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Dieselbrummen unterm singenden Draht
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 11.04.21, 16:29
Über den in den letzten Jahren wieder erstarkten Getreide-Verkehr auf der französischen "Ligne 4" habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Der um 2016/17 auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs von Vesoul neu errichtete Silokomplex der Kooperative Interval versendet primär Export-Getreide per Bahn und generiert damit einen (verglichen mit anderen Silos) recht üppigen Verkehr, den sich verschiedene EVU teilen. SNCF Fret nimmt dabei den Weg westwärts über Culmont-Chalindrey. Die Zuführung der Leerwagen passte ich am 29. März 2019 oberhalb von Rosières-sur-Mance ab: [www.drehscheibe-online.de]

Kurz nach dem verlinkten Bild rollte noch ein Coradia Liner-Doppel in Gegenrichtung, ehe bis zum Nachmittag eine etwa siebenstündige Zugpause begann... Ganz normaler Wahnsinn an der "Ligne 4", seitdem die Strecke nach Eröffnung der LGV Rhin-Rhône von einer wichtigen Magistrale Paris - Ostfrankreich/Schweiz gewissermaßen zum Schleichweg degradiert wurde! Die Zeit nutzte ich für ein ausgiebiges Picknick am Ufer der Saône, ein bisschen Stellenkunde und einen Kontrollbesuch am Silo in Vesoul, wo sich etwa eine Stunde vor geplanter Abfahrt die 75407 wieder an die Schlange Getreidewagen setzte.

Entsprechend war ich auch bereits darauf eingestellt, dass die Rückfahrt etwas vor Plan unterwegs sein würde. Mit etwa -50 passierte FRET 481050 (Vesoul - Culmont-Chalindrey) schließlich um 15h23 den frisch ausgeholzten Einschnitt von Port-sur-Saône (70), gesäumt von einer erst zaghaft aufblühenden Frühjahrsvegetation. Nicht fehlen dürfen natürlich die charakteristischen Doppelmasten, die den einstmals zu jeder bedeutenderen Bahnstrecke gehörenden "singenden Draht" stützen, wie er zwischen Chalindrey und Bas-Évette noch lange durchgehalten hat, mittlerweile aber auch dort auf vielen Abschnitten verschwunden ist...

Die BB 75400 ist für eingefleischte Großdiesel-Fans sicher nur ein müder Abklatsch der bis 2017 im Fernverkehr auf der "L4" eingesetzten CC 72000/72100, aber ich freue ich mich in der zunehmenden Triebwagen-Monotonie doch immer wieder über einen Güterzug mit dieser Reihe, wobei ein voll beladener Getreide-Ganzzug zu den schwereren Anhängseln zählen dürfte. So war der 2400kW-Motor von MTU in der Steigung von Vesoul hinauf zum kleinen Zwischenscheitelpunkt im Wald zwischen Grattery und Port-sur-Saône hörbar gefordert, wobei dieser bereits knapp überwunden war, als ich den Auslöser drückte. Hier geht es schon wieder leicht hinab in die Niederung der Saône.

Zuletzt bearbeitet am 12.04.21, 15:59

Datum: 29.03.2019 Ort: Port-sur-Saône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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Échec et mat !
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 10.04.21, 12:44
Schon länger blickte das interessierte Publikum aus Nutzern, Lokalpolitik und Bahnfans sorgenvoll auf die TER-Verbindung von Nancy über die alte Ligne 14 südwärts gen Vittel, Contrexéville und Merrey. Sorgenvoll, denn "alt" meint in diesem Fall primär nicht die 14 aus der überkommenen Nomenklatur der Compagnie des chemins de fer de l'Est, sondern ganz handfest den stellenweise geradezu erbärmlichen Zustand des Oberbaus.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 konkretisierten sich zunehmend die Gerüchte, dass der Strecke südlich von Pont-Saint-Vincent im Dezember 2016 wegen akuter Oberbaumängel und ungenügender Fahrgastzahlen die Einstellung im Gesamtverkehr droht… Als ich es am 30. November des Jahres tatsächlich geschafft hatte, Sonnenschein und einen freien Tag (die lagen bei mir zu dieser Zeit etwas dämlich über die Woche verteilt: Mittwoch und Sonntag) zu vereinen und ich mich bei anfangs eisigen Temperaturen an der Strecke wiederfand, war die Entscheidung bereits gefallen und die Strecke schachmatt gesetzt. Die Stellung im Spiel, in der der König im Schach steht und es keinen regelgerechten Zug mehr gibt, dieses aufzuheben. Die Lage ist aussichtslos und die Partie de facto verloren! Genau so fühlten sich die letzten Wochen des Betriebs an, auch wenn das mäßig attraktive Angebot noch bis zum Fahrplanwechsel tapfer aufrechterhalten wurde...

Unweit von Rozerotte rumpelte X 76575 als TER 836256 (Contrexéville – Nancy) über die marode Doppelspur durch die spätherbstliche Landschaft. Gut zwei Wochen später fuhr dann der letzte Zug über diesen Abschnitt.

Und heute? Verblieben ist nur noch der Vorortverkehr von Nancy bis Pont-Saint-Vincent (im Güterverkehr geht's noch ein paar Kilometerchen weiter bis Xeuilley) und südlich von Vittel die Abfuhr des bekannten Mineralwassers in Ganzzügen gen Merrey und von dort aus in alle Ecken des Landes. Eine Reaktivierung ist für den Zeitraum um 2025/26 zwar im Zuge einer Ausschreibung vorgesehen, aber auch wenn das klappt, werfen zehn bahnlose Jahre hier kein gutes Licht auf die französische Verkehrspolitik.

Datum: 30.11.2016 Ort: Rozerotte [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Merveilles de la Vermeille
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 07.04.21, 17:55
Von Argelès im Norden bis Cerbère im Süden ist es nur eine verhältnismäßig kurze Küstenstrecke, doch fährt Mutter Natur hier auf den letzten Metern französischen Bodens vor der Grenze zu Spanien/Katalonien noch einmal alles nur Erdenkliche auf, um den Besucher in ihren Bann zu ziehen. Blau-. Grün-, Ocker- und Rottöne, wie sie sie auf der Palette eines Malers kaum intensiver leuchten könnten! Als wäre dieses Farbenspiel zwischen Mittelmeer und Pyrenäenfels nicht paradiesisch genug, verwöhnen auch 320 Sonnentage im Jahr den Landstrich, der Künstler wie Henri Matisse vor über 100 Jahren genau so begeisterte, wie heute allsommerlich Tausende von Touristen. Hoffen wir, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft wieder halbwegs unbeschwert aufmachen kann zu einem Trip an die Côte Vermeille!

Einstweilen begnügen wir uns mit einer Rückblende in den März 2014, als im TER-Verkehr zwischen Avignon, Perpignan und Cerbère noch zwei Zugpaare mit BB 7200 und farbenfrohen Corail-Wagen im Design der (damaligen) Région Languedoc-Roussillon unterwegs waren. Einer jener Züge war TER 876426 (Cerbère - Avignon), der den Spurwechselbahnhof in fotogener Zeitlage nordwärts verließ und damit stets ein gern gesehenes Foto-Objekt war. Am 5. März 2014 umkurvt er vor weitem Mittelmeer-Panorma kurz nach Fahrtbeginn die Anse de Terrimbo, eine felsige Bucht mit kleinem Badestrand unterhalb der Bahnstrecke.

Datum: 05.03.2014 Ort: Cerbère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

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Santiago oder Nantes?
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 16.03.21, 13:33
Egal ob man von Toulouse kommend das Ende des dem heiligen Jakob gewidmeten Pilgerwegs im galicischen Santiago de Compostela oder die alte Hauptstadt der bretonischen Herzöge an der Loire-Mündung erreichen will, führt der Weg zwangsläufig erst einmal nach Westen. Bei Boudou im Département Tarn-et-Garonne verlaufen beide Reiserouten am Canal latéral à la Garonne, dem Garonne-Seitenkanal, entlang. Links die Bahnstrecke Toulouse - Montauban - Agen - Bordeaux (von wo es weiter in Richtung Nantes geht), rechts der von zahlreichen Pilgern und Sinnsuchenden aus aller Herren Länder per Fahrrad oder zu Fuß gut frequentierte Jakobsweg, genauer gesagt die aus Le Puy-en-Velay kommende Via Podiensis.

Im frühen Streiflicht des 6. September 2015 führte BB 7255 mit INT 3842 (Toulouse - Nantes) den ersten westwärts fahrenden Fernzug des Tages dem Lokwechsel in Bordeaux entgegen. Dort wird ihn eine BB 67400er-Traktion übernehmen, um ihn über La Rochelle nach Nantes zu bringen. Eine Direktverbindung mit aufwendigem Betriebsablauf, die schon 2015 nicht mehr selbstverständlich war und mittlerweile bereits seit einigen Jahren der Vergangenheit angehört...

In den kommenden Monaten wird sich voraussichtlich ein weiteres Kapitel der Bahngeschichte im Midi schließen - Die Vorherrschaft der elektrischen "Nez cassés" vor den Corail-Schnellzügen auf der Transversale Sud. In der Normandie durch die Ablieferung neuer Omneo-Triebwagen arbeitslos gewordene Sybics sollen ab Juni 2021 zumindest einen größeren Teil der Leistungen von den BB 7200/22200 übernehmen, die dort in den letzten Jahrzehnten das Bild des Fernverkehrs prägten.

PS: Einen Schatten auf der Lokflanke und die zugehörige Spiegelung habe ich nachträglich am heimischen PC entfernt.

Datum: 06.09.2015 Ort: Boudou [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 19 Punkte

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Le Malentendu
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 12.03.21, 17:19
Den charmanten Museumsbahnbetrieb des Velay-Express auf einem Teil des einstmals ausgedehnten CFD-Schmalspurnetzes im Massif Central habe ich an dieser Stelle vor einigen Monaten ja schon vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de] Kehren wir noch einmal zurück in den Spätsommer auf den Höhen des Vivarais!

Folgt man am Ortsausgang von Tence am Rond-point, also dem Kreisverkehr, nicht der direkten Straße nach Le Chambon-sur-Lignon, sondern dem Hinweis auf die "Itinéraire Touristique", gelangt man nach wenigen Kilometern nahe des Weilers La Celle an einen markierten Aussichtspunkt am Straßenrand. Eingerichtet wurde er aller Wahrscheinlichkeit nach, um den - durchaus hübschen - Blick auf das im Tal dahin plätschernde Flüsschen Lignon und die sich im Westen aufragenden Vulkangipfel zu ermöglichen. Doch irgendwie hatten wir das an diesem 13. September 2020 offenbar alle ein bisschen missverstanden... Denn sowohl ich als auch ein spontan anhaltendes französisches Duo aus Vater und Sohn drehten uns samt Kameras just in die entgegengesetzte Richtung um, wo es nur Wald, Landstraße und eine steinerne Stützmauer zu sehen gibt. Verhältnismäßig langweilig! Doch, nanu, was trötete und brummte denn da aus dem dunklen Tann? Wenig später rollte dann der mustergültig aufgearbeitete Billard Nr. 313 (weitere Infos zu ihm gibt's unter dem verlinkten Bild) als Velay-Express gen Le Chambon und Saint-Agrève vorbei und war möglicherweise eine Rechtfertigung für die Wahl der falschen Seite des Aussichtspunkts. ;)

Das mit den Missverständnissen scheint in der Gegend übrigens Tradition zu haben, denn im nahen Le Chambon-sur-Lignon, dem nächsten Halt des Zuges, schrieb der dort eine Tuberkuloseerkrankung auskurierende Albert Camus 1943 nicht nur Teile seines Romans "Die Pest", sondern vor allem auch das zum Cycle de l'absurde zählende Theaterstück "Le Malentendu" (auf deutsch: "Das Missverständnis"), das dem ein oder anderen Gymnasiasten aus Baden-Württemberg, der in der Oberstufe Französisch als Leistungskurs belegt hat, vielleicht noch in Erinnerung sein wird...

Zuletzt bearbeitet am 14.03.21, 01:09

Datum: 13.09.2020 Ort: Le Chambon-sur-Lignon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Billard A80D Fahrzeugeinsteller: Velay-Express
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Das Salz in/an der Suppe
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 24.02.21, 19:29
Als Kind der 90er gehen meine frühesten Eisenbahn-Erinnerungen in die Übergangsphase von den verschiedenen noch unter Bundes- und Reichsbahnregie entstandenen Farbschemata zur unangefochtenen verkehrsroten Vorherrschaft zurück. Als ich dann um 2003/04/05 mit einer analogen Kompaktkamera meine ersten bescheidenen Versuche in Sachen Fotografie startete, waren "die Roten" bereits omnipräsent und doch ein kleines bisschen langweilig, auch wenn die Kinderaugen des jungen Bahnfans Julian sie dennoch mit Interesse zur Kenntnis nahmen. Das Salz in der Suppe waren für mich allerdings damals "die Bunten", das heißt bei den ungezählten Besuchen auf dem Mannheimer Hauptbahnhof vor allem die 181er in vier verschiedenen Farbgebungen vor den Eurocities Frankfurt - Paris v.v., im Bahnbetriebswerk am benachbarten Rangierbahnhof die noch ab und zu anzutreffenden türkis-beigen 140er, deren Farbgebung etwa zwanzig Jahre vorher niemanden hinter dem Ofen hervor locken konnte und gar als "Kotzfarbe" verschrien war, wie ich aus den fachkundigen Erklärungen meines Onkels staunend lernte...

Wiederum einige Jahre später, ich mittlerweile in der Oberstufe, waren die fotografischen Fähigkeiten allmählich etwas gereifter, dafür "die Bunten" beinahe ausgestorben. Als letzte türkis-beige 140er im regulären DB-Bestand war 140 423 verblieben. Für sie kam die Abstellung erst Ende 2011.

Als die "Lokvorschau" auf DSO sie - den letzten Rest des Salzes in der Suppe meiner Besuche auf dem Rangierbahnhof zu Kinderzeiten - am Tag der Deutschen Einheit 2010 vor den Flüssigeisenzügen zwischen der Dillinger Hütte und Völklingen ankündigte, war klar, dass ich ihr im Saarland meine Reverenz erweisen musste. Dass diese aus Torpedopfannenwagen gebildeten Züge mit ihrer heißen Fracht im Bahner-Jargon auch als "Suppe" bezeichnet werden, passte da doch wunderbar!

Auf der letzten Runde, die noch ein paar herbstliche Sonnenstrahlen abbekam, entstand dann am Saarufer zwischen Völklingen und Bous mein damaliges Bild des Tages. CS 61833 (Völklingen - Dillingen Hütte), bestehend aus zwei Torpedopfannenwagen, rollte mit 140 423 am zufriedenen Fotografen vorbei dem Sonnenuntergang entgegen. Also gewissermaßen das Salz AN der Suppe. ;)

Zuletzt bearbeitet am 24.02.21, 19:56

Datum: 03.10.2010 Ort: Bous (Saar) [info] Land: Saarland
BR: 139,140 Fahrzeugeinsteller: DB
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Zwischen Kakteen und Lecceser Barock
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 08.02.21, 18:26
Der Salento, das ist die Halbinsel ganz im Südosten Italiens rund um Lecce, Brindisi und Otranto, bildlich gesprochen also der Absatz des viel zitierten Stiefels. Abseits der langen, teils felsigen Küstenlinie ist die Landschaft flach, aber mit ihrem südlichen und dabei doch ganz eigenen Flair alles andere als langweilig. Trockenmauern aus groben Bruchsteinen gliedern die Kulturlandschaft in Parzellen, mal groß, mal klein, auf denen sich unendliche Olivenhaine, knorrige Weinreben und mitunter bizarr geformte Kakteen abwechseln.

Besonderes Augenmerk aus Sicht des Eisenbahninteressierten verdient(e) auch das Streckennetz der 1931 gegründeten Ferrovie del Sud Est (FSE), das sich auf über 470 Kilometer Länge erstreckt. Noch lange Jahre eine klassische italienische Regionalbahngesellschaft mit einem überwiegend von Breda- und Fiat-Triebwagen bestrittenen Dieselbetrieb, die entlang von Formsignalen und alten Bahngebäuden über die salentinische Halbinsel knatterten, wandelt sich das Bild in jüngster Vergangenheit zunehmend. Während die mechanische Sicherungstechnik vor knapp zehn Jahren dem technischen Fortschritt zum Opfer fiel, sind die anderen Entwicklungen nicht immer ganz freiwillig gewesen. Nach diversen Skandalen und Querelen, die ein beispielloses Missmanagement zutage förderten und die ihren traurigen Höhepunkt in der Festnahme mehrerer Personen, darunter zahlreiche (Ex-)Funktionäre der FSE, durch die Staatsanwaltschaft in Bari wegen betrügerischen Bankrotts fanden, gehören die FSE seit 2016 zur staatlichen FS-Gruppe.

Diese treibt gemeinsam mit der Region die bereits unter FSE-Regie begonnene Modernisierung der apulischen Lokalbahnstrecken weiter voran. So ist der letzte Breda-Triebwagen 2017 aus dem Betriebsbestand ausgeschieden, die PESA Atribo (ATR 220) wurden wieder ertüchtigt bzw. einem Refit im DTR-Farbschema unterzogen und das Teilnetz zwischen Bari, Martina Franca und Taranto ist bereits elektrifiziert. Für die südlichen Strecken ab Lecce in Richtung Salento gelangten mehrere ALn 668, vorwiegend solche der 1900er-Serie von 1975/76, von Trenitalia zu den FSE. Sie fungieren interimsweise als Verstärkung der weitgehend baugleichen FSE-Ad 31 - 45. Doch auch sie dürften auf absehbare Zeit am Ende ihrer Karriere angelangt sein: Anfang 2021 begannen zwischen Lecce, Zollino, Maglie und Otranto ebenfalls die Bauarbeiten zur Elektrifizierung. Ist diese erst einmal fertiggestellt, werden voraussichtlich die modernen E-Triebwagen aus dem Hause Newag (Impuls/ETR 322) über die Gleise surren. Schön für die Fahrgäste, weniger für den oft nostalgisch verklärten Bahnfotografen...

Am 4. Juni 2018 hatte ich zwischen den Kakteen bei Sternatia Stellung bezogen, um eines jener Provisorien im Licht des dunstig-warmen Frühsommerabends festzuhalten. ALn 668 1939 war mit weit geöffneten Fenstern als Regionale 556 (Gallipoli - Lecce) unterwegs. Die verdichtende Tele-Perspektive rückt neben dem Zug auch die Chiesa di Santa Maria Assunta von Sternatia, die dem Betrachter ihre opulente Zierfassade zuwendet, in den Fokus. Sie wurde im Stil des Lecceser Barock erbaut, einer regionalen Sonderform des Barock, die einerseits klassischen Grundrissen früherer Epochen treu blieb, andererseits mit reich verzierten Giebeln und Prachtfronten durchaus den Pomp des Barock zelebrierte.

PS: Eine gelbe Signaltafel, die teilweise hinter dem Heck des Triebwagens hervor schaute, habe ich nachträglich entfernt.

Datum: 04.06.2018 Ort: Sternatia [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Nel blu dipinto di blu
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 03.02.21, 19:17
"Nel blu dipinto di blu" - In deutscher Übersetzung in etwa "In Blau gemaltes Blau". Erstmals 1958 von Domenico Modugno gesungen und heute ohne Zweifel einer der Evergreens der italienischsprachigen Musikwelt mit unzähligen Coverversionen. Obwohl Modugno in seinem auch unter dem Refrain "Volare" bekannt gewordenen Lied nicht die Blautöne des Meeres besingt, sondern jene des unendlich weiten Himmels und der Augen seiner Angebeteten, musste ich sofort daran denken, als ich das oben stehende Foto zur Veröffentlichung vorbereitete.

Denn tiefer blau kann das Meer wohl kaum sein, als die verschiedenen Schattierungen, die der Golf von Squillace im Abendlicht des 7. September 2019 zeigte. Gespickt war das Wasser nur mit den weißen Sprenkeln einiger Freizeitboote, während die Masse der Urlauber an Land blieb, sei es am Strand oder rund um die Pools und Tennisplätze der Ferienressorts. Auch wir verließen für unser Foto des abendlichen IC 567 (Taranto - Reggio di Calabria) den festen Boden nicht, obwohl das Panorama durchaus suggerieren könnte, wir hätten uns fliegenderweise in den Himmel erhoben. Den erhöhten Fotostandort bietet eine am Berghang liegende, ausgebrannte Industriebrache, die in krassem Gegensatz zum Urlaubsparadies einige Höhenmeter weiter unten steht... Aber der Ausblick auf Olivenhain, Eisenbahn und Meeresküste ist die verrußten Shorts wert gewesen, denke ich. :)

Süditalien wäre allerdings nicht Süditalien, wenn man nicht auch noch Bedarf gefunden hätte, an passender Stelle eine Betonbrücke zu drapieren, die ihrerseits an architektonischer Brutalität kaum zu überbieten ist...;) In diesem Fall ermöglicht am Morgen immerhin auch sie eine ansprechende Gelegenheit für Eisenbahnfotos, wie sie u.a. Michi schon wunderbar genutzt hat: [www.flickr.com] (Der Standort meines Fotos ist etwas links der Bildmitte)

Datum: 07.09.2019 Ort: Squillace Lido [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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100% XMPR
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 29.01.21, 13:14
Lange Jahre über war das ab 1995 sukzessive eingeführte XMPR-Farbschema, benannt nach dem englischen Designbüro, auf das der Entwurf zurückgeht, die dominante Farbgebung der italienischen Staatsbahn und verdrängte spätestens ab dem Beginn des neuen Jahrtausends praktisch flächendeckend alle älteren Lackierungen. Unumstritten war es in Fankreisen nicht, aber mir gefiel die Kombination aus Türkis, Blau und Weiß immer schon sehr gut!

In den letzten Jahren allerdings ist XMPR (leider) spürbar auf dem Rückmarsch. Im Fernverkehr tritt dabei seit Ende 2016 eine bemerkenswert stark an das IC-Design der DB erinnernde weiße Farbgebung mit rotem Zierstreifen an seine Stelle, in jüngster Zeit ergänzt durch ein dunkelgraues Fensterband. Damit einher geht nicht nur ein neuer, zehnjähriger und universeller Verkehrsvertrag mit dem zuständigen Ministerium, sondern auch die systematische Umstellung aller IC-Zugläufe auf Wendezuggarnituren, die im planmäßigen Betrieb nicht mehr getrennt werden.

Während diese Entwicklung heute weitgehend abgeschlossen ist, war es im Jahr 2018 noch möglich, stilreine Garnituren im alten Design und ohne Steuerwagen zu fotografieren. So mit etwas Glück auch auf der Linie Rom - Taranto über Neapel und Potenza mit ihren zwei täglichen Zugpaaren.

Die zweite und letzte Rückfahrt an den Golf von Tarent - IC 707 (Roma Termini - Taranto) - lässt sich im Gebirgsabschnitt zwischen Battipaglia und Potenza nur an den längsten Tagen des Jahres umsetzten. So ergriff ich am 11. Juni 2018 die Gelegenheit beim Schopfe und erwartete den Zug am Hangviadukt von Baragiano, wo ich eine geeignete Fotostelle schon am Vortag ausgekundschaftet hatte. Ich wurde nicht enttäuscht, als der inklusive der ziehenden E402B noch zu 100% XMPR-farbene Zug in den letzten Sonnenstrahlen dem nächsten Halt in Potenza entgegenrollte. Zum kommenden großen Fahrplanwechsel hielten dann auch dort "IC Giorno"-Wendezüge Einzug...

Datum: 11.06.2018 Ort: Baragiano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E402B Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Im grünen Herz der Abruzzen
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 27.01.21, 15:00
Die heute unter dem Namen "Transiberiana d'Italia" bekannte und auch entsprechend vermarktete Gebirgsbahn von Sulmona nach Carpinone in den Abruzzen habe ich bereits mit einem Foto aus ihrem wohl spektakulärsten Abschnitt, dem Aufstieg aus dem Talkessel von Sulmona bei Pettorano sul Gizio, in der Galerie vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de]

Doch mit dieser Streckenpartie immer entlang der kargen Bergflanke oberhalb des fruchtbaren Talgrunds ist der beschwerliche Weg zum Kulminationspunkt der Strecke im Bahnhof Rivisondoli-Pescocostanzo auf 1268 Metern, nach dem Brenner der zweithöchste Punkt im Netz der RFI, noch nicht abgeschlossen. Rund um Cansano und Campo di Giove schraubt sich der Schienenstrang in zunehmend bewaldetem Gebiet mittels schleifenförmiger Streckenführung weiter empor. Dabei quert der Zug auch einige Brücken und Viadukte, deren größter sich unmittelbar südlich des 2002 aufgegebenen und erst 2017 für touristische Zwecke (in Nähe zur Bahn liegt bspw. die italisch-römische Ausgrabungsstätte Ocriticum) reaktivierten Bahnhofs von Cansano befindet, hier links zwischen den Bäumen hervor lugend.

Am Abend des 2. Juni 2018 passierte D445 1145 im Retro-Lack mit dem aus einem Gepäckwagen in "grigio ardesia" sowie einem Corbellini- und vier Centoporte-Wagen im klassischen Kastanienbraun gebildeten Treno storico 78208 (Roccaraso - Sulmona) das Bauwerk. Im Hintergrund das Maiella-Massiv mit seinen schroffen, von den Spuren zahlreicher Felsabgänge gezeichneten Hänge. Ganz oben auf rund 2500 Metern hält sich sogar noch der letzte Schnee des vergangenen Winters.

PS: Eine in der oberen linken Ecke durch das Bild verlaufende und vor Ort kaum vermeidbare Stromleitung habe ich nachträglich digital entfernt.

Datum: 02.06.2018 Ort: Cansano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Fondazione FS
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

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Altissima, purissima, Levissima
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 18.01.21, 18:21
Höchste Höhe und purste Reinheit wird dem Kunden versprochen, wenn man den überaus eingängigen Werbeslogan des Mineralwasser-Produzenten beim Wort nimmt. Abgefüllt wird das aus den umgebenden Bergen stammende Levissima-Wasser in Cepina Valdisotto bei Bormio im oberen Veltlin. Obwohl die Abfüllanlage, die über die Sanpellegrino-Gruppe zum Lebensmittel-Multi Nestlé gehört, selbst keinen Gleisanschluss hat, übernimmt die Bahn eine wichtige Rolle in der Logitik des Unternehmens. In Tirano, dem nächstgelegenen Bahnhof, werden werktäglich bis zu zwei Güterzüge abgefertigt, die die bis dorthin mit LKW transportierten Flaschen zunächst entlang der Adda und des Comer Sees nach Lecco Maggianico bringen. Von dort aus treten sie zu Ganzzügen vereinigt die Weiterreise ins Land an, unter anderem dreimal pro Woche zum Güterbahnhof Maddaloni Marcianise vor den Toren Neapels. Kühles Nass aus den Alpen für den Mezzogiorno also!

Die erste der beiden beladenen Rückfahrten erwartete ich am 17. Oktober 2019 hoch oben auf einer Stützmauer der parallelen Straße (altissimo eben ;)) bei Dorio am Ostufer des Comer Sees. Während über dem drittgrößten See Italiens weitgehend ungetrübt die Sonne schien, drückten über die Gipfel der Lepontinischen Alpen bereits die wolkigen Vorboten einer Schlechtwetterfront südwärts. Links, wo die Wolken am dichtesten sind, liegt der 2458 Meter hohe Pizzo Campanile und damit die Grenze zur Schweiz. Auf dessen anderer Seite erstreckt sich eine Bahnstrecke, die vor ihrer teilweisen Marginalisierung durch einen Basistunnel die fotografierende Zunft weitaus stärker in ihren Bann gezogen hat, als die Linie von Mailand über Lecco nach Tirano, doch das ist eine andere Geschichte...

Für die Traktion der TRA 51911 (Tirano - Lecco Maggianico) eingeteilt war an diesem Tag die E 652 122 - Ein "Tigre" mit gewissen optischen Besonderheiten gegenüber seinen Artgenossen. Die Lok zählt zu den wenigen Exemplaren ihrer Baureihe im XMPR-Schema, die mit einem weißen anstelle des türkisfarbenen Dachs unterwegs sind und dabei das nur in Blau- und Grüntönen gehaltene FS-Logo ohne rote Farbakzente tragen, wie es zwischen 1994 und 2007 aktuell war. Und vielleicht das auffälligste Unterscheidungskriterium: Anders als viele Loks aus dem Mercitalia-Bestand zeigte sie sich im Herbst 2019 völlig frei von Graffiti. Möglicherweise hat hier ja das zweite Attribut des Levissima-Slogans eine gewisse Ausstrahlungswirkung. ;)

Datum: 17.10.2019 Ort: Dorio [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E652 Fahrzeugeinsteller: Mercitalia Rail
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Il treno degli studenti
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 14.01.21, 18:49
Das Depot Siena in der Toskana ist eine der letzten noch verbliebenen Hochburgen der italienischen Diesellok-Klassiker der Reihe D 445. Die umfangreichen Einsätze konzentrieren sich dabei weitgehend auf die beiden Achsen Siena - Florenz und Florenz - Borgo San Lorenzo via Pontassieve.

Um dem erhöhten Aufkommen im Schülerverkehr Rechnung zu tragen, gelangt allerdings unter der Woche einmal am Tag eine der Loks mit einer Wendezuggarnitur auch auf die ansonsten von (Neubau-)Triebwagen dominierte Strecke Siena - Chiusi-Chianciano Terme, die durch die hügelige Landschaft der Crete Senesi, wie sie ein Landschaftsmaler der Romantik nicht besser hätte treffen können, verläuft.

Der morgendliche Schülerzug nach Siena lässt sich dabei nur an den längsten Tagen des Jahres sinnvoll umsetzen, sodass Yannick und ich am 21. Juni 2019 schon um kurz vor sieben am Ortsrand von Asciano (SI) bereitstanden. Pünktlich schob D 445 1143 ihre noch vollständig im XMPR-Lack gehaltene Garnitur aus MDVE- und MDVC-Wagen als Regionale 11754 (Chiusi-Chianciano Terme - Siena) über das aus lokaltypischem roten Stein errichtete Viadukt der Universitätsstadt entgegen und sorgte für zufriedene Gesichter.

Datum: 21.06.2019 Ort: Asciano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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L'autunno in toni pastello
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 12.01.21, 19:11
Herbst in der Poebene - Das ist oft eine recht trübe Angelegenheit. Eine Mischung aus vom Po und seinen Nebenflüssen hervorgerufenem Nebel und dem Smog der nahen Industriestadt Turin sorgt dann insbesondere bei Windstille auch im Canavese am Fuße der Alpen für wenig erhellende Sichtverhältnisse. Klare Tage gibt es natürlich auch, aber in den auf -er endenden Monaten sind sie gefühlt eher die Ausnahme, sodass die eigentlich nahen Berggipfel dem Betrachter oft genug verborgen bleiben.

Ein Zwischending hatte sich am 13. Oktober 2017 nach Sonnenaufgang eingestellt. Zwar waberten einzelne Bodennebelbänke über den Feldern und ein merklicher, vom Geruch brennender Kohle und glimmenden Holzes geschwängerter Dunstschleier lag über allem und tauchte die Szenerie in seichte Pastelltöne. Allerdings war er dünn genug, um den Blick preiszugeben auf die gestaffelte, nicht enden wollende Abfolge von Bergketten, vom Vorgebirge bis hin zu den schroffen Gipfeln der Grajischen Alpen.

Der Herbst angebrochen war Ende 2017 - jedenfalls in althergebrachter Form - auch für den oberen Abschnitt der Ferrovia Canavesana zwischen Rivarolo und Pont Canavese, seit ihrer Eröffnung als Zweigstrecke/Verlängerung der aus Settimo Torinese kommenden Linie im Jahre 1906 ein typisches Beispiel für die in Italien einst zahlreichen "ferrovie concesse", in privater Regie auf Grundlage staatlicher Konzessionen erbaute Nebenbahnen, die Ortschaften und mitunter ganze Gegenden an die weite Eisenbahnwelt anschlossen, die von den FS noch nicht bedacht worden waren. Die Zukunft der gesamten Ferrovia Canavesana sollte in die Hände der Trenitalia anstelle der bis dato für die Betriebsführung zuständigen und nicht immer zufriedenstellenden Gruppo Torinese Trasporti (GTT) gelegt werden, inklusive einer Elektrifizierung des noch fehlenden Abschnitts von Rivarolo nach Pont.

Der vor Ort überwiegend begrüßte Betreiberwechsel wurde nun zum 1. Januar 2021 vollzogen, allerdings nur zwischen Turin/Settimo und Rivarolo, wo jetzt moderne "Pop"-Triebwagen die Pendler in die Großstadt bringen. Der Dieselabschnitt hingegen, auf dem bis zuletzt drei fast 50 Jahre alte ALn 668 das neben parallelen Bussen nur rudimentäre und überwiegend auf Schüler zugeschnittene Zugangebot bestritten, ist erst einmal außer Betrieb und sieht der versprochenen Elektrifizierung entgegen. Diese soll mindestens 18 Monate dauern, wobei dieser Zeithorizont mit Vorsicht zu genießen ist...

Die als Zug 703 (Rivarolo - Pont Canavese) abgebildeten ALn 668 906 und 907 (gebaut von FIAT Ferroviaria 1972), die aus dem Bestand der benachbarten Ferrovia Torino - Ceres in die GTT bzw. deren Vorgängergesellschaft SATTI (Società Anonima Torinese Tranvie Intercomunali) eingebracht wurden, sind jedenfalls seit Dezember 2020 im Ruhestand und umgehend an das piemontesische Eisenbahnmuseum in Savigliano abgegeben worden. Der Dritte im Bunde, ALn 668 905, ist b.a.w. in Favria abgestellt.

Datum: 13.10.2017 Ort: Oglianico [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Gruppo Torinese Trasporti (GTT)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Ausgebrannt
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 06.01.21, 18:55 Top 3 der Woche vom 17.01.21
Nach dem langen und heißen sizilianischen Sommer zeigen sich die Pflanzen und Böden im September großteils ausgebrannt, jedenfalls abseits der Küsten und des Ätnas, wo die Niederschläge nicht ganz so spärlich sind, wie in der Mitte und im Süden der größten Mittelmeerinsel.

Zu jenen von der sengenden Sommersonne gezeichneten Landstrichen, wie sie Giuseppe Tomasi di Lampedusa in wirkmächtigen Worten beschrieben hat, zählt das Val di Noto rund um die Barockstädte im Südosten, wo eigentlich nur noch die üppigen Olivenhaine für grüne Farbtupfer zwischen staubigen Äckern und Steinmäuerchen sorgen.

Hier bilden sie den Hintergrund für den einzelnen ALn 668, der am 16. September 2019 als Regionale 12824 (Siracusa - Gela) vor wenigen Minuten den Bahnhof des Bischofssitzes Noto verlassen hat.

Ich suchte derweil wenigstens einen Hauch von Kühle im Schatten einer Ruine, deren unförmige Mauerreste nur noch von Eidechsen bevölkert waren. Ob sie auch ausgebrannt ist - hier im ureigensten Sinne des Wortes -, ließ sich nicht mit Sicherheit sagen, aber Rußspuren an vielen der in mühevoller Kleinarbeit vor dem Foto entfernten Äste und Zweige legten den Schluss nahe. Jedenfalls war auch ein Baum verschwunden, der ein Jahr zuvor noch den Blick aus dem Inneren der Ruine durch den Torbogen vereitelt hatte. :)

Datum: 16.09.2019 Ort: Noto [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: ungewöhnliche Perspektiven
Top 3 der Woche: 22 Punkte

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Das Wesentliche ins Licht gerückt...
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 03.01.21, 17:14
...hat Mutter Natur am Abend des 3. Juni 2018 beim kleinen Weiler Masciangelo im Bergland der Basilikata. Aber auch wirklich nur das Wesentliche: Viadukt, Zug und die Reben des kleinen Weingartens. Der Rest versinkt schon im Schatten der umgebenden Hänge oder der Wolken, die nach einem gewittrig-warmen Frühsommertag noch übrig geblieben sind.

Dass auch im Juni nach diesem Foto um halb acht abends nicht mehr an weitere Aufnahmen zu denken ist, macht mir wieder einmal bewusst, wie weit nach Osten sich der italienische Stiefel im Süden doch streckt... Na ja, dann eben mit einem zufriedenen Gefühl ab ins Quartier nach Rionero in Vulture und das Abendessen zubereiten - Pasta mit frischen Tomaten und Auberginen, begleitet von einem Gläschen Aglianico, aus der DOC rund um den erloschenen Vulkan des Monte Vulture versteht sich. :)

Protagonist der Aufnahme war übrigens ALn 668 3174, unterwegs als Regionale 3547 (Foggia - Potenza) auf einem der wenigen Brückenbauwerke der Strecke Foggia - Potenza, dessen Geländer keinen gelben Anstrich verpasst bekam. In dieser Gegend rund um den Scheitelpunkt liegen auch drei längere Eisenbahntunnel, die Galleria Quattrocchi (1827 Meter), Galleria Appennino (3320 Meter) und Galleria Pietracolpa (1919 Meter), was die anspruchsvolle Trassierung verdeutlicht, die ab dem Trennungsbahnhof Rocchetta Scalo bestimmend ist. Den ersten davon hat der knatternde FIAT-Triebwagen schon hinter sich, die anderen beiden folgen noch, ehe es auch für ihn und sein Personal "Feierabend" heißen wird, sobald er in der Provinzhauptstadt angekommen ist.

Zuletzt bearbeitet am 03.01.21, 22:19

Datum: 03.06.2018 Ort: Masciangelo [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Le Pechiney
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 28.12.20, 18:02 Top 3 der Woche vom 10.01.21
Die Provence und die Aluminiumproduktion, das gehört praktisch untrennbar zusammen, seitdem Mitte des 19. Jahrhunderts bei Les Baux-de-Provence in den Hügeln der Alpilles ein rötlich schimmerndes Mineral gefunden wurde. Der erste Fundort verlieh ihm seinen Namen: Bauxit - Heute der wichtigste Grundstoff zur Herstellung von metallischem Aluminium.

Erste Produktionsstätte und Wiege des späteren Alu-Großkonzerns Pechiney war Salindres bei Alès im Département Gard. Doch mit der Entdeckung reicher Bauxitvorkommen 200 Kilometer weiter östlich im Département Var rund um Brignoles stellte sich unweigerlich die Frage nach einer zweiten Aluminiumhütte, die 1892 in Gardanne errichtet wurde, an die Bauxitlagerstätten des Var über die Bahnstrecke Carnoules - Gardanne gut angebunden. Zunehmende Erschöpfung und Preisdruck durch Importware führten schließlich in den 1980er-Jahren das Ende der Bauxitförderung in Südfrankreich herbei. Doch das Aluminiumwerk von Pechiney blieb, zugleich wichtiger Arbeitgeber und großes Umweltproblem. Das benötigte Bauxit kommt seitdem aus Übersee, zunächst vor allem aus Australien, heute ausschließlich aus Guinea.

Eine logistische Mammutaufgabe stellt dabei der Transfer vom Hafen in Fos-sur-Mer, wo die gigantischen Massengutfrachter das rote Gestein anlanden, zur Fertigungsstätte dar. Die Eisenbahn ist dafür alternativlos, wenn auch mit einigen Komplikationen verbunden. Zweimal müssen die schweren Züge auf ihrer nur gut 80 Kilometer langen Route Kopf machen, einmal in Miramas, das zweite Mal in Rognac, ehe es über die eingleisige und planmäßig nur noch von diesen Bauxit-Transporten befahrene Güterzugstrecke Rognac - Aix-en-Provence dem Ziel entgegen geht, lange Steigungen mit immerhin 15 Promille inklusive. Etwa zwei Züge täglich stillen den nicht nachlassen wollenden Rohstoffhunger des Aluminiumwerks. Deren Grenzlast ist beeindruckend: 45 Wagen und 3883 Tonnen, davon 2943 Tonnen Transportgut. Eine oder mehrere Schubloks sind auch noch erforderlich, seitdem 2009 die DB-Tochter Euro Cargo Rail (ECR) der Staatsbahn die lukrativen Ganzzüge abgejagt hat und auf die robusten, sechsachsigen Class 66 setzt.

Doch die Tage des Bauxit-Giganten auf Schienen, der in der Fanszene auch auf den Namen "Pechiney" hört, scheinen gezählt zu sein... Das mittlerweile zum Alteo-Konzern gehörende Werk in Gardanne steht seit 2019 unter "redressement judiciaire", vergleichbar dem Insolvenzverfahren im deutschen Recht. Mit Stand Dezember 2020 ist mit der guineischen UMS nur noch ein Kandidat für die Übernahme übrig geblieben - Und der möchte den ersten Produktionsschritt der Bauxit-Verarbeitung nach dem sog. Bayer-Verfahren nicht mehr vor Ort durchführen, sondern importiertes Aluminiumpulver weiter verarbeiten. Maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen haben dürfte der zunehmende öffentliche Druck, das bis dato ungelöste Problem der Lagerung und Entsorgung des giftigen Rotschlamms, der "boue rouge" als Abfallprodukt der Aluminiumverhüttung endlich anzugehen. Mit der avisierten Änderung des Produktionsablaufs entstünde die toxische Last, die bislang entweder in offenen Deponien gelagert oder über eine Pipeline (mittlerweile laut Unternehmensangaben "gereinigt") vor Cassis ins Mittelmeer verklappt wurde, gar nicht erst - Jedenfalls nicht in Frankreich... [www.francebleu.fr] , [www.francebleu.fr]

Im Frühjahr 2014 war von einem möglichen Ende noch nichts zu ahnen und wir nahmen den Bauxit-Zug von ECR eher als Nebenprogramm zum damals an Samstagen verkehrenden SNCF-Aluminiumzug [www.drehscheibe-online.de] mit. Der nach dem Vorbild des antiken Pont du Gard entstandene Aqueduc de Roquefavour bildete wiederum den Hintergrund für die 66228 im weinroten EWS-Design, die am 8. März 2014 den Vollzug 61933 (Fos-Mole-Central - Gardanne) nachschob. Von unserem Aussichtshügel bot sich zudem ein schöner Blick über das Tal des Flüsschens Arc, das unter der Märzsonne zaghaft aus dem Winterschlaf erwachte, bis hin zur Montagne Sainte-Victoire oberhalb von Aix-en-Provence, die sich links hinten aus dem Dunst schält.

Ein weiterführender Artikel von Gilles Lefranc und Hartmut Finke über die interessante Geschichte der Aluminiumproduktion in der Provence und insbesondere der damit verbundenen Bahnverkehre findet sich übrigens im EK 5/2018, S. 68 - 73.

Zuletzt bearbeitet am 29.12.20, 16:38

Datum: 08.03.2014 Ort: Roquefavour [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 266 (alle EMD Series 66) Fahrzeugeinsteller: Euro Cargo Rail (ECR)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 28 Punkte

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Le belvédère des trois églises
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 18.12.20, 20:08 Top 3 der Woche vom 27.12.20
Ein findiges Stadtmarketing hätte die Hügelkuppe am Rand der normannischen Kleinstadt Coutances womöglich längst als Aussichtspunkt auf die markante Silhouette erschlossen, wenn sie sich nicht mitten auf der Weide eines örtlichen Bauern befände. Eine Kuhweide, versteht sich, denn etwas anderes gibt es - abgesehen vom Atlantik - bekanntermaßen westlich von Paris nicht. Hinsichtlich weiterer Details frage man Herrn Oettinger, der sicher eine profunde Expertise auf Lager hätte... Inwieweit die 8500 Einwohner von Coutances und die drei sichtbaren Kirchen nun in dieses Bild passen, lassen wir besser einmal offen.

Links sehen wir als erste die Église Saint-Pierre aus dem 15. Jahrhundert, ganz rechts die kleinere Église Saint-Nicolas, die heute nicht mehr für kultische Zwecke, sondern nur noch als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt wird. Das zentrale Bauwerk jedoch ist die Cathédrale Notre-Dame de Coutances, deren Turmspitzen den über dem nahen Ärmelkanal empor quellenden Wolken ganz nah kommen. In ihrer heutigen, für die normannische Gotik typischen Form entstanden ist sie ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Bischof Hugues de Morville. Im Innenraum lassen sich aber auch heute noch Reste des romanischen Vorgängerbaus entdecken, der in die Zeit des Bischofs Geoffroy de Montbray zurückgeht, eines Weggefährten des Duc Guillaume de Normandie, besser bekannt als Wilhelm der Eroberer. So zog auch Montbray von Coutances aus los, um an der legendären Schlacht bei Hastings 1066 teilzunehmen und England zu erobern. Wie so oft in Frankreich begegnet man der großen Geschichte auch in vermeintlich abgelegenen Winkeln... Glücklicherweise überlebte die Kathedrale auch die schweren Kämpfe des Jahres 1944 zwischen den Alliierten und der abziehenden Wehrmacht weitgehend unzerstört.

Im Verhältnis dazu wenig spannend präsentiert sich der eher spärliche Bahnverkehr in Coutances, der ausschließlich mit modernen Dieseltriebwagen abgewickelt wird. Aber vor dem historischen Hintergrund und im klaren Herbstsonnenschein freute ich mich am 19. September 2015 auch über das von X 76542 angeführte AGC-Doppel, unterwegs als TER 852852 (Rennes - Caen).

Datum: 19.09.2015 Ort: Coutances [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 17 Punkte

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Perseus auf Abwegen
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 12.12.20, 17:20
Anlässlich eines Treffens von Vertretern aus Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz Anfang dieser Woche wurde eine (bescheidene) Renaissance des europäischen Nachtzugverkehrs verkündet. Die Absichtserklärung zwischen ÖBB, DB, SBB und SNCF beinhaltet u. a. auch die (Wieder-)Einführung eines Nachtzugs von Wien über München nach Paris ab Dezember 2021, diesmal unter Federführung der ÖBB. 2023 soll dann auch Berlin - Paris wieder aufgelegt werden.

Das gab es allerdings alles schon einmal, damals noch unter Regie der City Night Line. Die Relation Berlin - Paris deckte bis zu seiner Einstellung 2014 der CNL "Perseus" ab, Kurswagengruppen aus München und Hamburg inklusive. Sein regulärer Laufweg führte den Zeus-Sohn in Frankreich über die Ligne 1, die klassische Magistrale Straßburg - Paris.

An mehreren Wochenenden im Sommer 2013 machten Bauarbeiten auf der planmäßig genutzten Strecke allerdings weiträumige Umleitungen nötig. So fuhr der westwärtige Zug am 15. August 2013 zunächst via Toul und die L15 bis Culmont-Chalindrey, wo ein Wechsel von E- auf Dieseltraktion stattfand und die Sybic den Zug für die Weiterreise über die L4 nach Paris an eine Doppeltraktion BB 67400 übergab. Vier dieser Loks hatte man dafür extra aus Straßburg abkommandiert: Die allesamt blauen BB 67514, 67519, 67569 und 67603.

Entsprechend zahlreich verteilten sich die Fotografen während dieses Events an der Strecke, auch wenn zahlenmäßig der Ansturm anlässlich der sagenumwobenen "Allgäu-Umleiter" sicher nicht annähernd erreicht wurde...;) Pflichtprogramm war natürlich der Abschnitt rund um Luzy-sur-Marne, wo die Ligne 4 parallel zum Canal de la Marne à la Saône verläuft. In eben jenem spiegeln sich BB 67603 und 67569 mit CNL 450 (Berlin Südkreuz - Paris Est).

Zur Präsentation dieses Fotos motiviert haben mich, neben der angekündigten Wiederaufnahme des Nachtzugverkehrs nach Paris, die von Jochen und Thomas kürzlich in der Galerie gezeigten Aufnahmen aus der "guten, alten Zeit", als die alte Garde der blauen Diesel auf der L4 noch unangefochten regierte. Neben CC 72000 und der für die L4 eher untypischen BB 67400 fehlt jetzt also noch eine A1AA1A 68000, um die Serie zu komplettieren. Vielleicht mag ja jemand mit einem Griff ins Archiv nachlegen...? ;)

PS: Ein paar wenige Halme am Ufer, die auch nach dem umfangreichen manuellen Freischnitt noch verblieben waren, habe ich schließlich digital gestutzt.

Datum: 15.08.2013 Ort: Luzy-sur-Marne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Le chant du cygne
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 09.12.20, 16:35
Bleiben wir noch ein bisschen auf den Anhöhen oberhalb des Somme-Tals bei Fontaine-sur-Somme, blicken nun aber nicht landeinwärts, sondern in Richtung Abbeville, wo sich die Hügel der Picardie langsam zur Baie de Somme hin verlaufen...

Bald werden die Glocken der Kirche unten im Ort sechs mal schlagen, während die Schatten sich immer weiter ausdehnen und nur noch einen Teil der herbstlichen Wiesenlandschaft im Licht der Oktobersonne erstrahlen lassen. Der Grat zwischen dem gewünschten Spiel aus Licht und Schatten oder aber einer völlig verdunkelten Szenerie ist mal wieder schmal. Der erwartete Intercités dürfte also gerne pünktlich sein. So harre ich also aus in jener für jedes bahntypische Geräusch und ein irgendwo am Horizont schimmerndes Spitzenlicht sensibilisierten Lauerstellung, die wohl jeder aus unserer Zunft nur zu gut kennt. ;)

Irgendwann dann ein vermeintlich erlösender Pielstick-Klang in der Ferne... Könnte zeitlich hinkommen. Oder ist es doch (wieder) nur ein LKW auf der Route départementale und nicht der aus dem Bahnhof Abbeville beschleunigende Zug? Wenig später dann Gewissheit: Am Ende der Kurve taucht das Dreichlichtspitzensignal einer BB 67400 auf! 9 Wagen hängen dran, also die perfekte Länge für die Vegetationslücke. Der Verschluss klickt, der Blick wandert mit der vorbei rauschenden Corail-Schlange mit und ein zufriedenes Lächeln bricht sich Bahn. Wenn es doch nur immer so rund laufen würde. :)

Die Streiflicht-Aufnahme des INT 2030 (Boulogne - Paris Nord) mit BB 67430 von diesem 10. Oktober 2018 sollte mein Abschieds-Foto der lokbespannten Garnituren auf der Strecke sein. Zum Jahreswechsel 2018/19 ging die Linie in den Verantwortungsbereich der Regionen über, nunmehr als TER. Die 67400er hielten sich danach noch wenige Monate, aber im Laufe des Frühjahrs 2019 war dann endgültig Schluss und wie so oft traten neu gelieferte Régiolis-Triebwagen die Nachfolge an.

Datum: 10.10.2018 Ort: Fontaine-sur-Somme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Von Sümpfen und Teichen
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 08.12.20, 17:42
245 Kilometer lang ist sie, die Somme im Norden Frankreichs. Auf ihrem Weg von der Quelle bei Saint-Quentin durch die Picardie bis zur Mündung in den Ärmelkanal legt sie dabei aber nur einen Höhenunterschied von 86 Metern zurück, weshalb die Somme ein alles andere als reißender Strom ist. Vielmehr mäandert sie durch ein weites Tal mit ausgedehnten Feuchtgebieten. Neben Sümpfen und Wiesen prägen unzählige Teiche und Seen das Bild.

Einer der vielleicht schönsten Aussichtspunkte auf die Somme-Niederung bietet sich von der Abbruchkante oberhalb von Fontaine-sur-Somme. Jedenfalls ist es einer der wenigen, an dem sich auch die Bahnstrecke von Amiens nach Boulogne gemeinsam mit dem typischen Landschaftsbild in Szene setzen lässt. Der Blick reicht dabei über den Étang des Aunais, Bel Étang, Étang des Provisions und weitere bis zur gegenüber liegenden Talseite, wo sich das Örtchen Long mit seiner aus hellem Stein errichteten, neogotischen Kirche Saint-Jean-Baptiste an den Hang schmiegt.

Am 10. Oktober 2018 war vor diesem Hintergrund ein B 82500 (BiBi) im Design der Région Hauts-de-France als TER 848388 (Abbeville - Albert) unterwegs.

PS: Strauch auf Höhe des ersten Segments des AGC mittels elektronischer Säge nachträglich eliminiert!

Datum: 10.10.2018 Ort: Fontaine-sur-Somme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 82500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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Frittenbude
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 24.11.20, 18:13
In Belgien und Nordfrankreich sind (Pommes) Frites bekanntlich DER Snack schlechthin. Ob als moules-frites oder pur, ob vom Spitzenkoch oder vom Imbiss nebenan, man könnte schon fast von einem Stück Kulturgut sprechen. Entsprechend hoch ist die Dichte an Frittenbuden auch im Pas-de-Calais, dem Hinterland der Opalküste.

Wenig verwunderlich stand ich somit für dieses Foto am Ortsrand von Desvres direkt an einer Friterie. Und da Imbissbuden nun mal der Ort der Wahl für Geplauder mit wildfremden Leuten über Gott und die Welt sind, geriet ich während der Warterei auf den Zug u. a. mit einem Notarzt der benachbarten Rettungsstation, der dort seine Mittagspause machte, in ein längeres Gespräch. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass ich an diesem Tag eine kleine Attraktion war, denn Bahnfotografen scheinen sich den Erzählungen nach dorthin praktisch nie zu verirren. ;)

Apropos Bahnfotografie: Was spielt sich da eigentlich auf den Gleisen neben den Tonnen mit dem alten Frittenfett ab?

Es handelt es sich um die ehemalige Strecke von Saint-Omer nach Hesdigneul-lès-Boulogne. Eröffnet wurde sie 1874 von der Compagnie des chemins de fer du Nord und verlor ihren Personenverkehr schon relativ früh wieder (1959 zwischen Saint-Omer und Desvres, 1968 ab dort bis nach Boulogne-sur-Mer). Nachdem auch die Bedienung von Lottinghen im Güterverkehr eingestellt wurde, erfolgte 1991 die Entwidmung im Mittelabschnitt zwischen Lumbres und Desvres. Verblieben ist an beiden Streckenenden etwas Güterverkehr: Einerseits zum Eqiom-Zementwerk in Lumbres auf dem Stummel im Osten, andererseits die hier gezeigte Bedienung von ArcelorMittal in Desvres im Westen.

Bereits auf der Rückfahrt mit den Leerwagen nach Dunkerque Grande-Synthe passiert der gut gelaunte Lokführer, der ganz cool mit Sonnenbrille den milden Herbsttag genießt, die letzten Überreste des alten, früher gigantisch großen Zementwerks, das bereits seit über vier Jahrzehnten aufgegeben ist. Für die Traktion waren BB 60097 und 60081 eingeteilt.

Böse Zungen gestehen diesen von Vossloh España in 175 Exemplaren an die SNCF gelieferten Mittelführerstandsloks ebenfalls höchstens den Charme einer Frittenbude zu...;) Aber letztlich muss man froh sein, dass es überhaupt noch ein bisschen Güterverkehr auf so mancher Nebenbahn gibt! Und da ist die BB 60000 heute eben die Standard-Lok, wenn SNCF Fret nicht direkt mit einem Großdiesel à la BB 75000/75400 anrückt oder den Verkehr längst an die private Konkurrenz verloren hat...

Datum: 10.10.2018 Ort: Desvres [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 2 Punkte

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Amuse-gueule
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 23.11.20, 17:20
Am 20. September 2018 war ich mal wieder an der "Ligne 4" zugegen, um den auch hier in der Galerie bereits mehrfach porträtierten VFLI-Sandzug von Oulchy-Breny nach Bantzenheim abzupassen. Anders als an Sonntagen bietet die donnerstägliche Leistung dabei den Vorteil, dass man sich vorher noch mit ein paar "Baleines", die unter der Woche als TER zwischen Belfort und Vesoul unterwegs sind, auf den Starzug einstimmen kann.

Im Licht der aufgehenden Sonne wird so auch der schnöde X 73745 als TER 894406 (Belfort - Vesoul) zum schmackhaften Appetithäppchen, als er bei Saulx entlang der funkelnden Telegrafendrähte durch den Herbstmorgen brummt.

Heute, rund zwei Jahre später, ist diese Szene m. W. leider nicht mehr wiederholbar, da östlich von Vesoul die Telegrafenleitung bereits merklich auf dem Rückmarsch ist und die letzten Drähte vermutlich in diesen Monaten fallen dürften. So deutete es sich zumindest bei meinem Besuch im vergangenen Sommer an. Vorübergehend bleibt für Nostalgiker noch der Abschnitt westlich von Vesoul in Richtung Port-sur-Saône. Aber gemäß der Planungen von SNCF Réseau auch nicht mehr lange...

Zuletzt bearbeitet am 25.11.20, 00:52

Datum: 20.09.2018 Ort: Saulx [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Lorazur automnal
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 17.11.20, 18:25
Vor ein paar Wochen hat Olli in der Galerie ein Foto der 181 211 mit dem Titel "Die Lorraine grüßt die Mosel" gezeigt: [www.drehscheibe-online.de] Ich möchte nun quasi das Gegenstück dazu präsentieren, mit der Mosel, die Lothringen grüßt. Eine 181 mit dem Taufnamen "Mosel", die regelmäßig nach Lothringen kam, gab es zwar auch, aber der gleichnamige Fluss kann das mindestens genau so gut. ;) Von ihrer Quelle am Col de Bussang in den Vogesen bis hin zur französisch-deutschen Grenze bei Apach fließt die Mosel nämlich über rund 300 Kilometer durch die ostfranzösische Region. Das entspricht mehr als der Hälfte ihrer Gesamtlänge!

Allerdings finden sich in Lothringen weitaus weniger Möglichkeiten, den Fluss gemeinsam mit der Eisenbahn auf Film/Chip zu bannen, als im malerischen Moseltal auf deutscher Seite. Eine Gelegenheit dafür ergibt sich an der Ausfahrt des Bahnhofs Thionville, wo die nach Luxemburg führende Strecke auf einer Brücke nordwärts schwenkt.

Am Morgen des 11. Oktober 2015 stand ich ebendort bereit, um den "Lorazur" festzuhalten, den traditionellen Nachtzug von Nizza an der Côte d'Azur nach Lothringen und Luxemburg, der ab den 1980ern diesen klangvollen Namen trug. Seit Juli 2016 ist der zuletzt gemeinsam mit einer Wagengruppe aus Cerbère geführte Zug leider Geschichte... Umso mehr weiß man zu schätzen, was man im Archiv hat! Glücklicherweise kamen mir an jenem Oktobertag weder Frühnebel noch Abdampfwolken des AKW Cattenom (kein Scherz, an dieser Stelle ein echtes Problem!) in die Quere, als ich in fast schon artistischer Pose am herbstlich verfärbten Moselufer hing, ehe mich BB 26161 mit Intercités de nuit 4882 (Nice Ville - Luxembourg) erlöste. Die Lok war eine der damals in Dijon stationierten "Sybics", die mit dem luxemburgischen Zugsicherungssystem Memor 2+ ausgestattet war.

Zuletzt bearbeitet am 17.11.20, 18:29

Datum: 11.10.2015 Ort: Thionville [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 26000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte
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La cluse prend des couleurs
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 14.11.20, 23:12
Die Cluse des Hôpitaux liegt am äußersten Südrand des französischen Jura, könnte die typischen Eigenarten des Gebirges aber kaum besser charakterisieren. Ein in die umgebenden Plateaus eingeschnittenes, enges Flusstal mit üppigem Waldbestand, durchsetzt von teils abrupten Felsabbrüchen. Über 30 Kilometer erstreckt sich die Cluse zwischen Pugieu und Ambérieu-en-Bugey, wo sie sich zur Plaine de l'Ain hin öffnet. Mitten hindurch verläuft die Bahnstrecke von Lyon über Ambérieu nach Culoz und ab dort entweder weiter in Richtung Genf oder via Chambéry nach Italien.

Wenn sich im Herbst das Laub der Bäume verfärbt und die tiefer stehende Sonne für spannende Schattenakzente an den Bergflanken sorgt, lohnt sich ein Besuch ohne Zweifel besonders. Der abwechslungsreiche Zugverkehr tut sein Übriges!

2017 noch mit von der Partie waren die TGV Sud-Est, die in ihrem vorletzten Einsatzjahr südlich von Paris neben Leistungen nach Dijon, Besançon und Grenoble unter anderem auch noch ein paar Plantage nach Annecy für sich beanspruchten, wo sie sich die Leistungen mit Duplex-Garnituren teilten. Am 12. Oktober 2017 war Triebzug Nr. 74, Baujahr 1983 und damit zum Aufnahmezeitpunkt bereits über drei Jahrzehnte im harten Hochgeschwindigkeits-Einsatz erprobt, als TGV 6937 (Paris Lyon - Annecy) bei Saint-Rambert-en-Bugey in der Cluse des Hôpitaux unterwegs. Weniger als eineinhalb Jahre später wurde er am 14. Januar 2019 ausgemustert.

Datum: 12.10.2017 Ort: Saint-Rambert-en-Bugey [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-TGV Sud-Est Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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La Révolution surréaliste
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 08.11.20, 20:25
La Révolution surréaliste - Das war der Titel des Journals der Pariser Surrealistenbewegung in den Zwanzigerjahren. Man wollte mit vielem brechen, was bis dahin zum tradierten Bild gehörte. In der Kunst, aber auch und gerade anderswo. Ein revolutionäres Blatt eben.

Ebenfalls eine Revolution - jedenfalls im Kleinen - stellte der X 3800, genannt "Picasso", der SNCF dar. Gemeinsam mit den „Mobylettes“ (X 5500/5800) und den größeren X 2400 ermöglichte der mit 250kW leistungstechnisch zwischen beiden angesiedelte X 3800 als Teil der ersten Generation von Nachkriegstriebwagen die Ablösung dampfgeführter Personenzüge und eines bunten Sammelsuriums an Vorkriegstriebwagen auf zahlreichen Nebenbahnen in ganz Frankreich. Zwischen 1950 und 1961 gingen insgesamt 251 Exemplare in Serie.

Doch woher nun der Beiname "Picasso"? Zwar gehörte der (also Pablo) nie offiziell dem Surrealistenkollektiv rund um André Breton und Co. an, war deren Grundgedanken jedoch stets gewogen und ein gegenseitiger Einfluss lässt sich kaum bestreiten. Die extravagante und bis dato völlig unbekannte, eben surreale Anordnung des Führerstands des X 3800 in einer Kanzel, asymmetrisch oberhalb von Motor- und Fahrgastraum, ließ offenbar schnell Assoziationen an den Grandseigneur der Kunst des 20. Jahrhunderts aufkommen. Insbesondere sollen von Picasso geschaffene Porträts, bei denen die Augen versetzt oberhalb der Nase angeordnet waren, Pate gestanden haben. So liest man es jedenfalls in der französischen Eisenbahnliteratur. Dass zum Auslieferungszeitpunkt der Fahrzeuge längst ein Jackson Pollock mit Dripping und Action Painting Furore machte...? Geschenkt!

Am 16. Oktober 2016 führte eine zweitägige Sonderfahrt X 4039, den "Picasso" der Association des Autorails de Bourgogne Franche-Comté [www.autorails-abfc.com] , u. a. auf die Strecken Straßburg - Saint-Dié und Saint-Dié - Épinal in den herbstlichen Vogesen. An ersterer liegt der (ehemalige) Bahnhof Raves-Ban-de-Laveline mit seiner "antiken" Ausstattung, die mir hier als Rahmen für den SNCF-Klassiker, unterwegs als Train spécial 27574 (Strasbourg - Saint-Dié), diente. Man beachte unter anderem die Beleuchtung, das alte Stationsschild oder den Schüttbahnsteig hinter der Bahnsteigkante aus rotem Vogesensandstein. Picasso indes hätte bestimmt eine schnelle Skizze gemacht, für seine eigene, ganz individuelle Darstellung des Ensembles...;)

Zuletzt bearbeitet am 08.11.20, 23:57

Datum: 16.10.2016 Ort: Raves-Ban-de-Laveline [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 3800 Fahrzeugeinsteller: Autorails de Bourgogne Franche-Comté (ABFC)
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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À qui se lève matin, Dieu donne la main
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 03.11.20, 19:30 Top 3 der Woche vom 15.11.20
Den Frühaufstehern gehört bekanntlich die Welt. Damit diesen Ratschlag auch am Sonntagmorgen in Ronchamp an der "Ligne 4" alle berücksichtigen, schickt VFLI den schweren Sandzug nach Bantzenheim planmäßig noch weit vor der Zeit, zu der die Pfarrkirche Notre-Dame-du-Bas von 1863/64 zum Gottesdient läutet, ostwärts vorbei, mit einer EURO 4000 von Vossloh, versteht sich, die an diesem Tag manchen Wecker ersetzen dürfte... Ab Lure steigt die Strecke nämlich abermals an und erreicht ihren Scheitelpunkt erst zwischen Champagney und Bas-Évette, das etwa 100 Meter höher als Lure liegt. Entsprechend quälte sich auch am 14. Oktober 2018 die farblich sehr hübsch mit dem verfärbten Laub harmonierende €4045 mit dem 60905 (Oulchy-Breny - Bantzenheim) in gemächlichem Tempo, aber mit beachtlicher Geräuschkulisse die Steigung hinauf.

Erst wenige Tage zuvor hatte ich von Vincent, meinem „Beobachtungsposten“ an der „Ligne 4“, die Meldung bekommen, dass die zuvor eingesetzte blau/silberne Mietlok €4038 durch eine Maschine in der firmeneigenen roten Livrée ersetzt worden war. Da der Umlauf bei dieser Leistung in der Regel über Wochen stabil bleibt, war schnell klar, dass ich noch mal „runter“ musste und somit auch für mich an diesem Wochenende kein Ausschlafen angesagt war…;)

Aus dem Dickicht des herbstlichen Waldes heraus schweift der Blick über den Zug und die Dächer von Ronchamp auf die eingangs erwähnte neogotische Pfarrkirche, die gemessen an der Größe des Ortes zwar stattliche Dimensionen annimmt, aber dennoch stets im Schatten der berühmteren Chapelle Notre-Dame-du-Haut steht, die 1950 – 55 im typisch-modernistischen Stil von Le Corbusier etwas abseits des Ortes (m. W. leider nicht mehr mit der Bahn darstellbar - Früher ging es mal: [www.flickr.com] ) errichtet wurde und seit 2016 zum UNESO-Weltkulturerbe zählt.

Datum: 14.10.2018 Ort: Ronchamp [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-EURO 4000 Fahrzeugeinsteller: Voies Ferrées Locales et Industrielles (VFLI)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 21 Punkte

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Kathedralen des Industriezeitalters
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 29.10.20, 17:45
Kathedralen des Industriezeitalters - Dieser Beiname wird altehrwürdigen Bahnhofshallen gerne verliehen. In erster Linie gilt die Bezeichnung natürlich den Stationen in den europäischen Metropolen, die in der Belle Époque der Eisenbahn Ausgangspunkt vieler prestigeträchtiger Fernzüge waren. Man denke etwa an die Pariser Gare du Nord, den viktorianischen Prachtbau London St Pancras oder - nicht ganz so alt - den Mailänder Hauptbahnhof.

In Frankreich hingegen haben im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert auch zahlreiche weitaus weniger glamouröse Bahnhöfe in mittelgroßen Städten ihre stattliche Halle über den Bahnsteigen bekommen. Besonders auffällig ist dies im Bereich der ehemaligen Compagnie des Chemins de fer du Midi im Süden und Südwesten des Landes. So reiht sich auch die eiserne "Marquise" von Bayonne ein in die Reihe von ähnlichen Bauwerken in Orten wie Bédarieux, Mont-de-Marsan oder Lannemezan...

Seit 1857 sorgt sie dafür, dass die Fahrgäste vor den Unbilden des Wetters geschützt werden, die hier im französischen Baskenland von sengender Hitze bis hin zu starkem Regen, der von der Biskaya aus gegen den Westrand der Pyrenäen gedrückt wird, reichen können. Wäre es der menschlichen Kommunikation mächtig, könnte das zuletzt 2012 sanierte Bauwerk sicher von einer Unzahl verschiedener Züge und Reisender berichten, die sich in den letzten eineinhalb Jahrhunderten dort tummelten. Das neue Jahrtausend ist dabei sicher nicht das spannendste. So sucht man zum Beispiel Tages- und Nachtzüge auf die iberische Halbinsel heute vergebens und auch der Intercités de nuit nach Paris ist seit 2017 passé. Der verbliebene Fernverkehr beschränkt sich im Wesentlichen auf einige TGV.

Seit ein paar Jahren haben nach der Abstellung der Z2 und der Umstationierung der Z-TER in den Nordwesten die Régiolis-Triebwagen der Reihe Z 51500 das Zepter im Regionalverkehr rund um Bayonne übernommen. 2016 hingegen fuhren zwischen Bordeaux und Hendaye noch zwei langlaufende TER-Zugpaare mit lokbespannten Corail-Garnituren, die eine wohltuende Abwechslung darstellten. Mit einem jener Züge, dem TER 867233 (Bordeaux-St-Jean – Hendaye), fährt BB 7288 am 23. September 2016 unter der im Abendlicht leuchtenden, schweren Gleichstrom-Fahrleitung in den Bahnhof ein. Nach einem kurzen Zwischenhalt wird sie ihre Reise bis zur spanischen Grenze fortsetzen.

Datum: 23.09.2016 Ort: Bayonne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Un remplacement fort apprécié
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 23.10.20, 19:09
Bleiben wir thematisch noch ein bisschen bei den "Nez cassés" auf der POLT, der klassischen Magistrale von Paris nach Toulouse über Orléans und Limoges. Auch im Sommer 2017 hielt der schon leicht geschrumpfte Toulouser Nahverkehrs-Plan noch zwei Zugpaare im Berufsverkehr in Richtung Brive-la-Gaillarde bereit. Jedenfalls theoretisch, denn in der Regel wurde - anders als in den Vorjahren - einer der beiden Plantage bereits mit einem ZGC gefahren. Da am 16. Juni 2017 die Corail-Garnitur im früheren Umlauf gewesen war, der selbst an den längsten Tagen rund um Souillac am frühen Morgen noch keine Sonne abbekommt, war uns bislang ein Foto der Lokbaureihe verwehrt geblieben, wegen der wir eigentlich auf dem Weg in Richtung Pyrenäen dort für eine Nacht Quartier bezogen hatten.

Da es sich in der Bilderbuchlandschaft entlang der Dordogne mit ihren Kalksteinfelsen ja aber auch so ganz gut aushalten lässt, blieben wir trotzdem noch ein bisschen vor Ort und bezogen um kurz nach acht südlich des Städtchens auf einem Felsen Stellung, um den ersten durchgehenden Intercités des Tages von Toulouse nach Paris abzupassen - Planmäßig mit einer BB 26000 (im Carmillon-Design) bespannt. Dass dann wenig später völlig unerwartet doch noch eine "Nez cassé" an den pink blühenden Heckenrosen des ehemaligen Bahnwärterhäuschens vorbei rauschte, daran hatten wir natürlich überhaupt nichts auszusetzen...;) Man hatte dem INT 3620 (Toulouse - Paris Austerlitz) in der Ville rose kurzerhand die BB 7305 anstelle einer Sybic vorgespannt!

Datum: 16.06.2017 Ort: Souillac [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 6 Punkte
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Ansitz im Eichenwald
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 22.10.20, 15:52
Werfen wir wieder einmal einen Blick ins Archiv und reisen in das Jahr 2015 zurück, als auf der südlichen POLT zwischen Toulouse und Brive noch lokbespannte Regionalzüge mit BB 7200 verkehrten. Bereits unter meinem morgendlichen Bild vom Lot-Ufer in Cahors hatte ich über die damals umfangreichen Einsätze der Nez cassés in TER-Diensten rund um Toulouse berichtet: [www.drehscheibe-online.de]

Ein paar Kilometer nördlich von Cahors verlässt die Strecke unterhalb des Château de Mercuès das Tal des Lot und nimmt zwischen Causses du Quercy und den östlichsten Ausläufern des Périgords mit einer kaum enden wollenden Abfolge von Kurven und Gegenkurven Kurs auf Brive-la-Gaillarde. Garniert wird dieser spannende Streckenverlauf mit einer Vielzahl von Viadukten, deren bekannteste sicher diejenigen rund um Souillac sind.

Aber auch im kleinen Örtchen Calamane liegt ein besonders schönes Exemplar. Auf 25 Steinbögen im regionaltypischen Rotton führt der Viaduc de Calamane die POLT auf insgesamt 308 Metern Länge zwischen Ortskern und Schloss aus dem 15. Jahrhundert hindurch. Gut in ganzer Länge einsehen lässt er sich abends von einem Berghang westlich des Orts. Da dieser allerdings vollständig bewaldet ist, muss man sich ein bisschen Zeit nehmen und durch das Unterholz streifen, um einen freien Ausblick zu finden. So landete ich am 7. September 2015 letztlich auf dem untersten Ast einer knorrigen Eiche, um der Dinge (= Züge ;)) zu harren, die da kommen sollten. Habe ich Züge gesagt...? Ups, ich meinte natürlich mal wieder DEN einen passenden Zug!

Während ich da so in meinem Baum hing, hätte es mich nicht gewundert, wenn mir eine Wildschweinrotte oder ein Trüffelsucher auf der Pirsch nach der wertvollen Knolle begegnet wäre. Einfach ein schöner Ort, um die Waldluft zu inhalieren und den Ausblick auf das intakte Ortsbild zu genießen. Als dann mit dem erwarteten TER 871628 (Toulouse - Brive-la-Gaillarde) auch noch die betongraue BB 7289 des Weges kam, war das Hobby-Glück perfekt. :)

Zuletzt bearbeitet am 23.10.20, 12:17

Datum: 07.09.2015 Ort: Calamane [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

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Ambiance CFD
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 14.10.20, 19:15 Top 3 der Woche vom 25.10.20
Die Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) begegnet einem schier unausweichlich, wenn man sich mit der wechselvollen Geschichte französischer Neben- und Kleinbahnen beschäftigt. Neben ihrer Rolle als Fahrzeugkonstrukteur, vor allem für Schmalspurbahnen, betrieb sie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche französische Nebenbahnen, die allermeisten davon wiederum in kostensparender Meterspur. Die Linien bildeten dabei kein zusammenhängendes Netz, sondern waren in mehreren Teilnetzen im gesamten Hexagon verteilt. Heute sind sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verschwunden und nur noch ein Betätigungsfeld für Eisenbahnarchäologen oder Fahrradfahrer auf den neu entstandenen "Voies vertes"...

Wenigstens im touristischen Verkehr überlebt haben Teile des Réseau du Vivarais, das sich einst mit über 200 Kilometern Streckenlänge in den Départements Ardèche und Haute-Loire im Massif Central erstreckte und in zwei Phasen 1952 bzw. 1968 seinen regulären Verkehr verlor. Neben dem auch in Deutschland recht bekannten und stark touristisch vermarkteten "Mastrou" von Tournon nach Lamastre bietet oben auf dem Hochplateau an Sommerwochenenden der [velay-express.fr] Dampf- und Dieselbetrieb in insgesamt recht authentischer CFD-Atmosphäre.

Mein persönlicher Star der Fahrzeugsammlung ist dabei nicht etwa der Billard-Doppeltriebwagen Nr. 222, der bereits mehrfach in der Galerie vertreten ist, sondern der knuffige Einteiler Nr. 313 vom Typ A80D ("A" für Automotrice, "80" für die PS-Zahl und "D" für den Dieselmotor), der seit August 2020 wieder im grau-roten Ursprungslack erstrahlt. 1937 ebenfalls von Billard in Tours an die CFD geliefert, kam er zunächst auf dem Réseau des Charentes et Deux-Sèvres in Westfrankreich zum Einsatz, ehe er nach dessen Stilllegung 1950 im Vivarais eine neue Heimat fand.

Praktisch nichts (außer einem digital entsättigten Gilet jaune im Zuginneren ;)) deutet unweit des Ausgangspunkts Raucoules darauf hin, dass die Aufnahme vom 13. September 2020 nicht 60 Jahre früher entstanden ist: Eine urwüchsige Baumreihe entlang des nicht asphaltierten Feldwegs, die Weide mit lose platzierten Findlingen eingefasst und im Hintergrund ein Bruchsteinhaus ganz ohne neumodische Accessoires. Nicht zu vergessen natürlich der nur zehneinhalb Meter lange und neun Tonnen schwere Tw Nr. 313 auf seinem Weg nach Saint-Agrève...

Datum: 13.09.2020 Ort: Raucoules, Brossettes [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Billard A80D Fahrzeugeinsteller: Velay-Express
Kategorie: ungewöhnliche Perspektiven
Top 3 der Woche: 20 Punkte

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"État de crise? Sans moi!"
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 12.10.20, 19:39
Gebeutelt zeigt sich die globale Wirtschaft im Jahr 2020, das wohl wie kaum ein anderes von einem Thema dominiert wird: Corona, inklusive aller unerfreulichen Begleiterscheinungen. Auch am Bahngüterverkehr geht die angespannte Situation natürlich nicht folgenlos vorüber. Doch sind die Auswirkungen von Ort zu Ort, von Branche zu Branche ausgesprochen heterogen. Der Containertransport per Bahn beispielsweise boomt auf gewissen Relationen sogar, allen voran der Landweg von China nach Europa als Alternative zu (im Hafen gebliebenen) Ozeanriesen.

Eine konstant sehr hohe Auslastung weist (nicht nur) in den letzten Monaten auch der nachmittägliche Naviland-Containerzug von Vénissieux in der Peripherie von Lyon zum Mittelmeerhafen Fos an der Rhônemündung auf. Ein erfreuliches Kontinuum in diesen oft ungewissen Zeiten, dass man werktags praktisch die Uhr danach stellen kann, wann die lange Schlange bunter Hochseekisten ihren Weg über die linke Rhônestrecke südwärts antritt.

Gar nicht ganz so zahlreich sind dabei die möglichen Fotostellen, denn eigentlich ist der Nachmittag und Abend m. E. für die Strecke am gegenüber liegenden Ufer prädestiniert. Da fährt allerdings fast nichts... Also auch doof! ;) Dementsprechend drängt sich ein klassisches Motiv des "rive gauche" geradezu zwangsläufig in den Fokus: Der Défilé de Donzère vom Pont Robinet aus, jener Hängebrücke, die seit 1847 unterhalb der markanten Felswände die Rhône überspannt und wohl schon Generationen von Bahnfotografen als Standpunkt diente. In der Galerie indes fehlt zu meinem Erstaunen bislang eine zeitgenössische Ansicht ebenso wie eine vom Fahrbahnniveau aus - Diese untragbare Lücke schließe ich somit gerne mit einem Foto des eingangs erwähnten "Starzuges". ;)

Pünktlich um viertel nach sechs tauchte das Objekt der Begierde am 15. September 2020 weit hinten parallel zum blauen Strom auf und schnell war klar, dass keine silberne Akiem-Prima einen Strich durch die Rechnung macht, sondern - wie eigentlich üblich - eine der acht derzeit für Mastéris/Naviland fahrenden BB 22200er für die Traktion des 52353 (Vénissieux - Fos-Graveleau) zuständig war. Wenn ich die verräterischen kleinen Merkmale wie Schmutzspuren an den Lüftern und Position der Carmillon-Aufkleber richtig deute, müsste es an diesem Tag die 22375 gewesen sein...;) Und am Haken vier Dutzend bunt zusammengewürfelter Container - Krisenzustand? Keine Spur!

Zuletzt bearbeitet am 13.10.20, 00:38

Datum: 15.09.2020 Ort: Donzère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 22200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 17 Punkte

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Direction la capitale!
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 10.10.20, 20:24 Top 3 der Woche vom 25.10.20
Wenn man zur morgendlichen Rushhour auf die Abfahrtstafel des Bahnhofs von Amiens blickt, findet sich ein Zielbahnhof besonders häufig: Paris Nord! 6h04, 6h23, 6h38, 6h43 (mit Umstieg in Creil), 7h04... Wer französische Fahrpläne kennt, dem ist klar, dass das ein wirklich ungewöhnlich dichtes Zugangebot ist. Die Strahlkraft der Hauptstadt Paris ist eben ungebrochen und die Zahl der Arbeitnehmer, die täglich auch aus dem weiteren Umland pendeln, rechtfertigt den dichten Takt ohne Zweifel.

Nicht minder üppig sind dabei meist die Zuglängen. Und was den Bahnfotografen erfreut: Ein Großteil der Verbindungen ist noch lokbespannt, entweder als Corail- oder als Doppelstockgarnitur, jeweils mit einer "Nez cassé" an der Spitze! :)

Einer dieser Züge ist der TER 848536 (Amiens - Paris Nord), den ich am 21. Juli 2020 pünktlich zum Sonnenaufgang erwartete. Den ersten und einzigen Zwischenhalt Longueau (samt namhaftem Dépôt) hat der Zug gerade verlassen, als er zwischen Fouencamps und Dommartin im zarten Morgenlicht durch die von weiten Stoppelfeldern überzogene Hügellandschaft der Capitale entgegen strebt. Im Hintergrund wabert auch an diesem Hochsommermorgen noch der für die Somme-Region typische Frühnebel, der hier über dem Flüsschen Avre und diversen kleinen Teichen aufsteigt.

Laut Umlaufplan hätte das übrigens eine BB 22200 mit Corail-Wagen sein sollen, aber über die schicke Multiservice-BB 15049 mit ihrer V2N-Garnitur habe ich mich mindestens genauso gefreut.

Datum: 21.07.2020 Ort: Fouencamps [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 15000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 19 Punkte

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Fotostelle mit Badegelegenheit...
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 05.10.20, 17:18
...oder doch eher eine Badestelle mit Fotogelegenheit?

Welcher Aspekt nun im Vordergrund steht, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall kann man in Pontaix an der Col de Cabre-Linie beides wunderbar miteinander kombinieren. Wenn das Thermometer bereits am Vormittag die 30°-Marke knackt, ist die Abkühlung nach dem gelungenen Foto natürlich besonders willkommen. So auch in der ersten Septemberhälfte des Jahres 2020, als Frankreich unter dem Eindruck eines stabilen Hochdruckgebiets praktisch flächendeckend von einer für die Jahreszeit ungewöhnlich warmen, ja, heißen Luft dominiert wurde. Örtlich erreichte das Quecksilber nachmittags sogar 35°C und mehr - Rekordwerte für einen September!

An einem kleinen, nur über einen steilen, teilweise zugewachsenen Trampelpfad und durch Dickicht erreichbaren Kiesstrand unterhalb von Straße und Bahn genoss ich am 14. September 2020 den unverhofften Spätsommer, streckte die Füße ins Wasser und hob kurz die Kamera, als um kurz nach halb zwölf ein unerkannt gebliebener X 72500 als TER 17353 (Romans-Bourg-de-Péage - Briançon) in Richtung höchste Stadt Frankreichs vorbei rollte. Danach stürzte ich mich dann ziemlich schnell in die vorbei strömenden Fluten...;)

Für Interessierte noch ein paar Hintergrund-Infos: Die TER-Züge auf der Strecke von Valence durch das Diois und über den Col de Cabre nach Veynes und Briançon sind eine der letzten Domänen der Marseiller "Aspirateurs" (= Staubsauger) der Reihe X 72500 und gleichzeitig frankreichweit die einzige mir bekannte, wo im Sommer 2020 der Gesamtverkehr mit diesem Fahrzeugtyp erbracht wird. In Kombination mit der traumhaften Landschaft also das ideale Ziel für Freunde dieser "Alten unter den Jungen", die sich mit ihrem kernigen Motorensound und dem schnörkellosen, klaren Design doch ein bisschen von den nachfolgenden Neubautriebwagen unterscheiden.

Datum: 14.09.2020 Ort: Pontaix [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 72500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

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Tief im dunklen Tann
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 03.09.20, 18:12
Mitten in den weiten Wäldern der Vogesen liegt der gen Straßburg weisende Tunnelausgang des als Teil einer Kehrschleife angelegten Tunnel de Lubine an der Strecke von Straßburg über Molsheim, das Breusch/Bruche-Tal und den Col de Saales nach Saint-Dié. Weit oberhalb der Orte Colroy-la-Grande und Lubine gewinnt der Schienenstrang an Höhe und schmiegt sich in die ihn umgebenden Grünfacetten ein. Einfach ein schöner Ort, um an einem Freitagabend das Wochenende einzuläuten und den Duft von Fichtenzapfen, Moos und frisch geschlagenem Holz zu inhalieren.

Um kurz nach sieben mischt sich kurzzeitig noch ein geruchlicher Fremdkörper in diese Melange: Diesel-"Duft". Eigentlich nicht unbedingt positiv wahrgenommen, lässt er das Herz des Bahnfans dennoch höher schlagen! Denn der Verursacher ist eine BB 67400, die seit 2018 - auf ihre alten Tage also - einmal pro Woche (freitags eben) in passender Zeitlage den aus zwei RRR-Garnituren bestehenden TER 831879 von Saint-Dié nach Rothau bringt. An den übrigen Wochentagen verbleibt die Garnitur zur Übernachtung in Saint-Dié, um von dort am nächsten Morgen im Berufsverkehr in Richtung elsässische Metropole aufzubrechen.

Nachdem ich letztes Jahr leider keine Zeit hatte, mich an einem der raren Tage, an denen das Motiv mit diesem Zug funktioniert (schätzungsweise etwa vier Freitage rund um die Sommersonnenwende), ins Elsass zu begeben und ich vorerst nur die Hobby-Kollegen zu den entstandenen Fotos beglückwünschen konnte, war das Motiv für das Jahr 2020 recht weit oben auf der Wunschliste angesiedelt. Tja, und dann kam die Corona-Pandemie... Allerdings zeichnete sich im Juni ab, dass die deutsch-französische Grenze nach drei Monaten der Schließung doch wieder öffnen könnte, gerade rechtzeitig für mein Vorhaben also. Nur das Wetter spielte freitags irgendwie nie so ganz mit, nachdem man wirklich wieder einen Abstecher zu den Nachbarn machen durfte. Am 3. Juli 2020 wagte ich es einfach mal - Und wurde letztlich, zusammen mit zwei weiteren Foto-Kollegen aus dem "Ländle", mit Sonne belohnt. Der Wolkenhimmel lässt wohl erahnen, dass es keine sichere Kiste war... Die Freude dafür am Ende umso größer! :)

Zuletzt bearbeitet am 03.09.20, 18:39

Datum: 03.07.2020 Ort: Colroy-la-Grande [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Bleu d'Auvergne
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 27.08.20, 19:06
Jochens kürzlich in die Galerie eingestelltes Foto des Holzzugs aus Langeac mit CC 72000 (-> [www.drehscheibe-online.de] ) hat mich daran, erinnert, dass ich doch auch noch ein Motiv aus Beaumont auf der Festplatte schlummern habe...

Wenige Meter hinter Jochens Aufnahmeort schlägt die nördliche Cevennenbahn wiederum eine Linkskurve ein und nimmt Kurs auf den Abzweigbahnhof Arvant, wo sie sich mit der Strecke aus Neussargues und Aurillac vereinigt. Dabei rückt abends auch die Burganlage des Château de Lauriat ins Blickfeld, die ihrem äußeren Erscheinungsbild nach zahlreiche Um- und Ausbauten hat über sich ergehen lassen. Der Turm jedenfalls stammt noch aus dem 13. Jahrhundert und erste Siedlungen auf diesem kleinen Hügel sollen bis in gallo-römische Zeit zurück gehen, als am nahen Allier eine Römerstraße von Nord nach Süd führte.

Protagonist auf den Gleisen ist in diesem Fall ein weiterer französischer Diesel-Klassiker, von dem es bislang erstaunlich wenig Fotos in der Galerie gibt (muss ja nicht so bleiben - Öffnet eure Archive, liebe Frankreich-Freunde! ;)): Der X 2800!
Bekannt ist er vor allem für die markigen Klänge seines 825 PS-MGO-Motors auf steigungsreichen Nebenbahnen im Massif Central, dem Jura oder den Alpen. Aber auch optisch muss er sich nicht verstecken. Seit einer Modernisierung in den späten 70ern im Zuge des "Plan de désenclavement de la Région Auvergne" zeig(t)en sich die Fahrzeuge in blau/weißer Livrée, was ihnen zusammen mit ihrem Haupteinsatzgebiet schnell den Spitznamen "Bleu d'Auvergne" einbrachte, in Anlehnung an den renommierten Blauschimmelkäse der Gegend.

Am 16. Juli 2016 war der X 2900, der von der Amicale des Anciens et Amis de la Traction Vapeur (AAATV) in Montluçon betreut wird, gemeinsam mit einem Beiwagen und X 2230 unterwegs als Train spécial 804024 (Le Puy-en-Velay - Montluçon).

Zuletzt bearbeitet am 28.08.20, 19:50

Datum: 16.07.2016 Ort: Beaumont [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2800 Fahrzeugeinsteller: AAATV
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Mhm, c'est délicieux...
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 31.07.20, 14:14
Was gibt es für eine Kuh wohl schöneres, als morgens nach dem Aufstehen über die Weide zu stapfen, die Morgensonne zu genießen und sich ein paar saftige Gräser zum Frühstück zu suchen? Offensichtlich auf Dauer doch eine etwas eintönige Kost, wenn auch ein verlockender Baum am Zaun steht. Das dachte sich zumindest Kuh Nr. 4820 - oder nennen wir sie einmal Jacqueline - und reckte sich mit bemerkenswerter Ausdauer nach den Blättern. Es scheint wohl geschmeckt zu haben. ;)

Ob das, was da auf den Schienen angerollt kommt, auch "délicieux" ist, da scheiden sich wohl die Geister. Seit diesem Jahr setzt VFLI jedenfalls den Prototyp der Stadler-Eurodual unter der Betriebsnummer CC 6001 vor den Mineralwasserzügen zwischen Vittel und Arles ein, wo die Bimode-Maschine ihre Vorzüge voll ausspielen kann. Zwischen Vittel und Merrey mit Dieseltraktion, ab dort im E-Modus unter Fahrdraht. So zumindest in der Theorie, denn Anfang Juli war der elektrische Teil leider schadhaft...

Abgepasst habe ich den Leerzug 61334 (Arles - Vittel) am 7. Juli 2020 bei Rozières-sur-Mouzon. Dort gibt es zwar nur ein verhältnismäßig kurzes Streckenstück, das weitgehend frei von Bewuchs ist, aber die Szene mit den Kühen und dem lokaltypischen, alten Bauernhaus war mir den Kompromiss wert.

PS: Ein paar in den Fahrwerksbereich des ersten Wagens ragende Zweige habe ich digital gestutzt.
PPS: Merci Olivier pour le soutien! :)

Datum: 07.07.2020 Ort: Rozières-sur-Mouzon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 159 (Stadler Eurodual) Fahrzeugeinsteller: Voies Ferrées Locales et Industrielles (VFLI)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 10 Punkte

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Le Brionnais - Terre d'élevage
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 29.07.20, 17:11 Top 3 der Woche vom 09.08.20
Ende Juni 2020, die erste Frankreich-Tour nach acht Monaten - Winter und Corona-bedingte Grenzschließungen lassen grüßen: Da durfte es gerne auch mal an Strecken mit etwas mehr Verkehr gehen. Aber schon nach zwei Tagen (nicht unerfolgreicher) Hauptstreckenfotografie in der Maurienne und dem unter drückender Hitze leidenden Rhônetal wuchs die Sehnsucht nach dem ländlichen, grünen Frankreich doch wieder, sodass ich mich am Morgen des dritten Tages inmitten der urtümlichen Bocage-Landschaft des Brionnais wiederfand. ;)

Das Hügel- und Weideland im Süden des Burgund genießt überregionale Bekanntheit für die Aufzucht der weißen Charolais-Rinder! Die Fleischrasse ist seit Generationen prägend für viele Betriebe und ein kapitaler Bulle kann schon mal der Stolz nicht nur des Züchters, sondern des ganzen Ortes sein... Im Sommer haben die meisten Tiere auf den großräumigen Weiden Auslauf, sodass sie auch das optische Bild des Brionnais bestimmen.

Am frühen Morgen des 25. Juni 2020 waren die Temperaturen noch so angenehm, dass sich die Herde quer über den Hang unterhalb des Kirchturms von Mussy-sous-Dun verteilt hatte und ein fotografisch schönes Arrangement abgab. Wenige Stunden später wird die 30°-Marke überschritten sein und das Gros der Rinder sich im Kühle spendenden Schatten eines Baums versammelt haben.

Ach, und dann ist da ja auch ein nicht ganz unbedeutender Kunstbau: 18 Bögen à 25 Meter Stützweite führen die Bahnstrecke von Paray-le-Monial nach Lozanne, die "Ligne de l'Azergues", über das Tal. Insgesamt 561 Meter lang ist der 1895 fertiggestellte Viaduc de Mussy über den gleichnamigen Wasserlauf. Befahren wird er hier von einem BGC in vanille/fraise als TER 893903 (Nevers - Lyon Perrache).

Datum: 25.06.2020 Ort: Mussy-sous-Dun [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 22 Punkte

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Le pétrolier en plein village
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 15.06.20, 19:58 Top 3 der Woche vom 28.06.20
Mitten durch den Ort führt die Eisenbahn in Serrières-sur-Rhône (07). Über einen Steinbogenviadukt und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche, die vom Bahnbau 1878/79 teilweise in Mitleidenschaft gezogen wurde und in ihrer heutigen Form daher aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, bahnt sie sich ihren Weg durch das Häusermeer. Wie sich ein Gottesdienst dort wohl gestaltet, wenn ein schwerer Güterzug in flotter Fahrt vorbei poltert...?

Aber offenbar haben sich die Einwohner im Laufe der Jahrzehnte mit dem Schienenstrang vor ihren Fenstern arrangiert. Von Lärmschutzwänden scheint man in Frankreich ohnehin nicht allzu viel zu halten. Den Bahnfotografen freut es natürlich!

Weniger erfreulich ist für den allerdings der extrem launige und im neuen Jahrtausend unter dem Strich stark rückläufige Verkehr auf der den Güterzügen vorbehaltenen rechten Rhônestrecke. Allgemeiner Rückgang des Bahnanteils im Transport und nach Eröffnung der LGV Rhône-Alpes/Méditerranée am linken Flussufer frei gewordene Kapazitäten tragen ihren Anteil bei.

Mit etwas Glück gibt es abends im passenden Zeitfenster ein paar (eher ein Paar...) Güterzüge nach Norden. Oder eben auch mal keinen. Am 28. Mai 2016 zwitscherte uns glücklicherweise ein Vögelchen, dass der Kesselwagenzug 489038 (Miramas - Perrigny) den Weg über das "Rive droite" eingeschlagen hatte. Um halb sieben schepperte dann auch tatsächlich die BB 27066 mit ihrer langen Wagenschlange vorbei. In Zeiten von "Fantôme" und Co. steigt doch auch die Freude über eine vermeintlich schnöde Prima in Fret-Livrée...:)

Datum: 28.05.2016 Ort: Serrières-sur-Rhône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 27000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 28 Punkte

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Aux confins du Gard
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 10.06.20, 13:02 Top 3 der Woche vom 21.06.20
Das Département Gard ist vielleicht eines der landschaftlich abwechslungsreichsten Frankreichs. Es reicht von den Sümpfen der Camargue, wo die Rhône ins Mittelmeer mündet über weite Ebenen bis hinein in die Cevennen, den südöstlichsten Teil des Massif Central.

Diese unterschiedlichen Naturräume spiegelt auch der Südabschnitt der "Ligne des Cévennes" wider. Während der Verlauf von Nîmes bis Alès auf weiten Strecken schnurgerade ist, beginnt dahinter rasch der Aufstieg bis zum Scheitelpunkt in La Bastide-Puylaurent. Dass das nicht ganz ohne Kunstbauten geht, liegt auf der Hand und jeder, der sich einmal ein bisschen mit Frankreichs Bahnen beschäftigt hat, ist sicher staunend auf die beachtliche Zahl an Tunnels und Brücken gestoßen.

Nicht unbedingt zu den spektakulärsten gehört dabei der 176 Meter lange Viaduc de la Malautière mit seinen acht Bögen à 14 Meter Spannweite. Er weist allerdings eine andere Besonderheit auf. Hier überquert die Strecke nicht nur das kleine Bächlein, das dem Viadukt seinen Namen gab, sondern auch die Grenze zwischen Gard und Lozère.

Am Abend des 17. Juli 2016 ist das bunte Baleine-Doppel als TER 873994 (Nîmes - Clermont-Ferrand) unterwegs und verlässt gerade das Dép. Gard, um in die Lozère einzutauchen, das mit nur etwa 75.000 Einwohnern (auf knapp 5200 Quadratkilometern) bevölkerungsärmste und zugleich am dünnsten besiedelte Département Festland-Frankreichs.

Datum: 17.07.2016 Ort: Concoules [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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KURVières
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 09.06.20, 19:15
KURVières? Na ja, nicht ganz, aber fast. Courvières heißt das kleine Örtchen auf dem Jura-Hochplateau in der Franche-Comté. Kurven gibt es dort aber dennoch recht zahlreich. Und so kurvt auch der TGV 9277 (Paris Lyon - Lausanne) auf seinem Weg in Richtung Eidgenossenschaft durch die üppigen Windungen der auf diesem Abschnitt zweigleisigen Jura-Querung.

Das Bild entstand als Tagesabschluss am ausgesprochen erfolgreichen 3. August 2018, von dem ich ein paar Fotos bereits hier gezeigt habe. Nachdem sich ein Großteil der Hobby-Runde bereits heimwärts abgesetzt hatte, konnte ich Urs noch begeistern, darauf zu spekulieren, dass die allerletzten Strahlen der untergehenden Sonne ausreichend Kraft hätten, um den abendlichen Zug effektvoll zu illuminieren. Das klappte dann, wenn auch haarscharf, tatsächlich sehr gut! Es geht eben nur wenig über einen gepflegten Glint-Schuss…;)

Danach beschlossen wir den tollen Trip mit einem Abendessen am Campingkocher (nicht ohne einen kurzen Besuch einer ausgesprochen neugierigen Kuhherde…), ehe wir mit der hereinbrechenden Nacht ebenfalls den Heimweg antraten. Französische Provinz kann so schön sein! :)

Die POS-Garnituren zwischen Paris und Lausanne bildeten übrigens nur ein Interim zwischen dem Ausscheiden der CH-tauglichen TGV Sud-Est 2012/13 und der Lieferung der neuen Euroduplex, die nun zum vergangenen Fahrplanwechsel im Dezember 2019 den gesamten Lyria-Verkehr übernommen haben.

PS: Beton-Pflock am Gleis digital entfernt.

Datum: 03.08.2018 Ort: Courvières [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-TGV POS Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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’s Gromme Elsass
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 15.05.20, 21:57
L'Alsace - ’s Elsass. So steht es zweisprachig auf den Corail-Wagen der ostfranzösischen Region, neben französisch auch in der elsässischen Mundart. Ein untrügliches Zeichen für das starke Gefühl einer kulturellen Eigenständigkeit gegenüber dem Pariser Zentralstaat.

Noch einmal etwas Spezielles ist dabei ’s Gromme Elsass, also das "Krumme Elsass" (oder auf französisch l'Alsace bossue). So lautet die (semi-offizielle) Bezeichnung des Landstrichs am westlichen Rand der Vogesen, der eigentlich geografisch bereits Teil des Plateau lorrain ist. Obwohl auch traditionell eher Lothringen zugehörig, erbaten die Bewohner der ehemaligen Grafschaften Saarwerden und Lützelstein (= La Petite-Pierre) nach der Revolution 1794 mit Erfolg den Anschluss an das Elsass. Der Religion wegen! Die einstigen Fürsten von Nassau-Saarbrücken und die pfälzischen Wittelsbacher hatten nämlich im 16. Jahrhundert (wie auch weite Teile des Elsasses) den Protestantismus eingeführt. Da wollte man mit dem überwiegend katholischen Lothringen nicht in einen Topf geschmissen werden...

Aus der sich daraus ergebenden "krummen" oder "buckligen" Grenzziehung zu Lothringen in diesem Gebiet soll sich auch der ungewöhnliche Name ableiten. Oder ganz einfach aus dem hügeligen Charakter der Landschaft... Da ist man sich, wie so oft, mal wieder nicht ganz einig.

Durchfahren wird ’s Gromme Elsass seit 1895 von der Eisenbahnstrecke Mommenheim - Sarreguemines, in der alten Nomenklatur der SNCF-Region Est die «Ligne 9». Bis 2015 hatte diese in Fankreisen wegen der im Berufsverkehr eingesetzten Corail-Züge mit überwiegend blauen (ja, damals war der Lack auch wirklich noch blauer als ein Jahrzehnt später...;)) Straßburger 67400ern einen gewissen Kultstatus.

Blicken wir also zurück auf den Sommer 2011! Am Abend des 10. August 2011 hatte die BB 67571 mit TER 830936 (Krimmeri-Meinau - Sarreguemines) die Vogesen mittels des Tunnel de Puberg durchquert und war im Krummen Elsass angekommen, als in der Ortsdurchfahrt von Tieffenbach der Verschluss meiner Kamera klickte. Neben der klassischen S-Kurve von Frohmuhl eine meiner Lieblingsstellen an der «Ligne 9». Ach ja, die größere der beiden sichtbaren Kirchen ist übrigens katholisch... Aber in heutigen Zeiten kräht (zum Glück) kein Hahn mehr danach!

PS: Eine Straßenlaterne am Bahndamm, die bis in den Fahrwerksbereich der Lok reichte, habe ich digital entfernt.

Datum: 10.08.2011 Ort: Tieffenbach [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Auf schmaler Spur durch die Provence - II
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 02.05.20, 21:19
- Fortsetzung zu [www.drehscheibe-online.de] -

Hinter Entrevaux, genauer gesagt am Pont de Gueydan, wo der Fluss nach Norden in die Gorges de Daluis abknickt, verlässt die Meterspurstrecke der Chemins de fer de Provence den Var und folgt den kleinen Nebenflüssen Coulomp und Vaïre in Richtung des Scheitelpunkts am dreieinhalb Kilometer langen Tunnel de la Colle-Saint-Michel. Besonders jenseits von Annot geht es an der Bergflanke steil bergauf, unter anderem mittels der Kehrschleife von Le Fugeret.

Unsere Foto-Aktivitäten am 14. Juli 2017, dem französischen Nationalfeiertag, der in Erinnerung an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 begangen wird, begannen wir in diesem Streckenabschnitt, vielleicht dem malerischsten der 150 Kilometer Schmalpur. Unweit des kleinen Bergdorfes Méailles liegt der 121 Meter lange Viaduc de la Guillaumasse, der sich im Hochsommer morgens schön umsetzen lässt. Jedenfalls, wenn man nicht davor zurück schreckt, hart am Abgrund auf einer Felsnase auszuharren... Ich weiß auf jeden Fall noch, dass wir uns gegenseitig Mut zusprachen und dabei abwechselnd am Stamm einer verhärmten Eiche festhielten, um das subjektive Sicherheitsgefühl etwas zu steigern. ;)

Erlösend war daher das weitgehend pünktliche Erscheinen des Zugs Nr. 1 (Nice CP - Digne-les-Bains), der aus zwei CFD-Triebwagen gebildet war. Mittlerweile sind diese Fahrzeuge die ältesten in Frankreich im Plandienst stehenden „Autorails“. X 306 ist Baujahr 1977, sein „ Kollege“ von 1972. Einzig der im Rahmen eines Refits neu aufgetragene Lack lässt sie etwas moderner erscheinen.

Nach dem Foto stürzten wir uns bald in die Fluten der Vaïre, die hier ein herrlich klarer Gebirgsbach ist, ehe wir im nahen Annot Zeugen des Feiertagsprogramms wurden, inklusive der von den alten Männern des Dorfes unter dem Dach der knorrigen Platanen inbrünstig geschmetterten Marseillaise. Urlaubsstimmung pur! Damals leider nur für ein verlängertes Wochenende und hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft wiederholbar…

Merci Pascal für den Tipp mit der Stelle! :)

Datum: 14.07.2017 Ort: Méailles [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-SY Fahrzeugeinsteller: Chemins de Fer de Provence (CP)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 3 Punkte

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Le défilé des combinés
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 29.04.20, 18:42
Während der Güterverkehr auf den beiden Rhônestrecken, die entlang des Stroms vom Mittelmeer in Richtung Lyon führen, tagsüber oft recht dürftig ist und Zuglücken von mehreren Stunden eher die Regel als die Ausnahme darstellen, erwachen gegen Abend die Warenströme auf der Schiene. Maßgeblich dazu bei trägt eine ganze Batterie von Zügen des kombinierten Ladungsverkehrs, die im Nachtsprung die Terminals im Großraum Marseille/Avignon mit Paris (Valenton) und Nordfrankreich verbinden.

Das Gros rollt dabei über die Strecke entlang des "Rive gauche", also des linken Rhôneufers, nach Norden. Nur an Hochsommerabenden bekommen sie aber im landschaftlich spannenden Abschnitt noch ein wenig Tageslicht ab. Dann sind natürlich die hoch aufragenden Felsformationen zwischen Donzère und Châteauneuf-du-Rhône ein beliebter Anlaufpunkt, der Défilé de Donzère.

Mit etwas Kraxelei und offenen Augen lassen sich abseits der Evergreens auch ein paar eher unbekannte Blickwinkel finden. So diese schöne S-Kurve, wo auf einem kurzen Abschnitt wundersamerweise die Oberleitungsmasten nur auf einer Seite der Strecke errichtet wurden - äußerst fotografengerecht natürlich! ;)

Ist man erst einmal über den schmalen Pfad auf den Hang gelangt, lässt sich dort die Parade der nordwärts strebenden Güterzüge gemütlich im Gras sitzend beobachten. Schon weit hinten zeichnen sich die Wagenschlangen oberhalb der sichtbaren Stützmauer ab, sodass man genügend Zeit hat, den Blick kurzzeitig vom majestätischen Strom abzuwenden, die Kamera auszurichten und ein bis zwei Minuten später entspannt abzudrücken.

Am 19. Juni 2017 mit von der Partie war der für Novatrans/GCA von der SNCF traktionierte KLV-Zug 50510 (Miramas ITE SMEA - Valenton). Nach einer Fahrt durch die Nacht mit bis zu 120 km/h wird er bereits am frühen Morgen um zwanzig nach vier vor den Toren der Capitale ankommen. Angesichts der konstant guten Auslastung offenbar ein sehr attraktives Angebot für diverse Kunden!

Datum: 19.06.2017 Ort: Donzère [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 27000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

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Il caimano moribondo
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 26.04.20, 19:00
Man darf auch mal Glück haben! Planmäßig sind die „Caimani“ der Reihe E 656 – zwischen 1975 und 1989 in insgesamt 461 Exemplaren geliefert und vermutlich DER italienische Ellok-Klassiker der letzten Jahrzehnte – auf dem Festland bereits aus dem Personenzugdienst ausgeschieden. Nur auf Sizilien, wohin beinahe traditionell die andernorts auf der Apennin-Halbinsel obsolet gewordenen Fahrzeuge „abgeschoben“ werden (E 636 und E 646 lassen grüßen…), sind die Gelenk-Lokomotiven mit ihrem unverwechselbaren Sound noch teilweise für die Traktion der IC- und ICN-Züge zuständig, wobei auch dort mit steter Inbetriebnahme eigens für diese Zwecke angepasster und umlackierter E464er ein Ende in naher Zukunft absehbar ist, vielleicht ungeahnt beschleunigt durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen massiven Einschränkungen im Bahnverkehr...

Allerdings werden einige wenige Exemplare auch abseits der größten Mittelmeerinsel noch für Überführungsfahrten oder als Reserveloks vorgehalten. In letzterer Eigenschaft übernahm E 656 289 am 10. Juni 2018 – für mich völlig unerwartet – ab Neapel den IC 707 (Roma Termini - Taranto) für seine finale Etappe durch die Bergwelt Kampaniens und der Basilikata.

Dank der freundlichen Hilfe eines örtlichen Bauern bei der Fotostellen-Suche konnte ich den besonderen Zug auf dem Hangviadukt bei Baragiano abpassen. Anfänglich war ich etwas enttäuscht, dass die Sonne sich bereits ein paar Minuten zuvor verkrochen hatte, aber mit etwas zeitlichem Abstand gefällt mir die eigentümliche Stimmung mit den von unten angestrahlten Wolken und dem klar hervortretenden Dreilicht-Spitzensignal mindestens genau so gut! Am effektvollsten ist natürlich ein Betrachten in möglichst dunkler Umgebung. :)

Am nächsten Morgen ging es für den „Caimano“ übrigens mit dem Gegenzug IC 700 wieder zurück nach Neapel, womit der Spuk ein schnelles Ende hatte und die planmäßigen E402B wieder das alleinige Regiment übernahmen. Die E 656 289 indes wurde im Herbst 2018 nach Sizilien weitergereicht, wo sie leider stante pede im Bahnhof von Fiumefreddo di Sicilia in Flammen aufging (-> [www.youtube.com] ), anschließend eine Zeit lang im DL Catania einer ungewissen Zukunft entgegen sah und mittlerweile zwecks Verschrottung zu Bilfinger nach Bari überführt wurde.

Datum: 10.06.2018 Ort: Baragiano [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-E656 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 6 Punkte

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Auf schmaler Spur durch die Provence - I
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 20.04.20, 18:48
Einstmals war Frankreich von einem schier unglaublich engmaschigen Netz an Neben-, Schmalspur- und Überlandstraßenbahnen durchzogen, wie einen der Blick auf alte Streckenkarten immer wieder aufs Neue lehrt. Bis in die letzte Ecke des Hexagons rollten die kleinen Züglein zu ihrer Blütezeit im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts, teils von Anfang an mit einem äußerst bescheidenen Verkehrsaufkommen. Spätestens mit der zunehmenden Verbreitung von Bus, Lastwagen und später Pkw ab den Vierzigerjahren waren sie wirtschaftlich kaum mehr überlebensfähig und wurden eine um die andere Strecke eingestellt. Die heute noch existierenden Schmalspurbahnen mit einer echten Aufgabe im SPNV kann man dementsprechend an einer Hand abzählen.

Auch vor dem Netz der Chemins de fer de Provence machte diese Entwicklung nicht halt. Beinahe 500 Kilometer Streckenlänge maß es zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung: Von Nizza ging es auf Meterspur über Grasse und Draguignan nach Meyrargues, entlang des Var über Puget-Théniers nach Digne (das den Zusatz "les Bains" erst seit 1988 trägt) inklusive Zweigstrecken in zwei Seitentäler, zudem von Saint-Raphaël entlang der Küste über Hyères nach Toulon und schließlich von Cogolin über eine Stichstrecke nach Saint-Tropez. Zwischen 1944 und 1950 kam für einen Großteil des Netzes dann das Ende. Während die Einstellung manch anderer Strecke "au bout du monde" mehr als verständlich ist, drängt sich hier der Verdacht auf, dass der Autobus damals einfach das chicere Image hatte... Die 150 Kilometer lange Strecke von Nizza nach Digne-les-Bains hat allerdings allen Stilllegungswellen getrotzt und blickt heute trotz gewisser Unzulänglichkeiten im Fahrzeugsektor einer insgesamt gesicherten Zukunft entgegen.

„Dank“ der zitierten Probleme (u. a. wurde ein Neubau-Triebwagen der Reihe AMP 800 im Februar 2014 durch einen Felssturz bei Annot, der zwei Menschenleben kostete, irreparabel beschädigt) kommen neben den AMP 800 in der Regel in mindestens zwei Umläufen auch noch ältere, in den Siebzigerjahren von CFD Montmirail gebaute Fahrzeuge zum Einsatz.

Ein solcher - X 306 (Baujahr 1977) - kam am 30. April 2017 als Zug 2 (Digne-les-Bains - Nice CP) in zügiger Fahrt aus der kurzen, nur 25 Meter messenden Galerie du Salvaret unterhalb des gleichnamigen Weilers geschaukelt. Die flotte Fahrweise an den Grenzen des auf dem Oberbau Machbaren (die das Personal natürlich längst im Blut hat...!) kann wohl mit Fug und Recht als typisch für die Chemins de Fer de Provence bezeichnet werden. Ein kleiner Rest französische Schmalspur-Idylle inmitten der Seealpen mit ihren beeindruckenden Landschaften. :)

Zuletzt bearbeitet am 02.05.20, 21:21

Datum: 30.04.2017 Ort: Salvaret [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-SY Fahrzeugeinsteller: Chemins de Fer de Provence (CP)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

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Nel cuore della Sicilia
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 12.04.20, 10:59
Taormina, Palermo, Syrakus, die Tempel von Agrigento und Selinunte, alle jene klassischen Sehenswürdigkeiten reihen sich an Siziliens Küsten auf. Das Hinterland kann da im Touri-Programm schon mal auf der Strecke bleiben. Und Hand aufs Herz: Uns Bahnfotografen geht es doch oft, abgesehen von der Schmalspurbahn um den Ätna natürlich, nicht anders! Caimani mit tiefblauem Meer sind ja schließlich auch ein mehr als valides Argument (gewesen)...;)

Doch auch ein Blick in das Inselinnere, ins wahre Herzen des oft nach innen gewandten Siziliens lohnt sich. Eine passende Lektüre dabei ist zum Beispiel das lesenswerte, bebilderte Reisetagebuch "Mit dem Rücken zum Meer" von Andreas Rossmann. Aber schweifen wir nicht zu weit ab!

Durchzogen wird das Hügelland der Provinzen Enna und Caltanissetta von der eingleisigen Strecke Catania - Palermo, von der wiederum jene nach Canicattì und Agrigento abzweigen. An ersterem Abzweig liegt auch die Provinzhauptstadt Caltanissetta. Zwischen den Bahnhöfen Centrale und Xirbi überbrückt nördlich des Zentrums ein eleganter zwölfbögiger Viadukt das Busiti-Tal.

Als wir im Frühjahr 2014 die Gegend besuchten, war der Verkehr rund um Caltanissetta trotz weitgehender Elektrifizierung fest in Händen der ALn 668. So auch der morgendliche Regionale 8675 (Roccapalumba-Alia - Caltanissetta), der durch die saftig grünen Felder seinem Ziel entgegen brummte. Wenige Monate später wird sich das frische grün in fahles ocker verwandelt haben...

Nach dem Foto ging es für uns dann auf einen Caffè in eine kleine Bar, in einer gesichtslosen Geschäftsstraße irgendwo zwischen Autowerkstatt und Krämerladen gelegen. Der Barista dort lief zu Hochtouren auf und klärte die (vermeintlich?) unwissenden Auswärtigen über die Finessen des gepflegten Espresso-Genusses auf ("Il bicchierino d'acqua si beve prima il caffè!"). Das sind so die kleinen Geschichten, die in Erinnerung bleiben. :)

PS: Baustellenabsperrungen im Hintegrund entsättigt und eine weiße Baumaschine weggepixelt!

Datum: 07.04.2014 Ort: Caltanissetta [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

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Rollstuhlgerecht...
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 09.04.20, 20:08
...soll er sein, der sonntagabendliche Regionale 12812 (Caltagirone - Catania). So steht es im Fahrplan, wie für alle (wenigen) Züge der einst bis Gela führenden und seit 2011 infolge eines Brückeneinsturzes unterbrochenen Strecke (Catania -) Lentini - Caltagirone. Doch Theorie und Praxis sind bekanntlich zwei paar Schuhe. Im mitunter etwas chaotischen Sizilien gilt das umso mehr. Nicht völlig überraschend ist also das Erscheinen eines betagten ALn 668 anstatt des planmäßigen, niederflurigen Minuetto.

Ob es jemanden stört, erscheint fraglich. Weniger, weil manch Dysfunktionalität im Bereich der Daseinsvorsorge in Süditalien mit einer Mischung aus stoischer Gelassenheit und Resignation hingenommen wird, sondern eher, weil die Bahn in weiten Teilen des sizilianischen Binnenlands ohnehin kaum eine Rolle für den ÖPNV spielt. Das lässt sich eindrücklich beobachten, wenn am Busbahnhof von Catania praktisch im Minutentakt die gut gefüllten, blauen Überlandbusse eintreffen.

Ich hingegen freute mich am 15. September 2019, dass mir bei Vizzini ein einzelner Fiat-Triebwagen vor die Linse knatterte. Denn der passte wunderbar in den noch sonnenbeschienenen Abschnitt der Strecke, den ich nach etwas Suche gefunden hatte.

Das vorangegangene Warten am Rand der schmalen Landstraße war an diesem milden Septemberabend unglaublich relaxend gewesen. Kaum Verkehr, ein leichter Wind, der durch die nach einem langen Sommer golden im Abendlicht leuchtenden Gräser strich und irgendwo in der Ferne das Glockengeläut einer Ziegenherde... :)

Datum: 15.09.2019 Ort: Vizzini [info] Land: Europa: Italien
BR: IT-ALn668 Fahrzeugeinsteller: Trenitalia
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

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Verkehrswegebündelung
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 07.04.20, 13:12
Unter Verkehrswege- oder Trassenbündelung versteht man das Prinzip, die Trassen verschiedener Verkehrswege auf engem Raum nebeneinander zu führen, eben miteinander zu bündeln. Der Vorteil, dass so an nur möglichst wenigen Stellen empfindlich in die Landschaft eingegriffen wird, liegt auf der Hand, sodass die Verkehrswegebündelung heute primär bei großen Eisenbahn- oder Straßen-Infrastrukturprojekten im Rahmen ihrer Prüfung auf die Umweltverträglichkeit eine Rolle spielt.

Doch gibt es auch viele Bündelungen unterschiedlicher Verkehrsträger auf engem Raum, die geografisch bedingt und historisch gewachsen sind. Die Flusstäler der europäischen Ströme nehmen dabei eine besonders hervorgehobene Bedeutung ein. In Frankreich ein anschauliches Beispiel dafür ist das Rhônetal südlich von Lyon: Zwei Eisenbahnstrecken - an jedem Ufer eine - folgen dem Flusslauf aus dem Großraum Lyon bis nach Avignon, ebenso die klassische Route nationale 7 von Paris ans Mittelmeer, über die vor Eröffnung der parallelen Autobahn die Urlauber in den Süden rollten. Und auch die Rhône selbst erfüllt eine nicht unerhebliche verkehrliche Bedeutung, zählt sie doch zu den verhältnismäßig wenigen französischen Flüssen, die auch mit großen Binnenschiffen und Schubverbänden befahrbar sind.

Glück hatte ich dennoch, als es am frühlingshaften 15. April 2015 zur Begegnung des Gütertransports auf Wasser und Schiene kam. Während ein Tankschiff, vermutlich von der Raffinerie Feyzin kommend, flussabwärts unterwegs ist, strebt eine betongraue BB 7200 mit dem ganz überwiegend aus Kesselwagen bestehenden FRET 58830 (Miramas - Sibelin) auf der linken Rhônestrecke in nördliche Richtung. Der Standpunkt in den Weinbergen hoch oberhalb von Crozes-Hermitage ist dabei nur mit etwas Zeit und einem Mindestmaß an Kondition erreichbar, denn die Hänge, an denen AOC-Weine reifen, steigen vom Talniveau aus steil an.

Zuletzt bearbeitet am 07.04.20, 13:41

Datum: 15.04.2015 Ort: Crozes-Hermitage [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 8 Punkte

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Alles im Lot
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 29.03.20, 19:52
Alles im Lot war im Sommer 2015 noch für den BB 7200er-Bestand des Dépôts Toulouse. Neben Leistungen vor den Intercités über die Transversale pyrénéenne in Richtung Bayonne gab es vor allem einen sechzehntägigen (!) TER-Laufplan, der die Loks mit klassischen Corail-Garnituren durch den ganzen Südwesten Frankreichs führte. Allein die exemplarische Nennung der Wendebahnhöfe Hendaye und Avignon, Portbou und Angoulême lässt erahnen, wie weit der damalige Aktionsradius war. Auch auf der POLT (= Akronym für Paris - Orléans - Limoges - Toulouse) standen unter der Woche zwei Zugpaare zwischen Brive-la-Gaillarde und Toulouse auf der Agenda, ausgerichtet auf Berufspendler in die Garonne-Metropole.

"Alles im Lot" (höhö, Achtung Wortwitz...! ;)) war am 8. September 2015 auch für den zweiten jener morgendlichen HVZ-Züge bzw. vielmehr für dessen Spiegelung. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof von Cahors spiegelt sich die BB 7289 mit TER 871641 (Brive-la-Gaillarde - Toulouse) nämlich im gleichnamigen Fluss. Der aus dem Massif Central kommende, bis zu seiner Mündung in die Garonne etwa 485 Kilometer lange Lot umfließt hier die Präfektur mit ihrer malerischen Altstadt in einer weit geschwungenen Schleife.

Architektonisch sehenswert ist dabei die aus der Anfangszeit der POLT stammende Eisenbahnbrücke. Sie wurde 1880 - 83 im Auftrag der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) von Fives-Lille errichtet und besticht durch ihre fünf elegant geschwungenen Metallbögen mit jeweils 36 Metern Spannweite.

Datum: 08.09.2015 Ort: Cahors [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 9 Punkte

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Quand on dansait encore...
geschrieben von: Julian en voyage (388) am: 28.03.20, 19:27
In Zeiten der Corona-Pandemie, in denen jeder aufgerufen ist, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und zumindest das ungehinderte Passieren der europäischen Grenzen für den Tourismus wie eine - hoffentlich nur vorübergehend - verblasste Erinnerung an selige Tage scheint, bleibt einem zur Befriedigung des eigenen Fernwehs nur der Blick ins Archiv. Das habe auch ich dieser Tage mal wieder gemacht und bin dabei direkt ein ganzes Jahrzehnt in die Vergangenheit gereist. Ihr seid natürlich herzlich eingeladen, euch mit in die Zeitmaschine zu setzen! ;)

Wir schreiben den Sommer 2010, als ich meinen Sommerurlaub im südfranzösischen Théoule-sur-Mer verbrachte. Damals war die französische Bahnwelt vielerorts noch eine ganz andere und von Fahrzeugkreationen wie dem "Régiolis" oder dem "Regio 2N" (Omneo) konnte man nur träumen. Böse Zungen mögen diesen Traum vielleicht um ein "Alp-" ergänzen... Nicht anders war es entlang der Côte d'Azur, wo die Küstenstrecke von Marseille über Nizza nach Ventimiglia mit einer bunten Mischung klassischer SNCF-Fahrzeuge aufwarten konnte: "Nez cassés" mit Corail-Schnellzügen des Tages- und Nachtverkehrs, "Danseuses" mit RIO- und RRR-Garnituren, die zeitlos-eleganten TGV Sud-Est und ab und zu auch mal eine damals noch etwas ordinär scheinende Sybic in betongrau. Nur gelegentlich mischte sich ein moderner Doppelstock-Triebwagen darunter. Dass der Sommerurlaub auch für das ein oder andere Bahnfoto genutzt werden musste, war da natürlich klar!

Besonders angetan hatte es mir der Abschnitt rund um das Cap Roux bei Anthéor, wo sich die Bahn zwischen den geradezu surreal wirkenden roten Porphyrfelsen des Esterelmassivs und dem tief-, eben azurblauen Wasser des Mittelmeers ihren Weg bahnt. Gleich mehrfach steuerte ich ihn während der zwei Wochen an.

Am Morgen des 28. August 2010 ließ eine leichte Brandung den Schaum am Felsrelief empor kräuseln, während ich auf meinem Aussichtspunkt die Sonne genoss und der Züge harrte, die da kommen sollten. Der "Lunéa"-Nachtzug aus Hendaye war bereits durch, der "Auto-train" aus Paris Bercy ebenfalls, als um kurz nach neun eine der damals noch zahlreich dort eingesetzten "Danseuses" (= Tänzerinnen) der Reihe BB 25500 mit TER 881128 (Monaco-Monte-Carlo - Saint-Raphaël-Valescure) die Bühne betrat. Aus heutiger Sicht mindestens ebenso bemerkenswert ist die noch nicht modernisierte RIO-Garnitur, die sie dabei am Haken hatte. Ein noch weitgehend unverfälschtes Relikt aus der Inox-Ära früherer Jahrzehnte...

Datum: 28.08.2010 Ort: Anthéor [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 25500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 6 Punkte

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