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Galerie von Julian en voyage, nach Einstelldatum sortiert » zur erweiterten Suche
Détourné sous le Pont Napoléon
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 19.08.21, 21:48
Zwei mal pro Woche wird das zur Saarstahl-Gruppe gehörende Drahtziehwerk in Port-d'Atelier, im Département Haute-Saône an der "Ligne 4" gelegen, dessen Produkte für Heftklammern, Schutzmasken, Glasfaserleitungen, Drähte für die Automobilindustrie und vieles mehr Verwendung finden, per Bahn mit Rohstoffen versorgt: [www.youtube.com] .

Die aus Deutschland kommenden, mit Drahtrollen beladenen Wagen werden durch CFL Cargo France über den Knotenbahnhof Blainville vor den Toren von Nancy in der Regel via "Ligne 15" und Culmont-Chalindrey angeliefert. Da diese Strecke in den letzten Jahren unter der Woche aber immer wieder für Bauarbeiten gesperrt war, wurde der Zug mittwochs an gewissen Daten über Épinal und Lure umgeleitet, wo ansonsten planmäßig kein Güterverkehr mehr stattfindet und nur wenige Male am Tag ein einsamer Baleine durch die Wälder der Vogesen rollt.

Der 10. Mai 2017 war einer dieser Tage. Aufhänger unserer Tour waren eigentlich die anberaumten Fahrten des Unkrautspritzzuges über die wunderschöne Strecke Molsheim – Saint-Dié, aber auch den CFL-Umleiter ein paar Kilometer weiter südwestlich nahmen wir am Nachmittag natürlich gerne mit. Nördlich von Xertigny erwarteten Urs, Basti und ich BB 75109 mit dem 61801 (Blainville-Damelevières - Port-d'Atelier) unterhalb des eindrücklichen „Pont Napoléon“ – Unter Beobachtung eines geradezu manisch aufmerksamen Anwohners, der in uns böse „écolos“ ausgemacht haben wollte, die mit ihren Kameras doch bestimmt Vorbereitungen für eine Protestaktion (mindestens, wenn nicht gar Sabotage!) eines dort vielleicht alle Jubeljahre einmal vorbei kommenden Kastortransports trafen…;) Die Erklärung, dass da gleich nur ein paar umgeleitete Drahtrollen vorbei scheppern würden, stellte ihn ersichtlich nicht zufrieden. Unsere Kennzeichen habe er sich jedenfalls notiert, ließ uns der mutmaßliche Le Pen-Anhänger zum Abschied wissen. Gehört haben wir natürlich in dieser Sache nichts mehr!

Datum: 10.05.2017 Ort: Xertigny [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75000 Fahrzeugeinsteller: Akiem
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Ex oriente lux
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 06.08.21, 14:41
Wie (nicht nur) der Lateiner weiß, geht bekanntermaßen im Osten die Sonne auf. Mitte September bedeutet das, dass sie dabei auch genau im richtigen Winkel für einen morgendlichen Scherenschnitt am bekannten Viaduc de Chamborigaud an der Cevennenbahn Nîmes - Clermont-Ferrand steht, den ich euch hier mit meinem Galeriefoto Nr. 400 präsentieren möchte! :)

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Das runde Jubiläum nehme ich zum Anlass, mich mal wieder bei all denjenigen zu bedanken, die mit ihren Bildern oder durch ihre anderweitige Mitarbeit vor oder hinter den Kulissen das Projekt DSO-Galerie gestalten und lebendig halten. Unter meinen eigenen Aufnahmen freue ich mich natürlich besonders - auch wenn ich nicht immer die Zeit habe, auf jeden einzelnen einzugehen - über die zahlreichen interessierten Kommentare und oft persönlichen Anekdoten, die ich in dieser Form wirklich einmalig finde. Denn unweigerlich vergleicht man heutzutage immer wieder auch mit der Veröffentlichung auf anderen Plattformen, aber die Galerie bleibt für mich aufgrund ihrer Mischung aus tollen Aufnahmen verschiedener Stile aus Deutschland und aller Herren Länder, angereichert um viele spannende Textbeiträge, wie sie die Forenkultur der Plattform DSO sicher begünstigt, die persönliche Nummer eins. Neben diesem Dank an die vielen "alten Hasen" der Galerie, die ich zwischenzeitlich zu einem Teil ja auch persönlich kennenlernen durfte, kann ich daher nur jeden der (bislang) stillen Betrachter und Genießer da draußen ermuntern, doch vielleicht auch einmal eines eurer eigenen Lieblingsfotos zur Auswahl stellen. :)

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Während die Ligne des Cévennes in ihrer Gesamtlänge nur von drei Personenzugpaaren befahren wird, nimmt der Verkehr zu den beiden Streckenenden im Zulauf auf Clermont-Ferrand einerseits und auf Alès und Nîmes andererseits wenigstens ein bisschen zu, sodass sich mit TER 877507 (Génolhac - Nîmes) tatsächlich auch am frühen Sonntagmorgen, an dem ich meine Aufnahme machte, ein passender Protagonist auf Schienen finden ließ. Ein unerkannt gebliebener B 81500 rollte über die 46 Meter hohen Rundbögen des 1865 - 1867 errichteten Bauwerks nach Süden.

Zuletzt bearbeitet am 06.08.21, 14:44

Datum: 13.09.2020 Ort: Chamborigaud [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 18 Punkte

18 Kommentare [»]
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Les boîtes à chaussures - IV
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 01.08.21, 20:22
- Fortsetzung zu [www.drehscheibe-online.de] -

Nach fast vier Jahren wird es Zeit für eine Fortsetzung meiner kleinen Serie zu den "boîtes à chaussures" (dt. "Schukartons"), denke ich! ;) Zwar sind Ende 2017/Anfang 2018 die allerletzten X 2100/2200er-Triebwagen aus dem regulären Betriebsbestand der SNCF ausgeschieden, aber erfreulicherweise haben sich mittlerweile diverse Vereine, Museums- und Touristikbahnen eines oder häufig gleich mehrere Exemplare zur Erhaltung - meist weiterhin betriebsfähig - gesichert.

Ein besonderes Schmuckstück stellt dabei sicher der X 2204 dar, der in Südfrankreich von der Association du Train Touristique du Centre Var [www.attcv.fr] in rot-weißer Farbgebung betreut wird. Eine von vier verschiedenen Spielarten der Produktfarben, wie sie von den späten Achtzigerjahren bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends, vor der Modernisierung und Umlackierung der Flotten in die silber-blaue Livrée, für die TER-Züge der Regionen typisch waren.

Den Sommer 2020 über war er in Veynes stationiert, sollte aber Mitte September für eine Fahrzeugausstellung im Zuge der "Journées du patrimoine" nach Nizza überführt werden. Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit für eine Sonderfahrt durch alle sechs Départements der Région PACA, bei der die Reisenden die abwechslungsreichen Landschaften von den Gipfeln der Alpen bis hin zum azurblauen Mittelmeer genießen können. Leider machten diesem Erlebnis die wieder steigenden Corona-Zahlen einen Strich durch die Rechnung, ebenso wie der angedachten Fahrzeugausstellung... Die Überführung fand trotzdem statt, allerdings als nicht öffentliche Fahrt ohne Gäste.

Der kurze Triebwagen bot sich für die Umsetzung eines schon lange auf meiner Wunschliste stehenden Motivs an: Der nur sehr sparsam mit neuzeitlichen Accessoires ausgestattete Bahnhof Serres an der Strecke Veynes - Marseille mit der ihn umgebenden Felslandschaft und dem an den Hang gebauten Ortskern im Hintergrund. Sogar der am Empfangsgebäude, vor dem an jenem Tag die Tricolore flatterte, geparkte Nissan Patrol 260 (?) dürfte zeitlich in etwa zum X 2204 (Baujahr 1986) passen, der in flotter Fahrt als W 803831 (Veynes - Nice-Saint-Roch) in Richtung Côte d'Azur unterwegs war.

Merci à l'asso pour les horaires! :)

Datum: 12.09.2020 Ort: Serres [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2200 Fahrzeugeinsteller: Train Touristique du Centre Var (ATTCV)
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Pielstickbrummen und Glockengeläut
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 30.07.21, 19:04
Noch fahren sie, die Straßburger BB 67400, jedenfalls außerhalb der "roulements plein été" in den französischen Sommerferien. Seit Umstellung des Nachtzuges Paris - Rodez/Albi ist ihr Elsässer Habitat die allerletzte Bastion der altgedienten Dieselloks im planmäßigen Personenverkehr. Grund genug, sich den Maschinen im Herzen der Vogesen noch einmal ausführlich zu widmen! So führte mich im Juli 2020 eine der ersten Frankreich-Touren nach dem Ende der vorübergehenden Grenzschließungen aufgrund der ersten Welle der Corona-Pandemie ins Breuschtal und zum Col de Saales, wo in den waldigen Bergen das Elsass auf Lothringen trifft. Unbestrittener "Headliner" war der freitagabendliche TER von Saint-Dié nach Rothau: [www.drehscheibe-online.de]

Nach diesem Foto ging es dann langsam heimwärts, wobei der lange Sommerabend und eine recht konstante Lücke in der ansonsten üppigen Wolkendecke mich noch einmal innehalten und überlegen ließen, ob man nicht auch den nach 20 Uhr an seinem Endbahnhof eintreffenden TER 831834 (Strasbourg - Saales) noch sinnvoll irgendwo abpassen könnte. Gesagt getan, und schnellen Schrittes noch zur oberhalb von Bourg-Bruche einsam und ruhig im Wald gelegenen Kapelle hoch gestiefelt! Denn von dort bietet sich durch eine enge Schneise zwischen den Bäumen ein Blick auf Kirche und Bahnhof des Ortes sowie den zugehörigen Schienenstrang.

Sagte ich einsam und ruhig? Grundsätzlich ja, doch wie es der Zufall so wollte, kam kurz nach meiner Ankunft ein älteres Paar aus dem Ort hinauf und ließ sich zur Abendvesper auf den Bänken ein paar Meter unterhalb meines rutschig am Hang befindlichen Standorts nieder - Nicht ohne zuvor mit voller Inbrunst die Glocken der kleinen Kapelle zu läuten. Als parallel auch der Klang der Kirche unten in Bourg-Bruche einsetzte und überdies BB 67591 ihren Zug geräuschvoll gen Saales beschleunigte, entstand für eine kurze Zeit eine ganz eigentümliche klangliche Melange: Pielstickbrummen und Glockengeläut!

Im Anschluss rutschte ich unter interessierter Beobachtung mit allenfalls semi-adäquatem Schuhwerk (die Wanderschuhe hatte ich wegen der Spontaneität der Aktion total vergessen...) den Hang runter zum Platz vor der Kapelle, woraufhin sich dann noch ein nettes Gespräch entwickelte, denn die beiden waren mindestens so erstaunt wie ich, hier oben an diesem Freitagabend noch jemanden zu treffen. Ein Gespräch über das Elsass im Allgemeinen und das Breuschtal im Besonderen, über die Landschaft und auch die Bahnstrecke, die hindurchführt. Sie beklagten die zahlreichen geschlossenen Bahnhöfe und ich konnte das Lamento vervollständigen, als ich auf die infolge von Oberbaumängeln derzeit außer Betrieb befindliche Linie von Saint-Dié nach Épinal zu sprechen kam. Der Verweis, dass sich Emmanuel Macron - auf Druck der Kommunalpolitik - persönlich für die Wiedereröffnung verbürgt hatte, sorgte nur für ein amüsiertes Schmunzeln. Nein, beliebt ist er (auch und insbesondere) hier nicht, der Präsident der Republik...;)

Zuletzt bearbeitet am 31.07.21, 11:45

Datum: 03.07.2020 Ort: Bourg-Bruche [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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En pleine transition
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 11.07.21, 18:55
Anfang Juni 2012, zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur, führte mich eine kleine Zugreise nach Grenoble und an den Sillon Alpin Sud, eine Bahnstrecke, die sich zum damaligen Zeitpunkt mitten im Umbruch befand und, wenn ich mich richtig erinnere, wenige Tage oder Wochen später wieder einmal für eine umfangreiche Bauphase gesperrt werden sollte.

Doch noch einmal von Anfang an: Die Rede ist beim "S.A.S." von der Achse Chambéry - Grenoble - Valence, die ab Montmélian bis zur Mündung weitgehend dem Verlauf der Isère folgt, mal mehr, mal weniger weit vom Fluss entfernt. Die gut 150-jährige Geschichte der Bahn war nicht immer nur rosig, denn obwohl mitunter namhafte Schnellzüge wie der Catalan Talgo Genf - Barcelona den Schienenstrang befuhren, wurde er zwischen Romans und Moirans gleich mehrfach seines zweiten Gleises beraubt, einmal gegen Ende des ersten Weltkriegs, abermals - und dieses Mal für rund ein halbes Jahrhundert - ab dem Jahre 1958. Auch die abschnittsweise Stilllegung der vernachlässigten Infrastruktur stand im Raum, ehe man sich Anfang des 21. Jahrhunderts eines Besseren besann und die Generalsanierung beschloss, ein Glücksfall, der in den letzten Jahrzehnten lange nicht jeder französischen Bahnlinie zuteil wurde!

In einer ersten Phase in den Jahren 2009 und 2010 wurde zwischen Saint-Marcellin und Moirans das zweite Gleis wieder aufgebaut und die Signaltechnik auf moderne Lichtsignale umgestellt. Der Dieselbetrieb hingegen blieb vorerst aufrecht erhalten, sodass auch den BB 67300 vor den "Omnibus"-Zügen zwischen Chambéry, Grenoble und Saint-Marcellin noch eine letzte Galgenfrist gewährt wurde. In genau diesem Zeitraum war ich vor Ort und erwartete am Abend des 1. Juni 2012 die in recht rustikalem Zustand daherkommende BB 67346 mit der RRR-Garnitur 'D' im Schlepp als TER 883757 (Chambéry - Saint-Marcellin) in der langen, nunmehr wieder zweigleisigen Geraden vor Vinay im südlichen Grésivaudan.

Typisch für diesen Streckenabschnitt war neben dem Verlauf durch schier endlose Walnussplantagen vor dem Hintergrund der steil aufragenden Felswände des Vercors auch eine Vielzahl fotogener Steinbogenbrücken, die Straßen und Wirtschaftswege über die Bahn führten. Während sich die Kulturlandschaft auch heute noch weitgehend unverändert zeigt, haben die Brücken die 2012/2013 realisierte Elektrifizierung leider nicht überlebt. Sie waren Fahrdraht und Fortschritt im Weg... Heute rollen die TER ausnahmslos elektrisch durch das Tal, großteils als Triebwagen, aber auch in Form von BB 22200 mit Corail-Wendezügen. Vielleicht auch noch mal eine Reise wert? Aber irgendwie ist es eben doch nicht mehr dasselbe, wenn man "damals" die Fahrt am offenen Fenster bei wehenden Vorhängen hinter den im Stop-and-Go-Verkehr gut geforderten Pielstick-Dieseln erlebt hat. Mensch, man wird alt...;)

Mehr zur Geschichte und eine Vielzahl sehenswerter Fotos finden Interessierte in der umfassenden Streckenchronik "Sillon Alpin Sud - Vie et transfiguration d'un chemin de fer" von Mariano Flores, erschienen 2015 bei Presses & Editions Ferroviaires.

Datum: 01.06.2012 Ort: Vinay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67300 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 18 Punkte

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Les mauvaises herbes, on les aime!
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 06.07.21, 18:54 Top 3 der Woche vom 18.07.21
Der Bahnhof Sarralbe - einstmals bedeutender Bahnknoten, heute Biotop mit Gleisanschluss. 1872 ging er in Betrieb, als die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) ein Jahr nach Ende des deutsch-französischen Krieges die Bahnstrecke von Sarrebourg (damals: Saarburg) nach Sarreguemines (damals: Saargemünd) in Betrieb nahm. In diese Zeit geht auch das - später erweiterte - Empfangsgebäude zurück, das wie die gesamten Bahnanlagen nicht verhehlen kann, dass es errichtet wurde, als das Gebiet am Oberlauf der Saar Teil des "Reichslandes" war. So finden sich dort noch heute etwa auch deutsche Kilometersteine... Seit 1895 ging es von Sarralbe aus per Bahn in vier Himmelsrichtungen, neben den bereits genannten Destinationen auch nach Kalhausen und Champigneulles bei Nancy via Bénestroff.

Und heute, 125 Jahre später? Einzig verblieben ist nach dem Ende des schienengebundenen TER-Verkehrs nach Sarre-Union Ende 2018 die Strecke aus Kalhausen sowie ein kurzer, wenige Hundertmeter langer Stummel jener nach Sarreguemines, der als Anschlussgleis zum Solvay/Ineos-Chemiewerk dient. Seit Einstellung des Personenverkehrs erobert sich zudem die Natur das Areal immer weiter zurück.

Am Morgen des 14. Juni 2021 hatte sich BB 60126 mit einem einzelnen VTG-Kesselwagen für Ineos als FRET 431017 (Woippy - Sarralbe) mit - der herabgesetzten Streckenhöchstgeschwindigkeit geschuldet - maximal 40 km/h an das Biotop herangepirscht. Die ideale Zuglänge, um die Fuhre beim Zurückdrücken ins Werk gemeinsam mit Empfangsgebäude, ehemaligem Wasserturm (heute innen zu Wohnzwecken ausgebaut) und auf der früheren Ladestraße prächtig gedeihenden Mohnblumen in Szene zu setzen. Wie schön doch "Unkraut" sein kann! :)

PS: Ein Stromkabel, das sich bei diesem Blickwinkel mit Mohn im Vordergrund nicht vermeiden ließ, habe ich nachträglich digital aus dem Himmel entfernt.

Datum: 14.06.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 26 Punkte

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Lichtschneise
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 04.07.21, 18:51 Top 3 der Woche vom 18.07.21
Nicht ganz einfach gestaltet es sich Mitte September, auf der Col de Cabre-Linie in den französischen Alpen den morgendlichen TER 17352 (Briançon - Romans-Bourg-de-Péage) ins passende Licht zu rücken. Allzu oft werfen die umgebenden Berge mit ihren schroffen Felshängen zu früher Stunde noch ihre Schatten auf Talgrund und Bahnstrecke. Bei Luc-en-Diois jedoch - einem jener charmanten französischen Bergstädtchen, die trotz ihrer bescheidenen Größe von nur rund 500 Einwohnern eine erstaunliche Lebendigkeit ausstrahlen - zweigt ein kleines, landwirtschaftlich genutztes Seitental ab, das einer Schneise gleich das Morgenlicht einfallen lässt.

Ich schaute mir das Spektakel aus einigem Abstand an. Unterhalb einer kleinen Schutzhütte am Steilhang stehend, ergibt sich rund 150 Meter oberhalb des Ortes ein freier Blick auf die typische Landschaft, den Zug und Teile von Luc-en-Diois. Echte Hasardeure können womöglich sogar noch die Kirche Sainte-Vierge mit einbeziehen, doch dafür muss man noch ein paar Schritte weiter in Richtung Abgrund. Ein Unterfangen, das ich kurz in Erwägung gezogen hatte, dann aber angesichts des extrem trockenen und dadurch bröckelig-rutschigen Waldbodens ganz schnell wieder aufgab, als ein Teil des selbigen inklusive eines kapitalen Steins in die Tiefe rauschte. Bis man den Aufschlag hörte, brauchte es eine Zeit...;)

Hinter der Kurve, die den Bergrücken links im Bild umrundet, schließt sich übrigens - hier nicht sichtbar - der Viaduc du Claps an, zusammen mit dem Tunnel von Beaurières wohl der bedeutendste Kunstbau der Strecke.

Datum: 15.09.2020 Ort: Luc-en-Diois [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 72500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 20 Punkte

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Double mixte en descente
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 17.06.21, 15:45
Mit meinem letzten Galerie-Foto habe ich euch mitgenommen nach Larzalier [www.drehscheibe-online.de], auf die rauen Hochplateaus des Départements Lozère. Bleiben wir noch ein bisschen vor Ort und schauen uns den weiteren Streckenverlauf in Richtung Mende an!

Um vom Scheitelpunkt der Bahnlinie auf 1215 Metern über dem Meer hinunter in die Präfektur am Oberlauf des Lot (auf 723 Meter) zu gelangen, beschreibt der "Translozérien" unmittelbar westlich von Larzalier eine weite Schleife in Form einer großen S-Kurve, die es den Zügen ermöglicht, die Höhendifferenz zu überwinden, gleichwohl unter Inkaufnahme merklicher Steigungen - bzw. in dieser Richtung natürlich eines entsprechenden Gefälles. Deutlich wird dies, wenn man die links oben am schattigen Hang liegende Schneeverbauung, die mir für die X 2800er-Aufnahme als Fotostandpunkt diente, mit dem Gleisabschnitt im Vordergrund vergleicht, über den am späten Abend des 17. Juli 2016 ein gemischtes "Baleine"-Doppel als TER 877912 (Nîmes - Mende) bergab rollte.

Der vordere Triebwagen trägt die an den Farben Kataloniens und des Languedoc orientierte Livrée der (ehemaligen) Région Languedoc-Roussillon, der hintere - vmtl. erst kurz zuvor umstationierte oder leihweise in der Gegend weilende - das neutrale TER-Design ganz ohne regionalspezifische Details.

Zuletzt bearbeitet am 17.06.21, 22:38

Datum: 17.07.2016 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Monté sur le toit
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 24.05.21, 20:14
Wortwörtlich aufs Dach gestiegen bin ich für dieses Foto einer der Galerien, die vor nunmehr über hundert Jahren entlang des Translozérien errichtet wurden, um den Schienenstrang vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Denn die Strecke von Le Monastier über Mende nach La Bastide verläuft zwischen der Präfektur des Départements Lozère und der Einmündung in die Cevennenbahn im übertragenen Sinne auch auf einem Dach, "sur le toit de la France" nämlich. Auf der Plaine de Montbel erreicht sie mit 1215 Metern über dem Meer den höchsten Punkt des nicht elektrifizierten, regelspurigen französischen Eisenbahnnetzes!

So suchten im Februar 1903, nur wenige Monate nach ihrer Eröffnung, erstmals heftige Schneeverwehungen die Strecke heim und ließen die zierliche Dampflok eines von La Bastide nach Mende fahrenden Personenzugs in unmittelbarer Nähe meines Fotostandpunkts in Larzalier stecken bleiben. Die gestrandeten Passagiere konnten die Nacht zwar im Schrankenwärterhaus, das hier hinter dem Baum in Bildmitte nur zu erahnen ist, verbringen, aber dennoch war der Horrornachricht ein Platz auf Seite eins der damaligen "Nouvelles illustrées" sicher (vgl. S. 80/81 im nur noch antiquarisch erhältlichen Buch "Les trains du toit de la France" von La Régordane). Eine Schmach für die Bahnverwaltung, die sich in den Wintern 1905 und 1906 in ähnlicher Form wiederholen sollte und schließlich darin gipfelte, dass man insgesamt rund sechs Kilometer der Nebenbahn kurzerhand unter steinernen Schneeverbauungen versteckte.

Jene am ehemaligen Haltepunkt Larzalier wird von einem schmiedeeisernen Fußgängersteg zu einer Weide überquert (!), der heute zwar seine Daseinsberechtigung weitgehend verloren haben dürfte, mir aber meine Fotoposition auch ohne waghalsige Kletterei ermöglichte. Am Wochenende der "Journées de patrimoine" am 19./20. September 2020 befuhren die Ehrenamtlichen der in Langogne ansässigen Association des passionnés de l'X2800 [www.ap2800.fr] mit ihren beiden Schmuckstücken X 2819 und X 2914 den Translozérien. Schnee war zwar nicht in Aussicht, das Wetter aber dennoch extrem rau und ungemütlich mit viel Regen und dichten, sich überlagernden Wolkenschichten. Für die nachmittägliche Rückfahrt aus Mende am Sonntag ließ sich dann entgegen aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich in einem passenden Zeitfenster die Sonne blicken. :)

Schlagen wir aber noch einmal kurz den Bogen zurück zur wechselvollen Geschichte des kleinen Ortes: Im Bildhintergrund, kurz vor dem Bahnwärterhaus, das in jener Schneenacht 1903 als Retter fungierte, zweigte ab ca. 1925 für wenige Jahre eine Anschlussbahn zur damals im Bau befindlichen, rund 15 Kilometer entfernten Barrage de Charpal ab, die sogar noch einmal ein gutes Stück weiter anstieg als der Translozérien, auf 1388 Meter! Sie sollte auch militärischen Zwecken dienen (man plante hier im Niemandsland die Lagerung von Schießpulver), verschwand aber letztlich bereits in der zweiten Hälfte der 30er Jahre wieder von der Bildfläche, ohne jemals nennenswert genutzt worden zu sein. Heute dienen weite Teile der Trasse als Straße/Wirtschaftsweg...

Zuletzt bearbeitet am 25.05.21, 13:31

Datum: 20.09.2020 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2800 Fahrzeugeinsteller: Association des passionnés de l'X2800 (AP2800)
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 14 Punkte

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ZGC: Zur Ginsterblüte (auf den) Causses
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 17.05.21, 17:12
Was die Kurzbezeichnung der elektrischen Variante des AGC ausgeschrieben bedeutet, liegt ja praktisch auf der Hand, wenn man das Bild so betrachtet! Oder vielleicht ist auch doch alles ganz anders, eher technischer Natur, wer weiß...;)

Unbestritten allerdings lohnt sich ein Besuch der Causses - der Kalkhochebenen im südlichen Massif Central - zur Zeit der Ginsterblüte Ende Mai/Anfang Juni besonders. Wenn zwischen Wäldern und Weiden die Blüten sprießen, leuchtet die ganze Gegend gelb und verzaubert noch ein kleines bisschen mehr, als es der abgelegene Landstrich, wo es mehr Aubrac-Rinder als Menschen geben dürfte, mit seiner immensen Weite ohnehin schon tut.

Mitten hindurch verläuft von Süd nach Nord die "Ligne des Causses" Béziers - Neussargues. So gesellen sich zum blühenden Ginster noch ein paar Portalfahrleitungsmasten - die berühmten "Ogives" der MIDI - und zahllose Kunstbauten, gelegentlich sogar einer der spärlich verkehrenden Züge... Am 28. Mai 2016 war es ein unbekannter ZGC als TER 878950 (Béziers - Saint-Chély-d'Apcher), der um kurz nach zehn den Viaduc de la Crueize nördlich von Marvejols überquerte. Mit einer Länge von 218 Metern und gut 63 Metern Höhe zählt das 1880 bis 1884 errichtete und nach dem gleichnamigen Tal manchmal auch als Viaduc de l'Enfer bezeichnete Bauwerk zu den größeren Viadukten im Streckenverlauf.

Datum: 28.05.2016 Ort: Fraissinet [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 27500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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La grande finale des Pielstick?
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 14.05.21, 17:38
Als eine der klassischen Diesellokreihen, die den französischen Bahnbetrieb der letzten Jahrzehnte in großer Stückzahl prägten, gelangten die BB 67400 im Laufe ihrer Karriere immer wieder auch ins benachbarte Ausland. Während sich das in den meisten Fällen auf die unmittelbare Grenznähe beschränkte (Saarbrücken z. B. war langjähriger Wendebahnhof), unterhielt das nordfranzösische Dépôt Longueau einen umfangreichen Bestand an Lokomotiven mit Belgien-Zulassung, die bis weit ins Königreich hinein eingesetzt wurden, zunächst in Kooperation der beiden Staatsbahnen, später als direkter Konkurrent zur SNCB. In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends erreichten diese Open Access-Verkehre von SNCF Fret ihren Höhepunkt: Chemie-Züge aus Tessenderlo und Zement aus Havinnes, Glukose ab Aalst und Holz aus Marloie, umfangreiche Container- und Getreideverkehre an die Nordsee... Und sogar für den Rangierdienst im Hafen von Antwerpen waren eigens Loks abkommandiert!

Dieser Boom jedoch ist längst wieder vorbei. Meist haben andere Unternehmen wie Europorte oder Lineas (Ironie der Geschichte: Das ist die verselbständigte Gütersparte der belgischen Staatsbahn, der man einst das Leben schwer gemacht hat...) die Züge übernommen oder die SNCF setzt auf neuere E-Loks. Ein Verkehr aber hat sich die letzten Jahre über halten können, auch wenn er nur kampagnenmäßig ist: Der Schottertransport vom Sagrex-Steinbruch in Quenast südlich von Brüssel nach Frankreich, um bedarfsweise Bahnbaustellen im Norden des Landes mit Nachschub zu versorgen. Wer sich auch nur ein wenig für den belgischen Bahnbetrieb interessiert, dem werden die Züge kaum entgangen sein...;)

Auch im Frühjahr 2021 rollen sie wieder! Insgesamt rund 45 Fahrten sind geplant, die Ende März begonnen haben und voraussichtlich noch bis zum 11. Juni andauern werden. Obwohl die 67400er schon mehr als einmal vermeintlich endgültig den belgischen Gleisen den Rücken gekehrt haben, rückt das tatsächliche Ende jetzt in konkrete Nähe und die Chancen sind hoch, dass die Schotter-Saison 2021 die letzte mit den Pielstick-Maschinen sein wird. Die Gründe dafür sind technischer Natur: Immer mehr Strecken im Netz von Infrabel werden mit ETCS ausgerüstet, womit ein Abbau der charakteristischen "Krokodile" im Gleis für das Zugbeeinflussungssystem Memor einhergeht, sodass die 67400 dort nicht mehr eingesetzt werden können, es sei denn man würde sie - sehr unwahrscheinlich - noch einmal mit ETCS oder mindestens TBL1+ ausrüsten. In naher Zukunft (ein genaues Datum habe ich leider nicht finden können) soll auch die "Ligne 96" von Brüssel nach Mons und zum Grenzübergang Quévy an der Reihe sein, auf der besagte Schotterzüge unterwegs sind.

Entgegen kommt dem geneigten Fotografen auch ein umfangreicher Rückschnitt des Bewuchses entlang der "L96", der viele neue Stellen ermöglich hat. Besonders nett finde ich dabei die alte Steinbogenbrücke, die bei Neufvilles die in einem kurvigen Einschnitt liegende Bahn überspannt. Am 23. April erschienen BB 67629 und 67579 pünktlich mit dem Leerzug FRET 49883 (Somain - Quenast) auf der Bildfläche. Die letzte blaue Diesellok im Bestand von SNCF Fret war rund einen Monat lang für diese Leistung eingeteilt, wurde Anfang Mai aber durch eine grüne Schwesterlok ersetzt.

Datum: 23.04.2021 Ort: Neufvilles [info] Land: Europa: Belgien
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Ein Franzose im Ösling
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 11.05.21, 17:36
Z2 und Mittelgebirge? Das gab bzw. gibt es nicht nur im französischen Doubstal, wie mit meinem letzten Galeriebild gezeigt, sondern auch im Ösling, dem luxemburgischen Teil der Ardennen im Norden des Großherzogtums! Während die Einsätze auf der landschaftlich besonders reizvollen Nordstrecke hoch bis nach Troisvierges leider seit einigen Jahren der Vergangenheit angehören, bietet die seit Stilllegung des weiteren Verlaufs ins belgische Bastogne (schrittweise bis 1967) nur noch gut neun Kilometer lange Nebenbahn von Kautenbach nach Wiltz nach wie vor die Möglichkeit, die luxemburgische Variante der Z2 - bei den CFL als Reihe 2000 bezeichnet - in bergiger Umgebung zu erleben.

Mehr oder weniger dicht folgt die Bahn dabei dem kleinen Fluss, der ebenfalls auf den Namen Wiltz hört, durch das waldreiche, eng in die umgebenden Höhenzüge eingeschnittene Tal. Kurz vor Erreichen des Abzweigbahnhofs Kautenbach, wo Anschluss nach Luxemburg Stadt und Troisvierges sowie Lüttich besteht, weitet sich der Talgrund etwas und lässt am Morgen einen freien Blick auf die Stützmauer der Bahn zu. Am 16. August 2016 war Triebwagen 2006 im Pendeldienst unterwegs und wird als RE 1833 (Wiltz - Kautenbach) gleich sein Ziel erreichen, von wo aus es nach kurzem Aufenthalt wieder zurück nach Wiltz gehen wird, ein sich im Halbstundentakt bis in die Abendstunden wiederholendes Schauspiel.

Weitere Einsätze der rund dreißig Jahre alten Fahrzeuge finden derzeit noch in Doppeltraktion als RB von Luxemburg Stadt über Ettelbrück nach Diekirch sowie auf den Strecken Noertzange - Rumelange, Esch-sur-Alzette - Audun-le-Tiche (F) und Bettembourg - Volmerange-les-Mines (F) statt, letztere allesamt ähnlich kurze Stichbahnen wie Kautenbach - Wiltz. Bis 2024 ist eine vollständige Ablösung der letzten nicht klimatisierten Nahverkehrsfahrzeuge in Luxemburg geplant.

Datum: 16.08.2016 Ort: Kautenbach [info] Land: Europa: Luxemburg
BR: LU-2000 Fahrzeugeinsteller: CFL
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

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Après une nuit pluvieuse
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 08.05.21, 19:54
Im Jahr 2016 war der Regionalverkehr im Doubstal noch zu weiten Teilen in den Händen klassischer SNCF-Baureihen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. BB 25500 mit RRR-Garnituren, Z2 und BB 22200 mit Corail-Wendezügen teilten sich das TER-Angebot mit nur wenigen AGC und Baleines... Tempi passati!

Die Aussicht auf ein abwechslungsreiches Tagesprogramm ließ uns mitunter auch mal bei nicht ganz so sicherer Wetterprognose losfahren, denn die Chance, dass wenigstens ein bisschen was bei Sonne klappt, war entsprechend hoch. Und wunderschön ist es entlang des von Felsen umgrenzten Flusses am Nordrand des Jura sowieso - auch ganz ohne Eisenbahnfotos!

So lag eine verregnete Nacht hinter der Franche-Comté, als am Morgen des 12. April 2016 die Sonne zaghaft hinter den Wolken hervor blinzelte. In der langsam wärmer werdenden Frühlingsluft verflüchtigte sich das auf den jungen Blättern der frisch ergrünten Bäume gesammelte Wasser rasch und ließ eine eigentümliche, dunstgeschwängerte Atmosphäre entstehen. Dazu funkelten die Drähte und Leitungen des Fahrdrahts und der Hangsicherung wie Spinnweben in der Morgensonne, als der passend kurze Z 9631 als TER 894008 (Belfort - Besançon) bei Laissey an mir vorbei surrte. :)

Datum: 12.04.2016 Ort: Laissey [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 9600 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Dieselbrummen unterm singenden Draht
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 11.04.21, 16:29
Über den in den letzten Jahren wieder erstarkten Getreide-Verkehr auf der französischen "Ligne 4" habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Der um 2016/17 auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs von Vesoul neu errichtete Silokomplex der Kooperative Interval versendet primär Export-Getreide per Bahn und generiert damit einen (verglichen mit anderen Silos) recht üppigen Verkehr, den sich verschiedene EVU teilen. SNCF Fret nimmt dabei den Weg westwärts über Culmont-Chalindrey. Die Zuführung der Leerwagen passte ich am 29. März 2019 oberhalb von Rosières-sur-Mance ab: [www.drehscheibe-online.de]

Kurz nach dem verlinkten Bild rollte noch ein Coradia Liner-Doppel in Gegenrichtung, ehe bis zum Nachmittag eine etwa siebenstündige Zugpause begann... Ganz normaler Wahnsinn an der "Ligne 4", seitdem die Strecke nach Eröffnung der LGV Rhin-Rhône von einer wichtigen Magistrale Paris - Ostfrankreich/Schweiz gewissermaßen zum Schleichweg degradiert wurde! Die Zeit nutzte ich für ein ausgiebiges Picknick am Ufer der Saône, ein bisschen Stellenkunde und einen Kontrollbesuch am Silo in Vesoul, wo sich etwa eine Stunde vor geplanter Abfahrt die 75407 wieder an die Schlange Getreidewagen setzte.

Entsprechend war ich auch bereits darauf eingestellt, dass die Rückfahrt etwas vor Plan unterwegs sein würde. Mit etwa -50 passierte FRET 481050 (Vesoul - Culmont-Chalindrey) schließlich um 15h23 den frisch ausgeholzten Einschnitt von Port-sur-Saône (70), gesäumt von einer erst zaghaft aufblühenden Frühjahrsvegetation. Nicht fehlen dürfen natürlich die charakteristischen Doppelmasten, die den einstmals zu jeder bedeutenderen Bahnstrecke gehörenden "singenden Draht" stützen, wie er zwischen Chalindrey und Bas-Évette noch lange durchgehalten hat, mittlerweile aber auch dort auf vielen Abschnitten verschwunden ist...

Die BB 75400 ist für eingefleischte Großdiesel-Fans sicher nur ein müder Abklatsch der bis 2017 im Fernverkehr auf der "L4" eingesetzten CC 72000/72100, aber ich freue ich mich in der zunehmenden Triebwagen-Monotonie doch immer wieder über einen Güterzug mit dieser Reihe, wobei ein voll beladener Getreide-Ganzzug zu den schwereren Anhängseln zählen dürfte. So war der 2400kW-Motor von MTU in der Steigung von Vesoul hinauf zum kleinen Zwischenscheitelpunkt im Wald zwischen Grattery und Port-sur-Saône hörbar gefordert, wobei dieser bereits knapp überwunden war, als ich den Auslöser drückte. Hier geht es schon wieder leicht hinab in die Niederung der Saône.

Zuletzt bearbeitet am 12.04.21, 15:59

Datum: 29.03.2019 Ort: Port-sur-Saône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
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Échec et mat !
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 10.04.21, 12:44
Schon länger blickte das interessierte Publikum aus Nutzern, Lokalpolitik und Bahnfans sorgenvoll auf die TER-Verbindung von Nancy über die alte Ligne 14 südwärts gen Vittel, Contrexéville und Merrey. Sorgenvoll, denn "alt" meint in diesem Fall primär nicht die 14 aus der überkommenen Nomenklatur der Compagnie des chemins de fer de l'Est, sondern ganz handfest den stellenweise geradezu erbärmlichen Zustand des Oberbaus.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 konkretisierten sich zunehmend die Gerüchte, dass der Strecke südlich von Pont-Saint-Vincent im Dezember 2016 wegen akuter Oberbaumängel und ungenügender Fahrgastzahlen die Einstellung im Gesamtverkehr droht… Als ich es am 30. November des Jahres tatsächlich geschafft hatte, Sonnenschein und einen freien Tag (die lagen bei mir zu dieser Zeit etwas dämlich über die Woche verteilt: Mittwoch und Sonntag) zu vereinen und ich mich bei anfangs eisigen Temperaturen an der Strecke wiederfand, war die Entscheidung bereits gefallen und die Strecke schachmatt gesetzt. Die Stellung im Spiel, in der der König im Schach steht und es keinen regelgerechten Zug mehr gibt, dieses aufzuheben. Die Lage ist aussichtslos und die Partie de facto verloren! Genau so fühlten sich die letzten Wochen des Betriebs an, auch wenn das mäßig attraktive Angebot noch bis zum Fahrplanwechsel tapfer aufrechterhalten wurde...

Unweit von Rozerotte rumpelte X 76575 als TER 836256 (Contrexéville – Nancy) über die marode Doppelspur durch die spätherbstliche Landschaft. Gut zwei Wochen später fuhr dann der letzte Zug über diesen Abschnitt.

Und heute? Verblieben ist nur noch der Vorortverkehr von Nancy bis Pont-Saint-Vincent (im Güterverkehr geht's noch ein paar Kilometerchen weiter bis Xeuilley) und südlich von Vittel die Abfuhr des bekannten Mineralwassers in Ganzzügen gen Merrey und von dort aus in alle Ecken des Landes. Eine Reaktivierung ist für den Zeitraum um 2025/26 zwar im Zuge einer Ausschreibung vorgesehen, aber auch wenn das klappt, werfen zehn bahnlose Jahre hier kein gutes Licht auf die französische Verkehrspolitik.

Datum: 30.11.2016 Ort: Rozerotte [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Merveilles de la Vermeille
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 07.04.21, 17:55
Von Argelès im Norden bis Cerbère im Süden ist es nur eine verhältnismäßig kurze Küstenstrecke, doch fährt Mutter Natur hier auf den letzten Metern französischen Bodens vor der Grenze zu Spanien/Katalonien noch einmal alles nur Erdenkliche auf, um den Besucher in ihren Bann zu ziehen. Blau-. Grün-, Ocker- und Rottöne, wie sie sie auf der Palette eines Malers kaum intensiver leuchten könnten! Als wäre dieses Farbenspiel zwischen Mittelmeer und Pyrenäenfels nicht paradiesisch genug, verwöhnen auch 320 Sonnentage im Jahr den Landstrich, der Künstler wie Henri Matisse vor über 100 Jahren genau so begeisterte, wie heute allsommerlich Tausende von Touristen. Hoffen wir, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft wieder halbwegs unbeschwert aufmachen kann zu einem Trip an die Côte Vermeille!

Einstweilen begnügen wir uns mit einer Rückblende in den März 2014, als im TER-Verkehr zwischen Avignon, Perpignan und Cerbère noch zwei Zugpaare mit BB 7200 und farbenfrohen Corail-Wagen im Design der (damaligen) Région Languedoc-Roussillon unterwegs waren. Einer jener Züge war TER 876426 (Cerbère - Avignon), der den Spurwechselbahnhof in fotogener Zeitlage nordwärts verließ und damit stets ein gern gesehenes Foto-Objekt war. Am 5. März 2014 umkurvt er vor weitem Mittelmeer-Panorma kurz nach Fahrtbeginn die Anse de Terrimbo, eine felsige Bucht mit kleinem Badestrand unterhalb der Bahnstrecke.

Datum: 05.03.2014 Ort: Cerbère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Santiago oder Nantes?
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 16.03.21, 13:33
Egal ob man von Toulouse kommend das Ende des dem heiligen Jakob gewidmeten Pilgerwegs im galicischen Santiago de Compostela oder die alte Hauptstadt der bretonischen Herzöge an der Loire-Mündung erreichen will, führt der Weg zwangsläufig erst einmal nach Westen. Bei Boudou im Département Tarn-et-Garonne verlaufen beide Reiserouten am Canal latéral à la Garonne, dem Garonne-Seitenkanal, entlang. Links die Bahnstrecke Toulouse - Montauban - Agen - Bordeaux (von wo es weiter in Richtung Nantes geht), rechts der von zahlreichen Pilgern und Sinnsuchenden aus aller Herren Länder per Fahrrad oder zu Fuß gut frequentierte Jakobsweg, genauer gesagt die aus Le Puy-en-Velay kommende Via Podiensis.

Im frühen Streiflicht des 6. September 2015 führte BB 7255 mit INT 3842 (Toulouse - Nantes) den ersten westwärts fahrenden Fernzug des Tages dem Lokwechsel in Bordeaux entgegen. Dort wird ihn eine BB 67400er-Traktion übernehmen, um ihn über La Rochelle nach Nantes zu bringen. Eine Direktverbindung mit aufwendigem Betriebsablauf, die schon 2015 nicht mehr selbstverständlich war und mittlerweile bereits seit einigen Jahren der Vergangenheit angehört...

In den kommenden Monaten wird sich voraussichtlich ein weiteres Kapitel der Bahngeschichte im Midi schließen - Die Vorherrschaft der elektrischen "Nez cassés" vor den Corail-Schnellzügen auf der Transversale Sud. In der Normandie durch die Ablieferung neuer Omneo-Triebwagen arbeitslos gewordene Sybics sollen ab Juni 2021 zumindest einen größeren Teil der Leistungen von den BB 7200/22200 übernehmen, die dort in den letzten Jahrzehnten das Bild des Fernverkehrs prägten.

PS: Einen Schatten auf der Lokflanke und die zugehörige Spiegelung habe ich nachträglich am heimischen PC entfernt.

Datum: 06.09.2015 Ort: Boudou [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Le Malentendu
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 12.03.21, 17:19
Den charmanten Museumsbahnbetrieb des Velay-Express auf einem Teil des einstmals ausgedehnten CFD-Schmalspurnetzes im Massif Central habe ich an dieser Stelle vor einigen Monaten ja schon vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de] Kehren wir noch einmal zurück in den Spätsommer auf den Höhen des Vivarais!

Folgt man am Ortsausgang von Tence am Rond-point, also dem Kreisverkehr, nicht der direkten Straße nach Le Chambon-sur-Lignon, sondern dem Hinweis auf die "Itinéraire Touristique", gelangt man nach wenigen Kilometern nahe des Weilers La Celle an einen markierten Aussichtspunkt am Straßenrand. Eingerichtet wurde er aller Wahrscheinlichkeit nach, um den - durchaus hübschen - Blick auf das im Tal dahin plätschernde Flüsschen Lignon und die sich im Westen aufragenden Vulkangipfel zu ermöglichen. Doch irgendwie hatten wir das an diesem 13. September 2020 offenbar alle ein bisschen missverstanden... Denn sowohl ich als auch ein spontan anhaltendes französisches Duo aus Vater und Sohn drehten uns samt Kameras just in die entgegengesetzte Richtung um, wo es nur Wald, Landstraße und eine steinerne Stützmauer zu sehen gibt. Verhältnismäßig langweilig! Doch, nanu, was trötete und brummte denn da aus dem dunklen Tann? Wenig später rollte dann der mustergültig aufgearbeitete Billard Nr. 313 (weitere Infos zu ihm gibt's unter dem verlinkten Bild) als Velay-Express gen Le Chambon und Saint-Agrève vorbei und war möglicherweise eine Rechtfertigung für die Wahl der falschen Seite des Aussichtspunkts. ;)

Das mit den Missverständnissen scheint in der Gegend übrigens Tradition zu haben, denn im nahen Le Chambon-sur-Lignon, dem nächsten Halt des Zuges, schrieb der dort eine Tuberkuloseerkrankung auskurierende Albert Camus 1943 nicht nur Teile seines Romans "Die Pest", sondern vor allem auch das zum Cycle de l'absurde zählende Theaterstück "Le Malentendu" (auf deutsch: "Das Missverständnis"), das dem ein oder anderen Gymnasiasten aus Baden-Württemberg, der in der Oberstufe Französisch als Leistungskurs belegt hat, vielleicht noch in Erinnerung sein wird...

Zuletzt bearbeitet am 14.03.21, 01:09

Datum: 13.09.2020 Ort: Le Chambon-sur-Lignon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Billard A80D Fahrzeugeinsteller: Velay-Express
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Das Salz in/an der Suppe
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 24.02.21, 19:29
Als Kind der 90er gehen meine frühesten Eisenbahn-Erinnerungen in die Übergangsphase von den verschiedenen noch unter Bundes- und Reichsbahnregie entstandenen Farbschemata zur unangefochtenen verkehrsroten Vorherrschaft zurück. Als ich dann um 2003/04/05 mit einer analogen Kompaktkamera meine ersten bescheidenen Versuche in Sachen Fotografie startete, waren "die Roten" bereits omnipräsent und doch ein kleines bisschen langweilig, auch wenn die Kinderaugen des jungen Bahnfans Julian sie dennoch mit Interesse zur Kenntnis nahmen. Das Salz in der Suppe waren für mich allerdings damals "die Bunten", das heißt bei den ungezählten Besuchen auf dem Mannheimer Hauptbahnhof vor allem die 181er in vier verschiedenen Farbgebungen vor den Eurocities Frankfurt - Paris v.v., im Bahnbetriebswerk am benachbarten Rangierbahnhof die noch ab und zu anzutreffenden türkis-beigen 140er, deren Farbgebung etwa zwanzig Jahre vorher niemanden hinter dem Ofen hervor locken konnte und gar als "Kotzfarbe" verschrien war, wie ich aus den fachkundigen Erklärungen meines Onkels staunend lernte...

Wiederum einige Jahre später, ich mittlerweile in der Oberstufe, waren die fotografischen Fähigkeiten allmählich etwas gereifter, dafür "die Bunten" beinahe ausgestorben. Als letzte türkis-beige 140er im regulären DB-Bestand war 140 423 verblieben. Für sie kam die Abstellung erst Ende 2011.

Als die "Lokvorschau" auf DSO sie - den letzten Rest des Salzes in der Suppe meiner Besuche auf dem Rangierbahnhof zu Kinderzeiten - am Tag der Deutschen Einheit 2010 vor den Flüssigeisenzügen zwischen der Dillinger Hütte und Völklingen ankündigte, war klar, dass ich ihr im Saarland meine Reverenz erweisen musste. Dass diese aus Torpedopfannenwagen gebildeten Züge mit ihrer heißen Fracht im Bahner-Jargon auch als "Suppe" bezeichnet werden, passte da doch wunderbar!

Auf der letzten Runde, die noch ein paar herbstliche Sonnenstrahlen abbekam, entstand dann am Saarufer zwischen Völklingen und Bous mein damaliges Bild des Tages. CS 61833 (Völklingen - Dillingen Hütte), bestehend aus zwei Torpedopfannenwagen, rollte mit 140 423 am zufriedenen Fotografen vorbei dem Sonnenuntergang entgegen. Also gewissermaßen das Salz AN der Suppe. ;)

Zuletzt bearbeitet am 24.02.21, 19:56

Datum: 03.10.2010 Ort: Bous (Saar) [info] Land: Saarland
BR: 139,140 Fahrzeugeinsteller: DB
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Zwischen Kakteen und Lecceser Barock
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 08.02.21, 18:26
Der Salento, das ist die Halbinsel ganz im Südosten Italiens rund um Lecce, Brindisi und Otranto, bildlich gesprochen also der Absatz des viel zitierten Stiefels. Abseits der langen, teils felsigen Küstenlinie ist die Landschaft flach, aber mit ihrem südlichen und dabei doch ganz eigenen Flair alles andere als langweilig. Trockenmauern aus groben Bruchsteinen gliedern die Kulturlandschaft in Parzellen, mal groß, mal klein, auf denen sich unendliche Olivenhaine, knorrige Weinreben und mitunter bizarr geformte Kakteen abwechseln.

Besonderes Augenmerk aus Sicht des Eisenbahninteressierten verdient(e) auch das Streckennetz der 1931 gegründeten Ferrovie del Sud Est (FSE), das sich auf über 470 Kilometer Länge erstreckt. Noch lange Jahre eine klassische italienische Regionalbahngesellschaft mit einem überwiegend von Breda- und Fiat-Triebwagen bestrittenen Dieselbetrieb, die entlang von Formsignalen und alten Bahngebäuden über die salentinische Halbinsel knatterten, wandelt sich das Bild in jüngster Vergangenheit zunehmend. Während die mechanische Sicherungstechnik vor knapp zehn Jahren dem technischen Fortschritt zum Opfer fiel, sind die anderen Entwicklungen nicht immer ganz freiwillig gewesen. Nach diversen Skandalen und Querelen, die ein beispielloses Missmanagement zutage förderten und die ihren traurigen Höhepunkt in der Festnahme mehrerer Personen, darunter zahlreiche (Ex-)Funktionäre der FSE, durch die Staatsanwaltschaft in Bari wegen betrügerischen Bankrotts fanden, gehören die FSE seit 2016 zur staatlichen FS-Gruppe.

Diese treibt gemeinsam mit der Region die bereits unter FSE-Regie begonnene Modernisierung der apulischen Lokalbahnstrecken weiter voran. So ist der letzte Breda-Triebwagen 2017 aus dem Betriebsbestand ausgeschieden, die PESA Atribo (ATR 220) wurden wieder ertüchtigt bzw. einem Refit im DTR-Farbschema unterzogen und das Teilnetz zwischen Bari, Martina Franca und Taranto ist bereits elektrifiziert. Für die südlichen Strecken ab Lecce in Richtung Salento gelangten mehrere ALn 668, vorwiegend solche der 1900er-Serie von 1975/76, von Trenitalia zu den FSE. Sie fungieren interimsweise als Verstärkung der weitgehend baugleichen FSE-Ad 31 - 45. Doch auch sie dürften auf absehbare Zeit am Ende ihrer Karriere angelangt sein: Anfang 2021 begannen zwischen Lecce, Zollino, Maglie und Otranto ebenfalls die Bauarbeiten zur Elektrifizierung. Ist diese erst einmal fertiggestellt, werden voraussichtlich die modernen E-Triebwagen aus dem Hause Newag (Impuls/ETR 322) über die Gleise surren. Schön für die Fahrgäste, weniger für den oft nostalgisch verklärten Bahnfotografen...

Am 4. Juni 2018 hatte ich zwischen den Kakteen bei Sternatia Stellung bezogen, um eines jener Provisorien im Licht des dunstig-warmen Frühsommerabends festzuhalten. ALn 668 1939 war mit weit geöffneten Fenstern als Regionale 556 (Gallipoli - Lecce) unterwegs. Die verdichtende Tele-Perspektive rückt neben dem Zug auch die Chiesa di Santa Maria Assunta von Sternatia, die dem Betrachter ihre opulente Zierfassade zuwendet, in den Fokus. Sie wurde im Stil des Lecceser Barock erbaut, einer regionalen Sonderform des Barock, die einerseits klassischen Grundrissen früherer Epochen treu blieb, andererseits mit reich verzierten Giebeln und Prachtfronten durchaus den Pomp des Barock zelebrierte.

PS: Eine gelbe Signaltafel, die teilweise hinter dem Heck des Triebwagens hervor schaute, habe ich nachträglich entfernt.

Datum: 04.06.2018 Ort: Sternatia [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Zug schräg von vorn
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Nel blu dipinto di blu
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 03.02.21, 19:17
"Nel blu dipinto di blu" - In deutscher Übersetzung in etwa "In Blau gemaltes Blau". Erstmals 1958 von Domenico Modugno gesungen und heute ohne Zweifel einer der Evergreens der italienischsprachigen Musikwelt mit unzähligen Coverversionen. Obwohl Modugno in seinem auch unter dem Refrain "Volare" bekannt gewordenen Lied nicht die Blautöne des Meeres besingt, sondern jene des unendlich weiten Himmels und der Augen seiner Angebeteten, musste ich sofort daran denken, als ich das oben stehende Foto zur Veröffentlichung vorbereitete.

Denn tiefer blau kann das Meer wohl kaum sein, als die verschiedenen Schattierungen, die der Golf von Squillace im Abendlicht des 7. September 2019 zeigte. Gespickt war das Wasser nur mit den weißen Sprenkeln einiger Freizeitboote, während die Masse der Urlauber an Land blieb, sei es am Strand oder rund um die Pools und Tennisplätze der Ferienressorts. Auch wir verließen für unser Foto des abendlichen IC 567 (Taranto - Reggio di Calabria) den festen Boden nicht, obwohl das Panorama durchaus suggerieren könnte, wir hätten uns fliegenderweise in den Himmel erhoben. Den erhöhten Fotostandort bietet eine am Berghang liegende, ausgebrannte Industriebrache, die in krassem Gegensatz zum Urlaubsparadies einige Höhenmeter weiter unten steht... Aber der Ausblick auf Olivenhain, Eisenbahn und Meeresküste ist die verrußten Shorts wert gewesen, denke ich. :)

Süditalien wäre allerdings nicht Süditalien, wenn man nicht auch noch Bedarf gefunden hätte, an passender Stelle eine Betonbrücke zu drapieren, die ihrerseits an architektonischer Brutalität kaum zu überbieten ist...;) In diesem Fall ermöglicht am Morgen immerhin auch sie eine ansprechende Gelegenheit für Eisenbahnfotos, wie sie u.a. Michi schon wunderbar genutzt hat: [www.flickr.com] (Der Standort meines Fotos ist etwas links der Bildmitte)

Datum: 07.09.2019 Ort: Squillace Lido [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
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100% XMPR
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 29.01.21, 13:14
Lange Jahre über war das ab 1995 sukzessive eingeführte XMPR-Farbschema, benannt nach dem englischen Designbüro, auf das der Entwurf zurückgeht, die dominante Farbgebung der italienischen Staatsbahn und verdrängte spätestens ab dem Beginn des neuen Jahrtausends praktisch flächendeckend alle älteren Lackierungen. Unumstritten war es in Fankreisen nicht, aber mir gefiel die Kombination aus Türkis, Blau und Weiß immer schon sehr gut!

In den letzten Jahren allerdings ist XMPR (leider) spürbar auf dem Rückmarsch. Im Fernverkehr tritt dabei seit Ende 2016 eine bemerkenswert stark an das IC-Design der DB erinnernde weiße Farbgebung mit rotem Zierstreifen an seine Stelle, in jüngster Zeit ergänzt durch ein dunkelgraues Fensterband. Damit einher geht nicht nur ein neuer, zehnjähriger und universeller Verkehrsvertrag mit dem zuständigen Ministerium, sondern auch die systematische Umstellung aller IC-Zugläufe auf Wendezuggarnituren, die im planmäßigen Betrieb nicht mehr getrennt werden.

Während diese Entwicklung heute weitgehend abgeschlossen ist, war es im Jahr 2018 noch möglich, stilreine Garnituren im alten Design und ohne Steuerwagen zu fotografieren. So mit etwas Glück auch auf der Linie Rom - Taranto über Neapel und Potenza mit ihren zwei täglichen Zugpaaren.

Die zweite und letzte Rückfahrt an den Golf von Tarent - IC 707 (Roma Termini - Taranto) - lässt sich im Gebirgsabschnitt zwischen Battipaglia und Potenza nur an den längsten Tagen des Jahres umsetzten. So ergriff ich am 11. Juni 2018 die Gelegenheit beim Schopfe und erwartete den Zug am Hangviadukt von Baragiano, wo ich eine geeignete Fotostelle schon am Vortag ausgekundschaftet hatte. Ich wurde nicht enttäuscht, als der inklusive der ziehenden E402B noch zu 100% XMPR-farbene Zug in den letzten Sonnenstrahlen dem nächsten Halt in Potenza entgegenrollte. Zum kommenden großen Fahrplanwechsel hielten dann auch dort "IC Giorno"-Wendezüge Einzug...

Datum: 11.06.2018 Ort: Baragiano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E402B Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Im grünen Herz der Abruzzen
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 27.01.21, 15:00
Die heute unter dem Namen "Transiberiana d'Italia" bekannte und auch entsprechend vermarktete Gebirgsbahn von Sulmona nach Carpinone in den Abruzzen habe ich bereits mit einem Foto aus ihrem wohl spektakulärsten Abschnitt, dem Aufstieg aus dem Talkessel von Sulmona bei Pettorano sul Gizio, in der Galerie vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de]

Doch mit dieser Streckenpartie immer entlang der kargen Bergflanke oberhalb des fruchtbaren Talgrunds ist der beschwerliche Weg zum Kulminationspunkt der Strecke im Bahnhof Rivisondoli-Pescocostanzo auf 1268 Metern, nach dem Brenner der zweithöchste Punkt im Netz der RFI, noch nicht abgeschlossen. Rund um Cansano und Campo di Giove schraubt sich der Schienenstrang in zunehmend bewaldetem Gebiet mittels schleifenförmiger Streckenführung weiter empor. Dabei quert der Zug auch einige Brücken und Viadukte, deren größter sich unmittelbar südlich des 2002 aufgegebenen und erst 2017 für touristische Zwecke (in Nähe zur Bahn liegt bspw. die italisch-römische Ausgrabungsstätte Ocriticum) reaktivierten Bahnhofs von Cansano befindet, hier links zwischen den Bäumen hervor lugend.

Am Abend des 2. Juni 2018 passierte D445 1145 im Retro-Lack mit dem aus einem Gepäckwagen in "grigio ardesia" sowie einem Corbellini- und vier Centoporte-Wagen im klassischen Kastanienbraun gebildeten Treno storico 78208 (Roccaraso - Sulmona) das Bauwerk. Im Hintergrund das Maiella-Massiv mit seinen schroffen, von den Spuren zahlreicher Felsabgänge gezeichneten Hänge. Ganz oben auf rund 2500 Metern hält sich sogar noch der letzte Schnee des vergangenen Winters.

PS: Eine in der oberen linken Ecke durch das Bild verlaufende und vor Ort kaum vermeidbare Stromleitung habe ich nachträglich digital entfernt.

Datum: 02.06.2018 Ort: Cansano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Fondazione FS
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Altissima, purissima, Levissima
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 18.01.21, 18:21
Höchste Höhe und purste Reinheit wird dem Kunden versprochen, wenn man den überaus eingängigen Werbeslogan des Mineralwasser-Produzenten beim Wort nimmt. Abgefüllt wird das aus den umgebenden Bergen stammende Levissima-Wasser in Cepina Valdisotto bei Bormio im oberen Veltlin. Obwohl die Abfüllanlage, die über die Sanpellegrino-Gruppe zum Lebensmittel-Multi Nestlé gehört, selbst keinen Gleisanschluss hat, übernimmt die Bahn eine wichtige Rolle in der Logitik des Unternehmens. In Tirano, dem nächstgelegenen Bahnhof, werden werktäglich bis zu zwei Güterzüge abgefertigt, die die bis dorthin mit LKW transportierten Flaschen zunächst entlang der Adda und des Comer Sees nach Lecco Maggianico bringen. Von dort aus treten sie zu Ganzzügen vereinigt die Weiterreise ins Land an, unter anderem dreimal pro Woche zum Güterbahnhof Maddaloni Marcianise vor den Toren Neapels. Kühles Nass aus den Alpen für den Mezzogiorno also!

Die erste der beiden beladenen Rückfahrten erwartete ich am 17. Oktober 2019 hoch oben auf einer Stützmauer der parallelen Straße (altissimo eben ;)) bei Dorio am Ostufer des Comer Sees. Während über dem drittgrößten See Italiens weitgehend ungetrübt die Sonne schien, drückten über die Gipfel der Lepontinischen Alpen bereits die wolkigen Vorboten einer Schlechtwetterfront südwärts. Links, wo die Wolken am dichtesten sind, liegt der 2458 Meter hohe Pizzo Campanile und damit die Grenze zur Schweiz. Auf dessen anderer Seite erstreckt sich eine Bahnstrecke, die vor ihrer teilweisen Marginalisierung durch einen Basistunnel die fotografierende Zunft weitaus stärker in ihren Bann gezogen hat, als die Linie von Mailand über Lecco nach Tirano, doch das ist eine andere Geschichte...

Für die Traktion der TRA 51911 (Tirano - Lecco Maggianico) eingeteilt war an diesem Tag die E 652 122 - Ein "Tigre" mit gewissen optischen Besonderheiten gegenüber seinen Artgenossen. Die Lok zählt zu den wenigen Exemplaren ihrer Baureihe im XMPR-Schema, die mit einem weißen anstelle des türkisfarbenen Dachs unterwegs sind und dabei das nur in Blau- und Grüntönen gehaltene FS-Logo ohne rote Farbakzente tragen, wie es zwischen 1994 und 2007 aktuell war. Und vielleicht das auffälligste Unterscheidungskriterium: Anders als viele Loks aus dem Mercitalia-Bestand zeigte sie sich im Herbst 2019 völlig frei von Graffiti. Möglicherweise hat hier ja das zweite Attribut des Levissima-Slogans eine gewisse Ausstrahlungswirkung. ;)

Datum: 17.10.2019 Ort: Dorio [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E652 Fahrzeugeinsteller: Mercitalia Rail
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Il treno degli studenti
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 14.01.21, 18:49
Das Depot Siena in der Toskana ist eine der letzten noch verbliebenen Hochburgen der italienischen Diesellok-Klassiker der Reihe D 445. Die umfangreichen Einsätze konzentrieren sich dabei weitgehend auf die beiden Achsen Siena - Florenz und Florenz - Borgo San Lorenzo via Pontassieve.

Um dem erhöhten Aufkommen im Schülerverkehr Rechnung zu tragen, gelangt allerdings unter der Woche einmal am Tag eine der Loks mit einer Wendezuggarnitur auch auf die ansonsten von (Neubau-)Triebwagen dominierte Strecke Siena - Chiusi-Chianciano Terme, die durch die hügelige Landschaft der Crete Senesi, wie sie ein Landschaftsmaler der Romantik nicht besser hätte treffen können, verläuft.

Der morgendliche Schülerzug nach Siena lässt sich dabei nur an den längsten Tagen des Jahres sinnvoll umsetzen, sodass Yannick und ich am 21. Juni 2019 schon um kurz vor sieben am Ortsrand von Asciano (SI) bereitstanden. Pünktlich schob D 445 1143 ihre noch vollständig im XMPR-Lack gehaltene Garnitur aus MDVE- und MDVC-Wagen als Regionale 11754 (Chiusi-Chianciano Terme - Siena) über das aus lokaltypischem roten Stein errichtete Viadukt der Universitätsstadt entgegen und sorgte für zufriedene Gesichter.

Datum: 21.06.2019 Ort: Asciano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
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L'autunno in toni pastello
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 12.01.21, 19:11
Herbst in der Poebene - Das ist oft eine recht trübe Angelegenheit. Eine Mischung aus vom Po und seinen Nebenflüssen hervorgerufenem Nebel und dem Smog der nahen Industriestadt Turin sorgt dann insbesondere bei Windstille auch im Canavese am Fuße der Alpen für wenig erhellende Sichtverhältnisse. Klare Tage gibt es natürlich auch, aber in den auf -er endenden Monaten sind sie gefühlt eher die Ausnahme, sodass die eigentlich nahen Berggipfel dem Betrachter oft genug verborgen bleiben.

Ein Zwischending hatte sich am 13. Oktober 2017 nach Sonnenaufgang eingestellt. Zwar waberten einzelne Bodennebelbänke über den Feldern und ein merklicher, vom Geruch brennender Kohle und glimmenden Holzes geschwängerter Dunstschleier lag über allem und tauchte die Szenerie in seichte Pastelltöne. Allerdings war er dünn genug, um den Blick preiszugeben auf die gestaffelte, nicht enden wollende Abfolge von Bergketten, vom Vorgebirge bis hin zu den schroffen Gipfeln der Grajischen Alpen.

Der Herbst angebrochen war Ende 2017 - jedenfalls in althergebrachter Form - auch für den oberen Abschnitt der Ferrovia Canavesana zwischen Rivarolo und Pont Canavese, seit ihrer Eröffnung als Zweigstrecke/Verlängerung der aus Settimo Torinese kommenden Linie im Jahre 1906 ein typisches Beispiel für die in Italien einst zahlreichen "ferrovie concesse", in privater Regie auf Grundlage staatlicher Konzessionen erbaute Nebenbahnen, die Ortschaften und mitunter ganze Gegenden an die weite Eisenbahnwelt anschlossen, die von den FS noch nicht bedacht worden waren. Die Zukunft der gesamten Ferrovia Canavesana sollte in die Hände der Trenitalia anstelle der bis dato für die Betriebsführung zuständigen und nicht immer zufriedenstellenden Gruppo Torinese Trasporti (GTT) gelegt werden, inklusive einer Elektrifizierung des noch fehlenden Abschnitts von Rivarolo nach Pont.

Der vor Ort überwiegend begrüßte Betreiberwechsel wurde nun zum 1. Januar 2021 vollzogen, allerdings nur zwischen Turin/Settimo und Rivarolo, wo jetzt moderne "Pop"-Triebwagen die Pendler in die Großstadt bringen. Der Dieselabschnitt hingegen, auf dem bis zuletzt drei fast 50 Jahre alte ALn 668 das neben parallelen Bussen nur rudimentäre und überwiegend auf Schüler zugeschnittene Zugangebot bestritten, ist erst einmal außer Betrieb und sieht der versprochenen Elektrifizierung entgegen. Diese soll mindestens 18 Monate dauern, wobei dieser Zeithorizont mit Vorsicht zu genießen ist...

Die als Zug 703 (Rivarolo - Pont Canavese) abgebildeten ALn 668 906 und 907 (gebaut von FIAT Ferroviaria 1972), die aus dem Bestand der benachbarten Ferrovia Torino - Ceres in die GTT bzw. deren Vorgängergesellschaft SATTI (Società Anonima Torinese Tranvie Intercomunali) eingebracht wurden, sind jedenfalls seit Dezember 2020 im Ruhestand und umgehend an das piemontesische Eisenbahnmuseum in Savigliano abgegeben worden. Der Dritte im Bunde, ALn 668 905, ist b.a.w. in Favria abgestellt.

Datum: 13.10.2017 Ort: Oglianico [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Gruppo Torinese Trasporti (GTT)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Ausgebrannt
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 06.01.21, 18:55 Top 3 der Woche vom 17.01.21
Nach dem langen und heißen sizilianischen Sommer zeigen sich die Pflanzen und Böden im September großteils ausgebrannt, jedenfalls abseits der Küsten und des Ätnas, wo die Niederschläge nicht ganz so spärlich sind, wie in der Mitte und im Süden der größten Mittelmeerinsel.

Zu jenen von der sengenden Sommersonne gezeichneten Landstrichen, wie sie Giuseppe Tomasi di Lampedusa in wirkmächtigen Worten beschrieben hat, zählt das Val di Noto rund um die Barockstädte im Südosten, wo eigentlich nur noch die üppigen Olivenhaine für grüne Farbtupfer zwischen staubigen Äckern und Steinmäuerchen sorgen.

Hier bilden sie den Hintergrund für den einzelnen ALn 668, der am 16. September 2019 als Regionale 12824 (Siracusa - Gela) vor wenigen Minuten den Bahnhof des Bischofssitzes Noto verlassen hat.

Ich suchte derweil wenigstens einen Hauch von Kühle im Schatten einer Ruine, deren unförmige Mauerreste nur noch von Eidechsen bevölkert waren. Ob sie auch ausgebrannt ist - hier im ureigensten Sinne des Wortes -, ließ sich nicht mit Sicherheit sagen, aber Rußspuren an vielen der in mühevoller Kleinarbeit vor dem Foto entfernten Äste und Zweige legten den Schluss nahe. Jedenfalls war auch ein Baum verschwunden, der ein Jahr zuvor noch den Blick aus dem Inneren der Ruine durch den Torbogen vereitelt hatte. :)

Datum: 16.09.2019 Ort: Noto [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: ungewöhnliche Perspektiven
Top 3 der Woche: 22 Punkte

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Das Wesentliche ins Licht gerückt...
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 03.01.21, 17:14
...hat Mutter Natur am Abend des 3. Juni 2018 beim kleinen Weiler Masciangelo im Bergland der Basilikata. Aber auch wirklich nur das Wesentliche: Viadukt, Zug und die Reben des kleinen Weingartens. Der Rest versinkt schon im Schatten der umgebenden Hänge oder der Wolken, die nach einem gewittrig-warmen Frühsommertag noch übrig geblieben sind.

Dass auch im Juni nach diesem Foto um halb acht abends nicht mehr an weitere Aufnahmen zu denken ist, macht mir wieder einmal bewusst, wie weit nach Osten sich der italienische Stiefel im Süden doch streckt... Na ja, dann eben mit einem zufriedenen Gefühl ab ins Quartier nach Rionero in Vulture und das Abendessen zubereiten - Pasta mit frischen Tomaten und Auberginen, begleitet von einem Gläschen Aglianico, aus der DOC rund um den erloschenen Vulkan des Monte Vulture versteht sich. :)

Protagonist der Aufnahme war übrigens ALn 668 3174, unterwegs als Regionale 3547 (Foggia - Potenza) auf einem der wenigen Brückenbauwerke der Strecke Foggia - Potenza, dessen Geländer keinen gelben Anstrich verpasst bekam. In dieser Gegend rund um den Scheitelpunkt liegen auch drei längere Eisenbahntunnel, die Galleria Quattrocchi (1827 Meter), Galleria Appennino (3320 Meter) und Galleria Pietracolpa (1919 Meter), was die anspruchsvolle Trassierung verdeutlicht, die ab dem Trennungsbahnhof Rocchetta Scalo bestimmend ist. Den ersten davon hat der knatternde FIAT-Triebwagen schon hinter sich, die anderen beiden folgen noch, ehe es auch für ihn und sein Personal "Feierabend" heißen wird, sobald er in der Provinzhauptstadt angekommen ist.

Zuletzt bearbeitet am 03.01.21, 22:19

Datum: 03.06.2018 Ort: Masciangelo [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Le Pechiney
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 28.12.20, 18:02 Top 3 der Woche vom 10.01.21
Die Provence und die Aluminiumproduktion, das gehört praktisch untrennbar zusammen, seitdem Mitte des 19. Jahrhunderts bei Les Baux-de-Provence in den Hügeln der Alpilles ein rötlich schimmerndes Mineral gefunden wurde. Der erste Fundort verlieh ihm seinen Namen: Bauxit - Heute der wichtigste Grundstoff zur Herstellung von metallischem Aluminium.

Erste Produktionsstätte und Wiege des späteren Alu-Großkonzerns Pechiney war Salindres bei Alès im Département Gard. Doch mit der Entdeckung reicher Bauxitvorkommen 200 Kilometer weiter östlich im Département Var rund um Brignoles stellte sich unweigerlich die Frage nach einer zweiten Aluminiumhütte, die 1892 in Gardanne errichtet wurde, an die Bauxitlagerstätten des Var über die Bahnstrecke Carnoules - Gardanne gut angebunden. Zunehmende Erschöpfung und Preisdruck durch Importware führten schließlich in den 1980er-Jahren das Ende der Bauxitförderung in Südfrankreich herbei. Doch das Aluminiumwerk von Pechiney blieb, zugleich wichtiger Arbeitgeber und großes Umweltproblem. Das benötigte Bauxit kommt seitdem aus Übersee, zunächst vor allem aus Australien, heute ausschließlich aus Guinea.

Eine logistische Mammutaufgabe stellt dabei der Transfer vom Hafen in Fos-sur-Mer, wo die gigantischen Massengutfrachter das rote Gestein anlanden, zur Fertigungsstätte dar. Die Eisenbahn ist dafür alternativlos, wenn auch mit einigen Komplikationen verbunden. Zweimal müssen die schweren Züge auf ihrer nur gut 80 Kilometer langen Route Kopf machen, einmal in Miramas, das zweite Mal in Rognac, ehe es über die eingleisige und planmäßig nur noch von diesen Bauxit-Transporten befahrene Güterzugstrecke Rognac - Aix-en-Provence dem Ziel entgegen geht, lange Steigungen mit immerhin 15 Promille inklusive. Etwa zwei Züge täglich stillen den nicht nachlassen wollenden Rohstoffhunger des Aluminiumwerks. Deren Grenzlast ist beeindruckend: 45 Wagen und 3883 Tonnen, davon 2943 Tonnen Transportgut. Eine oder mehrere Schubloks sind auch noch erforderlich, seitdem 2009 die DB-Tochter Euro Cargo Rail (ECR) der Staatsbahn die lukrativen Ganzzüge abgejagt hat und auf die robusten, sechsachsigen Class 66 setzt.

Doch die Tage des Bauxit-Giganten auf Schienen, der in der Fanszene auch auf den Namen "Pechiney" hört, scheinen gezählt zu sein... Das mittlerweile zum Alteo-Konzern gehörende Werk in Gardanne steht seit 2019 unter "redressement judiciaire", vergleichbar dem Insolvenzverfahren im deutschen Recht. Mit Stand Dezember 2020 ist mit der guineischen UMS nur noch ein Kandidat für die Übernahme übrig geblieben - Und der möchte den ersten Produktionsschritt der Bauxit-Verarbeitung nach dem sog. Bayer-Verfahren nicht mehr vor Ort durchführen, sondern importiertes Aluminiumpulver weiter verarbeiten. Maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen haben dürfte der zunehmende öffentliche Druck, das bis dato ungelöste Problem der Lagerung und Entsorgung des giftigen Rotschlamms, der "boue rouge" als Abfallprodukt der Aluminiumverhüttung endlich anzugehen. Mit der avisierten Änderung des Produktionsablaufs entstünde die toxische Last, die bislang entweder in offenen Deponien gelagert oder über eine Pipeline (mittlerweile laut Unternehmensangaben "gereinigt") vor Cassis ins Mittelmeer verklappt wurde, gar nicht erst - Jedenfalls nicht in Frankreich... [www.francebleu.fr] , [www.francebleu.fr]

Im Frühjahr 2014 war von einem möglichen Ende noch nichts zu ahnen und wir nahmen den Bauxit-Zug von ECR eher als Nebenprogramm zum damals an Samstagen verkehrenden SNCF-Aluminiumzug [www.drehscheibe-online.de] mit. Der nach dem Vorbild des antiken Pont du Gard entstandene Aqueduc de Roquefavour bildete wiederum den Hintergrund für die 66228 im weinroten EWS-Design, die am 8. März 2014 den Vollzug 61933 (Fos-Mole-Central - Gardanne) nachschob. Von unserem Aussichtshügel bot sich zudem ein schöner Blick über das Tal des Flüsschens Arc, das unter der Märzsonne zaghaft aus dem Winterschlaf erwachte, bis hin zur Montagne Sainte-Victoire oberhalb von Aix-en-Provence, die sich links hinten aus dem Dunst schält.

Ein weiterführender Artikel von Gilles Lefranc und Hartmut Finke über die interessante Geschichte der Aluminiumproduktion in der Provence und insbesondere der damit verbundenen Bahnverkehre findet sich übrigens im EK 5/2018, S. 68 - 73.

Zuletzt bearbeitet am 29.12.20, 16:38

Datum: 08.03.2014 Ort: Roquefavour [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 266 (alle EMD Series 66) Fahrzeugeinsteller: Euro Cargo Rail (ECR)
Kategorie: Bahn und Landschaft
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Le belvédère des trois églises
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 18.12.20, 20:08 Top 3 der Woche vom 27.12.20
Ein findiges Stadtmarketing hätte die Hügelkuppe am Rand der normannischen Kleinstadt Coutances womöglich längst als Aussichtspunkt auf die markante Silhouette erschlossen, wenn sie sich nicht mitten auf der Weide eines örtlichen Bauern befände. Eine Kuhweide, versteht sich, denn etwas anderes gibt es - abgesehen vom Atlantik - bekanntermaßen westlich von Paris nicht. Hinsichtlich weiterer Details frage man Herrn Oettinger, der sicher eine profunde Expertise auf Lager hätte... Inwieweit die 8500 Einwohner von Coutances und die drei sichtbaren Kirchen nun in dieses Bild passen, lassen wir besser einmal offen.

Links sehen wir als erste die Église Saint-Pierre aus dem 15. Jahrhundert, ganz rechts die kleinere Église Saint-Nicolas, die heute nicht mehr für kultische Zwecke, sondern nur noch als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt wird. Das zentrale Bauwerk jedoch ist die Cathédrale Notre-Dame de Coutances, deren Turmspitzen den über dem nahen Ärmelkanal empor quellenden Wolken ganz nah kommen. In ihrer heutigen, für die normannische Gotik typischen Form entstanden ist sie ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Bischof Hugues de Morville. Im Innenraum lassen sich aber auch heute noch Reste des romanischen Vorgängerbaus entdecken, der in die Zeit des Bischofs Geoffroy de Montbray zurückgeht, eines Weggefährten des Duc Guillaume de Normandie, besser bekannt als Wilhelm der Eroberer. So zog auch Montbray von Coutances aus los, um an der legendären Schlacht bei Hastings 1066 teilzunehmen und England zu erobern. Wie so oft in Frankreich begegnet man der großen Geschichte auch in vermeintlich abgelegenen Winkeln... Glücklicherweise überlebte die Kathedrale auch die schweren Kämpfe des Jahres 1944 zwischen den Alliierten und der abziehenden Wehrmacht weitgehend unzerstört.

Im Verhältnis dazu wenig spannend präsentiert sich der eher spärliche Bahnverkehr in Coutances, der ausschließlich mit modernen Dieseltriebwagen abgewickelt wird. Aber vor dem historischen Hintergrund und im klaren Herbstsonnenschein freute ich mich am 19. September 2015 auch über das von X 76542 angeführte AGC-Doppel, unterwegs als TER 852852 (Rennes - Caen).

Datum: 19.09.2015 Ort: Coutances [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
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Perseus auf Abwegen
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 12.12.20, 17:20
Anlässlich eines Treffens von Vertretern aus Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz Anfang dieser Woche wurde eine (bescheidene) Renaissance des europäischen Nachtzugverkehrs verkündet. Die Absichtserklärung zwischen ÖBB, DB, SBB und SNCF beinhaltet u. a. auch die (Wieder-)Einführung eines Nachtzugs von Wien über München nach Paris ab Dezember 2021, diesmal unter Federführung der ÖBB. 2023 soll dann auch Berlin - Paris wieder aufgelegt werden.

Das gab es allerdings alles schon einmal, damals noch unter Regie der City Night Line. Die Relation Berlin - Paris deckte bis zu seiner Einstellung 2014 der CNL "Perseus" ab, Kurswagengruppen aus München und Hamburg inklusive. Sein regulärer Laufweg führte den Zeus-Sohn in Frankreich über die Ligne 1, die klassische Magistrale Straßburg - Paris.

An mehreren Wochenenden im Sommer 2013 machten Bauarbeiten auf der planmäßig genutzten Strecke allerdings weiträumige Umleitungen nötig. So fuhr der westwärtige Zug am 15. August 2013 zunächst via Toul und die L15 bis Culmont-Chalindrey, wo ein Wechsel von E- auf Dieseltraktion stattfand und die Sybic den Zug für die Weiterreise über die L4 nach Paris an eine Doppeltraktion BB 67400 übergab. Vier dieser Loks hatte man dafür extra aus Straßburg abkommandiert: Die allesamt blauen BB 67514, 67519, 67569 und 67603.

Entsprechend zahlreich verteilten sich die Fotografen während dieses Events an der Strecke, auch wenn zahlenmäßig der Ansturm anlässlich der sagenumwobenen "Allgäu-Umleiter" sicher nicht annähernd erreicht wurde...;) Pflichtprogramm war natürlich der Abschnitt rund um Luzy-sur-Marne, wo die Ligne 4 parallel zum Canal de la Marne à la Saône verläuft. In eben jenem spiegeln sich BB 67603 und 67569 mit CNL 450 (Berlin Südkreuz - Paris Est).

Zur Präsentation dieses Fotos motiviert haben mich, neben der angekündigten Wiederaufnahme des Nachtzugverkehrs nach Paris, die von Jochen und Thomas kürzlich in der Galerie gezeigten Aufnahmen aus der "guten, alten Zeit", als die alte Garde der blauen Diesel auf der L4 noch unangefochten regierte. Neben CC 72000 und der für die L4 eher untypischen BB 67400 fehlt jetzt also noch eine A1AA1A 68000, um die Serie zu komplettieren. Vielleicht mag ja jemand mit einem Griff ins Archiv nachlegen...? ;)

PS: Ein paar wenige Halme am Ufer, die auch nach dem umfangreichen manuellen Freischnitt noch verblieben waren, habe ich schließlich digital gestutzt.

Datum: 15.08.2013 Ort: Luzy-sur-Marne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Le chant du cygne
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 09.12.20, 16:35
Bleiben wir noch ein bisschen auf den Anhöhen oberhalb des Somme-Tals bei Fontaine-sur-Somme, blicken nun aber nicht landeinwärts, sondern in Richtung Abbeville, wo sich die Hügel der Picardie langsam zur Baie de Somme hin verlaufen...

Bald werden die Glocken der Kirche unten im Ort sechs mal schlagen, während die Schatten sich immer weiter ausdehnen und nur noch einen Teil der herbstlichen Wiesenlandschaft im Licht der Oktobersonne erstrahlen lassen. Der Grat zwischen dem gewünschten Spiel aus Licht und Schatten oder aber einer völlig verdunkelten Szenerie ist mal wieder schmal. Der erwartete Intercités dürfte also gerne pünktlich sein. So harre ich also aus in jener für jedes bahntypische Geräusch und ein irgendwo am Horizont schimmerndes Spitzenlicht sensibilisierten Lauerstellung, die wohl jeder aus unserer Zunft nur zu gut kennt. ;)

Irgendwann dann ein vermeintlich erlösender Pielstick-Klang in der Ferne... Könnte zeitlich hinkommen. Oder ist es doch (wieder) nur ein LKW auf der Route départementale und nicht der aus dem Bahnhof Abbeville beschleunigende Zug? Wenig später dann Gewissheit: Am Ende der Kurve taucht das Dreichlichtspitzensignal einer BB 67400 auf! 9 Wagen hängen dran, also die perfekte Länge für die Vegetationslücke. Der Verschluss klickt, der Blick wandert mit der vorbei rauschenden Corail-Schlange mit und ein zufriedenes Lächeln bricht sich Bahn. Wenn es doch nur immer so rund laufen würde. :)

Die Streiflicht-Aufnahme des INT 2030 (Boulogne - Paris Nord) mit BB 67430 von diesem 10. Oktober 2018 sollte mein Abschieds-Foto der lokbespannten Garnituren auf der Strecke sein. Zum Jahreswechsel 2018/19 ging die Linie in den Verantwortungsbereich der Regionen über, nunmehr als TER. Die 67400er hielten sich danach noch wenige Monate, aber im Laufe des Frühjahrs 2019 war dann endgültig Schluss und wie so oft traten neu gelieferte Régiolis-Triebwagen die Nachfolge an.

Datum: 10.10.2018 Ort: Fontaine-sur-Somme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
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Von Sümpfen und Teichen
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 08.12.20, 17:42
245 Kilometer lang ist sie, die Somme im Norden Frankreichs. Auf ihrem Weg von der Quelle bei Saint-Quentin durch die Picardie bis zur Mündung in den Ärmelkanal legt sie dabei aber nur einen Höhenunterschied von 86 Metern zurück, weshalb die Somme ein alles andere als reißender Strom ist. Vielmehr mäandert sie durch ein weites Tal mit ausgedehnten Feuchtgebieten. Neben Sümpfen und Wiesen prägen unzählige Teiche und Seen das Bild.

Einer der vielleicht schönsten Aussichtspunkte auf die Somme-Niederung bietet sich von der Abbruchkante oberhalb von Fontaine-sur-Somme. Jedenfalls ist es einer der wenigen, an dem sich auch die Bahnstrecke von Amiens nach Boulogne gemeinsam mit dem typischen Landschaftsbild in Szene setzen lässt. Der Blick reicht dabei über den Étang des Aunais, Bel Étang, Étang des Provisions und weitere bis zur gegenüber liegenden Talseite, wo sich das Örtchen Long mit seiner aus hellem Stein errichteten, neogotischen Kirche Saint-Jean-Baptiste an den Hang schmiegt.

Am 10. Oktober 2018 war vor diesem Hintergrund ein B 82500 (BiBi) im Design der Région Hauts-de-France als TER 848388 (Abbeville - Albert) unterwegs.

PS: Strauch auf Höhe des ersten Segments des AGC mittels elektronischer Säge nachträglich eliminiert!

Datum: 10.10.2018 Ort: Fontaine-sur-Somme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 82500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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Frittenbude
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 24.11.20, 18:13
In Belgien und Nordfrankreich sind (Pommes) Frites bekanntlich DER Snack schlechthin. Ob als moules-frites oder pur, ob vom Spitzenkoch oder vom Imbiss nebenan, man könnte schon fast von einem Stück Kulturgut sprechen. Entsprechend hoch ist die Dichte an Frittenbuden auch im Pas-de-Calais, dem Hinterland der Opalküste.

Wenig verwunderlich stand ich somit für dieses Foto am Ortsrand von Desvres direkt an einer Friterie. Und da Imbissbuden nun mal der Ort der Wahl für Geplauder mit wildfremden Leuten über Gott und die Welt sind, geriet ich während der Warterei auf den Zug u. a. mit einem Notarzt der benachbarten Rettungsstation, der dort seine Mittagspause machte, in ein längeres Gespräch. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass ich an diesem Tag eine kleine Attraktion war, denn Bahnfotografen scheinen sich den Erzählungen nach dorthin praktisch nie zu verirren. ;)

Apropos Bahnfotografie: Was spielt sich da eigentlich auf den Gleisen neben den Tonnen mit dem alten Frittenfett ab?

Es handelt es sich um die ehemalige Strecke von Saint-Omer nach Hesdigneul-lès-Boulogne. Eröffnet wurde sie 1874 von der Compagnie des chemins de fer du Nord und verlor ihren Personenverkehr schon relativ früh wieder (1959 zwischen Saint-Omer und Desvres, 1968 ab dort bis nach Boulogne-sur-Mer). Nachdem auch die Bedienung von Lottinghen im Güterverkehr eingestellt wurde, erfolgte 1991 die Entwidmung im Mittelabschnitt zwischen Lumbres und Desvres. Verblieben ist an beiden Streckenenden etwas Güterverkehr: Einerseits zum Eqiom-Zementwerk in Lumbres auf dem Stummel im Osten, andererseits die hier gezeigte Bedienung von ArcelorMittal in Desvres im Westen.

Bereits auf der Rückfahrt mit den Leerwagen als FRET 92627 (Desvres - Dunkerque Grande-Synthe) passiert der gut gelaunte Lokführer, der ganz cool mit Sonnenbrille den milden Herbsttag genießt, die letzten Überreste des alten, früher gigantisch großen Zementwerks, das bereits seit über vier Jahrzehnten aufgegeben ist. Für die Traktion waren BB 60097 und 60081 eingeteilt.

Böse Zungen gestehen diesen von Vossloh España in 175 Exemplaren an die SNCF gelieferten Mittelführerstandsloks ebenfalls höchstens den Charme einer Frittenbude zu...;) Aber letztlich muss man froh sein, dass es überhaupt noch ein bisschen Güterverkehr auf so mancher Nebenbahn gibt! Und da ist die BB 60000 heute eben die Standard-Lok, wenn SNCF Fret nicht direkt mit einem Großdiesel à la BB 75000/75400 anrückt oder den Verkehr längst an die private Konkurrenz verloren hat...

Zuletzt bearbeitet am 20.05.21, 18:27

Datum: 10.10.2018 Ort: Desvres [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 2 Punkte

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Amuse-gueule
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 23.11.20, 17:20
Am 20. September 2018 war ich mal wieder an der "Ligne 4" zugegen, um den auch hier in der Galerie bereits mehrfach porträtierten VFLI-Sandzug von Oulchy-Breny nach Bantzenheim abzupassen. Anders als an Sonntagen bietet die donnerstägliche Leistung dabei den Vorteil, dass man sich vorher noch mit ein paar "Baleines", die unter der Woche als TER zwischen Belfort und Vesoul unterwegs sind, auf den Starzug einstimmen kann.

Im Licht der aufgehenden Sonne wird so auch der schnöde X 73745 als TER 894406 (Belfort - Vesoul) zum schmackhaften Appetithäppchen, als er bei Saulx entlang der funkelnden Telegrafendrähte durch den Herbstmorgen brummt.

Heute, rund zwei Jahre später, ist diese Szene m. W. leider nicht mehr wiederholbar, da östlich von Vesoul die Telegrafenleitung bereits merklich auf dem Rückmarsch ist und die letzten Drähte vermutlich in diesen Monaten fallen dürften. So deutete es sich zumindest bei meinem Besuch im vergangenen Sommer an. Vorübergehend bleibt für Nostalgiker noch der Abschnitt westlich von Vesoul in Richtung Port-sur-Saône. Aber gemäß der Planungen von SNCF Réseau auch nicht mehr lange...

Zuletzt bearbeitet am 25.11.20, 00:52

Datum: 20.09.2018 Ort: Saulx [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Lorazur automnal
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 17.11.20, 18:25
Vor ein paar Wochen hat Olli in der Galerie ein Foto der 181 211 mit dem Titel "Die Lorraine grüßt die Mosel" gezeigt: [www.drehscheibe-online.de] Ich möchte nun quasi das Gegenstück dazu präsentieren, mit der Mosel, die Lothringen grüßt. Eine 181 mit dem Taufnamen "Mosel", die regelmäßig nach Lothringen kam, gab es zwar auch, aber der gleichnamige Fluss kann das mindestens genau so gut. ;) Von ihrer Quelle am Col de Bussang in den Vogesen bis hin zur französisch-deutschen Grenze bei Apach fließt die Mosel nämlich über rund 300 Kilometer durch die ostfranzösische Region. Das entspricht mehr als der Hälfte ihrer Gesamtlänge!

Allerdings finden sich in Lothringen weitaus weniger Möglichkeiten, den Fluss gemeinsam mit der Eisenbahn auf Film/Chip zu bannen, als im malerischen Moseltal auf deutscher Seite. Eine Gelegenheit dafür ergibt sich an der Ausfahrt des Bahnhofs Thionville, wo die nach Luxemburg führende Strecke auf einer Brücke nordwärts schwenkt.

Am Morgen des 11. Oktober 2015 stand ich ebendort bereit, um den "Lorazur" festzuhalten, den traditionellen Nachtzug von Nizza an der Côte d'Azur nach Lothringen und Luxemburg, der ab den 1980ern diesen klangvollen Namen trug. Seit Juli 2016 ist der zuletzt gemeinsam mit einer Wagengruppe aus Cerbère geführte Zug leider Geschichte... Umso mehr weiß man zu schätzen, was man im Archiv hat! Glücklicherweise kamen mir an jenem Oktobertag weder Frühnebel noch Abdampfwolken des AKW Cattenom (kein Scherz, an dieser Stelle ein echtes Problem!) in die Quere, als ich in fast schon artistischer Pose am herbstlich verfärbten Moselufer hing, ehe mich BB 26161 mit Intercités de nuit 4882 (Nice Ville - Luxembourg) erlöste. Die Lok war eine der damals in Dijon stationierten "Sybics", die mit dem luxemburgischen Zugsicherungssystem Memor 2+ ausgestattet war.

Zuletzt bearbeitet am 17.11.20, 18:29

Datum: 11.10.2015 Ort: Thionville [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 26000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte
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La cluse prend des couleurs
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 14.11.20, 23:12
Die Cluse des Hôpitaux liegt am äußersten Südrand des französischen Jura, könnte die typischen Eigenarten des Gebirges aber kaum besser charakterisieren. Ein in die umgebenden Plateaus eingeschnittenes, enges Flusstal mit üppigem Waldbestand, durchsetzt von teils abrupten Felsabbrüchen. Über 30 Kilometer erstreckt sich die Cluse zwischen Pugieu und Ambérieu-en-Bugey, wo sie sich zur Plaine de l'Ain hin öffnet. Mitten hindurch verläuft die Bahnstrecke von Lyon über Ambérieu nach Culoz und ab dort entweder weiter in Richtung Genf oder via Chambéry nach Italien.

Wenn sich im Herbst das Laub der Bäume verfärbt und die tiefer stehende Sonne für spannende Schattenakzente an den Bergflanken sorgt, lohnt sich ein Besuch ohne Zweifel besonders. Der abwechslungsreiche Zugverkehr tut sein Übriges!

2017 noch mit von der Partie waren die TGV Sud-Est, die in ihrem vorletzten Einsatzjahr südlich von Paris neben Leistungen nach Dijon, Besançon und Grenoble unter anderem auch noch ein paar Plantage nach Annecy für sich beanspruchten, wo sie sich die Leistungen mit Duplex-Garnituren teilten. Am 12. Oktober 2017 war Triebzug Nr. 74, Baujahr 1983 und damit zum Aufnahmezeitpunkt bereits über drei Jahrzehnte im harten Hochgeschwindigkeits-Einsatz erprobt, als TGV 6937 (Paris Lyon - Annecy) bei Saint-Rambert-en-Bugey in der Cluse des Hôpitaux unterwegs. Weniger als eineinhalb Jahre später wurde er am 14. Januar 2019 ausgemustert.

Datum: 12.10.2017 Ort: Saint-Rambert-en-Bugey [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-TGV Sud-Est Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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La Révolution surréaliste
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 08.11.20, 20:25
La Révolution surréaliste - Das war der Titel des Journals der Pariser Surrealistenbewegung in den Zwanzigerjahren. Man wollte mit vielem brechen, was bis dahin zum tradierten Bild gehörte. In der Kunst, aber auch und gerade anderswo. Ein revolutionäres Blatt eben.

Ebenfalls eine Revolution - jedenfalls im Kleinen - stellte der X 3800, genannt "Picasso", der SNCF dar. Gemeinsam mit den „Mobylettes“ (X 5500/5800) und den größeren X 2400 ermöglichte der mit 250kW leistungstechnisch zwischen beiden angesiedelte X 3800 als Teil der ersten Generation von Nachkriegstriebwagen die Ablösung dampfgeführter Personenzüge und eines bunten Sammelsuriums an Vorkriegstriebwagen auf zahlreichen Nebenbahnen in ganz Frankreich. Zwischen 1950 und 1961 gingen insgesamt 251 Exemplare in Serie.

Doch woher nun der Beiname "Picasso"? Zwar gehörte der (also Pablo) nie offiziell dem Surrealistenkollektiv rund um André Breton und Co. an, war deren Grundgedanken jedoch stets gewogen und ein gegenseitiger Einfluss lässt sich kaum bestreiten. Die extravagante und bis dato völlig unbekannte, eben surreale Anordnung des Führerstands des X 3800 in einer Kanzel, asymmetrisch oberhalb von Motor- und Fahrgastraum, ließ offenbar schnell Assoziationen an den Grandseigneur der Kunst des 20. Jahrhunderts aufkommen. Insbesondere sollen von Picasso geschaffene Porträts, bei denen die Augen versetzt oberhalb der Nase angeordnet waren, Pate gestanden haben. So liest man es jedenfalls in der französischen Eisenbahnliteratur. Dass zum Auslieferungszeitpunkt der Fahrzeuge längst ein Jackson Pollock mit Dripping und Action Painting Furore machte...? Geschenkt!

Am 16. Oktober 2016 führte eine zweitägige Sonderfahrt X 4039, den "Picasso" der Association des Autorails de Bourgogne Franche-Comté [www.autorails-abfc.com] , u. a. auf die Strecken Straßburg - Saint-Dié und Saint-Dié - Épinal in den herbstlichen Vogesen. An ersterer liegt der (ehemalige) Bahnhof Raves-Ban-de-Laveline mit seiner "antiken" Ausstattung, die mir hier als Rahmen für den SNCF-Klassiker, unterwegs als Train spécial 27574 (Strasbourg - Saint-Dié), diente. Man beachte unter anderem die Beleuchtung, das alte Stationsschild oder den Schüttbahnsteig hinter der Bahnsteigkante aus rotem Vogesensandstein. Picasso indes hätte bestimmt eine schnelle Skizze gemacht, für seine eigene, ganz individuelle Darstellung des Ensembles...;)

Zuletzt bearbeitet am 08.11.20, 23:57

Datum: 16.10.2016 Ort: Raves-Ban-de-Laveline [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 3800 Fahrzeugeinsteller: Autorails de Bourgogne Franche-Comté (ABFC)
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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À qui se lève matin, Dieu donne la main
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 03.11.20, 19:30 Top 3 der Woche vom 15.11.20
Den Frühaufstehern gehört bekanntlich die Welt. Damit diesen Ratschlag auch am Sonntagmorgen in Ronchamp an der "Ligne 4" alle berücksichtigen, schickt VFLI den schweren Sandzug nach Bantzenheim planmäßig noch weit vor der Zeit, zu der die Pfarrkirche Notre-Dame-du-Bas von 1863/64 zum Gottesdient läutet, ostwärts vorbei, mit einer EURO 4000 von Vossloh, versteht sich, die an diesem Tag manchen Wecker ersetzen dürfte... Ab Lure steigt die Strecke nämlich abermals an und erreicht ihren Scheitelpunkt erst zwischen Champagney und Bas-Évette, das etwa 100 Meter höher als Lure liegt. Entsprechend quälte sich auch am 14. Oktober 2018 die farblich sehr hübsch mit dem verfärbten Laub harmonierende €4045 mit dem 60905 (Oulchy-Breny - Bantzenheim) in gemächlichem Tempo, aber mit beachtlicher Geräuschkulisse die Steigung hinauf.

Erst wenige Tage zuvor hatte ich von Vincent, meinem „Beobachtungsposten“ an der „Ligne 4“, die Meldung bekommen, dass die zuvor eingesetzte blau/silberne Mietlok €4038 durch eine Maschine in der firmeneigenen roten Livrée ersetzt worden war. Da der Umlauf bei dieser Leistung in der Regel über Wochen stabil bleibt, war schnell klar, dass ich noch mal „runter“ musste und somit auch für mich an diesem Wochenende kein Ausschlafen angesagt war…;)

Aus dem Dickicht des herbstlichen Waldes heraus schweift der Blick über den Zug und die Dächer von Ronchamp auf die eingangs erwähnte neogotische Pfarrkirche, die gemessen an der Größe des Ortes zwar stattliche Dimensionen annimmt, aber dennoch stets im Schatten der berühmteren Chapelle Notre-Dame-du-Haut steht, die 1950 – 55 im typisch-modernistischen Stil von Le Corbusier etwas abseits des Ortes (m. W. leider nicht mehr mit der Bahn darstellbar - Früher ging es mal: [www.flickr.com] ) errichtet wurde und seit 2016 zum UNESO-Weltkulturerbe zählt.

Datum: 14.10.2018 Ort: Ronchamp [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-EURO 4000 Fahrzeugeinsteller: Voies Ferrées Locales et Industrielles (VFLI)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 21 Punkte

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Kathedralen des Industriezeitalters
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 29.10.20, 17:45
Kathedralen des Industriezeitalters - Dieser Beiname wird altehrwürdigen Bahnhofshallen gerne verliehen. In erster Linie gilt die Bezeichnung natürlich den Stationen in den europäischen Metropolen, die in der Belle Époque der Eisenbahn Ausgangspunkt vieler prestigeträchtiger Fernzüge waren. Man denke etwa an die Pariser Gare du Nord, den viktorianischen Prachtbau London St Pancras oder - nicht ganz so alt - den Mailänder Hauptbahnhof.

In Frankreich hingegen haben im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert auch zahlreiche weitaus weniger glamouröse Bahnhöfe in mittelgroßen Städten ihre stattliche Halle über den Bahnsteigen bekommen. Besonders auffällig ist dies im Bereich der ehemaligen Compagnie des Chemins de fer du Midi im Süden und Südwesten des Landes. So reiht sich auch die eiserne "Marquise" von Bayonne ein in die Reihe von ähnlichen Bauwerken in Orten wie Bédarieux, Mont-de-Marsan oder Lannemezan...

Seit 1857 sorgt sie dafür, dass die Fahrgäste vor den Unbilden des Wetters geschützt werden, die hier im französischen Baskenland von sengender Hitze bis hin zu starkem Regen, der von der Biskaya aus gegen den Westrand der Pyrenäen gedrückt wird, reichen können. Wäre es der menschlichen Kommunikation mächtig, könnte das zuletzt 2012 sanierte Bauwerk sicher von einer Unzahl verschiedener Züge und Reisender berichten, die sich in den letzten eineinhalb Jahrhunderten dort tummelten. Das neue Jahrtausend ist dabei sicher nicht das spannendste. So sucht man zum Beispiel Tages- und Nachtzüge auf die iberische Halbinsel heute vergebens und auch der Intercités de nuit nach Paris ist seit 2017 passé. Der verbliebene Fernverkehr beschränkt sich im Wesentlichen auf einige TGV.

Seit ein paar Jahren haben nach der Abstellung der Z2 und der Umstationierung der Z-TER in den Nordwesten die Régiolis-Triebwagen der Reihe Z 51500 das Zepter im Regionalverkehr rund um Bayonne übernommen. 2016 hingegen fuhren zwischen Bordeaux und Hendaye noch zwei langlaufende TER-Zugpaare mit lokbespannten Corail-Garnituren, die eine wohltuende Abwechslung darstellten. Mit einem jener Züge, dem TER 867233 (Bordeaux-St-Jean – Hendaye), fährt BB 7288 am 23. September 2016 unter der im Abendlicht leuchtenden, schweren Gleichstrom-Fahrleitung in den Bahnhof ein. Nach einem kurzen Zwischenhalt wird sie ihre Reise bis zur spanischen Grenze fortsetzen.

Datum: 23.09.2016 Ort: Bayonne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Un remplacement fort apprécié
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 23.10.20, 19:09
Bleiben wir thematisch noch ein bisschen bei den "Nez cassés" auf der POLT, der klassischen Magistrale von Paris nach Toulouse über Orléans und Limoges. Auch im Sommer 2017 hielt der schon leicht geschrumpfte Toulouser Nahverkehrs-Plan noch zwei Zugpaare im Berufsverkehr in Richtung Brive-la-Gaillarde bereit. Jedenfalls theoretisch, denn in der Regel wurde - anders als in den Vorjahren - einer der beiden Plantage bereits mit einem ZGC gefahren. Da am 16. Juni 2017 die Corail-Garnitur im früheren Umlauf gewesen war, der selbst an den längsten Tagen rund um Souillac am frühen Morgen noch keine Sonne abbekommt, war uns bislang ein Foto der Lokbaureihe verwehrt geblieben, wegen der wir eigentlich auf dem Weg in Richtung Pyrenäen dort für eine Nacht Quartier bezogen hatten.

Da es sich in der Bilderbuchlandschaft entlang der Dordogne mit ihren Kalksteinfelsen ja aber auch so ganz gut aushalten lässt, blieben wir trotzdem noch ein bisschen vor Ort und bezogen um kurz nach acht südlich des Städtchens auf einem Felsen Stellung, um den ersten durchgehenden Intercités des Tages von Toulouse nach Paris abzupassen - Planmäßig mit einer BB 26000 (im Carmillon-Design) bespannt. Dass dann wenig später völlig unerwartet doch noch eine "Nez cassé" an den pink blühenden Heckenrosen des ehemaligen Bahnwärterhäuschens vorbei rauschte, daran hatten wir natürlich überhaupt nichts auszusetzen...;) Man hatte dem INT 3620 (Toulouse - Paris Austerlitz) in der Ville rose kurzerhand die BB 7305 anstelle einer Sybic vorgespannt!

Datum: 16.06.2017 Ort: Souillac [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 6 Punkte
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Ansitz im Eichenwald
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 22.10.20, 15:52
Werfen wir wieder einmal einen Blick ins Archiv und reisen in das Jahr 2015 zurück, als auf der südlichen POLT zwischen Toulouse und Brive noch lokbespannte Regionalzüge mit BB 7200 verkehrten. Bereits unter meinem morgendlichen Bild vom Lot-Ufer in Cahors hatte ich über die damals umfangreichen Einsätze der Nez cassés in TER-Diensten rund um Toulouse berichtet: [www.drehscheibe-online.de]

Ein paar Kilometer nördlich von Cahors verlässt die Strecke unterhalb des Château de Mercuès das Tal des Lot und nimmt zwischen Causses du Quercy und den östlichsten Ausläufern des Périgords mit einer kaum enden wollenden Abfolge von Kurven und Gegenkurven Kurs auf Brive-la-Gaillarde. Garniert wird dieser spannende Streckenverlauf mit einer Vielzahl von Viadukten, deren bekannteste sicher diejenigen rund um Souillac sind.

Aber auch im kleinen Örtchen Calamane liegt ein besonders schönes Exemplar. Auf 25 Steinbögen im regionaltypischen Rotton führt der Viaduc de Calamane die POLT auf insgesamt 308 Metern Länge zwischen Ortskern und Schloss aus dem 15. Jahrhundert hindurch. Gut in ganzer Länge einsehen lässt er sich abends von einem Berghang westlich des Orts. Da dieser allerdings vollständig bewaldet ist, muss man sich ein bisschen Zeit nehmen und durch das Unterholz streifen, um einen freien Ausblick zu finden. So landete ich am 7. September 2015 letztlich auf dem untersten Ast einer knorrigen Eiche, um der Dinge (= Züge ;)) zu harren, die da kommen sollten. Habe ich Züge gesagt...? Ups, ich meinte natürlich mal wieder DEN einen passenden Zug!

Während ich da so in meinem Baum hing, hätte es mich nicht gewundert, wenn mir eine Wildschweinrotte oder ein Trüffelsucher auf der Pirsch nach der wertvollen Knolle begegnet wäre. Einfach ein schöner Ort, um die Waldluft zu inhalieren und den Ausblick auf das intakte Ortsbild zu genießen. Als dann mit dem erwarteten TER 871628 (Toulouse - Brive-la-Gaillarde) auch noch die betongraue BB 7289 des Weges kam, war das Hobby-Glück perfekt. :)

Zuletzt bearbeitet am 23.10.20, 12:17

Datum: 07.09.2015 Ort: Calamane [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Ambiance CFD
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 14.10.20, 19:15 Top 3 der Woche vom 25.10.20
Die Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) begegnet einem schier unausweichlich, wenn man sich mit der wechselvollen Geschichte französischer Neben- und Kleinbahnen beschäftigt. Neben ihrer Rolle als Fahrzeugkonstrukteur, vor allem für Schmalspurbahnen, betrieb sie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche französische Nebenbahnen, die allermeisten davon wiederum in kostensparender Meterspur. Die Linien bildeten dabei kein zusammenhängendes Netz, sondern waren in mehreren Teilnetzen im gesamten Hexagon verteilt. Heute sind sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verschwunden und nur noch ein Betätigungsfeld für Eisenbahnarchäologen oder Fahrradfahrer auf den neu entstandenen "Voies vertes"...

Wenigstens im touristischen Verkehr überlebt haben Teile des Réseau du Vivarais, das sich einst mit über 200 Kilometern Streckenlänge in den Départements Ardèche und Haute-Loire im Massif Central erstreckte und in zwei Phasen 1952 bzw. 1968 seinen regulären Verkehr verlor. Neben dem auch in Deutschland recht bekannten und stark touristisch vermarkteten "Mastrou" von Tournon nach Lamastre bietet oben auf dem Hochplateau an Sommerwochenenden der [velay-express.fr] Dampf- und Dieselbetrieb in insgesamt recht authentischer CFD-Atmosphäre.

Mein persönlicher Star der Fahrzeugsammlung ist dabei nicht etwa der Billard-Doppeltriebwagen Nr. 222, der bereits mehrfach in der Galerie vertreten ist, sondern der knuffige Einteiler Nr. 313 vom Typ A80D ("A" für Automotrice, "80" für die PS-Zahl und "D" für den Dieselmotor), der seit August 2020 wieder im grau-roten Ursprungslack erstrahlt. 1937 ebenfalls von Billard in Tours an die CFD geliefert, kam er zunächst auf dem Réseau des Charentes et Deux-Sèvres in Westfrankreich zum Einsatz, ehe er nach dessen Stilllegung 1950 im Vivarais eine neue Heimat fand.

Praktisch nichts (außer einem digital entsättigten Gilet jaune im Zuginneren ;)) deutet unweit des Ausgangspunkts Raucoules darauf hin, dass die Aufnahme vom 13. September 2020 nicht 60 Jahre früher entstanden ist: Eine urwüchsige Baumreihe entlang des nicht asphaltierten Feldwegs, die Weide mit lose platzierten Findlingen eingefasst und im Hintergrund ein Bruchsteinhaus ganz ohne neumodische Accessoires. Nicht zu vergessen natürlich der nur zehneinhalb Meter lange und neun Tonnen schwere Tw Nr. 313 auf seinem Weg nach Saint-Agrève...

Datum: 13.09.2020 Ort: Raucoules, Brossettes [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Billard A80D Fahrzeugeinsteller: Velay-Express
Kategorie: ungewöhnliche Perspektiven
Top 3 der Woche: 20 Punkte

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"État de crise? Sans moi!"
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 12.10.20, 19:39
Gebeutelt zeigt sich die globale Wirtschaft im Jahr 2020, das wohl wie kaum ein anderes von einem Thema dominiert wird: Corona, inklusive aller unerfreulichen Begleiterscheinungen. Auch am Bahngüterverkehr geht die angespannte Situation natürlich nicht folgenlos vorüber. Doch sind die Auswirkungen von Ort zu Ort, von Branche zu Branche ausgesprochen heterogen. Der Containertransport per Bahn beispielsweise boomt auf gewissen Relationen sogar, allen voran der Landweg von China nach Europa als Alternative zu (im Hafen gebliebenen) Ozeanriesen.

Eine konstant sehr hohe Auslastung weist (nicht nur) in den letzten Monaten auch der nachmittägliche Naviland-Containerzug von Vénissieux in der Peripherie von Lyon zum Mittelmeerhafen Fos an der Rhônemündung auf. Ein erfreuliches Kontinuum in diesen oft ungewissen Zeiten, dass man werktags praktisch die Uhr danach stellen kann, wann die lange Schlange bunter Hochseekisten ihren Weg über die linke Rhônestrecke südwärts antritt.

Gar nicht ganz so zahlreich sind dabei die möglichen Fotostellen, denn eigentlich ist der Nachmittag und Abend m. E. für die Strecke am gegenüber liegenden Ufer prädestiniert. Da fährt allerdings fast nichts... Also auch doof! ;) Dementsprechend drängt sich ein klassisches Motiv des "rive gauche" geradezu zwangsläufig in den Fokus: Der Défilé de Donzère vom Pont Robinet aus, jener Hängebrücke, die seit 1847 unterhalb der markanten Felswände die Rhône überspannt und wohl schon Generationen von Bahnfotografen als Standpunkt diente. In der Galerie indes fehlt zu meinem Erstaunen bislang eine zeitgenössische Ansicht ebenso wie eine vom Fahrbahnniveau aus - Diese untragbare Lücke schließe ich somit gerne mit einem Foto des eingangs erwähnten "Starzuges". ;)

Pünktlich um viertel nach sechs tauchte das Objekt der Begierde am 15. September 2020 weit hinten parallel zum blauen Strom auf und schnell war klar, dass keine silberne Akiem-Prima einen Strich durch die Rechnung macht, sondern - wie eigentlich üblich - eine der acht derzeit für Mastéris/Naviland fahrenden BB 22200er für die Traktion des 52353 (Vénissieux - Fos-Graveleau) zuständig war. Wenn ich die verräterischen kleinen Merkmale wie Schmutzspuren an den Lüftern und Position der Carmillon-Aufkleber richtig deute, müsste es an diesem Tag die 22375 gewesen sein...;) Und am Haken vier Dutzend bunt zusammengewürfelter Container - Krisenzustand? Keine Spur!

Zuletzt bearbeitet am 13.10.20, 00:38

Datum: 15.09.2020 Ort: Donzère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 22200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 17 Punkte

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Direction la capitale!
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 10.10.20, 20:24 Top 3 der Woche vom 25.10.20
Wenn man zur morgendlichen Rushhour auf die Abfahrtstafel des Bahnhofs von Amiens blickt, findet sich ein Zielbahnhof besonders häufig: Paris Nord! 6h04, 6h23, 6h38, 6h43 (mit Umstieg in Creil), 7h04... Wer französische Fahrpläne kennt, dem ist klar, dass das ein wirklich ungewöhnlich dichtes Zugangebot ist. Die Strahlkraft der Hauptstadt Paris ist eben ungebrochen und die Zahl der Arbeitnehmer, die täglich auch aus dem weiteren Umland pendeln, rechtfertigt den dichten Takt ohne Zweifel.

Nicht minder üppig sind dabei meist die Zuglängen. Und was den Bahnfotografen erfreut: Ein Großteil der Verbindungen ist noch lokbespannt, entweder als Corail- oder als Doppelstockgarnitur, jeweils mit einer "Nez cassé" an der Spitze! :)

Einer dieser Züge ist der TER 848536 (Amiens - Paris Nord), den ich am 21. Juli 2020 pünktlich zum Sonnenaufgang erwartete. Den ersten und einzigen Zwischenhalt Longueau (samt namhaftem Dépôt) hat der Zug gerade verlassen, als er zwischen Fouencamps und Dommartin im zarten Morgenlicht durch die von weiten Stoppelfeldern überzogene Hügellandschaft der Capitale entgegen strebt. Im Hintergrund wabert auch an diesem Hochsommermorgen noch der für die Somme-Region typische Frühnebel, der hier über dem Flüsschen Avre und diversen kleinen Teichen aufsteigt.

Laut Umlaufplan hätte das übrigens eine BB 22200 mit Corail-Wagen sein sollen, aber über die schicke Multiservice-BB 15049 mit ihrer V2N-Garnitur habe ich mich mindestens genauso gefreut.

Datum: 21.07.2020 Ort: Fouencamps [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 15000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 19 Punkte

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Fotostelle mit Badegelegenheit...
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 05.10.20, 17:18
...oder doch eher eine Badestelle mit Fotogelegenheit?

Welcher Aspekt nun im Vordergrund steht, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall kann man in Pontaix an der Col de Cabre-Linie beides wunderbar miteinander kombinieren. Wenn das Thermometer bereits am Vormittag die 30°-Marke knackt, ist die Abkühlung nach dem gelungenen Foto natürlich besonders willkommen. So auch in der ersten Septemberhälfte des Jahres 2020, als Frankreich unter dem Eindruck eines stabilen Hochdruckgebiets praktisch flächendeckend von einer für die Jahreszeit ungewöhnlich warmen, ja, heißen Luft dominiert wurde. Örtlich erreichte das Quecksilber nachmittags sogar 35°C und mehr - Rekordwerte für einen September!

An einem kleinen, nur über einen steilen, teilweise zugewachsenen Trampelpfad und durch Dickicht erreichbaren Kiesstrand unterhalb von Straße und Bahn genoss ich am 14. September 2020 den unverhofften Spätsommer, streckte die Füße ins Wasser und hob kurz die Kamera, als um kurz nach halb zwölf ein unerkannt gebliebener X 72500 als TER 17353 (Romans-Bourg-de-Péage - Briançon) in Richtung höchste Stadt Frankreichs vorbei rollte. Danach stürzte ich mich dann ziemlich schnell in die vorbei strömenden Fluten...;)

Für Interessierte noch ein paar Hintergrund-Infos: Die TER-Züge auf der Strecke von Valence durch das Diois und über den Col de Cabre nach Veynes und Briançon sind eine der letzten Domänen der Marseiller "Aspirateurs" (= Staubsauger) der Reihe X 72500 und gleichzeitig frankreichweit die einzige mir bekannte, wo im Sommer 2020 der Gesamtverkehr mit diesem Fahrzeugtyp erbracht wird. In Kombination mit der traumhaften Landschaft also das ideale Ziel für Freunde dieser "Alten unter den Jungen", die sich mit ihrem kernigen Motorensound und dem schnörkellosen, klaren Design doch ein bisschen von den nachfolgenden Neubautriebwagen unterscheiden.

Datum: 14.09.2020 Ort: Pontaix [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 72500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

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Tief im dunklen Tann
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 03.09.20, 18:12
Mitten in den weiten Wäldern der Vogesen liegt der gen Straßburg weisende Tunnelausgang des als Teil einer Kehrschleife angelegten Tunnel de Lubine an der Strecke von Straßburg über Molsheim, das Breusch/Bruche-Tal und den Col de Saales nach Saint-Dié. Weit oberhalb der Orte Colroy-la-Grande und Lubine gewinnt der Schienenstrang an Höhe und schmiegt sich in die ihn umgebenden Grünfacetten ein. Einfach ein schöner Ort, um an einem Freitagabend das Wochenende einzuläuten und den Duft von Fichtenzapfen, Moos und frisch geschlagenem Holz zu inhalieren.

Um kurz nach sieben mischt sich kurzzeitig noch ein geruchlicher Fremdkörper in diese Melange: Diesel-"Duft". Eigentlich nicht unbedingt positiv wahrgenommen, lässt er das Herz des Bahnfans dennoch höher schlagen! Denn der Verursacher ist eine BB 67400, die seit 2018 - auf ihre alten Tage also - einmal pro Woche (freitags eben) in passender Zeitlage den aus zwei RRR-Garnituren bestehenden TER 831879 von Saint-Dié nach Rothau bringt. An den übrigen Wochentagen verbleibt die Garnitur zur Übernachtung in Saint-Dié, um von dort am nächsten Morgen im Berufsverkehr in Richtung elsässische Metropole aufzubrechen.

Nachdem ich letztes Jahr leider keine Zeit hatte, mich an einem der raren Tage, an denen das Motiv mit diesem Zug funktioniert (schätzungsweise etwa vier Freitage rund um die Sommersonnenwende), ins Elsass zu begeben und ich vorerst nur die Hobby-Kollegen zu den entstandenen Fotos beglückwünschen konnte, war das Motiv für das Jahr 2020 recht weit oben auf der Wunschliste angesiedelt. Tja, und dann kam die Corona-Pandemie... Allerdings zeichnete sich im Juni ab, dass die deutsch-französische Grenze nach drei Monaten der Schließung doch wieder öffnen könnte, gerade rechtzeitig für mein Vorhaben also. Nur das Wetter spielte freitags irgendwie nie so ganz mit, nachdem man wirklich wieder einen Abstecher zu den Nachbarn machen durfte. Am 3. Juli 2020 wagte ich es einfach mal - Und wurde letztlich, zusammen mit zwei weiteren Foto-Kollegen aus dem "Ländle", mit Sonne belohnt. Der Wolkenhimmel lässt wohl erahnen, dass es keine sichere Kiste war... Die Freude dafür am Ende umso größer! :)

Zuletzt bearbeitet am 03.09.20, 18:39

Datum: 03.07.2020 Ort: Colroy-la-Grande [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Bleu d'Auvergne
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 27.08.20, 19:06
Jochens kürzlich in die Galerie eingestelltes Foto des Holzzugs aus Langeac mit CC 72000 (-> [www.drehscheibe-online.de] ) hat mich daran, erinnert, dass ich doch auch noch ein Motiv aus Beaumont auf der Festplatte schlummern habe...

Wenige Meter hinter Jochens Aufnahmeort schlägt die nördliche Cevennenbahn wiederum eine Linkskurve ein und nimmt Kurs auf den Abzweigbahnhof Arvant, wo sie sich mit der Strecke aus Neussargues und Aurillac vereinigt. Dabei rückt abends auch die Burganlage des Château de Lauriat ins Blickfeld, die ihrem äußeren Erscheinungsbild nach zahlreiche Um- und Ausbauten hat über sich ergehen lassen. Der Turm jedenfalls stammt noch aus dem 13. Jahrhundert und erste Siedlungen auf diesem kleinen Hügel sollen bis in gallo-römische Zeit zurück gehen, als am nahen Allier eine Römerstraße von Nord nach Süd führte.

Protagonist auf den Gleisen ist in diesem Fall ein weiterer französischer Diesel-Klassiker, von dem es bislang erstaunlich wenig Fotos in der Galerie gibt (muss ja nicht so bleiben - Öffnet eure Archive, liebe Frankreich-Freunde! ;)): Der X 2800!
Bekannt ist er vor allem für die markigen Klänge seines 825 PS-MGO-Motors auf steigungsreichen Nebenbahnen im Massif Central, dem Jura oder den Alpen. Aber auch optisch muss er sich nicht verstecken. Seit einer Modernisierung in den späten 70ern im Zuge des "Plan de désenclavement de la Région Auvergne" zeig(t)en sich die Fahrzeuge in blau/weißer Livrée, was ihnen zusammen mit ihrem Haupteinsatzgebiet schnell den Spitznamen "Bleu d'Auvergne" einbrachte, in Anlehnung an den renommierten Blauschimmelkäse der Gegend.

Am 16. Juli 2016 war der X 2900, der von der Amicale des Anciens et Amis de la Traction Vapeur (AAATV) in Montluçon betreut wird, gemeinsam mit einem Beiwagen und X 2230 unterwegs als Train spécial 804024 (Le Puy-en-Velay - Montluçon).

Zuletzt bearbeitet am 28.08.20, 19:50

Datum: 16.07.2016 Ort: Beaumont [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2800 Fahrzeugeinsteller: AAATV
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Mhm, c'est délicieux...
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 31.07.20, 14:14
Was gibt es für eine Kuh wohl schöneres, als morgens nach dem Aufstehen über die Weide zu stapfen, die Morgensonne zu genießen und sich ein paar saftige Gräser zum Frühstück zu suchen? Offensichtlich auf Dauer doch eine etwas eintönige Kost, wenn auch ein verlockender Baum am Zaun steht. Das dachte sich zumindest Kuh Nr. 4820 - oder nennen wir sie einmal Jacqueline - und reckte sich mit bemerkenswerter Ausdauer nach den Blättern. Es scheint wohl geschmeckt zu haben. ;)

Ob das, was da auf den Schienen angerollt kommt, auch "délicieux" ist, da scheiden sich wohl die Geister. Seit diesem Jahr setzt VFLI jedenfalls den Prototyp der Stadler-Eurodual unter der Betriebsnummer CC 6001 vor den Mineralwasserzügen zwischen Vittel und Arles ein, wo die Bimode-Maschine ihre Vorzüge voll ausspielen kann. Zwischen Vittel und Merrey mit Dieseltraktion, ab dort im E-Modus unter Fahrdraht. So zumindest in der Theorie, denn Anfang Juli war der elektrische Teil leider schadhaft...

Abgepasst habe ich den Leerzug 61334 (Arles - Vittel) am 7. Juli 2020 bei Rozières-sur-Mouzon. Dort gibt es zwar nur ein verhältnismäßig kurzes Streckenstück, das weitgehend frei von Bewuchs ist, aber die Szene mit den Kühen und dem lokaltypischen, alten Bauernhaus war mir den Kompromiss wert.

PS: Ein paar in den Fahrwerksbereich des ersten Wagens ragende Zweige habe ich digital gestutzt.
PPS: Merci Olivier pour le soutien! :)

Datum: 07.07.2020 Ort: Rozières-sur-Mouzon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 159 (Stadler Eurodual) Fahrzeugeinsteller: Voies Ferrées Locales et Industrielles (VFLI)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Le Brionnais - Terre d'élevage
geschrieben von: Julian en voyage (401) am: 29.07.20, 17:11 Top 3 der Woche vom 09.08.20
Ende Juni 2020, die erste Frankreich-Tour nach acht Monaten - Winter und Corona-bedingte Grenzschließungen lassen grüßen: Da durfte es gerne auch mal an Strecken mit etwas mehr Verkehr gehen. Aber schon nach zwei Tagen (nicht unerfolgreicher) Hauptstreckenfotografie in der Maurienne und dem unter drückender Hitze leidenden Rhônetal wuchs die Sehnsucht nach dem ländlichen, grünen Frankreich doch wieder, sodass ich mich am Morgen des dritten Tages inmitten der urtümlichen Bocage-Landschaft des Brionnais wiederfand. ;)

Das Hügel- und Weideland im Süden des Burgund genießt überregionale Bekanntheit für die Aufzucht der weißen Charolais-Rinder! Die Fleischrasse ist seit Generationen prägend für viele Betriebe und ein kapitaler Bulle kann schon mal der Stolz nicht nur des Züchters, sondern des ganzen Ortes sein... Im Sommer haben die meisten Tiere auf den großräumigen Weiden Auslauf, sodass sie auch das optische Bild des Brionnais bestimmen.

Am frühen Morgen des 25. Juni 2020 waren die Temperaturen noch so angenehm, dass sich die Herde quer über den Hang unterhalb des Kirchturms von Mussy-sous-Dun verteilt hatte und ein fotografisch schönes Arrangement abgab. Wenige Stunden später wird die 30°-Marke überschritten sein und das Gros der Rinder sich im Kühle spendenden Schatten eines Baums versammelt haben.

Ach, und dann ist da ja auch ein nicht ganz unbedeutender Kunstbau: 18 Bögen à 25 Meter Stützweite führen die Bahnstrecke von Paray-le-Monial nach Lozanne, die "Ligne de l'Azergues", über das Tal. Insgesamt 561 Meter lang ist der 1895 fertiggestellte Viaduc de Mussy über den gleichnamigen Wasserlauf. Befahren wird er hier von einem BGC in vanille/fraise als TER 893903 (Nevers - Lyon Perrache).

Datum: 25.06.2020 Ort: Mussy-sous-Dun [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 22 Punkte

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