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Dias und Negative scannen

geschrieben von: sc

Datum: 30.09.10 09:50


Hallo aus HH,

nachfolgend noch einige kleine Ergänzungen zu Rolfs Beitrag.

Vorab: Ich scanne seit über zehn Jahren, zuerst mit einem Agfa Snapscan 1200 (nur Aufsichtvorlagen), seit 2004 mit einem Epson Perfection 3170 Photo. Seit einigen Jahren mit einem Nikon Coolscan V ED und einem Epson V700 Photo.

Leider schwirren im Netz eine Reihe von Aussagen bezüglich der Qualität von Epson-Scannern herum, die m.E. zu hinterfragen sind. Ich maße mir nicht an, alle Epson-Scanner beurteilen zu können, nach etlichen Tausend Scans mit einem Epson V700 Photo erlaube ich mir jedoch ein Urteil zu diesem Scanner (auch im Vergleich zu einem Nikon Coolscan V ED).

Unbestritten sind die gemessenen Ergebnisse der Nikon-Scans noch etwas schärfer, aber... die große Schwäche des Nikon-Scanners ist die mangelnde Toleranz gegenüber unterschiedlichen Abständen zwischen Dias/Negativen und der Scanoptik. Das bedeutet, dass z. B. (in den Papprahmen leicht gewölbte) Kodachrome-Dias nur in der Mitte scharf und zum Rand hin unscharf gescannt werden. Außerdem, was nützt mir die Schärfe eines Scans, die keine zusätzliche Information beinhaltet, da ich mich mit der Auflösung des Scanners bereits im Bereich des Negativkorns bewege?

Darüber hinaus kann mich weder das Farbmanagement der Nikon-Software noch von Silverfast beim Scannen von Kodachrome-Dias überzeugen. Hier ist in der Regel reichlich Nacharbeit erforderlich, während die Epson-Software auf Anhieb hervorragende Ergebnisse liefert. Fairerweise muss jedoch auch gesagt werden, dass der Nikon beim Scannen von Kodachromes (aber auch nur hier) seine Stärken in punkto Schärfe ausspielen kann und dem Epson V700 deutlich überlegen ist.

Um die Leistungsfähigkeit des V700 aufzuzeigen, nachfolgend drei Abbildungen und einige Anmerkungen zum Scannen. Zuerst ein Rohscan von einem Orwo-NP15-Kleinbildnegativ, dann ein unbearbeiteter Ausschnitt aus diesem Rohscan in Originalauflösung sowie das fertig bearbeitete Bild.

(1)
http://www.abload.de/img/-012_klknyr.jpg

(2)
http://www.abload.de/img/-012_ay6yg.jpg

(3)
http://www.abload.de/img/051446051922023036_saaou8e.jpg

Welche Schritte sind nun erforderlich, um aus dem Epson-Scanner solche Ergebnisse heraus zu kitzeln?

Zuerst zur Hardware:

Den Epson-Scannern liegen eine Reihe von Filmhaltern zum Einspannen von Dias und Negativen bei. Diese Filmhalter haben auf der Unterseite – zumindest beim V700 – fünf kleine, mit einem Pfeil gekennzeichnete "Füßchen". Die Füße dienen der Abstandsregulierung der Filmhalter zur Scanoptik und die Pfeile weisen auf eine der möglichen Stellungen "0" oder "+" hin. Hier gilt es zuerst mit einigen Testscanns auszuprobieren, welche Einstellung die beste ist (die schärfsten Scans erzeugt) – für Kodachrome-Dias in Papprahmen habe ich die Füße auf "0" gestellt. Negative scanne ich inzwischen ohne (!) eingeklipste Füße.

Weiter geht es mit der Software bzw. deren Einstellungen:

Grundsätzlich sollte man beim Scannen von Kleinbildnegativen und Dias mit der höchstmöglichen optischen Auflösung und mit der größtmöglichen Farbtiefe des Scanners scannen (die Bilder herunter rechnen kann man immer noch). Epson gibt für den V700 als optische Auflösung für Durchlichtscans 6.400 dpi an. OK, die hat er bestimmt nicht, nur ebenso wenig sind es nur 1.600 bis 2.300 dpi, wie in manchen Foren kolportiert wird.

Wird ein 6.400-dpi-Scan im Photoshop auf die halbe Größe (3.200 dpi) herunter gerechnet, gehen bei feinkörnigen Negativen bereits erste Bildinformationen verloren (wobei dies bei einem nachgeschärften Bild kaum auffällt). Bei Kodachrome-25-Bildern sind keine nennenswerten Veränderungen zu erkennen, da die Scans nicht die Schärfe erreichen, wie Scans von Negativen. Bei 40% der Bildgröße (2.560 dpi) sind die Verluste – sowohl bei Scans von Negativen als auch von KC-25-Dias – schon deutlich sichtbar.

Man könnte jetzt zwar auf Idee kommen, von vornherein nur mit 3.200 dpi zu scannen, nur wenn man den Wert gleich geringer einstellt, verliert man sichtbar an Schärfe. Ein 3.200-dpi-Scan erreicht nicht die Schärfe eines auf 2.560 dpi herunter gerechneten 6.400-dpi-Scans (der ja schon verlustbehaftet ist), geschweige denn die des auf 3.200 dpi herunter gerechneten 6.400-dpi-Scans.

Zum Vergleich drei Ausschnitte aus (farblich bearbeiteten, jedoch – sofern nicht kleiner gerechneten – nicht nachgeschärften) Rohscans von einem Kodachrome-25-Dia – der "ultimative Härtetest" für jeden Scanner.

Zuerst der 6.400-dpi-Scan (wegen der Bildgröße ein Patchwork aus drei kritischen Ausschnitten (Loknummer, Stellwerksbezeichnung und Zaun hinter der Lok).

(4)
http://www.abload.de/img/002patch1nria.jpg

Der gleiche Scan, aus dem die gezeigten Ausschnitte stammen, auf 3.200 dpi herunter gerechneten und minimal nachgeschärft (in Photoshop mit unscharf maskieren)...

(5)
http://www.abload.de/img/002klqrhl.jpg

... sowie ein von vornherein mit nur 3.200 dpi gescanntes Bild – die Struktur des Zaunes ist schon nicht mehr zu erkennen.

(6)
http://www.abload.de/img/-001ap57.jpg

Zwar gilt diese Aussage nicht für alle Scanner, aber beim Scannen mit einem Epson V700 sollte man unbedingt "unscharf maskieren" (USM) aktivieren. Obwohl ich generell die Auffassung vertrete, dass die Aufgabe eines Scanners und der dazugehörenden Software das Scannen und nicht die Bildbearbeitung ist, sind die Ergebnisse mit USM erheblich besser als Rohscans, bei denen diese Funktion deaktiviert ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei Scans mit der Epson-Software ist die manuelle Einstellung der Farb-/Grauwertkurve (Histogramm). Die Epson-Software ist so programmiert, dass möglichst gleich "fertige Bilder" heraus kommen. Das bedeutet, dass das Programm u. U. Tiefen und Lichter abschneidet. Um in diesen Bereichen ausreichend Zeichnung für die Nachbearbeitung zu behalten, sollte man die Gradationskurve insbesondere im hellen Bereich aufziehen, sodass der Rohscan von dunkel- bis hellgrau reicht.

Zum Vergleich erneut der gleiche Ausschnitt aus den (bereits von 6.400 dpi auf 3.200 dpi umgerechneten), ansonsten unbearbeiteten Rohscans desselben Kodachrome-25-Dias.

Farb- und Kontrastvorgabe der Epson-Software

(7)
http://www.abload.de/img/028aburrw.jpg

Mit aufgezogenem Histogramm, bereits hier sieht man in der Wölbung des Silos hinter der Lok am oberen Bildrand deutlich mehr Zeichnung

(8)
http://www.abload.de/img/030aiorr.jpg

und zum Vergleich bereits nachgedunkelt. Insbesondere an der Schrift am Stellwerk ist der Unterschied eklatant.

(9)
http://www.abload.de/img/030ab5opv.jpg

ICE (funktioniert nur bei Farbbildern) und Staubentfernung: Dies ist eine Frage an die Qualität des zu scannenden Filmmaterials und die Ansprüche an die fertigen Ergebnisse. Sicherlich ist ein Agfa CN17 oder CT18 so grobkörnig, dass durch das Unterdrücken von Staub und Kratzern kaum Bildinformationen verloren gehen, bei feinkörnigem Filmmaterial, wie z.B. KC25, gilt aber: Finger weg von ICE (auch bei dem Nikon V ED) – oder mehrfach scannen, einmal mit, einmal ohne ICE und die Bilder überlagern. Anschließend kann man z.B. den Himmel aus dem "ICE-Bild" verwenden, während alle Bereiche mit scharfen Konturen aus dem Bild ohne ICE stammen sollten. Ach ja, und vor dem Zusammenfügen der Ebenen nicht vergessen, die ICE-Ebene mit einem leichten Rauschen zu versehen... ;-) ... aber zu dem Thema kommen wir später.

Zum Vergleich Ausschnitte von Scans mit ICE (oben) und "Staub und Kratzer entfernen" unten. Zwar ist letzteres nicht schädlich, aber "entfernt" eben auch nur die wenigsten Staubpartikel wie die Totale darunter selbst in der Verkleinerung zeigt.

(10)
http://www.abload.de/img/029afoom.jpg

(11)
http://www.abload.de/img/031a_staubkratzerxoz2.jpg

(12)
http://www.abload.de/img/031wtgb.jpg

Selbst noch so gute Software kann nicht zaubern. ICE "erkennt" Staub und Kratzer anhand des geringen Abstandsunterschieds von der Filmoberfläche zur Scanoptik, nur bedeutet ein Sprung von hell zu dunkel auf der Filmoberfläche auch einen kleinen Höhenunterschied, den ICE weichzeichnet – Loknummern werden mit ICE unscharf. An Farbtrennkanten können sich merkwürdige Artefakte bilden.

Für die Entfernung von Staub und Kratzern bleibt, bei hohen Ansprüchen an die Bildergebnisse, daher nach wie vor nur ein Weg: Zuerst das Negativ vorsichtig, aber gründlich reinigen und anschließend das gescannte Bild im Photoshop o.ä. bearbeiten.

Rohscanns speichern:

Will man anschließend alle Möglichkeit der Bildbearbeitung nutzen können, gibt es nur ein mögliches Dateiformat zum Speichern der Rohdaten – tif (zumal jpg-Dateien nicht nur komprimiert werden, sondern obendrein nur als 8-Bit-Dateien gespeichert werden).

Und damit jetzt keiner beim Speichern des ersten Scans vom Hocker kippt: Ein 6.400-dpi-Scan von einem Kleinbildnegativ hat etwa 9.150 x 6.100 Pixel und in Graustufen (16 Bit) eine Größe von etwa 105 MB – Farbscans im RGB-Modus haben die dreifache Größe.

Endgültige Bilddaten speichern:

Wie wir zu den endgültigen Bilddaten kommen, ist weiteren Beiträgen vorbehalten und hier will ich Rolf auch nicht vorgreifen. Nur brauchen wir natürlich nach dem Bearbeiten der Bilder nicht mehr diese immens großen Dateien.

Ein Scan von einem Kleinbildnegativ mit 6.400 dpi entspricht umgerechnet auf 300 dpi (der allgemein für den Druck verlangten Auflösung) einer Bildgröße von etwa 75 x 50 cm. Wie bereits gesagt, sind die Qualitätsverluste bei der Reduzierung der Bildgröße auf 37,5 x 25 cm vernachlässigbar. Wenn wir weiterhin die Farbtiefe des fertig bearbeiteten Bildes noch auf 8 Bit reduzieren, beträgt die Größe unserer Datei (tif mit verlustfreier LZW-Komprimierung) nur noch etwa 8,5 MB (bzw. 25 MB in RGB).

Ach ja, zum Schluss; So kann das fertige Bild aussehen: Ausgangsbasis war der Scan aus Bild (8)

(13)
http://www.abload.de/img/030-011100_hartmannshoquj4.jpg

Und ganz zum Schluss noch mal ein Ausschnitt aus dem Bild.

(14)
http://www.abload.de/img/011100_hartmannshof_03bqkw.jpg

Viele Grüße
Stefan

ps: Ich hätte hier gern auch die Nikon-Vergleichscans gezeigt, aber mein V ED will zu Zeit nicht und ich muss mich erst einmal auf Fehlersuche begeben.

pps: Inzwischen kann ich zwei (bearbeitete) Vergleichsscans eines anderen Fotos zwischem dem Nikon V ED und dem Epson V700 bieten. Beide Bilder zeigen Ausschnitte aus einem 300-dpi-Foto in A3-Größe. Zuvor jedoch die Totale

(15)
http://www.abload.de/img/011506_e315_karowerkrreu8d.jpg

(16)
http://www.abload.de/img/011506_e315_karowerkrrhu2m.jpg

(17)
http://www.abload.de/img/011506_e315_gedania_bf9uau.jpg

Bildet Euch bitte selbst ein Urteil.

Und da das Thema Bildbearbeitung im HiFo wohl nicht mehr weiter bearbeitet wird noch ein Link zu einem sehr guten Beitrag zu diesem Thema [www.blockstelle.de] von Jan-Geert Lukner




12-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:02:09:21:20:19.
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