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Auf schmaler Spur durch die Provence - I
   
geschrieben von Julian en voyage am: 20.04.20, 18:48
Aufrufe: 1153

Einstmals war Frankreich von einem schier unglaublich engmaschigen Netz an Neben-, Schmalspur- und Überlandstraßenbahnen durchzogen, wie einen der Blick auf alte Streckenkarten immer wieder aufs Neue lehrt. Bis in die letzte Ecke des Hexagons rollten die kleinen Züglein zu ihrer Blütezeit im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts, teils von Anfang an mit einem äußerst bescheidenen Verkehrsaufkommen. Spätestens mit der zunehmenden Verbreitung von Bus, Lastwagen und später Pkw ab den Vierzigerjahren waren sie wirtschaftlich kaum mehr überlebensfähig und wurden eine um die andere Strecke eingestellt. Die heute noch existierenden Schmalspurbahnen mit einer echten Aufgabe im SPNV kann man dementsprechend an einer Hand abzählen.

Auch vor dem Netz der Chemins de fer de Provence machte diese Entwicklung nicht halt. Beinahe 500 Kilometer Streckenlänge maß es zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung: Von Nizza ging es auf Meterspur über Grasse und Draguignan nach Meyrargues, entlang des Var über Puget-Théniers nach Digne (das den Zusatz "les Bains" erst seit 1988 trägt) inklusive Zweigstrecken in zwei Seitentäler, zudem von Saint-Raphaël entlang der Küste über Hyères nach Toulon und schließlich von Cogolin über eine Stichstrecke nach Saint-Tropez. Zwischen 1944 und 1950 kam für einen Großteil des Netzes dann das Ende. Während die Einstellung manch anderer Strecke "au bout du monde" mehr als verständlich ist, drängt sich hier der Verdacht auf, dass der Autobus damals einfach das chicere Image hatte... Die 150 Kilometer lange Strecke von Nizza nach Digne-les-Bains hat allerdings allen Stilllegungswellen getrotzt und blickt heute trotz gewisser Unzulänglichkeiten im Fahrzeugsektor einer insgesamt gesicherten Zukunft entgegen.

„Dank“ der zitierten Probleme (u. a. wurde ein Neubau-Triebwagen der Reihe AMP 800 im Februar 2014 durch einen Felssturz bei Annot, der zwei Menschenleben kostete, irreparabel beschädigt) kommen neben den AMP 800 in der Regel in mindestens zwei Umläufen auch noch ältere, in den Siebzigerjahren von CFD Montmirail gebaute Fahrzeuge zum Einsatz.

Ein solcher - X 306 (Baujahr 1977) - kam am 30. April 2017 als Zug 2 (Digne-les-Bains - Nice CP) in zügiger Fahrt aus der kurzen, nur 25 Meter messenden Galerie du Salvaret unterhalb des gleichnamigen Weilers geschaukelt. Die flotte Fahrweise an den Grenzen des auf dem Oberbau Machbaren (die das Personal natürlich längst im Blut hat...!) kann wohl mit Fug und Recht als typisch für die Chemins de Fer de Provence bezeichnet werden. Ein kleiner Rest französische Schmalspur-Idylle inmitten der Seealpen mit ihren beeindruckenden Landschaften. :)

Zuletzt bearbeitet am 02.05.20, 21:21

Datum: 30.04.2017 Ort: Salvaret Land: Europa: Frankreich
BR: 6XAusl (sonstige ausländische Verbrennungstriebwagen) / FR-SY Fahrzeugeinsteller: Chemins de Fer de Provence (CP)
Kategorie: Bahn und Landschaft

EXIF-Daten:
Hersteller: SONY , Modell: DSLR-A350, Belichtungszeit: 1/800 sec, Blende: F/9.0, Datum/Uhrzeit: 30.04.2017 09:36:33, Brennweite: 20 mm, Bildgröße: 889 x 1280 Pixel



geschrieben von: Rübezahl
Datum: 21.04.20, 13:09

Eigentlich ist das Motiv einen dicken * wert, aber dennoch tue ich mich bei dessen Vergabe schwer. Das liegt sicher daran, dass ich den Ort kenne und ihn ganz anders in Erinnerung habe, denn das menschlich Auge kann mit der heutigen Kamera-Weitwinkel-Technik nicht mithalten. Man kann nun Stellen so gestalten wie man sie gerne hätte, kommt auf diese Weise der Malerei nahe, in der man sich die Welt gestalten kann wie man sie gerne hätte.
Schön, dass die 70er-Jahre-Triebwagen noch fahren. Auf jeden Fall macht das Bild wieder Lust auf die Seealpen und mein schönes Quartier in Annot.

* und Gruß

Rübezahl


geschrieben von: Philosoph
Datum: 21.04.20, 20:08

Hallo Julian,

mal wieder ein großartiges Landschaftsbild aus Frankreich von einer Bahn, die ich unbedingt einmal besuchen möchte. *

Beste Grüße

Carsten


geschrieben von: Rainer.Patzig
Datum: 23.04.20, 09:47

Hallo Julian,

ich kann zu dem von Rübezahl aufgeworfenen Thema nicht mitreden, da ich noch nie dort war. Auf jeden Fall gefällt mir das Bild.

* und Grüße Rainer


geschrieben von: postenkoenig
Datum: 23.04.20, 22:03

Grandiose Landschaft


geschrieben von: Julian en voyage
Datum: 27.04.20, 18:35

Merci für eure Kommentare! :)

Hoffen wir, dass man in nicht allzu ferner Zukunft wieder dorthin reisen kann, denn einen Besuch der liebenswerten Schmalspurbahn kann ich nur wärmstens empfehlen. Das von "Rübezahl" genannte Annot ist dabei sicher nicht der schlechteste Ausgangspunkt...

Was die verwendete Brennweite und das optische Empfinden angeht, denke ich, dass das neben persönlichem Geschmack auch eine Generationenfrage ist, gekoppelt an die Kamera-Technik, mit der man aufgewachsen ist. Denn als Fotograf sieht man das Motiv ja zu einem guten Teil auch durch den Sucher der Kamera: Wer seit jeher Festbrennweiten tendenziell im leichten Tele-Bereich verwendet, hat da sicher eine andere Wahrnehmung als jemand, der - wie ich - von Anfang an zeitgenössische Zoom-Objektive (ohne Super-WW oder extremes Tele) gewöhnt ist. Subjektiv gibt das Foto mein Empfinden vor Ort jedenfalls ziemlich genau wieder. Na ja, und davon ganz unabhängig "musste" der Flussverlauf des Var samt Brücke links natürlich ohnehin ins Bild. ;)

A bientôt und bleibt gesund!
Julian

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