Der Santa Express |
geschrieben von Dennis G. am: 24.12.25, 14:35 Aufrufe: 392 |
In den 1870er Jahren wurden bei Leadville (Colorado) Silber- und Bleivorkommen entdeckt, was das Interesse mehrerer Eisenbahngesellschaften weckte. Sowohl die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway (ATSF) als auch die Denver & Rio Grande Western Railroad (D&RGW) wetteiferten um die lukrative Schienenanbindung des neuen Bergbaugebietes. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte noch niemand die extrem enge Schlucht des Arkansas River durchquert. Die westlich von Cañon City gelegene „Royal Gorge“ galt aufgrund ihrer steilen und bis zu 300 m hohen Felswände zunächst als unpassierbar. Allerdings bot das gleichmäßige Gefälle des Flusses von etwa 10 ‰ perfekte Bedingungen für eine Eisenbahnstrecke. Die Streitigkeiten der beiden Eisenbahngesellschaften führten so weit, dass sie als „Royal Gorge Railroad War“ in die Geschichte eingingen. Während sich die Gerichte mit dem Fall befassten, wurden die gegnerischen Bautrupps sabotiert, strategische Punkte in der Schlucht gehalten und Revolverhelden angeheuert, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Schließlich wurde der Streit durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten beigelegt. Dabei erhielt die ATSF die Rechte zum Streckenbau über den Raton Pass, während die D&RGW die Strecke durch die Royal Gorge fertigstellen durfte. Die ATSF erhielt dort Streckennutzungsrechte. Der Bau der Strecke war alles andere als trivial. Die Arbeiter mussten sich zum Teil aus schwindelerregenden Höhen bis zum Gleisniveau abseilen. An der engsten Stelle wurde das Gleis an einer Stahlkonstruktion über dem Fluss aufgehängt, da seitlich kein Platz dafür war. Am 7. Mai 1879 befuhr der erste Ausflugszug die beeindruckende Schlucht. Ein paar Jahre später konnte man weiter über den Tennessee Pass fahren und damit interkontinentale Verbindungen bis an die Westküste anbieten. Mit dem Bau weiterer Routen durch die Rocky Mountains und dem Aufkommen des Flug- und Automobilverkehrs verlor die Strecke jedoch immer weiter an Bedeutung, sodass der regelmäßige Verkehr 1967 eingestellt wurde. Heute ist die Schlucht vor allem durch die 1929 errichtete Royal Gorge Bridge bekannt, welche als reine Touristenattraktion den Fluss in 291 Metern Höhe überspannt und damit bis 2001 den Rekord als höchste Brücke der Welt hielt. Passend dazu betreibt die Royal Gorge Route Railroad den spektakulärsten Streckenabschnitt durch die Schlucht als Museumsbahn. Sobald die Vorweihnachtszeit beginnt, wird eine festlich gestaltete SD40-3 eingesetzt. Mit dem von Rentieren gezogenen Schlitten, Schneeflocken und Geschenken sind die üblichen Motive auf der Lok mit der Nummer 602 verewigt. Der "Santa Express" fährt von Cañon City etwa 10 Meilen durch die Schlucht des Arkansas River, bevor es geschoben wieder zurück geht. Der Zug erreicht dabei mit 17 Wagen, darunter welche mit Panoramafenstern sowie offene Aussichtswagen, eine beachtliche Länge. Kurz vor dem nordwestlichen Ende dieses Abschnittes sind die Felsen nicht mehr ganz so hoch und man kann über einen Pfad in die Schlucht gelangen. Während ein paar Angler ihr Glück im kalten Wasser versuchten, gewannen wir etwas Höhe, um den Zug in einem der wenigen sonnigen Abschnitte zu fotografieren. Über die bunte Lok haben wir uns weniger gefreut, da auch eine orange Rundnase im Angebot gewesen wäre. Zu Weihnachten passt der Kitsch aber hervorragend. In diesem Sinne wünsche ich allen Galerienutzern ein frohes Weihnachtsfest! Zuletzt bearbeitet am 03.04.26, 12:38 |
Datum: 15.11.2025 Ort: Parkdale, Colorado, USA Land: Übersee: Nordamerika BR: 2XAusl (sonstige ausländische Diesellokbaureihen) / US-EMD SD40 Fahrzeugeinsteller: Canon City and Royal Gorge Railroad Kategorie: Zug schräg von vorn |
EXIF-Daten: Hersteller: SONY, Modell: ILCE-7M3, Belichtungszeit: 1/1000 sec, Blende: F/7.1, Datum/Uhrzeit: 15.11.2025 13:39:17, Brennweite: 28 mm, Bildgröße: 853 x 1280 Pixel |
geschrieben von: Gunar Kaune Datum: 30.12.25, 20:49 Schön, mal etwas von dieser Bahnstrecke zu sehen. Und mit der Weihnachtslok habt ihr ja Fahrzeug erwischt, dass in dieser wüstenhaften Landschaft besonders befremdlich wirkt. |
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