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Silhouette alla siciliana
   
geschrieben von Julian en voyage am: 16.11.19, 19:33 Top 3 der Woche vom 01.12.19
Aufrufe: 873

"Die Bäume! Schaut, die Bäume! Der Ruf aus der ersten Kutsche durchlief von vorn nach hinten die Reihe der in einer weißen Staubwolke fast unsichtbaren anderen vier, und an jedem Fenster spiegelte sich erschöpfte Erleichterung in schweißüberströhmten Gesichtern. Die Bäume, offen gestanden, waren bloß drei und es waren Eukalypten, die knorrigsten Söhne von Mutter Natur; doch es waren auch die ersten, die gesichtet wurden, seit die Familie um sechs Uhr morgens Bisacquino verlassen hatte. Jetzt war es elf, und in den fünf Stunden hatte man nichts als träge, in der Sonne gelb auflodernde Hügelkuppen gesehen."

Mit diesen Zeilen leitet Giuseppe Tomasi di Lampedusa den zweiten Teil seines "Gattopardo" ein, jenes 1958 erstmals erschienenen Romans, der gleichermaßen Familientragödie, Chronik des italienischen Risorgimento und Sittenbild des sizilianischen Lebens in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Die Worte des Autoren erfassen den Landschaftseindruck von Zentral- und Südsizilien eigentlich sehr gut - Im Binnenland häufig karg, mitunter abweisend, mal aber auch überaus reizvoll...

Quer durch diese Landschaft führt die Bahnstrecke von Lentini Diramazione über Caltagirone nach Gela, wobei letzteres Teilstück nach Jahrzehnten der Nichtvollendung nur von 1979 bis 2011 in Betrieb war, ehe ein überraschender Brückeneinsturz (sic!) der Verbindung den Garaus machte... Projektiert ist ein Wiederaufbau für 2022. Vediamo un po' cosa succede! ;)

Fokussieren muss man sich fotografisch derzeit also auf den Abschnitt zwischen Lentini und Caltagirone, wobei sich entlang der großzügigen Trassierung durch die offene Landschaft durchaus ein paar Fotomotive finden lassen. Dank der spärlichen Vegetation findet sich nördlich von Vizzini - (auch) für Italien höchst untypisch - sogar ein vollkommen bewuchsfreier Bahndamm, der sich abends für Silhouetten-Aufnahmen geradezu anbietet. In passender Zeitlage rollte am 15. September 2019 die D 445 1006 der Fondazione FS mit einem vierachsigen Gepäck-, zwei Centoporte- und einem Corbellini-Wagen als Treno storico 96864 (Caltagirone - Siracusa) in den Sonnenuntergang und nahm eine kurze Zwischensteigung in Angriff, ehe es ab Militello in Val di Catania bis Lentini stetig bergab gehen wird. Der im Rahmen des Ausflugszug-Programms "Treni storici del Gusto" verkehrende Zug sorgte an diesem Sonntag prompt für eine Steigerung des Angebots um 50%.

PS: Ein nur fragmentarisch über dem letzten Wagen erkennbares Windrad habe ich nachträglich (= digital) entfernt, da es m. E. die Harmonie der Silhouette ein bisschen gestört hätte. Das linke habe ich als Gegenpol zum Gesträuch rechts stehen gelassen, auch wenn es bei streng dogmatischer Betrachtung natürlich nicht zum historischen Zug passt. Aber es bleibt eben eine Aufnahme aus dem Hier und Jetzt...! :)

Zuletzt bearbeitet am 16.11.19, 23:27

Datum: 15.09.2019 Ort: Vizzini Land: Europa: Italien
BR: 2XAusl (sonstige ausländische Diesellokbaureihen) / IT-D445 Fahrzeugeinsteller: Fondazione FS
Kategorie: Stimmungen mit Zug

EXIF-Daten:
Hersteller: SONY , Modell: DSLR-A350, Belichtungszeit: 1/800 sec, Blende: F/8.0, Datum/Uhrzeit: 15.09.2019 18:49:18, Brennweite: 22 mm, Bildgröße: 812 x 1280 Pixel



geschrieben von: Rübezahl
Datum: 17.11.19, 19:29

Ein grandiose gestalteter Scherenschnitt !!!

* und Gruß

Rübezahl


geschrieben von: ChrD
Datum: 17.11.19, 19:45

Genial!
*


geschrieben von: claus_pusch
Datum: 17.11.19, 19:49

Hallo Julian, tolle Bildidee und elegant aus der Not (späte Fahrplanlage) eine Tugend gemacht. *
Viele Grüße, Claus


geschrieben von: Vesko
Datum: 17.11.19, 20:12

Der Bildinhalt ist schlicht und harmonisch, es wirkt! Was ich mich frage: Ob es vielleicht nicht noch besser wäre, mit der Kamera z.B. noch ein bisschen nach oben zu schwenken.


geschrieben von: Julian en voyage
Datum: 17.11.19, 21:40

Grazie a tutti! ;)

@Veselin:
Mit diesem Einwand habe ich fast schon gerechnet. ;) Bei Fotos dieser Art ist es ja immer eine zentrale Frage, wie viel "schwarz" mit ins Bild darf bzw. soll. Deshalb habe ich auch hier ein Weilchen "rum gedoktert" und mich letztlich für die gezeigte Variante entschieden, weil ich vor Ort nicht mehr Himmel mit ins Bild einbezogen hatte, da er mir mangels Quellwolken o. ä. zu unspektakulär erschien, mir mit einem Schnitt am unteren Rand das Format zu flach geworden wäre und ich schlussendlich die strenge Zweiteilung des Motivs in die annähernd gleich großen Hälften Schatten und Licht (= Himmel) eigentlich ganz reizvoll fand. Letztlich bleibt es wohl Geschmacksache!

Viele Grüße
Julian


geschrieben von: Philosoph
Datum: 17.11.19, 23:27

Da passt alles, auch die Aufteilung. Spitze *

Carsten


geschrieben von: Vesko
Datum: 18.11.19, 00:33

Genau, alles mit Vor- und Nachteilen und eine Frage des Geschmacks :) Ich fände es trotz fehlender Wolken etc ganz reizvoll, mehr Himmel. Oder - wenn man ganz unkonventionell probieren möchte - ein Kameraschwenk nach unten ;)


geschrieben von: EC 196
Datum: 18.11.19, 18:56

Hallo Julian,


die Aufnahme finde ich eine wirklich tolle Stimmungsaufnahme und an sich vortrefflich gelungen!
Allerdings muß ich Vesko beipflichten. Mich stört auch die "Halbe-Halbe"-Bildaufteilung.
Harmonischer fände ich es, wenn unten ca. 1/4 weggenommen würde und so auch
der Zug aus der Bildmitte etwas nach unten wandert.

Viele Grüße

Thomas!


geschrieben von: Yannick S.
Datum: 18.11.19, 19:55

Ein außergewöhnlicher Scherenschnitt. Großartig gemacht!

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