DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!
angemeldet: -
Seiten: 2 3 4 5 6 .. 9 >
Auswahl (437):   
 
Galerie von Julian en voyage, nach Einstelldatum sortiert » zur erweiterten Suche
 
Auslösen auf Gehör
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 19.06.22, 18:58
Ausgesprochen rar sind sie geworden, die Streckeneinsätze der SNCF-"Locotracteurs" der Reihe Y 8000. Schon seit ihrer Indienststellung waren die leistungs- und größenmäßig irgendwo zwischen den deutschen Köf III und V60 angesiedelten Loks vorwiegend in unmittelbarer Nähe der großen Personen- und Güterbahnhöfe unterwegs oder anderswo mit dem Rangiergeschäft beschäftigt. Doch gab es immer auch Streckeneinsätze mit leichten Übergabezügen. Mit dem Niedergang des Einzelwagenverkehrs und einer stetig geringer werdenden Zahl an Gleisanschlüssen sind diese immer weiter zurückgegangen und lassen sich heute - frankreichweit betrachtet - problemlos an einer Hand abzählen...

Bis ins Jahr 2021 retten konnten sich die Ausflüge auf die freie Strecke einer in Valenciennes im industriell geprägten Département Nord vorgehaltenen Lok, die von Montag bis Freitag problemlos ihr Beschäftigungsprogramm fand. Montags, mittwochs und freitags ging es zu Toyota in Onnaing, dienstags und donnerstags zunächst HLP/Lz nach Somain und von dort aus zum Logistiker SDM in Sin-le-Noble. Während mit ersterer Bedienung die Autotransportwagen für einen Ganzzug nach Italien (Chignolo Po) zusammen gesucht wurden, war Sin-le-Noble eine ganz klassische Übergabe zu einem mittelständischen Betrieb mit ein paar wenigen H-Wagen. Nur dem unermüdlichen Einsatz des Patrons der Firma, die in den 1980er Jahren - vor dem Einsetzen der unangefochtenen Herrschaft der Ganzzüge - unter anderem die Bahnlogistik des Mineralwasserabfüllers Vittel in Nordfrankreich und Belgien mit aufgebaut hat, war es wohl zu verdanken, dass sie so lang überlebt hat.

Seit dem vergangenen Fahrplanwechsel im Dezember 2021 wurde SDM allerdings überhaupt nicht mehr angefahren, weshalb man wohl leider davon ausgehen muss, dass sich auch dieses Kapitel des klassischen Bahnbetriebs nunmehr unwiderruflich geschlossen hat. Die Verkehre von Toyota in Onnaing sind zeitgleich an DB Cargo France (ex ECR) übergegangen und werden nunmehr mit einer Class 66 oder G1000 erbracht.

Im Juli 2020 bot sich für mich aber noch die Gelegenheit, die Übergabe aus Sin-le-Noble mit Y 8000er-Bespannung zu dokumentieren. Während sie im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr desselben Jahres pausierte, war sie gerade erst seit wenigen Wochen wieder einigermaßen zuverlässig unterwegs.

Bereits auf der Rückfahrt nach Somain befand sich der 1979 abgelieferte (und mittlerweile leider ausgemusterte) Y 8082 in der ursprünglichen Arzens-Livrée mit seinen fünf H-Wagen, als ich die Fuhre nach dem Kopfmachen in Douai im ortstypischen Umfeld abpasste. Das leicht abgewirtschaftete Hinterhof-Flair findet man in der Gegend vielerorts. Für die Statistiker die harten Fakten zum Zug: FRET 422015 (Sin-le-Noble - Somain), mit den beinahe obligatorischen 90 Minuten Verfrühung.

Besonders spannend gestaltete sich mein Fotostandort auf der Brücke, die (neben Fußgängern) exklusiv dem Nahverkehrssystem Évéa - einem seltsamen Zwitter zwischen Bus und Straßenbahn, dem "Bus à haut niveau de service" - zur Überquerung der Bahngleise dient. Man hielt es bei deren Errichtung nämlich offenbar für unverzichtbar, sie mit mehr als mannshohen Einhausungen aus Holzplanken zu versehen, deren Sinn sich mir nicht erschlossen hat, die aber für das anvisierte Foto ausgesprochen hinderlich waren. Selbst unter Nutzung der Live View-Funktion war nichts mehr zu holen. Letztlich musste ich die Kamera also am ausgestreckten Arm nach oben und damit haarscharf über die oberste Holzleiste recken und auf mein Gehör vertrauen, ob der Klang hinter dem Holz denn nun zum Diesel des Locotracteurs passte, als ich den Auslöser durchdrückte. Zum Glück hat es funktioniert, das "Auslösen auf Gehör"...:)

Zuletzt bearbeitet am 19.06.22, 19:04

Datum: 21.07.2020 Ort: Sin-le-Noble [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Y 8000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 4 Punkte
Optionen:
 
Je vois la vie en rose
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 17.06.22, 19:56
Neben den von Hajo kürzlich in der Galerie porträtierten Neuzugängen aus Longueau - BB 67511, 515 und 599 hat es im Dezember 2021 für ihren Lebensabend aus der Picardie ins Elsass verschlagen - drehen im voraussichtlich letzten Jahr (schauen wir mal...) des dreitägigen Straßburger Rest-Umlaufplans auch noch einige seit vielen Jahren, teils Jahrzehnten dort beheimatete Maschinen ihre Runden zwischen Vogesenkamm und deutscher Grenze. Eine von ihnen ist die BB 67464, ihres Zeichens einzige Straßburger Lok in der "En voyage"-Livrée, manchmal wegen ihrer lilafarbenen Front auch - halb despektierlich, halb humorvoll - als "Milka-Lok" bezeichnet. Vor dem nun gezeigten Foto war sie mir schon erstaunlich lange nicht mehr vor die Linse gefahren. Beinahe hätte ich sie vermisst..., aber nur beinahe. ;)

Als hätte ich unser unverhofftes Wiedersehen vorausgeahnt, erwartete ich den frühmorgendlichen TER 831807 (Saint-Dié - Strasbourg) am 14. Juni zwischen Fouday und Rothau, wo am durch Baumfällarbeiten gelichteten Hang nach dem Ginster im Mai nun der rote Fingerhut in auffälliger Blüte steht. Im Farbton zwar nicht ganz mit der '464 identisch, aber doch ganz hübsch zueinander passend, finde ich. Spontan musste ich beim ersten Betrachten des Fotos auf dem Kamera-Display an Édith Piafs berühmten Chanson denken. :)

Was leider am Berghang im Hintergrund auch auffällt: Nicht ganz so rosig sieht es für den Nadelwald in den Vogesen aus. Die teils bräunlich verfärbten, teils sogar bereits völlig abgestorbenen Bäume sind ein untrügliches Indiz, dass viele trockene und heiße Sommer in Folge auch hier ihre Spuren hinterlassen haben, wenn auch zum Glück nicht so stark, wie man es auf Fotos aus mittel- und ostdeutschen Gebirgen teilweise sieht...

Datum: 14.06.2022 Ort: Fouday [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
Un schtroumpf à la montagne
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 07.06.22, 20:05
Die große Gebietsreform des Jahres 2016, die die vormals 22 französischen Regionen zu nur noch 13, teils nicht gerade beliebten (Groß-)Regionen verschmolzen hat, führte mit etwas zeitlichem Versatz auch zu sichtbaren Änderungen im TER-Verkehr. Neben der Bildung neuer Fahrzeugpools innerhalb der frisch geschaffenen Regionen hat mittlerweile auch praktisch überall ein neues Farbschema Einzug gehalten, mal mehr mal weniger stark an Bestehendem orientiert. Ziemlich experimentierfreudig war man in der Région AURA (Auvergne-Rhône-Alpes), wo die Triebwagenflotte in den letzten rund zwei Jahren kontinuierlich in ein auffälliges Hellblau getaucht wurde. Man könnte es auch schlumpfblau nennen. Jedenfalls scheiden sich daran auch und gerade bei den Fotografen die Geister. Immerhin: An landschaftsbetonten Motiven hebt es sich wirklich gut ab!

Über die altehrwürdige Cevennenbahn kommen die "Schlümpfe" auch bis weit in den Süden, zeichnet doch bei zwei der drei über die Gesamtstrecke von Clermont-Ferrand bis Nîmes verkehrenden Zugpaaren die Région AURA für die Fahrzeugstellung verantwortlich. Nur der ehemalige "Cévenol" fällt in den Aufgabenbereich der Occitanie, kommt also in rot daher.

Während das ein oder andere alte Bruchsteinhaus in den südlichen Cevennen durchaus an die Größe eines Schlumpfes angepasst scheint, hat der mächtige Viaduc de Chamborigaud rein gar keine schlumpfigen Dimensionen. Über die bis zu 46 Meter hohen Rundbögen des 1865 - 1867 errichteten Bauwerks schwingt sich der Schienenstrang einmal quer über das Tal und eröffnet dabei eigentlich zu jeder Tageszeit neue Perspektiven.

Am Morgen des 19. September 2021 blickte ich aus nordöstlicher Richtung von weit oben am Hang auf den Viadukt hinab, als ein unerkannt gebliebener AGC als TER 873990 (Nîmes - Clermont-Ferrand) vorbei brummte - In schlumpfblau selbstverständlich. Am Berghang im Hintergrund - kurz vor der herannahenden Wolkenfront gerade noch von der Sonne erfasst - ist das Château de Crouzas im gleichnamigen Weiler mit seinen kleinen Türmchen erkennbar. [informations-documents.com]

Datum: 19.09.2021 Ort: Chamborigaud [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 15 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
Tele-Blick für Tele-Graf
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 05.06.22, 20:10 sternsternstern Top 3 der Woche vom 19.06.22
Längst ist er angeklungen, der Abgesang auf die Telegrafenleitung entlang der "Ligne 4", der letzten französischen Hauptbahn, entlang derer sich die Relikte vergangener Epochen noch bis in jüngste Zeit retten konnten ( [www.drehscheibe-online.de] ). Doch wie das so ist in unserem Hobby, beherzigt man die Weisheit, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, nur halbherzig. Das Loslassen liebgewonnener, markanter Tour-Begleiter eines ganzen Jahrzehnts der Fotografie in der Franche-Comté fällt doch schwer. Also war ich auch Anfang Mai noch einmal dort, auf der Suche nach den aller letzten Abschnitten mit Doppelmasten, deren Drähte noch nicht vollständig geplündert sind.

Fündig wurde ich unweit des Bahnhofs Vitrey-Vernois mit seiner wie eh und je vor dem alten Empfangsgebäude stehenden "Déesse" (von Citroën), die wohl jedem, der schon einmal dort war, ins Auge gestochen sein wird. Ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit schien mir an diesem Morgen die seit ein paar Monaten die Fotoausstattung bereichernde 135mm-Festbrennweite als das adäquate Mittel, um das Spalier der Masten in Szene zu setzen. Telegraf und Teleobjektiv klingen ja schließlich auch schon ähnlich...;)

Protagonist auf den Schienen war ein Coradia Liner (B 85000), der die Frühleistung TER 839550 (Mulhouse - Paris Est) erbrachte, die noch im Morgengrauen um kurz nach fünf die elsässische Industriestadt in Richtung Capitale verlässt.

PS: Eine etwa auf Höhe des Triebwagens quer zum Gleis verlaufende Stromleitung habe ich nachträglich entfernt, ebenso das dritte Spitzenlicht der Realität entsprechend wieder erhellt (das leidige Darstellungsproblem der modernen Scheinwerfer bei kurzen Verschlusszeiten).

Datum: 08.05.2022 Ort: Vitrey-Vernois [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 85000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 24 Punkte

8 Kommentare [»]
Optionen:
 
H F
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 21.05.22, 22:22 sternsternstern Top 3 der Woche vom 05.06.22
Na, wer weiß, was sich hinter den beiden Großbuchstaben H und F verbirgt, die hier nicht nur als Bildtitel herhalten müssen, sondern auch in großen Lettern am leuchtend weißen Kesselwagen prangen? Wer in der Schule im Chemieunterricht aufgepasst hat, ist bei der Lösungssuche auf jeden Fall klar im Vorteil...;)

Doch ganz der Reihe nach:
Nicht mehr viele Güterverkehrsstellen gibt es, die im südfranzösischen Département Gard noch regelmäßig angefahren werden. Sie lassen sich ziemlich genau an einer Hand abzählen. Neben Mineralwasser und Drahtrollen, Quarzsand und Betonschwellen, generiert auch noch ein Anschließer aus dem Bereich der chemischen Industrie einen spärlichen Schienengüterverkehr: Der Solvay-Standort in Salindres bei Alès, gelegen an der im Übrigen stillgelegten Strecke nach Bessèges!

Während noch in den 1990er-Jahren werktäglich ein stattlicher Güterzug die Wiege der französischen, ja weltweiten Aluminiumfertigung erreichte - ein schönes Video davon findet sich auf Yotube [www.youtube.com] -, ist zwanzig Jahre später davon nur noch wenig übrig. Für die Anlieferung eines einzigen Produkts ist Solvay der Schiene bis heute treu geblieben.

Und da kommen unsere beiden Buchstaben wieder ins Spiel: HF - Die chemische Summenformel für Fluorwasserstoff! Der stark giftige und ätzende Stoff bildet entweder gasförmig oder in seiner flüssigen Form als Flusssäure die Basis verschiedener chemischer Prozesse und wird ihn wohldosierter Menge auch in Salindres benötigt. Die damit verbundenen Sicherheitsvorkehrungen sind immens, wie mir bei meinem Besuch vor Ort einer der Rangierer der Werkslok eindrucksvoll erläuterte. Unter anderem ist die Entladestelle mit Sensoren ausgestattet, die bei der kleinsten Fortbewegung des Kesselwagens vom Anschlussstutzen sofort einen Alarm auslösen...

Die besondere Gefährlichkeit und die damit verbundenen hohen Auflagen im (internationalen) Straßengüterverkehr sind auch der Grund, warum das Produkt nach wie vor mit der Eisenbahn nach Salindres transportiert wird. Meines Wissens übrigens ausschließlich von zwei deutschen Standorten aus: Solvay in Bad Wimpfen und/oder Lanxess in Leverkusen. Zu diesem Zweck fährt SNCF Fret etwa einmal im Monat mit ein bis zwei speziellen und entsprechend gekennzeichneten Kesselwagen nach Salindres.

Eine jener Bedienungen fand am 23. September 2021 statt. Da das kurze Reststück der Strecke nach Bessèges nicht allzu fotogen ist, zeige ich den Zug hier in der Ortsdurchfahrt von Boucoiran südlich von Alès in Richtung Nîmes, also bereits auf dem zweigleisigen Südabschnitt der Cevennenbahn. Doch auch hier, wo die Bahn in kühner Trassierung zwischen Steinmauern und Platanen verläuft und mitten unter dem (ehemaligen) Rathaus hindurch taucht, ist diese rare Übergabe eigentlich der einzig sinnvoll umzusetzende Zug, denn die potentiell ebenfalls im passenden Zeitfenster vorbei kommenden TER sind allesamt recht lange AGC/BGC-Triebwagen.

Für die Traktion des FRET 415623 ([Salindres -] Alès - Nîmes) eingeteilt war an diesem Tag die BB 75114, eine der von Miramas aus eingesetzten Diesel-Primas, die einem in Südfrankreich immer wieder begegnet. Zumindest für einen Teil der sympathischen Crew, die mich etwa zwei Stunden vorher bei unserem ersten Aufeinandertreffen sofort mit Handschlag begrüßt hat, wird allerdings schon bald in Nîmes der Feierabend rufen.

Datum: 23.09.2021 Ort: Boucoiran [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 29 Punkte

13 Kommentare [»]
Optionen:
 
Multi-le-Lac
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 15.05.22, 19:49
Mit meinem letzten Upload habe ich den Nachtzug von Paris nach Briançon in seiner aktuellen Zusammenstellung auf der "Ligne du Col de Cabre" gezeigt, wo er nur in absoluten Ausnahmefällen bei Tageslicht unterwegs ist. Etwas planbarer ist das jenseits von Veynes, allerdings auch dort an den meisten Stellen nur wenige Wochen rund um die Sommersonnenwende. Reisen wir also zurück in den Juli 2015, als der Zug, der allen Einstellungswellen und Verkehrstagebeschränkungen im französischen Nachtzugverkehr trotzen konnte und die Capitale - von baubedingten Ausnahmen abgesehen - nach wie vor an (quasi) 365 Tagen im Jahr mit den Hochalpen verbindet, noch mit den altbewährten Dieselloks der Reihen BB 67300 und 67400 bespannt war.

Kaum hatten sich die Schatten um kurz vor halb acht weit genug vom Gleis zurück gezogen, erschien INT 5793 (Paris Austerlitz - Briançon) am 22. Juli 2015 auch schon mit einer reinrassigen Unité multiple aus BB 67408 und BB 67330, beide in der fotogenen Multiservice-Livrée mit leuchtend roter Front, auf der Bildfläche. Da ich ein blaues Doppel auf der Strecke schon mehrfach fotografiert hatte, war das damals genau meine Wunsch-Konstellation! :)

Zu sehen ist der Zug beim Passieren eines Seitenarms des Lac de Serre-Ponçon auf dem Viaduc du Réallon, nachdem er zuvor den oberhalb des letzten Wagens erkennbaren "neuen" Bahnhof von Savines-le-Lac durchfahren hat, wo gleichwohl schon länger keine Züge zum Fahrgastwechsel mehr halten. In Betrieb genommen wurde die weit abseits des namensgebenden Orts auf der anderen Seeseite gelegene Station 1960 im Zuge einer partiellen Neutrassierung der Strecke, die notwendig geworden war, als man ab 1957 begann, die Durance zu einem großen Stausee aufzustauen. Noch heute lassen sich bei Niedrigwasser Überreste der alten, mittlerweile versunkenen Streckenführung entdecken: [fr.wikipedia.org]

Zuletzt bearbeitet am 15.05.22, 19:59

Datum: 22.07.2015 Ort: Savines-le-Lac [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 19 Punkte

9 Kommentare [»]
Optionen:
 
Le malheur des uns fait le bonheur des autres
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 07.05.22, 20:51
Die Bahnlinie von Livron im Rhônetal entlang der Drôme durch das Diois und weiter über den Col de Cabre nach Veynes in den französischen Alpen ist schon allein wegen ihrer landschaftlichen Schönheit immer eine Reise wert. Zudem ist sie eine der letzten Domänen der Marseiller "Aspirateurs" (X 72500), die es mir mit ihrem kernigen Motorensound und dem schnörkellosen, klaren Design irgendwie angetan haben.

In den Hintergrund tritt dabei aus der fotografischen Warte gerne, dass die Strecke auch noch von einem täglichen lokbespannten Zugpaar befahren werden: Dem Intercités de nuit von Paris nach Briançon! Das liegt ganz einfach daran, dass es selbst im Hochsommer in beiden Richtungen bei tiefer Dunkelheit durch das Tal rollt. Jedenfalls, wenn alles läuft, wie es sollte.

So schaute ich am 26. April 2022 in aller Herrgottsfrühe auch nur aus reinem Interesse in die SNCF-App, ob der Nachtzug denn schon im Bahnhof von Die eingetroffen war, wo ich mich gerade auf Durchreise befand. Planmäßige Ankunft dort: 5:17 Uhr. Der Blick brachte die Erkenntnis, dass er wegen "régulation du trafic" (die deutsche Entsprechung wäre die berühmt-berüchtigte "Verzögerung im Betriebsablauf") etwa 40 Minuten später aus der Hauptstadt eintreffen sollte. Da sparte ich mir den Abstecher zum Bahnhof - zunächst ohne der Sache weitere Beachtung zu schenken - und setzte meinen Weg talaufwärts fort, dem ersten gegen halb neun erwarteten Triebwagen-Foto entgegen.

Als ich am Ziel Beaurières angekommen im Morgengrauen nach der optimalen Fotostelle für eben jenen X 72500 suchte und vom Nachtzug immer noch nichts zu sehen oder hören gewesen war, dämmerte mir langsam, was Sache war. Um die beiden am Morgen entgegen kommenden TER-Züge nicht zu verspäten, ließ man den ohnehin unpünktlichen Nachtzug wegen des folgenden langen Abschnitts ohne besetzte Kreuzungsbahnhöfe kurzerhand in Die stehen. Schnell durchkalkuliert - Das könnte ja echt was werden mit Sonne im Tal, sensationell! Die Lebensgeister waren trotz der frühen Stunde aber ganz schlagartig hellwach...;)

Und tatsächlich kletterte die Sonne eine Viertelstunde vor der errechneten Durchfahrtszeit an genau einer Stelle kurz vor Beaurières, glücklicherweise an einer der für die "Col de Cabre"-Linie so typischen Fachwerkbrücken, über die Berge. Der leichte Restnebel, der im Tal hing, und die leere Straße im Vordergrund machten mein Glück perfekt, als die solo fahrenden BB 75300 den INT 5789 (Paris Austerlitz - Briançon) schließlich mit beinahe zwei Stunden Verspätung dem Scheiteltunnel entgegen wuchtete. Für die Fahrgäste war die Aktion natürlich weniger schön, aber des einen Leid ist oft eben des anderen Freud'...

PS: Graffiti am Sitzwagen, der als Ersatz für die derzeit eine Renovierung durchlaufenden Ruhesesselwagen hinter der Lok eingereiht war, habe ich entfernt. Der ist zwar eh ziemlich bunt, aber egal. ;)

Datum: 26.04.2022 Ort: Beaurières [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75300 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 9 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
25 dans le 25
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 09.04.22, 14:27
Noch bis vor etwa fünf Jahren war der Regionalverkehr im Doubstal ein wahres Paradies für Freunde klassischer SNCF-Fahrzeuge der Siebziger- und Achtzigerjahre. Neben Corail-Wendezügen mit BB 22200, die vor allem die langlaufenden TER Lyon - Belfort abdeckten, teilten sich einen Großteil der übrigen Regionalzüge Z2-Triebwagen mit lokbespannten RRR-Garnituren. Die dafür eingesetzten BB 25500 des Dépôts Dijon fielen bis zu ihrem Einsatzende im Frühjahr 2017 meist durch einen tadellosen Pflegezustand positiv auf.

Eine dieser Maschinen war die BB 25634, mit ihrer sauberen betongrau-orangen Livrée immer wieder ein gern gesehenes Fotoobjekt entlang des Flusses, der auch dem Département mit der zur Baureihe passenden Ordnungsnummer 25 seinen Namen verlieh. Am 18. März 2016 war sie für den Plantag 4 des zum damaligen Zeitpunkt noch viertägigen Umlaufplans eingeteilt, der als geschobene Leistung unter anderem den TER 894014 (Belfort - Besançon) enthielt. Daher bot es sich an, ihn unterhalb der Felsen von Fourbanne abzupassen, wo die Bahnstrecke auf einer hohen Stützmauer verläuft und ein Zug auf dem vorderen Gleis von Vorteil ist. Die Spezifika des Linksverkehrs...;)

Wenige Monate nach der Aufnahme wurde die Lok übrigens noch einmal kurzzeitig ins Elsass versetzt, wo sie ihre Straßburger Schwestern im Einsatz nach Saverne und Sélestat unterstützte. Am 1. Dezember 2017 quittierte sie schließlich als letzte Vertreterin ihrer Baureihe bei der STF Bourgogne-Franche Comté in Dijon den Dienst.

Datum: 18.03.2016 Ort: Fourbanne [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 25500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 3 Punkte

2 Kommentare [»]
Optionen:
 
Ferro-ornithologie
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 30.03.22, 19:10
Die Lagunenseen im Roussillon, die sich südlich von Narbonne zwischen der Mittelmeerküste - dem Littoral - und den ersten bergigen Ausläufern der Corbières erstrecken, sind ein einzigartiger und faszinierender Naturraum. Hier zerfließen nicht nur die Grenzen von Salz- und Süßwasser im steten Wandel, sondern auch die optischen Eindrücke wechseln ständig mit dem Lauf der Sonne und den auf- und abflauenden Böen der Tramontane, die immer wieder neue Muster auf die Oberflächen der großen und kleinen Seen zaubern.

Von der Ramsar-Konvention - einem der ältesten völkerrechtlichen Verträge zum Naturschutz - umfasst, ist das Feuchtgebiet eine wichtige Zwischenetappe und Lebensraum für Zugvögel. Das hört und sieht man im Sommer auch allerorten und selbst wenn man mit Vogelbeobachtung eigentlich nicht viel am Hut hat und einem dieser Zeitvertreib eher verschnarcht vorkommt, kann man sich der Faszination eines landenden Flamingo-Schwarms oder den auf Futtersuche durchs Wasser stolzierenden Vögeln nur schwer entziehen.

Und dass dann sogar noch eine Bahnstrecke mitten hindurch verläuft... Da bleiben doch wirklich keine Wünsche mehr offen! ;)

In den letzten Sonnenstrahlen des 19. September 2021 rauschte auf eben jenem Schienenstrang eine unerkannt gebliebene BB 7200 in silberner Fantôme-Livrée mit einer stattlichen Corail-Garnitur als Intercités de nuit 3730 (Cerbère - Paris Austerlitz) der einsetzenden Nacht entgegen. Beobachtet habe ich sie an der Saline von La Palme am gleichnamigen Étang, der an diesem Abend von zahlreichen Flamingos bevölkert war.

Datum: 19.09.2021 Ort: La Palme [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 14 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
Grattery voit rouge
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 29.03.22, 18:35
Der frostige Morgen des 13. Februar 2022 stand ganz im Zeichen der letzten, auf einem kurzen Abschnitt der "Ligne 4" westlich von Vesoul noch verbliebenen Doppeltelegrafenmasten mit (mehr oder minder) intakten Freileitungen. Etwa eine Dreiviertelstunde nach dem zuletzt gezeigten Porträt [www.drehscheibe-online.de] grummelte es im Wald zwischen Port-sur-Saône und Grattery. Wenig später schob sich das Objekt der Begierde aus dem schattigen Einschnitt in einen der ersten Sonnenspots des Tages.

Es war wieder einmal der sonntägliche Zug mit der mittlerweile vertrauten Nummer 60905 auf seinem Weg von Châlons-en-Champagne nach Bantzenheim, der feinen Quarzsand aus der Sibelco-Sandgrube in Montgru-Saint-Hilaire zum Floatglaswerk der Euroglas in Hombourg/Haut-Rhin bringt.

Bestens in die von der flachen Wintersonne zu so früher Stunde noch rötlich illuminierten Bäume passte sich die Zuglok, die €4044 von Captrain France, ein. Mittelfristig wird diese Farbgebung leider von den Gleisen verschwinden, denn seitdem die privatrechtlich organisierte SNCF-Spartentochter VFLI (= Voies Ferrées Locales et Industrielles) im Zuge einer namensmäßigen Vereinheitlichung mit dem Angebot außerhalb der eigenen Landesgrenzen seit dem 01. Januar 2021 als Captrain France firmiert, ist Neongrün die neue Unternehmensfarbe. Bei neu gelieferten Loks wie den €4001 von Stadler ist sie bereits ab Werk vorgesehen, aber auch erste Bestandsmaschinen sind mittlerweile schon in der neuen Corporate Identity am Start.

Datum: 13.02.2022 Ort: Grattery [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-EURO 4000 Fahrzeugeinsteller: Captrain
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 4 Punkte

2 Kommentare [»]
Optionen:
 
Die letzten Träume träumen
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 28.03.22, 18:55
Telegrafenleitung und Bahnlinien - Zwei miteinander in engem Zusammenhang stehende Kommunikationswege, die seit ihrer Erfindung Menschen in der Literatur und im echten Leben gleichermaßen zum Träumen verleiteten. Leider sind die Drähte längst kein selbstverständlicher Begleiter des Schienenstrangs mehr und in die Poesie der in die Ferne führenden Verbindung mischt sich dort, wo es sie noch gibt, Wehmut, die Melancholie des Vergänglichen, des bald endgültig Vergangenen...

Lange Jahre über strahlte die "Ligne 4" in Frankreichs Osten noch den Nimbus einer klassischen Bahnstrecke mit allen zugehörigen Accessoires aus und das Auge konnte auch in den langen Zugpausen zwischen zwei Großdieseln immer Neues entdecken. Besonders faszinierend war stets die filigrane Konstruktion der SNCF-Telegrafenmasten mit den auf geschwungenen Haltern sitzenden Isolatoren. Die Spielarten reichten vom schlichten Einzelmast aus Holz bis hin zu eisernen Doppelmasten mit opulentem, beinahe kunstvollem "Isolatoren-Besatz".

Grund genug für mich, diesem willkommenen Begleiter zahlloser Fototouren in die Franche-Comté noch einmal ein Denkmal zu setzen, ehe es endgültig zu spät ist. Westlich von Vesoul hat sich auf einem kurzen Abschnitt auch im Jahr 2022 noch eine relativ intakte Telegrafenstrecke erhalten. Doch auch hier hat man mittlerweile angefangen, die ersten Drähte zu kappen. Müde hängen sie im Licht der tief stehenden Sonne hinunter und lassen erahnen, dass auch hier die letzten Träume von klassischer Eisenbahn aus dem (vor-)letzten Jahrhundert bald geträumt sein werden...

- Grattery, 13. Februar 2022 -

Datum: 13.02.2022 Ort: Grattery [info] Land: Europa: Frankreich
BR: Sonstige (keine Fahrzeuge) Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stillleben
Top 3 der Woche: 21 Punkte

15 Kommentare [»]
Optionen:
 
Die Luxusversion
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 18.03.22, 20:06
Das wundervolle Causses-Foto von Johannes (Po12) [www.drehscheibe-online.de] hat mich bewogen, mal wieder ins Archiv zu greifen und euch ebenfalls einen Z2 in den freundlichen und ausgesprochen fotogenen Farben der (ehemaligen) Région Languedoc-Roussillon zu zeigen.

Und zwar nicht irgendeinen, sondern die "Luxusversion" der Z2-Familie. Gegenüber den Z 7300 als schnöden "Omnibus"-Triebwagen waren die Z 7500er bei ihrer Beschaffung Anfang der 80er Jahre für den Express-Dienst - u.a. im Rhônetal - vorgesehen, was ihnen im Innenraum ein paar Änderungen einbrachte. Dazu zählten neben einer teilweisen Reihenbestuhlung anstatt ausschließlich vis-à-vis-Sitzgruppen kleine Annehmlichkeiten wie Klapptischchen oder mehr Sitzplätze in der ersten Wagenklasse. Sicher nichts Weltbewegendes, aber immerhin ein wenig mehr Esprit für die zweckmäßigen Triebwagen!

Im Aufnahmejahr 2017 wurden die zu diesem Zeitpunkt drei noch in Südfrankreich betriebsfähigen Fahrzeuge Z 7504, 7508 und 7514 (die Ausmusterung ereilte sie erst 2020) längst ohne Unterschiede zu den Z 7300 eingesetzt. So gelangten sie auch regelmäßig auf die "Ligne des Causses" Béziers - Neussargues mit ihren charakteristischen Ogives, den Portalfahrleitungsmasten der Chemins de fer du Midi.

Dass das Foto des TER 878950 (Béziers - Saint-Chély-d'Apcher) an klassischer Stelle mit Blick auf den Viadukt zu Füßen des Bergdorfes Compeyre ohne Abstriche klappen sollte, war allerdings alles andere als selbstverständlich. Einerseits war der Fahrzeugeinsatz sowohl beim morgendlichen TER als auch beim Intercités "Aubrac" immer für eine Überraschung gut und ob ein AGC oder ein Z2 auftauchen würde, war (gefühlt) oft pure Lotterie. Andererseits boten vor allem die Z2 eine breite Palette an Außengestaltungen: Von einigermaßen sauber über leicht mit Tags bemalt bis hin zu Graffiti vom Rahmen bis zur Dachkante. Insofern hatten wir drei angereisten Fotografen an diesem 7. August 2017 einfach richtig Schwein gehabt...! Z 7514 brachte nämlich die neue Definition von Luxus mit - wenigstens graffitifrei ;)

Datum: 07.08.2017 Ort: Compeyre [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 7500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 13 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
Nord gothique
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 21.02.22, 19:03
Nordfrankreich ohne seine gotischen Kathedralen, das ist ebenso undenkbar, wie Paris ohne den Eiffelturm oder das Loiretal ohne seine Schlösser. Jede Stadt, die etwas auf sich hält, trumpft in ihrem Zentrum mit einem altehrwürdigen Sakralbau aus dem Mittelalter auf, mal mit zwei, mal mit einem oder auch mal ganz ohne Turm, mal filigran, mal trutzig, aber in den Dimensionen bloß nicht zu sparsam. Neben den drei klassischen Kathedralen der französischen Hochgotik in Chartres, Reims und Amiens, die allesamt Teil des UNESCO-Welterbes sind, finden sich zwischen Normandie und Champagne, Artois und Beauce unzählige weitere Exemplare, die andernorts wahre Tourismusmagneten wären, im Schatten der berühmten "Konkurrenz" aber wohl nur bei eingefleischten Kulturreisenden auf dem Programm stehen.

Manche von ihnen lassen sich sogar gemeinsam mit der Bahn ins Bild rücken! Der am höchsten im Kurs stehende dieser Blicke dürfte jener in Laon sein, der bereits Eingang in die Galerie gefunden hat (-> [www.drehscheibe-online.de] ). Demgegenüber weitgehend unbekannt ist, dass das Sujet "Bahn und Kathedrale" auch mit der Basilika von Saint-Quentin möglich ist, die zwischen dem zwölften und sechzehnten Jahrhundert anstelle einer früheren Abtei über der Stadt thronend errichtet wurde und als Aufbewahrungsort der (vermeintlichen?) Reliquien des Quintinus - einem jener frühchristlichen Märtyrer, über die eigentlich recht wenig bekannt ist - zu Hochzeiten der christlichen Wallfahrten im Mittelalter eine gewisse Bedeutung erlangte.

Die Umsetzung gestaltet sich allerdings nicht ganz einfach, denn der Verkehr auf der Nebenbahn, die Saint-Quentin ostwärts verlässt und heute noch bis ins gut 20 Kilometer entfernte Origny-Sainte-Benoite führt, ist ausgesprochen dünn. 1874/75 von der Compagnie du chemin de fer de Saint-Quentin à Guise als "voie ferrée d'intérêt local" eröffnet, diente sie seit jeher nur lokalen Bedürfnissen und lag stets abseits der großen Verkehrsströme. Ihren planmäßigen Personenverkehr verlor sie 1968 und ein später von der Chemin de fer touristique du Vermandois etablierter Museumsverkehr ruht derzeit wegen einer maroden Brücke über die Oise (bzw. den parallel laufenden Kanal), sodass 2022 allein der bescheidene Güterverkehr zur Tereos-Zuckerfabrik in Origny für minimalen Betrieb auf den Gleisen sorgt, die SNCF Réseau im Auftrag der Région Hauts-de-France als heutige Eigentümerin mit dem Nötigsten an Aufwand instand hält.

Wenn pro Woche zwei Zugpaare unterwegs sind, hat man Glück und das Maximum ist erreicht! Seit Jahresbeginn gibt es neben einer Trasse am frühen Mittwochmorgen, die fotografisch gesehen höchstens im Hochsommer etwas hergeben könnte, auch eine Bedienung am Montagmittag, die am Kathedralenblick genau zur richtigen Zeit unterwegs ist. Vor zwei Wochen, am 7. Februar 2022, war die BB 75409 mit FRET 417501 (Tergnier - Saint-Quentin [- Origny-Sainte-Benoite]) unterwegs. Nach dem Kopfmachen in Saint-Quentin rollt sie im gemächlichen Tempo dem Zielbahnhof entgegen, wo der einzelne Kesselwagen mit in der Zuckerfabrik produziertem Alkohol beladen werden wird. Für die 23 Kilometer Streckenlänge braucht sie insgesamt rund eine Stunde...

Da sie sich dabei den Weg über die zahlreichen unbeschrankten Bahnübergänge, die sich seit Verlassen des Stadtgebiets aneinanderreihen, unter ständigem Pfeifen bahnt, wird sogar der "Ado" (dem englischen "Teenie" verwehren sich die Franzosen mal wieder entschieden ;)), der den schlammigen Feldweg als Rückweg aus der Stadt in sein kleines Dorf nutzt, einmal kurz vom Smartphone aufgeschreckt und schaut einigermaßen erstaunt in Richtung des Zuges, der ihn zu einem kurzen Stopp am Bahnübergang zwingen wird.

Zuletzt bearbeitet am 21.02.22, 21:38

Datum: 07.02.2022 Ort: Neuville-Saint-Amand [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

12 Kommentare [»]
Optionen:
 
Picasso se fait entendre
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 19.02.22, 20:12
Kehren wir noch einmal zurück auf die verschneite Hochebene von Gilley und damit zur Sonderfahrt des "Picasso" X 4039 der Association des Autorails de Bourgogne Franche-Comté (A.B.F.C), die ihn am 15. Januar 2022 auf die "Ligne des Horlogers" Besançon - Morteau führte. Für den 1960 in Dienst gestellten Triebwagen-Veteranen war das ein Wiedersehen mit jener Strecke, wo knapp 37 (!) Jahre zuvor seine zweite Karriere als Museumsfahrzeug begann, die zeitlich mittlerweile längst sein "erstes Leben" im Planbetrieb (1960 - 1982) überschritten hat.

Wie schon auf der Hinfahrt (-> [www.drehscheibe-online.de] ), brachte der Pensionär auch auf der Rückreise als Train spécial 801006 (Morteau - Besançon) eine üppige Verspätung mit, die mich überhaupt erst den gezeigten Blickwinkel wählen ließ, wo zur Planzeit das Seitenlicht noch etwas zu wünschen übrig gelassen hätte.

Mit gut einer halben Stunde Plus verschaffte sich "Picasso" schließlich Gehör, als er auf seiner Bergfahrt aus dem Flusstal des oberen Doubs hinauf zum 920 Meter hohen, zwischen Gilley und Longemaison gelegenen Scheitelpunkt seinen erkennbar geforderten 250kW-Motor in den unterschiedlichsten Tönen erklingen ließ. Für den Lokführer in der charakteristischen Dachkanzel oberhalb der Antriebseinheit sicher noch einmal ein anderes Spektakel!

Datum: 15.01.2022 Ort: Gilley [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 3800 Fahrzeugeinsteller: Autorails de Bourgogne Franche-Comté (ABFC)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
Le fil lisse commence son voyage
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 11.02.22, 18:06
In der südlichen Peripherie von Nancy hat sich mit der Produktionsstätte SAM Neuves Maisons ein Stück der einstmals umfangreichen Lothringer Montanindustrie bis heute erhalten. 1872 als Société Métallurgique de Haute Moselle gegründet - auch als Reaktion auf den Verlust praktisch aller bedeutenden Eisenwerke im lothringischen Becken an Deutschland nach dem Krieg von 1870/71 - , gehört der metallverarbeitende Betrieb heute zum italienischen Riva-Konzern und hat sich insbesondere auf die Produktion von Drahtrollen spezialisiert. Etwas mehr Geschichte gibt es auf der Homepage des Unternehmens: [www.rivaacier.com]

War schon bei der Gründung vor 150 Jahren die unmittelbare Nähe zur Eisenbahnstrecke, der derzeit nur noch in Teilabschnitten befahrenen "Ligne 14" Nancy - Merrey (- Dijon), einer der Hauptgründe für die Ansiedlung, spielt die Bahn neben Binnenschiff und LKW auch heute noch eine gewisse Rolle in der Logistik des Werkes. Drei- bis viermal pro Woche verkehrt eine Übergabe von Blainville-Damelevières nach Pont-Saint-Vincent, dem nächsten in der Nachbargemeinde von Neuves-Maisons am anderen Moselufer gelegenen Bahnhof. Angeliefert wird Schrott als Rohstoff, abgeholt die fertigen Produkte, allen voran die bereits erwähnten schweren Drahtrollen.

Am 2. März 2021 war BB 60022 für die Bedienung eingeteilt und zog morgens um viertel nach neun unter anderem zahlreiche beladene Rungenwagen aus dem Gleisanschluss von SAM über die elegante Brücke, die auf zahlreichen flachen Bögen die Mosel überspannt, nach Pont-Saint-Vincent, wo sie im Güterteil des Bahnhofs umsetzen wird, ehe die Rollen ihre Reise als FRET 412711 (Pont-Saint-Vincent - Blainville-Damelevières) antreten werden. Von Blainville aus geht es dann weiter zu ferneren Zielen... Das Wasser, in dem sich die Szene spiegelt, gehört übrigens nicht zur Mosel, sondern gerade so noch zum hier mündenden Madon.

Zuletzt bearbeitet am 11.02.22, 18:39

Datum: 02.03.2021 Ort: Pont-Saint-Vincent [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 10 Punkte

6 Kommentare [»]
Optionen:
 
Le quotidien de jadis
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 03.02.22, 15:41
Port-sur-Saône ist eine 3000-Einwohner-Gemeinde am Ostufer des gleichnamigen Flusses. Eine lange, zur Flussbrücke hinab führende Hauptstraße mit einer Kirche, einer Bar, einem Tabac-Presse, einem kleinen Supermarkt und einer Tankstelle. Alles da, was man braucht, aber eben ohne besondere Highlights - Alltag, wie es ihn in vielen Orten gibt. Zu diesem Alltag gehörte lange Jahre über leider auch eine erdrückende Blechlawine, viele LKW inklusive, bergauf unendlich langsam und laut, bergab oft viel zu schnell. Denn die Hauptstraße war gleichzeitig Teil der Route Nationale 19 von Paris über Troyes, Langres und Belfort zur Schweizer Grenze bei Delle. Seit 2021 aber haben die Portusien(ne)s endlich weitgehend Ruhe davon, denn der Durchgangsverkehr wurde auf eine vierspurige Umgehungsstraße verbannt.

An Bedeutung eingebüßt hat damit auch die hübsche Steinbogenbrücke, welche die am östlichen Ortstrand verlaufende "Ligne 4" Paris - Belfort, jenen viele Generationen von Passionnés faszinierenden Schienenstrang, überspannt und vermutlich auf deren Eröffnungszeit in den 1850er Jahren zurückgeht. Als sich die LKW-Kolonnen noch darüber wälzten, musste man immer etwas bibbern, dass nicht gerade zur Zugdurchfahrt einer davon unfotogen durchs Bild rollte. Am 21. Januar 2017 hatte ich jedoch Glück (gleichwohl war ein Twingo zur Stelle, dessen ein Stück über die Brüstung ragendes Dach ich mittels Photoshop weggepixelt habe).

Ebenso Alltag waren zu diesem Zeitpunkt noch für wenige Wochen die lokbespannten Corail-Schnellzüge, über die hier und an anderer Stelle bereits viel geschrieben ist. Bei leichten Minusgraden war es an jenem Januartag die CC 72190 mit INT 1541 (Paris Est - Belfort), die aus der langen, sich in der Ferne verlierenden Geraden kommend unter der Brücke hindurch wummerte und sich in die unmittelbar anschließende Kurve legte. An Lok und insbesondere Wagengarnitur hatte der winterliche Bahnbetrieb sichtbar Spuren hinterlassen, sodass nur noch ein Teil der hellblau-silbernen Frontpartie der "En voyage"-Maschine etwas glänzte. Unprätentiös, aber immer wieder ein schönes Erlebnis, bis zur Ablösung durch die Coradia Liner vor nunmehr auch schon wieder fast fünf Jahren!

Datum: 21.01.2017 Ort: Port-sur-Saône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-CC 72100 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 11 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
Rouge/crème meets blanc/bleu
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 01.02.22, 15:03
Wie ich schon unter meinem letzten Foto anklingen ließ, war das eigentliche Ziel am 15. Januar nicht der Alltagsbetrieb auf der "Ligne des Horlogers", sondern der Abstecher eines SNCF-Veteranen auf die Strecke im Jura. Der heute vom rührigen Team der Association des Autorails de Bourgogne Franche-Comté (A.B.F.C) gepflegte "Picasso" X 4039 in seiner zeitlos eleganten rot-cremefarbenen Livrée! "Rouge/crème" macht sich nicht nur hervorragend als Kontrast zur von Weiß- und Blautönen dominierten Schneelandschaft unter dem makellosen Himmel, sondern steht praktisch ebenso wie die umgangssprachliche Bezeichnung "Micheline" als Synonym für eine ganze Reihe französischer Dieseltriebwagen. Der Bogen lässt sich über mehrere Generationen hinweg spannen von den auf Vorkriegskonstruktionen zurückgehenden ABJ und ADX über die 50er und 60er Jahre mit Reihen wie X 2400, X 2800 und X 3800 bis hin zu den "Caravelles". Erst die 1980er Jahre brachten mit den "Schuhkartons" X 2100/2200 und dem Aufkommen regionaler Produktfarben die Abkehr vom über Jahrzehnte klassischen Farbkonzept auf so manch einer französischen (Neben-)Bahn.

Der "Picasso" mit seiner asymmetrisch angeordneten Dachkanzel ist dabei sicher der extravaganteste Vertreter und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit, wie die Vielzahl der bei Vereinen, in Museen und bei Touristikbahnen erhaltenen Exemplare bezeugt. Auf der "Ligne des Horlogers" war er bis Mitte der 80er Jahre planmäßig im Einsatz. Für meine Generation war das für ein Miterleben "live und in Farbe" zwar deutlich zu früh, aber das Wandeln auf den historischen Spuren anlässlich der kürzlichen Wiedereröffnung der Strecke nach längeren Bauarbeiten war für unsere deutsch-schweizerische Fotografengruppe Grund genug, sich mal wieder "corona-konform" zu einer gemeinsamen Aktion zu treffen.

Ursprünglich wollten wir den Zug auf der Hinfahrt als Train spécial 801005 (Mouchard - Morteau) etwas formatfüllender in Szene setzen, aber die Winterstimmung im kleinen Ort Grand'Combe-Châteleu direkt am teilweise vereisten Doubs, wo ich im Herbst 2016 bereits einmal stand [www.drehscheibe-online.de] , war für einen Teil der Gruppe zu verführerisch, um die Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. Der morgendliche Nebel, der sich glücklicherweise noch rechtzeitig aufgelöst hatte, bescherte den Bäumen und Sträuchern hier eine Raureifschicht, wie sie sich andernorts an diesem Tag nicht ausgebildet hatte. Mit rund einer halben Stunde Verspätung grummelte der Triebwagen schließlich unter fröhlichem Pfeifen dem Endbahnhof Morteau entgegen und sorgte bei Fahrgästen wie Fotografen gleichermaßen für Zufriedenheit. :)

PS: Eine im Zuge der Streckensanierung an der Strecke ausgebrachte, grünlich schimmernde Plane habe ich hier ein bisschen entsättigt.

Zuletzt bearbeitet am 01.02.22, 16:22

Datum: 15.01.2022 Ort: Grand'Combe-Châteleu [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 3800 Fahrzeugeinsteller: Autorails de Bourgogne Franche-Comté (ABFC)
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 27 Punkte

12 Kommentare [»]
Optionen:
 
Hiver dans le Saugeais
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 30.01.22, 16:16 sternsternstern Top 3 der Woche vom 13.02.22
In den Höhenlagen des Juras brachte die Hochdruckwetterlage der letzten Wochen das, was man sich vom Winter in der "Kältekammer Frankreichs" verspricht: Sonne, Schnee und (teilweise) knackige Minusgrade. So stand ich am Morgen des 15. Januar 2022 pünktlich zum Sonnenaufgang bei Gilley bereit, um TER 18108 (Morteau - Besançon) in der von einem weißen Mantel überzogenen Landschaft des Saugeais festzuhalten. Jenem Landstrich am Oberlauf des Doubs, wo 1947 ein scherzhafter Disput zwischen dem damaligen Präfekten des Départements, Louis Ottaviani, und einem örtlichen Gastwirt, Georges Pourchet, zur Ausrufung der Mikronation der freien "République du Saugeais" führte, die bis heute in folkloristischer Form fortgeführt wird, Nationalhymne, eigenen Fernsehsender und selbstredend eine Präsidentin - ihrerseits Nachfahrin des besagten Gastwirts - inklusive...;)

Vor den im Gegenlicht leuchtenden Nebelbänken, die über dem Hochplateau waberten, brummte anstelle der sonst auf der "Ligne des Horlogers" üblichen X 73500 wie so oft in letzter Zeit ein AGC vorbei. Auslöser ist die nach wie vor andauernde baubedingte Sperrung des grenzüberschreitenden Abschnitts von Morteau bis Le Locle, die den Einsatz CH-tauglicher Fahrzeuge entbehrlich macht, sodass noch bis voraussichtlich März der Gesamtverkehr mit den X 76500 bestritten wird. Eine nette Abwechslung, auch wenn mir die "Baleines" optisch eigentlich besser gefallen!

Hauptsächliches Fotoziel war an diesem Tag ohnehin ein ganz anderes Fahrzeug, das sich allerdings erst ein paar Stunden später blicken lassen sollte... Coming soon! :)

Datum: 15.01.2022 Ort: Gilley [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 36 Punkte

17 Kommentare [»]
Optionen:
 
Une ex-alsacienne dans le Quercy
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 08.01.22, 22:52
Das teils zerklüftete, teils liebliche Quercy am südwestlichen Rand des Zentralmassivs ist mit seinen gelblich schimmernden Felsformationen und verwunschenen Bruchsteinhäusern im selben Farbton, mit seinen verschlungenen Sträßlein und geschichtsträchtigen Orten eine überaus reizvolle Landschaft.

Nicht ganz einfach gemacht wird es allerdings dem Bahnfotografen, denn das Streckennetz der ländlichen Gegend ist durch (teils schon lange zurückliegende) Stilllegungen, inklusive landschaftlich wunderschöner Bahnlinien wie Cahors - Capdenac oder Souillac - Saint-Denis-près-Martel (gut, da gibt es immerhin noch Tourismusverkehr auf einem Teilstück), merklich ausgedünnt. Auf den verbliebenen Nebenbahnen dominieren "Baleines" den überschaubaren Regionalverkehr und auch die "POLT" ist in diesem Abschnitt nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Umso erfreulicher ist, dass SNCF Infra in der Gegend zwei seiner landesweit acht Etablissements Industriels des Voies (EIV) betreibt und somit ab und an für interessante Zugleistungen sorgt. Während in Brive die zentrale Instandhaltung aller SNCF-Draisinen stattfindet, befindet sich in Bretenoux an der Strecke von Saint-Denis-près-Martel nach Aurillac das Kompetenzzentrum für alles rund ums Thema Holz, vor allem also die Produktion von Holzschwellen, aber auch Bohlen für Bahnübergänge u.ä.

Mehr oder weniger regelmäßig wird das EIV Quercy-Corrèze, Site de Bretenoux von Brive aus angefahren. Zum Einsatz kommen in der Regel klassische Dieselloks der Reihen BB 67400 oder BB 69000 von SNCF Infra.

Am 17. Dezember 2021 war in den Morgenstunden ein solcher Zug eingelegt. Wir erwarteten ihn zwischen Saint-Denis-près-Martel und Vayrac, wobei die unerträglich langsam über die Bäume kletternde Dezembersonne es spannend machte. Kurz vor der Planzeit leuchtete der Felshang im Hintergrund im Sonnenlicht, während der kürzlich gerodete Bahndamm noch beängstigend stark von Schatten dominiert wurde. Glücklicherweise flatterte in diesen Minuten die Info aufs Handy, dass der erwartete Zug Brive mit etwa 30 Minuten Verspätung verlassen hatte... Das sollte also passen!

Und tatsächlich grummelte der anschwellende Klang des Dieselmotors erst durchs Tal, als sich die Schatten auf ein dekoratives Maß zurückgezogen hatten. Was dann letztlich als Infra 814718 (Brive-Estavel - Bretenoux-Biars) im Bildausschnitt auftauchte, sorgte ebenso für Zufriedenheit: Die blaue BB 67510 mit zweiachsigen Rungenwagen, wie sie im kommerziellen Güterverkehr längst ausgedient haben! Die Lok zählt dabei, wie Basti schnell erkannte, zu den langjährig im Dépôt Straßburg beheimateten Maschinen, die nach der Reduzierung des Elsässer Umlaufplans an die Infrastruktursparte abgegeben wurden.

Auf dem Berg im Hintergrund, dem Puy d'Issolud, lag übrigens nach dem heutigen Stand der Forschung das antike Oppidum Uxellodunum des gallischen Stamms der Kadurker. Dort schlug Julius Cäsar im Jahr 51 v.Chr. die letzte Schlacht seines Gallischen Krieges und setzte einen endgültigen Schlussstrich unter die Eroberung des „freien Galliens“. Weiter leben die Kadurker noch heute im Namen des Landstrichs - Denn das Quercy leitet sich vom lateinischen "Cadurci" ab.

PS: Graffiti auf der Lokflanke digital entfernt

Datum: 17.12.2021 Ort: Saint-Denis-près-Martel [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 12 Punkte

6 Kommentare [»]
Optionen:
 
Zugvögel
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 05.01.22, 20:43
Zugvogel, der: Vogelart, deren Habitat sich regelmäßig in oder unmittelbar an Gleisanlagen befindet. Ideale klimatische Bedingungen für ihre Brutgebiete herrschen insbesondere über Schotter, Schienen oder Weichenstraßen. Nur selten verlassen sie ihr angestammtes Territorium, denn wohl fühlen sie sich nur dort, wo es Züge gibt.

So findet man es in jedem guten Lexikon. Na ja, oder so ähnlich... Irgendwie ;)

Auch wenn vielleicht doch alles ganz anders ist mit den Zugvögeln, hat auf dem Schornstein des Empfangsgebäudes von Sarralbe tatsächlich ein Storchenpaar sein Nest errichtet und kehrt Jahr für Jahr wieder dorthin zurück. Gemeinsam mit zahlreichen Artgenossen, die sich hier im äußersten Zipfel Lothringens angesiedelt haben. Ob am Bahnhof, auf Wohnhäusern, Strommasten, Straßenlaternen oder dem Kirchturm. Obwohl der Weißstorch doch eigentlich nur im benachbarten Elsass der inoffizielle Wappenvogel ist, scheint es ihnen auch im Département Moselle bestens zu gefallen. Die Homepage der Stadt beinhaltet sogar eine entsprechende Webcam [www.sarralbe.fr] Beim Schreiben dieser Zeilen war dort erstaunlicherweise "jemand zu Hause" ;) - Ich dachte bislang, Störche würden im Winter in den Süden fliegen...

Wenn man ein bisschen Glück hat, lassen sich die Tiere auch gemeinsam mit einem Zug einfangen. So am Morgen des 29. März 2021, als die BB 60115 gemeinsam mit einer Schwesterlok eine Leine Kesselwagen zum Ineos-Chemiewerk gebracht hat und nun vor dem beheizten Personalwarteraum im Erdgeschoss des Empfangsgebäudes, am Bahnsteig der ehemaligen direkten Strecke aus Sarreguemines, auf die Rückfahrt als FRET 431018 (Sarralbe - Woippy) wartet. Wenig später werden sich die Loks, wie so oft auch an diesem Tag ohne Last, über die abzweigende Weiche in Bewegung setzen und nach einem sofortigen Richtungswechsel den Rangierbahnhof vor den Toren von Metz ansteuern.

Das Schwellenkreuz im Vordergrund hingegen macht deutlich, dass es in diese Richtung nicht mehr weiter geht. Es handelt sich um die Reste der Strecke nach Bénestroff und von dort aus weiter über Château-Salins nach Champigneulles (Nancy), die im Abschnitt Sarralbe - Bénestroff im Jahr 1970 ihren Personenverkehr verloren hat. Bis Anfang des neuen Jahrtausends wurde noch ein kleines Reststück zum Gleisanschluss Sécométal/Secofab in Rech im Güterverkehr befahren, doch auch das ist inzwischen längst passé. Einziger verbliebener Güterkunde im einstigen Linienkreuz von Sarralbe ist heute Ineos (ehemals Solvay).

Architektonisch ist auch das Bahnhofsgebäude selbst interessant. Errichtet wurde es in nämlich in zwei Etappen. Die vom Betrachter aus gesehen vorderen Gebäudeteile mit dem Dachfirst parallel zur Gleisachse sind einer der "belgischen" Bahnhofsbauten, wie sie in Lothringen an einigen wenigen Bahnlinien realisiert wurden, deren Bau infolge der Weigerung der Compagnie de l'Est zur Nutzung der ihr zuvor erteilten Konzessionen an die Chemins de fer de l’État belge übertragen wurde. Da Belgien im deutsch-französischen Krieg 1870/71 neutral war, konnten die unter deren Ägide begonnenen Strecken samt Bahnbauten auch unter deutscher Verwaltung fertiggestellt werden. 1877/78 ergänzten die nunmehrigen Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) das Ensemble um einen größeren Sandsteinbau inklusive eines repräsentativen Turms (im Bild links), der seitdem der höchste Teil des Gebäudes ist und sogar das Storchennest überragt. ;)

(Mehr zu den Bahnhofsbauten im Elsass und dem lothringischen Département Moselle findet sich im neuen EK-Buch "Eisenbahngeschichte Elsass-Lothringen" auf S. 242 ff.)

Datum: 29.03.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 10 Punkte

6 Kommentare [»]
Optionen:
 
Les volcans enneigés
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 02.01.22, 17:05
Anfang bis Mitte Dezember 2021 sorgten mehrere Tiefdruckgebiete in fast allen Gebirgen Frankreichs, von den Pyrenäen bis ins Jura, für teils ergiebige Schneefälle. Nicht anders war das auch im Massif Central, wobei mit der auf den Schnee folgenden Sonne rasch auch milde Temperaturen einsetzten, die die weiße Pracht vielerorts dahin schmelzen ließen. Nur in den höheren Lagen der Vulkanberge der Auvergne hatte sich auch über die Monatsmitte hinaus noch ein winterliches Landschaftsbild gehalten.

Grund genug für einen kleinen Abstecher an die Bahnlinie Aurillac - Neussargues - Arvant, wenn man ohnehin in der Gegend ist! Denn im Abschnitt um den Scheitelpunkt Le Lioran, wo sich auch ein ausgedehntes Wintersportgebiet erstreckt, erreicht die Strecke immerhin Höhen um 1150 Meter.

Le Lioran hat der aus X 73675 im aktuellen AURA-Design und einem weiteren "Wal" in neutraler TER-Livrée gebildete TER 873843 (Neussargues - Aurillac), Anschlusszug für das Überbleibsel des Causses-Schnellzuges "Aubrac", am 17. Dezember 2021 bereits hinter sich gelassen, als er - stetig bergab fahrend - über den Viaduc d'Elbarat dem nächsten Halt in Saint-Jacques-des-Blats entgegen rollt. Unmittelbar links von uns, die wir nach strapaziöser Suche am durch Schnee und Matsch extrem rutschigen Hang gerade noch rechtzeitig zur Zugdurchfahrt einen passenden Standort inmitten des dichten Bewuchses gefunden hatten, befand sich früher der Haltepunkt Puy Griou, wobei das Stationsgebäude heute noch als Wohnhaus erhalten ist.

Das Landschaftspanorama der weißen Gipfel dominiert indes der gleichnamige Phonolitkegel, dessen markante Spitze bis auf 1694 Meter ansteigt. Er ist einer der zentralen Berge der auf vulkanische Aktivität vor Jahrmillionen zurückgehenden Monts du Cantal, wobei sich die Wissenschaft offenbar streitet, ob es sich um einen erodierten Schlot des vorzeitlichen Cantal-Vulkans handelt oder er erst nach der eruptiven Phase der Gegend entstanden ist.

Datum: 17.12.2021 Ort: Saint-Jacques-des-Blats [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 8 Punkte

5 Kommentare [»]
Optionen:
 
Une gare au milieu de nulle part
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 26.12.21, 12:47
Nichts ungewöhnliches sind Landbahnhöfe, die - der Doppel- oder gar Mehrfachname deutet es in der Regel schon an - der Erschließung mehrerer Orte in der Umgebung dien(t)en, sei es aus geografischen Gegebenheiten oder weil sich ein eigener Bahnhof für jeden Ort wirtschaftlich einfach nicht lohnte. In Frankreich können die namensgebenden Siedlungen mitunter auch mal arg weit abseits der Bahnlinie liegen. Besonders drastisch zeigt sich dies am Beispiel des Bahnhofs Châteauneuf-Bujaleuf im Verlauf der Strecke Limoges - Meymac (- Ussel). Rund acht Straßenkilometer sind es von dort aus ins Zentrum des 1500 Einwohner-Örtchens Châteauneuf-la-Forêt, schlappe sechs kurvenreiche Kilometer nach Bujaleuf (821 Einwohner).

Da verwundert es fast ein bisschen, dass noch 2021 Züge in dem kleinen Landbahnhof halten - Und für französische Nebenbahnverhältnisse gar nicht mal so wenige. Acht Zugpaare sind es unter der Woche, am Wochenende etwas weniger. Auch wenn Châteauneuf-Bujaleuf mittlerweile als point d'arrêt non géré (PANG) betrieben wird, also ohne örtliches Personal, hat er sich viel von seinem Charme vergangener Zeiten bewahrt. Ein äußerlich gepflegtes Empfangsgebäude und auf dem gegenüber liegenden Bahnsteig ein typisches Wartehäuschen, dahinter ein zur Laderampe führendes Nebengleis, ein Wasserkran samt (im Bild nicht sichtbarem) Wasserturm und sogar eine mechanische Vollschranke hat bis ins 21. Jahrhundert überlebt, wenngleich ihr Nutzen ohne zugehörigen Bahnübergang (der ist übrigens selbst auf den ältesten mir bekannten Luftaufnahmen aus den 60er Jahren nicht mehr erkennbar) als reiner Bahnsteigzugang äußerst begrenzt ist...

Als am 18. Dezember 2021 der X 73717 als TER 868602 (Limoges - Ussel) einen Halt einlegte, schaute nur der Zugbegleiter einmal kurz aus einer der Türen hervor. Fahrgastwechsel gab es an diesem Wintersamstagvormittag nicht, sodass schnell wieder Ruhe zwischen den Feldern und Wäldern des Limousins einkehrte, nachdem der Triebwagen unter freundlichem Gruß des Lokführers an die beiden Fotografen davon gebrummt war.

PS: Weißer Farbklecks auf der Front, wohl ein verunglücktes Tag, weggepixelt

Datum: 18.12.2021 Ort: Châteauneuf-Bujaleuf [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 5 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
€tang 4000
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 15.12.21, 15:23 sternsternstern Top 3 der Woche vom 26.12.21
Zu den wohl ungewöhnlichsten Anschlussgleisen im Hexagon gehört zweifelsohne dasjenige des Lafarge-Zementwerks im südfranzösischen Port-la-Nouvelle (vgl. [www.drehscheibe-online.de] ). Es zweigt am nordwestlichen Bahnhofskopf von den Hauptgleisen ab und führt in einem engen Bogen mitten hinein in die Lagunenlandschaft der Étangs, vorbei an Fischerhütten und deren in buntesten Farben schillernden Booten. Als Lagerraum hat - wenn ich das Objekt in Bildmitte richtig deute - sogar der Aufbau eines ehemaligen Kühlwagens in dem illustren Sammelsurium überlebt...

Nachdem die ITE (das steht für "Installation Terminale Embranchée", das französische Äquivalent zum Anschlussgleis) über ein Jahrzehnt ungenutzt und dem Verfall und Bewuchs preisgegeben war, erweckte Lafarge sie Ende 2016 wieder zum Leben. Hintergrund war die zeitgleiche Reduzierung der Unternehmensaktivität am Standort La Couronne bei Angoulême, wo seit Anfang 2017 nur noch die Zementmühle (Broyage) zur Zerkleinerung des bereits zuvor gebrannten Zementklinkers in Betrieb ist. Letzterer wird seitdem per Bahn vom Standort Port-la-Nouvelle aus zugeführt. [www.railpassion.fr]

Mit der Durchführung der zwei- bis dreimal pro Woche stattfindenden Transporte ist Europorte betraut, wobei vor den 1.500 Tonnen schweren Zügen aufgrund der nötigen Rangierarbeiten an den Endbahnhöfen - u.a. auf "unserem" Anschlussgleis - trotz des komplett elektrifizierten Hauptlaufs eine der beindruckenden Euro 4000-Großdieselloks des Unternehmens zum Einsatz gelangt.

Am Morgen des 23. September 2021 war €4034 pünktlich mit dem Leerzug 60201 (Angoulême - Port-la-Nouvelle) am Zielbahnhof eingetroffen. Keine zehn Minuten nach der Ankunft - die Rangiercrew war extrem fix - drückte sie die Wagenschlange bereits quer durch die Lagune in Richtung der Beladestelle auf dem Werksgelände, wo ebenso rasch die Beladung mit Klinker abgewickelt werden und der Vollzug sich noch im Laufe des Vormittags wieder auf die Rückreise machen wird.

Datum: 23.09.2021 Ort: Port-la-Nouvelle [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-EURO 4000 Fahrzeugeinsteller: Europorte
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 19 Punkte

8 Kommentare [»]
Optionen:
 
Deux Bordelaises en vacances
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 12.12.21, 18:01
Seit jeher und noch bis vor wenigen Jahren erlebte die Strecke nach Briançon, wo rund um die nach eigenen Angaben (die einer eingehenden Prüfung allerdings nicht standhalten ;)) höchstgelegene Stadt Europas eine Vielzahl von Pisten auf Wintersportler wartet, in den Monaten Dezember bis März einen teils ausgeprägten Saisonverkehr. Insbesondere galt dies bis zuletzt für die Wochenenden, an denen in Paris die Schulferien begannen und zahlreiche Familien an der Gare d'Austerlitz den Liegewagen in die französischen Alpen enterten. Seit der Saison 2016/17 sind die zusätzlichen Sonderzüge allerdings Geschichte. Nur der planmäßige Nachtzug wird seitdem noch um etliche Wagen verstärkt.

Am ersten Märzwochenende 2013 hingegen waren in der Nacht von Freitag auf Samstag nicht weniger als vier Nachtzüge von Paris nach Briançon unterwegs und boten dem Ansturm an Ski- und Snowboardtouristen auf dem Weg zu den Pisten an Dévoluy, Queyras und Pelvoux eine Alternative zu den chronisch verstopften Straßen. Einer davon war Lunéa 5825 (Paris Austerlitz - Briançon), dessen lange Wagenschlange am Morgen des 2. März 2013 über den imposanten, bis zu 53 Meter hohen Viaduc de la Selle vor den Toren von Gap rollte. Beobachtet vom Portal des gleichnamigen Tunnels aus.

Für die Traktion zuständig waren BB 67424 und BB 67496, die eine weitere Besonderheit der „Pointes hivernales“ verdeutlichen. Um den gegenüber dem Normalbetrieb deutlich gestiegenen Lokbedarf abdecken zu können, sammelte man neben den Maschinen aus dem Stammdépôt Chambéry im ganzen Land weitere BB 67400 ein und spendierte ihnen ein paar Wochen Alpenluft. Die beiden gezeigten Loks waren eigens aus Bordeaux (STF Aquitaine) angereist und für die Dauer der Saisonverkehre in Portes-lès-Valence stationiert.

Eine andere Sichtweise auf den Viadukt mit blauer 67300er-UM: [www.drehscheibe-online.de]

Datum: 02.03.2013 Ort: Gap [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

1 Kommentar [»]
Optionen:
 
Winter in Méjean
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 11.12.21, 18:58 sternsternstern Top 3 der Woche vom 26.12.21
Eine Katze huscht über die leere Straße, die Sport- und Fischerboote wippen im geschützten Hafenbecken sanft auf und ab, während der Wind immer wieder massive Wolken aus dem Landesinneren bis an die Küste trägt. Nur wenige Ausflügler verirren sich in die Calanque-Landschaft, das Bistro "Le Mange Tout" wenige Meter von der Kaikante entfernt hat geschlossen. Winter in Méjean.

Völlig anders als in der Sommersaison, wenn die Côte Bleue - der westlich von Marseille am Steilhang der Chaîne de l’Estaque gelegene Küstenstreifen - Bade- und Bootstouristen, Taucher und Küstenwanderer anzieht und sich die geparkten Autos entlang der schmalen Straßen aufreihen, zeigt sie sich außerhalb der warmen Jahreszeit ziemlich ruhig. Zwei deutsche Fotografen sind am 3. März 2014 trotzdem dort und machen einen kleinen Spaziergang über den "Sentier des Douaniers" in Richtung Cap Méjean.

Schier unvermeidlich fällt der Blick dabei natürlich auch auf den Viaduc de Méjean, eine der unzähligen Brücken im Verlauf der Bahnstrecke von L'Estaque über Martigues nach Miramas. ;) In einem lichten Moment brummte ein vierteiliger B 81500 als TER 879740 (Marseille-St-Charles - Miramas) in Richtung der "Ville cheminote".

Datum: 03.03.2014 Ort: Méjean [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 26 Punkte

14 Kommentare [»]
Optionen:
 
Cathédrale de la Sarre
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 03.12.21, 17:43
Aus dem einstmaligen Bahnknoten Sarralbe, von dem heute nur noch wenig übrig geblieben ist, sind mittlerweile bereits einige Fotos in der Galerie enthalten. Keines jedoch zeigt das von weit her sichtbare Wahrzeichen der Stadt, die katholische Pfarrkirche Saint Martin, landläufig als "Cathédrale de la Sarre" bezeichnet. Auch wenn es mangels zugehörigem Bischof keine "echte" Kathedrale ist, lassen die gemessen an der Größe der Stadt imposanten Dimensionen keine Zweifel aufkommen, wo der Beiname herrührt. Erbaut wurde sie im neogotischen Stil in den Jahren 1904 bis 1907, als Sarralbe - wie das gesamte Département Moselle - unter dem deutschen Namen Saaralben zum "Reichsland Elsaß-Lothringen" gehörte und damit Teil des Kaiserreichs war. Als Baumaterial diente der rosafarbene Vogesensandstein. An weiteren Details der wechselvollen Geschichte der Kirche Interessierten sei dieses kurze Video empfohlen: [www.youtube.com]

Mit dem Bahnverkehr zusammen festhalten lässt sich die Cathédrale de la Sarre am besten in den Wintermonaten, wenn die Vegetation entlang der ehemaligen Strecke nach Sarreguemines über Hambach, die heute nur noch auf wenigen Hundertmetern als Anschlussgleis zum Solvay/Ineos-Chemiewerk befahren wird, einen relativ freien Blick ermöglicht. Die Lücke passt nicht nur längenmäßig ideal für eine solo fahrende Lok, diese ist auch aus einem anderen Grund an dieser Stelle praktisch zwingend: Wenn Last am Zughaken ist, befinden sich die Wagen - auf der Hinfahrt geschoben - nämlich stets rechts der Lok, was naturgemäß wenig fotogen ist...

Am 24. März 2021 hatte ich Glück, dass die DE18 309 von CFL Cargo, eine von insgesamt elf 2017 an die Tochtergesellschaft der luxemburgischen Staatsbahnen gelieferten Maschinen dieses Vossloh-Typs, "haut le pied" nach Sarralbe gekommen war, um dort ein knappes Dutzend leerer Propen/Propylen-Kesselwagen abzuholen und im Verlauf des Vormittags über die "Ligne 9" nach Hausbergen zu bringen.

Datum: 24.03.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: LU-DE18 Fahrzeugeinsteller: CFL
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 7 Punkte

4 Kommentare [»]
Optionen:
 
La vedette de la Bosse
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 29.11.21, 12:46
Der zuletzt vorgestellte Blick ( -> [www.drehscheibe-online.de] ) funktioniert ebenso gut in der Gegenrichtung und zählt vom Portal des Tunnel du Cul-de-Brey n°2 aus wohl zu den klassischen Motiven der "Ligne de la Bosse" Dijon - Vallorbe. Aufmerksame Betrachter des vorangegangenen Fotos werden bereits erahnen, dass der Standort ebenfalls recht "delikat" ist und gutes Schuhwerk voraussetzt... Ich war an diesem Tag jedenfalls nicht böse drum, einen Motivator zur Seite zu haben, der sicheren Schrittes vorangegangen ist. ;)

Hat man sich aber nach einer kurzen ausgesetzten Passage erst einmal mitsamt hausgemachter Éclairs aus der örtlichen Bäckerei bequem über dem Tunnel eingerichtet, steht einem entspannten Warten auf den Starzug der Strecke, den theoretisch jeden Werktag verkehrenden Getreide(leer)zug aus Italien nach Gevrey, nichts mehr entgegen.

Dass das Wort "theoretisch" besonders hervorzuheben ist, habe ich glaube ich an dieser Stelle schon mehrfach unter Bildern des vormittäglichen Gegenzuges geschrieben. Denn wie es sich für einen Star gehört, ist der "Céréalier" eine echte Diva, die sich mitunter rar macht und durch Fernbleiben glänzt. ;) Am 23. Oktober 2021 war er jedoch in beiden Fahrtrichtungen mit Last eingelegt und die Hinfahrt des Vollzuges in Richtung Schweiz/Italien auch bereits eingesackt.

Der Status der Rückfahrt machte es im Tagesverlauf indes spannend: Zunächst war sie mit respektablen 518 Minuten Verspätung erst am Morgen statt bereits am Vorabend im italienisch-schweizerischen Grenzbahnhof Domo II eingetrudelt und ich sah das geplante Foto am Roche du Feu vor dem geistigen Auge schon scheitern... Die SBB zeigten sich aber sportlich und beförderten den Zug umgehend weiter nach Vallorbe, wo das Prima-Doppel aus BB 27067 und 27094 bereits für den finalen SNCF-Abschnitt wartete. Letztlich war der Zug dann ab Vallorbe sogar mit verfrühter Abfahrt im System und sorgte nun aus dem genau gegenteiligen Grund als ein paar Stunden zuvor für latenten Stress, aber im Endeffekt klappte alles zur vollsten Zufriedenheit, als um kurz nach halb vier FRET 47620 ([Busca -] Vallorbe - Gevrey) mit Achtungspfiff aus dem Tunnel du Cul-de-Brey n°3 rollte und gemächlich talwärts bremste.

Datum: 23.10.2021 Ort: Mesnay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 27000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 11 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
La montée vers le plateau
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 28.11.21, 18:48 sternsternstern Top 3 der Woche vom 12.12.21
Ehe die Reise durch die abwechslungsreichen Landschaften des französischen Juras führt, muss die Bahnstrecke Dijon/Dole - Vallorbe zunächst einmal einen beachtlichen Höhenunterschied überwinden, um von der Saône-Niederung das "Plateau jurassien" zu erreichen. Der kurvenreiche Anstieg beginnt direkt hinter dem Abzweigbahnhof Mouchard auf 287 Metern über dem Meeresspiegel. In rascher Folge wechseln sich fortan bis Andelot (636m) zahllose Tunnels mit kurzen offenen Abschnitten, Viadukten und Einschnitten ab. Besonders eindrücklich ist dabei die Passage der Felsklippen des Roche du Feu oberhalb des Städtchens Arbois mittels gleich dreier Tunnels, der schlicht durchnummerierten Tunnels du Cul-de-Brey eins bis drei.

Aus dem nur 35 Meter langen Tunnel du Cul-de-Brey n°2 taucht am 19. Oktober 2020 gerade der "Baleine" X 73567 als TER 895511 (Dole - Saint-Claude) ans Tageslicht, um wenige Augenblicke später schon wieder in den längsten der drei Tunnels, den immerhin 328 Meter messenden Tunnel du Cul-de-Brey n°3, hinein zu rollen. Das allerdings nicht, ohne von mir mit flinkem Auslösefinger für die Nachwelt verewigt worden zu sein...;)

Von meinem Ausguck in schwindelerregender Höhe, mit respektvoll-angemessenem Abstand zur Felskante, eröffnet sich hinter dem in sein herbstliches Gewand getauchten Wald auch ein weiter Blick zurück auf die Ebene, die der Zug im vorangegangenen Streckenverlauf durchfahren hat. Jahreszeittypisch nicht ohne verschieden hohe Nebel- und Dunstschichten, für die die Flüsse Loue, Doubs und Saône sorgen.

Datum: 19.10.2020 Ort: Mesnay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 20 Punkte

9 Kommentare [»]
Optionen:
 
Opfer des Fortschritts...
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 21.11.21, 16:30
... wurde die Telegrafenleitung, die entlang der "Ligne des horlogers" (dt. "Strecke der Uhrmacher"; eine Hommage an die Handwerkstradition der Gegend) zwischen Morteau und der Staatsgrenze F/CH noch erstaunlich lange überdauert hat, im Zuge der grundlegenden Sanierung der Strecke im Jahr 2021. So begrüßenswert wie nötig diese auch war, so schade ist es für den Fotografen, dass wieder ein Stück alter Eisenbahn weniger als willkommene Motivbeigabe existiert. Einen guten Über- und interessanten Einblick hinsichtlich der Arbeiten bietet folgendes Video des ausführenden Unternehmens Colas Rail: [www.youtube.com]

Noch im alten, aufgrund langjährig nur minimaler Instandhaltung zugleich aber auch erbarmungswürdigen, Zustand befand sich die Strecke am 26. Oktober 2019, als ich an einem Feldwegübergang etwas außerhalb von Morteau den X 73752, unterwegs als TER 18112 (La Chaux-de-Fonds - Besançon), im späten Licht des fortgeschrittenen Herbstnachmittags fotografierte.

Der links oben auf dem Bergkamm erkennbare Sendemast markiert übrigens zugleich den Verlauf der Grenze zur Eidgenossenschaft.

PS: Eine rückseitig zwischen Zug und Telegrafenmast hervorstechende Signaltafel hinter dem Gleis habe ich digital entfernt.

Datum: 26.10.2019 Ort: Morteau [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 8 Punkte

2 Kommentare [»]
Optionen:
 
Bögen schlagen
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 12.11.21, 17:41
Nachdem Nils [www.drehscheibe-online.de] , [www.drehscheibe-online.de] und Jan [www.drehscheibe-online.de] auf dieser Welle kürzlich gleich mehrere Aufnahmen der niederländischen "Nez cassé"-Derivate gezeigt haben, hat Yannick den Bogen zu den marokkanischen Vertretern der "gebrochenen Nasen" geschlagen: [www.drehscheibe-online.de] Zwischenzeitlich ist auch noch die portugiesische Reihe 1900 in Diensten von Medway hinzugekommen: [www.drehscheibe-online.de] .

Was liegt also näher, als die Reise im Mutterland des charakteristischen Designs fortzusetzen, wo Paul Arzens sich in den Sechzigerjahren von der Silhouette eines Sprinters auf dem Startblock inspirieren ließ, als er die ikonische Formgebung schuf? Vielleicht hat der ein oder andere ja zukünftig auch noch etwas aus Slowenien, Belgien oder aber die portugiesische E-Version beizusteuern? Südkorea oder der kurzzeitige Testbetrieb der dort als "french fry" bekannt gewordenen CC 21003 bei Amtrak in den USA wären dann natürlich die absolute Kür...;)

Auf der Suche nach einem auch jahreszeitlich passenden Motiv bin ich im Archiv auf diese Aufnahme aus der Normandie vom 9. Oktober 2018 gestoßen. Apropos Bogenschlagen: Derlei gleich 27 benötigten die Erbauer des großen Viadukts von Barentin, um zwischen 1844 und 1847 (!) die Querung des vom Flüsslein Austreberthe geschaffenen Tals zu realisieren. Die Arbeitskraft, die vor 175 Jahren für das gigantische, vollständig aus roten Ziegelsteinen errichtete Bauwerk aufgewendet werden musste, lässt sich heute nur schwer ermessen... Dass die erste Version kurz vor der geplanten Eröffnung in sich zusammenbrach, ist heute nur noch eine Randnotiz der Geschichte! Versuch Nummer 2 trägt den dichten Verkehr der Strecke Paris - Le Havre seitdem anstandslos.

Zum Aufnahmezeitpunkt waren die Intercités auf den beiden Normandie-Magistralen noch fest in der Hand der BB 15000, wobei nach Rouen und Le Havre - anders als in Richtung Caen, Cherbourg und Trouville - in aller Regel Wendezüge mit entsprechend ausgerüsteten Loks zum Einsatz kamen. So zeigt der aus der BB 15042 und Corail-Wagen im Design der Région Haute-Normandie bestehende INT 3128 (Le Havre - Paris Saint Lazare) das Bild, wie es in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts typisch für die Strecke war. 2020/21 erfolgte dann die praktisch vollständige Ablösung durch neu gelieferte Omneo-Triebwagen.

Datum: 09.10.2018 Ort: Barentin [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 15000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 8 Punkte

4 Kommentare [»]
Optionen:
 
Bonjour Jura!
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 07.11.21, 19:01 sternsternstern Top 3 der Woche vom 21.11.21
In den frühen Morgenstunden verschwimmen auf den Hochplateaus des französischen Juras schon einmal die Jahreszeiten. Auch im Frühjahr und Herbst sind knackige Minusgrade, teils gepaart mit einer schon oder noch in winterliches Gewand gekleideten Landschaft, dann an der Tagesordnung. So zeigte das Thermometer am 23. Oktober 2021 um kurz nach acht zünftige 6 Grad unter Null an, als ich mit hoch aufgestelltem Mantelkragen und ein bisschen Fingergymnastik auf einer Waldwegbrücke im Forêt de la Joux, der mit seinen mächtigen bis zu 50 Meter hohen Nadelbäumen beindruckt, auf den ersten (und an diesem Tag wegen Bauarbeiten in Dijon auch einzigen) TGV von Lausanne nach Paris wartete.

So war ich froh, dass schon wenige Minuten nach Sonnenaufgang und damit absolut pünktlich die funkelnden Spitzenlichter des Euroduplex, wie er seit Ende 2019 auf dieser Relation eingesetzt wird, in der reifüberzogenen Landschaft auftauchten. Neben dem Heulen der Triebköpfe klang bei der Vorbeifahrt des TGV 9264 (Lausanne - Paris Lyon) noch ein ganz anderes Geräusch mit: Das Kratzen des Stromabnehmers an der vereisten Fahrleitung, die die Funken nur so sprühen ließ!

Während der Zug sogleich den (ehemaligen) Bahnhof Boujailles, der heute nur noch als Überleitstelle vom zwei- in den eingleisigen Abschnitt fungiert, passieren und sich mittels zahlreicher Kurven der Saône-Niederung entgegen winden wird, blicken wir - durch das Teleobjektiv verdichtet - über die vom Reif bedeckten Weiden und einige Ställe hinweg weit in den Jura hinein. Die am weitesten hinten gelegene Gebirgskette befindet sich dabei bereits auf Schweizer Territorium. Die höchste sichtbare Erhebung müsste der 1607 Meter hohe Chasseron im Waadtländer Jura oberhalb von Yverdon sein.

Datum: 23.10.2021 Ort: Boujailles [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-TGV 2N2 Euroduplex Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 43 Punkte

17 Kommentare [»]
Optionen:
 
Les vestiges de la Transvosgienne
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 03.11.21, 12:39
Folgt man von Séléstat kommend dem Tal der Flüsse Giessen und Lièpvrette in die Vogesen, begleitet einen auf der Reise ein Schienenstrang, der seine Glanzzeit längst hinter sich hat und nunmehr vollständig in Vergessenheit zu geraten droht.

Im Dezember 1864 von Sélestat zunächst bis Sainte-Marie-aux-Mines eröffnet, erfolgte erst über 70 Jahre später die Verlängerung bis nach Lesseux-Frapelle an der Strecke Straßburg - Saint-Dié. Mit der Eröffnung dieses Abschnitts, der mit dem Tunnel de Sainte-Marie-aux-Mines (6872 m) den lange Jahre über längsten Eisenbahntunnel Frankreichs umfasste, entstand am 8. August 1937 eine dritte Vogesenquerung, die unter anderem direkte Züge von Nancy über Saint-Dié nach Colmar ermöglichte.

Doch schnell hatten sich die verkehrspolitischen Prioritäten verschoben. Weitere ehrgeizige Gebirgsquerungen in unmittelbarer Nähe, von Cornimont nach Metzeral sowie von Bussang nach Wesserling an der Strecke Mulhouse - Kruth, wurden gar nicht erst realisiert, obwohl teilweise bereits mit ihrem Bau begonnen worden war. So kam es im Jahr 1973 auch zur Stilllegung der Verlängerung "unserer" Strecke nach Lesseux - Frapelle, damit der Tunnel zukünftig dem Straßenverkehr dienen konnte. Eine Funktion, die er noch heute erfüllt.

Der Nimbus der durchgehenden "Ligne transvosgienne" war also nach wenigen Jahrzehnten verschwunden und mit der jetzt wieder auf Sélestat - Sainte-Marie-aux-Mines begrenzten Stichstrecke ging es zügig bergab: Januar 1980 Verlagerung des Personenverkehrs auf die Straße, zehn Jahre später Einstellung des Güter- und damit des Gesamtverkehrs zwischen Bois-l'Abbesse und Sainte-Marie, Abbau und Umwandlung in einen Fahrradweg.

Noch bis ins Jahr 2017 durchgehalten hat einzig das Reststück von Sélestat bis zur Zone Industrielle in Bois-l'Abbesse kurz hinter dem Bahnhof La Vancelle, wo bis zuletzt der Hygieneartikelhersteller Hartmann für ein regelmäßiges Verkehrsaufkommen sorgte. Für den Eisenbahnfreund ein besonderes Schmankerl war bis Ende 2012 der Einsatz eines Locotracteurs für die Bedienung, schon damals ein Anachronismus, der in den letzten Jahren zugunsten der BB 75000 (zuerst noch von SNCF Fret, dann vom privaten EVU Sécurail) aufgegeben wurde. Wie so oft waren es gravierende Oberbaumängel infolge unzureichenden Streckenunterhalts, die Anfang 2018 zur finalen Stilllegung führten. Auf eine Finanzierung der etwaigen Sanierung konnten sich die beteiligten Akteure leider nicht einigen. Dem Vernehmen nach knüpfte SNCF Réseau diese an die Bedingung, dass der Kunde die volle Summe allein aufbringt...

Als ich am 20. September 2012 erst- und leider auch letztmals zu Betriebszeiten vor Ort war, ahnte ich davon noch nichts und erfreute mich am orangefarbenen Y 8083, der mit drei für den Hartmann-Standort in Belleville-sur-Saône bestimmten Schiebewandwagen als FRET 432215 (La Vancelle - Sélestat) bei Val-de-Villé unterwegs war. Im Hintergrund erheben sich die schon leicht "angeherbstelten" Vogesen mit dem 856 Meter hohen Altenberg, der am auf seiner Spitze errichteten Sendeturm für das Fernsehen leicht erkennbar ist.

Datum: 20.09.2012 Ort: Val-de-Villé [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Y 8000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

1 Kommentar [»]
Optionen:
 
À la limite météorologique
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 31.10.21, 18:03
Wie an dieser Stelle bereits berichtet [www.drehscheibe-online.de] , zeigte sich der vorletzte Sonntag zumindest in den tieferen Lagen Ostfrankreichs ausgesprochen nebelverhangen. So kam es, dass sich rund um den Col de Saales in den Vogesen im Tagesverlauf recht freundliches Wetter mit einem Mix aus Sonne und Wolken einstellte, rundherum hingegen der Nebel sich den ganzen Tag über nicht lichten sollte.

Besonders deutlich wurde dieses Wetterphänomen, als ich zum Ausklang der Fototour wieder einmal an der kleinen Kapelle im Wald oberhalb von Bourg-Bruche Stellung bezog, um den abendlichen Leerreisezug W 754570 (Rothau - Saint-Dié) abzupassen, mit dem die doppelte RRR-Garnitur, die am Montagmorgen den ersten Pendlerzug der Woche nach Straßburg bildet, in die Sous-préfecture des Départements Vosges zugeführt wird.

Während auf meiner Seite der Wetterscheide, die sich rund um den Climont - mit 965 Metern einer der höheren Berge der mittleren Vogesen - ausgebildet hatte, die Oktobersonne noch einmal alles gab, um die Herbstfarben zum leuchten zu bringen, waberte über den Col de la Steige links des Berges immer stärker der aus der Rheinebene heraufziehende Hochnebel hinein und sorgte für eine beinahe surreale Stimmung, als die BB 67591 mit dem erwarteten Zug durch den Haltepunkt rollte.

PS: Einen "spiddeligen" Strauch am Bahndamm auf Höhe der Lok habe ich nachträglich entfernt.

Datum: 17.10.2021 Ort: Bourg-Bruche [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 8 Punkte

2 Kommentare [»]
Optionen:
 
Festival des couleurs
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 25.10.21, 17:05
Besonders reizvoll, vielleicht am aller schönsten, ist es im Jura im Oktober, wenn der Wald in den schillerndsten Farben zu leuchten beginnt. Dass dieses Naturschauspiel allerdings nicht nur von Woche zu Woche, von Tag zu Tag unterschiedlich ausgeprägt ist, sondern sich mitunter auch an ein und demselben Tag innerhalb weniger Kilometer schlagartig verstärken oder aber praktisch verschwinden kann, haben wir erst kürzlich wieder bemerkt. Je nachdem, in welchem Tal es einen besonders strengen Frost gab, über das Jahr hinweg etwas weniger Niederschlag gefallen ist oder ein erster von Westen heranziehender Herbststurm seine Angriffsfläche gefunden hat...

Insofern hatten Yannick und ich am 29. Oktober 2016 einfach ein bisschen Glück, als wir - auf der Flucht vor dem Nebel an der "Ligne 4" - im Tal des oberen Doubs zwischen Morteau und Gilley praktisch Idealbedingungen vorfanden. Kurz bevor die Sonne gegen 17 Uhr bereits hinter den umliegenden Berghängen verschwand, bahnte sich noch das Doppel aus den beiden mit dem schweizerischen Zugsicherungssystem Integra-Signum ausgestatteten X 73752 und X 73753 als internationaler TER 96422 (La Chaux-de-Fonds - Besançon) pfeifend seinen Weg durch das herbstliche Festival der Farben. Kurz vor Colombière passierte es dabei einen urigen Bahnübergang, der ausschließlich als Zufahrt zu einer Weide dient.

Im Jahr 2021 waren derartige Fotos auf der "Ligne des horlogers" leider nicht möglich, da die Strecke seit März und noch bis zum kommenden Wochenende komplett gesperrt ist, um dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchzuführen. Aber spätestens im nächsten Jahr hat man dann wieder die Gelegenheit - oder vielleicht bleibt ja noch ein bisschen Laub bis in den November hinein an den Bäumen. :)

Datum: 29.10.2016 Ort: Colombière [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 9 Punkte

8 Kommentare [»]
Optionen:
 
Bis hierher und nicht weiter
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 21.10.21, 20:51
Bereits vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle die einstmals knapp 150 Kilometer lange Bahnstrecke von Lérouville über Verdun nach Pont-Maugis bei Sedan bildlich vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de] Personenzüge befahren die "LS" (für Lérouville - Sedan) schon seit gut einem halben Jahrhundert nicht mehr, aber auch der Güterverkehr wurde in den letzten Jahrzehnten stetig zurückgefahren - Und damit fielen immer mehr Abschnitte der bis 1998 noch in gesamter Länge als Strategische Bahn eingestuften Linie im Hügelland zwischen Argonnen und Ardennen völlig in den Dornröschenschlaf. Vom nördlichen Streckenbeginn aus ging es seit Beginn der Siebzigerjahre noch bis Stenay, wo eine Papierfabrik für ein gewisses Aufkommen sorgte und zusammen mit ArcelorMittal in Mouzon lange Jahre den Fortbestand der Strecke sicherte. Im Zuge eines der für den Güterverkehr in der Fläche fatalen "Plans fret" der SNCF änderte sich dies zu Beginn des neuen Jahrtausends: 2007 stellte die Staatsbahn den Coilverkehr nach Mouzon ein, zwei Jahre später die Kohle- und Kaolintransporte zur Papierfabrik nach Stenay.

Seit Ende 2011 wanderten wenigstens die Coils wieder zurück auf die Schiene, diesmal allerdings mit CFL Cargo als ausführendem Transportunternehmen. Mehrmals die Woche bedient die Tochter der luxemburgischen Staatsbahn seitdem die im Bahnhof von Mouzon an der alten Ladestraße errichtete Umschlaghalle. Für den weitere Streckenverlauf südwärts in Richtung Stenay hingegen fand sich seit dem Rückzug der SNCF 2009 kein Prinz mehr, der die Linie wachküsste... Ein am ehemaligen Hausbahnsteig in Mouzon installierter Prellbock sorgt für klare Verhältnisse!

Am 18. November 2018 ist die MRCE-Mietlok G1206 1276 015 mit dem sonntäglichen 62567 aus Hagondange angekommen, hat die beladenen Wagen an der Ladestraße zugestellt (Die schweren Stahlrollen werden nun für die "letzten Meile" einzeln von Lastwagen übernommen, da die auf einer Flussinsel gelegen Fertigungsstätte keinen eigenen Gleisanschluss besitzt) und rollt nun beim Umsetzen bis nahe an das aktuelle Streckenende heran, ehe es mit den Leerwagen als 62568 zurück nach Ébange gehen wird. Das Empfangsgebäude indes wurde kürzlich saniert und wird von der Gemeinde für bahnfremde Zwecke genutzt. Ein Foto, das Pascal Dumont an selber Stelle vor knapp 20 Jahren aufgenommen hat, sei allen Freunden von "Einst und jetzt"-Vergleichen empfohlen: [www.flickr.com]

PS: Einen hinter der Lok hervor lugenden Mast hat aus ästhetischen Gründen die virtuelle Flex erfasst...;)

Datum: 18.11.2018 Ort: Mouzon [info] Land: Europa: Frankreich
BR: 271,277 (alle Vossloh-Mittelführerstandsloks) Fahrzeugeinsteller: MRCE
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 3 Punkte
Optionen:
 
Où es-tu soleil?
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 20.10.21, 17:49 sternsternstern Top 3 der Woche vom 31.10.21
Am vergangenen Wochenende, 16./17. Oktober 2021, bescherte das Hochdruckgebiet Philine dem deutschen Südwesten und den angrenzenden Regionen Ostfrankreichs zwar ruhiges Herbstwetter. Mit der Sonne war das aber schon eine ganz andere Geschichte... Entlang des Oberrheins hatte sich, wie allzu oft, massiv ausufernder Hochnebel gebildet, der jegliche Fotoambitionen im Keim erstickte. Und auch ansonsten macht ein Sonntagsausflug unter der trüben Dunstglocke doch nicht so richtig Spaß. Also musste irgendwie an Höhe gewonnen werden, um möglicherweise doch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen. Da zumindest ein bisschen Eisenbahn dabei sein sollte, war die Auswahl an möglichen Zielen naturgemäß recht begrenzt, sodass ich mich letztlich an die Strecke Straßburg - Saint-Dié aufmachte, wo ich mir auf immerhin rund 550 Metern Höhe noch am ehesten Chancen auf Sonne ausrechnete!

Tja, was soll ich sagen: Der (Hoch-)Nebel war am Sonntag ungewöhnlich stark ausgeprägt und trotz einiger marginal hellerer Momente legte ich die gesamte Strecke bis zum Col de Saales letztlich in der Düsternis zurück. Ganz oben dann aber ein wunderbares Spektakel, als die Morgensonne durch den Nebel brach und bei klirrender Kälte um den Gefrierpunkt frische Vogesenwaldluft geschnuppert werden konnte! Leider beschränkte sich das vorerst aber wirklich auf ein winziges Nebelloch in Saales selbst. Schon wenige Kilometer weiter, wo sich die Strecke in Richtung Saint-Dié herabzuwinden beginnt, stocherte ich wieder im tristen Grau. Aber auf der Waldwegbrücke unweit des Weilers Le Houssot wollte ich dennoch bis zur nächsten Zugfahrt warten, denn irgendwie schien mir weit oben doch ein schwacher Schimmer über dem Nebel zu liegen. Ohnehin ist es - mitten im Wald gelegen - ein wunderbarer Platz zum Verweilen.

Der Nebel machte es spannend, aber rechtzeitig zum TER 831861 (Saint-Dié - Strasbourg) gab er den Blick ein Stück weit frei und zog sich vornehm in den Hintergrund zurück. Was wollte ich - in Kombination mit den Herbstfarben - mehr...? Nach diesem Auftakt blieb ich dann den ganzen Tag über im Umkreis weniger Kilometer, wo neben dem sonntags dünnen Bahnverkehr auch zahllose Wanderrouten entdeckt werden wollen. :)

Datum: 17.10.2021 Ort: Le Houssot [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 76500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 30 Punkte

13 Kommentare [»]
Optionen:
 
Détourné sous le Pont Napoléon
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 19.08.21, 21:48
Zwei mal pro Woche wird das zur Saarstahl-Gruppe gehörende Drahtziehwerk in Port-d'Atelier, im Département Haute-Saône an der "Ligne 4" gelegen, dessen Produkte für Heftklammern, Schutzmasken, Glasfaserleitungen, Drähte für die Automobilindustrie und vieles mehr Verwendung finden, per Bahn mit Rohstoffen versorgt: [www.youtube.com] .

Die aus Deutschland kommenden, mit Drahtrollen beladenen Wagen werden durch CFL Cargo France über den Knotenbahnhof Blainville vor den Toren von Nancy in der Regel via "Ligne 15" und Culmont-Chalindrey angeliefert. Da diese Strecke in den letzten Jahren unter der Woche aber immer wieder für Bauarbeiten gesperrt war, wurde der Zug mittwochs an gewissen Daten über Épinal und Lure umgeleitet, wo ansonsten planmäßig kein Güterverkehr mehr stattfindet und nur wenige Male am Tag ein einsamer Baleine durch die Wälder der Vogesen rollt.

Der 10. Mai 2017 war einer dieser Tage. Aufhänger unserer Tour waren eigentlich die anberaumten Fahrten des Unkrautspritzzuges über die wunderschöne Strecke Molsheim – Saint-Dié, aber auch den CFL-Umleiter ein paar Kilometer weiter südwestlich nahmen wir am Nachmittag natürlich gerne mit. Nördlich von Xertigny erwarteten Urs, Basti und ich BB 75109 mit dem 61801 (Blainville-Damelevières - Port-d'Atelier) unterhalb des eindrücklichen „Pont Napoléon“ – Unter Beobachtung eines geradezu manisch aufmerksamen Anwohners, der in uns böse „écolos“ ausgemacht haben wollte, die mit ihren Kameras doch bestimmt Vorbereitungen für eine Protestaktion (mindestens, wenn nicht gar Sabotage!) eines dort vielleicht alle Jubeljahre einmal vorbei kommenden Kastortransports trafen…;) Die Erklärung, dass da gleich nur ein paar umgeleitete Drahtrollen vorbei scheppern würden, stellte ihn ersichtlich nicht zufrieden. Unsere Kennzeichen habe er sich jedenfalls notiert, ließ uns der mutmaßliche Le Pen-Anhänger zum Abschied wissen. Gehört haben wir natürlich in dieser Sache nichts mehr!

Datum: 10.05.2017 Ort: Xertigny [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75000 Fahrzeugeinsteller: Akiem
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
Ex oriente lux
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 06.08.21, 14:41
Wie (nicht nur) der Lateiner weiß, geht bekanntermaßen im Osten die Sonne auf. Mitte September bedeutet das, dass sie dabei auch genau im richtigen Winkel für einen morgendlichen Scherenschnitt am bekannten Viaduc de Chamborigaud an der Cevennenbahn Nîmes - Clermont-Ferrand steht, den ich euch hier mit meinem Galeriefoto Nr. 400 präsentieren möchte! :)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Das runde Jubiläum nehme ich zum Anlass, mich mal wieder bei all denjenigen zu bedanken, die mit ihren Bildern oder durch ihre anderweitige Mitarbeit vor oder hinter den Kulissen das Projekt DSO-Galerie gestalten und lebendig halten. Unter meinen eigenen Aufnahmen freue ich mich natürlich besonders - auch wenn ich nicht immer die Zeit habe, auf jeden einzelnen einzugehen - über die zahlreichen interessierten Kommentare und oft persönlichen Anekdoten, die ich in dieser Form wirklich einmalig finde. Denn unweigerlich vergleicht man heutzutage immer wieder auch mit der Veröffentlichung auf anderen Plattformen, aber die Galerie bleibt für mich aufgrund ihrer Mischung aus tollen Aufnahmen verschiedener Stile aus Deutschland und aller Herren Länder, angereichert um viele spannende Textbeiträge, wie sie die Forenkultur der Plattform DSO sicher begünstigt, die persönliche Nummer eins. Neben diesem Dank an die vielen "alten Hasen" der Galerie, die ich zwischenzeitlich zu einem Teil ja auch persönlich kennenlernen durfte, kann ich daher nur jeden der (bislang) stillen Betrachter und Genießer da draußen ermuntern, doch vielleicht auch einmal eines eurer eigenen Lieblingsfotos zur Auswahl stellen. :)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Während die Ligne des Cévennes in ihrer Gesamtlänge nur von drei Personenzugpaaren befahren wird, nimmt der Verkehr zu den beiden Streckenenden im Zulauf auf Clermont-Ferrand einerseits und auf Alès und Nîmes andererseits wenigstens ein bisschen zu, sodass sich mit TER 877507 (Génolhac - Nîmes) tatsächlich auch am frühen Sonntagmorgen, an dem ich meine Aufnahme machte, ein passender Protagonist auf Schienen finden ließ. Ein unerkannt gebliebener B 81500 rollte über die 46 Meter hohen Rundbögen des 1865 - 1867 errichteten Bauwerks nach Süden.

Zuletzt bearbeitet am 06.08.21, 14:44

Datum: 13.09.2020 Ort: Chamborigaud [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 18 Punkte

18 Kommentare [»]
Optionen:
 
Les boîtes à chaussures - IV
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 01.08.21, 20:22
- Fortsetzung zu [www.drehscheibe-online.de] -

Nach fast vier Jahren wird es Zeit für eine Fortsetzung meiner kleinen Serie zu den "boîtes à chaussures" (dt. "Schukartons"), denke ich! ;) Zwar sind Ende 2017/Anfang 2018 die allerletzten X 2100/2200er-Triebwagen aus dem regulären Betriebsbestand der SNCF ausgeschieden, aber erfreulicherweise haben sich mittlerweile diverse Vereine, Museums- und Touristikbahnen eines oder häufig gleich mehrere Exemplare zur Erhaltung - meist weiterhin betriebsfähig - gesichert.

Ein besonderes Schmuckstück stellt dabei sicher der X 2204 dar, der in Südfrankreich von der Association du Train Touristique du Centre Var [www.attcv.fr] in rot-weißer Farbgebung betreut wird. Eine von vier verschiedenen Spielarten der Produktfarben, wie sie von den späten Achtzigerjahren bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends, vor der Modernisierung und Umlackierung der Flotten in die silber-blaue Livrée, für die TER-Züge der Regionen typisch waren.

Den Sommer 2020 über war er in Veynes stationiert, sollte aber Mitte September für eine Fahrzeugausstellung im Zuge der "Journées du patrimoine" nach Nizza überführt werden. Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit für eine Sonderfahrt durch alle sechs Départements der Région PACA, bei der die Reisenden die abwechslungsreichen Landschaften von den Gipfeln der Alpen bis hin zum azurblauen Mittelmeer genießen können. Leider machten diesem Erlebnis die wieder steigenden Corona-Zahlen einen Strich durch die Rechnung, ebenso wie der angedachten Fahrzeugausstellung... Die Überführung fand trotzdem statt, allerdings als nicht öffentliche Fahrt ohne Gäste.

Der kurze Triebwagen bot sich für die Umsetzung eines schon lange auf meiner Wunschliste stehenden Motivs an: Der nur sehr sparsam mit neuzeitlichen Accessoires ausgestattete Bahnhof Serres an der Strecke Veynes - Marseille mit der ihn umgebenden Felslandschaft und dem an den Hang gebauten Ortskern im Hintergrund. Sogar der am Empfangsgebäude, vor dem an jenem Tag die Tricolore flatterte, geparkte Nissan Patrol 260 (?) dürfte zeitlich in etwa zum X 2204 (Baujahr 1986) passen, der in flotter Fahrt als W 803831 (Veynes - Nice-Saint-Roch) in Richtung Côte d'Azur unterwegs war.

Merci à l'asso pour les horaires! :)

Datum: 12.09.2020 Ort: Serres [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2200 Fahrzeugeinsteller: Train Touristique du Centre Var (ATTCV)
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 12 Punkte

8 Kommentare [»]
Optionen:
 
Pielstickbrummen und Glockengeläut
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 30.07.21, 19:04
Noch fahren sie, die Straßburger BB 67400, jedenfalls außerhalb der "roulements plein été" in den französischen Sommerferien. Seit Umstellung des Nachtzuges Paris - Rodez/Albi ist ihr Elsässer Habitat die allerletzte Bastion der altgedienten Dieselloks im planmäßigen Personenverkehr. Grund genug, sich den Maschinen im Herzen der Vogesen noch einmal ausführlich zu widmen! So führte mich im Juli 2020 eine der ersten Frankreich-Touren nach dem Ende der vorübergehenden Grenzschließungen aufgrund der ersten Welle der Corona-Pandemie ins Breuschtal und zum Col de Saales, wo in den waldigen Bergen das Elsass auf Lothringen trifft. Unbestrittener "Headliner" war der freitagabendliche TER von Saint-Dié nach Rothau: [www.drehscheibe-online.de]

Nach diesem Foto ging es dann langsam heimwärts, wobei der lange Sommerabend und eine recht konstante Lücke in der ansonsten üppigen Wolkendecke mich noch einmal innehalten und überlegen ließen, ob man nicht auch den nach 20 Uhr an seinem Endbahnhof eintreffenden TER 831834 (Strasbourg - Saales) noch sinnvoll irgendwo abpassen könnte. Gesagt getan, und schnellen Schrittes noch zur oberhalb von Bourg-Bruche einsam und ruhig im Wald gelegenen Kapelle hoch gestiefelt! Denn von dort bietet sich durch eine enge Schneise zwischen den Bäumen ein Blick auf Kirche und Bahnhof des Ortes sowie den zugehörigen Schienenstrang.

Sagte ich einsam und ruhig? Grundsätzlich ja, doch wie es der Zufall so wollte, kam kurz nach meiner Ankunft ein älteres Paar aus dem Ort hinauf und ließ sich zur Abendvesper auf den Bänken ein paar Meter unterhalb meines rutschig am Hang befindlichen Standorts nieder - Nicht ohne zuvor mit voller Inbrunst die Glocken der kleinen Kapelle zu läuten. Als parallel auch der Klang der Kirche unten in Bourg-Bruche einsetzte und überdies BB 67591 ihren Zug geräuschvoll gen Saales beschleunigte, entstand für eine kurze Zeit eine ganz eigentümliche klangliche Melange: Pielstickbrummen und Glockengeläut!

Im Anschluss rutschte ich unter interessierter Beobachtung mit allenfalls semi-adäquatem Schuhwerk (die Wanderschuhe hatte ich wegen der Spontaneität der Aktion total vergessen...) den Hang runter zum Platz vor der Kapelle, woraufhin sich dann noch ein nettes Gespräch entwickelte, denn die beiden waren mindestens so erstaunt wie ich, hier oben an diesem Freitagabend noch jemanden zu treffen. Ein Gespräch über das Elsass im Allgemeinen und das Breuschtal im Besonderen, über die Landschaft und auch die Bahnstrecke, die hindurchführt. Sie beklagten die zahlreichen geschlossenen Bahnhöfe und ich konnte das Lamento vervollständigen, als ich auf die infolge von Oberbaumängeln derzeit außer Betrieb befindliche Linie von Saint-Dié nach Épinal zu sprechen kam. Der Verweis, dass sich Emmanuel Macron - auf Druck der Kommunalpolitik - persönlich für die Wiedereröffnung verbürgt hatte, sorgte nur für ein amüsiertes Schmunzeln. Nein, beliebt ist er (auch und insbesondere) hier nicht, der Präsident der Republik...;)

Zuletzt bearbeitet am 31.07.21, 11:45

Datum: 03.07.2020 Ort: Bourg-Bruche [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 4 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
En pleine transition
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 11.07.21, 18:55
Anfang Juni 2012, zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur, führte mich eine kleine Zugreise nach Grenoble und an den Sillon Alpin Sud, eine Bahnstrecke, die sich zum damaligen Zeitpunkt mitten im Umbruch befand und, wenn ich mich richtig erinnere, wenige Tage oder Wochen später wieder einmal für eine umfangreiche Bauphase gesperrt werden sollte.

Doch noch einmal von Anfang an: Die Rede ist beim "S.A.S." von der Achse Chambéry - Grenoble - Valence, die ab Montmélian bis zur Mündung weitgehend dem Verlauf der Isère folgt, mal mehr, mal weniger weit vom Fluss entfernt. Die gut 150-jährige Geschichte der Bahn war nicht immer nur rosig, denn obwohl mitunter namhafte Schnellzüge wie der Catalan Talgo Genf - Barcelona den Schienenstrang befuhren, wurde er zwischen Romans und Moirans gleich mehrfach seines zweiten Gleises beraubt, einmal gegen Ende des ersten Weltkriegs, abermals - und dieses Mal für rund ein halbes Jahrhundert - ab dem Jahre 1958. Auch die abschnittsweise Stilllegung der vernachlässigten Infrastruktur stand im Raum, ehe man sich Anfang des 21. Jahrhunderts eines Besseren besann und die Generalsanierung beschloss, ein Glücksfall, der in den letzten Jahrzehnten lange nicht jeder französischen Bahnlinie zuteil wurde!

In einer ersten Phase in den Jahren 2009 und 2010 wurde zwischen Saint-Marcellin und Moirans das zweite Gleis wieder aufgebaut und die Signaltechnik auf moderne Lichtsignale umgestellt. Der Dieselbetrieb hingegen blieb vorerst aufrecht erhalten, sodass auch den BB 67300 vor den "Omnibus"-Zügen zwischen Chambéry, Grenoble und Saint-Marcellin noch eine letzte Galgenfrist gewährt wurde. In genau diesem Zeitraum war ich vor Ort und erwartete am Abend des 1. Juni 2012 die in recht rustikalem Zustand daherkommende BB 67346 mit der RRR-Garnitur 'D' im Schlepp als TER 883757 (Chambéry - Saint-Marcellin) in der langen, nunmehr wieder zweigleisigen Geraden vor Vinay im südlichen Grésivaudan.

Typisch für diesen Streckenabschnitt war neben dem Verlauf durch schier endlose Walnussplantagen vor dem Hintergrund der steil aufragenden Felswände des Vercors auch eine Vielzahl fotogener Steinbogenbrücken, die Straßen und Wirtschaftswege über die Bahn führten. Während sich die Kulturlandschaft auch heute noch weitgehend unverändert zeigt, haben die Brücken die 2012/2013 realisierte Elektrifizierung leider nicht überlebt. Sie waren Fahrdraht und Fortschritt im Weg... Heute rollen die TER ausnahmslos elektrisch durch das Tal, großteils als Triebwagen, aber auch in Form von BB 22200 mit Corail-Wendezügen. Vielleicht auch noch mal eine Reise wert? Aber irgendwie ist es eben doch nicht mehr dasselbe, wenn man "damals" die Fahrt am offenen Fenster bei wehenden Vorhängen hinter den im Stop-and-Go-Verkehr gut geforderten Pielstick-Dieseln erlebt hat. Mensch, man wird alt...;)

Mehr zur Geschichte und eine Vielzahl sehenswerter Fotos finden Interessierte in der umfassenden Streckenchronik "Sillon Alpin Sud - Vie et transfiguration d'un chemin de fer" von Mariano Flores, erschienen 2015 bei Presses & Editions Ferroviaires.

Datum: 01.06.2012 Ort: Vinay [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 67300 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 18 Punkte

10 Kommentare [»]
Optionen:
 
Les mauvaises herbes, on les aime!
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 06.07.21, 18:54 sternsternstern Top 3 der Woche vom 18.07.21
Der Bahnhof Sarralbe - einstmals bedeutender Bahnknoten, heute Biotop mit Gleisanschluss. 1872 ging er in Betrieb, als die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) ein Jahr nach Ende des deutsch-französischen Krieges die Bahnstrecke von Sarrebourg (damals: Saarburg) nach Sarreguemines (damals: Saargemünd) in Betrieb nahm. In diese Zeit geht auch das - später erweiterte - Empfangsgebäude zurück, das wie die gesamten Bahnanlagen nicht verhehlen kann, dass es errichtet wurde, als das Gebiet am Oberlauf der Saar Teil des "Reichslandes" war. So finden sich dort noch heute etwa auch deutsche Kilometersteine... Seit 1895 ging es von Sarralbe aus per Bahn in vier Himmelsrichtungen, neben den bereits genannten Destinationen auch nach Kalhausen und Champigneulles bei Nancy via Bénestroff.

Und heute, 125 Jahre später? Einzig verblieben ist nach dem Ende des schienengebundenen TER-Verkehrs nach Sarre-Union Ende 2018 die Strecke aus Kalhausen sowie ein kurzer, wenige Hundertmeter langer Stummel jener nach Sarreguemines, der als Anschlussgleis zum Solvay/Ineos-Chemiewerk dient. Seit Einstellung des Personenverkehrs erobert sich zudem die Natur das Areal immer weiter zurück.

Am Morgen des 14. Juni 2021 hatte sich BB 60126 mit einem einzelnen VTG-Kesselwagen für Ineos als FRET 431017 (Woippy - Sarralbe) mit - der herabgesetzten Streckenhöchstgeschwindigkeit geschuldet - maximal 40 km/h an das Biotop herangepirscht. Die ideale Zuglänge, um die Fuhre beim Zurückdrücken ins Werk gemeinsam mit Empfangsgebäude, ehemaligem Wasserturm (heute innen zu Wohnzwecken ausgebaut) und auf der früheren Ladestraße prächtig gedeihenden Mohnblumen in Szene zu setzen. Wie schön doch "Unkraut" sein kann! :)

PS: Ein Stromkabel, das sich bei diesem Blickwinkel mit Mohn im Vordergrund nicht vermeiden ließ, habe ich nachträglich digital aus dem Himmel entfernt.

Datum: 14.06.2021 Ort: Sarralbe [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 60000 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 26 Punkte

11 Kommentare [»]
Optionen:
 
Lichtschneise
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 04.07.21, 18:51 sternsternstern Top 3 der Woche vom 18.07.21
Nicht ganz einfach gestaltet es sich Mitte September, auf der Col de Cabre-Linie in den französischen Alpen den morgendlichen TER 17352 (Briançon - Romans-Bourg-de-Péage) ins passende Licht zu rücken. Allzu oft werfen die umgebenden Berge mit ihren schroffen Felshängen zu früher Stunde noch ihre Schatten auf Talgrund und Bahnstrecke. Bei Luc-en-Diois jedoch - einem jener charmanten französischen Bergstädtchen, die trotz ihrer bescheidenen Größe von nur rund 500 Einwohnern eine erstaunliche Lebendigkeit ausstrahlen - zweigt ein kleines, landwirtschaftlich genutztes Seitental ab, das einer Schneise gleich das Morgenlicht einfallen lässt.

Ich schaute mir das Spektakel aus einigem Abstand an. Unterhalb einer kleinen Schutzhütte am Steilhang stehend, ergibt sich rund 150 Meter oberhalb des Ortes ein freier Blick auf die typische Landschaft, den Zug und Teile von Luc-en-Diois. Echte Hasardeure können womöglich sogar noch die Kirche Sainte-Vierge mit einbeziehen, doch dafür muss man noch ein paar Schritte weiter in Richtung Abgrund. Ein Unterfangen, das ich kurz in Erwägung gezogen hatte, dann aber angesichts des extrem trockenen und dadurch bröckelig-rutschigen Waldbodens ganz schnell wieder aufgab, als ein Teil des selbigen inklusive eines kapitalen Steins in die Tiefe rauschte. Bis man den Aufschlag hörte, brauchte es eine Zeit...;)

Hinter der Kurve, die den Bergrücken links im Bild umrundet, schließt sich übrigens - hier nicht sichtbar - der Viaduc du Claps an, zusammen mit dem Tunnel von Beaurières wohl der bedeutendste Kunstbau der Strecke.

Datum: 15.09.2020 Ort: Luc-en-Diois [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 72500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 20 Punkte

9 Kommentare [»]
Optionen:
 
Double mixte en descente
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 17.06.21, 15:45
Mit meinem letzten Galerie-Foto habe ich euch mitgenommen nach Larzalier [www.drehscheibe-online.de], auf die rauen Hochplateaus des Départements Lozère. Bleiben wir noch ein bisschen vor Ort und schauen uns den weiteren Streckenverlauf in Richtung Mende an!

Um vom Scheitelpunkt der Bahnlinie auf 1215 Metern über dem Meer hinunter in die Präfektur am Oberlauf des Lot (auf 723 Meter) zu gelangen, beschreibt der "Translozérien" unmittelbar westlich von Larzalier eine weite Schleife in Form einer großen S-Kurve, die es den Zügen ermöglicht, die Höhendifferenz zu überwinden, gleichwohl unter Inkaufnahme merklicher Steigungen - bzw. in dieser Richtung natürlich eines entsprechenden Gefälles. Deutlich wird dies, wenn man die links oben am schattigen Hang liegende Schneeverbauung, die mir für die X 2800er-Aufnahme als Fotostandpunkt diente, mit dem Gleisabschnitt im Vordergrund vergleicht, über den am späten Abend des 17. Juli 2016 ein gemischtes "Baleine"-Doppel als TER 877912 (Nîmes - Mende) bergab rollte.

Der vordere Triebwagen trägt die an den Farben Kataloniens und des Languedoc orientierte Livrée der (ehemaligen) Région Languedoc-Roussillon, der hintere - vmtl. erst kurz zuvor umstationierte oder leihweise in der Gegend weilende - das neutrale TER-Design ganz ohne regionalspezifische Details.

Zuletzt bearbeitet am 17.06.21, 22:38

Datum: 17.07.2016 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 73500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 10 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:
 
Monté sur le toit
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 24.05.21, 20:14
Wortwörtlich aufs Dach gestiegen bin ich für dieses Foto einer der Galerien, die vor nunmehr über hundert Jahren entlang des Translozérien errichtet wurden, um den Schienenstrang vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Denn die Strecke von Le Monastier über Mende nach La Bastide verläuft zwischen der Präfektur des Départements Lozère und der Einmündung in die Cevennenbahn im übertragenen Sinne auch auf einem Dach, "sur le toit de la France" nämlich. Auf der Plaine de Montbel erreicht sie mit 1215 Metern über dem Meer den höchsten Punkt des nicht elektrifizierten, regelspurigen französischen Eisenbahnnetzes!

So suchten im Februar 1903, nur wenige Monate nach ihrer Eröffnung, erstmals heftige Schneeverwehungen die Strecke heim und ließen die zierliche Dampflok eines von La Bastide nach Mende fahrenden Personenzugs in unmittelbarer Nähe meines Fotostandpunkts in Larzalier stecken bleiben. Die gestrandeten Passagiere konnten die Nacht zwar im Schrankenwärterhaus, das hier hinter dem Baum in Bildmitte nur zu erahnen ist, verbringen, aber dennoch war der Horrornachricht ein Platz auf Seite eins der damaligen "Nouvelles illustrées" sicher (vgl. S. 80/81 im nur noch antiquarisch erhältlichen Buch "Les trains du toit de la France" von La Régordane). Eine Schmach für die Bahnverwaltung, die sich in den Wintern 1905 und 1906 in ähnlicher Form wiederholen sollte und schließlich darin gipfelte, dass man insgesamt rund sechs Kilometer der Nebenbahn kurzerhand unter steinernen Schneeverbauungen versteckte.

Jene am ehemaligen Haltepunkt Larzalier wird von einem schmiedeeisernen Fußgängersteg zu einer Weide überquert (!), der heute zwar seine Daseinsberechtigung weitgehend verloren haben dürfte, mir aber meine Fotoposition auch ohne waghalsige Kletterei ermöglichte. Am Wochenende der "Journées de patrimoine" am 19./20. September 2020 befuhren die Ehrenamtlichen der in Langogne ansässigen Association des passionnés de l'X2800 [www.ap2800.fr] mit ihren beiden Schmuckstücken X 2819 und X 2914 den Translozérien. Schnee war zwar nicht in Aussicht, das Wetter aber dennoch extrem rau und ungemütlich mit viel Regen und dichten, sich überlagernden Wolkenschichten. Für die nachmittägliche Rückfahrt aus Mende am Sonntag ließ sich dann entgegen aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich in einem passenden Zeitfenster die Sonne blicken. :)

Schlagen wir aber noch einmal kurz den Bogen zurück zur wechselvollen Geschichte des kleinen Ortes: Im Bildhintergrund, kurz vor dem Bahnwärterhaus, das in jener Schneenacht 1903 als Retter fungierte, zweigte ab ca. 1925 für wenige Jahre eine Anschlussbahn zur damals im Bau befindlichen, rund 15 Kilometer entfernten Barrage de Charpal ab, die sogar noch einmal ein gutes Stück weiter anstieg als der Translozérien, auf 1388 Meter! Sie sollte auch militärischen Zwecken dienen (man plante hier im Niemandsland die Lagerung von Schießpulver), verschwand aber letztlich bereits in der zweiten Hälfte der 30er Jahre wieder von der Bildfläche, ohne jemals nennenswert genutzt worden zu sein. Heute dienen weite Teile der Trasse als Straße/Wirtschaftsweg...

Zuletzt bearbeitet am 25.05.21, 13:31

Datum: 20.09.2020 Ort: Larzalier [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-X 2800 Fahrzeugeinsteller: Association des passionnés de l'X2800 (AP2800)
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 14 Punkte

9 Kommentare [»]
Optionen:
 
ZGC: Zur Ginsterblüte (auf den) Causses
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 17.05.21, 17:12
Was die Kurzbezeichnung der elektrischen Variante des AGC ausgeschrieben bedeutet, liegt ja praktisch auf der Hand, wenn man das Bild so betrachtet! Oder vielleicht ist auch doch alles ganz anders, eher technischer Natur, wer weiß...;)

Unbestritten allerdings lohnt sich ein Besuch der Causses - der Kalkhochebenen im südlichen Massif Central - zur Zeit der Ginsterblüte Ende Mai/Anfang Juni besonders. Wenn zwischen Wäldern und Weiden die Blüten sprießen, leuchtet die ganze Gegend gelb und verzaubert noch ein kleines bisschen mehr, als es der abgelegene Landstrich, wo es mehr Aubrac-Rinder als Menschen geben dürfte, mit seiner immensen Weite ohnehin schon tut.

Mitten hindurch verläuft von Süd nach Nord die "Ligne des Causses" Béziers - Neussargues. So gesellen sich zum blühenden Ginster noch ein paar Portalfahrleitungsmasten - die berühmten "Ogives" der MIDI - und zahllose Kunstbauten, gelegentlich sogar einer der spärlich verkehrenden Züge... Am 28. Mai 2016 war es ein unbekannter ZGC als TER 878950 (Béziers - Saint-Chély-d'Apcher), der um kurz nach zehn den Viaduc de la Crueize nördlich von Marvejols überquerte. Mit einer Länge von 218 Metern und gut 63 Metern Höhe zählt das 1880 bis 1884 errichtete und nach dem gleichnamigen Tal manchmal auch als Viaduc de l'Enfer bezeichnete Bauwerk zu den größeren Viadukten im Streckenverlauf.

Datum: 28.05.2016 Ort: Fraissinet [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 27500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
Top 3 der Woche: 7 Punkte

4 Kommentare [»]
Optionen:
 
La grande finale des Pielstick?
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 14.05.21, 17:38
Als eine der klassischen Diesellokreihen, die den französischen Bahnbetrieb der letzten Jahrzehnte in großer Stückzahl prägten, gelangten die BB 67400 im Laufe ihrer Karriere immer wieder auch ins benachbarte Ausland. Während sich das in den meisten Fällen auf die unmittelbare Grenznähe beschränkte (Saarbrücken z. B. war langjähriger Wendebahnhof), unterhielt das nordfranzösische Dépôt Longueau einen umfangreichen Bestand an Lokomotiven mit Belgien-Zulassung, die bis weit ins Königreich hinein eingesetzt wurden, zunächst in Kooperation der beiden Staatsbahnen, später als direkter Konkurrent zur SNCB. In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends erreichten diese Open Access-Verkehre von SNCF Fret ihren Höhepunkt: Chemie-Züge aus Tessenderlo und Zement aus Havinnes, Glukose ab Aalst und Holz aus Marloie, umfangreiche Container- und Getreideverkehre an die Nordsee... Und sogar für den Rangierdienst im Hafen von Antwerpen waren eigens Loks abkommandiert!

Dieser Boom jedoch ist längst wieder vorbei. Meist haben andere Unternehmen wie Europorte oder Lineas (Ironie der Geschichte: Das ist die verselbständigte Gütersparte der belgischen Staatsbahn, der man einst das Leben schwer gemacht hat...) die Züge übernommen oder die SNCF setzt auf neuere E-Loks. Ein Verkehr aber hat sich die letzten Jahre über halten können, auch wenn er nur kampagnenmäßig ist: Der Schottertransport vom Sagrex-Steinbruch in Quenast südlich von Brüssel nach Frankreich, um bedarfsweise Bahnbaustellen im Norden des Landes mit Nachschub zu versorgen. Wer sich auch nur ein wenig für den belgischen Bahnbetrieb interessiert, dem werden die Züge kaum entgangen sein...;)

Auch im Frühjahr 2021 rollen sie wieder! Insgesamt rund 45 Fahrten sind geplant, die Ende März begonnen haben und voraussichtlich noch bis zum 11. Juni andauern werden. Obwohl die 67400er schon mehr als einmal vermeintlich endgültig den belgischen Gleisen den Rücken gekehrt haben, rückt das tatsächliche Ende jetzt in konkrete Nähe und die Chancen sind hoch, dass die Schotter-Saison 2021 die letzte mit den Pielstick-Maschinen sein wird. Die Gründe dafür sind technischer Natur: Immer mehr Strecken im Netz von Infrabel werden mit ETCS ausgerüstet, womit ein Abbau der charakteristischen "Krokodile" im Gleis für das Zugbeeinflussungssystem Memor einhergeht, sodass die 67400 dort nicht mehr eingesetzt werden können, es sei denn man würde sie - sehr unwahrscheinlich - noch einmal mit ETCS oder mindestens TBL1+ ausrüsten. In naher Zukunft (ein genaues Datum habe ich leider nicht finden können) soll auch die "Ligne 96" von Brüssel nach Mons und zum Grenzübergang Quévy an der Reihe sein, auf der besagte Schotterzüge unterwegs sind.

Entgegen kommt dem geneigten Fotografen auch ein umfangreicher Rückschnitt des Bewuchses entlang der "L96", der viele neue Stellen ermöglich hat. Besonders nett finde ich dabei die alte Steinbogenbrücke, die bei Neufvilles die in einem kurvigen Einschnitt liegende Bahn überspannt. Am 23. April erschienen BB 67629 und 67579 pünktlich mit dem Leerzug FRET 49883 (Somain - Quenast) auf der Bildfläche. Die letzte blaue Diesellok im Bestand von SNCF Fret war rund einen Monat lang für diese Leistung eingeteilt, wurde Anfang Mai aber durch eine grüne Schwesterlok ersetzt.

Datum: 23.04.2021 Ort: Neufvilles [info] Land: Europa: Belgien
BR: FR-BB 67400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 15 Punkte

7 Kommentare [»]
Optionen:
 
Ein Franzose im Ösling
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 11.05.21, 17:36
Z2 und Mittelgebirge? Das gab bzw. gibt es nicht nur im französischen Doubstal, wie mit meinem letzten Galeriebild gezeigt, sondern auch im Ösling, dem luxemburgischen Teil der Ardennen im Norden des Großherzogtums! Während die Einsätze auf der landschaftlich besonders reizvollen Nordstrecke hoch bis nach Troisvierges leider seit einigen Jahren der Vergangenheit angehören, bietet die seit Stilllegung des weiteren Verlaufs ins belgische Bastogne (schrittweise bis 1967) nur noch gut neun Kilometer lange Nebenbahn von Kautenbach nach Wiltz nach wie vor die Möglichkeit, die luxemburgische Variante der Z2 - bei den CFL als Reihe 2000 bezeichnet - in bergiger Umgebung zu erleben.

Mehr oder weniger dicht folgt die Bahn dabei dem kleinen Fluss, der ebenfalls auf den Namen Wiltz hört, durch das waldreiche, eng in die umgebenden Höhenzüge eingeschnittene Tal. Kurz vor Erreichen des Abzweigbahnhofs Kautenbach, wo Anschluss nach Luxemburg Stadt und Troisvierges sowie Lüttich besteht, weitet sich der Talgrund etwas und lässt am Morgen einen freien Blick auf die Stützmauer der Bahn zu. Am 16. August 2016 war Triebwagen 2006 im Pendeldienst unterwegs und wird als RE 1833 (Wiltz - Kautenbach) gleich sein Ziel erreichen, von wo aus es nach kurzem Aufenthalt wieder zurück nach Wiltz gehen wird, ein sich im Halbstundentakt bis in die Abendstunden wiederholendes Schauspiel.

Weitere Einsätze der rund dreißig Jahre alten Fahrzeuge finden derzeit noch in Doppeltraktion als RB von Luxemburg Stadt über Ettelbrück nach Diekirch sowie auf den Strecken Noertzange - Rumelange, Esch-sur-Alzette - Audun-le-Tiche (F) und Bettembourg - Volmerange-les-Mines (F) statt, letztere allesamt ähnlich kurze Stichbahnen wie Kautenbach - Wiltz. Bis 2024 ist eine vollständige Ablösung der letzten nicht klimatisierten Nahverkehrsfahrzeuge in Luxemburg geplant.

Datum: 16.08.2016 Ort: Kautenbach [info] Land: Europa: Luxemburg
BR: LU-2000 Fahrzeugeinsteller: CFL
Kategorie: Zug schräg von vorn
Top 3 der Woche: 5 Punkte

5 Kommentare [»]
Optionen:
 
Après une nuit pluvieuse
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 08.05.21, 19:54
Im Jahr 2016 war der Regionalverkehr im Doubstal noch zu weiten Teilen in den Händen klassischer SNCF-Baureihen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. BB 25500 mit RRR-Garnituren, Z2 und BB 22200 mit Corail-Wendezügen teilten sich das TER-Angebot mit nur wenigen AGC und Baleines... Tempi passati!

Die Aussicht auf ein abwechslungsreiches Tagesprogramm ließ uns mitunter auch mal bei nicht ganz so sicherer Wetterprognose losfahren, denn die Chance, dass wenigstens ein bisschen was bei Sonne klappt, war entsprechend hoch. Und wunderschön ist es entlang des von Felsen umgrenzten Flusses am Nordrand des Jura sowieso - auch ganz ohne Eisenbahnfotos!

So lag eine verregnete Nacht hinter der Franche-Comté, als am Morgen des 12. April 2016 die Sonne zaghaft hinter den Wolken hervor blinzelte. In der langsam wärmer werdenden Frühlingsluft verflüchtigte sich das auf den jungen Blättern der frisch ergrünten Bäume gesammelte Wasser rasch und ließ eine eigentümliche, dunstgeschwängerte Atmosphäre entstehen. Dazu funkelten die Drähte und Leitungen des Fahrdrahts und der Hangsicherung wie Spinnweben in der Morgensonne, als der passend kurze Z 9631 als TER 894008 (Belfort - Besançon) bei Laissey an mir vorbei surrte. :)

Datum: 12.04.2016 Ort: Laissey [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-Z 9600 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 11 Punkte

4 Kommentare [»]
Optionen:
 
Dieselbrummen unterm singenden Draht
geschrieben von: Julian en voyage (437) am: 11.04.21, 16:29
Über den in den letzten Jahren wieder erstarkten Getreide-Verkehr auf der französischen "Ligne 4" habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Der um 2016/17 auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs von Vesoul neu errichtete Silokomplex der Kooperative Interval versendet primär Export-Getreide per Bahn und generiert damit einen (verglichen mit anderen Silos) recht üppigen Verkehr, den sich verschiedene EVU teilen. SNCF Fret nimmt dabei den Weg westwärts über Culmont-Chalindrey. Die Zuführung der Leerwagen passte ich am 29. März 2019 oberhalb von Rosières-sur-Mance ab: [www.drehscheibe-online.de]

Kurz nach dem verlinkten Bild rollte noch ein Coradia Liner-Doppel in Gegenrichtung, ehe bis zum Nachmittag eine etwa siebenstündige Zugpause begann... Ganz normaler Wahnsinn an der "Ligne 4", seitdem die Strecke nach Eröffnung der LGV Rhin-Rhône von einer wichtigen Magistrale Paris - Ostfrankreich/Schweiz gewissermaßen zum Schleichweg degradiert wurde! Die Zeit nutzte ich für ein ausgiebiges Picknick am Ufer der Saône, ein bisschen Stellenkunde und einen Kontrollbesuch am Silo in Vesoul, wo sich etwa eine Stunde vor geplanter Abfahrt die 75407 wieder an die Schlange Getreidewagen setzte.

Entsprechend war ich auch bereits darauf eingestellt, dass die Rückfahrt etwas vor Plan unterwegs sein würde. Mit etwa -50 passierte FRET 481050 (Vesoul - Culmont-Chalindrey) schließlich um 15h23 den frisch ausgeholzten Einschnitt von Port-sur-Saône (70), gesäumt von einer erst zaghaft aufblühenden Frühjahrsvegetation. Nicht fehlen dürfen natürlich die charakteristischen Doppelmasten, die den einstmals zu jeder bedeutenderen Bahnstrecke gehörenden "singenden Draht" stützen, wie er zwischen Chalindrey und Bas-Évette noch lange durchgehalten hat, mittlerweile aber auch dort auf vielen Abschnitten verschwunden ist...

Die BB 75400 ist für eingefleischte Großdiesel-Fans sicher nur ein müder Abklatsch der bis 2017 im Fernverkehr auf der "L4" eingesetzten CC 72000/72100, aber ich freue ich mich in der zunehmenden Triebwagen-Monotonie doch immer wieder über einen Güterzug mit dieser Reihe, wobei ein voll beladener Getreide-Ganzzug zu den schwereren Anhängseln zählen dürfte. So war der 2400kW-Motor von MTU in der Steigung von Vesoul hinauf zum kleinen Zwischenscheitelpunkt im Wald zwischen Grattery und Port-sur-Saône hörbar gefordert, wobei dieser bereits knapp überwunden war, als ich den Auslöser drückte. Hier geht es schon wieder leicht hinab in die Niederung der Saône.

Zuletzt bearbeitet am 12.04.21, 15:59

Datum: 29.03.2019 Ort: Port-sur-Saône [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 75400 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Infrastruktur
Top 3 der Woche: 7 Punkte

3 Kommentare [»]
Optionen:

Auswahl (437):   
 
Seiten: 2 3 4 5 6 .. 9 >

Größere Ansicht und weitere Informationen durch Anklicken der Vorschaubilder, Filterung der Auswahl über die Suchfunktionen. Bei Fragen zu unserer Galerie hilft die » Galerie-Moderation

(c) 2022 - Arbeitsgemeinschaft DREHSCHEIBE e.V.