DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 11 - Bahn und Medien 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Diesen Beitrag den Moderatoren melden?

Meine Meinung: Klein aber fein!

geschrieben von: dampfhappi

Datum: 08.11.20 12:07

Nachdem bei den meisten Kenning-Büchern der letzten Zeit ein zweiter Verlag mit auf dem Titel erschien, haben wir es hier wieder mit einer reinrassigen klassischen Kleinbahn-Monographie aus der „kleinen blauen Reihe“ zu tun.
Im Vorfeld habe ich mich insgeheim gefragt, wie man auf die vermeintlich abwegige Idee kommen kann, einer nur 7km langen Kleinbahn, die zeitlebens vom Güterverkehr lebte , ein ganzes Buch zu widmen.
Bei einem Besuch beim Verleger vor einigen Wochen zeigte sich dieser sehr begeistert über das zu dem Zeitpunkt im Druck befindliche Werk und seine Entstehung. Vor allem die Zusammenarbeit mit einer Gruppe Eisenbahnbegeisterter auf Basis des Manuskripts eines ehemaligen RSE-Mitarbeiters muss eine sehr erfreuliche und produktive gewesen sein.
Beim ersten Durchblättern war das Buch für mich dann zunächst eine normale Betriebsvorstellung, auf dem handwerklich hohen Niveau, für das der Verlag bekannt ist.
Als ich mich eingelesen habe, wurde es dann doch für mich spannend:
Ein von einem Lehrer initiierter grober Entwurf einer Anschlußbahn vom Bahnhof Beuel nach Großenbusch diente als Basis für die wenig später von der Aktiengesellschaft für Bahn-Bau und Betrieb gebaute Kleinbahn. Die Projektunterlagen wurden ungeprüft übernommen, die tatsächlich realisierte Strecke wich in vielen Punkten von der Planung ab, unter anderem weil nicht alle benötigten Grundstücke zur Verfügung standen. Die Archiv-Unterlagen wurde jedoch vielfach nicht der Realität angepasst.
Im Laufe der Zeit gab es auf der kurzen Strecke mehr als 20 Anschlussgleise und Ladestellen, die zusammen in der Anfangsphase für Verkehrsaufkommen von weit über 100000 Tonnen/Jahr sorgten. Teilweise wurde auch auf freier Strecke Ent- und Beladen. Erschreckend, dass zahlreiche Anschließer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Insolvenz gingen, umfirmierten oder ihre Produktion an andere Betriebsstätten verlagerten. Die erst 1955 in Betrieb genommene Rollwagengrube in Hangelar zum Übergang auf die schmalspurige RSE war auch kein großer Erfolg und wurde bereits 1962 wieder stillgelegt.
1965 endete der Betrieb mit eigenen Fahrzeugen, bis in die frühen 1990er Jahre wurden bei Bedarf Kleinloks der DB angemietet. Bemühungen der Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH zur Beibehaltung und Verstärkung des Güterverkehrs hatten nur mäßigen Erfolg, so dass inzwischen die alljährliche Sonderzüge zum „Pützchens Markt“ (Großkirmes) der einzig nennenswerte Verkehr auf der eingekürzten Strecke sind.
Da die Betriebsführung der Bahn bei der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft in Frankfurt lag, kam es im Fahrzeugpark zu umfangreichen Tausch- und Leihaktionen mit anderen Bahnen des Konzerns, so dass in Summe sagenhafte 18 Dampflokomotiven und eine Diesellok im Bestand nachgewiesen werden konnten. Mit letzterer (einer V20 von Kassel-Naumburg) hatte man nicht allzu viel Freude, nach drei Monaten und etwa 1500 km in Beuel befüllte das an Dampfloks gewöhnte Personal das Getriebe mit Motoröl, was zu einem kapitalen Schaden und Abgabe der Lok führte. Überhaupt war der Betriebsmaschinendienst der Bahn von Kompromissen und Provisorien geprägt, auch weil der ursprüngliche Lokschuppen nach einem Bombentreffer nur durch eine zugige „Bretterbude“ ersetzt worden war.
Immerhin wird der einzige Personenwagen der Bahn im Kandertal museal erhalten.
Nach der Lektüre bin ich erstaunt, wie viel Informationen über so einen kleinen Betrieb gesammelt und in optisch ansprechender Form aufbereitet werden konnten – Respekt!

Gib bitte eine Erläuterung, warum Du diesen Beitrag melden möchtest. Dies erleichtert es den Moderatoren, Deine Meldung zu verstehen.