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[BUR] Dampflokgattungen in Myanmar/Burma (17 B.)

geschrieben von: Flo1979

Datum: 15.03.08 20:35

Nachdem im letzten Beitrag die Dampfloks etwas zu kurz gekommen sind, soll es in diesem Beitrag ausschließlich um Dampfloks gehen. Leider ist die Informationslage zur Geschichte der Dampfloks in Myanmar äußerst mau, daher muss ich meine Ausführungen auf ein paar Informationen aus Büchern und Internetseiten beschränken, die sich teilweise auch noch widersprechen. Ich bin zwar im Besitz der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der burmesischen Eisenbahn, die mehr als 200 Seiten umfasst und sicherlich viele Informationen auch über Dampfloks enthält. Leider ist sie komplett in Burmesisch geschrieben. Der geneigte Leser dieses Beitrags möge mir also verzeihen, dass die Informationen etwas dürftig und ungenau sind. Vielleicht hat ja zufällig jemand noch weitere und genauere Informationen.

Grundsätzlich interessant an den Dampflokomotiven in Myanmar ist, dass sie ihren großen normalspurigen Geschwistern oft in nichts nachstanden. Auch die Waggons, die sie zu ziehen haben, könnten von Länge und Gewicht auch von einer Normalspurbahn stammen. Auf den Gleisen der burmesischen Eisenbahn waren wohl mit die stärksten Meterspur-Dampfloks der Welt unterwegs. Die Dampfloks stammen wohl ausschließlich aus englischer Produktion. Andere Quellen sprechen zwar davon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg auch Dampfloks aus anderen Ländern gekauft wurden und in Dampflok-BWs erzählten mir die Mitarbeiter immer wieder, dass ein Teil der Dampfloks aus deutscher Produktion stammen würde, was ich aber bezweifle. Während dem Zweiten Weltkrieg brachten die Japaner wohl aus anderen asiatischen Ländern Beuteloks mit nach Burma, darunter auch aus Indonesien (danke für den Hinweis Stefan!).

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es wohl einen wahren Wildwuchs verschiedener Typen. Die ersten Loks waren wohl Zwei- und Dreikuppler der Bauart 2-4-0 (1'B) 0-3-0 (C) wie man auf dem folgenden Bild sieht:

http://farm3.static.flickr.com/2403/2334140080_a5aebb40b0_o.jpg
Die angeblich erste Lok auf burmesischen Schienen. Das Foto stammt aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der burmesischen Eisenbahn, daher ist die Qualität leider nicht gerade die Beste.

Der wachsende Verkehr und der Ausbau des Streckennetzes erforderten jedoch schnell die Anschaffung neuer Loks vom Typ "Pacific" 4-6-2 (2'C 1') und "Ten-Wheeler" 4-6-0 (2'C), die hauptsächlich vor Personenzügen auf den Hauptstrecken eingesetzt wurden. Vor Güterzügen und auf den Nebenstrecken wurden Maschinen der Typen "Mikado" 2-8-2 (1'D 1') und leichtere "Ten-Wheeler" eingesetzt, die auf den Hauptstrecken Züge mit bis zu 1.000 Tonnen auf Steigungen bis zu 1:200 ziehen konnten. Auf Strecken mit Steigungen bis 1:25 und Halbkreisradien von unter 100 Metern konnten die bis zu 100 Tonnen schweren Beyer-Garratt-Loks (siehe weiter unten) noch Züge bis zu 230 Tonnen ziehen. Im Vorortverkehr von Yangon (Rangun) wurden Loks des Typs 4-6-4 (2'C 2') eingesetzt, bei Nahgüterzügen und Rangierarbeiten kamen Tenderloks des Typs 2-6-2 (1'C 1') zum Einsatz.

Besonders auf den beiden Bergstrecken Mandalay - Lashio und Thazi - Shwenyaung hinauf ins Shan-Gebirge kamen auch spezielle Typen zum Einsatz. Insbesondere die Erzzüge erforderten den Einsatz schwerer und zugkräftiger Loks. Anfangs wurden Fairlies vom Typ 0-4-0 + 0-4-0 (B'B') und 0-6-0 + 0-6-0 (C'C') eingesetzt, letztere hatten ein Gewicht von 60 Tonnen und eine Achslast von 10 Tonnen. Damit konnten sie auf den Bergstrecken mit Steigungen 1:25 und Radien von 100 Metern immerhin noch Züge bis zu 110 Tonnen ziehen.

http://farm3.static.flickr.com/2112/2334140356_08803d46f2_o.jpg
Die Fairlies hatten zwei Dampfkessel und wurden um 1900 von Vulcan in England hergestellt.

Ein großer Nachteil der Fairlies war der geringe Vorrat an Wasser und Kohle und so wurden sie sehr bald durch Mallets des Typs 0-6-0 + 0-6-0 ersetzt, die bei North British Locomotive Co., Ltd., in Glasgow hergestellt wurden. Gegenüber den Fairlies konnten sie nochmals 20 Tonnen mehr ziehen, obwohl ihr Eigengewicht nicht schwerer als das der Fairlies war. Teilweise wurden die Mallets noch durch Schubloks vom Typ 2-6-2 unterstützt.

http://mikes.railhistory.railfan.net/imfile/08332.jpg
Bild der Mallet, zu finden auf der fantastischen Internetseite [mikes.railhistory.railfan.net].

Aber auch die Leistungsfähigkeit der Mallets war begrenzt und so wurden ab 1924 auf den steilsten Abschnitten Dampfloks des Typs 2-8-0 + 0-8-2 Beyer-Garratt eingesetzt. Damals waren es die schwersten Meterspurdampfloks der Welt, die Züge mit bis 230 Tonnen auf den Steilstrecken ziehen konnten. Die Mallets wurden dann auf den anderen Teilen der Gebirgsstrecken eingesetzt, bei denen immer noch Steigungen bis 1:40 zu bewältigen waren:

http://mikes.railhistory.railfan.net/imfile/13290.jpg
Bild der Beyer-Garratt, zu finden auf der Internetseite [mikes.railhistory.railfan.net], von der auch viele Informationen für diesen Artikel stammen.

http://farm4.static.flickr.com/3093/2333313011_a035f0e39f_o.jpg
Zwei weitere Bilder der Beyer-Garratt, wiederum aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der burmesischen Eisenbahn, daher die schlechte Qualität bitte entschuldigen.

http://www.frank-engel.de/my_ins/gc837.jpg
Leider gibt es heute keine einsatzfähigen Beyer-Garratts mehr. Diese Maschine ist als Denkmal aufgestellt, das Foto stammt von der Internetseite [www.frank-engel.de].


Im Zweiten Weltkrieg wurden nicht nur die Strecken, sondern auch viele Dampflokomotiven durch Bombenangriffe irreparabel zerstört. So wurde direkt nach dem Krieg ein Neubauprogramm gestartet, in dessen Rahmen 1948 60 "Pacifics" 4-6-2 (2'C 1'), darunter 50 der Baureihe YB und 10 der Baureihe YC, 25 "Mikados" 2-8-2 (1'D 1') sowie 28 Tenderloks der Baureihe ST mit der Achsfolge 2-6-4 (1'C 2') nach Burma geliefert wurden. Die Herstellung erfolgte bei Vulcan und Robert Stephen's & Hawthorns Co. Ltd.


Baureihe ST

http://farm4.static.flickr.com/3176/2319576044_8258bdaed9_o.jpg
Dieses äußerlich hervorragend gepflegte Exemplar im BW Mokepalein ist leider nicht mehr einsatzfähig. Der BW-Leiter behauptete steif und fest, dass die Lok aus deutscher Produktion stammt. Diverse Quellen im Internet besagen aber, dass die Lok bei Robert Stephenson & Hawthorne hergestellt wurde.


Baureihe YC

Diese Baureihe wurde hauptsächlich vor Personenzügen eingesetzt. Da mittlerweile Personenzüge in Myanmar ausschließlich von Dieselloks gezogen werden, gibt es nur noch sehr wenige Exemplare, die hauptsächlich noch für Touristenzüge vorgehalten werden.

http://farm3.static.flickr.com/2420/2318766547_9de97e231e_o.jpg
YC 629 abgestellt im BW Mokepalin am 21.12.2007. Dieses Exemplar ist noch einsatzfähig

http://farm4.static.flickr.com/3078/2318817395_a7bfa3dc19_o.jpg
Nochmals YC 629, diesmal am 13.12.2007 im BW Bago (Pegu) abgelichtet. Die Lok wurde gerade für eine Sonderfahrt am nächsten Tag , die von europäischen Dampffreunden gebucht wurde, auf Hochglanz poliert.

Laut einiger Quellen wurde YC 629 von Vulcan gebaut und an die Indian Railways geliefert. Eine andere Quelle sagt aus, dass die Lok 1932 bei Skoda gebaut wurde und 1947 nach Myanmar kam.

YC 626 traf ich im BW Mokepalin an, wo sie wohl auf den nächsten Einsatz wartete:

http://farm4.static.flickr.com/3015/2318762615_37a3feb7a7_o.jpg

In Sachen Herkunft gilt genau das gleiche wie für YC 629.


Baureihe YD

Diese Baureihe ist noch am weitesten verbreitet. Alle im Einsatz befindlichen Exemplare sind wie alle anderen Dampfloks Myanmars seit langem ölgefeuert.

YD 967 konnte ich am 21.12.2008 mit einem Steinzug auf dem Weg von Mokepalin nach Bago (Pegu) verfolgen. Dazu wird es noch einen extra Bericht geben:

http://farm4.static.flickr.com/3213/2318760571_635956ac0c_o.jpg
Am Morgen des 21.12.2007 wird YD 967 im BW Mokepalin fertig gemacht, bevor sie sich vor den Steinzug setzt und nach Bago (Pegu) dampft.

http://farm4.static.flickr.com/3238/2318780447_70203fb467_o.jpg
Hier dampft YD 967 am 21.12.2007 durch den Bahnhof Abaya an der Strecke von Mokeplain nach Bago (Pegu).

Auch hier gibt es über die Herkunft verschiedene Informationen. Herstellung durch Vulcan und Lieferung an die Indian Railways oder 1929 Herstellung durch Swiss Loco Works und Lieferung nach Myanmar im Jahre 1949.


YD 970 konnte ich am 22.12.2008 mit einem Steinzug auf dem Weg von Waw nach Bago (Pegu) verfolgen. Dazu wird es ebenfalls beizeiten einen extra Bericht geben:

http://farm3.static.flickr.com/2101/2319602368_dc40e145d1_o.jpg
Hier wartet YD 970 am 22.12.2007 bereits am Bahnhof Bago (Pegu) auf die Weiterfahrt nach Yangon (Rangun), die aber erst am Abend erfolgte.

In Sachen Herkunft gilt hier das gleiche wie für YD 967.


Ebenfalls am 22.12.2007 traf ich YD 962 im BW Bago an:

http://farm4.static.flickr.com/3154/2318826871_cfe331b2a2_o.jpg

Herkunft analog YD 970 und YD 967.


YD 964 konnte ich zweimal im BW Bago (Pegu), allerdings nie auf freier Strecke antreffen.

http://farm4.static.flickr.com/3162/2319637634_c1559142f8_o.jpg
Hier steht YD 964 am 20.12.2007 vor dem Wasserturm und den Ölbehältern im BW Bago (Pegu).

http://farm3.static.flickr.com/2026/2318832523_fa28768272_o.jpg
Am 24.12.2007 traf ich YD 964 frühmorgens im BW Bago (Pegu) an. Sie wurde gerade für einen Güterzug nach Yangon fertig gemacht. Allerdings gab es dabei einige Hindernisse und anstatt um 8 Uhr stand sie erst um 12 Uhr vor dem Güterzug. Auch darüber wird es noch einen extra Bericht geben.

http://farm3.static.flickr.com/2243/2319650010_580c79ea07_o.jpg
YD 964 war die einzige Lok, bei der ich noch ein Fabrikschild finden konnte. Die Jahreszahl war allerdings leider nicht mehr erkennbar.

Herkunft analog YD 962, YD 970 und YD 967.


Ab 1957 kauften die Burma Railways nur noch Dieselloks ein, darunter auch aus Deutschland (Krupp). 2006 stand in der staatlichen Zeitung "New Light of Myanmar", dass die Regierung in China 19 Personenwaggons und zwei Dampfloks gekauft hätte. Die Dampfloks sollten für Touristenzüge eingesetzt werden. Leider gab es keine weiteren Infos oder Fotos. Mir ist keine Meterspurstrecke in China bekannt, auf der bis vor kurzem Dampfloks aktiv waren. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. In der nächsten Folge werde ich dann noch weiteres rollendes Material aus Myanmar vorstellen, allerdings keine Dampfloks mehr.


Bisherige Berichte:

Teil 0: In welchem Land ist dieser Wohnwagen auf Schienen unterwegs?
Teil 1: Dampf, Elefanten, Opium - Die Burma/Myanma Railways (16 B.)
Teil 2: Streckenübersicht & Bahnhöfe in Myanmar/Burma (15 B.)


Edit: Bildlinks angepasst

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