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Re: Pressebericht

geschrieben von: Rolf Hafke

Datum: 01.12.20 17:24

und hier eine Buchbesprechung

Rolf Hafke
TS: TramShop


*** Privatbahnen Deutschland ***
„Die Kleinbahn Beuel-Großenbusch“ von Michael Kelm, Nordhorn 2020, 96 Seiten im Format 17,0 x 24,5 cm, gebunden, Herausgeber: Verlag Kenning; Preis: 22,95 €

Die B-G war eine „graue Maus“ unter den Privatbahnen in Deutschland und den meisten Eisenbahnfreunden außerhalb der Region weitgehend unbekannt. Sie war nur 7 km lang, betrieb nie öffentlichen Personenverkehr und war ihrer Struktur nach eher eine Industrie-Anschlussbahn, sicherte sie den zahlreichen kleinen und größeren Fabriken im Streckenverlauf als Zubringer zum Staatsbahnhof in Beuel (erst seit 1973 ein Stadtteil von Bonn) an der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite den Zugang zur weiten Schienenwelt. Empfang von Produkten, die für die Produktion benötigt wurden und Abfuhr dessen, was daraus hergestellt wurde war daher lange Zeit das Geschäft der B-G. Betrieben vom Konzern der Deutschen Eisenbahngesellschaft (DEG) hatte sie den großen Vorteil, im Verbund mit den anderen DEG-Bahnen Zeit ihres Bestehens auch die Versorgung mit den für Betrieb notwendigen Fahrzeugen sichergestellt zu bekommen. Das sorgte für einen sehr vielfältigen Fahrzeugeinsatz.

Das auch das Leben einer solch kleinen Bahn abwechslungsreich und gar nicht langweilig sein kann, zeigt die Neuerscheinung von Kenning. Der Verlag verfügt über eine lange und große Erfahrung mit der Herausgabe von Werken über Kleinbahnen und der Name steht für einen hohen Qualitätsstandard, sowohl was den Inhalt als auch die Form angeht. Der Inhalt ist übersichtlich in sieben Kapitel gegliedert, welche wie üblich mit der Vorgeschichte beginnen und dann die sich daraus ergebende Abfolge „Projektierung, Bau und Eröffnung“ beschreiben.

Das dritte und längste Kapitel ist Strecke, Stationen und Anschlußgleisen gewidmet, in dem jeder der zahlreichen Anschließer im Streckenverlauf genannt und der Umfang der Gleisanlagen behandelt wird. Der im vierten Kapitel behandelte Fahrzeugpark zeigt sich äußerst umfangreich, da es immer wieder zu Tausch und Umsetzungen innerhalb er DEG kam. Im Anschluss daran werden alle im Zusammenhang mit der Betriebsabwicklung wichtigen und interessanten Details in den drei die Bahngeschichte bestimmenden Zeitperioden abgehandelt: Die Zeit der Kleinbahn von 1900 bis 1964, die Periode als Industriebahn zwischen 1965 und 1994 und die Zeit danach unter der Betriebsführung durch die (neue) Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) bis heute. Mit dem schmalspurigen Betrieb der alten RSE hatte die B-G übrigens zur Kleinbahnzeit Kontakt in Hangelar, wo es einen gemeinsamen Bahnhof mit der Möglichkeit des Übergangs von Normalspurwagen, die auf der Schmalspurbahn mittels Rollwagen befördert wurden. Dieser bestand von 1955 bis 1962. Hangelar ist nach Einstellung des Streckenabschnitts nach Großenbusch seit 1965 auch Endpunkt der Strecke.

Bekannt geworden ist die B-G einem größeren Kreis von Eisenbahnfreunden durch den 1989 als Zubringer zur Großkirmes „Pützchens Markt“ erstmals durchgeführten Zubringerverkehr. Diesen gab es bis letztes Jahr zuverlässig während der Kirmes im September, während der Güterverkehr seit 2009 stilllag. Wie es nach dem durch die Corona-Krise bedingten Ausfall 2020 mit der Bahn weitergeht ist derzeit offen, die Zubringerfahrten sind die einzige Aktivität auf der seit 1994 der Stadt Bonn gehörenden und an die RSE verpachteten Strecke.

Es erstaunt, wie viele Details zu einem Betrieb in wohl jahrelanger Forschungsarbeit zusammengetragen werden konnte, der immer nur ein Schattendasein führte. So ist nicht nur die Streckendetails lückenlos dargestellt, sondern auch die sehr umfangreiche und auch komplizierte Fahrzeuggeschichte. Ergänzt wird der Text durch zahlreiche Dokumente und Gleispläne, aber auch zahlreichen Fotos die sogar aus älterer Zeit zum Teil farbig sind. Es hat dann doch immer wieder mal Bahnfreude gegeben, welche der Bahn einen Besuch abgestattet haben.

Das wie üblich sehr gut gestaltete Buch schließt einen „weißen Fleck“ bei der Behandlung deutscher Privatbahnen und dokumentiert den Betrieb und seine Fahrzeuge umfassend. Ihm ist daher eine entsprechende Verbreitung „in einschlägigen Kreisen“ zu wünschen. (reu)

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