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Abriss vom Bahnhof Wallau/Lahn am 29.09.2010

geschrieben von: AFS-Wallau

Datum: 29.09.10 22:17


Das ehemalige Bahnhofsgebäude aus den sechziger Jahren und die
angrenzende Lagerhalle in Biedenkopf-Wallau sind nun abgerissen. Das
Gebäude wurde wegen des Rückbaues des Bahnhofs Wallau bahnbetrieblich
seit Oktober 2001 nicht mehr benötigt. Leider musste die darin
befindliche Wartehalle wegen zunehmender Zerstörung und starker
Vandalismusschäden wenige Monate später auch geschlossen werden. Ohne
Aufsicht kann ein Raum in dieser Form heute leider nicht mehr auf Dauer
geöffnet bleiben, eine Lösung in Verbindung mit einer anderen Nutzung
fand weder die Bahn noch die Stadt Biedenkopf. Seitens der Bahn wurde
das Gebäude und das Gelände zum Verkauf freigegeben, ernsthafte
Bemühungen dem Verfall und der Zerstörung durch Vandalismus
entgegenzuwirken wurden von keiner Seite unternommen.
Der immer schlechter werdende Zustand des Gebäudes währen der
vergangenen Jahre ließ eine einfache Umnutzung durch eine Renovierung
oder andere bescheidenen bauliche Maßnahmen nicht mehr zu. Die
Versorgung mit Strom, Wasser und Telefon wurde abgeschnitten, ebenso die
Abwasserleitungen. Schließlich wurde das marode Gebäude und die
Lagerhalle mit der gesamten Grundfläche an einen Privatunternehmer
verkauft.
Einzelne Organisationen bzw. Vereine erarbeiteten Konzepte und
Vorschläge für eine neue Nutzung, diese scheiterten jedoch an der
mangelnden öffentlichen Unterstützung und dem zu erwartenden erheblichen
Arbeitsaufwand verbunden mit hohen Investitionen. Das zuletzt völlig
verkommene Gebäude stellte zunehmend eine Gefahr dar und der Abriss
wurde unvermeidlich.
Die kurze Geschichte dieses Gebäudes sollte zum Nachdenken anregen: Vom
einst technisch modernsten Bahnhof auf der Strecke von Marburg nach
Siegen mit einem seinerzeit hochmodernen elektrischem Stellwerk bis zum
bitteren Niedergang waren nur knapp 40 Jahre vergangen. Auch wenn die
Bahnhofsgebäude überflüssig wurden, so bewegt sich der eigentliche
Bahnbetrieb im Personenverkehr, was die Anzahl der täglichen Fahrten und
die Verbindungen betrifft, auf einem Höhepunkt seit der
Streckeneröffnung vor über 125 Jahren. Auch die Anzahl der Fahrgäste,
die täglich die Strecke nutzen steigt seit Jahren und zeigt die
Bedeutung, die dem Verkehrsmittel Bahn zugemessen werden muss. Der
unverändert belassene Bahnsteig wurde mit zwei Unterständen, einem
Fahrkartenautomaten, einer guten Beleuchtung und einer überarbeiteten
Bahnsteigkante ergänzt. Die Strecke und die dazugehörigen Bahnsteige
gehören inzwischen zur Kurhessenbahn, die derzeit im Auftrag des
Rhein-Main-Verkehrsverbundes den Fahrbetrieb durchführt und für die
Streckenunterhaltung auf der oberen Lahntalbahn zuständig ist. Das
Zugangebot ist mit einem Stundentakt an Werktagen von und nach Marburg
bzw. alle 2 Stunden von und nach Erndtebrück /Siegen so umfangreich wie
noch nie seit der Eröffnung. Auch am Wochenende wird eine gute Zugfolge
angeboten, wobei im Sommerhalbjahr sonntags spezielle Fahrradzüge im
verstärkten Saisonverkehr verkehren.
Dennoch bleibt noch einiges zu tuen am inzwischen zum „Haltepunkt“
veränderten einstigen Bahnhof Wallau/Lahn: Die Bahnsteigkante ist für
den Zugeinstieg zu niedrig. Gerade der Haltepunkt Wallau wird von vielen
Schülern und Fahrgästen, pro Tag bis zu 600, genutzt und hat dennoch keine wirkliche
Modernisierung im Vergleich zu den anderen Bahnsteigen auf der Strecke
erfahren. Auch das unmittelbare Umfeld mit einem teilweise unbefestigten
und unbeleuchteten Bahnsteigzugang ist kein Zustand für eine heutige
Bahnstation. Auf Beschwerden und Nachfragen bei den Verbünden (RNV /RMV)
und der Kurhessenbahn sind dort weder ein Neubau noch eine
Modernisierung geplant. Diese wäre aber dringend erforderlich. Das Gefahrenpotenzial
entsteht besonders für die aussteigenden Schüler wegen der sehr hohen
Einstiegshöhe von ca. 30 cm vom Zug zur Bahnsteigkante. Kleinere Unfälle
am Bahnsteig während der letzen Jahren führten zu vielen
Elternbeschwerden. Auch kann man der Meinung sein, dass die
Übergangslösung, die Bahnsteigkante zum Zug hin mit einem nichtrostenden
Riffelblech zu stabilisieren, nicht wintertauglich ist. Die einzig
vernünftige Lösung stellt ein Neubau mit aktuellem Standard, ähnlich den
Lösungen in anderen Bahnhöfen der Strecke dar, nämlich die Möglichkeit
des niveaugleichen Übergangs vom Bahnsteig in den Zug. Ergänzend dazu
wurde an den zuständigen RNV des Kreises auch die Forderung
gerichtet eine direkte Busanbindung unmittelbar neben dem Gleis und eine
Neugestaltung des Zugangsumfeldes in Richtung Bahnhofsstraße und
Ortsmitte zu schaffen. In diesen Bereichen steht noch ausreichend
Gelände zur Verfügung, das allerdings zur Zeit der Bahn gehört. Da
jedoch die Stadt Biedenkopf für die Sicherung der Zuwege zuständig ist,
erwartet die AFS von dieser Seite im Interesse der Sicherheit der
Fahrgäste ein deutlich stärkeres Engagement als bisher.
Im Rahmen des zur Zeit neu zu erstellenden NVP (Nahverkehrsplan
Marburg-Biedenkopf) für die Jahre 2011 bis 2016 wurden
diesbezügliche Wünsche in die entsprechenden Gremien eingebracht. Nur so
bietet sich die Chance für eine zukunftsorientierte Gesamtlösung.
Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten, Bahn, Verkehrsverbünde,
Landkreis, Stadt und das Land Hessen, die Mängel einsehen und eine
baldige angemessene Lösung auf den Weg bringen.



Drehscheibe online Wallau die Letzen Bahnhofsreste vor dem Abriss 29_09_10.JPG



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:10:04:17:04:24.
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