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Bergbau am Hohen Meißner Teil 1 (34 Bilder) | Kooperation mit C. Brink

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 10.10.11 19:30

Kürzlich erreichte mich ob meiner Glasplattenserie eine mail vom HiForisti Carsten Brink, der seine Kindheit am Hohen Meißner ( [de.wikipedia.org] ) verbracht hat. Dort ging vergleichsweise lang Braunkohlenbergbau um, der aber bislang wenig gewürdigt wurde. Dem wollen wir jetzt Abhilfe schaffen, denn Carsten hat sich an das Hessische Braunkohlen Museum zu Borken gewandt und von dort dankenswerter Weise vile historische Aufnahmen zur Verfügung gestellt bekommen, die auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigen darf. Da er selber aber kaum Ahnung hat, solche umfangreichen Beiträge ins HiFo zu hieven, bat er mich um Unterstützung, die ich gerne gewähre.

Voila, hier jetzt der erste Teil mit zugegeben vielen Bildern, die aber doch eine völlig untergegangene Welt zeigen. Wer noch Informationen hat, ist gerne aufgefordert, die mir zu übermitteln. Wie Carsten in einer mail das so schön umschrieb:

....doch wichtiger wäre mir der Hinweis auf das Archiv und deren Wunsch, "wenn einer etwas weiß", ihnen das mitzuteilen. Das Problem für das Archiv ist, dass das Material "tot" herumliegt, denn die Augenzeugen leben nicht mehr.

So, und jetzt geht's medias in res - lassen wir Carsten zu Wort kommen. Viel Spaß beim Anschauen und Lesen:




LiebeHiFo-Gemeinde,
Sie haben mich bislang mit sehr, sehr vielen schönen Beiträgen zur Eisenbahn- und Straßenbahn-Geschichte erfreut. Besonders möchte ich erwähnen die Berichte, die mit Stationen meines eigenen Lebens zu tun hatten:
- die Eisenbahnstrecken Kassel – Eschwege-West (Teil der Kanonenbahn) sowie Walburg – Eichenberg
- die Straßenbahnen der Stadt Kassel (speziell die Herkulesbahn)
Ich will nun versuchen, Ihnen auch eine kleine Freude zu machen, obgleich meine Lieblinge auf Gummisohlen über Teergeleise fahren. Deshalb verzeihen Sie mir die Unkenntnis technischer Details in meinem Bericht aus meiner Jugend.

Fangen wir dort an, wo sich die beiden oben genannten Eisenbahnlinien einstmals trafen: in Walburg, wie wohl das gegen die „Entwicklungsrichtung“ des Gegenstandes erzählt ist, über den ich berichten will. Der Zeitraum: zwischen 1947 und 1963.
Von der Herkulesbahn wissen Sie bereits: Basalt und Braunkohle waren die Transportgüter, die Geld brachten, Straßenbau und Kraftwerk (Lossekraftwerk Kassel) waren die Abnehmer. Auch der Hohe Meissner lieferte Basalt und Braunkohle. Der Braunkohlebergbau wurde seit dem 16. Jahrhundert betrieben, die Ausflugsgaststätte Schwalbenthal, das letzte Haus einer früheren Bergarbeitersiedlung, wurde 1675 als Bergamt gebaut. Abnehmer der Braunkohle waren dazumal die Salinen von Bad Sooden-Allendorf. Nach dem zweiten Weltkrieg, als Energie knapp war, wurde auf dem Hohen Meißner erneut der Braunkohleabbau begonnen. Am ehemaligen Stollen Bransrode wurde ein Basaltbruch begründet. Die Basaltsteine wurden von Bransrode per Seilbahn nach Laudenbach befördert, dort Bahnverladung, die Braunkohle wurde per Seilbahn nach Walburg zur Bahnverladung gebracht.

Die Bilder 01 bis 03 zeigen die Bahnverladung in Walburg

http://zechenbahnen.square7.ch/Pics/Meissner1/Bild_01.jpg

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http://zechenbahnen.square7.ch/Pics/Meissner1/Bild_03.jpg

Die Lok ist eine Henschel DG 26IV. Die DGs wurden in einer separaten Lieferliste geführt:

Henschel 2138/ 1949 DG 26 IV Bdm 1435 .01.1950 |Verschiedene Bergwerk Frielendorf AG, Abtlg. Meißner (nach 1965 v/v)


Die Seilbahn wurde vom 15.08.1949 bis zum 01.02.1950 erbaut. Von diesem Bau existiert eine Fotodokumentation

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Von Walburg aus spannt sich das Tragseil bis zu der Station oberhalb des Dorfes Hausen am Hohen Meißner, hier ein Bild:

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Von dort aus hat man einen guten Blick auf das Dorf, im Bild ein Baufahrzeug der damaligen Zeit

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Die Station oberhalb von Hausen wurde im wörtlichen Sinn, so erinnere ich, mehrfach missbraucht! Es gab da „Spätheimkehrer“ (aus der Kneipe im Tal), die sie mit „Bahnstation“ interpretierten und dort „zustiegen“, ohne eine Fahrkarte zu lösen. Das Jetzt folgende Stück der Seilbahn überwand nun richtig viele Höhenmeter, wie das folgende Bild von oben zeigt.

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Kurz darauf war die Berghöhe erreicht. Eine Winkelstation brachte die Loren auf die richtige Richtung zum Bergwerk.

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Wenn alles gut ging, dann musste der Fahrgast hier aussteigen, wenn er nicht in der Zeche landen wollte

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Ganz übel war ein „Fahrgast“ dran, der den Ausstieg verpennt hatte und im eiskalten Wintersturm auf freier Strecke zur Zeche hängen blieb, weil die Seilbahn wegen des Sturmes angehalten wurde. Der Hausmeister des nahen Senders und ein weiterer Helfer konnten den um Hilfe Rufenden mit einem Seil befreien (abseilen).
Die Winkelstation wurde auf dem Gelände der ehemaligen Luftwarnanlage der Wehrmacht, genannt „Freya“, erbaut.

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Die Sendeanlagen der „Freya“ waren gesprengt und dienten mir als Abenteuerspielplatz. Die Wohnhäuser wurden von Bergwerksangehörigen genutzt, denn Wohnraum war 1949 sehr knapp!

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Ein neues Trafohaus diente der Stromversorgung der Winkelstation als auch dem gleichzeitig erbauten neuen Rundfunksender, bei dem mein Vater arbeitete. Bild_53, 1961 aufgenommen, zeigt den „Schneezwerg“ von Beilhack bei der Arbeit, ein Messerschmitt Kabinenroller war wintertauglich.

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Von der Winkelstation erreichte die Seilbahn in gerader Linie und nahezu eben die Zechenanlagen.

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Auf diesem Bild erkennen wir im Hintergrund das „Verkehrsmittel“, weswegen ich nach diesen Bildern (erfolgreich) gesucht habe. Ich wurde fündig im Hessischen Braunkohle Archiv in Borken. Ich bedanke mich für die liebevolle Unterstützung, die einem sentimentalen älteren Herrn zuteil wurde! Ich hoffe, ich kann das Archiv damit erfreuen, dass ich einigen Bildern mit meinem Bericht wieder Leben einhauche. Die Bilder stammen von vielen Menschen, die mit dem Bergbau am Hohen Meißner zu tun hatten. Manches dieser Bilder lässt erahnen, wie schwer die Arbeit dort war.

Manchmal ging auch etwas schief, wie die beiden Bilder einer Seilbahnentgleisung beweisen.

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Wir sind also in der Zeche angekommen, die zunächst die Braunkohle im Untertagebau, dann aber im Tagebau förderte. Über der Kohle lagerten gewaltige Mengen an Gestein, die fortgeschafft werden mussten. Es begann dort, wo im letzten Bild die Seilbahn endete.
Erste Erschließung auf einem Areal, das sich Grebestein-Ost nannte.

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Heute erscheint mir die Lok vor dem Lorenzug geradezu winzig, in meiner Kindserinnerung ist sie riesengroß! Gar nicht zu reden von dem Baggerungetüm.
Man brachte den Abraum auf eine nahe Kippe mit dem Flurnamen „das Weiberhemd“

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Von dem Großbagger, ich glaube es war ein MENCK, gibt es auch einige Nahaufnahmen

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Doch im Tagebau waren überwiegend kleinere und „bescheidenere“ Geräte eingesetzt.

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Die sorgten für die Beladung der Abraumzüge

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Daneben macht der „Große“ doch schon einen sehr zivilisierten Eindruck

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Es wurde Sommer wie Winter gearbeitet.

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Sieht man diese Bilder, man meint im 19. Jahrhundert zu sein!

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Das folgende Bild soll von „Weihnachten 1956“ sein. Ich meine, es zeigt die Dampfloks nach getaner Arbeit, denn sie wurden von Kaelble Lastwagen abgelöst und zugleich wurde eine noch größere, neue Kippe aufgemacht.

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Die Kaelble Lastwagen wurden von amerikanischen Euklid Lastwagen abgelöst, deren Reifen etwa einen Durchmesser von zwei Metern hatten. Den Volvo vom nächsten Bild habe ich nicht mehr erlebt.

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edith machte Bild 5 sichtbar.

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