwinden, um von der Saône-Niederung das "Plateau jurassien" zu erreichen. Der kurvenreiche Anstieg beginnt direkt hinter dem Abzweigbahnhof Mouchard auf 287 Metern über dem Meeresspiegel. In rascher Folge wechseln sich fortan bis Andelot (636m) zahllose Tunnels mit kurzen offenen Abschnitten, Viadukten und Einschnitten ab. Besonders eindrücklich ist dabei die Passage der Felsklippen des Roche du Feu oberhalb des Städtchens Arbois mittels gleich dreier Tunnels, der schlicht durchnummerierten Tunnels du Cul-de-Brey eins bis drei.

Aus dem nur 35 Meter langen Tunnel du Cul-de-Brey n°2 taucht am 19. Oktober 2020 gerade der "Baleine" X 73567 als TER 895511 (Dole - Saint-Claude) ans Tageslicht, um wenige Augenblicke später schon wieder in den längsten der drei Tunnels, den immerhin 328 Meter messenden Tunnel du Cul-de-Brey n°3, hinein zu rollen. Das allerdings nicht, ohne von mir mit flinkem Auslösefinger für die Nachwelt verewigt worden zu sein...;)

Von meinem Ausguck in schwindelerregender Höhe, mit respektvoll-angemessenem Abstand zur Felskante, eröffnet sich hinter dem in sein herbstliches Gewand getauchten Wald auch ein weiter Blick zurück auf die Ebene, die der Zug im vorangegangenen Streckenverlauf durchfahren hat. Jahreszeittypisch nicht ohne verschieden hohe Nebel- und Dunstschichten, für die die Flüsse Loue, Doubs und Saône sorgen.

Datum: 19.10.2020 Ort: Mesnay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 20 Punkte

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Opfer des Fortschritts...
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 21.11.21, 16:30
... wurde die Telegrafenleitung, die entlang der "Ligne des horlogers" (dt. "Strecke der Uhrmacher"; eine Hommage an die Handwerkstradition der Gegend) zwischen Morteau und der Staatsgrenze F/CH noch erstaunlich lange überdauert hat, im Zuge der grundlegenden Sanierung der Strecke im Jahr 2021. So begrüßenswert wie nötig diese auch war, so schade ist es für den Fotografen, dass wieder ein Stück alter Eisenbahn weniger als willkommene Motivbeigabe existiert. Einen guten Über- und interessanten Einblick hinsichtlich der Arbeiten bietet folgendes Video des ausführenden Unternehmens Colas Rail: [www.youtube.com]

Noch im alten, aufgrund langjährig nur minimaler Instandhaltung zugleich aber auch erbarmungswürdigen, Zustand befand sich die Strecke am 26. Oktober 2019, als ich an einem Feldwegübergang etwas außerhalb von Morteau den X 73752, unterwegs als TER 18112 (La Chaux-de-Fonds - Besançon), im späten Licht des fortgeschrittenen Herbstnachmittags fotografierte.

Der links oben auf dem Bergkamm erkennbare Sendemast markiert übrigens zugleich den Verlauf der Grenze zur Eidgenossenschaft.

PS: Eine rückseitig zwischen Zug und Telegrafenmast hervorstechende Signaltafel hinter dem Gleis habe ich digital entfernt.

Datum: 26.10.2019 Ort: Morteau [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Bögen schlagen
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 12.11.21, 17:41
Nachdem Nils [www.drehscheibe-online.de] , [www.drehscheibe-online.de] und Jan [www.drehscheibe-online.de] auf dieser Welle kürzlich gleich mehrere Aufnahmen der niederländischen "Nez cassé"-Derivate gezeigt haben, hat Yannick den Bogen zu den marokkanischen Vertretern der "gebrochenen Nasen" geschlagen: [www.drehscheibe-online.de] Zwischenzeitlich ist auch noch die portugiesische Reihe 1900 in Diensten von Medway hinzugekommen: [www.drehscheibe-online.de] .

Was liegt also näher, als die Reise im Mutterland des charakteristischen Designs fortzusetzen, wo Paul Arzens sich in den Sechzigerjahren von der Silhouette eines Sprinters auf dem Startblock inspirieren ließ, als er die ikonische Formgebung schuf? Vielleicht hat der ein oder andere ja zukünftig auch noch etwas aus Slowenien, Belgien oder aber die portugiesische E-Version beizusteuern? Südkorea oder der kurzzeitige Testbetrieb der dort als "french fry" bekannt gewordenen CC 21003 bei Amtrak in den USA wären dann natürlich die absolute Kür...;)

Auf der Suche nach einem auch jahreszeitlich passenden Motiv bin ich im Archiv auf diese Aufnahme aus der Normandie vom 9. Oktober 2018 gestoßen. Apropos Bogenschlagen: Derlei gleich 27 benötigten die Erbauer des großen Viadukts von Barentin, um zwischen 1844 und 1847 (!) die Querung des vom Flüsslein Austreberthe geschaffenen Tals zu realisieren. Die Arbeitskraft, die vor 175 Jahren für das gigantische, vollständig aus roten Ziegelsteinen errichtete Bauwerk aufgewendet werden musste, lässt sich heute nur schwer ermessen... Dass die erste Version kurz vor der geplanten Eröffnung in sich zusammenbrach, ist heute nur noch eine Randnotiz der Geschichte! Versuch Nummer 2 trägt den dichten Verkehr der Strecke Paris - Le Havre seitdem anstandslos.

Zum Aufnahmezeitpunkt waren die Intercités auf den beiden Normandie-Magistralen noch fest in der Hand der BB 15000, wobei nach Rouen und Le Havre - anders als in Richtung Caen, Cherbourg und Trouville - in aller Regel Wendezüge mit entsprechend ausgerüsteten Loks zum Einsatz kamen. So zeigt der aus der BB 15042 und Corail-Wagen im Design der Région Haute-Normandie bestehende INT 3128 (Le Havre - Paris Saint Lazare) das Bild, wie es in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts typisch für die Strecke war. 2020/21 erfolgte dann die praktisch vollständige Ablösung durch neu gelieferte Omneo-Triebwagen.

Datum: 09.10.2018 Ort: Barentin [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 15000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Bonjour Jura!
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 07.11.21, 19:01 sternsternstern Top 3 der Woche vom 21.11.21
In den frühen Morgenstunden verschwimmen auf den Hochplateaus des französischen Juras schon einmal die Jahreszeiten. Auch im Frühjahr und Herbst sind knackige Minusgrade, teils gepaart mit einer schon oder noch in winterliches Gewand gekleideten Landschaft, dann an der Tagesordnung. So zeigte das Thermometer am 23. Oktober 2021 um kurz nach acht zünftige 6 Grad unter Null an, als ich mit hoch aufgestelltem Mantelkragen und ein bisschen Fingergymnastik auf einer Waldwegbrücke im Forêt de la Joux, der mit seinen mächtigen bis zu 50 Meter hohen Nadelbäumen beindruckt, auf den ersten (und an diesem Tag wegen Bauarbeiten in Dijon auch einzigen) TGV von Lausanne nach Paris wartete.

So war ich froh, dass schon wenige Minuten nach Sonnenaufgang und damit absolut pünktlich die funkelnden Spitzenlichter des Euroduplex, wie er seit Ende 2019 auf dieser Relation eingesetzt wird, in der reifüberzogenen Landschaft auftauchten. Neben dem Heulen der Triebköpfe klang bei der Vorbeifahrt des TGV 9264 (Lausanne - Paris Lyon) noch ein ganz anderes Geräusch mit: Das Kratzen des Stromabnehmers an der vereisten Fahrleitung, die die Funken nur so sprühen ließ!

Während der Zug sogleich den (ehemaligen) Bahnhof Boujailles, der heute nur noch als Überleitstelle vom zwei- in den eingleisigen Abschnitt fungiert, passieren und sich mittels zahlreicher Kurven der Saône-Niederung entgegen winden wird, blicken wir - durch das Teleobjektiv verdichtet - über die vom Reif bedeckten Weiden und einige Ställe hinweg weit in den Jura hinein. Die am weitesten hinten gelegene Gebirgskette befindet sich dabei bereits auf Schweizer Territorium. Die höchste sichtbare Erhebung müsste der 1607 Meter hohe Chasseron im Waadtländer Jura oberhalb von Yverdon sein.

Datum: 23.10.2021 Ort: Boujailles [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-TGV 2N2 Euroduplex Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 43 Punkte

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Les vestiges de la Transvosgienne
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 03.11.21, 12:39
Folgt man von Séléstat kommend dem Tal der Flüsse Giessen und Lièpvrette in die Vogesen, begleitet einen auf der Reise ein Schienenstrang, der seine Glanzzeit längst hinter sich hat und nunmehr vollständig in Vergessenheit zu geraten droht.

Im Dezember 1864 von Sélestat zunächst bis Sainte-Marie-aux-Mines eröffnet, erfolgte erst über 70 Jahre später die Verlängerung bis nach Lesseux-Frapelle an der Strecke Straßburg - Saint-Dié. Mit der Eröffnung dieses Abschnitts, der mit dem Tunnel de Sainte-Marie-aux-Mines (6872 m) den lange Jahre über längsten Eisenbahntunnel Frankreichs umfasste, entstand am 8. August 1937 eine dritte Vogesenquerung, die unter anderem direkte Züge von Nancy über Saint-Dié nach Colmar ermöglichte.

Doch schnell hatten sich die verkehrspolitischen Prioritäten verschoben. Weitere ehrgeizige Gebirgsquerungen in unmittelbarer Nähe, von Cornimont nach Metzeral sowie von Bussang nach Wesserling an der Strecke Mulhouse - Kruth, wurden gar nicht erst realisiert, obwohl teilweise bereits mit ihrem Bau begonnen worden war. So kam es im Jahr 1973 auch zur Stilllegung der Verlängerung "unserer" Strecke nach Lesseux - Frapelle, damit der Tunnel zukünftig dem Straßenverkehr dienen konnte. Eine Funktion, die er noch heute erfüllt.

Der Nimbus der durchgehenden "Ligne transvosgienne" war also nach wenigen Jahrzehnten verschwunden und mit der jetzt wieder auf Sélestat - Sainte-Marie-aux-Mines begrenzten Stichstrecke ging es zügig bergab: Januar 1980 Verlagerung des Personenverkehrs auf die Straße, zehn Jahre später Einstellung des Güter- und damit des Gesamtverkehrs zwischen Bois-l'Abbesse und Sainte-Marie, Abbau und Umwandlung in einen Fahrradweg.

Noch bis ins Jahr 2017 durchgehalten hat einzig das Reststück von Sélestat bis zur Zone Industrielle in Bois-l'Abbesse kurz hinter dem Bahnhof La Vancelle, wo bis zuletzt der Hygieneartikelhersteller Hartmann für ein regelmäßiges Verkehrsaufkommen sorgte. Für den Eisenbahnfreund ein besonderes Schmankerl war bis Ende 2012 der Einsatz eines Locotracteurs für die Bedienung, schon damals ein Anachronismus, der in den letzten Jahren zugunsten der BB 75000 (zuerst noch von SNCF Fret, dann vom privaten EVU Sécurail) aufgegeben wurde. Wie so oft waren es gravierende Oberbaumängel infolge unzureichenden Streckenunterhalts, die Anfang 2018 zur finalen Stilllegung führten. Auf eine Finanzierung der etwaigen Sanierung konnten sich die beteiligten Akteure leider nicht einigen. Dem Vernehmen nach knüpfte SNCF Réseau diese an die Bedingung, dass der Kunde die volle Summe allein aufbringt...

Als ich am 20. September 2012 erst- und leider auch letztmals zu Betriebszeiten vor Ort war, ahnte ich davon noch nichts und erfreute mich am orangefarbenen Y 8083, der mit drei für den Hartmann-Standort in Belleville-sur-Saône bestimmten Schiebewandwagen als FRET 432215 (La Vancelle - Sélestat) bei Val-de-Villé unterwegs war. Im Hintergrund erheben sich die schon leicht "angeherbstelten" Vogesen mit dem 856 Meter hohen Altenberg, der am auf seiner Spitze errichteten Sendeturm für das Fernsehen leicht erkennbar ist.

Datum: 20.09.2012 Ort: Val-de-Villé [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Y 8000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

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À la limite météorologique
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 31.10.21, 18:03
Wie an dieser Stelle bereits berichtet [www.drehscheibe-online.de] , zeigte sich der vorletzte Sonntag zumindest in den tieferen Lagen Ostfrankreichs ausgesprochen nebelverhangen. So kam es, dass sich rund um den Col de Saales in den Vogesen im Tagesverlauf recht freundliches Wetter mit einem Mix aus Sonne und Wolken einstellte, rundherum hingegen der Nebel sich den ganzen Tag über nicht lichten sollte.

Besonders deutlich wurde dieses Wetterphänomen, als ich zum Ausklang der Fototour wieder einmal an der kleinen Kapelle im Wald oberhalb von Bourg-Bruche Stellung bezog, um den abendlichen Leerreisezug W 754570 (Rothau - Saint-Dié) abzupassen, mit dem die doppelte RRR-Garnitur, die am Montagmorgen den ersten Pendlerzug der Woche nach Straßburg bildet, in die Sous-préfecture des Départements Vosges zugeführt wird.

Während auf meiner Seite der Wetterscheide, die sich rund um den Climont - mit 965 Metern einer der höheren Berge der mittleren Vogesen - ausgebildet hatte, die Oktobersonne noch einmal alles gab, um die Herbstfarben zum leuchten zu bringen, waberte über den Col de la Steige links des Berges immer stärker der aus der Rheinebene heraufziehende Hochnebel hinein und sorgte für eine beinahe surreale Stimmung, als die BB 67591 mit dem erwarteten Zug durch den Haltepunkt rollte.

PS: Einen "spiddeligen" Strauch am Bahndamm auf Höhe der Lok habe ich nachträglich entfernt.

Datum: 17.10.2021 Ort: Bourg-Bruche [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Festival des couleurs
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 25.10.21, 17:05
Besonders reizvoll, vielleicht am aller schönsten, ist es im Jura im Oktober, wenn der Wald in den schillerndsten Farben zu leuchten beginnt. Dass dieses Naturschauspiel allerdings nicht nur von Woche zu Woche, von Tag zu Tag unterschiedlich ausgeprägt ist, sondern sich mitunter auch an ein und demselben Tag innerhalb weniger Kilometer schlagartig verstärken oder aber praktisch verschwinden kann, haben wir erst kürzlich wieder bemerkt. Je nachdem, in welchem Tal es einen besonders strengen Frost gab, über das Jahr hinweg etwas weniger Niederschlag gefallen ist oder ein erster von Westen heranziehender Herbststurm seine Angriffsfläche gefunden hat...

Insofern hatten Yannick und ich am 29. Oktober 2016 einfach ein bisschen Glück, als wir - auf der Flucht vor dem Nebel an der "Ligne 4" - im Tal des oberen Doubs zwischen Morteau und Gilley praktisch Idealbedingungen vorfanden. Kurz bevor die Sonne gegen 17 Uhr bereits hinter den umliegenden Berghängen verschwand, bahnte sich noch das Doppel aus den beiden mit dem schweizerischen Zugsicherungssystem Integra-Signum ausgestatteten X 73752 und X 73753 als internationaler TER 96422 (La Chaux-de-Fonds - Besançon) pfeifend seinen Weg durch das herbstliche Festival der Farben. Kurz vor Colombière passierte es dabei einen urigen Bahnübergang, der ausschließlich als Zufahrt zu einer Weide dient.

Im Jahr 2021 waren derartige Fotos auf der "Ligne des horlogers" leider nicht möglich, da die Strecke seit März und noch bis zum kommenden Wochenende komplett gesperrt ist, um dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchzuführen. Aber spätestens im nächsten Jahr hat man dann wieder die Gelegenheit - oder vielleicht bleibt ja noch ein bisschen Laub bis in den November hinein an den Bäumen. :)

Datum: 29.10.2016 Ort: Colombière [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Bis hierher und nicht weiter
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 21.10.21, 20:51
Bereits vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle die einstmals knapp 150 Kilometer lange Bahnstrecke von Lérouville über Verdun nach Pont-Maugis bei Sedan bildlich vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de] Personenzüge befahren die "LS" (für Lérouville - Sedan) schon seit gut einem halben Jahrhundert nicht mehr, aber auch der Güterverkehr wurde in den letzten Jahrzehnten stetig zurückgefahren - Und damit fielen immer mehr Abschnitte der bis 1998 noch in gesamter Länge als Strategische Bahn eingestuften Linie im Hügelland zwischen Argonnen und Ardennen völlig in den Dornröschenschlaf. Vom nördlichen Streckenbeginn aus ging es seit Beginn der Siebzigerjahre noch bis Stenay, wo eine Papierfabrik für ein gewisses Aufkommen sorgte und zusammen mit ArcelorMittal in Mouzon lange Jahre den Fortbestand der Strecke sicherte. Im Zuge eines der für den Güterverkehr in der Fläche fatalen "Plans fret" der SNCF änderte sich dies zu Beginn des neuen Jahrtausends: 2007 stellte die Staatsbahn den Coilverkehr nach Mouzon ein, zwei Jahre später die Kohle- und Kaolintransporte zur Papierfabrik nach Stenay.

Seit Ende 2011 wanderten wenigstens die Coils wieder zurück auf die Schiene, diesmal allerdings mit CFL Cargo als ausführendem Transportunternehmen. Mehrmals die Woche bedient die Tochter der luxemburgischen Staatsbahn seitdem die im Bahnhof von Mouzon an der alten Ladestraße errichtete Umschlaghalle. Für den weitere Streckenverlauf südwärts in Richtung Stenay hingegen fand sich seit dem Rückzug der SNCF 2009 kein Prinz mehr, der die Linie wachküsste... Ein am ehemaligen Hausbahnsteig in Mouzon installierter Prellbock sorgt für klare Verhältnisse!

Am 18. November 2018 ist die MRCE-Mietlok G1206 1276 015 mit dem sonntäglichen 62567 aus Hagondange angekommen, hat die beladenen Wagen an der Ladestraße zugestellt (Die schweren Stahlrollen werden nun für die "letzten Meile" einzeln von Lastwagen übernommen, da die auf einer Flussinsel gelegen Fertigungsstätte keinen eigenen Gleisanschluss besitzt) und rollt nun beim Umsetzen bis nahe an das aktuelle Streckenende heran, ehe es mit den Leerwagen als 62568 zurück nach Ébange gehen wird. Das Empfangsgebäude indes wurde kürzlich saniert und wird von der Gemeinde für bahnfremde Zwecke genutzt. Ein Foto, das Pascal Dumont an selber Stelle vor knapp 20 Jahren aufgenommen hat, sei allen Freunden von "Einst und jetzt"-Vergleichen empfohlen: [www.flickr.com]

PS: Einen hinter der Lok hervor lugenden Mast hat aus ästhetischen Gründen die virtuelle Flex erfasst...;)

Datum: 18.11.2018 Ort: Mouzon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 271,277 (alle Vossloh-Mittelführerstandsloks) Fahrzeugeinsteller: MRCE
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 3 Punkte
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Où es-tu soleil?
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 20.10.21, 17:49 sternsternstern Top 3 der Woche vom 31.10.21
Am vergangenen Wochenende, 16./17. Oktober 2021, bescherte das Hochdruckgebiet Philine dem deutschen Südwesten und den angrenzenden Regionen Ostfrankreichs zwar ruhiges Herbstwetter. Mit der Sonne war das aber schon eine ganz andere Geschichte... Entlang des Oberrheins hatte sich, wie allzu oft, massiv ausufernder Hochnebel gebildet, der jegliche Fotoambitionen im Keim erstickte. Und auch ansonsten macht ein Sonntagsausflug unter der trüben Dunstglocke doch nicht so richtig Spaß. Also musste irgendwie an Höhe gewonnen werden, um möglicherweise doch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen. Da zumindest ein bisschen Eisenbahn dabei sein sollte, war die Auswahl an möglichen Zielen naturgemäß recht begrenzt, sodass ich mich letztlich an die Strecke Straßburg - Saint-Dié aufmachte, wo ich mir auf immerhin rund 550 Metern Höhe noch am ehesten Chancen auf Sonne ausrechnete!

Tja, was soll ich sagen: Der (Hoch-)Nebel war am Sonntag ungewöhnlich stark ausgeprägt und trotz einiger marginal hellerer Momente legte ich die gesamte Strecke bis zum Col de Saales letztlich in der Düsternis zurück. Ganz oben dann aber ein wunderbares Spektakel, als die Morgensonne durch den Nebel brach und bei klirrender Kälte um den Gefrierpunkt frische Vogesenwaldluft geschnuppert werden konnte! Leider beschränkte sich das vorerst aber wirklich auf ein winziges Nebelloch in Saales selbst. Schon wenige Kilometer weiter, wo sich die Strecke in Richtung Saint-Dié herabzuwinden beginnt, stocherte ich wieder im tristen Grau. Aber auf der Waldwegbrücke unweit des Weilers Le Houssot wollte ich dennoch bis zur nächsten Zugfahrt warten, denn irgendwie schien mir weit oben doch ein schwacher Schimmer über dem Nebel zu liegen. Ohnehin ist es - mitten im Wald gelegen - ein wunderbarer Platz zum Verweilen.

Der Nebel machte es spannend, aber rechtzeitig zum TER 831861 (Saint-Dié - Strasbourg) gab er den Blick ein Stück weit frei und zog sich vornehm in den Hintergrund zurück. Was wollte ich - in Kombination mit den Herbstfarben - mehr...? Nach diesem Auftakt blieb ich dann den ganzen Tag über im Umkreis weniger Kilometer, wo neben dem sonntags dünnen Bahnverkehr auch zahllose Wanderrouten entdeckt werden wollen. :)

Datum: 17.10.2021 Ort: Le Houssot [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 30 Punkte

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Détourné sous le Pont Napoléon
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 19.08.21, 21:48
Zwei mal pro Woche wird das zur Saarstahl-Gruppe gehörende Drahtziehwerk in Port-d'Atelier, im Département Haute-Saône an der "Ligne 4" gelegen, dessen Produkte für Heftklammern, Schutzmasken, Glasfaserleitungen, Drähte für die Automobilindustrie und vieles mehr Verwendung finden, per Bahn mit Rohstoffen versorgt: [www.youtube.com] .

Die aus Deutschland kommenden, mit Drahtrollen beladenen Wagen werden durch CFL Cargo France über den Knotenbahnhof Blainville vor den Toren von Nancy in der Regel via "Ligne 15" und Culmont-Chalindrey angeliefert. Da diese Strecke in den letzten Jahren unter der Woche aber immer wieder für Bauarbeiten gesperrt war, wurde der Zug mittwochs an gewissen Daten über Épinal und Lure umgeleitet, wo ansonsten planmäßig kein Güterverkehr mehr stattfindet und nur wenige Male am Tag ein einsamer Baleine durch die Wälder der Vogesen rollt.

Der 10. Mai 2017 war einer dieser Tage. Aufhänger unserer Tour waren eigentlich die anberaumten Fahrten des Unkrautspritzzuges über die wunderschöne Strecke Molsheim – Saint-Dié, aber auch den CFL-Umleiter ein paar Kilometer weiter südwestlich nahmen wir am Nachmittag natürlich gerne mit. Nördlich von Xertigny erwarteten Urs, Basti und ich BB 75109 mit dem 61801 (Blainville-Damelevières - Port-d'Atelier) unterhalb des eindrücklichen „Pont Napoléon“ – Unter Beobachtung eines geradezu manisch aufmerksamen Anwohners, der in uns böse „écolos“ ausgemacht haben wollte, die mit ihren Kameras doch bestimmt Vorbereitungen für eine Protestaktion (mindestens, wenn nicht gar Sabotage!) eines dort vielleicht alle Jubeljahre einmal vorbei kommenden Kastortransports trafen…;) Die Erklärung, dass da gleich nur ein paar umgeleitete Drahtrollen vorbei scheppern würden, stellte ihn ersichtlich nicht zufrieden. Unsere Kennzeichen habe er sich jedenfalls notiert, ließ uns der mutmaßliche Le Pen-Anhänger zum Abschied wissen. Gehört haben wir natürlich in dieser Sache nichts mehr!

Datum: 10.05.2017 Ort: Xertigny [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75000 Fahrzeugeinsteller: Akiem
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Ex oriente lux
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 06.08.21, 14:41
Wie (nicht nur) der Lateiner weiß, geht bekanntermaßen im Osten die Sonne auf. Mitte September bedeutet das, dass sie dabei auch genau im richtigen Winkel für einen morgendlichen Scherenschnitt am bekannten Viaduc de Chamborigaud an der Cevennenbahn Nîmes - Clermont-Ferrand steht, den ich euch hier mit meinem Galeriefoto Nr. 400 präsentieren möchte! :)

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Das runde Jubiläum nehme ich zum Anlass, mich mal wieder bei all denjenigen zu bedanken, die mit ihren Bildern oder durch ihre anderweitige Mitarbeit vor oder hinter den Kulissen das Projekt DSO-Galerie gestalten und lebendig halten. Unter meinen eigenen Aufnahmen freue ich mich natürlich besonders - auch wenn ich nicht immer die Zeit habe, auf jeden einzelnen einzugehen - über die zahlreichen interessierten Kommentare und oft persönlichen Anekdoten, die ich in dieser Form wirklich einmalig finde. Denn unweigerlich vergleicht man heutzutage immer wieder auch mit der Veröffentlichung auf anderen Plattformen, aber die Galerie bleibt für mich aufgrund ihrer Mischung aus tollen Aufnahmen verschiedener Stile aus Deutschland und aller Herren Länder, angereichert um viele spannende Textbeiträge, wie sie die Forenkultur der Plattform DSO sicher begünstigt, die persönliche Nummer eins. Neben diesem Dank an die vielen "alten Hasen" der Galerie, die ich zwischenzeitlich zu einem Teil ja auch persönlich kennenlernen durfte, kann ich daher nur jeden der (bislang) stillen Betrachter und Genießer da draußen ermuntern, doch vielleicht auch einmal eines eurer eigenen Lieblingsfotos zur Auswahl stellen. :)

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Während die Ligne des Cévennes in ihrer Gesamtlänge nur von drei Personenzugpaaren befahren wird, nimmt der Verkehr zu den beiden Streckenenden im Zulauf auf Clermont-Ferrand einerseits und auf Alès und Nîmes andererseits wenigstens ein bisschen zu, sodass sich mit TER 877507 (Génolhac - Nîmes) tatsächlich auch am frühen Sonntagmorgen, an dem ich meine Aufnahme machte, ein passender Protagonist auf Schienen finden ließ. Ein unerkannt gebliebener B 81500 rollte über die 46 Meter hohen Rundbögen des 1865 - 1867 errichteten Bauwerks nach Süden.

Zuletzt bearbeitet am 06.08.21, 14:44

Datum: 13.09.2020 Ort: Chamborigaud [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 18 Punkte

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Les boîtes à chaussures - IV
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 01.08.21, 20:22
- Fortsetzung zu [www.drehscheibe-online.de] -

Nach fast vier Jahren wird es Zeit für eine Fortsetzung meiner kleinen Serie zu den "boîtes à chaussures" (dt. "Schukartons"), denke ich! ;) Zwar sind Ende 2017/Anfang 2018 die allerletzten X 2100/2200er-Triebwagen aus dem regulären Betriebsbestand der SNCF ausgeschieden, aber erfreulicherweise haben sich mittlerweile diverse Vereine, Museums- und Touristikbahnen eines oder häufig gleich mehrere Exemplare zur Erhaltung - meist weiterhin betriebsfähig - gesichert.

Ein besonderes Schmuckstück stellt dabei sicher der X 2204 dar, der in Südfrankreich von der Association du Train Touristique du Centre Var [www.attcv.fr] in rot-weißer Farbgebung betreut wird. Eine von vier verschiedenen Spielarten der Produktfarben, wie sie von den späten Achtzigerjahren bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends, vor der Modernisierung und Umlackierung der Flotten in die silber-blaue Livrée, für die TER-Züge der Regionen typisch waren.

Den Sommer 2020 über war er in Veynes stationiert, sollte aber Mitte September für eine Fahrzeugausstellung im Zuge der "Journées du patrimoine" nach Nizza überführt werden. Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit für eine Sonderfahrt durch alle sechs Départements der Région PACA, bei der die Reisenden die abwechslungsreichen Landschaften von den Gipfeln der Alpen bis hin zum azurblauen Mittelmeer genießen können. Leider machten diesem Erlebnis die wieder steigenden Corona-Zahlen einen Strich durch die Rechnung, ebenso wie der angedachten Fahrzeugausstellung... Die Überführung fand trotzdem statt, allerdings als nicht öffentliche Fahrt ohne Gäste.

Der kurze Triebwagen bot sich für die Umsetzung eines schon lange auf meiner Wunschliste stehenden Motivs an: Der nur sehr sparsam mit neuzeitlichen Accessoires ausgestattete Bahnhof Serres an der Strecke Veynes - Marseille mit der ihn umgebenden Felslandschaft und dem an den Hang gebauten Ortskern im Hintergrund. Sogar der am Empfangsgebäude, vor dem an jenem Tag die Tricolore flatterte, geparkte Nissan Patrol 260 (?) dürfte zeitlich in etwa zum X 2204 (Baujahr 1986) passen, der in flotter Fahrt als W 803831 (Veynes - Nice-Saint-Roch) in Richtung Côte d'Azur unterwegs war.

Merci à l'asso pour les horaires! :)

Datum: 12.09.2020 Ort: Serres [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2200 Fahrzeugeinsteller: Train Touristique du Centre Var (ATTCV)
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Pielstickbrummen und Glockengeläut
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 30.07.21, 19:04
Noch fahren sie, die Straßburger BB 67400, jedenfalls außerhalb der "roulements plein été" in den französischen Sommerferien. Seit Umstellung des Nachtzuges Paris - Rodez/Albi ist ihr Elsässer Habitat die allerletzte Bastion der altgedienten Dieselloks im planmäßigen Personenverkehr. Grund genug, sich den Maschinen im Herzen der Vogesen noch einmal ausführlich zu widmen! So führte mich im Juli 2020 eine der ersten Frankreich-Touren nach dem Ende der vorübergehenden Grenzschließungen aufgrund der ersten Welle der Corona-Pandemie ins Breuschtal und zum Col de Saales, wo in den waldigen Bergen das Elsass auf Lothringen trifft. Unbestrittener "Headliner" war der freitagabendliche TER von Saint-Dié nach Rothau: [www.drehscheibe-online.de]

Nach diesem Foto ging es dann langsam heimwärts, wobei der lange Sommerabend und eine recht konstante Lücke in der ansonsten üppigen Wolkendecke mich noch einmal innehalten und überlegen ließen, ob man nicht auch den nach 20 Uhr an seinem Endbahnhof eintreffenden TER 831834 (Strasbourg - Saales) noch sinnvoll irgendwo abpassen könnte. Gesagt getan, und schnellen Schrittes noch zur oberhalb von Bourg-Bruche einsam und ruhig im Wald gelegenen Kapelle hoch gestiefelt! Denn von dort bietet sich durch eine enge Schneise zwischen den Bäumen ein Blick auf Kirche und Bahnhof des Ortes sowie den zugehörigen Schienenstrang.

Sagte ich einsam und ruhig? Grundsätzlich ja, doch wie es der Zufall so wollte, kam kurz nach meiner Ankunft ein älteres Paar aus dem Ort hinauf und ließ sich zur Abendvesper auf den Bänken ein paar Meter unterhalb meines rutschig am Hang befindlichen Standorts nieder - Nicht ohne zuvor mit voller Inbrunst die Glocken der kleinen Kapelle zu läuten. Als parallel auch der Klang der Kirche unten in Bourg-Bruche einsetzte und überdies BB 67591 ihren Zug geräuschvoll gen Saales beschleunigte, entstand für eine kurze Zeit eine ganz eigentümliche klangliche Melange: Pielstickbrummen und Glockengeläut!

Im Anschluss rutschte ich unter interessierter Beobachtung mit allenfalls semi-adäquatem Schuhwerk (die Wanderschuhe hatte ich wegen der Spontaneität der Aktion total vergessen...) den Hang runter zum Platz vor der Kapelle, woraufhin sich dann noch ein nettes Gespräch entwickelte, denn die beiden waren mindestens so erstaunt wie ich, hier oben an diesem Freitagabend noch jemanden zu treffen. Ein Gespräch über das Elsass im Allgemeinen und das Breuschtal im Besonderen, über die Landschaft und auch die Bahnstrecke, die hindurchführt. Sie beklagten die zahlreichen geschlossenen Bahnhöfe und ich konnte das Lamento vervollständigen, als ich auf die infolge von Oberbaumängeln derzeit außer Betrieb befindliche Linie von Saint-Dié nach Épinal zu sprechen kam. Der Verweis, dass sich Emmanuel Macron - auf Druck der Kommunalpolitik - persönlich für die Wiedereröffnung verbürgt hatte, sorgte nur für ein amüsiertes Schmunzeln. Nein, beliebt ist er (auch und insbesondere) hier nicht, der Präsident der Republik...;)

Zuletzt bearbeitet am 31.07.21, 11:45

Datum: 03.07.2020 Ort: Bourg-Bruche [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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En pleine transition
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 11.07.21, 18:55
Anfang Juni 2012, zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur, führte mich eine kleine Zugreise nach Grenoble und an den Sillon Alpin Sud, eine Bahnstrecke, die sich zum damaligen Zeitpunkt mitten im Umbruch befand und, wenn ich mich richtig erinnere, wenige Tage oder Wochen später wieder einmal für eine umfangreiche Bauphase gesperrt werden sollte.

Doch noch einmal von Anfang an: Die Rede ist beim "S.A.S." von der Achse Chambéry - Grenoble - Valence, die ab Montmélian bis zur Mündung weitgehend dem Verlauf der Isère folgt, mal mehr, mal weniger weit vom Fluss entfernt. Die gut 150-jährige Geschichte der Bahn war nicht immer nur rosig, denn obwohl mitunter namhafte Schnellzüge wie der Catalan Talgo Genf - Barcelona den Schienenstrang befuhren, wurde er zwischen Romans und Moirans gleich mehrfach seines zweiten Gleises beraubt, einmal gegen Ende des ersten Weltkriegs, abermals - und dieses Mal für rund ein halbes Jahrhundert - ab dem Jahre 1958. Auch die abschnittsweise Stilllegung der vernachlässigten Infrastruktur stand im Raum, ehe man sich Anfang des 21. Jahrhunderts eines Besseren besann und die Generalsanierung beschloss, ein Glücksfall, der in den letzten Jahrzehnten lange nicht jeder französischen Bahnlinie zuteil wurde!

In einer ersten Phase in den Jahren 2009 und 2010 wurde zwischen Saint-Marcellin und Moirans das zweite Gleis wieder aufgebaut und die Signaltechnik auf moderne Lichtsignale umgestellt. Der Dieselbetrieb hingegen blieb vorerst aufrecht erhalten, sodass auch den BB 67300 vor den "Omnibus"-Zügen zwischen Chambéry, Grenoble und Saint-Marcellin noch eine letzte Galgenfrist gewährt wurde. In genau diesem Zeitraum war ich vor Ort und erwartete am Abend des 1. Juni 2012 die in recht rustikalem Zustand daherkommende BB 67346 mit der RRR-Garnitur 'D' im Schlepp als TER 883757 (Chambéry - Saint-Marcellin) in der langen, nunmehr wieder zweigleisigen Geraden vor Vinay im südlichen Grésivaudan.

Typisch für diesen Streckenabschnitt war neben dem Verlauf durch schier endlose Walnussplantagen vor dem Hintergrund der steil aufragenden Felswände des Vercors auch eine Vielzahl fotogener Steinbogenbrücken, die Straßen und Wirtschaftswege über die Bahn führten. Während sich die Kulturlandschaft auch heute noch weitgehend unverändert zeigt, haben die Brücken die 2012/2013 realisierte Elektrifizierung leider nicht überlebt. Sie waren Fahrdraht und Fortschritt im Weg... Heute rollen die TER ausnahmslos elektrisch durch das Tal, großteils als Triebwagen, aber auch in Form von BB 22200 mit Corail-Wendezügen. Vielleicht auch noch mal eine Reise wert? Aber irgendwie ist es eben doch nicht mehr dasselbe, wenn man "damals" die Fahrt am offenen Fenster bei wehenden Vorhängen hinter den im Stop-and-Go-Verkehr gut geforderten Pielstick-Dieseln erlebt hat. Mensch, man wird alt...;)

Mehr zur Geschichte und eine Vielzahl sehenswerter Fotos finden Interessierte in der umfassenden Streckenchronik "Sillon Alpin Sud - Vie et transfiguration d'un chemin de fer" von Mariano Flores, erschienen 2015 bei Presses & Editions Ferroviaires.

Datum: 01.06.2012 Ort: Vinay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67300 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 18 Punkte

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Les mauvaises herbes, on les aime!
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 06.07.21, 18:54 sternsternstern Top 3 der Woche vom 18.07.21
Der Bahnhof Sarralbe - einstmals bedeutender Bahnknoten, heute Biotop mit Gleisanschluss. 1872 ging er in Betrieb, als die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) ein Jahr nach Ende des deutsch-französischen Krieges die Bahnstrecke von Sarrebourg (damals: Saarburg) nach Sarreguemines (damals: Saargemünd) in Betrieb nahm. In diese Zeit geht auch das - später erweiterte - Empfangsgebäude zurück, das wie die gesamten Bahnanlagen nicht verhehlen kann, dass es errichtet wurde, als das Gebiet am Oberlauf der Saar Teil des "Reichslandes" war. So finden sich dort noch heute etwa auch deutsche Kilometersteine... Seit 1895 ging es von Sarralbe aus per Bahn in vier Himmelsrichtungen, neben den bereits genannten Destinationen auch nach Kalhausen und Champigneulles bei Nancy via Bénestroff.

Und heute, 125 Jahre später? Einzig verblieben ist nach dem Ende des schienengebundenen TER-Verkehrs nach Sarre-Union Ende 2018 die Strecke aus Kalhausen sowie ein kurzer, wenige Hundertmeter langer Stummel jener nach Sarreguemines, der als Anschlussgleis zum Solvay/Ineos-Chemiewerk dient. Seit Einstellung des Personenverkehrs erobert sich zudem die Natur das Areal immer weiter zurück.

Am Morgen des 14. Juni 2021 hatte sich BB 60126 mit einem einzelnen VTG-Kesselwagen für Ineos als FRET 431017 (Woippy - Sarralbe) mit - der herabgesetzten Streckenhöchstgeschwindigkeit geschuldet - maximal 40 km/h an das Biotop herangepirscht. Die ideale Zuglänge, um die Fuhre beim Zurückdrücken ins Werk gemeinsam mit Empfangsgebäude, ehemaligem Wasserturm (heute innen zu Wohnzwecken ausgebaut) und auf der früheren Ladestraße prächtig gedeihenden Mohnblumen in Szene zu setzen. Wie schön doch "Unkraut" sein kann! :)

PS: Ein Stromkabel, das sich bei diesem Blickwinkel mit Mohn im Vordergrund nicht vermeiden ließ, habe ich nachträglich digital aus dem Himmel entfernt.

Datum: 14.06.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 26 Punkte

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Lichtschneise
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 04.07.21, 18:51 sternsternstern Top 3 der Woche vom 18.07.21
Nicht ganz einfach gestaltet es sich Mitte September, auf der Col de Cabre-Linie in den französischen Alpen den morgendlichen TER 17352 (Briançon - Romans-Bourg-de-Péage) ins passende Licht zu rücken. Allzu oft werfen die umgebenden Berge mit ihren schroffen Felshängen zu früher Stunde noch ihre Schatten auf Talgrund und Bahnstrecke. Bei Luc-en-Diois jedoch - einem jener charmanten französischen Bergstädtchen, die trotz ihrer bescheidenen Größe von nur rund 500 Einwohnern eine erstaunliche Lebendigkeit ausstrahlen - zweigt ein kleines, landwirtschaftlich genutztes Seitental ab, das einer Schneise gleich das Morgenlicht einfallen lässt.

Ich schaute mir das Spektakel aus einigem Abstand an. Unterhalb einer kleinen Schutzhütte am Steilhang stehend, ergibt sich rund 150 Meter oberhalb des Ortes ein freier Blick auf die typische Landschaft, den Zug und Teile von Luc-en-Diois. Echte Hasardeure können womöglich sogar noch die Kirche Sainte-Vierge mit einbeziehen, doch dafür muss man noch ein paar Schritte weiter in Richtung Abgrund. Ein Unterfangen, das ich kurz in Erwägung gezogen hatte, dann aber angesichts des extrem trockenen und dadurch bröckelig-rutschigen Waldbodens ganz schnell wieder aufgab, als ein Teil des selbigen inklusive eines kapitalen Steins in die Tiefe rauschte. Bis man den Aufschlag hörte, brauchte es eine Zeit...;)

Hinter der Kurve, die den Bergrücken links im Bild umrundet, schließt sich übrigens - hier nicht sichtbar - der Viaduc du Claps an, zusammen mit dem Tunnel von Beaurières wohl der bedeutendste Kunstbau der Strecke.

Datum: 15.09.2020 Ort: Luc-en-Diois [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 72500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 20 Punkte

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Double mixte en descente
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 17.06.21, 15:45
Mit meinem letzten Galerie-Foto habe ich euch mitgenommen nach Larzalier [www.drehscheibe-online.de], auf die rauen Hochplateaus des Départements Lozère. Bleiben wir noch ein bisschen vor Ort und schauen uns den weiteren Streckenverlauf in Richtung Mende an!

Um vom Scheitelpunkt der Bahnlinie auf 1215 Metern über dem Meer hinunter in die Präfektur am Oberlauf des Lot (auf 723 Meter) zu gelangen, beschreibt der "Translozérien" unmittelbar westlich von Larzalier eine weite Schleife in Form einer großen S-Kurve, die es den Zügen ermöglicht, die Höhendifferenz zu überwinden, gleichwohl unter Inkaufnahme merklicher Steigungen - bzw. in dieser Richtung natürlich eines entsprechenden Gefälles. Deutlich wird dies, wenn man die links oben am schattigen Hang liegende Schneeverbauung, die mir für die X 2800er-Aufnahme als Fotostandpunkt diente, mit dem Gleisabschnitt im Vordergrund vergleicht, über den am späten Abend des 17. Juli 2016 ein gemischtes "Baleine"-Doppel als TER 877912 (Nîmes - Mende) bergab rollte.

Der vordere Triebwagen trägt die an den Farben Kataloniens und des Languedoc orientierte Livrée der (ehemaligen) Région Languedoc-Roussillon, der hintere - vmtl. erst kurz zuvor umstationierte oder leihweise in der Gegend weilende - das neutrale TER-Design ganz ohne regionalspezifische Details.

Zuletzt bearbeitet am 17.06.21, 22:38

Datum: 17.07.2016 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Monté sur le toit
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 24.05.21, 20:14
Wortwörtlich aufs Dach gestiegen bin ich für dieses Foto einer der Galerien, die vor nunmehr über hundert Jahren entlang des Translozérien errichtet wurden, um den Schienenstrang vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Denn die Strecke von Le Monastier über Mende nach La Bastide verläuft zwischen der Präfektur des Départements Lozère und der Einmündung in die Cevennenbahn im übertragenen Sinne auch auf einem Dach, "sur le toit de la France" nämlich. Auf der Plaine de Montbel erreicht sie mit 1215 Metern über dem Meer den höchsten Punkt des nicht elektrifizierten, regelspurigen französischen Eisenbahnnetzes!

So suchten im Februar 1903, nur wenige Monate nach ihrer Eröffnung, erstmals heftige Schneeverwehungen die Strecke heim und ließen die zierliche Dampflok eines von La Bastide nach Mende fahrenden Personenzugs in unmittelbarer Nähe meines Fotostandpunkts in Larzalier stecken bleiben. Die gestrandeten Passagiere konnten die Nacht zwar im Schrankenwärterhaus, das hier hinter dem Baum in Bildmitte nur zu erahnen ist, verbringen, aber dennoch war der Horrornachricht ein Platz auf Seite eins der damaligen "Nouvelles illustrées" sicher (vgl. S. 80/81 im nur noch antiquarisch erhältlichen Buch "Les trains du toit de la France" von La Régordane). Eine Schmach für die Bahnverwaltung, die sich in den Wintern 1905 und 1906 in ähnlicher Form wiederholen sollte und schließlich darin gipfelte, dass man insgesamt rund sechs Kilometer der Nebenbahn kurzerhand unter steinernen Schneeverbauungen versteckte.

Jene am ehemaligen Haltepunkt Larzalier wird von einem schmiedeeisernen Fußgängersteg zu einer Weide überquert (!), der heute zwar seine Daseinsberechtigung weitgehend verloren haben dürfte, mir aber meine Fotoposition auch ohne waghalsige Kletterei ermöglichte. Am Wochenende der "Journées de patrimoine" am 19./20. September 2020 befuhren die Ehrenamtlichen der in Langogne ansässigen Association des passionnés de l'X2800 [www.ap2800.fr] mit ihren beiden Schmuckstücken X 2819 und X 2914 den Translozérien. Schnee war zwar nicht in Aussicht, das Wetter aber dennoch extrem rau und ungemütlich mit viel Regen und dichten, sich überlagernden Wolkenschichten. Für die nachmittägliche Rückfahrt aus Mende am Sonntag ließ sich dann entgegen aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich in einem passenden Zeitfenster die Sonne blicken. :)

Schlagen wir aber noch einmal kurz den Bogen zurück zur wechselvollen Geschichte des kleinen Ortes: Im Bildhintergrund, kurz vor dem Bahnwärterhaus, das in jener Schneenacht 1903 als Retter fungierte, zweigte ab ca. 1925 für wenige Jahre eine Anschlussbahn zur damals im Bau befindlichen, rund 15 Kilometer entfernten Barrage de Charpal ab, die sogar noch einmal ein gutes Stück weiter anstieg als der Translozérien, auf 1388 Meter! Sie sollte auch militärischen Zwecken dienen (man plante hier im Niemandsland die Lagerung von Schießpulver), verschwand aber letztlich bereits in der zweiten Hälfte der 30er Jahre wieder von der Bildfläche, ohne jemals nennenswert genutzt worden zu sein. Heute dienen weite Teile der Trasse als Straße/Wirtschaftsweg...

Zuletzt bearbeitet am 25.05.21, 13:31

Datum: 20.09.2020 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2800 Fahrzeugeinsteller: Association des passionnés de l'X2800 (AP2800)
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 14 Punkte

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ZGC: Zur Ginsterblüte (auf den) Causses
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 17.05.21, 17:12
Was die Kurzbezeichnung der elektrischen Variante des AGC ausgeschrieben bedeutet, liegt ja praktisch auf der Hand, wenn man das Bild so betrachtet! Oder vielleicht ist auch doch alles ganz anders, eher technischer Natur, wer weiß...;)

Unbestritten allerdings lohnt sich ein Besuch der Causses - der Kalkhochebenen im südlichen Massif Central - zur Zeit der Ginsterblüte Ende Mai/Anfang Juni besonders. Wenn zwischen Wäldern und Weiden die Blüten sprießen, leuchtet die ganze Gegend gelb und verzaubert noch ein kleines bisschen mehr, als es der abgelegene Landstrich, wo es mehr Aubrac-Rinder als Menschen geben dürfte, mit seiner immensen Weite ohnehin schon tut.

Mitten hindurch verläuft von Süd nach Nord die "Ligne des Causses" Béziers - Neussargues. So gesellen sich zum blühenden Ginster noch ein paar Portalfahrleitungsmasten - die berühmten "Ogives" der MIDI - und zahllose Kunstbauten, gelegentlich sogar einer der spärlich verkehrenden Züge... Am 28. Mai 2016 war es ein unbekannter ZGC als TER 878950 (Béziers - Saint-Chély-d'Apcher), der um kurz nach zehn den Viaduc de la Crueize nördlich von Marvejols überquerte. Mit einer Länge von 218 Metern und gut 63 Metern Höhe zählt das 1880 bis 1884 errichtete und nach dem gleichnamigen Tal manchmal auch als Viaduc de l'Enfer bezeichnete Bauwerk zu den größeren Viadukten im Streckenverlauf.

Datum: 28.05.2016 Ort: Fraissinet [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 27500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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La grande finale des Pielstick?
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 14.05.21, 17:38
Als eine der klassischen Diesellokreihen, die den französischen Bahnbetrieb der letzten Jahrzehnte in großer Stückzahl prägten, gelangten die BB 67400 im Laufe ihrer Karriere immer wieder auch ins benachbarte Ausland. Während sich das in den meisten Fällen auf die unmittelbare Grenznähe beschränkte (Saarbrücken z. B. war langjähriger Wendebahnhof), unterhielt das nordfranzösische Dépôt Longueau einen umfangreichen Bestand an Lokomotiven mit Belgien-Zulassung, die bis weit ins Königreich hinein eingesetzt wurden, zunächst in Kooperation der beiden Staatsbahnen, später als direkter Konkurrent zur SNCB. In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends erreichten diese Open Access-Verkehre von SNCF Fret ihren Höhepunkt: Chemie-Züge aus Tessenderlo und Zement aus Havinnes, Glukose ab Aalst und Holz aus Marloie, umfangreiche Container- und Getreideverkehre an die Nordsee... Und sogar für den Rangierdienst im Hafen von Antwerpen waren eigens Loks abkommandiert!

Dieser Boom jedoch ist längst wieder vorbei. Meist haben andere Unternehmen wie Europorte oder Lineas (Ironie der Geschichte: Das ist die verselbständigte Gütersparte der belgischen Staatsbahn, der man einst das Leben schwer gemacht hat...) die Züge übernommen oder die SNCF setzt auf neuere E-Loks. Ein Verkehr aber hat sich die letzten Jahre über halten können, auch wenn er nur kampagnenmäßig ist: Der Schottertransport vom Sagrex-Steinbruch in Quenast südlich von Brüssel nach Frankreich, um bedarfsweise Bahnbaustellen im Norden des Landes mit Nachschub zu versorgen. Wer sich auch nur ein wenig für den belgischen Bahnbetrieb interessiert, dem werden die Züge kaum entgangen sein...;)

Auch im Frühjahr 2021 rollen sie wieder! Insgesamt rund 45 Fahrten sind geplant, die Ende März begonnen haben und voraussichtlich noch bis zum 11. Juni andauern werden. Obwohl die 67400er schon mehr als einmal vermeintlich endgültig den belgischen Gleisen den Rücken gekehrt haben, rückt das tatsächliche Ende jetzt in konkrete Nähe und die Chancen sind hoch, dass die Schotter-Saison 2021 die letzte mit den Pielstick-Maschinen sein wird. Die Gründe dafür sind technischer Natur: Immer mehr Strecken im Netz von Infrabel werden mit ETCS ausgerüstet, womit ein Abbau der charakteristischen "Krokodile" im Gleis für das Zugbeeinflussungssystem Memor einhergeht, sodass die 67400 dort nicht mehr eingesetzt werden können, es sei denn man würde sie - sehr unwahrscheinlich - noch einmal mit ETCS oder mindestens TBL1+ ausrüsten. In naher Zukunft (ein genaues Datum habe ich leider nicht finden können) soll auch die "Ligne 96" von Brüssel nach Mons und zum Grenzübergang Quévy an der Reihe sein, auf der besagte Schotterzüge unterwegs sind.

Entgegen kommt dem geneigten Fotografen auch ein umfangreicher Rückschnitt des Bewuchses entlang der "L96", der viele neue Stellen ermöglich hat. Besonders nett finde ich dabei die alte Steinbogenbrücke, die bei Neufvilles die in einem kurvigen Einschnitt liegende Bahn überspannt. Am 23. April erschienen BB 67629 und 67579 pünktlich mit dem Leerzug FRET 49883 (Somain - Quenast) auf der Bildfläche. Die letzte blaue Diesellok im Bestand von SNCF Fret war rund einen Monat lang für diese Leistung eingeteilt, wurde Anfang Mai aber durch eine grüne Schwesterlok ersetzt.

Datum: 23.04.2021 Ort: Neufvilles [info] Land: Europa: Belgien
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Ein Franzose im Ösling
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 11.05.21, 17:36
Z2 und Mittelgebirge? Das gab bzw. gibt es nicht nur im französischen Doubstal, wie mit meinem letzten Galeriebild gezeigt, sondern auch im Ösling, dem luxemburgischen Teil der Ardennen im Norden des Großherzogtums! Während die Einsätze auf der landschaftlich besonders reizvollen Nordstrecke hoch bis nach Troisvierges leider seit einigen Jahren der Vergangenheit angehören, bietet die seit Stilllegung des weiteren Verlaufs ins belgische Bastogne (schrittweise bis 1967) nur noch gut neun Kilometer lange Nebenbahn von Kautenbach nach Wiltz nach wie vor die Möglichkeit, die luxemburgische Variante der Z2 - bei den CFL als Reihe 2000 bezeichnet - in bergiger Umgebung zu erleben.

Mehr oder weniger dicht folgt die Bahn dabei dem kleinen Fluss, der ebenfalls auf den Namen Wiltz hört, durch das waldreiche, eng in die umgebenden Höhenzüge eingeschnittene Tal. Kurz vor Erreichen des Abzweigbahnhofs Kautenbach, wo Anschluss nach Luxemburg Stadt und Troisvierges sowie Lüttich besteht, weitet sich der Talgrund etwas und lässt am Morgen einen freien Blick auf die Stützmauer der Bahn zu. Am 16. August 2016 war Triebwagen 2006 im Pendeldienst unterwegs und wird als RE 1833 (Wiltz - Kautenbach) gleich sein Ziel erreichen, von wo aus es nach kurzem Aufenthalt wieder zurück nach Wiltz gehen wird, ein sich im Halbstundentakt bis in die Abendstunden wiederholendes Schauspiel.

Weitere Einsätze der rund dreißig Jahre alten Fahrzeuge finden derzeit noch in Doppeltraktion als RB von Luxemburg Stadt über Ettelbrück nach Diekirch sowie auf den Strecken Noertzange - Rumelange, Esch-sur-Alzette - Audun-le-Tiche (F) und Bettembourg - Volmerange-les-Mines (F) statt, letztere allesamt ähnlich kurze Stichbahnen wie Kautenbach - Wiltz. Bis 2024 ist eine vollständige Ablösung der letzten nicht klimatisierten Nahverkehrsfahrzeuge in Luxemburg geplant.

Datum: 16.08.2016 Ort: Kautenbach [info] Land: Europa: Luxemburg
BR: LU-2000 Fahrzeugeinsteller: CFL
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

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Après une nuit pluvieuse
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 08.05.21, 19:54
Im Jahr 2016 war der Regionalverkehr im Doubstal noch zu weiten Teilen in den Händen klassischer SNCF-Baureihen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. BB 25500 mit RRR-Garnituren, Z2 und BB 22200 mit Corail-Wendezügen teilten sich das TER-Angebot mit nur wenigen AGC und Baleines... Tempi passati!

Die Aussicht auf ein abwechslungsreiches Tagesprogramm ließ uns mitunter auch mal bei nicht ganz so sicherer Wetterprognose losfahren, denn die Chance, dass wenigstens ein bisschen was bei Sonne klappt, war entsprechend hoch. Und wunderschön ist es entlang des von Felsen umgrenzten Flusses am Nordrand des Jura sowieso - auch ganz ohne Eisenbahnfotos!

So lag eine verregnete Nacht hinter der Franche-Comté, als am Morgen des 12. April 2016 die Sonne zaghaft hinter den Wolken hervor blinzelte. In der langsam wärmer werdenden Frühlingsluft verflüchtigte sich das auf den jungen Blättern der frisch ergrünten Bäume gesammelte Wasser rasch und ließ eine eigentümliche, dunstgeschwängerte Atmosphäre entstehen. Dazu funkelten die Drähte und Leitungen des Fahrdrahts und der Hangsicherung wie Spinnweben in der Morgensonne, als der passend kurze Z 9631 als TER 894008 (Belfort - Besançon) bei Laissey an mir vorbei surrte. :)

Datum: 12.04.2016 Ort: Laissey [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 9600 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Dieselbrummen unterm singenden Draht
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 11.04.21, 16:29
Über den in den letzten Jahren wieder erstarkten Getreide-Verkehr auf der französischen "Ligne 4" habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Der um 2016/17 auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs von Vesoul neu errichtete Silokomplex der Kooperative Interval versendet primär Export-Getreide per Bahn und generiert damit einen (verglichen mit anderen Silos) recht üppigen Verkehr, den sich verschiedene EVU teilen. SNCF Fret nimmt dabei den Weg westwärts über Culmont-Chalindrey. Die Zuführung der Leerwagen passte ich am 29. März 2019 oberhalb von Rosières-sur-Mance ab: [www.drehscheibe-online.de]

Kurz nach dem verlinkten Bild rollte noch ein Coradia Liner-Doppel in Gegenrichtung, ehe bis zum Nachmittag eine etwa siebenstündige Zugpause begann... Ganz normaler Wahnsinn an der "Ligne 4", seitdem die Strecke nach Eröffnung der LGV Rhin-Rhône von einer wichtigen Magistrale Paris - Ostfrankreich/Schweiz gewissermaßen zum Schleichweg degradiert wurde! Die Zeit nutzte ich für ein ausgiebiges Picknick am Ufer der Saône, ein bisschen Stellenkunde und einen Kontrollbesuch am Silo in Vesoul, wo sich etwa eine Stunde vor geplanter Abfahrt die 75407 wieder an die Schlange Getreidewagen setzte.

Entsprechend war ich auch bereits darauf eingestellt, dass die Rückfahrt etwas vor Plan unterwegs sein würde. Mit etwa -50 passierte FRET 481050 (Vesoul - Culmont-Chalindrey) schließlich um 15h23 den frisch ausgeholzten Einschnitt von Port-sur-Saône (70), gesäumt von einer erst zaghaft aufblühenden Frühjahrsvegetation. Nicht fehlen dürfen natürlich die charakteristischen Doppelmasten, die den einstmals zu jeder bedeutenderen Bahnstrecke gehörenden "singenden Draht" stützen, wie er zwischen Chalindrey und Bas-Évette noch lange durchgehalten hat, mittlerweile aber auch dort auf vielen Abschnitten verschwunden ist...

Die BB 75400 ist für eingefleischte Großdiesel-Fans sicher nur ein müder Abklatsch der bis 2017 im Fernverkehr auf der "L4" eingesetzten CC 72000/72100, aber ich freue ich mich in der zunehmenden Triebwagen-Monotonie doch immer wieder über einen Güterzug mit dieser Reihe, wobei ein voll beladener Getreide-Ganzzug zu den schwereren Anhängseln zählen dürfte. So war der 2400kW-Motor von MTU in der Steigung von Vesoul hinauf zum kleinen Zwischenscheitelpunkt im Wald zwischen Grattery und Port-sur-Saône hörbar gefordert, wobei dieser bereits knapp überwunden war, als ich den Auslöser drückte. Hier geht es schon wieder leicht hinab in die Niederung der Saône.

Zuletzt bearbeitet am 12.04.21, 15:59

Datum: 29.03.2019 Ort: Port-sur-Saône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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Échec et mat !
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 10.04.21, 12:44
Schon länger blickte das interessierte Publikum aus Nutzern, Lokalpolitik und Bahnfans sorgenvoll auf die TER-Verbindung von Nancy über die alte Ligne 14 südwärts gen Vittel, Contrexéville und Merrey. Sorgenvoll, denn "alt" meint in diesem Fall primär nicht die 14 aus der überkommenen Nomenklatur der Compagnie des chemins de fer de l'Est, sondern ganz handfest den stellenweise geradezu erbärmlichen Zustand des Oberbaus.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 konkretisierten sich zunehmend die Gerüchte, dass der Strecke südlich von Pont-Saint-Vincent im Dezember 2016 wegen akuter Oberbaumängel und ungenügender Fahrgastzahlen die Einstellung im Gesamtverkehr droht… Als ich es am 30. November des Jahres tatsächlich geschafft hatte, Sonnenschein und einen freien Tag (die lagen bei mir zu dieser Zeit etwas dämlich über die Woche verteilt: Mittwoch und Sonntag) zu vereinen und ich mich bei anfangs eisigen Temperaturen an der Strecke wiederfand, war die Entscheidung bereits gefallen und die Strecke schachmatt gesetzt. Die Stellung im Spiel, in der der König im Schach steht und es keinen regelgerechten Zug mehr gibt, dieses aufzuheben. Die Lage ist aussichtslos und die Partie de facto verloren! Genau so fühlten sich die letzten Wochen des Betriebs an, auch wenn das mäßig attraktive Angebot noch bis zum Fahrplanwechsel tapfer aufrechterhalten wurde...

Unweit von Rozerotte rumpelte X 76575 als TER 836256 (Contrexéville – Nancy) über die marode Doppelspur durch die spätherbstliche Landschaft. Gut zwei Wochen später fuhr dann der letzte Zug über diesen Abschnitt.

Und heute? Verblieben ist nur noch der Vorortverkehr von Nancy bis Pont-Saint-Vincent (im Güterverkehr geht's noch ein paar Kilometerchen weiter bis Xeuilley) und südlich von Vittel die Abfuhr des bekannten Mineralwassers in Ganzzügen gen Merrey und von dort aus in alle Ecken des Landes. Eine Reaktivierung ist für den Zeitraum um 2025/26 zwar im Zuge einer Ausschreibung vorgesehen, aber auch wenn das klappt, werfen zehn bahnlose Jahre hier kein gutes Licht auf die französische Verkehrspolitik.

Datum: 30.11.2016 Ort: Rozerotte [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Merveilles de la Vermeille
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 07.04.21, 17:55
Von Argelès im Norden bis Cerbère im Süden ist es nur eine verhältnismäßig kurze Küstenstrecke, doch fährt Mutter Natur hier auf den letzten Metern französischen Bodens vor der Grenze zu Spanien/Katalonien noch einmal alles nur Erdenkliche auf, um den Besucher in ihren Bann zu ziehen. Blau-. Grün-, Ocker- und Rottöne, wie sie sie auf der Palette eines Malers kaum intensiver leuchten könnten! Als wäre dieses Farbenspiel zwischen Mittelmeer und Pyrenäenfels nicht paradiesisch genug, verwöhnen auch 320 Sonnentage im Jahr den Landstrich, der Künstler wie Henri Matisse vor über 100 Jahren genau so begeisterte, wie heute allsommerlich Tausende von Touristen. Hoffen wir, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft wieder halbwegs unbeschwert aufmachen kann zu einem Trip an die Côte Vermeille!

Einstweilen begnügen wir uns mit einer Rückblende in den März 2014, als im TER-Verkehr zwischen Avignon, Perpignan und Cerbère noch zwei Zugpaare mit BB 7200 und farbenfrohen Corail-Wagen im Design der (damaligen) Région Languedoc-Roussillon unterwegs waren. Einer jener Züge war TER 876426 (Cerbère - Avignon), der den Spurwechselbahnhof in fotogener Zeitlage nordwärts verließ und damit stets ein gern gesehenes Foto-Objekt war. Am 5. März 2014 umkurvt er vor weitem Mittelmeer-Panorma kurz nach Fahrtbeginn die Anse de Terrimbo, eine felsige Bucht mit kleinem Badestrand unterhalb der Bahnstrecke.

Datum: 05.03.2014 Ort: Cerbère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

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Santiago oder Nantes?
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 16.03.21, 13:33
Egal ob man von Toulouse kommend das Ende des dem heiligen Jakob gewidmeten Pilgerwegs im galicischen Santiago de Compostela oder die alte Hauptstadt der bretonischen Herzöge an der Loire-Mündung erreichen will, führt der Weg zwangsläufig erst einmal nach Westen. Bei Boudou im Département Tarn-et-Garonne verlaufen beide Reiserouten am Canal latéral à la Garonne, dem Garonne-Seitenkanal, entlang. Links die Bahnstrecke Toulouse - Montauban - Agen - Bordeaux (von wo es weiter in Richtung Nantes geht), rechts der von zahlreichen Pilgern und Sinnsuchenden aus aller Herren Länder per Fahrrad oder zu Fuß gut frequentierte Jakobsweg, genauer gesagt die aus Le Puy-en-Velay kommende Via Podiensis.

Im frühen Streiflicht des 6. September 2015 führte BB 7255 mit INT 3842 (Toulouse - Nantes) den ersten westwärts fahrenden Fernzug des Tages dem Lokwechsel in Bordeaux entgegen. Dort wird ihn eine BB 67400er-Traktion übernehmen, um ihn über La Rochelle nach Nantes zu bringen. Eine Direktverbindung mit aufwendigem Betriebsablauf, die schon 2015 nicht mehr selbstverständlich war und mittlerweile bereits seit einigen Jahren der Vergangenheit angehört...

In den kommenden Monaten wird sich voraussichtlich ein weiteres Kapitel der Bahngeschichte im Midi schließen - Die Vorherrschaft der elektrischen "Nez cassés" vor den Corail-Schnellzügen auf der Transversale Sud. In der Normandie durch die Ablieferung neuer Omneo-Triebwagen arbeitslos gewordene Sybics sollen ab Juni 2021 zumindest einen größeren Teil der Leistungen von den BB 7200/22200 übernehmen, die dort in den letzten Jahrzehnten das Bild des Fernverkehrs prägten.

PS: Einen Schatten auf der Lokflanke und die zugehörige Spiegelung habe ich nachträglich am heimischen PC entfernt.

Datum: 06.09.2015 Ort: Boudou [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 19 Punkte

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Le Malentendu
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 12.03.21, 17:19
Den charmanten Museumsbahnbetrieb des Velay-Express auf einem Teil des einstmals ausgedehnten CFD-Schmalspurnetzes im Massif Central habe ich an dieser Stelle vor einigen Monaten ja schon vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de] Kehren wir noch einmal zurück in den Spätsommer auf den Höhen des Vivarais!

Folgt man am Ortsausgang von Tence am Rond-point, also dem Kreisverkehr, nicht der direkten Straße nach Le Chambon-sur-Lignon, sondern dem Hinweis auf die "Itinéraire Touristique", gelangt man nach wenigen Kilometern nahe des Weilers La Celle an einen markierten Aussichtspunkt am Straßenrand. Eingerichtet wurde er aller Wahrscheinlichkeit nach, um den - durchaus hübschen - Blick auf das im Tal dahin plätschernde Flüsschen Lignon und die sich im Westen aufragenden Vulkangipfel zu ermöglichen. Doch irgendwie hatten wir das an diesem 13. September 2020 offenbar alle ein bisschen missverstanden... Denn sowohl ich als auch ein spontan anhaltendes französisches Duo aus Vater und Sohn drehten uns samt Kameras just in die entgegengesetzte Richtung um, wo es nur Wald, Landstraße und eine steinerne Stützmauer zu sehen gibt. Verhältnismäßig langweilig! Doch, nanu, was trötete und brummte denn da aus dem dunklen Tann? Wenig später rollte dann der mustergültig aufgearbeitete Billard Nr. 313 (weitere Infos zu ihm gibt's unter dem verlinkten Bild) als Velay-Express gen Le Chambon und Saint-Agrève vorbei und war möglicherweise eine Rechtfertigung für die Wahl der falschen Seite des Aussichtspunkts. ;)

Das mit den Missverständnissen scheint in der Gegend übrigens Tradition zu haben, denn im nahen Le Chambon-sur-Lignon, dem nächsten Halt des Zuges, schrieb der dort eine Tuberkuloseerkrankung auskurierende Albert Camus 1943 nicht nur Teile seines Romans "Die Pest", sondern vor allem auch das zum Cycle de l'absurde zählende Theaterstück "Le Malentendu" (auf deutsch: "Das Missverständnis"), das dem ein oder anderen Gymnasiasten aus Baden-Württemberg, der in der Oberstufe Französisch als Leistungskurs belegt hat, vielleicht noch in Erinnerung sein wird...

Zuletzt bearbeitet am 14.03.21, 01:09

Datum: 13.09.2020 Ort: Le Chambon-sur-Lignon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Billard A80D Fahrzeugeinsteller: Velay-Express
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Das Salz in/an der Suppe
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 24.02.21, 19:29
Als Kind der 90er gehen meine frühesten Eisenbahn-Erinnerungen in die Übergangsphase von den verschiedenen noch unter Bundes- und Reichsbahnregie entstandenen Farbschemata zur unangefochtenen verkehrsroten Vorherrschaft zurück. Als ich dann um 2003/04/05 mit einer analogen Kompaktkamera meine ersten bescheidenen Versuche in Sachen Fotografie startete, waren "die Roten" bereits omnipräsent und doch ein kleines bisschen langweilig, auch wenn die Kinderaugen des jungen Bahnfans Julian sie dennoch mit Interesse zur Kenntnis nahmen. Das Salz in der Suppe waren für mich allerdings damals "die Bunten", das heißt bei den ungezählten Besuchen auf dem Mannheimer Hauptbahnhof vor allem die 181er in vier verschiedenen Farbgebungen vor den Eurocities Frankfurt - Paris v.v., im Bahnbetriebswerk am benachbarten Rangierbahnhof die noch ab und zu anzutreffenden türkis-beigen 140er, deren Farbgebung etwa zwanzig Jahre vorher niemanden hinter dem Ofen hervor locken konnte und gar als "Kotzfarbe" verschrien war, wie ich aus den fachkundigen Erklärungen meines Onkels staunend lernte...

Wiederum einige Jahre später, ich mittlerweile in der Oberstufe, waren die fotografischen Fähigkeiten allmählich etwas gereifter, dafür "die Bunten" beinahe ausgestorben. Als letzte türkis-beige 140er im regulären DB-Bestand war 140 423 verblieben. Für sie kam die Abstellung erst Ende 2011.

Als die "Lokvorschau" auf DSO sie - den letzten Rest des Salzes in der Suppe meiner Besuche auf dem Rangierbahnhof zu Kinderzeiten - am Tag der Deutschen Einheit 2010 vor den Flüssigeisenzügen zwischen der Dillinger Hütte und Völklingen ankündigte, war klar, dass ich ihr im Saarland meine Reverenz erweisen musste. Dass diese aus Torpedopfannenwagen gebildeten Züge mit ihrer heißen Fracht im Bahner-Jargon auch als "Suppe" bezeichnet werden, passte da doch wunderbar!

Auf der letzten Runde, die noch ein paar herbstliche Sonnenstrahlen abbekam, entstand dann am Saarufer zwischen Völklingen und Bous mein damaliges Bild des Tages. CS 61833 (Völklingen - Dillingen Hütte), bestehend aus zwei Torpedopfannenwagen, rollte mit 140 423 am zufriedenen Fotografen vorbei dem Sonnenuntergang entgegen. Also gewissermaßen das Salz AN der Suppe. ;)

Zuletzt bearbeitet am 24.02.21, 19:56

Datum: 03.10.2010 Ort: Bous (Saar) [info] Land: Saarland
BR: 139,140 Fahrzeugeinsteller: DB
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Zwischen Kakteen und Lecceser Barock
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 08.02.21, 18:26
Der Salento, das ist die Halbinsel ganz im Südosten Italiens rund um Lecce, Brindisi und Otranto, bildlich gesprochen also der Absatz des viel zitierten Stiefels. Abseits der langen, teils felsigen Küstenlinie ist die Landschaft flach, aber mit ihrem südlichen und dabei doch ganz eigenen Flair alles andere als langweilig. Trockenmauern aus groben Bruchsteinen gliedern die Kulturlandschaft in Parzellen, mal groß, mal klein, auf denen sich unendliche Olivenhaine, knorrige Weinreben und mitunter bizarr geformte Kakteen abwechseln.

Besonderes Augenmerk aus Sicht des Eisenbahninteressierten verdient(e) auch das Streckennetz der 1931 gegründeten Ferrovie del Sud Est (FSE), das sich auf über 470 Kilometer Länge erstreckt. Noch lange Jahre eine klassische italienische Regionalbahngesellschaft mit einem überwiegend von Breda- und Fiat-Triebwagen bestrittenen Dieselbetrieb, die entlang von Formsignalen und alten Bahngebäuden über die salentinische Halbinsel knatterten, wandelt sich das Bild in jüngster Vergangenheit zunehmend. Während die mechanische Sicherungstechnik vor knapp zehn Jahren dem technischen Fortschritt zum Opfer fiel, sind die anderen Entwicklungen nicht immer ganz freiwillig gewesen. Nach diversen Skandalen und Querelen, die ein beispielloses Missmanagement zutage förderten und die ihren traurigen Höhepunkt in der Festnahme mehrerer Personen, darunter zahlreiche (Ex-)Funktionäre der FSE, durch die Staatsanwaltschaft in Bari wegen betrügerischen Bankrotts fanden, gehören die FSE seit 2016 zur staatlichen FS-Gruppe.

Diese treibt gemeinsam mit der Region die bereits unter FSE-Regie begonnene Modernisierung der apulischen Lokalbahnstrecken weiter voran. So ist der letzte Breda-Triebwagen 2017 aus dem Betriebsbestand ausgeschieden, die PESA Atribo (ATR 220) wurden wieder ertüchtigt bzw. einem Refit im DTR-Farbschema unterzogen und das Teilnetz zwischen Bari, Martina Franca und Taranto ist bereits elektrifiziert. Für die südlichen Strecken ab Lecce in Richtung Salento gelangten mehrere ALn 668, vorwiegend solche der 1900er-Serie von 1975/76, von Trenitalia zu den FSE. Sie fungieren interimsweise als Verstärkung der weitgehend baugleichen FSE-Ad 31 - 45. Doch auch sie dürften auf absehbare Zeit am Ende ihrer Karriere angelangt sein: Anfang 2021 begannen zwischen Lecce, Zollino, Maglie und Otranto ebenfalls die Bauarbeiten zur Elektrifizierung. Ist diese erst einmal fertiggestellt, werden voraussichtlich die modernen E-Triebwagen aus dem Hause Newag (Impuls/ETR 322) über die Gleise surren. Schön für die Fahrgäste, weniger für den oft nostalgisch verklärten Bahnfotografen...

Am 4. Juni 2018 hatte ich zwischen den Kakteen bei Sternatia Stellung bezogen, um eines jener Provisorien im Licht des dunstig-warmen Frühsommerabends festzuhalten. ALn 668 1939 war mit weit geöffneten Fenstern als Regionale 556 (Gallipoli - Lecce) unterwegs. Die verdichtende Tele-Perspektive rückt neben dem Zug auch die Chiesa di Santa Maria Assunta von Sternatia, die dem Betrachter ihre opulente Zierfassade zuwendet, in den Fokus. Sie wurde im Stil des Lecceser Barock erbaut, einer regionalen Sonderform des Barock, die einerseits klassischen Grundrissen früherer Epochen treu blieb, andererseits mit reich verzierten Giebeln und Prachtfronten durchaus den Pomp des Barock zelebrierte.

PS: Eine gelbe Signaltafel, die teilweise hinter dem Heck des Triebwagens hervor schaute, habe ich nachträglich entfernt.

Datum: 04.06.2018 Ort: Sternatia [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Zug schräg von vorn
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Nel blu dipinto di blu
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 03.02.21, 19:17
"Nel blu dipinto di blu" - In deutscher Übersetzung in etwa "In Blau gemaltes Blau". Erstmals 1958 von Domenico Modugno gesungen und heute ohne Zweifel einer der Evergreens der italienischsprachigen Musikwelt mit unzähligen Coverversionen. Obwohl Modugno in seinem auch unter dem Refrain "Volare" bekannt gewordenen Lied nicht die Blautöne des Meeres besingt, sondern jene des unendlich weiten Himmels und der Augen seiner Angebeteten, musste ich sofort daran denken, als ich das oben stehende Foto zur Veröffentlichung vorbereitete.

Denn tiefer blau kann das Meer wohl kaum sein, als die verschiedenen Schattierungen, die der Golf von Squillace im Abendlicht des 7. September 2019 zeigte. Gespickt war das Wasser nur mit den weißen Sprenkeln einiger Freizeitboote, während die Masse der Urlauber an Land blieb, sei es am Strand oder rund um die Pools und Tennisplätze der Ferienressorts. Auch wir verließen für unser Foto des abendlichen IC 567 (Taranto - Reggio di Calabria) den festen Boden nicht, obwohl das Panorama durchaus suggerieren könnte, wir hätten uns fliegenderweise in den Himmel erhoben. Den erhöhten Fotostandort bietet eine am Berghang liegende, ausgebrannte Industriebrache, die in krassem Gegensatz zum Urlaubsparadies einige Höhenmeter weiter unten steht... Aber der Ausblick auf Olivenhain, Eisenbahn und Meeresküste ist die verrußten Shorts wert gewesen, denke ich. :)

Süditalien wäre allerdings nicht Süditalien, wenn man nicht auch noch Bedarf gefunden hätte, an passender Stelle eine Betonbrücke zu drapieren, die ihrerseits an architektonischer Brutalität kaum zu überbieten ist...;) In diesem Fall ermöglicht am Morgen immerhin auch sie eine ansprechende Gelegenheit für Eisenbahnfotos, wie sie u.a. Michi schon wunderbar genutzt hat: [www.flickr.com] (Der Standort meines Fotos ist etwas links der Bildmitte)

Datum: 07.09.2019 Ort: Squillace Lido [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
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100% XMPR
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 29.01.21, 13:14
Lange Jahre über war das ab 1995 sukzessive eingeführte XMPR-Farbschema, benannt nach dem englischen Designbüro, auf das der Entwurf zurückgeht, die dominante Farbgebung der italienischen Staatsbahn und verdrängte spätestens ab dem Beginn des neuen Jahrtausends praktisch flächendeckend alle älteren Lackierungen. Unumstritten war es in Fankreisen nicht, aber mir gefiel die Kombination aus Türkis, Blau und Weiß immer schon sehr gut!

In den letzten Jahren allerdings ist XMPR (leider) spürbar auf dem Rückmarsch. Im Fernverkehr tritt dabei seit Ende 2016 eine bemerkenswert stark an das IC-Design der DB erinnernde weiße Farbgebung mit rotem Zierstreifen an seine Stelle, in jüngster Zeit ergänzt durch ein dunkelgraues Fensterband. Damit einher geht nicht nur ein neuer, zehnjähriger und universeller Verkehrsvertrag mit dem zuständigen Ministerium, sondern auch die systematische Umstellung aller IC-Zugläufe auf Wendezuggarnituren, die im planmäßigen Betrieb nicht mehr getrennt werden.

Während diese Entwicklung heute weitgehend abgeschlossen ist, war es im Jahr 2018 noch möglich, stilreine Garnituren im alten Design und ohne Steuerwagen zu fotografieren. So mit etwas Glück auch auf der Linie Rom - Taranto über Neapel und Potenza mit ihren zwei täglichen Zugpaaren.

Die zweite und letzte Rückfahrt an den Golf von Tarent - IC 707 (Roma Termini - Taranto) - lässt sich im Gebirgsabschnitt zwischen Battipaglia und Potenza nur an den längsten Tagen des Jahres umsetzten. So ergriff ich am 11. Juni 2018 die Gelegenheit beim Schopfe und erwartete den Zug am Hangviadukt von Baragiano, wo ich eine geeignete Fotostelle schon am Vortag ausgekundschaftet hatte. Ich wurde nicht enttäuscht, als der inklusive der ziehenden E402B noch zu 100% XMPR-farbene Zug in den letzten Sonnenstrahlen dem nächsten Halt in Potenza entgegenrollte. Zum kommenden großen Fahrplanwechsel hielten dann auch dort "IC Giorno"-Wendezüge Einzug...

Datum: 11.06.2018 Ort: Baragiano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E402B Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Im grünen Herz der Abruzzen
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 27.01.21, 15:00
Die heute unter dem Namen "Transiberiana d'Italia" bekannte und auch entsprechend vermarktete Gebirgsbahn von Sulmona nach Carpinone in den Abruzzen habe ich bereits mit einem Foto aus ihrem wohl spektakulärsten Abschnitt, dem Aufstieg aus dem Talkessel von Sulmona bei Pettorano sul Gizio, in der Galerie vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de]

Doch mit dieser Streckenpartie immer entlang der kargen Bergflanke oberhalb des fruchtbaren Talgrunds ist der beschwerliche Weg zum Kulminationspunkt der Strecke im Bahnhof Rivisondoli-Pescocostanzo auf 1268 Metern, nach dem Brenner der zweithöchste Punkt im Netz der RFI, noch nicht abgeschlossen. Rund um Cansano und Campo di Giove schraubt sich der Schienenstrang in zunehmend bewaldetem Gebiet mittels schleifenförmiger Streckenführung weiter empor. Dabei quert der Zug auch einige Brücken und Viadukte, deren größter sich unmittelbar südlich des 2002 aufgegebenen und erst 2017 für touristische Zwecke (in Nähe zur Bahn liegt bspw. die italisch-römische Ausgrabungsstätte Ocriticum) reaktivierten Bahnhofs von Cansano befindet, hier links zwischen den Bäumen hervor lugend.

Am Abend des 2. Juni 2018 passierte D445 1145 im Retro-Lack mit dem aus einem Gepäckwagen in "grigio ardesia" sowie einem Corbellini- und vier Centoporte-Wagen im klassischen Kastanienbraun gebildeten Treno storico 78208 (Roccaraso - Sulmona) das Bauwerk. Im Hintergrund das Maiella-Massiv mit seinen schroffen, von den Spuren zahlreicher Felsabgänge gezeichneten Hänge. Ganz oben auf rund 2500 Metern hält sich sogar noch der letzte Schnee des vergangenen Winters.

PS: Eine in der oberen linken Ecke durch das Bild verlaufende und vor Ort kaum vermeidbare Stromleitung habe ich nachträglich digital entfernt.

Datum: 02.06.2018 Ort: Cansano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Fondazione FS
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Altissima, purissima, Levissima
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 18.01.21, 18:21
Höchste Höhe und purste Reinheit wird dem Kunden versprochen, wenn man den überaus eingängigen Werbeslogan des Mineralwasser-Produzenten beim Wort nimmt. Abgefüllt wird das aus den umgebenden Bergen stammende Levissima-Wasser in Cepina Valdisotto bei Bormio im oberen Veltlin. Obwohl die Abfüllanlage, die über die Sanpellegrino-Gruppe zum Lebensmittel-Multi Nestlé gehört, selbst keinen Gleisanschluss hat, übernimmt die Bahn eine wichtige Rolle in der Logitik des Unternehmens. In Tirano, dem nächstgelegenen Bahnhof, werden werktäglich bis zu zwei Güterzüge abgefertigt, die die bis dorthin mit LKW transportierten Flaschen zunächst entlang der Adda und des Comer Sees nach Lecco Maggianico bringen. Von dort aus treten sie zu Ganzzügen vereinigt die Weiterreise ins Land an, unter anderem dreimal pro Woche zum Güterbahnhof Maddaloni Marcianise vor den Toren Neapels. Kühles Nass aus den Alpen für den Mezzogiorno also!

Die erste der beiden beladenen Rückfahrten erwartete ich am 17. Oktober 2019 hoch oben auf einer Stützmauer der parallelen Straße (altissimo eben ;)) bei Dorio am Ostufer des Comer Sees. Während über dem drittgrößten See Italiens weitgehend ungetrübt die Sonne schien, drückten über die Gipfel der Lepontinischen Alpen bereits die wolkigen Vorboten einer Schlechtwetterfront südwärts. Links, wo die Wolken am dichtesten sind, liegt der 2458 Meter hohe Pizzo Campanile und damit die Grenze zur Schweiz. Auf dessen anderer Seite erstreckt sich eine Bahnstrecke, die vor ihrer teilweisen Marginalisierung durch einen Basistunnel die fotografierende Zunft weitaus stärker in ihren Bann gezogen hat, als die Linie von Mailand über Lecco nach Tirano, doch das ist eine andere Geschichte...

Für die Traktion der TRA 51911 (Tirano - Lecco Maggianico) eingeteilt war an diesem Tag die E 652 122 - Ein "Tigre" mit gewissen optischen Besonderheiten gegenüber seinen Artgenossen. Die Lok zählt zu den wenigen Exemplaren ihrer Baureihe im XMPR-Schema, die mit einem weißen anstelle des türkisfarbenen Dachs unterwegs sind und dabei das nur in Blau- und Grüntönen gehaltene FS-Logo ohne rote Farbakzente tragen, wie es zwischen 1994 und 2007 aktuell war. Und vielleicht das auffälligste Unterscheidungskriterium: Anders als viele Loks aus dem Mercitalia-Bestand zeigte sie sich im Herbst 2019 völlig frei von Graffiti. Möglicherweise hat hier ja das zweite Attribut des Levissima-Slogans eine gewisse Ausstrahlungswirkung. ;)

Datum: 17.10.2019 Ort: Dorio [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E652 Fahrzeugeinsteller: Mercitalia Rail
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Il treno degli studenti
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 14.01.21, 18:49
Das Depot Siena in der Toskana ist eine der letzten noch verbliebenen Hochburgen der italienischen Diesellok-Klassiker der Reihe D 445. Die umfangreichen Einsätze konzentrieren sich dabei weitgehend auf die beiden Achsen Siena - Florenz und Florenz - Borgo San Lorenzo via Pontassieve.

Um dem erhöhten Aufkommen im Schülerverkehr Rechnung zu tragen, gelangt allerdings unter der Woche einmal am Tag eine der Loks mit einer Wendezuggarnitur auch auf die ansonsten von (Neubau-)Triebwagen dominierte Strecke Siena - Chiusi-Chianciano Terme, die durch die hügelige Landschaft der Crete Senesi, wie sie ein Landschaftsmaler der Romantik nicht besser hätte treffen können, verläuft.

Der morgendliche Schülerzug nach Siena lässt sich dabei nur an den längsten Tagen des Jahres sinnvoll umsetzen, sodass Yannick und ich am 21. Juni 2019 schon um kurz vor sieben am Ortsrand von Asciano (SI) bereitstanden. Pünktlich schob D 445 1143 ihre noch vollständig im XMPR-Lack gehaltene Garnitur aus MDVE- und MDVC-Wagen als Regionale 11754 (Chiusi-Chianciano Terme - Siena) über das aus lokaltypischem roten Stein errichtete Viadukt der Universitätsstadt entgegen und sorgte für zufriedene Gesichter.

Datum: 21.06.2019 Ort: Asciano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
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L'autunno in toni pastello
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 12.01.21, 19:11
Herbst in der Poebene - Das ist oft eine recht trübe Angelegenheit. Eine Mischung aus vom Po und seinen Nebenflüssen hervorgerufenem Nebel und dem Smog der nahen Industriestadt Turin sorgt dann insbesondere bei Windstille auch im Canavese am Fuße der Alpen für wenig erhellende Sichtverhältnisse. Klare Tage gibt es natürlich auch, aber in den auf -er endenden Monaten sind sie gefühlt eher die Ausnahme, sodass die eigentlich nahen Berggipfel dem Betrachter oft genug verborgen bleiben.

Ein Zwischending hatte sich am 13. Oktober 2017 nach Sonnenaufgang eingestellt. Zwar waberten einzelne Bodennebelbänke über den Feldern und ein merklicher, vom Geruch brennender Kohle und glimmenden Holzes geschwängerter Dunstschleier lag über allem und tauchte die Szenerie in seichte Pastelltöne. Allerdings war er dünn genug, um den Blick preiszugeben auf die gestaffelte, nicht enden wollende Abfolge von Bergketten, vom Vorgebirge bis hin zu den schroffen Gipfeln der Grajischen Alpen.

Der Herbst angebrochen war Ende 2017 - jedenfalls in althergebrachter Form - auch für den oberen Abschnitt der Ferrovia Canavesana zwischen Rivarolo und Pont Canavese, seit ihrer Eröffnung als Zweigstrecke/Verlängerung der aus Settimo Torinese kommenden Linie im Jahre 1906 ein typisches Beispiel für die in Italien einst zahlreichen "ferrovie concesse", in privater Regie auf Grundlage staatlicher Konzessionen erbaute Nebenbahnen, die Ortschaften und mitunter ganze Gegenden an die weite Eisenbahnwelt anschlossen, die von den FS noch nicht bedacht worden waren. Die Zukunft der gesamten Ferrovia Canavesana sollte in die Hände der Trenitalia anstelle der bis dato für die Betriebsführung zuständigen und nicht immer zufriedenstellenden Gruppo Torinese Trasporti (GTT) gelegt werden, inklusive einer Elektrifizierung des noch fehlenden Abschnitts von Rivarolo nach Pont.

Der vor Ort überwiegend begrüßte Betreiberwechsel wurde nun zum 1. Januar 2021 vollzogen, allerdings nur zwischen Turin/Settimo und Rivarolo, wo jetzt moderne "Pop"-Triebwagen die Pendler in die Großstadt bringen. Der Dieselabschnitt hingegen, auf dem bis zuletzt drei fast 50 Jahre alte ALn 668 das neben parallelen Bussen nur rudimentäre und überwiegend auf Schüler zugeschnittene Zugangebot bestritten, ist erst einmal außer Betrieb und sieht der versprochenen Elektrifizierung entgegen. Diese soll mindestens 18 Monate dauern, wobei dieser Zeithorizont mit Vorsicht zu genießen ist...

Die als Zug 703 (Rivarolo - Pont Canavese) abgebildeten ALn 668 906 und 907 (gebaut von FIAT Ferroviaria 1972), die aus dem Bestand der benachbarten Ferrovia Torino - Ceres in die GTT bzw. deren Vorgängergesellschaft SATTI (Società Anonima Torinese Tranvie Intercomunali) eingebracht wurden, sind jedenfalls seit Dezember 2020 im Ruhestand und umgehend an das piemontesische Eisenbahnmuseum in Savigliano abgegeben worden. Der Dritte im Bunde, ALn 668 905, ist b.a.w. in Favria abgestellt.

Datum: 13.10.2017 Ort: Oglianico [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Gruppo Torinese Trasporti (GTT)
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Ausgebrannt
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 06.01.21, 18:55 sternsternstern Top 3 der Woche vom 17.01.21
Nach dem langen und heißen sizilianischen Sommer zeigen sich die Pflanzen und Böden im September großteils ausgebrannt, jedenfalls abseits der Küsten und des Ätnas, wo die Niederschläge nicht ganz so spärlich sind, wie in der Mitte und im Süden der größten Mittelmeerinsel.

Zu jenen von der sengenden Sommersonne gezeichneten Landstrichen, wie sie Giuseppe Tomasi di Lampedusa in wirkmächtigen Worten beschrieben hat, zählt das Val di Noto rund um die Barockstädte im Südosten, wo eigentlich nur noch die üppigen Olivenhaine für grüne Farbtupfer zwischen staubigen Äckern und Steinmäuerchen sorgen.

Hier bilden sie den Hintergrund für den einzelnen ALn 668, der am 16. September 2019 als Regionale 12824 (Siracusa - Gela) vor wenigen Minuten den Bahnhof des Bischofssitzes Noto verlassen hat.

Ich suchte derweil wenigstens einen Hauch von Kühle im Schatten einer Ruine, deren unförmige Mauerreste nur noch von Eidechsen bevölkert waren. Ob sie auch ausgebrannt ist - hier im ureigensten Sinne des Wortes -, ließ sich nicht mit Sicherheit sagen, aber Rußspuren an vielen der in mühevoller Kleinarbeit vor dem Foto entfernten Äste und Zweige legten den Schluss nahe. Jedenfalls war auch ein Baum verschwunden, der ein Jahr zuvor noch den Blick aus dem Inneren der Ruine durch den Torbogen vereitelt hatte. :)

Datum: 16.09.2019 Ort: Noto [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: ungewöhnliche Perspektiven
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Das Wesentliche ins Licht gerückt...
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 03.01.21, 17:14
...hat Mutter Natur am Abend des 3. Juni 2018 beim kleinen Weiler Masciangelo im Bergland der Basilikata. Aber auch wirklich nur das Wesentliche: Viadukt, Zug und die Reben des kleinen Weingartens. Der Rest versinkt schon im Schatten der umgebenden Hänge oder der Wolken, die nach einem gewittrig-warmen Frühsommertag noch übrig geblieben sind.

Dass auch im Juni nach diesem Foto um halb acht abends nicht mehr an weitere Aufnahmen zu denken ist, macht mir wieder einmal bewusst, wie weit nach Osten sich der italienische Stiefel im Süden doch streckt... Na ja, dann eben mit einem zufriedenen Gefühl ab ins Quartier nach Rionero in Vulture und das Abendessen zubereiten - Pasta mit frischen Tomaten und Auberginen, begleitet von einem Gläschen Aglianico, aus der DOC rund um den erloschenen Vulkan des Monte Vulture versteht sich. :)

Protagonist der Aufnahme war übrigens ALn 668 3174, unterwegs als Regionale 3547 (Foggia - Potenza) auf einem der wenigen Brückenbauwerke der Strecke Foggia - Potenza, dessen Geländer keinen gelben Anstrich verpasst bekam. In dieser Gegend rund um den Scheitelpunkt liegen auch drei längere Eisenbahntunnel, die Galleria Quattrocchi (1827 Meter), Galleria Appennino (3320 Meter) und Galleria Pietracolpa (1919 Meter), was die anspruchsvolle Trassierung verdeutlicht, die ab dem Trennungsbahnhof Rocchetta Scalo bestimmend ist. Den ersten davon hat der knatternde FIAT-Triebwagen schon hinter sich, die anderen beiden folgen noch, ehe es auch für ihn und sein Personal "Feierabend" heißen wird, sobald er in der Provinzhauptstadt angekommen ist.

Zuletzt bearbeitet am 03.01.21, 22:19

Datum: 03.06.2018 Ort: Masciangelo [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Le Pechiney
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 28.12.20, 18:02 sternsternstern Top 3 der Woche vom 10.01.21
Die Provence und die Aluminiumproduktion, das gehört praktisch untrennbar zusammen, seitdem Mitte des 19. Jahrhunderts bei Les Baux-de-Provence in den Hügeln der Alpilles ein rötlich schimmerndes Mineral gefunden wurde. Der erste Fundort verlieh ihm seinen Namen: Bauxit - Heute der wichtigste Grundstoff zur Herstellung von metallischem Aluminium.

Erste Produktionsstätte und Wiege des späteren Alu-Großkonzerns Pechiney war Salindres bei Alès im Département Gard. Doch mit der Entdeckung reicher Bauxitvorkommen 200 Kilometer weiter östlich im Département Var rund um Brignoles stellte sich unweigerlich die Frage nach einer zweiten Aluminiumhütte, die 1892 in Gardanne errichtet wurde, an die Bauxitlagerstätten des Var über die Bahnstrecke Carnoules - Gardanne gut angebunden. Zunehmende Erschöpfung und Preisdruck durch Importware führten schließlich in den 1980er-Jahren das Ende der Bauxitförderung in Südfrankreich herbei. Doch das Aluminiumwerk von Pechiney blieb, zugleich wichtiger Arbeitgeber und großes Umweltproblem. Das benötigte Bauxit kommt seitdem aus Übersee, zunächst vor allem aus Australien, heute ausschließlich aus Guinea.

Eine logistische Mammutaufgabe stellt dabei der Transfer vom Hafen in Fos-sur-Mer, wo die gigantischen Massengutfrachter das rote Gestein anlanden, zur Fertigungsstätte dar. Die Eisenbahn ist dafür alternativlos, wenn auch mit einigen Komplikationen verbunden. Zweimal müssen die schweren Züge auf ihrer nur gut 80 Kilometer langen Route Kopf machen, einmal in Miramas, das zweite Mal in Rognac, ehe es über die eingleisige und planmäßig nur noch von diesen Bauxit-Transporten befahrene Güterzugstrecke Rognac - Aix-en-Provence dem Ziel entgegen geht, lange Steigungen mit immerhin 15 Promille inklusive. Etwa zwei Züge täglich stillen den nicht nachlassen wollenden Rohstoffhunger des Aluminiumwerks. Deren Grenzlast ist beeindruckend: 45 Wagen und 3883 Tonnen, davon 2943 Tonnen Transportgut. Eine oder mehrere Schubloks sind auch noch erforderlich, seitdem 2009 die DB-Tochter Euro Cargo Rail (ECR) der Staatsbahn die lukrativen Ganzzüge abgejagt hat und auf die robusten, sechsachsigen Class 66 setzt.

Doch die Tage des Bauxit-Giganten auf Schienen, der in der Fanszene auch auf den Namen "Pechiney" hört, scheinen gezählt zu sein... Das mittlerweile zum Alteo-Konzern gehörende Werk in Gardanne steht seit 2019 unter "redressement judiciaire", vergleichbar dem Insolvenzverfahren im deutschen Recht. Mit Stand Dezember 2020 ist mit der guineischen UMS nur noch ein Kandidat für die Übernahme übrig geblieben - Und der möchte den ersten Produktionsschritt der Bauxit-Verarbeitung nach dem sog. Bayer-Verfahren nicht mehr vor Ort durchführen, sondern importiertes Aluminiumpulver weiter verarbeiten. Maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen haben dürfte der zunehmende öffentliche Druck, das bis dato ungelöste Problem der Lagerung und Entsorgung des giftigen Rotschlamms, der "boue rouge" als Abfallprodukt der Aluminiumverhüttung endlich anzugehen. Mit der avisierten Änderung des Produktionsablaufs entstünde die toxische Last, die bislang entweder in offenen Deponien gelagert oder über eine Pipeline (mittlerweile laut Unternehmensangaben "gereinigt") vor Cassis ins Mittelmeer verklappt wurde, gar nicht erst - Jedenfalls nicht in Frankreich... [www.francebleu.fr] , [www.francebleu.fr]

Im Frühjahr 2014 war von einem möglichen Ende noch nichts zu ahnen und wir nahmen den Bauxit-Zug von ECR eher als Nebenprogramm zum damals an Samstagen verkehrenden SNCF-Aluminiumzug [www.drehscheibe-online.de] mit. Der nach dem Vorbild des antiken Pont du Gard entstandene Aqueduc de Roquefavour bildete wiederum den Hintergrund für die 66228 im weinroten EWS-Design, die am 8. März 2014 den Vollzug 61933 (Fos-Mole-Central - Gardanne) nachschob. Von unserem Aussichtshügel bot sich zudem ein schöner Blick über das Tal des Flüsschens Arc, das unter der Märzsonne zaghaft aus dem Winterschlaf erwachte, bis hin zur Montagne Sainte-Victoire oberhalb von Aix-en-Provence, die sich links hinten aus dem Dunst schält.

Ein weiterführender Artikel von Gilles Lefranc und Hartmut Finke über die interessante Geschichte der Aluminiumproduktion in der Provence und insbesondere der damit verbundenen Bahnverkehre findet sich übrigens im EK 5/2018, S. 68 - 73.

Zuletzt bearbeitet am 29.12.20, 16:38

Datum: 08.03.2014 Ort: Roquefavour [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 266 (alle EMD Series 66) Fahrzeugeinsteller: Euro Cargo Rail (ECR)
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Le belvédère des trois églises
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 18.12.20, 20:08 sternsternstern Top 3 der Woche vom 27.12.20
Ein findiges Stadtmarketing hätte die Hügelkuppe am Rand der normannischen Kleinstadt Coutances womöglich längst als Aussichtspunkt auf die markante Silhouette erschlossen, wenn sie sich nicht mitten auf der Weide eines örtlichen Bauern befände. Eine Kuhweide, versteht sich, denn etwas anderes gibt es - abgesehen vom Atlantik - bekanntermaßen westlich von Paris nicht. Hinsichtlich weiterer Details frage man Herrn Oettinger, der sicher eine profunde Expertise auf Lager hätte... Inwieweit die 8500 Einwohner von Coutances und die drei sichtbaren Kirchen nun in dieses Bild passen, lassen wir besser einmal offen.

Links sehen wir als erste die Église Saint-Pierre aus dem 15. Jahrhundert, ganz rechts die kleinere Église Saint-Nicolas, die heute nicht mehr für kultische Zwecke, sondern nur noch als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt wird. Das zentrale Bauwerk jedoch ist die Cathédrale Notre-Dame de Coutances, deren Turmspitzen den über dem nahen Ärmelkanal empor quellenden Wolken ganz nah kommen. In ihrer heutigen, für die normannische Gotik typischen Form entstanden ist sie ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Bischof Hugues de Morville. Im Innenraum lassen sich aber auch heute noch Reste des romanischen Vorgängerbaus entdecken, der in die Zeit des Bischofs Geoffroy de Montbray zurückgeht, eines Weggefährten des Duc Guillaume de Normandie, besser bekannt als Wilhelm der Eroberer. So zog auch Montbray von Coutances aus los, um an der legendären Schlacht bei Hastings 1066 teilzunehmen und England zu erobern. Wie so oft in Frankreich begegnet man der großen Geschichte auch in vermeintlich abgelegenen Winkeln... Glücklicherweise überlebte die Kathedrale auch die schweren Kämpfe des Jahres 1944 zwischen den Alliierten und der abziehenden Wehrmacht weitgehend unzerstört.

Im Verhältnis dazu wenig spannend präsentiert sich der eher spärliche Bahnverkehr in Coutances, der ausschließlich mit modernen Dieseltriebwagen abgewickelt wird. Aber vor dem historischen Hintergrund und im klaren Herbstsonnenschein freute ich mich am 19. September 2015 auch über das von X 76542 angeführte AGC-Doppel, unterwegs als TER 852852 (Rennes - Caen).

Datum: 19.09.2015 Ort: Coutances [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 17 Punkte

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Perseus auf Abwegen
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 12.12.20, 17:20
Anlässlich eines Treffens von Vertretern aus Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz Anfang dieser Woche wurde eine (bescheidene) Renaissance des europäischen Nachtzugverkehrs verkündet. Die Absichtserklärung zwischen ÖBB, DB, SBB und SNCF beinhaltet u. a. auch die (Wieder-)Einführung eines Nachtzugs von Wien über München nach Paris ab Dezember 2021, diesmal unter Federführung der ÖBB. 2023 soll dann auch Berlin - Paris wieder aufgelegt werden.

Das gab es allerdings alles schon einmal, damals noch unter Regie der City Night Line. Die Relation Berlin - Paris deckte bis zu seiner Einstellung 2014 der CNL "Perseus" ab, Kurswagengruppen aus München und Hamburg inklusive. Sein regulärer Laufweg führte den Zeus-Sohn in Frankreich über die Ligne 1, die klassische Magistrale Straßburg - Paris.

An mehreren Wochenenden im Sommer 2013 machten Bauarbeiten auf der planmäßig genutzten Strecke allerdings weiträumige Umleitungen nötig. So fuhr der westwärtige Zug am 15. August 2013 zunächst via Toul und die L15 bis Culmont-Chalindrey, wo ein Wechsel von E- auf Dieseltraktion stattfand und die Sybic den Zug für die Weiterreise über die L4 nach Paris an eine Doppeltraktion BB 67400 übergab. Vier dieser Loks hatte man dafür extra aus Straßburg abkommandiert: Die allesamt blauen BB 67514, 67519, 67569 und 67603.

Entsprechend zahlreich verteilten sich die Fotografen während dieses Events an der Strecke, auch wenn zahlenmäßig der Ansturm anlässlich der sagenumwobenen "Allgäu-Umleiter" sicher nicht annähernd erreicht wurde...;) Pflichtprogramm war natürlich der Abschnitt rund um Luzy-sur-Marne, wo die Ligne 4 parallel zum Canal de la Marne à la Saône verläuft. In eben jenem spiegeln sich BB 67603 und 67569 mit CNL 450 (Berlin Südkreuz - Paris Est).

Zur Präsentation dieses Fotos motiviert haben mich, neben der angekündigten Wiederaufnahme des Nachtzugverkehrs nach Paris, die von Jochen und Thomas kürzlich in der Galerie gezeigten Aufnahmen aus der "guten, alten Zeit", als die alte Garde der blauen Diesel auf der L4 noch unangefochten regierte. Neben CC 72000 und der für die L4 eher untypischen BB 67400 fehlt jetzt also noch eine A1AA1A 68000, um die Serie zu komplettieren. Vielleicht mag ja jemand mit einem Griff ins Archiv nachlegen...? ;)

PS: Ein paar wenige Halme am Ufer, die auch nach dem umfangreichen manuellen Freischnitt noch verblieben waren, habe ich schließlich digital gestutzt.

Datum: 15.08.2013 Ort: Luzy-sur-Marne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Le chant du cygne
geschrieben von: Julian en voyage (419) am: 09.12.20, 16:35
Bleiben wir noch ein bisschen auf den Anhöhen oberhalb des Somme-Tals bei Fontaine-sur-Somme, blicken nun aber nicht landeinwärts, sondern in Richtung Abbeville, wo sich die Hügel der Picardie langsam zur Baie de Somme hin verlaufen...

Bald werden die Glocken der Kirche unten im Ort sechs mal schlagen, während die Schatten sich immer weiter ausdehnen und nur noch einen Teil der herbstlichen Wiesenlandschaft im Licht der Oktobersonne erstrahlen lassen. Der Grat zwischen dem gewünschten Spiel aus Licht und Schatten oder aber einer völlig verdunkelten Szenerie ist mal wieder schmal. Der erwartete Intercités dürfte also gerne pünktlich sein. So harre ich also aus in jener für jedes bahntypische Geräusch und ein irgendwo am Horizont schimmerndes Spitzenlicht sensibilisierten Lauerstellung, die wohl jeder aus unserer Zunft nur zu gut kennt. ;)

Irgendwann dann ein vermeintlich erlösender Pielstick-Klang in der Ferne... Könnte zeitlich hinkommen. Oder ist es doch (wieder) nur ein LKW auf der Route départementale und nicht der aus dem Bahnhof Abbeville beschleunigende Zug? Wenig später dann Gewissheit: Am Ende der Kurve taucht das Dreichlichtspitzensignal einer BB 67400 auf! 9 Wagen hängen dran, also die perfekte Länge für die Vegetationslücke. Der Verschluss klickt, der Blick wandert mit der vorbei rauschenden Corail-Schlange mit und ein zufriedenes Lächeln bricht sich Bahn. Wenn es doch nur immer so rund laufen würde. :)

Die Streiflicht-Aufnahme des INT 2030 (Boulogne - Paris Nord) mit BB 67430 von diesem 10. Oktober 2018 sollte mein Abschieds-Foto der lokbespannten Garnituren auf der Strecke sein. Zum Jahreswechsel 2018/19 ging die Linie in den Verantwortungsbereich der Regionen über, nunmehr als TER. Die 67400er hielten sich danach noch wenige Monate, aber im Laufe des Frühjahrs 2019 war dann endgültig Schluss und wie so oft traten neu gelieferte Régiolis-Triebwagen die Nachfolge an.

Datum: 10.10.2018 Ort: Fontaine-sur-Somme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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