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Au Bassin potassique
   
geschrieben von Julian en voyage am: 31.07.26, 19:11
Aufrufe: 277

Im Süden der Plaine d'Alsace, vor den Toren von Mulhouse, liegt das Bassin Potassique, das oberelsässische Kalirevier. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1904 zurück, als bei von der Amateurgeologin Amélie Zurcher initiierten Probebohrungen statt des erhofften Öls erstmals Kali entdeckt wurde. Zu ihren Ehren wurde das erste Bergwerk auf den Namen "Amélie" getauft. Viele weitere sollten in der folgenden Dekade entstehen und die Gegend rund um Richwiller, Wittelsheim und Wittenheim, das sogenannte Ochsenfeld, erlebte einen industriellen Boom. In einer Tiefe von 400 bis über 1000 Metern konnte dort der begehrte Rohstoff abgebaut werden.

Während die Anfangsjahre noch in die Zeit des "Reichslandes" fielen, als das Elsass dem Deutschen Kaiserreich angegliedert war, wurden die Bergwerke nach dem ersten Weltkrieg von den Mines (domaniales) de potasse d’Alsace (MDPA) betrieben, deren Logo mit einem Storch vor dem Straßburger Münster noch heute ikonisch anmutet. Ab den 1960er Jahren gingen Fördermenge und Zahl der Bergleute langsam zurück, ehe sich diese Entwicklung in den 80er und 90er Jahren beschleunigte und schließlich 2002 in der Schließung des letzten Kalibergwerks gipfelte. Die meisten von ihnen sind heute vollständig abgerissen, vereinzelt ragen aber immer noch Fördertürme als Landmarken in der flachen Rheinebene empor.

Eine von ihnen ist das 64 Meter hohe Fördergerüst des einstigen Puits Théodore in Wittenheim. Während die imposante Stahlkonstruktion als Monument historique heute nur noch die Tricolore in den Himmel trägt, dient ein Teil der umliegenden, architektonisch sehenswerten Industriegebäude aus verschiedensten Epochen (vgl. [inventaire.grandest.fr] ) dem Kali-Giganten K+S als Granulier-, Lager- und Umschlagstandpunkt für sein Frankreich-Geschäft. Beinahe täglich wird das Werk per Bahn mit Kaliumchlorid aus den deutschen Bergwerken beliefert. Teilweise weiterverarbeitet oder neu gemischt treten die Fertigprodukte anschließend per Zug oder Lkw ihre Weiterreise an.

Dafür ist der Standort Wittenheim über eine rund 6 Kilometer lange Anschlussbahn, ihres Zeichens letzter Rest des einstmals ausgedehnten Werkbahnnetzes der MDPA, mit dem Bahnhof Richwiller an der Hauptbahn Mulhouse - Straßburg verbunden. Wesentlich spannender als die im Hauptlauf von Europorte eingesetzten BB 37000 oder €4000 ist dabei das Vehikel für die Anschlussbahn, wo unermüdlich eine BB 4800 durch den Forêt de Nonnenbruch zum Puits Théodore schaukelt. Die von Brissonneau & Lotz gebauten ehemaligen Zechenbahnloks können ihre enge Verwandtschaft zu den SNCF-Baureihen BB 63000 und BB 63500 nicht verhehlen.

Am Abend des 27. März 2026 ist BB 4803 gerade aus Richwiller angekommen und nimmt Position für ihre Wochenendruhe. Im Schatten des Förderturms kann die Lok, die in ihrem früheren Leben bei den Houillères du Bassin du Nord et du Pas-de-Calais (HBNPC) Kohlezüge durch das nordfranzösische Industrierevier zog, noch einmal einen Hauch Zechenatmosphäre schnuppern...

Datum: 27.03.2026 Ort: Wittenheim Land: Europa: Frankreich
BR: 2XAusl (sonstige ausländische Diesellokbaureihen) / FR-BB 4800 Fahrzeugeinsteller: Europorte
Kategorie: Bahn und Infrastruktur

EXIF-Daten:
Hersteller: SONY , Modell: DSLR-A350, Belichtungszeit: 1/640 sec, Blende: F/10.0, Empfindlichkeit (ISO): 200, Datum/Uhrzeit: 27.03.2026 17:38:48, Brennweite: 50 mm, Bildgröße: 856 x 1280 Pixel


geschrieben von: claus_pusch
Datum: 01.08.26, 14:03

Hallo Julian, ein schönes Werksbahnfoto hast du als Halb-Jubiläums-Bild 550 herausgesucht! Die Wolkenbänder tragen maßgeblich zur Bildwirkung bei. Diese Strecke kannte ich wohl vom Kartenstudium, aber wenn da - wie du schreibst - öfters mal etwas hin- und herfährt, lohnt es sich vielleicht, sich doch mal am Gleis zu postieren. Ich habe irgendwo im Archiv noch Bilder von Hauptbahn-Zügen, die am Puits Marie-Louise in Staffelfelden vorbeifahren - aber natürlich nicht in Galerie-Qualität. Die Kalilager reichen bzw. reichten übrigens bis auf die badische Seite, wo es mit Buggingen Bf - Buggigen Werk - Heitersheim Werk auch eine interessante (und längst verschwundene) Anschlussbahn gab. *
Viele Grüße, Claus

geschrieben von: Gleis MA 11-12
Datum: 02.08.26, 00:48

Seltsam. Das Bild hatte ich schon weggeklickt. Dann doch zurück. Zum Glück.

Eine wunderschöne Industriekulisse mit Eisenbahn. Stern.

Gruß aus Mannheim
Rolf

geschrieben von: Michael Ulbricht
Datum: 02.08.26, 16:22

Hallo Julian,
danke für das sehr stimmungsvolle Foto! Ich war vor 25 Jahren dort in der Gegend vergeblich unterwegs, um den Restbetrieb der MDPA aufzunehmen. Aber das war alles sehr trostlos, unzugänglich und feindselig. Kaum hatte ich bei der Grube Amélie II in Wittelsheim angehalten, kam auch schon der Werkschutz. Die standen damals wegen der Einleitungen in den Rhein in der öffentlichen Kritik. Aber schön, dass sich dieses kleine Stück bis heute erhalten hat.
Grüße, -mu

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