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Re: [CH] Schmalspur in der Nordschweiz - Teil 3: ASm, RBS

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 27.05.17 15:06

Chemins de fer du Kaeserberg

In Bern haben wir zwei Stunden Aufenthalt, bis unser Zug nach Fribourg abfährt, unser Ziel ist ja die Eisenbahnanlage in Fribourg (Kaesereberg). Die Zeit nützen wir zum Kauf eines antiquarischen Buches und zu einem Mittagessen, dann geht es weiter nach Fribourg. Fribourg kennen wir schon gut, wir waren vor zwei Jahren ja in der Gegend und es ist eine schöne Erinnerung, als wir beim Aussteigen die tpf-Züge sehen. Heute ist unser Ziel jedoch eine Modelleisenbahnanlage. Das ist sich vor zwei Jahren nicht ausgegangen. Man muss sich dafür nämlich auch anmelden. Die Führung ist für 13.30 Uhr anberaumt, und ein Bus der Linie 9, der um 13:08 Uhr vom unterirdischen Busbahnhof abfährt, kommt um 13:13 Uhr bei der Haltestelle Granges-Paccot, Coteau an. Wir finden den Zugang, obwohl er schlecht angeschrieben ist und der Zugangsweg nicht wirklich direkt ist. Der Eintritt kostet 18 Franken.

Die Anlage Kaesberg ist eigentlich eine Anlage in Bau, natürlich kann man sie nicht mit dem Miniaturwunderland vergleichen, auch ist die Idee dahinter eine völlig andere. Es gibt aber viele gute Modelle, die Landschaft bleibt ein wenig zurück, aber die Gleisanlagen und die Technik dahinter sind ganz interessant. Wir erfahren am Beginn einiges über die Anlage, die Details hab ich mir aber nicht gemerkt und sie interessieren mich auch nicht so sehr. Als wir dann endlich hineingelassen werden, bin ich aber fast ein wenig enttäuscht. Etwa ein Drittel der sichtbaren Anlage ist noch unfertig, aber es ist trotzdem ganz interessant ein wenig zuzuschauen. Vollautomatisch dürfte der Betrieb da nicht laufen. Es sind immer einige an den Reglern und steuern das Ganze.

Zwei weitere RBS-Strecken

Wir fahren nun wieder nach Bern zurück und ich stelle fest, dass wir nicht einmal drei Stunden in Fribourg waren. Wir haben also auch Zeit, die zwei RBS-Strecken nach Worb Dorf zu befahren: also hin über die ehemalige Bern-Worb-Bahn, die als Straßenbahn trassiert ist und auch entsprechend mit Straßenbahngarnituren befahren wird. Von dort geht es dann zurück über die ehemalige Worblentalbahn. Genaueres zur Geschichte der Bahnen hier in blau:

Die Strecke Bern – Worb Dorf wurde 1898 durch die BMGWB (Bern-Muri-Gümlingen-Worb-Bahn) eröffnet. Die Strecke war 9,7 km lang und wurde zunächst als Dampfbahn von der Berner Tramway Gesellschaft betrieben. 1901 entstand eine Verbindung mit der Berner Straßenbahn, 1904 übernahm die WMGWB selbst den Betrieb. 1907 erfolgte die Umbenennung in Bern-Worb-Bahn (BWB), 1910 die Elektrifzierung mit 800V=. 1913 wurde eine zweite Bahnlinie nach Worb eröffnet, die Worblentalbahn (WT), die in Worblaufen ihren Ausgang nimmt. 1927 fusionierten die beiden Bahnen zu den „Vereinigten Bern-Worb-Bahnen“ (VBW). 1984 wurden die VBW und die SZB (Solothurn-Zollikofen-Bahn) zum RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn) fusioniert.
Umgangssprachlich wird die Bahn auch Muri-Tram genannt. Die Endstation befand sich bis 1997 vor der Kirchenfeldbrücke. Seit 1987 werden Straßenbahngarnituren eingesetzt, die Stromspannung wurde auf 600V= reduziert, damit war auch ein Befahren von Berner Straßenbahnstrecken möglich. Die Bahn erhielt das Liniensignal G für Gümlingen, weil W für die Bahnstrecke ab Worblaufen nach Worb schon belegt war. 1997 wurde die Bahn um rund 500 Meter zu einem Stumpfgleis nahe dem Zytglogge verlängert. 2010 gab der RBS die Personenbeförderungs-Konzession an die SVB (Straßenbahnbetrieb Städtische Verkehrsbetriebe Bern) ab. Gleichzeitig wurde die Linie in das Straßenbahnnetz integriert und die Bezeichnung auf Linie 6 geändert, sie fährt nun bis zur westlichen Enstation Fischermäteli. Bereits 2005 war in Worb eine Schleife errichtet worden und an einer Zwischenstation ein zweiter Bahnsteig, damit auch die Straßenbahn-Einrichtungswagen der SVB hier verkehren können.
Auf der Strecke besteht derzeit ein 10 Minuten-Intervall, ein Großteil der Strecke ist eingleisig. Das Depot für die neun blauen „Tram 2000“-Triebwagen 81-89 befindet sich in Worb. Ursprünglich waren die Wagen dreiteilig (Be 4/8), 2010 wurden sie mit einer „Sänfte“ (Niederflurteil) verlängert und sind seither vierteilig (Be 4/10).


Die vierteiligen Straßenbahntriebwagen sind blau lackiert, eine Mittelsektion ist allerdings rot. Früher waren die Wagen weiß/blau gestrichen, daran kann ich mich erinnern (siehe auch die älteren Bilder). In Worb Dorf befindet sich sogar eine Wendeschleife, damit die roten Einrichtungswagen der Straßenbahn hier wenden können.

[attachment 167446 RBS03_82Be4-10BernBhf2016-07-06_0622.JPG]
Im Gegensatz zu meinem letzten Bern-Besuch kann man jetzt beim Hauptbahnhof bereits Richtung Worb einsteigen. Statt Linie G heißt es nun: Linie 6.

[attachment 167447 RBS04_86Be4-8BernLinieGGmlingen2005-05-02.jpg]
2003 war hier die Endstation, ganz in der Nähe der Zytglogge.

[attachment 167448 RBS05_82Be4-8Bern2003-08-06.jpg]
Im selben Jahre machte ich auch diese Aufnahme auf der Kirchenfeldbrücke.


In Worb halten wir uns gar nicht auf, sondern besteigen schon 10 Minuten nach unserer Ankunft den nächsten Zug der anderen Linie, die über Bolligen nach Worblaufen führt und von dort in den unterirdischen RBS-Bahnhof Bern weiterfährt. Es bleibt lediglich die Zeit für ein Foto, dann geht es auch schon weiter. Der Bahnhof der heute als S7 bezeichneten Linie ist überdacht, sodass kein gutes Bild gelingt. Ich bin erstaunt, dass im Gegensatz zu den kurzen Tramzügen auf der Linie 6 auf dieser Strecke 9- und 12-teilige Züge unterwegs sind, die aus drei oder vier dreiteiligen „Mandarinli“-Zügen Be 4/12 bestehen, 1974-78 als zweiteilige Garnituren Be 4/8 gebaut und 2001/02 durch einen niederflurigen Mittelwagen ergänzt.

[attachment 167449 RBS06_55Be4-12WorbDorfS72016-07-06_0633.JPG]
Nicht gut zu fotografieren: der Endbahnhof der Linie S7 in Worb Dorf.

Und hier noch die Informationen zu dieser Bahnstrecke:

Die heutige Strecke wurde in verschiedenen Abschnitten und Linienführungen erbaut. 1913 wurde die Strccke von Worb Dorf über Ittingen nach Bern (heutiger Guisanplatz) durch die Worblentalbahn eröffnet. Eine Zweiglinie führte von Ittingen nach PUlverfabrik, wo Anschluss an eine schon 1912 eröffnete Strecke der Bern-Zollikofen-Bahn (BZB) bestand. Der Personenverkehr auf der Zweigsrecke wurde 1923 jedoch wieder eingestellt.
Mit der Eröffnung des Tunnelbahnhofs in Bern wurde der Abschnitt Ittingen - Guisanplatz eingestellt. 1974 wurde der Personenverkehr zwischen Ittingen und Worblaufen wieder aufgenommen, die Strecke außerdem teilweise verlegt. Über die neue Einbindung zwischen Worblaufen und dem Tunnelbahnhof RBS verkehren jetzt die Züge Zwischen Worb Dorf und Bern RBS.
Die Meterspurstrecke zwischen Worblaufen und Worb ist 11 km lang und mit 1250 V= elektrifiziert. Ein Teil der Strecke ist zweigleisig.
Derzeit besteht tagsüber zumeist ein 15 Minuten-Intervall (71 Zugpaare), in den Tagesrandzeiten an Werktagen gibt es zusätzlich zwischen den Taktzügen Kurzführungen zwischen Bern und Bolligen (rund 20 zusätzliche Züge). Eingesetzt werden die Mandarinli genannten Triebzüge Be 4/12 der Baujahre 1974-78, die 2001/02 um einen Niederlfur-Mittelwagen verlängert wurden.



In Stettlen steigen wir aus, damit wir uns bei dem schönen Wetter ein wenig die Beine vertreten können und bei dem dichten (Viertelstunden-)Takt auch mal Bilder auf der Strecke machen können. Das gelingt auch halbwegs, obwohl natürlich nur eine Wagentype zu sehen ist.

[attachment 167450 RBS07_55Be4-12StettelnS72016-07-06_0634.JPG]
Wenigstens einige Landschaftsaufnahmen entstanden in der Nähe des Bahnhofs Stettlen.

Nach diesem Spaziergang entlang der Strecke besteigen wir den nächsten Zug und fahren zurück nach Bern, wo wir uns entschließen, nicht direkt nach Olten zurückzufahren, weil wir noch genügend Zeit haben. Wir wollen eine längere Spazierfahrt machen, die uns übers Entlebuch und die Seetallinie führen wird.

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