Diagonale du vert |
geschrieben von Julian en voyage am: 31.05.26, 19:25 Aufrufe: 319 |
Als "Diagonale du vide" (deutsch: Diagonale der Leere) beschreiben französische Wissenschaftler ein sozio-regionales Phänomen, das sich vom agrarisch geprägten Département Meuse im Nordosten einmal diagonal durch die Republik bis zu den Sümpfen und Kiefernwäldern der Landes im Südwesten erstreckt - Und darüber hinaus seine Fortsetzung in den Weiten der Iberischen Halbinsel findet. Die Bevölkerungsdichte ist in diesem Korridor, der weit abseits der großen Metropolregionen liegt, verglichen mit dem restlichen Frankreich sehr gering und liegt teils unter 30 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Landflucht als Kehrseite der Urbanisierung des 19. und 20. Jahrhunderts hält vielerorts weiter an. Krankenhäuser und Schulen, (Familien-)Betriebe und Geschäfte schließen. Dennoch mehren sich Stimmen, die die überkommene Bezeichnung für allzu abwertend halten und unterbreiten alternative Namensvorschläge. Und tatsächlich sollte eines nicht aus den Augen geraten (was mit dem, mitunter verklärten, Blick des Reisenden natürlich umso leichter ist): Der Korridor ist zugleich auch ein Hort der Ruhe, der Felder und kleinen Orte mit historischer Bausubstanz, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, vor allem aber der ausgedehnten Wälder und Weiden, in deren satten Grüntönen man sich regelrecht verlieren kann... Also vielleicht eher eine "Diagonale du vert" als eine der Leere...? Denn Nichts ist das alles nicht und lädt zur Kontemplation abseits des Alltags ein. Dementsprechend mag ich es immer wieder, sich auch beim Eisenbahn-Hobby einfach mal entlang einer der noch vorhandenen (natürlich auch längst nicht mehr so zahlreichen) Nebenbahnen treiben zu lassen, wo zwischen den wenigen Zugbewegungen genug Zeit bleibt für eine Siesta im Gras oder ein Picknick auf einer Bank (die doch meist irgendjemand an der passenden Stelle errichtet hat) und man trotzdem kein Motiv verpasst, wenn der nächste Zug ohnehin erst wieder in vier oder fünf Stunden durch den pittoresken Landschaftsblick oder in den verträumten Dorfbahnhof rollt. So beschloss ich nach einem denkwürdigen, gleichermaßen netten wie doch recht überlaufenen Spektakel am Vormittag (dazu natürlich bald mehr ;)), die zweite Tageshälfte des 24. April 2026 und den folgenden Samstag mit dem planmäßigen Triebwagen-Betrieb auf den Nebenbahnen im nördlichen Morvan zu verbringen, wo die AGC in (noch) vanille/fraise, dem gefälligen Design der ehemaligen Région Bourgogne, dominieren. Im letzten Licht, das die schwindende Sonne bei Givry ins Tal des Cousin (!), eines kleinen Nebenflusses der Cure, warf, rollte einer von ihnen als TER 892307 (Montereau - Avallon) seinem Zielbahnhof entgegen, der mit 6300 Einwohnern Metropolen-gleichen Sous-préfecture des Départments Yonne. |
Datum: 24.04.2026 Ort: Givry Land: Europa: Frankreich BR: 6XAusl (sonstige ausländische Verbrennungstriebwagen) / FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF Kategorie: Stimmungen mit Zug |
EXIF-Daten: Hersteller: SONY , Modell: DSLR-A350, Belichtungszeit: 1/800 sec, Blende: F/7.1, Datum/Uhrzeit: 24.04.2026 20:07:38, Brennweite: 135 mm, Bildgröße: 918 x 1280 Pixel |
geschrieben von: Frank H Datum: 01.06.26, 12:06 Hallo Julian! Da steckt ganz viel Wahrheit in deinem Text! Auf der Jagd nach der 103, der letzten 218 oder dem letzten Formsignal vergesse ich auch allzuoft, welche ruhigen und erholsamen Potentiale unser Hobby bietet! Na gut, mal Abends am Rhein oder am Hubertusviadukt setze ich es dann doch genau so um, wie du es beschrieben hast ;) Der französischen Idylle spendiere ich aber auch sehr gerne einen *! Viele Grüße Frank |
geschrieben von: Volker Blees Datum: 01.06.26, 13:29 Schön beschrieben und schön eingefangen - ganz mein Ding, was Eisenbahnfotografie in Frankreich (und überhaupt) angeht. Das viele Grün in der Diagonale du vert erleichtert das Fotografieren ja nicht gerade, und dass sich die Strecke nach Avallon bei Givry trotz der unmittelbar parallel verlaufenden D 606 so schön umsetzen lässt, hatte ich nicht auf dem Schirm. Zeit, mal wieder Yonne und Cure aufzusuchen (wobei nach Corbigny offenbar aktuell gar nichts mehr fährt?) *ige Grüße, Volker |
geschrieben von: Julian en voyage Datum: 04.06.26, 13:48 Merci euch beiden! :) @Frank: Die Mischung macht's! Häufig bin ja auch ich dem "besonderen Zug" auf der Spur, wenngleich es selten eine 103 oder 218 ist...;) @Volker: Das stimmt, ein Motiv ganz ohne Straße hätte man auf diesem Abschnitt nicht erwartet. Das Potential für den Tele-Blick habe ich vom kleinen Parkplatz an der D606 aus entdeckt, der sich direkt unter den Bäumen hinter dem Triebwagen befindet. Und ja, nach Corbigny fährt leider infolge von Oberbaumängeln und der damit verbundenen Herabsetzung der Streckenhöchstgeschwindigkeit zwischen Clamecy und Corbigny auf - ich meine - 30 km/h aktuell kein planmäßiger Personenzug mehr. Es bleibt etwa 1 x pro Woche die Lineas-Bedienung des Steinbruchs Picampoix/Sardy-lès-Épiry und ganz sporadische Sonderleistungen - Dazu bald mehr auf dieser Welle! Viele Grüße Julian |
geschrieben von: 215 082-9 Datum: 04.06.26, 22:28 Die Perspektive an sich ist ja schon klasse, von der Lichtstimmung her hast du aber mal wieder das absolute Optimum herausgeholt! * |
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