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München - Kufstein/Salzburg Januar - April 1860

geschrieben von: Walter aus Bayern

Datum: 12.09.20 18:17

Servus,

wegen der Menge des vorhandenen Materials gibt es heute nur die Monate Janaur - April 1860. Viel Spaß!

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 12. Januar 1860
Nr. 12
München, 11. Jan. Die bereits auf Mitte kommenden Monats angesetzte Probefahrt auf der Bahnstrecke von Rosenheim nach Traunstein ist neuerdings vertagt worden, nachdem in den jüngsten Tagen wieder eine Senkung des kritischen Terrains am Simsee eingetreten ist.

Augsburger Tagblatt
Samstag, 14. Januar 1860
Nr. 14
München, 12. Jan. Die Eisenbahnstrecke von Rosenheim nach Traunstein sollte am 15. kommenden Monats die erste Fahrprobe bestehen; in der That war für diesen Tag Probefahrt bereits angesetzt, als sich das verfängliche Terrain am Siem=See neuerdings senkte. Man glaubt im Publikum, es dürfte das beste sein, die Uferstrecke aufzugeben und eine andere Tracirung vorzunehmen, nachdem schon so viel Geld vergeblich in jenen Sumpf versenkt wurde.

Augsburger Abendzeitung
Sonntag, 15. Januar 1860
Nr. 15
Vom Oberland, 12. Jan. Nach dem Urtheile eines Sachverständigen haben die Einsenkungen des Eisenbahndammes am Simsee ihr Ende gefunden, indem die riesenhaften Aufschüttungen endlich festen Boden erreicht haben sollen.

Münchner Neueste Nachrichten
Freitag, 20. Januar 1860
Nr. 20
Nach getroffener Vereinbarung der bayer. und österr. Bahnverwaltungen können nun Gütersendungen ohne Aufenthalt in Kufstein hin und her passiren, nur müssen dieselben mit Frachtbriefen nach dem von dem deutschen Eisenbahn=Vereine vorgeschriebenen Forumulare begleitet sein und alle Angaben enthalten, welche erforderlich sind, um beim Uebergang in das andere Zollgebiet den Vorschriften der Zollverwaltung genügen zu können.

Die Bayerische Landbötin
Dienstag, 31. Januar 1860
Nr. 31
Salzburg, 23. Januar. Bezüglich der Salzburger Westbahn wird hier von folgenden Vollendungsterminen der einzelnen Strecken gesprochn. Bis 1. Februar soll die Linzer Strecke bis Frankenmarkt und im Verlauf des Winters bis in die Gegend von Straßwalchen, bis zu Mai aber jene nach Seekirchen, sowie bis zum 1. Juli d. Js. der Schienenweg nach Salzburg vollendet sein. Dem vollständigen Ausbau des hiesigen Bahnhofs wird aber nicht vor 1 1/2 Jahren entgegengesehen, was jedoch der Eröffnung der Bahn nicht im Wege stünde. Nichtsdestoweniger werden die Arbeiten im Bahnhof eben jetzt mit besonderer Dringlichkeit betrieben, und unter andern, die Rüsthölzer von der Salzachbrücke zu den neuen Dachstühlen der Waarenhalle u. s. w. verwendet.

Augsburger Abendzeitung
Sonntag, 5. Februar 1860
Nr. 36
München, 4. Febr. Während bayerische Blätter die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Rosenheim nach Traunstein offiziell auf den 15. d. M. festgesetzt seyn ließen, wurde inzwischen am Simsee, wo sich der Eisenbahndamm neuerdings 4 bis 5 Fuß tief senkte, eine neue Linie projektirt und ausgesteckt. Dieselbe zieht sich nicht mehr längs des See`s hin, sondern in einer gewissen Entfernung bogenartig um denselben herum. Die Herstel lung des Dammes, gegen die sich Sachverständige schon ursprünglich ausgesprochen haben, ist somit gescheitert, nachdem mit den Millionen Kubikfuß Erdreich enorme Summen in den See verschüttet waren. Wie man hört, wird die neue Linie einen Zeitraum von 4 Monaten zu ihrer Herstellung bedürfen und in demselben zugleich die ganze Bahnstrecke bis Salzburg vollendet werden können. (Bayr. Bl.)

Augsburger Abendzeitung
Sonntag, 12. Februar 1860
Nr. 43
Aus Prien am Chiemsee, 9. Febr., wird dem "Bayer.Kurier" geschrieben: Die Einsenkungen des Eisenbahndammes am Simsee dauern immer noch fort, nur in etwas geringerem Maße als früher, und ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß dieselben in nicht sehr ferner Zeit gänzlich aufhören werden. Von einer Verlegung der Bahnlinie kann im Ernste keine Rede seyn und würde selbst im schlimmsten Falle die Bahn nur um einige Fuß tiefer gelegt werden müssen, als dieses ursprünglich projektirt war. An der Bahnlinie Traunstein=Salzburg wird unermüdlich gebaut und ist selbe so weit vorgeschritten, daß die Vollendung derselben im Laufe des Sommers 1860 unbezweifelt erfolgen wird. Wenn nicht außerordentliche Ereignisse hindernd in den Weg treten, so wird bis zum heurigen Herbste die Bahn über Salzburg bis Linz (und Wien) befahren werden können.

Die Bayerische Landbötin
Donnerstag, 1. März 1860
Nr. 61
* Se. Maj. König Ludwig begab sich gestern Mittag mit der Eisenbahn nach Rosenheim, um daselbst mit seiner erlauchten Schwester, der Kaiserin=Mutter Caroline von Oesterreich, welche auf der Rückreise von Innsbruck nach Salzburg durch Rosenheim kam, zusammenzutreffen. Se. Majestät ist bereits Abends wieder hier eingetroffen.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 10. März 1860
Nr. 70
Vom Siemsee erhält der "bayer. Kurier" Nachrichten, denen zufolge sich der dortige Eisenbahndamm auf einer Strecke von circa 200 Fuß wieder etwas gesenkt hat; die Art der Senkung läßt aber mit Gewißheit die Konsolidirung des Erdwerkes nunmehr voraussehen. Wie alte Leute versichern, ist es eine ehemalige Bucht des Siemssees, über die der Damm führt, und welche diese fortwährenden Schwierigkeiten bereitet, und da auf dieser Seite der See außerordentlich tief ist, so ist auch erklärlich, warum das Sinken auf dieser Strecke wie fast in's Bodenlose erscheinen mußte. Der Moorgrund dieser Bucht ist jetzt ausgefüllt; freilich hat man dazu einen ganzen Berg gebraucht, just denselben, wegen dessen Umgehung man den Dammweg wählte, aber es blieb am Ende nichts Anderes übrig. Auch am Chiemsee betragen die Senkungen einige Zolle, und hat der Damm die unter ihm liegenden Felder wie aufgerollt, und sich unter die Humusschichte hineingeschoben, aber er ist bereits so fest, daß nichts weiter zu befürchten steht. Auf der ganzen Strecke bis Traunstein liegen bereits die Schienen, und sieht man der Eröffnung mit Spannung entgegen.

Augsburger Abendzeitung
Freitag, 16. März 1860
Nr. 76
Rosenheim, 14. März. Wie man von Sachverständigen hört, so ist Hoffnung, daß die neu zu eröffnende Rosenheim=Salzburger Eisenbahn mit diesem Frühjahr sicher fertig und, wie längst ersehnt, dem Verkehr übergeben werden wird. - Was die vielbesprochene schwierige Stelle am Simsee betrifft, die bisher allen technischen Bemühungen getrotzt, so ist jetzt die Aussicht vorhanden, das dieselbe hält. Mit der Eröffnung genannter Bahn hebt sich eine bange Besorgnis für das bei diesem Bau angestellte Personal. So soll dem Vernehmen nach die kgl. Staatsregierung angeordnet haben, daß das Personal, welches beim Bau obiger Bahn treu und tadelfrei gedient, dem Betrieb zur sofortigen Verwendung überwiesen werde, und sollen besonders die, welche lange und treu gedient und verheiratet sind, berücksichtigt werden, wovon ein größerer Theil früher in der Armee gedient. Diese Anordnung wird gewiß von allen Betheiligten mit größtem Danke gegen die kgl. Staatsregierung aufgenommen werden.

Augsburger Abendzeitung
Montag, 9. April 1860
Nr. 98
München, 8. April. Der Sommerfahrplan der Staatseisenbahnen wird am 15. k. Mts. in Wirksamkeit treten, und man hofft, bis dahin auch die Strecke von Rosenheim bis Traunstein dem Verkehr übergeben zu können.

Augsburger Abendzeitung
Freitag, 13. April 1860
Nr. 102
München, 12. April. Das für die Strecke Rosenheim=Traunstein bestimmte Beaufsichtigungs= und Wart=Personal ging vorgestern dahin ab, um in seine Stationen eingewiesen und über die betreffenden Obliegenheiten belehrt zu werden. Der Eröffnungstag ist indessen noch nicht bestimmt.

Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 18. April 1860
Nr. 107
München, 17. April. Das Projekt eines direkten Eilzuges zwischen Wien und Paris kann zur Zeit als "gescheitert" noch nicht betrachtet werden. Erst dieser Tage kehrte der Oberdirektor der österreichischen Elisabethbahn, v. Künl, von seiner deshalb unternommenen Reise nach Frankfurt und Mainz zurück, und hat derselbe gegründete Hoffnungen zur Erreichung des beabsichtigten Zweckes mitgebracht. Allein zur definitiven Regelung und Feststellung dieser Angelegenheit bedarf es noch der weiteren Unterhandlungen, zu welchem Zwecke eine besondere Kommission von Eisenbahnbeamten aus Wien hier erwartet wird.

Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 18. April 1860
Nr. 107
Die Strecke Rosenheim=Traunstein haben einzelne Lokomotiven bereits passirt.

Augsburger Abendzeitung
Montag, 23. April 1860
Nr. 112
München, 22. April. - Der zu den Eisenbahnfahrten von hier nach Taunstein bereits festgestellte Tarif beträgt für Eilzüge in der ersten Klasse 6 fl. 9 kr., in der zweiten 4 fl. 6 kr.; für Personenzüge in der ersten 5 fl. 6 kr., in der zweiten 3 fl. 24 kr. und in der dritten Klasse 2 fl. 18 kr.

Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 25. April 1860
Nr. 114
München, 24. April. Da der Eisenbahndamm am Simsee auch während der jüngsten, mehrere Tage lang angehaltenen nassen Witterung seine Festigkeit bewährt hat, so begibt sich mit dem morgigen Frühzuge eine größere Anzahl von Beamten des Handelsministeriums, der Generaldirektion der k. Verkehrsanstalten und der Eisenbahnbaukommission nach Rosenheim, um von da mittelst Extrazuges die erste Probefahrt nach Traunstein zu machen. Abends werden dieselben wieder hier eintreffen.

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 26. April 1860
Nr. 115
München, 25. April. die heute von dem Generaldirketor der k. Verkehrsanstalten, Frhrn. v. Brück, in Begleitung mehrerer Beamten von Rosenheim nach Traunstein unternommene Probefahrt, fiel zur größten Befriedigung aus. Ober= und Unterbauten wurden im solidesten Zustande, und das Dienstpersonal in allen seinen Obliegenheiten gut instuiert befunden. Die rückkehr erfolgte Abends 8 Uhr. Morgen findet eine zweite Probefahrt statt, zu welcher eine größere Anzahl Einladungen gemacht wurden. Hin= und Herfahrt ist von hier ab frei.

Augsburger Abendzeitung
Freitag, 27. April 1860
Nr. 116
München, 26. April. - Die bevorstehende Eröffnung der Eisenbahn von Rosenheim nach Traunstein wird ohne besondere Festivitäten erfolgen, dagegen aber sind für die Eröffnung der Bahn bis Salzburg im kommenden Juli größere Festlichkeiten projektirt, und zwar aus zwei Gründen. Einmal, weil bis dahin auch die ganze Bahnstrecke von Wien bis Salzburg zur festlichen Eröffnung gelangt, und weil mit der Vollendung der Bahn bis Salzburg, der Bau der Staatsbahnen in Bayern, soweit er durch die mit den Kammern vereinbarten Gesetze festgestellt ist, vollständig vollendet seyn wird. Was die zum Bahnbau gegebenen Kredite betrifft, so werden dieselben, wie man hört, nicht nur ausreichen, sondern nicht einmal vollständig erschöpft werden.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 28. April 1860
Nr. 117
München, 27. April. Die vorgestern und gestern stattgefundenen beiden Probefahrten auf der Bahnstrecke Rosenheim=Traunstein sind vollständig befriedigend ausgefallen. Die 14 Bahnstunden betragende Strecke wurde vorgestern bei der Hinfahrt, bei welcher behufs Besichtigung der Stationsgebäude an den einzelnen Stationen der Zug längere Zeit anhielt, in 3 1/2 Stunden zurückgelegt, während die Rückfahrt nur nungefähr 1 1/2 Stunden erforderte. Die Stationen sind: Rosenheim, Stephanskirchen, Endorf, Prien, Bernau, Uebersee, Bergen, Traunstein. Stephanskirchen ist blos Anhaltstation ohne Expedition.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 28. April 1860
Nr. 117
München, 27. April. Heute hatte der dritte Probezug, und zwar unter der direkten Leitung des hiesigen kgl. Oberpostmeisters Herrn Grafen v. Reigersberg, seine Fahrt nach Traunstein gemacht. Neben den funktionsfreien Verkehrsbeamten und Bediensteten hielten auch von Rosenheim und den von da weiterliegenden Stationen viele Gäste den Train besetzt. Der Zudrang auf ersterem Platz war so groß, daß sogar die Packwagen mit Reiselustigen dicht angefüllt werden mußten. Leider hatte die liebe Sonne den ganzen Tag über sich unter düstere, regenschwere Wolken versteckt, die auch nicht ermangelten, sich zeitweise und bisweilen in sehr ergiebiger Wucht zu ergießen. Selbstverständlich blieb deshalb das sich gegen die Gebirgskette hin ausdehnende und als prachtvoll geschilderte Panorama dem suchenden Auge fast völlig verschlossen. Auch von den Inseln im bayerischen Meer tauchte nur eine, und diese nur halb sichtbar aus dem Wasser hervor. Nur den anmuthigen wahrhaft idyllischen Thalgrund bei Bergen entrollten die neidischen Nebel, als wollten sie den sehnsüchtig nach der Natur Schauenden den ganzen Druck ihrer boshaften Laune fühlen lassen, auf einige Momente. Ueber den vielbesprochenen, an technischen Schwierigkeiten so reichen Damm am Simsee, der an verschiedenen Punkten von dessen Wellen bespült wird, brauste der Zug mit der gewöhnlichen Fahrgeschwindigkeit hin. Ein sicherer Beweis, daß die Ueberzeugung von dessen Tragkraft bei den Sachverständigen längst Platz gegriffen hat. Das Städtchen Traunstein selbst macht auf den Fremden einen sehr günstigen Eindruck. Die freundlichen, hochstöckigen, meist neugebauten Häuser würdne wohl auch einer Stadt höheren Rangs ebenbürtig seyn. Ein seltenerr Zufall wollte es, daß gerade an demselben Tage der erste Dampfwagen und mit ihm auch ein ganz neues merkantilisches wie sociales Leben in seiner Friedung erschien, als vor neun Jahren ein schreckliches Feuer fast die ganze Stadt vernichtete. An Bräu= und Gasthäusern mangelt es nicht. In erklecklicher Anzahl stehen sie in der schönen Fronte des Hauptplatzes. Auch die, so am Heerd handthieren, verstehen ihren Theil. Die Küche ist brav - recht brav - aber die Kreide ist noch etwas dick. Nun - es laden sich ja nicht alle Tage, zumal in solch großer Anzahl, Fremde hier zu Gast. Morgen fährt ein weiterer, und am Montag der letzte Probezug die Strecke. Sodann ist - etwa einigen Personenverkehr ausgenommen - Stillstand bis zum 15. ds., von welchem Tag an auf der ganzen neugebauten Linie der allgemeine Verkehrsdienst isn Leben treten wird. Bis Ende Juli, sicherlich bis Anfang August, hofft man das erste bayerische Dampfroß in die Mauern Salzburg's brausen zu hören. Die ganze Linie wird sodann wie es bei der Strecke München = Kufstein der Fall war, offiziell von den Spitzen der Staatsverwaltung und einem geladenen größeren Publikum eröffent werden.

Rosenheimer Wochenblatt
Sonntag, 29. April 1860
Nr. 18
Prien. Heute den 25. April halb 12 Mittags ist hier der erste Probezug mit den Lokomotiven Victoria und Dürer und mehreren Personenwägen angekommen. Nachdem die Lokalitäten des Stationsgebäudes, die Ladehalle etc genau visitirt und der Telegraphen=Apparat für hier abgegeben worden war, begab sich der Zug nach Traunstein, von wo er nach 2stündigem Aufenthalte wieder hieher und nach Rosenheim zurückkehrte. Die Probefahrten sollen mit wenigen Ausnahmen täglich fortgesetzt und die Bahn bis zum 15. Mai dem Verkehr übergeben werden.

Walter

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