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Hallo,

nachdem der erste Teil nur die Anreise abgehandelt hat, geht es hier nun mit den übrigen Teilen weiter.

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Zum besseren Mitverfolgen hier der Netzplan der Metro von Charleroi:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/32/Map_of_the_Charleroi_premetro_network.png/800px-Map_of_the_Charleroi_premetro_network.png
Urheber: Maximilian Dörrbecker (Chumwa)
Lizenz: All OpenStreetMap data and maps are Creative Commons "CC-BY-SA 2.0" licensed

Ein Gleisplan findet sich dort: [www.gleisplanweb.eu]

Seit Anfang dieses Jahres sind die alten Liniennummern 54, 55, 88 und 89 nicht mehr in Benutzung und die Linien M1 bis M4 wurden eingeführt. Der alte Netzplan sieht so aus. Seit diesem Datum wurde auch der Innenstadtring zwischen Parc und Sud (Hauptbahnhof) geschlossen, statt als Hochbahn in einfachem besonderen Gleiskörper ausgeführt, und die Strecke von Gilly bis nach Soleilmont, ebenfalls eher stadtbahn- als metroartig ausgeführt, eröffnet.

Die Strecke zwischen Gosselies und Piges wird M3 heißen und soll 2013 mit einer komplett erneuerten Straßenbahnstrecke eröffnet werden. Zurzeit wird – im Uhrzeigersinn – auf dem Innenstadtring die Linie M3 in einem Vorlaufbetrieb unter der Woche betrieben. Bis zur Außerbetriebnahme zwecks Umbau war die Strecke nur als Betriebsstrecke zur Hauptwerkstatt in Jumet in Gebrauch.

Zum Innenstadtring: Dieser ist betrieblich ebenfalls interessant. Die Linien M1 und M4 befahren ihn gegen den Uhrzeigersinn. Beaux-Arts wird von der M1 ganz zum Schluss bedient. Beim Verlassen des Innenstadtringes wird von der M4 in einer unterirdischen Wendeschleife in der Station Waterloo gewendet. Die Linien M2 und M3 befahren ihn dagegen im Uhrzeigersinn, dabei halten sie sowohl zu Beginn als auch zu Ende ihrer Runde an der Station Beaux-Arts und bedienen sich der dortigen unterirdischen Wendeschleife.

Die Taktzeiten (wochentags—samstags—sonntags)
M1/M2: 30—60—60 (durch Überlagerung also 15—30—30, zu beachten aber die gegensätzliche Führung im Innenstadtring)
M3: 10/20—x—x
M4: 10—10—15

Auffallend ist die letzte Abfahrt der Bahnen bereits zwischen 19 und 20 Uhr, danach ist die Stadt „tot“, bis etwa 22 Uhr gibt es annähernd parallel zu den Metrolinien noch einen Ersatzverkehr mit Bussen.

Es ergibt sich insbesondere am Wochenende eine sehr ungleichmäßige Befahrung des Innenstadringes, samstags verkehrt im Uhrzeigersinn nur eine Fahrt pro Stunde (die M2), gegen den Uhrzeigersinn dagegen sieben Fahrten (M1 + M4). Zur gleichmäßigeren Auslastung des Ringes verkehrt daher die Linie M3 als Vorlaufbetrieb (siehe oben) und die Linie M2 wurde von Piges bis nach Anderlues, Monument verlängert.

Die ungenutzte aber seit 25 Jahren vollständig fertiggestellte Strecke nach Centenaire (und darüber hinaus teilweise im Rohbau) ist wahrscheinlich jedem bekannt. Dazu werden ganz am Schluss einige Bilder folgen. Außerdem sei der Link zur Wikipedia empfohlen: [de.wikipedia.org]

Kommen wir nun zu den Fotos, aufgrund des miserablen Wetters leider nicht in immer brauchbarer Qualität. Die Bildbeschreibungen wie immer unter den Fotos.

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https://lh6.googleusercontent.com/-fVJy458cg3c/UHRxgXk8jmI/AAAAAAAAORo/E338BneBq94/s464/12-10-021_Billet%25201%2520Jour.jpg

Die Tageskarte für das gesamte wallonische Netz. Leider nur ein besserer Kassenzettel. Der Kauf gestaltete nicht ganz unkompliziert, da der sprach Mitarbeiter kein einziges Wort Englisch, Niederländisch oder Deutsch sprach und ich kaum ein Wort Französisch. „2 x 1 Jour“ auf einen Zettel geschrieben half dem Problem jedoch schnell ab.


https://lh4.googleusercontent.com/-q8rzh5e4pi0/UHN8hEpEpdI/AAAAAAAAN9w/IK5zTERPIn4/s901/12-10-022_Charleroi-Sud_TEC%25206103.JPG

Da sind wir an der Vorderseite des Bahnhofs angekommen. Im strömenden Regen fährt der 6103 von der Rampe vom Bahnhof Villette kommend herunter. Dieses Fahrzeug ist in den 1980er Jahren an der Küste verunglückt; in dichtem Nebel fuhr der 6102 mit hoher Geschwindigkeit auf. Angeblich hat der 6103 dem 6102 die Front gespendet, für den 6103 wurde dann eine neue produziert...? Sehr schön übrigens, noch Fahrzeuge in original SNCV-Orange (Société nationale des chemins de fer vicinaux, ehem. Nationale Kleinbahngesellschaft) zu sehen.

https://lh5.googleusercontent.com/-0HYp5q4X6bI/UHN8iNc55OI/AAAAAAAAN94/aD3gq3x4WJw/s901/12-10-023_Charleroi-Sud.JPG

Die Signale, sehr einfach. Vorsignale vor Halt zeigenden Signalen gibt es offenbar so nicht, es wird einfach eine entsprechend geringere Geschwindigkeit signalisiert, so dass rechtzeitig angehalten werden kann.


https://lh4.googleusercontent.com/-e-i4uYKorn4/UHN8ijCG2bI/AAAAAAAAN-I/7_3PRnm5J1I/s901/12-10-024_Anderlues%2520Jonction_TEC%25207423.JPG

Die Strecke der M1/M2 nach Anderlues ist die erste vollständig fertig gestellte Metrostrecke in Charleroi. Am Bahnhof Pétria endet die Metrostrecke und es wird auf eine Überlandstraßenbahnstrecke bis nach Anderlues gewechselt. Dies ist, neben der Kusttram, das letzte Überbleibsel des einst riesigen belgischen Überlandstraßenbahnnetzes.
Hier, an der Haltestelle Jonction direkt am Depot, war bei dieser Fahrt ein Fahrzeug- und Fahrerwechsel notwendig, vorne steht das neue Fahrzeug zur Weiterfahrt.

https://lh3.googleusercontent.com/-8sckZNeg-FU/UHN8j9zkq9I/AAAAAAAAN-M/WjbD0d4Ihzw/s901/12-10-025_Anderlues%2520Monument_TEC%25207423.JPG

Anderlues, Monument. Die eigentliche Endstelle ist ein kurzes zweigleisiges Stück an der Chaussée de Charleroi, die Strecke wird anschließend wieder eingleisig und hier im Hintergrund neben dem Unterwerk beginnt wiederum ein zweigleisiges Stück, welches zum Kehren genutzt wird. Das Fahrzeug aus dem vorigen Bild setzt hier gerade wieder ein.


https://lh6.googleusercontent.com/-HMjmhTYsHic/UHN8j8u3laI/AAAAAAAAN-Q/Fsl8vbH11VM/s901/12-10-027_Anderlues%2520Monument_TEC%25207423.JPG

Die Einsatzhaltestelle an der Chaussée de Charleroi. Dort zweigt die Strecke wieder von der Hauptstraße ab, durchfährt den Ort und führt am Dépot Anderlues vorbei. Anschließend geht es für die letzten beiden Haltestellen vor dem Beginn der echten Metrostrecke (Pétria) wieder eingleisig neben der Chaussée de Charleroi her.


https://lh3.googleusercontent.com/-XGn_2y4F-FM/UHu8uZDiVYI/AAAAAAAAOS4/HDfT23J6dYU/s901/12-10-027b_Anderlues%2520Rue%2520de%2520la%2520Station.jpg

Auf der Rue de la Station kam uns an der gleichnamigen Haltestelle einer der Fahrzeuge mit der Werbebeklebung für die Neuordnung des Liniennetzes (Liniennummern M1 bis M4) und den Ringschluss entgegen.


https://lh4.googleusercontent.com/-Rh-ONN01Y0g/UHN8motWOWI/AAAAAAAAN-o/eaD7YuY6glU/s901/12-10-028_Anderlues%2520Rue%2520de%2520la%2520Station.JPG

Die Signalisierung für die eingleisigen Abschnitte entstammt noch den SNCV-Zeiten: Das Signal wird eingeschaltet, links bekommt das Fahrzeug grün, rechts verhindert das rote Signal nachfolgende Fahrten. In Gegenrichtung wird gleichzeitig alles auf rot und am Ende der Eingleisigkeit wieder alles ausgeschaltet. Simpel, aber es funktioniert offenbar.

https://lh4.googleusercontent.com/-OIyWHBzfyDk/UHN8mdaTToI/AAAAAAAAN-g/IKHMSKO7t6E/s901/12-10-029_Gare%2520de%2520Anderlues.JPG

Dieser „ancienne“ (ehemalige) Bahnhof ist jener von Anderlues.


https://lh3.googleusercontent.com/-ck1r4grgHng/UHN8nbdSi-I/AAAAAAAAN-w/tlTELWWu4YI/s901/12-10-030_Depot%2520Anderlues_TEC%25206141.JPG

Am Betriebshof Anderlues hatten wir dann richtig Glück: Fahrzeug 6141 wurde erst kürzlich (vermutlich für den Mehrbedarf wegen der kommenden Wiederinbetriebnahme der M3 nach Gosselies) reaktivert und sogar neu in SNCV-Farben lackiert.


https://lh4.googleusercontent.com/-VHWCp9Jv90I/UHN8pOSMMsI/AAAAAAAAN_A/rkA1pPMYpA4/s901/12-10-031_Depot%2520Anderlues_TEC%25207260.JPG

Auch ein etwas betagter Bus der TEC Charleroi war zu sehen.


https://lh5.googleusercontent.com/-8aq_C5Fg7G4/UHN8pRZ0iKI/AAAAAAAAN_I/PeAE_zNm0fE/s901/12-10-032_Depot%2520Anderlues.JPG

Ein Blick auf das Dépot. Wegen der Bauarbeiten an der Gosselies-Strecke ist dies der einzige über die Schiene erreichbare Betriebshof. Die Hauptwerkstatt Jumet ist zurzeit nur per Tieflader erreichbar. Dort wird die ehemals reine Betriebsstrecke zur Linie M3 mit besonderem Gleisköprer als Straßenbahn ausgebaut. Die Ausfädelung erfolgt an der Station Piges der M1 und M2, die gebaute Tunnelrampe am Bahnhof Waterloo wird hierfür nicht mehr genutzt werden.


https://lh3.googleusercontent.com/-BcQYBGSbY5w/UHN8pqcdd5I/AAAAAAAAN_E/x_2r1n0ysKQ/s901/12-10-033_Beaux-Arts.JPG

Beaux-Arts im Nordwesten des Stadtringes ist der umfangreichste Tunnelbahnhof im Netz. Die Züge der Linie M2 und später M3 kommen vom Bahnhof Sud, Vilette, Ouest hierhin, durchfahren den Bahnhof ohne Halt und nutzen eine unterirdische Wendeschleife um in Gegenrichtung zu halten und ihre Ziele erreichen zu können.


https://lh3.googleusercontent.com/-nwcbNQJOxdM/UHN8qR2eElI/AAAAAAAAN_Q/-tybD0G0AeU/s901/12-10-034_Beaux-Arts.JPG

Sogar ein Ausstellungsgleis gibt es.


https://lh3.googleusercontent.com/-ZwdbpHv5bCQ/UHN8rYvetFI/AAAAAAAAN_Y/_peMmOQaSqo/s901/12-10-035_Beaux-Arts.JPG

Die andere Blickrichtung. Ganz links das Gleis zur Wendeschleife, das Gleis ganz rechts wird nicht mehr planmäßig befahren.


https://lh3.googleusercontent.com/-lpjGX1OfQSY/UHN8sefCeJI/AAAAAAAAN_k/v-DeWMEwgGg/s901/12-10-036_Beaux-Arts_TEC%25207569.JPG

Oben halten auch eine Menge Busse.


https://lh6.googleusercontent.com/-7vOVwPRDSz8/UHN8tEeSmcI/AAAAAAAAN_w/q2xxcmGPke8/s901/12-10-037_Beaux-Arts.JPG

Beaux-Arts aufs Dach gestiegen. Links geht es nach Ouest, Villette und Sud, geradeaus nach Piges, Gosselies und Anderlues. Die M1 im Bild befährt den Stadtring gegen den Uhrzeigersinn und fährt Beaux-Arts erst ganz zum Schluss an. Die M2 käme von links, durchfährt die Station zuerst ohne Halt, nutzt die Wendeschleife, hält und fährt geradeaus in Blickrichtung nach Piges, Pétria und zurzeit noch Anderlues weiter.


https://lh5.googleusercontent.com/-I94g-PZaXTI/UHN8tYvoVeI/AAAAAAAAN_0/GcJLqqvy9YE/s901/12-10-038_Beaux-Arts_TEC%25207752.JPG

Und zur Abwechslung noch ein Bus.


https://lh4.googleusercontent.com/-owdm_-Yligs/UHN8txnR_lI/AAAAAAAAN_4/uHFX8LHurSY/s901/12-10-039_Beaux-Arts.JPG

Von der Station Beaux-Arts bietet sich dieser Blick auf das Schönste, was uns von der Stadt zu Gesicht kam. Ein kleiner Rundgang war wegen der „Schönheit“ der Stadt und des Wetters nicht wirklich lohnenswert. Wir sehen den Belfried von Charleroi, Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Belfriede in Belgien und Frankreich“.


https://lh5.googleusercontent.com/-DXg2WlXbVPY/UHN8u-BCjBI/AAAAAAAAOAA/swvtlNGYdIA/s901/12-10-040_Beaux-Arts.JPG

Der Eingang. Wunderschön.


Mit diesem wunderhübschen Vorgeschmäckle auf Mehr machen wir hier erstmal Pause und setzen unsere Charleroi-Bereisung in Teil 3 letztmalig fort.

Bis dahin freue ich mich über alle Anmerkungen, Kritik und Kommentare.

Gruß
Fabian



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:11:02:19:53:22.
Hallo Fabian,

sehr interessante Bilder von einem sehr speziellen Betrieb. Ich kann mir nicht helfen und weiß nicht, ob es am Wetter oder der Stadtarchitektur an sich liegt, aber man wähnt sich teils in den 1980er Jahren oder gar noch früher. Einige Bilder strahlen eine wirklich spannende Tristesse aus!

Die Taktzeiten (wochentags—samstags—sonntags)
M1/M2: 30—60—60 (durch Überlagerung also 20—30—30, zu beachten aber die gegensätzliche Führung im Innenstadtring)
M3: 10/20—x—x
M4: 10—10—15


Hier hast Du einen kleinen Gedankenfehler: Die M1 und M2 überlagern sich auf einen 15-Minutentakt, wenn beide aller 30 Minuten verkehren.


Viele Grüße
Martin
Moin,

danke!

Ja, es muss natürlich wirklich 15-Minuten-Takt heißen.

Gruß
Fabian

Re: [BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [2/3]

geschrieben von: zv0486

Datum: 15.10.12 16:50

Da wird die ganze Zeit von Metro gesprochen - und dann das erste Foto: so eine alte BN-Kiste, praktisch im Originalzustand! :-D

Vielen Dank für den interessanten Bericht, wenn du auch mit dem Wetter wirklich Pech hattest...
Wunderschöne Dokumentation - mit einem starken Nostalgie- und Melancholiefaktor! Vielen Dank

Re: [BE] Charleroi: 6103

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 15.10.12 21:45

Guten Abend,

Fabian Schuler schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo,
>
> nachdem der erste Teil nur die Anreise abgehandelt hat, geht es hier nun mit den übrigen Teilen weiter.

Danke, wieder sehr interessant.

>Im strömenden Regen fährt der 6103 von der Rampe vom Bahnhof Villette kommend herunter.
>Dieses Fahrzeug ist in den 1980er Jahren an der Küste verunglückt; in dichtem Nebel fuhr der 6102
>mit hoher Geschwindigkeit auf. Angeblich hat der 6103 dem 6102 die Front gespendet, für den 6103 wurde dann eine neue produziert...?

Dieser Tw 6103 ist eine Nachlieferung von 1984 und damit der jüngste der Flotte (die anderen sind Bj. 1981-82).

Nach dem Unfall am 7.4.1981 wurde der Tw 6102 aus den noch verwendbaren Teilen wieder aufgebaut (ein Endteil des 6102, das Mittelteil ex 6000 und das A-Teil des 6103). Die restlichen Teile wurden verschrottet. Der 6102(I) war erst am 26.3.1981 geliefert worden und wurde keine 14 Tage alt, auch 6103(I) muß fabrikneu gewesen sein.

Die BN-Tw für Charleroi sind wohl alle erstmal an die Küste ausgeliefert worden und fuhren dort bis 1985, aber auch später einige leihweise in der Sommersaison. Heute nimmt man dazu NF-Tw aus Antwerpen und Gent.

Der Tw 6102 ist wohl als einziger immer an der Küste geblieben und ist dort noch heute, weil man ihn in Charleroi nicht gebrauchen konnte. Erstens hatte man dort sowieso einen Überbestand wegen der nie fertiggestellten Strecken, und zweitens ist 6102 mit dem Mittelteil länger als die anderen (Bahnsteiglänge Charleroi vmtl. genau für zwei 6x-Tw?). Außerdem ist das Mittelteil eigentlich für einen ER-Wagen gedacht gewesen und hat daher nur auf einer Seite eine Tür. Es war auch erst im Tw 6000 der Küstenbahn eingebaut gewesen. Wobei, wenn man sich die Gleispläne der MLC anschaut, da scheint zumindest die Strecke nach Nordosten einst für ER-Wagen geplant gewesen zu sein (Wendeschleifen, Mittelbahnsteige mit Linksverkehr). Das ganze Projekt ist eine Sammlung von Merkwürdigkeiten...

>Sehr schön übrigens, noch Fahrzeuge in original SNCV-Orange zu sehen.

Und witzigerweise haben die Wagen in dieser Farbe auch ihre originalen Nummern 61xx behalten, während die anderen seit 2009 als 74xx herumfahren.

> Die Signalisierung für die eingleisigen Abschnitte entstammt noch den SNCV-Zeiten: Das Signal wird eingeschaltet, links bekommt das Fahrzeug grün, rechts verhindert das rote Signal nachfolgende Fahrten.
In Gegenrichtung wird gleichzeitig alles auf rot und am Ende der Eingleisigkeit wieder alles ausgeschaltet.
Simpel, aber es funktioniert offenbar.

Klassische Straßenbahntechnik, sehr schön.

Grüße,
Jan B.

Re: [BE] Charleroi: 6103

geschrieben von: zv0486

Datum: 15.10.12 23:34

Jan Bochmann schrieb:
-------------------------------------------------------
> Der Tw 6102 ist wohl als einziger immer an der
> Küste geblieben und ist dort noch heute

Dieser 6102 ist ja wirklich eine merkwürdige Kiste. Über den wusste ich trotz einiger Besuche der belgischen Küste bislang nichts. Nach ein paar Recherchen wird mir jetzt aber klar, dass ich ihn durchaus schon ein paar Mal gesehen, jedoch nicht als Besonderheit erkannt hatte - das ist nämlich der Triebwagen, der immer mit der Rollband-Anzeige "Op sleep" in Oostende im Betriebshof steht, und von beiden Enden ungefähr so aussieht wie die normalen Kusttram-Wagen heute nur noch von hinten (sie haben inzwischen eine modernisierte Front).



> Außerdem ist das Mittelteil eigentlich
> für einen ER-Wagen gedacht gewesen und hat daher
> nur auf einer Seite eine Tür.

Ein paar weitere Informationen zum 6102 konnte ich soeben unter [users.telenet.be] finden. Zunächst handelte es sich (vor und nach dem beschriebenen Unfall) um einen Vorführwagen von BN. Als einziger Zweirichtungswagen (na gut, mit Ausnahme des Mittelteils) bei der Kusttram machte er sich dann gelegentlich nützlich, wenn auf Kurzfahrten ein Richtungswechsel ohne Wendeschleife erforderlich war. Inzwischen wird er nicht mehr im Linienbetrieb genutzt, sondern eben nur noch als "Abschleppwagen".

Re: [BE] Charleroi: 6103

geschrieben von: Hauptmann Mumm

Datum: 16.10.12 09:02

Jan Bochmann schrieb:
-------------------------------------------------------
> Wobei, wenn man sich die Gleispläne der MLC anschaut, da
> scheint zumindest die Strecke nach Nordosten einst
> für ER-Wagen geplant gewesen zu sein
> (Wendeschleifen, Mittelbahnsteige mit
> Linksverkehr).

Dem widerspricht aber, dass auf dem Ring Mittelbahnsteige mit Rechtsverkehr sind. M.W. geht der Linksverkehr darauf zurück, dass man so am unterirdischen Kreisverkehr Waterloo möglichst wenig Gleiskreuzungen bei der Ein- und Ausfädelung hätte. Dafür müsste man jetzt, nachdem der Ring fertig ist, aber dort mal die Gleisführung an den einst geplanten Endzustand anpassen. Mal sehen, ob noch jemand die alten Pläne findet.

Die Wendeschleife Soleilmont wiederum ist kein Teil des ursprünglichen Projektes. Eigentlich sollte die Strecke kurz vorher stumpf in einer Station unter der Autobahnbrücke (!) enden, bis dahin war seit den 80ern auch der Rohbau fertig. Zur Verbesserung der Erschließung hat man dann erst im Rahmen des jetzt vollendeten Weiterbaus die kurze Verlängerung zur heutigen Endstation hinzugeplant. Die Schleife hat dabei den Vorteil, dass "Backe an Backe" zwischen Bahn und Bus umgestiegen werden kann.

> Das ganze Projekt ist eine Sammlung
> von Merkwürdigkeiten...

Sehr treffende Kurzbeschreibung :)
Danke für alle Antworten und insbesondere auch die Ergänzungen zum 6103.

Von der Schleife Soleilmont folgen dann im dritten Teil auch noch einige Fotos.

Gruß
Fabian