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Vor 25 Jahren: Betriebspraktikum DB AG Kreiensen (Teil 4/4, 8Scans = 14 Bilder)

geschrieben von: Knotenpunkt Kreiensen

Datum: 05.02.22 23:55

Sehr geehrte HiFo-logen,

Noch einmal nehme ich euch, Dich oder Sie mit ins Jahr 1997, genauer gesagt in den Februar vor nun genau 25 Jahren. Das Praktikum für den damals 15-jährigen Verfasser dieser Zeilen, eine verpflichtende Veranstaltung des altehrwürdigen Roswitha-Gymnasiums zu Bad Gandersheim, bedurfte natürlich auch einer Praktikumsmappe. In den drei vorherigen Teilen habe ich Scans derselbigen gezeigt. Hier nochmals die Links dazu:

Betriebspraktikum bei der Deutschen Bahn AG in Kreiensen (Teil 1)
Betriebspraktikum DB AG Kreiensen (Teil 2)
Betriebspraktikum DB AG Kreiensen (Teil 3)

Der Blick hinter die Kulissen war mal mehr, mal weniger spannend, gab aber stets Gelegenheit, mit der Kleinbildkamera einige Aufnahmen zu schießen. Die aus zeitgenössischer Sicht gelungenen fanden ihren Weg in die Praktikumsmappe. Aufschriebe wurden nicht getätigt, aber vielleicht weiß der eine oder andere Mitleser dieses oder jenes zu berichten? Nochmals: Die Aufnahmen sind der Vollständigkeit halber eingepflegt, das bitte ich zu berücksichtigen.

https://i.ibb.co/YjRDhJ3/20210530-141722.jpg

Bild 4.1: Hier sehen wir die Titelseite der "Fotodokumentation", die ja mehr eine wilde Collage von Schnappschüssen ist. Sei es drum, so kam dieses Clipart (für die jüngeren - eine frühe Illustration für Dokumente und Präsentationen) zu Ehren. Es stammte mit Sicherheit von einer für gutes Geld erworbenen Clipart-CD-ROM mit tausenden dieser mehr oder weniger nützlichen Bildchen. Angelehnt dürfte es an den japanischen Ursprungs-Shinkansen sein - vielleicht ein Hinweis auf das Herkunftsland des Datenträgers.

https://i.ibb.co/jfwndWG/20210530-141746.jpg

Bild 4.2: Das erste Bild brachte mir gleich wieder den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung ein, da die verwendete Postkarte natürlich nicht von mir stammen konnte. Die historische Postkarte zeigt die Kreiensener Ostseite (auch als Braunschweiger Seite bekannt) und ließe sich mit dem einlaufenden Akkutriebwagen und den Personenwaggons sicher zumindest auf ein Jahrzehnt datieren. Ich schätze mal 1930er Jahre?! Die Aufnahme dürfte vom Ende der 1960er Jahre abgerissenen Wasserturm Kreiensen gemacht worden sein und stellte eine der wenigen mir bekannten Übersichtsaufnahmen von Kreiensen dar (heute gibt es natürlich Google Earth und mir sind eine handvoll gelungener Luftaufnahmen bekannt). Die Postkarte jedenfalls erwarb ich 1997 im lokalen Fotogeschäft Jürgens, der wegen der räumlichen Nähe zum Fluss Gande auch "Foto-Gandi" genannt wurde. Dass es sich nicht um "Foto-Gandhi" handelte und damit keinerlei politisch-religiöse Veräppelung im Raum stand, erfuhr ich aus einem Gespräch mit meinem Papa - anno 2021. Das untere Bild ist verwackelt, dunkel, schief - und zeigt nochmals das Stellwerk Kf, in dem ich zwei Praktikumstage verbrachte.

https://i.ibb.co/2WbZ6hW/20210530-141811.jpg

Bild 4.3: Oben eine Momentaufnahme "Arbeiten vor 25 Jahren". Computer gab es nicht, ein Telefon stellte die Verbindung zur Außenwelt dar, der gelbe Abfahrts- und der weiße Ankunftsfahrplan von Kreiensen waren fein säuberlich zerschnippelt und in Plastikhüllen gesteckt die Leitlinie für die Aufsicht. Geraucht werden durfe, nein musste natürlich auch. Die Springer-Postille brachte schon damals "Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht" (Die Ärzte). Draußen ist die neue Zeit schon in Form eines Monitors links neben dem Fahrkartenautomaten eingezogen, der stets schwer zu erkennen die nächsten Abfahrten annoncierte. Und natürlich: Bifi - hat Biß! Auf Gleis 2 steht währenddessen der Regionalzug in Richtung Hannover, es ist viertel nach acht. Unten dann 120 137-5 (Thyssen-Henschel/BBC 1988), damals eine Nürnberger Lokomotive (danke an Revisionsdaten.de!), die sich an einem InterRegio versuchte und eine gern gesehene Abwechselung vom 103.1er-Einerlei vor dieser Zuggattung in Kreiensen bot. Es dürfte nicht wesentlich später sein, etwa 09.00 Uhr. Und auch wenn für die "E120" das letzte Stündchen geschlagen hat, die 137er gibt es noch - und zwar im Stillstandsmanagement L-Engelsdorf.

https://i.ibb.co/VN21jdy/20210530-141833.jpg

Bild 4.4: An einem der Reisetage an Bord von Zügen zwischen Göttingen und Braunschweig stand auch der Umstieg in Vienenburg auf dem Programm. An einem kalten Morgen wurden die ebenfalls "kalten" Ausstellungsstücke unter die Lupe genommen. Oben sehen wir einen unbekannten Schienenbus, der der 52 360X (?) vorsteht. Kö 5048 (BMAG 1938) gehörte laut Revisionsdaten.de 1997 schon einem Reutlinger Museumsverein. Ihre Bundesbahnzeiten verbrachte sie immer im tiefen Süden, zuletzt als 322 150 - und damit natürlich nicht als Baureihe 323, wie der Chronist fälschlich meldet.

https://i.ibb.co/Z8jz39f/20210530-141859.jpg

Bild 4.5: Die "Russische Diesellokomotive" gibt sich unschwer als 232 627 (Lokomotivfabrik Oktober-Revolution, Woroschilowgrad 1980) zu erkennen. Eingeweihte erkennen den Bahnhof Bad Harzburg (wirkliche Fans erinnern sich bei Nennung des Namens natürlich an den von reichlich Lokalkolorit gespeisten Schlager 'Der Eisenbahner von Kreiensen' auf die Melodie von 'Der Puppenspieler von Mexiko', mit dem ein längst verblichenes Sebexener Comedyduo in Kreiensen und umzu Kurhäuser und Säle füllte!), Mitleser erinnern sich - auf dieser Lok kam ich mit dem InterRegio in den Nordharzer Kurort und durfte selber steuern. Nun, unser beider Tage im Eisenbahnbetriebsdienst sind vorüber, ich widme mich mittlerweile beruflich eher den großen grauen Kriegsschiffen als den Lokomotiven. "Ludmilla" Nr. 627 wurde im Oktober 2006, einen Monat nach der Ausmusterung, im Magdeburger Hafen wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt. Der mintgrüne 628.4 mit Eintracht-Braunschweig-Gedächtniskleid blieb unerkannt. Unten dann die damals gut erhaltene 141 090 (Henschel & Sohn, BBC 1959) war 1997 eine Seelzer Lok, verdingte sich dann noch ein halber Jahr in ebenjenem Braunschweig, bis sie am 05.04.2000 bei Bender/Opladen unter dem Schneidbrenner das Zeitliche segnete. Sie hat hier einen Eilzug nach Göttingen gebracht. Die neue Bahn-Zeit zeigt sich nicht nur am DB-AG-Logo, sondern auch leider in der verdorrten und kaum mehr wieder aufgeforsteten Bahnsteigsbepflanzung.

https://i.ibb.co/6ZvPq41/20210530-141923.jpg

Bild 4.6: Der überraschende Kurzbesuch im Bw Braunschweig blieb auch nicht ohne fotografische Folgen. Besonderes ETA 176 001 überraschte mich, waren er und seine Schwesterfahrzeuge doch stets in südlicheren Gefilden unterwegs. Von Wegmann & Co in Kassel 1952 aufs Gleis gesetzt und bis 1982 im Betriebsdienst, gehört er heute wohl dem DB-Museum. Wo ist er abgeblieben? User Günter T hat ihn im Hunsrückbahnforum gelungen portraitiert. Das unteren Bild zeigt, dass alles relativ ist - 218 288 ist schwer genug, um als schwer durchzugehen, oder? 1973 an der Kieler Förde von MaK vom Stapel gelassen, war auch ihr Ende durchaus maritim: An der Hafenkante von Köln-Deutz bei Steil wurde sie am 05.03.2010, vier Jahre nach z-Stellung und am Tag ihrer offiziellen Ausmusterung, verschrottet. Auch die rechts noch teilweise zu erkennende 218 209 wurde im Monat März zerlegt, allerdings in Espenhain und erst 2012. Sie war seit Ende 2008 z-gestellt, Ausmusterungs- und Zerlegedatum sind nahezu identisch. Krupp in Essen zeichnete sich 1973 für sie verantwortlich. Wenig überraschend waren 209 und 288 anno 1997 in Braunschweig beheimatet.

https://i.ibb.co/twfPfMQ/20210530-141951.jpg

Bild 4.7: Ein unerkannter 628.4 steht im Vorfeld des Bw Braunschweig. Auch hier grüßt ein Wolfenbüttler Likörproduzent. Unten steht 218 905, eine von zehn ehemaligen Gasturbinenloks der Baureihe 210. Sie waren in den 1990er Jahren längst zu einer Splitterbaureihe verkommen und u.a. in "niederen" Eilzug- und Nahverkehrsdiensten in Kreiensen zu sehen. Was bei Krupp in Essen 1970 begann, endete 2004 bei Thyssen-Recycling in Magdeburg.

https://i.ibb.co/RHMHwKX/20210530-142022.jpg

Bild 4.8: 614 057 in Kreiensen auf dem innersten Abstellgleis der Braunschweiger bzw. Ost-Seite, direkt unter der Fußgängerbrücke. Ob der Drahtesel rechts zu den Praktikanten gehörte? MAN lieferte den Triebkopf 1975 aus, bei der DB war er bis 1999 im Einsatz. Erst 20 Jahre später, nach Umwegen über Westfalen und Rumänien (!), wurde er offiziell ausgemustert, Revisionsdaten.de geht von einer Verschrottung aus. Last but not least unten die blau-beige 141 213 mit einem Nahverkehrszug in Richtung Göttingen in Kreiensen, Gleis 3 - eine Dortmunder Lokomotive, nota bene. Ein Trafoschaden beendete im Mai 2003 ihren aktiven Einsatz, der 1962 (Henschel, BBC) begonnen hatte. Die Firma Bender in Opladen nahm sich ihrer an. Linker Hand sehen wir noch einen ruhenden Wagenpark mit einer 110.3. Der Fußweg zwischen Gleisen und dem Wohngebiet Brunstein war Betriebsgelände der DB, was aber Fußgänger und Jungspunde selten abhielt. Doch das ist Stoff für ein anderes Mal.

Vielen Dank fürs Mitkommen und Mitlesen!

(Edith hat die Zuggattung IR aufdatiert)

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