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Re: Aufräumarbeiten Nacht 18.-19-06.2010 (einige Bilder)

geschrieben von: Der Ungläubige Thomas

Datum: 19.06.10 13:40

Nein, erstemal keine Bilder. Noch im Apparat (klass. Film) (f.Nachtrag 25.07.2010, s.u.). Für "Knippsophon" vtl. zu dunkel, ich doktere noch dran rum, und die PAZ kann's fotografisch einfach besser. Persönl. Eindrücke Nacht 18 - 19.06.2010, "profilfrei" von der Brücke <brrrr - saukalt> zur evtl. Ergänzung:
Bis gegen 02.00 Uhr Abtransport der zuvor zerlegten "RailPro"-Trichterwagenreste. Zuvor waren die ermittlungsrelevanten Trümmer und Teile von EBA und BuPo pink sprühmarkiert worden. Unmarkierte Trichtermulden bzw. deren Reste sowie weiterer "unverdächtiger Schrott wurden vom strategisch günstig im Vorgarten neben der 111 090 postierten Mobil-Grosskran (Fa. Kranlogistik Sachsen GmbH) auf von dieser Firma und Kontraktunternehmen gecharterte Kfz-Tieflader auf der Brücke der B444 verladen und abtransportiert.

Pink markierte Teile wurden (allerdings inclusive einer grossen (Sekundär-) Schraubenfeder der 111 090) auf Flachwagen verladen, dabei auch die meisten der Trichterwagen-Untergestelle sowie "kollisionsnahe" Muldenteile.

Trennung Mulden vom Fahrwerk wegen der zu grossen Höhe für Abtransport auf Strasse und Schiene erforderlich. 4 Trichterwagen blieben am Sa früh vorerst vor Ort, 2 (wieder) in ihrem vorgesehenen Gleis Ri.Hannover, 2 auf der Seite liegend auf dem Areal der nach Norden weg führenden Trasse der ehemaligen Nebenbahn nach Stederdorf (-Edemissen?), deren Prellbockabschluss und Gleislage bei dem Unfall ebenfalls schwer beschädigt worden sind, davor aber dem Braunschweiger Hilfsgerätewagen Platz boten. Die Mulden sind bizarr deformiert und mussten mit den Kränen erstmal zur Entleerung umgekippt werden. Der 3- 4 mm dicke Stahl ist stellenweise ohne Vorzugsrichtung wie nach einer Explosion scharfkantig zerrissen. Das Abschneiden der Mulde des am Freitag als vorläufig letztem verladenen Trichterwagens nahm wegen der komplizierten Deformation und Verkeilungen etwa 3 Stunden in Anspruch (Verladung gegen 01.30 h Muldenrest auf LKW Kranlogistik Sachsen GmbH; Untergestell auf Flachwagen DB zusammen mit markiertem Schrott unter Kompaktierung mit der Schaufel)

Ab etwa 02.00 h mit den beiden DB-Kränen und dem Mobilkran Beginn der Kernarbeiten zur Bergung des zweiten DoSto aus Schräglage. Zuvor mussten ihm "unterm Bauch" kubikmeterweise Feinsplitt-Ladegut des Gz manuell weggeschaufelt werden. Der Regionalzug hatte einen der Trichterwagen regelrecht zerfetzt und den Rahmen vom Aufbau abgerissen. Ein Längsträgerrest lag noch unter der Lok, der speziell verdächtige (und pink markierte) Radsatz mit zackigem Tangentialbruch der Radscheibe neben dem ersten DoSto (Bild weiter oben im Thread) am Damm, ein zweiter Radsatz neben dem zweiten DoSto im (zugedachten) Gleisbett des RE. Ein weiterer Langträgerrest des Trichterwagens war unter Lok und erstem DoSto samt Achshalter plattgewalzt und dann zu einer bizaren Harmonika zwischen erstem und zweitem DoSto durch die Kupplung hoch gedrückt worden, das war das Stück, das von der Brücke her gesehen um 45° rechts (in Fahrtrichtung des RE nach links) raus ragte und zunächst aussah wie die hintere Zug-Stoss-Vorrichtung des ersten DoSto. War sie aber eben nicht. Vorweggenommen - nach dem für das Bergungspersonal hoch riskantem Losschweissen von den beiden DoStos (der zweite sackte dann trotz Kranhakensicherung um ca.10 cm runter, als auch die Kupplung getrennt war) und Abriss mit dem Bagger hatte die Langträger-Harmonika plötzlich noch am Ende einen runden Pufferteller und eine tellerartig defomierte Trapezblech- Achslagerführung ...

Überhaupt musste zwischen 02.00 und 05.00 h nebenher allerlei Verdachtsmaterial aus dem Gz-Ladegut mit den Baggerschaufeln förmlich herausgesiebt werden. Derweil nahm der Mobilkran im Garten die Hangabtriebsicherung des vom Nr.2 zu trennenden umgekippten (ca. 75° Schräglage?) ersten DoSto vor. Gegen 04.30 h Herausreissen des zweiten DoSto aus der Verkeilung mit dem ersten und den o.g. Resten des Trichterwagens dazwischen mittels beider DB-Kräne. War nicht so ganz einfach gewesen, die Bergungsketten auf der "Abgrundseite" (kippseitig) der Wagen zu verankern.

Das Eingleisen war problematisch, der Wagen musste mehrfach in "Position geschaukelt" werden, mit solchen Kränen nicht ganz einfach. Am zweiten (Teleskoparm-) Kran ging dabei irgendeine Verzurrung auf der vorherigen Kippseite kaputt, so dass der Wagen plötzlich zurückschwenkte und der Geschirrbalken in Schieflage geriet, zum Glück beherrschbar; es sah von der Brücke prekär aus. Ad hoc keine Erkenntnisse zur Rollfähigkeit gewinnbar; Radsätze anscheinend nicht (alle) von Hand drehbar. Dafür war das Bordnetz des Wagens samt Türtastern noch "scharf", allerdings meuterte die Schiebetür zum Übergang in den ersten DoSto (Portal leicht verzogen?). Die Kranleute wollten dort zunächst durch, um die Ketten des Krangeschirrs kippseitig anzubringen. Dieser DoSto weist eigentlich nur relativ geringe Blech- und Lackschäden auf, zwei der vier Doppeltüren (Hochflur) mitsamt Trittstufen sind vermutlich defekt und, soweit mit Fernglas erkennbar, zwei oder drei Scheiben zerstört, ferner hat die Front einen Abdruck der Kastenkante des ersten DoSto genommen.

Kran "Goliath" aus DO sollte gegen 05. 30 temporär abgerüstet und Ri.Lehrte weg gefahren werden, um den DoSto abziehen zu können. Beim Zurückdrehen des Kranes in die Abrüstposition verhedderte sich ein Hydraulikschlauch des Antriebes im Drehkranz und riss mit Sprühfontäne ab (hoffentlich alles Glycol-Wasser-Gemisch ...), eine schleimig-allglatte Fläche auf dem ostseitigen Ende des Krans hinterlassend. Es wurde zwar begonnen, eine neue Leitung einzuziehen, aber wegen blockierter Querlage des Kran-Oberwagens konnten die Zweiwege- Mobilbagger nicht mehr dran vorbei, um am "Epizentrum" der Unfallstelle weiter auf zu räumen.

Und da hatte ich dann auch genug ... Wer weiter und korrigierend berichten möchte, gerne. Irgend eine lokale Zeitung war in der Nacht letztmals so gegen 23 Uhr da, also bevor es richtig spannend wurde.

Zur 111 090 des Btf. Braunschweig: Nein, ich bin nicht im Garten gewesen und kann auch jeden nur nachdrücklichst davor warnen, den Arbeiten irgendwie zu nahe zu kommen! Feldstecher und Tele und ansonsten äusserste Zurückhaltung sind angesagt, kurzes Gespräch mit Polizei sehr sinnvoll. Dann sieht man genug:

Die Lok ist mit der in Fahrtrichtung linken Ecke des Führerstandes 1 aufgeprallt. Muldenreste der Trichterwagen haben das linke Fhrstd.-Fenster auf 0- Länge zusammengedrückt und die linke Tür auf etwa 1/3 Breite. Frontblech oberhalb des Rahmens von der Ecke aus um ca.1,5 m nach innen gedrückt, ob. Scheinwerfer auf etwa 20 cm über Fussbodenniveau; auch das Dach wurde vom linken Eckpfosten her nach innen gestülpt, der Eckpfosten (sofern man das bissle rundes Blech so nennen kann; leider gelten hier keine AAR- / FRA-Vorschriften mit 6-mm-Blechen und am Rahmen abgestützten Breitflanschträgern auf Fensterunterkante) selbst knapp 2m um 45° nach innen; Trümmerende an Führerstandsrückwand. Überlebensraum Lokführer anscheinend nur wenig mehr als "rund ums Führerbremsventil". Frontwand mit Fensterunterkante ab Ansatz rechte Seitenwand um ca. 30° nach links zunehmend zum Boden hin gefaltet. Rahmen unter der linken Tür um ca. 30 cm verkürzt und ca. 10 cm nach "unten" gefaltet. Unterer Flansch des linken Längsträgers etwa in Höhe der 2. Treibachse angeknickt, dort, wo 111 109 damals in Wels durch gebrochen war. Schwerste "Kummerfalten" im Bereich des ersten Lüftungsgitters links und im Rahmenbereich darunter Verkürzung um weitere ca. 20 cm. Linke Seitenwand zerbeult und verschrammt ähnlich der 140 816 in Stuttgart, erstes Maschinenraumfenster zerstört. Schweisstechnisch bedingte Brandschäden am Führerstand; möglicherweise deshalb (trockene) Schlauchleitung von Hydranten auf der Brücke zur Unfallstelle. Mechanischer Schaden eindeutig höher als an 140 816, aber etwas geringer als an 111 109. Die Lok ist mit dem Loch, ex-Führerstand, direkt am Hangfuss des Brückenwiderlagers zur Ruhe gekommen. Dass der Tf überlebt habe, ist nach Aussagen THW ein Wunder, könnte durchaus zutreffen. An dieser Stelle Gute Besserung!

Prognose: Im Laufe des Samstages Abfahren zur Untersuchung des zweiten und Bergung und Abfahren auch des ersten DoSto (Unterseite nicht zerkratzt, ebenfalls alle Radsätze noch dran, aber kippseitig am Autokran sichernd befestigt - Verwindung?) sowie der restlichen Trichterwagen. Lok: Dem Schadensbild und Zeitwert nach erscheint es grob und als Outsider-Meinung geäussert sinnvoll, diese an Ort und Stelle zu zerlegen und in Einzelteilen per LKW abzufahren, damit man diese wichtige(re) Strecke schnell durch Bündelung aller Kräfte wieder frei bekommt: [Edit: Lok und die beiden DoStos waren offenbar auf den Resten der gerammten Trichterwagen hoch katapultiert worden, daher geringer Geländekontakt der Radsätze; anscheinend alles noch halbwegs rollfähig, daher bis So geborgen und auf die Schienen gestellt.

Schwellen für ein Ersatzgleis für das völlig zerstörte Gleis des Güterzuges wurden in Position gebracht; Schienen fehlten vorhin aber noch. Gleisroste aus dem ehemaligen Nebenbahngleis Stederdorf scheinen an der Unfallstelle zu stark beschädigt zu sein, um sie für einen Notverkehr ins Hauptstreckengleis umzusetzen. Für erste Massnahme würden ca. 60 + 20 m "Neu"gleis reichen. Die durch den bereits vor der Kollision entgleisten Güterzug beschädigten (z.T. durch gebrochenen) Betonschwellen im Ri.Gl. Lehrte -> Hannover wurden durch alle ca. 6 m zusätzlich eingefügte Holzschwellen spurhaltend gesichert. Oberleitung komplett entfernt, an Masten abgebunden. Auch das erfordert noch viel Arbeit zur Herrichtung selbst für Notbetrieb mit LA 20 km/h.

So, macht mal schön weiter, aber dezent aus dem Hintergrund (mich würde interessieren: Haben die die "Goliath-Hydraulik" nach 06.15 h wieder flott bekommen? [Edit: Sie haben, späteren Bildern der Lokbergung zufolge, s. weiter unten im Thread]). Und denen am Ort Frohes und erfolgreiches Schaffen, trotz des (vermutlich ziemlich versauten) WoE.

Nachtrag: einige Bilder vom 200er-Film, kleingerechnet:
[attachment 20318 Peine_Kranlogistik_2010-06-19_017_14a.jpg]

[attachment 20316 Peine_DoSto_aufgerichtet_2010-06-19_021_18a.jpg]

[attachment 20317 Peine_Kranhydr.geplatzt_2010-06-19_023_20A.JPG]
Grusz

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