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Buchbesprechungen 4-21: Tram-Titel ausländischer Vereine

geschrieben von: Rolf Hafke

Datum: 06.05.21 11:47

Guten Tag,
liebe Straßenbahn- und Nahverkehrsfreunde,

hie4r der zweite Teil der April-Buchbesprungen / Rezensionen
speziell von Titeln ausländischer Vereine herausgegeben.

Diuese Titel sind nicht beim Buchhändler "an der Ecke" verfügbar.

Gestatten Sie den abschließenden Hinweis, dass Bücher aus dem Ausland einen
sehr großen Aufwand bei der Recherche und beim Einkauf bedeuten und der
Einkaufspreis sich stark erhöht aufgrund der hohen Versandkosten hierher!

Rolf Hafke, TS: TramShop
hafke.koeln@t-online.de

für einige ausländische Titel besteht durchaus eine längere Lieferzeit,
da teils neue Bestellungenh gesammelt werden und dass ein Einkauf erfolgt




„De Nieuwe Blauwe Tram – Deel 1 – De historie van de A600`en van de NZH“, von einem Autorenteam, Haarlem (NL) 2020, 24 Seiten im Format 20,5 x 20,5 cm, geheftet, Herausgeber: Stichting De Nieuwe Blauwe Tram; Preis: 13,90 €

„De Nieuwe Blauwe Tram – Deel 2 – De Boedapesters en hun familieleden“, von einem Autorenteam, Haarlem (NL) 2021, 40 Seiten im Format 20,5 x 20,5 cm, geheftet, Herausgeber: Stichting De Nieuwe Blauwe Tram; Preis: 16,90 €

Diese beiden kleinen Broschüren sollen hier gemeinsam vorgestellt werden, da sie im Hinblick auf das Projekt, welches sie initiiert haben, auch zusammengehören. Die drei Buchstaben „NZH“ elektrisieren in unserem Nachbarland Niederlande nach wie vor viele Verkehrsfreunde, gelten die sowohl in Normalspur- wie in Meterspur gebauten Strecken in Nord- und Südholland dort als Inbegriff einer elektrischen Überlandbahn nach Vorbild amerikanischer Interurbans, allerdings kombiniert mit dem eher dörflich/ländlichen Ambiente belgischer Vizinalbahnen. Die Einstellung der letzten Strecken liegt nun 60 Jahre zurück.

Ein großes Angebot an Literatur steht zur NZH zur Verfügung, von denen vor allem die in den letzten Jahren erschienenen Bildbände mit Farbaufnahmen zu begeistern vermögen. In einem kleinen Museum auf dem Gelände eines ehemaligen Betriebshofes der Straßenbahn und heutigen Busdepots in Haarlem wird die Erinnerung mit einigen Originalfahrzeugen wachgehalten, wie auch anderen Stellen NZH-Fahrzeuge erhalten und sogar einsatzfähig sind. Es fehlen allerdings die „Klassiker“ nämlich Vierachser aus den 1920er Jahren, die nach dem Sitz ihres Herstellers Ganz „Budapester“ genannt wurden und die bei Beijnes in Haarlem gebauten sechsachsigen Gelenktriebwagen der frühen 1930er Jahre.

Vor einigen Jahren entstand die recht verwegene Idee, solche Fahrzeuge nach alten Zeichnungen im Originalzustand nachzubauen. Dafür gibt es in etlichen Ländern etliche Beispiele, wobei das Ganze weniger ein Problem technischer Möglichkeiten als der hohen Kosten dafür darstellt.

Es wurde eine Stiftung „De Nieuwe Blauwe Tram“ gegründet, wie die NZH-Fahrzeuge wegen ihres blau-weißen Anstrichs auch häufig genannt werden mit dem Ziel, das Geld für die Projekte einzuwerben und den Bau umzusetzen. Auf der ersten Innenseite der Broschüren ist jeweils die Zusammensetzung der Stiftung und der dort tätigen Personen genannt. Sie lässt schnell deutlich werden, dass das Vorhaben keine „Spinnerei“ einiger Fantasten in der Bahnszene ist, sondern Hand und Fuß hat und damit eine Chance der Realisierung. Man begann mit dem Gelenkwagen und im Frühjahr 2021 waren bereits erste Bilder der im Rohbau fertiggestellten Wagenkästen zu sehen.

Zur Bewerbung der Projekte und auch zur Generierung zusätzlicher Gelder sind diese beiden hochwertig gestalteten Broschüren entstanden. Sie sind im Hinblick auf ihren Umfang recht teuer, der Käufer tut aber mit dem Erwerb ein gutes Werk, fließen doch ein Großteil der Einnahmen in das Projekt der Erstellung der beiden „Replikas“. Auch erfährt der mit der Geschichte der NZH nicht so vertraute Leser hier kurzgefasst und ergänzt mit vielen guten Fotos sehr viel zu den beiden prägenden Fahrzeugserien des Betriebes. Ein Großteil der Aufnahmen ist farbig, auch wurden mit den heutigen Möglichkeiten alte Schwarz/weiß-Bilder nachträglich coloriert, wobei diese „Fälschung“ auf den ersten Blick kaum auffällt. Der Inhalt der beiden Broschüren lässt auch gut erkennen, was den „Mythos NZH“ über all die Jahre ausmachte und noch ausmacht. Der Gedanke, dass die dort beschriebenen Fahrzeuge in absehbarer Zeit als Nachbau wieder auf Gleisen stehen werden, fasziniert. Wer das Projekt mit dem Erwerb der beiden Broschüren unterstützen möchte, der kann sich so nicht nur an zwei gut gestalteten und in hervorragender Qualität gedruckter Veröffentlichungen erfreuen. (reu)


„Due camere e cucina – I tram torinesi della Serie 2700 e i loro simili”, von einem Autorenteam, Torino (I) 2019, 130 Seiten im Format 20,5 x 21,0 cm, broschiert, Herausgeber: Associazione Torinese Tram Storici; Preis: 20,00 €

„Peter Witt da Cleveland a Torino – I tram torinesi della Serie 2500 e I loro simili, von einem Autorenteam, Torino (I) 2020, 152 Seiten im Format 20,5 x 21,0 cm, broschiert, Herausgeber: Associazione Torinese Tram Storici; Preis: 20,00 €


Beide Broschüren sind vom historischen Verein der Turiner Straßenbahn herausgegeben worden und haben jeweils eine für diesen Betrieb prägende Fahrzeugserie zum Inhalt. Sie sind in italienischer Sprache abgefasst und es gibt leider keine Zusammenfassung in einer anderen Sprache, so dass entsprechende Sprachkenntnisse von Vorteil sind. Angesichts zahlreicher Fotos, Zeichnungen und Statistiken, sowie dem Abdruck sonstiger technischer Unterlagen wird der Inhalt aber auch mit einem Übersetzungsprogramm verständlich.

Die Serie 2700 gehört zu den sogenannten „Zwei Zimmer und Küche“-Fahrzeugen, bei denen zwei Zweiachser durch ein schwebendes Mittelteil zu einen durchgehenden Gelenkwagen verbunden worden sind. In den meisten Fällen entstanden sie durch Umbau aus zweiachsigen Trieb- und Beiwagen, selten auch als Neubauten. Einem Prototyp im Jahre 1950 folgten in drei Tranchen bis 1959 70 Serienfahrzeuge. Angesichts eines durch die Spenderfahrzeuge aus den Jahren 1925-26 vorgegebenen Achsstandes von nur 2,20 m bzw. später 2,50 m waren die Fahreigenschaften der Wagen nur mäßig. Es ging mit dem Bau dieser Gelenkwagen in erster Linie darum, für den Spitzenverkehr zu den FIAT-Werken preiswerte Fahrzeuge mit hohem Fassungsvermögen zu erhalten, da sie nur zwei Mal an Wochentagen für kurze Zeit im Einsatz standen. Daher gab es auch nur wenig Sitzplätze.

Der erste Teil der gut gestalteten Broschüre weist auf Fahrzeuge dieses Bauprinzips in anderen Ländern hin, die es dort z.T. auch mit dreiachsigen Untergestellen oder als achtachsige Drehgestellwagen gab. Auch auf die Ursprünge dieser Konstruktion in Amerika wird mit entsprechenden Abbildungen hingewiesen. Im Anschluss daran werden Planung und Entstehung der Fahrzeuge und deren Einsatz in Turin in Wort und Bild dokumentiert. Dabei ist besonders interessant, dass bei acht Wagen zur Verbesserung der Laufeigenschaften das zweiachsige Fahrwerk verkürzt und zu den Wagenenden hin durch eine zusätzliche „Bissel“ Lenkachse ergänzt worden ist. Die meisten der „Schaukelpferde“ wurden nach Lieferung neuer Wagen zwischen 1984 und 1986 verschrottet. Einer überlebte als Restaurantwagen, wozu er aufgrund seiner Fahreigenschaften eigentlich schlecht geeignet war. Er erfreute sich aber großer Beliebtheit und erst 2004 durch ein sechsachsiges Drehgestellfahrzeug ersetzt. Ein weiterer Wagen blieb zur Nutzung als historisches Fahrzeug erhalten, verfiel aber jahrelang, ehe 2008 seine Restaurierung angegangen werden konnte. Diese ist hervorragend gelungen und der Wagen bereichert seither die fahrbereite Flotte von historischen Fahrzeugen in Turin. Auch über den Restaurantwagen und die Aufarbeitung und den Einsatz des Museumswagens wird ausführlich und durch viele gute Fotos ergänzt berichtet. Auch dem Modellbau mit Fahrzeugen der Reihe 2700 wird zum Schluss dieser interessanten Broschüre ein kleiner Abschnitt gewidmet. Der Anhang enthält Originalzeichnungen des Fahrzeuges und von Details. Entstanden ist eine umfassende Darstellung einer interessanten Fahrzeugbaureihe der Turiner Straßenbahn.

Die zweite Broschüre widmet sich den vierachsigen Großraumtriebwagen Serie 2500 der Bauart Peter Witt. Die im amerikanischen Cleveland entstandene Bauart ist in Europa vor allem durch die große Serie von 502 Fahrzeugen für die Mailänder Straßenbahn im Jahre 1928 bekannt geworden. Immer noch stehen auch 93 Jahre später zahlreiche dieser Wagen dort im täglichen Planeinsatz und beweisen, dass sie modernen Fahrzeugen in manchen Belangen auch heute noch überlegen sind. Gleichzeitig sind die „Ventottos“ als „Nostalgieobjekte“ seit einiger Zeit Kult und auch dieses Image wird vom Mailänder Verkehrsbetrieb ATM durchaus gepflegt.
Aber auch andere Städte in Italien beschafften Wagen des Peter Witt Typs, so auch Turin. Immerhin fünf Vierachser haben bis heute überlebt und vier Stück sind bislang fahrfähig restauriert worden. Die Serie 2500 entstand in 100 Exemplaren in den Jahren 1930 bis 1933 und stand in Turin bis in die 1980er Jahre im Einsatz. Die gleichartig zur Veröffentlichung über die Gelenkwagen aufgebaute Broschüre beginnt mit einem Kapitel über das Original in Cleveland, welche dort bereits ab 1912 zum Einsatz kamen und mit einem neuartigen Abfertigungssystem „Pay as you leave“ (Einstieg vorne, beim Schaffner vor dem Mittelausstieg zahlen und dann bei weiten Strecken im Heckteil Platz nehmen oder bei kurzen Fahrten im Vorderteil verweilen) den Betrieb beschleunigen halfen. Der Wagentyp verbreitete sich in Nordamerika schnell. Im zweiten Kapitel werden Fahrzeuge der Bauart in Europa gezeigt, wo Mailand 1928 den Vorreiter spielte. In Europa wurde die ursprüngliche Türanordnung aber zumeist abgeändert.

Im dritten Kapitel werden die für Turin gebauten Serien des Typs vorgestellt, die als Besonderheit auch eine zweiachsige Variante aufwies (Serie 2000), die ab 1929 in 55 Exemplaren gebaut wurde. In den 1930er Jahren folgten der Serie 2500 noch einmal 117 Einheiten der Serien 2100 und 2200. Ausführliche Statistiken mit technischen Angaben vervollständigen den Text ebenso wie gute Fotos und Zeichnungen, aber auch den Anhang.

Der zweite Teil der Broschüre widmet sich dann ausführlich der Restaurierung der erhaltenen Wagen der Serie 2500. Wenn man sieht, in welchem Zustand sich die Fahrzeuge teilweise zu deren Beginn befanden, dann kann man nur Hochachtung vor der Leistung der Werkstätte und der Mitarbeiter haben, die sich den historischen Fahrzeugen verschrieben haben. Auch diese Veröffentlichung stellt eine umfassende Darstellung der Fahrzeugbauart Peter Witt in Turin dar. Man kann hoffen, dass in der Folge auch die weiteren Serien der Turiner Straßenbahn, von denen es erhaltene Exemplare gibt, in der gleichen Weise dokumentiert werden. (reu)

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