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Reichsbahn-Illusion im Pfefferminzland
   
geschrieben von JH-Eifel am: 09.06.21, 12:00
Aufrufe: 629

Am 19.09.2020, um 16:44 Uhr, zog 132 334 – 4 durch Guthmannshausen einen Stadtexpresswagenzug zwischen den beiden Bahnübergängen Siedlungsstraße und Nermsdorferstraße von Naumburg an der Saale Richtung Straußfurt weiter nach Erfurt. Es handelt sich um dem als Sonderzug verkehrenden Pfefferminz-Express. Der Fotograf steht dabei auf einem Feldweg in Guthmannshausen und blickt nach Osten. Die Hinfahrt des Zuges versackte noch in schlunzigen Wolken. Bei der Rückfahrt am Nachmittag gab es mehrere sonnige Bilder welche bereits in der Galerie vertreten sind: Seena [www.drehscheibe-online.de]; Buttstätt [www.drehscheibe-online.de]; Kölleda [www.drehscheibe-online.de]; Weißensee [www.drehscheibe-online.de]. Im Nachhinein kann also der Zugweg fotografisch hier nachverfolgt werden.

Der Zug durchquerte den Ort Guthmannshausen, welcher zum Landkreis Sömmerda im Thüringer Becken gehört. Südlich der Sinne (Höhenzug) verbindet dort die Pfefferminzbahn Straußfurt mit dem Eisenbahnknoten Großherringen. Die Region ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Schon lange gab es hier den Gewürz- und Arzneianbau. Somit erhielt die durchlaufende Bahnstrecke den umgangssprachlichen Namen Pfefferminzbahn. Sie ist eine Nebenbahn in Thüringen und Sachsen-Anhalt, welche (abgesehen von Sonderzügen) leider nur noch in Teilabschnitten befahren wird. Die Bahnstrecke, an der Guthmannshausen liegt, wurde am 14. August 1874 Saal-Unstrut-Eisenbahn-Gesellschaft (SUE) eröffnet und ist als eine eingleisige 53 Kilometer lange Normalspurstrecke. Im Jahr 1880 gab es täglich drei Zugpaare mit einer Reisezeit von knapp drei Stunden. In den Neunziger Jahren war die Strecke beliebtes Reiseziel von Eisenbahnfreunden, um mit den eingesetzten ex. DR-V100 noch etwas Reichsbahn-Nebenbahnflair zu erleben: [www.drehscheibe-online.de] . Heute ist die Strecke leider nur noch teilweise im ÖPNV betreiben. Bis 2006 wurde ein Teil der östlichen Pfefferminzbahn modernisiert und für eine Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h ausgebaut. Eckartsberga und Oldesleben-Ellersleben erhielten Rückfallweichen. Der Personenverkehr auf dem westlichen Abschnitt wurde 2007 eingestellt. Auch der östliche Abschnitt hat keinen Personenverkehr mehr. Es gibt jedoch verstärkte Bemühungen zu einer Wiedereinrichtung eines Gesamtverkehres. Außer den jährlich verkehrenden Gesellschaftssonderzügen kam es auch zu Berufsverstärkerfahrten, den sogenannten Lückenfüllern: [www.drehscheibe-online.de] .

Neben den Kräutern ist die Region ein geschichtsträchtiger Ort. Bevor der Zug die Fotostelle querte, durchfuhr er vorher bereits den Ort Auerstätt an dem 1806 die entscheidende Schlacht von Jena und Auerstätt stattgefunden hatte. Am 13.10.1806 dort erlitten dort die preußischen Truppen große Verluste gegen die französischen Besatzungstruppen unter Napoleon Bonaparte. Der im Bild durchfahrene Ort Guthmannshausen wurde das erstmals urkundlich im achten Jahrhundert als Wodaneshusun erwähnt. Der Name geht auf den germanischen Gott Wotan zurück. Ab 1256 wird eine Besitzung von Albert von Gutenhusen nachgewiesen. Ab 1572 gehört der Ort zum Herzogtum Sachsen-Weimar. Guthmannshausen hatte in der weiteren Geschichte große Entbehrungen zu erleben: Vom Dreißigjährigen Krieg und der Pest strak gebeult, vernichtete 1793 ein großer Brand einen Teil der Häuser. Ab 1887 hatte der Ort Verbindung zum 1000 m Schmalspurnetz Weimar–Rastenberg/Großrudestedt bzw. Buttstedt. Über die sogenannte Laura aus Lossa. Guthmannshausen wurde zwar im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Truppen besetzt, aber später der sowjetischen Zone zugeteilt.

Die gezeigte eingesetzte Ludmilla gehört dort Erfurter Bahnservice Gesellschaft mbH (EBS). Sie wurde 1976 bei der Deutschen Reichsbahn als 132 334 – 4 in Dienst gestellt. Bei der Deutschen Bahn lief als 232 und wurde am 26.11.2008 Z-gestellt. Am 29.06.2015 gelangte die Maschine zur EBS (NVR-Nummer: 92 80 1232 334-3 D-EBS). Dort wurde sie ab dem 07.01.2016 wieder als 132 334-2 bezeichnet. Die EBS wurde 2006 gegründet und hat seit 2007 die Zulassung als EVU. Sie setzt viele historische Lokomotiven im Sonder- und Güterzugverkehr ein.

Ausblick: Durch die Bundesgartenschau 2021 in der Region kommt es ggf. wieder zu mehr Verkehr und Bekanntheit dieser Strecke. In Buttstädt wird der hofartig umschlossene alte Friedhof im italienischen Still (Camposanto) mit in die BUGA eingebunden. Am 04. August 2021 soll auf der Pfefferminzexpress wieder einmal ein Sonderzug (Gera - Erfurt und zurück) mit einer Dampflok verkehren.


Zuletzt bearbeitet am 09.06.21, 12:13

Datum: 19.09.2020 Ort: Guthmannshausen Land: Thüringen
BR: 232,233,234,241 (alle Ludmilla-Baureihen) Fahrzeugeinsteller: EBS
Kategorie: Zug schräg von vorn

EXIF-Daten:
Bildgröße: 720 x 1280 Pixel


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