Morgens in Gesundbrunnen |
geschrieben von Olli Sydow am: 31.01.26, 13:09 Aufrufe: 543 |
Machen wir weiter mit ein bissel Berlin-Geschichte..;-) Bereits einige Bilder sind aus Berlin-Gesundbrunnen in die Galerie gelangt. Aktuelle wie historische. Jetzt ein einzelnes Bild zu verlinken wäre den übrigen Bildern nicht gerecht. Daher empfehle ich dem geneigten und interessiertem Berlin-Besucher die Lektüre sämtlicher Bildtexte. Wir schreiben den 16.06.88. Ein früher Juni-Morgen, welcher in erster Linie dem Franzosenzug diente, welcher hier 3 x pro Woche morgens gegen 7 Uhr aufzukreuzen pflegte. Als Beifang entstand an jenem Morgen die Aufnahme einer S 2 nach Frohnau, wie sie soeben den Bahnhof Gesundbrunnen verlässt. Wir sehen links daneben die beiden weiteren Bahnsteige: in der Mitte, fast vollständig von der Natur zurückerobert, der Bahnsteig für die Vorort-und Fernzüge, welche vom Stettiner Bahnhof kommend, ihren Weg in Richtung Ostseebäder eingeschlagen haben. Links daneben der ehemalige Ringbahnsteig. Was muss hier früher los gewesen sein...? Genau: das, was in etwa heute los ist, wenn man auf der Swinemünder Brücke steht und sich den Verkehr anschaut. Im Juni 1988 kam alle zehn Minuten eine S-Bahn - und sonst nur der Franzosenzug sowie der überschaubare Güterverkehr nach Schönholz und Tegel - auf einem einzigen Gleis. Was sehen wir noch? Links im Hintergrund erkennen wir ein metallenes Denkmal auf einem Hügel. Hierhinter verbirgt sich der Humboldthain, benannt nach dem großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Das Denkmal wurde zur Erinnerung an die deutsche Einheit aufgestellt und zeigt zwei getrennte Hälften, welche von einem Ring zusammengehalten werden und somit die Symbolik der Teilung Deutschlands darstellen. Aber worauf steht das Denkmal? Nun, spulen wir die Zeit in den zweiten Weltkrieg zurück. Hier entstand Anfang der 40er Jahre ein hoher Flakturm sowie daneben ein Leitturm zur Verteidigung der Stadt gegen Luftangriffe der Alliierten. Innerhalb des Turms existiert eine siebenetagige Bunkeranlage, welche heutzutage besichtigt werden kann. Der Hügel um die Türme herum entstand erst nach dem 2. Weltkrieg als Trümmerberg, und die Bunker wurden nach dem Krieg nie gesprengt. Und jetzt kommt wieder die Eisenbahn ins Spiel: Gesundbrunnen war damals in der französischen Besatzungszone, und die Franzosen wollten vermeiden, dass durch die Sprengung die unmittelbar darunter liegenden Gleise der Reichsbahn beeinträchtigt werden, sprich: man wollte die russische Besatzungsmacht nicht unnötig provozieren. Wir verdanken somit mitten in der Stadt dieses sehenswerte Denkmal deutscher Geschichte, und ich kann nur jedem Berlin-Besucher empfehlen, den etwas mühsamen Anstieg über diverse Treppen hoch zum Bunkerplateau auf sich zu nehmen. Allein der Blick auf die Stadt entschädigt! Scan vom Fuji-Kleinbilddia. Einige wirklich unästhetische Baukräne wurden digital zu Fall gebracht. |
Datum: 16.06.1988 Ort: Berlin Gesundbrunnen Land: Berlin BR: 475,476,477 (alte Berliner S-Bahn) Fahrzeugeinsteller: BVG Kategorie: Bahn und Infrastruktur |
EXIF-Daten: Hersteller: EPSON, Modell: Perfection V800, Bildgröße: 834 x 1280 Pixel |
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