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La Tortuga
   
geschrieben von Olli Sydow am: 26.02.26, 12:16
Aufrufe: 683

Uns verfolgt immer noch der "Anhalter"...;-)

Mit dieser Einstellung möchte ich an eine eher seltsame und nicht unumstrittene Aktionskunst aus dem Jahr 1987 erinnern. Auf dem Gelände des früheren Anhalter Bahnhofs fand im Sommer 1987 unter dem Namen "Mythos Berlin" eine Ausstellung im Rahmen der 750-Jahr-Feier von Berlin statt. Verschiedene künstlerische Installationen wurden auf dem Gelände gezeigt, und beabsichtigt war, auf diesem Wege die Geschichte der Stadt zu erschließen. Bei den Besuchern blieb das Ziel der Veranstaltung jedoch weitgehend im Verborgenen; man reagierte oft mit Unmut oder Verständnislosigkeit und konnte einen Zusammenhang der Ausstellung mit der Stadtgeschichte nicht immer herleiten. Letztendlich erwies sich die Ausstellung als Flop.
Höhepunkt der Veranstaltung war ein Event des Aktionskünstlers Wolf Vostell unter dem Namen "La Tortuga", in welchem die Wustermarker 52 2751 von mehreren Autokränen umgedreht und auf den Kopf gestellt wurde. Die Lok soll die Symbolik des Missbrauchs der Industrie und Technik für den Krieg darstellen, ferner den Niedergang historischer Industriezweige. (aha...)

Nach dem Ende der Ausstellung verblieb die Lok als auf dem Rücken liegende Schildkröte auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs, bis sie 1991 in dieser Position vor dem Theater in Marl platziert wurde.

An den Aktionskünstler Vostell erinnern heute noch die beiden Beton-Cadillacs am Kreisverkehr des Rathenauplatzes in Berlin, wo der Kurfürstendamm beginnt. Vostells Intention war hier der "24-stündige Tanz der Autofahrer ums Goldene Kalb" (sic!). Na, denn...

Scan vom Fuji-100 Kleinbiddia

Datum: 21.10.1988 Ort: Berlin Anhalter Bahnhof Land: Berlin
BR: 040-059 (Güterzug-Dampflokomotiven) Fahrzeugeinsteller: Deutsche Reichsbahn
Kategorie: Stillleben

EXIF-Daten:
Hersteller: EPSON, Modell: Perfection V800, Bildgröße: 844 x 1280 Pixel


geschrieben von: Detlef Klein
Datum: 27.02.26, 11:13

Coooool 😎👍. "Kunst" zeigt doch immer wieder Überraschungen.

geschrieben von: s-hoffmann-bln
Datum: 27.02.26, 16:58

Okay, zugebenen, damals als junger Eisenbahnfreund konnte ich mit einer kopfstehenden Dampflok auch nichts anfangen. Rein gar nix.

Heute allerdings, finde ich das Werk gar nicht mal sooo doof: Eine Baureihe 52, die Kriegslok ("Räder müssen rollen für den Sieg"), an diesem vor dem Krieg einst so lebendigen Ort, und nun (1987) eine tote Sandpiste in Randlage einer geteilten Stadt. Das hat durchaus eine gewisse Symbolik, wie eine Schildkröte, die nicht mehr vorwärts kommt. Die kopfstehende Lok war so grotesk wie der ganze Ort und die geteilte Stadt. Nur, daß man sich in 26 Jahren an die Mauer gewöhnt hatte, und das Absurde Alltag geworden war, und in der tatsächlichen Absurdität kaum noch wahrgenommen wurde. Heute, wo die Stadt wieder offen ist, merkt man erst wieder wie verrückt das war.


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