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Rezensionen:Busse Düdorf,Hamburger Straßenbahn,Eisenb.Berg.Land1, Mf. Esslingen3

geschrieben von: Rolf Hafke

Datum: 21.06.20 16:36

Guten Tag,

hier nun die versprochenen Buch-Besprechungen.

Wie immer der Hinweis, dass nicht alle Titel sind beim
Buchhändler "um die Ecke" erhältlich sind.

Gruß aus Köln
Rolf Hafke, TS: TramShop
hafke.koeln@t-online.de


*** Nahverkehr Deutschland *** „Düsseldorfer Verkehrsgeschichte – Omnibusse kommen in Fahrt“ von Brigitte und Hans Männel, Düsseldorf 2020, 180 Seiten im Format 21,0 x 29,5 cm, broschiert, Herausgeber: Linie D e.V.; Preis: 19.80 €

In seiner Schriftenreihe zur Düsseldorfer Verkehrsgeschichte hat der im Schwerpunkt für die Betreuung der historischen Fahrzeuge der Düsseldorfer Rheinbahn zuständige Verein nun den Band 4 vorgelegt. Der Untertitel lautet „Die Anfänge des Omnibusverkehrs in Düsseldorf“ und greift damit ein Thema auf, zu dem keine Zeitzeugen mehr zu befragen sind, endet doch die Betrachtung im Jahre 1930. Den Schnitt mit der Übernahme des Busbetriebes von der insolventen Rheinischen Kraftwagen-Betriebsgesellschaft (RKBG) auf die Rheinische Bahngesellschaft zu machen ist sinnvoll. Denn große Teile des damals übernommenen Netzes sind auch 90 Jahre später noch Bestandteil des Busnetzes des heutigen Betreibers des Nahverkehrs in der Landeshauptstadt Düsseldorf und weit darüber hinaus.

Wer ein derartiges Thema nach so einem langen Zeitraum aufgreift, der kann sicher sein, dass sich der Kreis der Interessenten daran in engen Grenzen hält. Jüngere Verkehrsfreunde dürften so „olles Zeug“ sogar eher als langweilig empfinden. Schon ein Blick in das Inhaltsverzeichnis macht klar, welcher Vielfalt von Aspekten hier nachgegangen wird und ein erstes Durchblättern zeigt, dass hier ein bisher vernachlässigtes Thema mit einer Vielzahl von Karten, Abbildungen und Tabellen anschaulich dargestellt und daher nicht langweilig werden wird. Wer sich schon immer gefragt hat, was eigentlich Busse der Rheinbahn in Mülheim an der Ruhr oder Solingen zu suchen haben, der findet hier die Erklärung dazu. Genauso wie die Rheinische Bahngesellschaft in ihren Anfängen für die Erschließung des Umlandes auf der Schiene zuständig war (und das „Geschäft“ innerhalb der Stadt zunächst einem anderen Unternehmen überließ), entstand Mitte der 1920er Jahre mit städtischer Hilfe die RKBG mit dem Ziel ein Busnetz in der Region aufzubauen, wobei die Linien bis in den Raum Aachen und den linken Niederrhein sowie ins Ruhgebiet und das Bergische Land führten.

Die Broschüre beginnt aber bereits „bei Adam und Eva“ und untersucht, was es überhaupt für erste öffentliche Verkehrsmittel in und um Düsseldorf gab. Pferdeomnibusse erfuhren dabei im letzten Quartal des 19.Jahrhunderts eine recht weite Verbreitung, während der ein 1906 gestartete Versuch, einen Stadtteil mit einem Motoromnibus an das Straßenbahnnetz anzubinden aufgrund technischer Unvollkommenheit recht bald zu Ende war. Erst in den 1920er Jahren standen dann brauchbare Fahrzeuge zur Verfügung, was zum steilen Aufstieg führte und den Bus auch zum Konkurrenten der Schiene werden ließ. Auch die eingesetzten Fahrzeuge werden in der Veröffentlichung dokumentiert und es erstaunt auch hier, wie viele Details dazu zusammengetragen werden konnten.

Stoff genug also um mit einer Dokumentation darüber das Fundament dafür zu schaffen um irgendwann im Anschluss daran über die 90 Jahre Busgeschichte der Rheinbahn zu berichten. Das umfangreiche Quellenverzeichnis zeigt, dass mit entsprechender Planung und intensiver Archivarbeit auch heute noch genügend Quellen erschlossen werden können, welche Ereignisse vor hundert und mehr Jahren lebendig werden lassen. Man fragt sich unwillkürlich, wie das eigentlich bei der zunehmend nachlässiger werdenden Bewahrung von Unterlagen mit diesem zeitlichen Abstand einmal in der Zukunft über das Heute aussieht!

Wer sich für die Verkehrsgeschichte Düsseldorfs interessiert, der wird um diese Veröffentlichung nicht herumkommen, sie bietet für wenig Geld geballtes Wissen, ist übersichtlich gestaltet und damit gut zu lesen und spart auch nicht mit Karten für eine Orientierung. Auch als Beispiel und Vorbild, wie man ein solches Thema überhaupt angehen kann ist die Broschüre sehr gut geeignet. Man darf ihr daher eine entsprechende Verbreitung wünschen! (reu)



„Hermann Hoyer - eine Zeitreise in die Vergangenheit, Hamburg und seine Strassenbahn, von Stefan Carstens, Fürstenfeldbruck 2020, 208 Seiten im Format 22,0 x 29,0 cm, gebunden: Herausgeber: VGB/Klartext-Verlag; Preis: 39,80 €

Fast 42 Jahre sind seit der Stilllegung der Hamburger Straßenbahn vergangen. Eigentlich sollte daher zum Thema eigentlich alles gesagt und gezeigt sein. Ein neues Buch beweist aber, dass dem wohl nicht so ist. Die letzten beiden größeren Veröffentlichungen erschienen mit einem Buch über das Liniennetz und als Band 11 innerhalb der Reihe „Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland“ des EK-Verlages im Jahre 2008. In letzterer gab es zwar für einige kleinere Straßenbahnbetriebe, U-Bahn und S-Bahn ausführliche Fahrzeugstatistiken, nicht jedoch für den Straßenbahnbetrieb der Hamburger Hochbahn AG (HHA) ab 1919 und deren Vorgängerbetriebe. Begründet wurde dies nicht, aber wenn man im Vorwort las, wem für die Bearbeitung der Kapitel über den Wagenpark zu danken war, dann konnte der „Insider“ sich denken, warum. Der in der „Szene“ als „HHH“ Verkehrsfreund Hermann Hoyer (Hamburg), galt dort als „graue Eminenz“ hinsichtlich der Kenntnisse über den Fahrzeugpark der Hamburger Straßenbahn. Er war der Ansicht, die Statistiken seien durch die zahlreichen Umzeichnungen zu kompliziert, als dass sie jemand versteht und war nicht bereit, so etwas zu veröffentlichen.

Nahezu gleichzeitig mit der Stilllegung des restlichen Betriebes waren in einer Schriftenreihe des „Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V.“ (VVM) in den Jahren 1977 und 1978 zwei Broschüren über den Wagenpark der Hamburger Straßenbahn erschienen, deren Autor Hermann Hoyer war. Band 2 endete 1945. Bis zur Herausgabe des dritten Bandes über die Nachkriegszeit vergingen immerhin 16 Jahre, 1994 war es dann aus Anlass hundertjährigen Jubiläums der elektrischen Straßenbahn soweit. Allen Bänden eigen war zwar eine sehr in Einzelheiten gehende technische Beschreibung der Fahrzeuge und ihrer Umbauten, Statistiken zu deren Nummern und Verbleib fehlten aber aus oben genannten Gründen. Auch wurde viel Wissen vorausgesetzt, so dass sich für Ungeübte die Zusammenhänge der einzelnen Wagenserien und deren Umbauten nicht erschloss. So erwähnte Hoyer, um ein Beispiel zu nennen, in Band 2 bei der Beschreibung von Wagen der Bauart N5 (1. Bauabschnitt) mit keinen Wort, dass es sich hier um Umbauten der Type B aus der Frühzeit der SEG handelte. Hoyer war auch der Meinung, dass die Bezeichnungen Z1 und Z2 Erfindungen von Verkehrsamateuren waren, sie sind aber auch in „amtlichen“ Unterlagen zu finden und sollen nach einer Quelle im Jahr 1941 eingeführt worden sein.

Die zum Teil recht kleinen Fotos, deren Urheber ab den 1950er Jahren zum großen Teil der Autor war, konzentrierten sich dem Thema entsprechend auf die Dokumentation der Fahrzeuge.

Als zweites Straßenbahnbuch nach dem Band über die END 2018 erschien nun bei VGB/Klartext der Band „Hamburg und seine Straßenbahn“. Autor ist der in der Eisenbahnszene vor allem für seine Veröffentlichungen über Güterwagen bekannte Eisenbahnfreund Stefan Carstens. In einer Buchreihe „Das besondere Archiv“ stellt er schon seit einigen Jahren immer wieder das Bildmaterial eher unbekannter Fotografen der Öffentlichkeit vor, die sich zumeist sehr speziellen Bereichen des Bahnwesens widmeten. Zusammen mit Kollegen kümmert er sich dabei auch um Übernahme, Erhalt und Aufarbeitung derartiger Sammlungen. Die Buchreihe bildet damit eine sinnvolle Ergänzung zur EK-Buchreihe „Alte Meister der Eisenbahnphotographie“ aber auch Einzelveröffentlichungen anderer Verlage, welche die nur zum Teil vom Namen her bekannten Fotografen als Person vorstellen und damit auch dem „Mann hinter der Kamera“ ein Gesicht geben.

Dass sich der Freund der Hamburger Straßenbahn über das neue Buch freuen kann ist, wie man dem Vorwort entnehmen kann, eher glücklichen Umständen zu verdanken, denn die bei der Sichtung des Nachlasses des 2016 verstorbenen Hermann Hoyer zunächst eher beiläufig betrachteten Filme mit Straßenbahnbildern begeisterten bei näherer Beschäftigung damit den gebürtigen Hamburger Carstens, zeigten sie doch die Straßenbahn der Hansestadt in ihrem baulichen Umfeld und dies schwerpunktmäßig ab Mitte der 1950er Jahre bis Ende der 1960er Jahre. Danach fuhren nur noch die Nachkriegsvierachser auf einem sich zunehmend reduzierenden Netz, was dann nicht nur Hoyer als langweilig empfand, sondern auch viele andere Verkehrsfotografen, die sich nun mit Hamburg nur noch selten ausgiebig beschäftigten und Ziele besuchten, wo der Wagenpark (auf dem der Schwerpunkt der fotografischen Tätigkeit vieler Fotografen lag) erheblich mehr Abwechslung versprach.
Hoyer hatte jedoch rechtzeitig begonnen in Hamburg Straßenbahnen zu fotografieren, besaß dabei auch ein Auge für das Motiv und dokumentierte neben den Fahrzeugen auch das Verkehrsmittel in seinem Umfeld. Dies brachte den Autor auf die Idee im Rahmen der Archivreihe mit einer Auswahl von Hoyers Bildern eine Zeitreise in die Vergangenheit Hamburgs zu unternehmen und dabei nicht nur den Verkehrsfreund anzusprechen, sondern auch den an Stadtentwicklung und Architektur Interessierten anzusprechen. Der Rezensent weiß aus eigener Erfahrung, dass Verkehrsbilder, die mehr als Fahrzeuge zeigen, auch bei Personen auf Interesse stoßen, denen eine Straßenbahn eigentlich gleichgültig ist.

Da in Sachen Straßenbahn nicht bewandert, versicherte sich der Autor mit Rainer Dodt der Unterstützung eines sachkundigen Verkehrsfreundes. Auch schien es reizvoll, die auf den Bildern dokumentierten „Ecken“ der Stadt einmal in ihrem „Ist-Zustand“ anzusehen, was sich vielfach in entsprechenden Anmerkungen bei den ausführlichen Bildunterschriften zum Wiedererkennungswert gezeigter Szenen niederschlägt.

Der Aufbau des Inhalts verrät den erfahrenen Buchautor, denn er folgt der sinnvollsten Form. Den Angaben zum Fotografen in Form von Beiträgen seiner Witwe und seines besten Freundes, folgen zum Einstieg großformatige Bildimpressionen zum Hamburg der 1950er Jahre. Die Vorstellung der auf den Bildern zu sehenden Wagentypen kann ebenfalls nicht schaden um etwas theoretisches Wissen zu vermitteln. Ein Abschnitt „Betrieb“ gibt Auskunft zum Liniennetz und den Betriebsbahnhöfen. Hier ist dann auch einer der schönen von der HHA herausgegebenen farbigen Übersichtpläne auf Stadtplanbasis abgedruckt und dies gerade noch groß genug um Abbildungen verorten zu können.

Der Hamburger Nahverkehr bestand nicht nur aus Straßenbahnen, so dass vor dem Beginn der Reise mit der Straßenbahn durch die einzelnen Stadtbereiche auch die übrigen Verkehrsmittel kurz im Bild vorgestellt werden, die Hoyer ebenfalls mit seiner Kamera dokumentiert hat. Bei den einzelnen Stadtbereichen ist die Innenstadt zwischen den Vororten eingereiht, was die Transportaufgabe der Straßenbahn „von draußen nach drinnen und umgekehrt“ gut wiedergibt. Den Epilog bildet ein fotografischer Blick auf die letzten Jahre und zeigt die Hamburger Straßenbahn so, wie sie die meisten Verkehrsfreunde noch in Erinnerung haben werden. Dazu muss man denn heute aber auch „schon jenseits die Mitte 50“ sein um da noch mitreden zu können! Die Bilder Hoyers werden an einzelnen Stellen, wo dies dem Autor sinnvoll erschien, durch einige wenige Aufnahmen anderer Verkehrsfreunde ergänzt. Dies gilt hauptsächlich für Farbbilder, bei deren Anfertigung Hoyer eher sparsam war, sein Metier waren in erster Linie die Schwarz/weiß Aufnahmen.

Das Buch enthält weit über 300 Aufnahmen in unterschiedlichen Formaten, welche eine hohe Qualität bei Motiv und Wiedergabe bieten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Jahren 1956 bis 1959, welche wohl auch die Hauptschaffensperiode des Fotografen Hoyer bei der Straßenbahn darstellte, getrieben von der Vorahnung, dass es mit der Herrlichkeit der alten Wagen bald unweigerlich vorbei war. Die neue BOStrab war 1956 in Kraft getreten und gewährte für die Fahrzeuge, wie sie die HHA in großem Umfang einsetzte noch eine Übergangsfrist bis Ende 1959. Das wird Hoyer gewusst haben. Mit Ausnahme des Abschnitts über die Fahrzeuge zeigen seine Aufnahmen die Straßenbahn im Stadtbild und zwar mit allem „drumherum“ wie Autos, Menschen, Straßen- und Streckenzustand, Bebauung, aber auch jahreszeitlichen und wettermäßigen Unterschieden. Manche Abbildungen, deren Beschreibungen zusätzlich viel Wissen vermitteln, kann man lange betrachten und entdeckt doch immer noch was Neues. Der Rezensent vermisst allerdings die Verwendung des Begriffes „Stirnwagen“ für einen Einrichtungswagen. Sie war für Hamburg so typisch wie einmalig und soll vom in den 1930er Jahren von Leipzig zur HHA gekommenen technischen Vorstand Friedrich Lademann aufgebracht worden sein.

Eine derartige Veröffentlichung hat bislang für Hamburg gefehlt und der Autor schließt diese Lücke nun endlich.
Mehr als viele Worte lassen die Bilder auch erkennen, dass ein Straßenbahnbetrieb mit diesen Fahrzeugen in einer Stadt der Größe Hamburgs nur ein Angebot bieten konnte, was den Anforderungen und Bedürfnissen nicht wirklich gerecht wurde. Die Fahrzeuge sahen nicht nur uralt aus, sie waren es meistens auch. Das Erbe in Form eines bei der Übernahme von der Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft SEG durch die neu gegründete Hamburger Hochbahn AG 1919 übernommenen, riesigen und dabei hoffnungslos überalterten Wagenparks hat die Straßenbahn eigentlich während ihrer gesamten Existenz begleitet. Enge Gleisbögen verhinderten geräumige Fahrzeuge und antiquierte Technik wurde über Jahrzehnte beibehalten. Neue Triebwagen hat es über Jahrzehnte nur in bescheidenem Maße gegeben, stattdessen ist der Uralt-Wagenpark der SEG immer wieder umgebaut und modernisiert worden. Das dürfte entscheidend mit dazu beigetragen haben, dass dieses Verkehrsmittel schon Ende der 1950er Jahre von der Politik zum Auslaufmodell gestempelt wurde. So blieb denn auch die mit Ende der 1940er Jahre begonnene Modernisierung schon sehr früh stecken und die Politik setzten auf den Ausbau von U- und S-Bahn, in vielen weniger stark besiedelten Stadtteilen aber auch auf den Bus. Dem Einsatzverbot der Altwagen hatte man, von einer kleinen Serie angepasster (erneuter) Umbauten mal abgesehen, nicht etwa neue Fahrzeuge entgegenzusetzen, sondern eine sich im Laufe der Zeit immer mehr beschleunigende Reduzierung des Streckennetzes!

Das Buch, welches sowohl dem Straßenbahn- als auch dem Hamburg-Freund uneingeschränkt empfohlen werden kann, lieferte dem Rezensenten noch zwei bisher vernachlässigte Erkenntnisse: Zum einen hat Hamburg außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums und seiner unmittelbar daran anschließenden Bereiche das Gepräge einer Großstadt schnell verloren. Zum zweiten haben die Bombardements des Zweiten Weltkrieges wohl auch etliche Stadtteile weitgehend verschont, so dass hier die Straßenbahnen an gut erhaltener Altbausubstanz entlangfuhren. Es gibt aber auch zahlreiche Bilder, auf denen die Kriegsschäden 15 Jahre später noch unübersehbar sind. Dies bei der Bildauswahl berücksichtigt zu haben, ist ein weiterer Verdienst des Autors.

Bereits im Vorfeld diskutiert worden ist das Thema „Seitenfalz im Bild“. Der Rezensent möchte es daher nicht bei der bloßen Erwähnung des Sachverhaltes belassen, sondern etwas näher darauf eingehen. Es hat vor einigen Jahren im Zusammenhang mit Veröffentlichungen im Straßenbahn-Magazin dazu zahlreiche negative Stimmen aus der Leserschaft gegeben, die sich auch in wütenden Mails an den Verlag äußerten, wie von dort zu vernehmen war. Der Rezensent und der Händler Rolf Hafke haben dies damals zum Anlass genommen, bei größeren Treffen von Verkehrsfreunden Buchkäufer darauf anzusprechen und mussten feststellen, dass sehr viele dem Falz durch das Bild ankreiden, dass er das Motiv nicht nur stört, sondern ja nach Lage auch zerstört. Seither ist dieses Thema auch Bestandteil der Besprechungen um Verlage und Autoren die selbst layouten dafür zu sensibilisieren, dass sie sich mit derart abgedruckten Bildern bei einem Großteil der Leser keine Freunde schaffen.
Festzuhalten bleibt aber auch, dass bei einem Buch im Hochformat und Negativen im Querformat beim Wunsch, besonders schönen Motiven durch Größe eine entsprechende Wirkung zukommen zu lassen, der Seitenfalz immer im Weg ist. Nicht umsonst umgeht der EK-Verlag bei seinen Bildbänden dieses Problem elegant dadurch, dass er diese im Querformat anlegt. Dieses ist aber, wahrscheinlich auch aus guten Gründen, bei den Verlagen nicht so gerne gesehen.

Im vorliegenden Buch gibt es, auch im Vergleich mit früheren Büchern der Archivreihe, mit 42 Abbildungen mit Seitenfalz an irgendeiner Stelle bezogen auf die Gesamtzahl von Bildern eine recht hohe Anzahl solcher Aufnahmen. Bei vielen davon fällt der Falz kaum auf, da er sich auf der Seite des Motivs befindet und „das worauf es ankommt“ nicht beeinträchtigt (z.B. Seite 110/111 links unten oder 114/115 oben). Bei doppelseitigen Abbildungen wird es dann kritisch, wenn der Falz genau durch einen Wagen oder durch eine Wagenfront läuft (z.B. bei den drei Impressionsbildern auf den Seiten 8/9, 10/11 und 11/12). Hier und auch bei einigen anderen Aufnahmen empfindet auch der Rezensent das Bild in seiner Wirkung durch den Verlauf des Falzes recht stark gestört, bei den Aufnahmen der Folgeseiten bleibt die Wirkung dagegen weitgehend erhalten. Es kommt also immer auf das Bild an, nicht aber auf den Falz an sich. Auch das Negativ sollte bei großen Abbildungen immer darauf geprüft werden, ob seine Konsistenz eine große Wiedergabe zulässt. Einige(Anm.: wenige) Großformate zeigen sich leider mehr oder weniger stark körnig. Bei kleinerem Format wäre dieses Problem vermutlich nicht aufgetreten.

Die ersten Bücher hatten den Empfänger kaum erreicht, da erhielt der Versender bereits die erste kritische Stellungnahme dazu. Daran zeigt sich, dass Leser dieses Thema weiterhin umtreibt. Den Wert des Buches an sich mindert das aber nur minimal, es wäre nur noch etwas schöner geworden, wenn man hier mehr Bedacht an den Tag gelegt hätte! (reu)



*** Eisenbahnen Deutschland ***
„Eisenbahnchronik Bergisches Land, Das bergische Städtedreieck Wuppertal – Remscheid – Solingen, Band 1: Strecken und Bahnbetriebswerke“, von Zeno Pillmann, Freiburg (Brsg.) 2020, 304 Seiten im Format 20,5 x 29,5 cm, gebunden, Herausgeber: EK-Verlag; Preis: 49,90 €

Nach den beiden in Umfang und Aufmachung ähnlichen Bänden der Eifelchronik von Klaus Kemp, ist bei EK nun der erste Band der Chronik über das Bergische Land erschienen. Sie ist aber eingegrenzt auf das bergische Städtedreieck Wuppertal – Remscheid und Solingen und die von dort ins Umland führenden Strecken, deckt als, anders als die Eifelbände, nicht die gesamte als Bergisches Land bezeichnete Region ab. Das ist kein Manko und aufgrund der Vielzahl der hier vorhanden gewesenen Strecken sicherlich der besseren Übersicht halber sinnvoll. Es bleibt Raum, Oberberg und Niederberg in getrennten Veröffentlichungen ebenfalls noch abzuhandeln. Die im Vorsatz abgedruckte detaillierte amtliche Übersichtskarte aus der unmittelbaren Zeit nach dem 2. Weltkrieg zeigt das gesamte Gebiet und noch ein wenig mehr.

Anders als Kemp, der die Strecken auf zwei Bände verteilte und alle mit diesen zusammenhängenden Aspekten komplett abhandelte, teilt der Autor das hier in Sachgebiete auf.

Band 1 enthält die Strecken und Betriebswerke, Band 2 wird dann die Betriebsabwicklung und den Fahrzeugeinsatz zum Thema haben. Schon beim ersten Durchblättern wird deutlich, um welche Fleißarbeit es sich hier handelt. Die Bebilderung ist vergleichsweise sparsam, dafür gibt es aber eine Vielzahl von Übersichtskarten, darunter auch die äußerst detaillierten schematischen Direktionskarten mit Streckenverlauf und Neigungsverhältnissen sowie exakte Gleispläne der einzelnen Betriebsstellen. Einheitliche Datenblätter enthalten alle zur Strecke relevanten Daten wie Eröffnung und ggf. Stilllegung, Längen sowie eine Übersicht der Betriebsstellen und Anschlussbahnen, ebenfalls mit allen relevanten Daten. Die eingestreuten Fotos, allesamt in schwarz-weiß, sind von guter Qualität, ausreichender Größe und werden inhaltlich ausführlich beschrieben.
Natürlich wird aus das den Titel zierende, markanteste Bauwerk der Region in Form der Müngstener Brücke in einem längeren Kapitel ausführlich dokumentiert. Das letzte Kapitel des Staatsbahnteils erfasst alle Anlagen, die gemeinhin als Bahnbetriebswerke bezeichnet werden, aber mit Lokbahnhöfen, Wagenwerken, Ausbesserungswerken und Oberbau-Hauptlagern wesentlich kleinteiliger strukturiert sind. Auch hier neben guten Fotos der dort beheimateten Fahrzeuge interessante Gleispläne und ausführliche Bestandsnachweise der Bw`s.

Neben den Haupt- und Nebenbahnen sind auch den Klein- und Straßenbahnen sowie den Anschluss- und Werksbahnen mit eigenem Lokbetrieb eigene Kapitel gewidmet.

Bei dem 70seitigen Kapitel über die Klein- und Straßenbahnen wird es dann auch für Nahverkehrsfreunde äußerst interessant, denn Kenner der Region wissen natürlich, dass hier ein zusammenhängendes Meterspurnetz mit zahlreichen Überlandstrecken gegeben hat, auf denen neben Personen- auch Güterverkehr stattfand. Auch dieser „Komplex“ ist hier mit gleicher Ausführlichkeit und in einheitlicher Form für die gesamte heutige Drei-Städte-Region alle relevanten Daten in übersichtlichen Tabellen zusammengestellt. Auch an Übersichtskarten mangelt es nicht. Wo hat es bisher schon einmal komplette Angaben über Streckenlängen gegeben? Wenn überhaupt zu finden, dann musste man sich bisher die hier vereinten Angaben umständlich aus den Einzelveröffentlichungen zu den Betrieben zusammensuchen.

Entstanden ist eine sowohl in Gestaltung und Druck (bei EK eigentlich selbstverständlich) sowie Inhalt umfassende Zusammenstellung, die den Namen Chronik auch verdient. Es ist der Verdienst des Autors, der sicherlich mehrere Jahre mit der Vorbereitung und Umsetzung zugebracht hat, eine Vielzahl grundsätzlich verfügbarer Daten mit eher weniger bekannten Angaben zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefügt zu haben. Man kann gespannt auf den zweiten Band warten, der für Herbst angekündigt ist. Beide Bände schließen eine Lücke für Dokumentation regionaler Bahngeschichte. Eine Orientierung ist auch für „nicht Eingeborene“ an Hand der zahlreichen Pläne gut möglich. Die Gleispläne der einzelnen Bahnhöfe, besonders auf den Nebenstrecken, dürften eine wahre Fundgrube für Modellbahnen sein, die hier Inspiration für die Umsetzung realistischer Anlagenthemen zu Hauf finden. (reu)



*** Eisenbahn-Fahrzeuge ***
„Fotoalbum der Maschinenfabrik Esslingen, Band 3: Diesel- und Elektrolokomotiven“ von Alexander Weber, Brilon 2020, 173 Seiten im Format 21,0 x 28,5 cm, gebunden, Herausgeber: Podszun-Verlag; Preis: 29,90 €

Vor einiger Zeit ist an dieser Stelle der Band 2 des Fotoalbums etwas ausführlicher behandelt worden, da er sich mit Straßen- und Seilbahnen beschäftigte und somit das Haupt-Interessensgebiet der Nahverkehrsfreunde betraf. Band 1 hatte straßengängige Elektrofahrzeuge zum Thema, zu denen seinerzeit aber noch keine Busse gehörten. Der Vollständigkeit halber und weil es sich beim Inhalt des Band 3 erneut um Schienenfahrzeuge handelt, soll auch dieser hier kurz behandelt werden.
Die ME hat, Eisenbahnfahrzeuge waren schließlich ihr Hauptgeschäft, im Laufe ihres Bestehens eine Vielzahl von Diesel- und Elektrolokomotiven gebaut. Das Inhaltsverzeichnis zeigt hier schon die unheimliche Vielfalt und beide Arten werden jeweils in einem Block behandelt. Dem Anspruch als Fotoalbum gerecht werdend, sind die einzelnen Typen sowohl im Bau, als auch im Einsatz mit den von Werksfotografen zum Zwecke der Werbung und der Dokumentation angefertigten professionellen Aufnahmen abgebildet. Die wichtigsten technischen Daten und die Fabriknummern werden jeweils genannt.

Während im Straßenbahnbau die Fertigung von Serien normal war und Einzelstücke kaum ein Thema waren, sind bei den Bahnlokomotiven unheimlich viele Unikate und Kleinserien entstanden. Lediglich bei den Typenreihen V60 und V100 für die Deutsche Bundesbahn handelte es sich um größere Serien, wobei die V60 auch in die Türkei exportiert werden konnte. Zumindest im Diesellokbau hat es den Versuch einer Typisierung gegeben. Das Ergebnis waren viele Typen mit kleinen Stückzahlen, also nicht das, was eigentlich wirtschaftlich gewesen wäre. ME baute für jeden Kunden das, was er haben wollte und schreckte auch vor Spezialanfertigungen wie z.B. Kokslöschlokomotiven nicht zurück. Das Nischengeschäft und gute Qualität zu einem akzeptablen Preis begründeten offensichtlich den guten Ruf der ME weltweit.

Das Album gibt einen gut gestalteten und informativen Überblick über das Geschäft der ME mit V und E-Lokomotiven, wer gerne mal über den Tellerrand blickt und seine Kenntnisse erweitern möchte, der findet hier eine kurzweilige Möglichkeit. Es geht nicht aus Band 3 hervor, ob ihm noch weitere folgen. ME war auch im Bau von Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen, sowohl für den Personen- wie den Güterverkehr, aktiv, so dass sich zumindest hierfür noch die Möglichkeit böte, weitere Schienenfahrzeuge zu präsentieren. (reu)

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