Erinnerungen an den "Anhalter" |
geschrieben von Olli Sydow am: 23.02.26, 15:22 Aufrufe: 759 |
Bleiben wir noch einen Moment im alten West-Berlin zur Vorwendezeit. Den Güterzug vom Anhalter Güterbahnhof über Papestraße und Tempelhof nach Grunewald haben wir kürzlich erst gesehen, und hier folgt eine weitere Aufnahme dieses Zuges, ebenfalls aufgenommen von der Monumentenbrücke. Und immer wieder war auch auf weiteren Bildern immer die Rede vom "Anhalter". Nun, der Anhalter Bahnhof war früher DER Inbegriff für Kopfbahnhöfe in Berlin. Er war nicht der älteste Kopfbahnhof, wohl aber der imposanteste. Dies wird der riesigen, fast 35 Meter hohen Halle geschuldet sein, und zahllose Bilder sind bekannt, auf denen namhafte Schnellzüge den "Anhalter" erreichen oder verlassen. Über der Lok ist ein Stahlbogen zu erkennen, welcher im Rahmen der Ausstellung "Mythos Berlin" anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt 1987 errichtet wurde, um an die Größe der Halle zu erinnern. Ursprünglich war vorgesehen, eine Nachbildung des imposanten Südportals des "Anhalters" darzustellen, aber letztendlich blieb es bei dem Stahlbogen, welcher im Jahr 1990 wieder abgebaut wurde. Er verdeutlicht auf unserem Bild in etwa die Größe der Bahnhofshalle. Vom Bahnhof selbst ist heute nur noch der Portikus am Askanischen Platz erhalten geblieben. Er erinnert an das gewaltige, fast monströse Bauwerk, welches nach dem Krieg noch halbwegs erhalten war, jedoch Ende der 50er Jahre unter massivem Protest der Bevölkerung gesprengt wurde. Unsere 106 rollt mit ihrem Güterzug vom Anhalter Güterbahnhof soeben am Stellwerk "Agb" vorbei. Zwei Flügel sind frei für den Weg Richtung Grunewald. Der Schornstein sowie die Mühle am linken Bildrand gehören zum Gelände des Deutschen Technikmuseums, dessen Eisenbahnabteilung in den beiden Ringlokschuppen des ehemaligen Bahnbetriebswerkes Anhalter Bahnhof besichtigt werden kann. Zum Bild: die Beleuchtungssituation der Güterwagen mag nicht optimal sein. Die Einstellung habe ich aber dennoch geschichts- und themenbezogen vorgenommen. Scan vom Fuji-100 Kleinbilddia |
Datum: 24.06.1989 Ort: Berlin Monumentenbrücke Land: Berlin BR: 344-347 (alle V60-ost) Fahrzeugeinsteller: Deutsche Reichsbahn Kategorie: Bahn und Infrastruktur |
EXIF-Daten: Hersteller: EPSON, Modell: Perfection V800, Bildgröße: 840 x 1280 Pixel |
geschrieben von: s-hoffmann-bln Datum: 24.02.26, 14:23 Wieder ein tolles Erinnerungsbild an das alte West-Berlin. :-) Irgendwie kommt es mir so vor, als wäre damals mehr Güterverkehr in der Stadt gewesen als heute. Zum Stadtpanorama: Links das hässliche Hotel Bellevue-Tower am Potsdamer Platz, dass in den 90ern der Neubebauung weichen musste. In der Bildmitte das Europahaus am Askanischen Platz, dahinter noch der Weitblick zum Handelszentrum am Bahnhof Friedrichstr. (damals noch Ost-Berlin) und rechts das Hochhaus anstelle des früheren Excelsior-Hotels. Stern und Gruß, s-hoffmann-bln 1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.02.26, 14:23 |
geschrieben von: Olli Sydow Datum: 24.02.26, 16:49 Danke für die Ergänzung ! Und es kommt dir nicht nur so vor, denn es war innerstädtisch früher ein deutlich stärkerer Güterverkehr vorhanden als heutzutage. Man denke an die Kohlenzüge zu den Kraftwerken Lübars und Rudow, den Ford-Zug, die Bedienung der Goerzbahn, Verkehre nach Tegel zu Thyssen u.a., Anschließer an der Kanalstraße in Rudow oder nach Marienfelde (wer kennt denn noch den Gbf. Motzener Straße..?), ferner all die Anschließer entlang der OHE, Industriebahn Neukölln, Siemensbahn, Rhenus u.v.a. Zum Schluss gab es nur noch den Kaffeezug, welcher mit wahrem Szenenapplaus zu Grabe getragen wurde. Übrig geblieben sind innerstädtisch die Kesselzüge zur Gradestraße und zur Stubenrauchstraße sowie Verkehre in Ruhleben und zum Westhafen. |
geschrieben von: barnie Datum: 25.02.26, 08:16 Ich gaube nicht, dass man sich bei so einer motivlich wie historisch interessanten Aufnahme für das fehlende Seitenlicht bei den Güterwagen "entschuldigen" muss. Nicht ganz ohne Grund heißt es häufig: "Nicht das Licht macht das Foto sondern die Schatten". * |
geschrieben von: Der Rollbahner Datum: 25.02.26, 10:08 Das sehe ich genauso: Die vielen Güterwagen hinter der 106 sind sowieso der Hingucker, aber als Geschichtsdokument ist das Bild total genial. * und viele Grüße Hartmut |
geschrieben von: Detlef Klein Datum: 25.02.26, 12:09 @Barnie, Rollbahner: das mit den Verschattungen sehen nicht wenige völlig anders. Ich aber bin da ganz bei Euch. Und Olli braucht da auch nicht um Entschuldigung zu bitten. Die Aufnahme geht auch weit über eine reine Doku hinaus, sie ist ein Festhalten der Zeit und Infrastruktur in Berlin. Gerne mehr, auch ohne perfektem Sonnenstand. |
geschrieben von: Nils Datum: 25.02.26, 22:23 In diesem Falle ist die fehlende Ausleuchtung der Wagen doch sogar von Vorteil. Leuchtende, braune Wagen würden doch untergehen. Tolles teliges Wimmelbild! ;-) und * |
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