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Sur les rails de la foi
geschrieben von: Julian en voyage (548) am: 18.08.24, 17:52 Bild des Tages vom 19.06.25
Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen, manchmal auch ganze Bahnlinien... So geschehen im Falle der Transversale pyrénéenne, der Hauptstrecke, die Toulouse mit Bayonne verbindet. Doch ganz der Reihe nach!

Kehren wir also in die 1850er Jahre zurück, als der Bau einer Alternative zum Transport mit Fuhrwerken oder auf dem Wasserweg beschlossen wurde, um die Produkte des "Piémont pyrénéen" - vor allem Holz und Marmor, aber zunehmend auch Metallwaren - zu den Märkten und Häfen zu bringen und zugleich den Sommerfrischlern eine komfortable Reisemöglichkeit in die aufstrebenden Kurorte am Pyrenäenrand zu bieten. Dass die wichtigsten Städte wie Tarbes und Pau erschlossen werden sollten, stand außer Frage, doch der genaue Verlauf des zentralen Streckenabschnitts blieb zunächst noch unklar.

Das änderte sich schlagartig, als das Hirtenmädchen Bernadette Soubirou 1858 von gleich mehreren Marienerscheinungen berichtete, die ihr in der Grotte von Massabielle widerfahren seien. Insbesondere der örtliche Pfarrer wusste die Berichte öffentlichkeitswirksam zu nutzen und rasch strömten immer größere Menschenmengen ins bis dahin beschauliche Lourdes... Der Rest ist Geschichte, zu der sich jeder seinen Teil denken mag. Klar war von nun an, dass natürlich auch die Eisenbahn einen Bogen über die "cité mariale" schlagen musste. Entsprechend ging 1866 die Verbindung von Tarbes nach Lourdes in Betrieb, ein Jahr später von Lourdes nach Pau sowie über die bis zu 33 Promille steile Rampe de Capvern von Montréjeau nach Tarbes. Die Transversale pyrénéenne war vervollständigt!

Die Pilgerströme aus ganz Europa entschieden nicht nur über den Streckenverlauf, sondern prägten seit jeher das Bild des Bahnbetriebs auf der Strecke entscheidend mit. Schon 1897 brachte die Bahn 250.000 Pilger, darunter viel Alte und Kranke, mit 325 Sonderzügen nach Lourdes. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Marke von 500 jährlichen Zügen geknackt und 1958 schließlich, anlässlich des hundertsten Jahrestags der Marienerscheinungen, erreichten rekordverdächtige 1022 Pilgerzüge die Stadt am Pyrenäenrand (Quelle: "Les Transversales Sud", Le Train, Spécial 74, 2/2013).

Seitdem sind die Zahlen der per Bahn anreisenden Pilger merklich gesunken. Bus und Flugzeug haben der Bahn den Rang abgelaufen. Die verbliebenen innerfranzösischen Pilgersonderzüge werden seit gut zehn Jahren vollständig mit TGV-Garnituren erbracht, sodass sie fotografisch keine Besonderheit mehr darstellen. Und internationale Langläufer machen sich mittlerweile äußerst rar. Mit einer Ausnahme: Aus dem tief katholischen Italien rollen auch 2024 noch zahlreiche lokbespannte Sonderzüge nach Lourdes und befördern die Pilger dabei über beachtliche Distanzen. Trenitalia unterhält dafür eigens eine Flotte an Sonderfahrzeugen - Die "Treni bianchi" führen neben Liege- auch Gepäck und Lazarettwagen für die gebrechlichsten Reisenden mit.

Am 19. Juni 2017 rollte ein solcher Zug, damals noch im XMPR-Farbschma, hinter einer betongrauen BB 7200 die "Rampe de Capvern" hinab und passierte im Morgenlicht den Steinbogenviadukt von Lanespède. Der weitaus größte Teil der rund 2000 Kilometer langen Bahnfahrt liegt bereits hinter den Reisenden des Pilgerzugs 29003 (Reggio di Calabria - Lourdes). Nur noch gut 40 Kilometer sind es, bis sich die Türen unter der Bahnhofshalle von Lourdes öffnen, die Reisenden von zahlreichen Freiwilligen empfangen und in ihre Unterkünfte geleitet werden - Oder vielleicht auch direkt in den Heiligen Bezirk, wo neben der Grotte eine Vielzahl an Kirchenbauten auf die Gläubigen wartet. Allein die unterirdische, Papst Pius X. geweihte Basilika fasst 25.000 Menschen.

Datum: 19.06.2017 Ort: Lanespède [info] Land: Europa: Frankreich
BR: FR-BB 7200 Fahrzeugeinsteller: SNCF
Kategorie: Bahn und Landschaft
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