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1920-1959 - Das Bw Hannover Hagenkamp und seine 91er (12 B, 5 Scans)

geschrieben von: uk-old

Datum: 02.05.17 20:42

Über meine Recherchen zu einem umfangreichen Beitrag über das Bw Hannover und seine 01 stieß ich darauf, dass es eigentlich zwei Bw mit der Bezeichnung „Bw Hannover“ gab.

Zu einen ist es das Bw Hannover Ost - das ist gelegen an der Ausfahrt vom Hbf Richtung Ost/Süd, zum anderen ist es das Bw Hannover Hagenkamp (Hgk)- das ist gelegen an der Ausfahrt vom Hbf Richtung Nord/West.


Über das Bw Hagenkamp ist nicht allzu viel bekannt, das fängt schon bei der Lage an.
Auf dem Stadtplan aus dem Jahre 1922 ist zu ersehen, dass es in der Nähe der Kreuzung Weidendamm/Vahrenwalder Straße/Kasernenstraße (heute Hamburger Allee) längs der Hagenstraße lag.

Scan 1

https://abload.de/img/stadtplan-hannover-psiik0x.jpg


Im Jahre1876 war Baubeginn für einen Doppelhalbrundschuppen mit 31 (12+19) Ständen, die teilweise auf bis zu 24 m verlängert wurden.
Nach Anliegerbeschwerden wegen Rauch und Ruß wurde zwischen 1900 und 1902 eine Rauchgas-Sammelabführung mit einem 40m hohen Schornstein errichtet, der später durch zwei 57m hohe Schornsteine ersetzt wurde.

Das Bw Hannover Hagenkamp war nie eine organisatorisch selbständige Dienststelle. Es gab das Bw Hannover, es hatte seine Abteilungen im Bw Ost an der Bultstraße und im Bw Hagenkamp (Hgk) an der Hagenstraße. Die Leitung des Bw war zunächst am Hgk angesiedelt, bevor sie in den 20er/30er Jahren zum mittlerweile ausgebauten Bw Ost wechselte.

Ein Dokument (zur Verfügung gestellt von Klaus Hopf) aus dem Jahre 1920 listet die Bw des Maschinenamtes Hannover und deren Lokomotivstände auf; das Bw Hannover wird einheitlich aufgelistet. Die genannten 31 Stände betreffen das Bw Hgk, die gelisteten 12+13 Stände betreffen das Bw Ost. Das Bw Hainholz ist das spätere Bw Hannover Hgbf.

Scan 2

https://abload.de/img/wi20-21-schuppenstnde2ajl1.jpg

Nachdem anfangs auch Schnellzugloks beherbergt wurden, waren es im Jahre 1930 noch 15 Lok der BR 38.10, 5 Lok der BR 74.4 und 19 Lok der BR 89.70 (so Eisenbahnen in Hannover, eine Chronik).

Aus dem Winterfahrplan 1920/1921 ist sogar ein Dienst/Umlauf-Plan für Personale und 10 Lokomotiven der Baureihe P8 erhalten geblieben - Klaus Hopf sei Dank. Reisezüge nach Lehrte (hier war für Züge Richtung Celle-Hamburg Kopfbahnhof), Oebisfelde, Stendal, Hameln, Minden, Bremen, Braunschweig und Bielefeld standen auf dem Programm - also recht anspruchsvoll.

Scan 3

https://abload.de/img/wi20-21bwmhannoverabt89k65.jpg

Erhalten ist auch ein Dienstplan für 9+1 Lok der Baureihe T 9 des Bw Hgk vom Winter 1920/21 für 23 Personale.

Scan 4

https://abload.de/img/1920-2191-plan6bwmhanbrje3.jpg

Im Jahre 1936 wurde eine ungleicharmige Gelenkdrehscheibe mit einem Durchmesser von 23 m eingebaut, eine sehr seltene Konstruktion. Diese ist auf dem folgenden Bild gut erkennbar.


Bild 1

https://abload.de/img/us-luftbild-hgk-1945-5djuj.jpg


Auch ein Gleisplan mit Darstellung des Bw Hgk ist bekannt.

Scan 5

https://abload.de/img/gleisplan-hgk-psh7jij.jpg


Das Bw wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört, insbesondere durch den Luftangriff am 05.01.1945. Von 31 Ständen hatten nur noch 16 eine Überdachung.

Die Aufnahme aus dem Jahre 1945 ist Teil einer alliierten Dokumentation zum Zustand der Städte unmittelbar nach Kriegsende.


Bild 2

https://abload.de/img/us-luftbild-hgk-1945-31jh5.jpg


Der Hauptbahnhof Hannover sah nicht lange nach Kriegsende so aus; die Trümmer auf der Straße sind geräumt, die BD Hannover hat wieder ein Dach über dem Kopf.

Bild 3

https://abload.de/img/us-luftbild_hannhbf-1vgj9g.jpg


Am 30.05.1957 nahm Eberhard Schüler das notdürftig instand gesetzte Bw Hgk von der Kasernenstraße aus auf, die bereits neu gestaltet zur Hamburger Allee geworden war. Die Zerstörungen -aber auch der Teilwiederaufbau- sind gut erkennbar.


Bild 4

https://abload.de/img/hannoverhagenkamp_es_edjug.jpg


Nach dem Krieg beheimatete das Bw Hannover Hgk Loks der Reihen 38.10, 78 und 91.3.

Der Bestand von sieben 91ern per 01.01.1947 ist bei Moll/Wenzel, Die Baureihe 91.3, überliefert.

348 (+ 14.11.1952)
416 (+ 29.01.1960)
980 (z 19.10.58; + 26.01.59)
1400 (+10.08.1957)
1488 (z 05.02.58 in Holzminden, + 26.01.59)
1735 (+14.07.1958)
1795 (z 19.10.1956, + 14.03.1957).


Nachdem im Jahre 1954 die 78er an das Bw Hgbf abgegeben waren, besaß das Bw Hgk per 11.08.1955 noch 10 Lok der BR 38.10 und 10 Lok der BR 91.3 (lt. Chronik Hannover), das Bw Hgbf soll per 22.05.1955 noch fünf 91er besessen haben.

Laut Wenzel, Die Baureihe 38.10, sollen am 22.05.1955 folgende acht 38er beim Bw Hannover (Hgk) gewesen sein:
38 1348, 1897, 2536, 2737, 2765, 3235, 3632, 3786.

Fotografisch belegt aus dem Zeitraum Juli 1955 bis September 1958 sind folgende 91er:

Wohl Hgk:
416 (+ 29.01.1960)
814 (25.03.58 an BD Köln, z 17.12.1959, + 30.09.1960 in Köln-Deutzerfeld )
980 (z 19.10.58; + 26.01.59 bei Han-Ost)
1004 (z 08.04.59; + 07.08.59 in Altenbeken),
1115 (+ 15.11.1957)
1308 (+ 07.08.1956)
1337 (+ 15.11.1957)
1373 (+ 15.11.1957)
1540 (z 24.10.1956, + 14.03.1957)
1661 (z 26.11.58, + 26.01.59 in Altenbeken)

Wohl Hgbf:
1495 (z 15.02.59 bei Hgbf), 1320 (z 04.09.58, + 08.01.59 bei Hgbf)


Die als Nachfolger eingesetzten V 36 und V 60 des Bw Hannover-Linden waren dort ab Frühjahr 1957 stationiert worden.
Die 91er wurden bis (Ende?) 1958 abgestellt, die 38.10 kamen zum Ostschuppen. Anfang der sechziger Jahre wurden die Anlagen ohne jeden Rest abgerissen.


Aus dem Bw Hannover Hgbk selbst gibt es offensichtlich nur diese eine Aufnahme von E. Schüler vom 24.01.1959; die abgebildete 91 980 war zu diesen Zeitpunkt bereits z-gestellt. Auch die daneben stehende 38.10 scheint dauerhaft kalt zu sein, erkennbar am Holzstück auf dem Schornstein.

Bild 5

https://abload.de/img/hannoverhagenkamp_es_q2km8.jpg


Im Einsatz waren die 91.3 vor allem im Rangierdienst auf dem Hauptbahnhof, wo E. Schüler verschiedene Lok abgelichtet hat.

Es fällt auf, dass die 91er zum größten Teil Rangierfunk hatten, erkennbar an der Antenne auf dem Führerhausdach - nur bei 91 1661 (Bild 9) scheint diese zu fehlen.


91 1373 beschäftigt sich am 24.07.1955 mit einem CIWLT-Schlafwagen (Nr. 3989 ist ablesbar). In Frage kommt in erster Linie der Schlafwagen 1./2. Kl. aus Paris, der um 08.45 Uhr in Hannover mit dem D 111 aus Köln angekommen war.

Bild 6

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00130daqjya.jpg


91 416 beschäftigt sich am 25.09.1955 mit dem Verschub von Postwagen.

Bild 7

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00139dytjoc.jpg


91 418 hat am 02.10.1955 eine Übergabe zum Schlachtviehhof am Haken.

Bild 8

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00141d6zkz3.jpg
91 1661 hat am 09.10.1955 wiederum einen Postwagen zu befördern.

Bild 9

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00142d7hj9p.jpg


91 1320 wartet am 20.10.1957 auf dem Durchlaufgleis 5.

Bild 10

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00491duokl9.jpg


91 1337 verbringt Mitte 1957 eine beschäftigungslose Wartezeit auf einem Gleisstutzen am Gleis 9 (?).


Bild 11

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_00494djcj9p.jpg

Das war der eher schmucklose Nachfolger; 236 (V 36) 258 im Hbf Hannover am 01.10.1972 (01.09.1972 von Delmenhorst, z 01.05.1973).


Bild 12

https://abload.de/img/hannoverhbf_es_03558d4ek07.jpg


An diesem Beitrag ist der durchgreifende Strukturwandel deutlich erkennbar.
Rangierloks braucht man in einem Großstadtbahnhof wie Hannover nicht mehr.

Kurswagen umstellen? Gibt es nicht mehr, man kann doch den Bahnsteig wechseln, Treppe herunter und herauf, älteren Menschen mit Koffer wird ein bisschen Bewegung gut tun, sagen alle Ärzte (Rolltreppe meist defekt oder in der „falschen“ Richtung, Aufzug aussichtslos - wenn er denn funktioniert, haufenweise Fahrräder, Kinderwagen, dann ist der Anschlusszug weg - wenn er nicht sowieso schon weg ist).

Schlafwagen aussetzen/ansetzen? Wozu denn Schlafwagen? Es reist sich doch bequem im Bpmz! Schön aufrecht sitzen! Haltung bewahren!

Verstärkungswagen ansetzen/absetzen? Was ist das denn nun wieder? Gibt es gar nicht, entweder fährt der Zug halbleer, brechend voll, oder besser dann gar nicht erst (weil er zu voll zu werden droht).

Postwagen rangieren? Nein, also wirklich. Güter gehören auf die Straße. Abgesehen davon braucht der BND in seiner Dienststelle am Pferdeturm auch nicht mehr die aus der DDR kommende Post zu filzen, das ergab gehörig Rangieraufwand. Erzähle ich später mal.

Übergaben zum Schlachtviehhof? Nein. Das Borstenvieh kann seine letzte Fahrt auch im LKW antreten. Umweltgerecht, wenn der LKW Abgas 4 hat.

Schöne Bundesbahn war das damals!

Großer Dank vor allem an E. Schüler für seine Erlaubnis, die Bilder hier einzustellen.

Das wärs für heute; viel Spaß wie immer wünscht

Uwe (uk-old)


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