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Diagonale du vert
geschrieben von: Julian en voyage (548) am: 31.05.26, 19:25
Als "Diagonale du vide" (deutsch: Diagonale der Leere) beschreiben französische Wissenschaftler ein sozio-regionales Phänomen, das sich vom agrarisch geprägten Département Meuse im Nordosten einmal diagonal durch die Republik bis zu den Sümpfen und Kiefernwäldern der Landes im Südwesten erstreckt - Und darüber hinaus seine Fortsetzung in den Weiten der Iberischen Halbinsel findet. Die Bevölkerungsdichte ist in diesem Korridor, der weit abseits der großen Metropolregionen liegt, verglichen mit dem restlichen Frankreich sehr gering und liegt teils unter 30 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Die Landflucht als Kehrseite der Urbanisierung des 19. und 20. Jahrhunderts hält vielerorts weiter an. Krankenhäuser und Schulen, (Familien-)Betriebe und Geschäfte schließen. Dennoch mehren sich Stimmen, die die überkommene Bezeichnung für allzu abwertend halten und unterbreiten alternative Namensvorschläge.

Und tatsächlich sollte eines nicht aus den Augen geraten (was mit dem, mitunter verklärten, Blick des Reisenden natürlich umso leichter ist): Der Korridor ist zugleich auch ein Hort der Ruhe, der Felder und kleinen Orte mit historischer Bausubstanz, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, vor allem aber der ausgedehnten Wälder und Weiden, in deren satten Grüntönen man sich regelrecht verlieren kann... Also vielleicht eher eine "Diagonale du vert" als eine der Leere...? Denn Nichts ist das alles nicht und lädt zur Kontemplation abseits des Alltags ein.

Dementsprechend mag ich es immer wieder, sich auch beim Eisenbahn-Hobby einfach mal entlang einer der noch vorhandenen (natürlich auch längst nicht mehr so zahlreichen) Nebenbahnen treiben zu lassen, wo zwischen den wenigen Zugbewegungen genug Zeit bleibt für eine Siesta im Gras oder ein Picknick auf einer Bank (die doch meist irgendjemand an der passenden Stelle errichtet hat) und man trotzdem kein Motiv verpasst, wenn der nächste Zug ohnehin erst wieder in vier oder fünf Stunden durch den pittoresken Landschaftsblick oder in den verträumten Dorfbahnhof rollt.

So beschloss ich nach einem denkwürdigen, gleichermaßen netten wie doch recht überlaufenen Spektakel am Vormittag (dazu natürlich bald mehr ;)), die zweite Tageshälfte des 24. April 2026 und den folgenden Samstag mit dem planmäßigen Triebwagen-Betrieb auf den Nebenbahnen im nördlichen Morvan zu verbringen, wo die AGC in (noch) vanille/fraise, dem gefälligen Design der ehemaligen Région Bourgogne, dominieren. Im letzten Licht, das die schwindende Sonne bei Givry ins Tal des Cousin (!), eines kleinen Nebenflusses der Cure, warf, rollte einer von ihnen als TER 892307 (Montereau - Avallon) seinem Zielbahnhof entgegen, der mit 6300 Einwohnern Metropolen-gleichen Sous-préfecture des Départments Yonne.

Datum: 24.04.2026 Ort: Givry [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-B 81500 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Stimmungen mit Zug
Top 3 der Woche: 13 Punkte

4 Kommentare [»]
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