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[D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 09:34

Nachdem ich mich zuletzt der alten Linie 2 gewidmet habe und feststellen konnte, dass doch der ein oder andere "Unterrather" hier auch sich der Bilder erfreut hat, möchte ich heute mit einem speziellen Kapitel der Linie 7 fortfahren. Es geht mir um das alte Wendedreieck und den Umbau zur Wendeschleife. Wie schon Jochen in meinem Thema [www.drehscheibe-foren.de] erwähnt hat, wurde die heutige Brückenauffahrt Hamborner Strasse von der Unterrather Strasse zum Bahnhofsgebäude erst 1970 gebaut. Bis dahin bog die Strasse auf der Brücke nach links und verlief mitten über das heutige Gelände der Wendeschleife, parallel zum alten Wendedreieck, um unten genau an der Stelle auf die Unterrather Strasse zu treffen, wo heute die Bahn aus der Schleife heraus fährt. Mit Bau der neuen Brückenrampe wurde auch die abbiegende Parsevalstrasse gebaut, welche heute noch zum Flughafen führt.

1688.jpg

Dieser Blick gewährt einen guten Überblick über die Situation: Rechts auf dem freien Gelände verlief die alte Brückenrampe und kam dort aus, wo das Haus rechts neben der Ausfahrt der Bahn steht. Auf dem freien Gelände links befand sich bis etwa 1975 ein Bauernhof, der "Hoferhof", auf dem bis zuletzt noch Kleinvieh-Wirtschaft betrieben wurde. Das Wendedreieck diente nicht nur als Umsetzanlage, sondern auch als Abestellmöglichkeit für die Beiwagen der Linie 7: von den 10 Kursen konnten in den Vormittagsumläufen zwischen 9- un 11 Uhr sowie abends 7 Bw abgestellt werden. Vormittags liefen die Kurse 7-9 mit BW, die abends dann zur Streckung des Taktes von 12 auf 20 Minuten einrückten. Deshalb waren anfangs die Kurse 1-6 und 10 immer nicht-GÜ und 7-9 GÜ, später dann umgekehrt. Das Foto entstand 1976, als die Kurse schon GÜ waren, vorne links ist 1688.

1691.jpg

Ein Blick auf die hinteren abgestellten Bw mit 1691 und 1631 im Hintergrund. Es war keine Reihenfolge festgelegt, welcher Bw wieder an welchen Kurs gekoppelt wurde; dies entschied sich mehr zufällig, welches Gleis benutzt wurde und wie die Kurse wieder reinkamen. In der Fahrplanperiode 1975 und während der Schulferien blieben die Bw auch schon mal den ganzen Tag bis zur HVZ am Nachmittag abgestellt.

1628.jpg

Auch wenn der zweite Mann zum Rückwärtssetzen der GÜs nicht mehr benötigt wurde, so war er doch zum Ab- und Ankuppeln immer noch erforderlich. Hier trennt der Schaffner 1628 von 2355. Bei frostigem Wetter mussten die Kupplungen der Triebwagen mit Plastiksäcken vor dem Einfrieren geschützt werden; auch dies zählte zu den Aufgaben des Postens.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 707

Datum: 31.08.10 09:48

Hallo,
ein bisschen muss ich das noch korrigieren:

Zitat:
Wie schon Jochen in meinem Thema [www.drehscheibe-foren.de] erwähnt hat, wurde die heutige Brückenauffahrt Hamborner Strasse von der Unterrather Strasse zum Bahnhofsgebäude erst 1970 gebaut. Bis dahin bog die Strasse auf der Brücke nach links und verlief mitten über das heutige Gelände der Wendeschleife, parallel zum alten Wendedreieck, um unten genau an der Stelle auf die Unterrather Strasse zu treffen, wo heute die Bahn aus der Schleife heraus fährt. Mit Bau der neuen Brückenrampe wurde auch die abbiegende Parsevalstrasse gebaut, welche heute noch zum Flughafen führt.

Die Parsevalstr. war schon vor Bau der neuen Brückenrampe fertig.

Die alte Brückenrampe mündete nicht neben der Ausfahrt der Straßenbahn, sondern neben der uralten Gaststätte "Klinke". War dazwischen nicht sogar noch ein Haus, wo das Geschäft "Radio Helfer" residierte. Heute müsste da das Hotel Avadon stehen.
Die Ecke an der Klinke war problematisch und mit Spiegel gesichert, weil vom Gebäude verdeckt die Straßenbahn linksseitig aus der Stadt kam. Es war noch richtig beschaulich ...

Vielen Dank für die schönen Bilder! Die erinnern mich sofort an meine Kindheit, wenn die Straßenbahnen leise vor sich hinsummend auf die nächste Fahrt warteten.

Gruß Jochen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:08:31:09:49:55.

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 09:49

2554.jpg

2554 ist frisch GÜ und besitzt noch seine alte gefällige Werbung. Die ersten Achtachser wirkten durch die fehlende Tür im C-Teil recht gestreckt. Rechts am Fahrleitungsmast befindet sich im Kasten die Steuerung der Signalanlage, die Jochen ansprach.

2453.jpg

2453 ist eines der ersten GÜ-Fahrzeuge auf der 7. An Wochenenden war die Besetzung der Kurse mit GÜ bedeutungslos, da die Bw nur Montag-Freitag mitgeführt worden. 1975 ist noch ein altes Haltestellenschild vorhanden; das Schlid mit Namens- und Linienangabe wurde erst 1976 installiert.

2860.jpg

So erreichten die Kurse das Wendedreieck. In der Unterrather Strasse war bis zur Errichtung der Wendeanlage für die Einrichter ein eigenes Umsetzgleis. Dies nutze die 7 bis zum Schluß. Die hintere Weiche war eine Federweiche, die sich immer nach rechts zurückstellte, genauso wie die zweite Federweiche in der Einfahrt zwischen den Häusern für die Ausfahrt. Das "Klack-Klack" kündigte immer die Ankunft der Bahn aus Eller oder das Zurücksetzen an. 2860 ist 1976 gerade aus 2430 entstanden und an der fehlenden Werbung gut als ehemaliger GT6 zu erkennen.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:02:23:15:19:18.

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 09:57

2851.jpg

So standen die Kurse in der Unterrather trasse; hier war der Ausstieg. Das zweite Gleis im Vordergrund wurde nicht mehr benutzt; in der Weiterführung bis zur Bahnunterführung traf es wieder auf das Hauptgleis. Im Hintergrund ist das Häuschen für den Posten zu erkennen.

2554_2.jpg

2554 setzt zurück und passiert die zweite Federweiche. Wenn der Zug auf Gleis 1 zurücksetzte, erinnerte es schon an eine echte Schlangenbewegung (1977)

2558.jpg

2558 steht im Winter 1977 auf Gleis 1. Das Haltestellenschild mit Name ist zu erkennen. Im Wartehäuschen war eine Toilette für das Personal vorhanden; es war kurz zuvor neu gestrichen worden. Ein Jahr später wurde es im Zuge der Baumaßnahmen ganz abgerissen. Im Bildvordergrung rechts der Kasten diente zur Auffüllung der Sandvorräte der Triebwagen.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 10:07

Schleife1.jpg
1978 begannen die Arbeiten für die Errichtung einer Wendeschleife. Durch den Abriß des Bauernhofes war der Weg frei zur Anlage einer größeren Endstelle. Hauptziel war, Kapazitäten für die Linie 2 zu schaffen, um die zweite Schleife am Röttchen aufgeben zu können. Die Aufnahmefähigkeit der neuen Schleife umfasste für das Abestellen ebenfalls nur 7 Bw. Zuerst wurde die Abstellmöglichkeit des Wendedreieckes gekappt und die Gleise für den Ring gelegt.

2357.jpg

Um die alte Endstelle herum wächst die neue Schleife. 2357 und 1691 und ihr Fahrer haben gerade Pause. Rechts und hinten sind die ersten Gleise und neuen Betonmasten zu erkennen.

2867.jpg

An einem Wochenende (ich weiß leider nicht mehr, welches) war es dann soweit: alle neuen Gleise waren soweit wie möglich verlegt, sodass nur noch der Anschluß hergestellt werden musste. Von Freitag, Betriebsschluß bis Montag, Betriebsbeginn würde ununterbrochen gearbeitet! In dieser Zeit verkehrte die 7 nur bis Unterrath, Schleife. 2867 steht am Nachmittag des letzten Freitags in der Endstelle. In wenigen Stunden geht es los. Durch dieses Bild ist die Lage der neuen Wendeschleife zur alten Dreieckslösung gut zu erkennen.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 10:13

2854.jpg

Am darauffolgenden Samstag morgen endete die 7 zum ersten und letzten Mal zusammen mit der 2 in der Schleife Am Röttchen. 2854 fährt gerade von der Unterrather Strasse aus ein. Interessant: die Zielbeschilderung...,

8918_2.jpg

...denn die Verbindung der letzten 500 Meter zum Bahnhof stellte per Schienenersatzverkehr der Kleinbus 8918 her. Links wartet 2865 auf die Abfahrt nach Eller. Es war der letzte große "Auftritt" der "Unterrath, Schleife".

8918_1.jpg

Auf der Unterrather Strasse hielt der SEV inmitten der Baustelle.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 10:16

Schleife2.jpg

Jetzt regierten besonders am Samstag morgen zwei große Bagger.

Schleife5.jpg

Zuerst wurden die beiden alten Weichen (Federweiche und Verzweigung von Gleis 1 + 2) entfernt,

Schleife4.jpg

damit am Samstag nachmittag die neue Kreuzungsanlage der Einfahrt eingebaut werden konnte.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 2661

Datum: 31.08.10 10:27

Schleife3.jpg

Dann wurden die Gleise in der Unterrather Strasse neu verlegt. Am Sonntag Morgen trägt der Bagger die innere Kurve zu ihrem neuen Platz.

Schleife6.jpg

Zuletzt zieht der Bagger die geraden Gleise über die Unterrather Strasse. Hier wird deutlich, bis wohin damals die Gleisanlagen erneuert wurden. Im Hintergrund die alte Unterrather Kneipe "Zur Klinke" und dahinter das ehemalige Kino, das zu diesem Zeitpunkt schon einen Schuhhändler beherbergte. Vor dem Kino liegen noch die Gleise für die linke Fahrbahn.

2858.jpg

Ende gut, alles gut: Am Montag Morgen biegt 2858 als einer der ersten Kurse (den esrten Kurs konnte ich nicht aufnehmen; um 4.30 Uhr war es noch zu dunkel...) in die neue Schleife. Alles passt, die 7 hat ihre neue Endstelle. Wenige Minuten später wird der GT8S 3006 als erste 2 zum Bahnhof Unterrath fahren (siehe Bild 7 in [www.drehscheibe-foren.de] )

Das war meine Zeitreise in den Umbau Unterrath Bahnhof. Wer schon mal selbst dagewesen ist, kann sich vielleicht jetzt vorstellen, welche Veränderung die Haltestelle in den 70er Jahren erfahren hat. Bis heute hat sich nicht mehr all zu viel getan. Und Jochen: vielen Dank für Deine Korrekturen oben! Ich habe nur sehr schematische Erinnerungen an diese Zeit, schließlich bin ich Bj.63 und wir sind erst 65 ins "Postler-Ghetto" gezogen.

UF
2661 DÜWAG GT8 der Rheinbahn
Danke auch für diesen tollen Bericht. Die Endstelle Unterrath war für mich der Einstieg in das Rheinbahn-Hobby, denn das war die nächstgelegene Straßenbahn-Haltestelle. An viele der gezeigten Situationen kann ich mich noch irgendwie erinnern, wenngleich ich zu dieser Zeit noch längst keine Kamera hatte und nichtmal dran gedacht habe, Bahnen zu fitigrafieren.

Gruß
Waldstadion

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: 707

Datum: 31.08.10 22:02

Hallo 2661,
Zitat:
Das war meine Zeitreise in den Umbau Unterrath Bahnhof. Wer schon mal selbst dagewesen ist, kann sich vielleicht jetzt vorstellen, welche Veränderung die Haltestelle in den 70er Jahren erfahren hat. Bis heute hat sich nicht mehr all zu viel getan. Und Jochen: vielen Dank für Deine Korrekturen oben! Ich habe nur sehr schematische Erinnerungen an diese Zeit, schließlich bin ich Bj.63 und wir sind erst 65 ins "Postler-Ghetto" gezogen.

Gerne, ich bin Jahrgang 1959 und habe an die 60er-Jahre noch eine recht gute Erinnerung, zumal ich wegen meiner Augen ab 1965 beinahe täglich zur Uniklinik fahren musste. Da hatte ich dann schnell die Varianten 7 + 1, 7 + 4 und für den Rückweg 1 + Umstieg Dreieck, 1 + Umstieg Karolingerplatz in die 2 (sehr interessant, die ganzen ausrückenden Altbau-E-Bahnen zu beobachten) oder mit der im abendlichen Berufsverkehr fahrenden 2 ab Himmelgeister Str. Da erkannte ich auch zum erstenmal beim Wagen 2418, dass Straßenbahnen Nummern haben (mein Lieblingswagen ist schon lange weg); der 2418 fuhr lange abends den gleichen Kurs auf der 2.

Eine kleine Geschichte habe ich noch zur Endstelle: Nach dem Neubau der Rampe zum S-Bahnhof wurde bald oder sogar zeitgleich das letzte eingleisige Stück zweigleisig ausgebaut. Da bin ich, als die Gleise an einem Wochenende angeschlossen wurden, natürlich mit dem Rad hingefahren zum Gucken. So ganz präzise war das offenbar nicht geplant oder ausgeführt, es passte zunächst nämlich nicht, die Gleise fluchteten um ca. 30 cm nicht. Das wurde dann aber mit dem Bagger zurechtgerückt. Ein Mordspektakel für den kleinen Jochen :-)


Leider habe ich keine Bilder gemacht - meine Eltern waren nicht allzu begütert, wir hatten kein Auto und als Fotoapparat eine vorsintflutliche Agfa Box (6x6) - wahrscheinlich wäre ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, Straßenbahnen zu fotographieren. Eigentlich schade. Deshalb ist es um so schöner, dass du offenkundig schon mit 12 Jahren fleißig fotographiert hast. Danke sehr noch einmal!

Jochen
Wieder super Bilder von Dir.Interesant ist das die Böschung von der Hambornerstr.noch kahl war.Aber was sollte das an und abkuppeln der Beiwagen?Warum fuhr man damals nicht durchgängig damit wie heute?

Re: [D]: Unterrath Bf: Wandel einer Endstelle (1978) m.B.

geschrieben von: GT8+B4

Datum: 01.09.10 21:02

Weil man dem Bedarf angepasst fuhr... Um 21 Uhr haste halt deutlich weniger Fahrgäste als um 16 Uhr noch. Heute käme auch noch der Aspekt des subjektiven Sicherheitsempfindens dazu, aber damals spielte das wohl kaum eine Rolle.

Grüße aus Düsseldorf

- Alexander -
Moin moin,

Aber was sollte das an und abkuppeln der Beiwagen?Warum fuhr man damals nicht durchgängig damit wie heute?

Auch mir scheint das Abkuppeln der Beiwagen für nur eine Runde wenig sinnvoll, auch wenn die Bahnen zu der Zeit deutlich weniger voll waren. Immerhin musste ja für das Ab- und Ankuppeln ein Schaffner dort sein, so dass Personalkosten angefallen sind. Und die sind sicherlich höher als die eingesparten Stromkosten, jedenfalls bei nur einer Runde ohne Beiwagen.

Gruß
Karsten