Ich habe mir erlaubt, das Statement des Präsidenten (so die Amtsbezeichnung für diejenigen, die sich hierzulande (Ober-)Bürgermeister nennen) von Gliwice zu übersetzen:
Werte Einwohner von Gliwice,
in einigen Wochen bedienen anstelle der derzeit auf den Linien 1 und 4 verkehrenden Straßenbahnen Busse die Strecke von Wójtowa Wies zum Betriebshof Gliwice. Den Vorschlag für die Umstellung von Straßenbahn- auf Busbetrieb unterbreitete ich dem Verkehrsverbund Obeschlesisches Industriegebiet (KZK GOP), der für die Organisation des öffentlichen Verkehrs in 25 Kommunen verantwortlich ist. Der Vorstand der KZK GOP hat mein Angebot (sechs Zustimmungen bei zwei Enthaltungen) angenommen.
Warum habe ich mich jetzt mit dieser Angelegenheit befasst? Die Straßenbahnen sowie die Gleisanlagen wurden seit vielen Jahren nicht mehr modernisiert und sind aktuell in einem sehr schlechten Zustand. Die Stadt konnte sie nicht erneuern, da sie nicht ihre Eigentümerin war. Welche Effekte die Vernachlässigungen haben, ist mit bloßem Auge erkennbar. Die Anwohner der Straßenbahnlinie klagen über aufreibenden Lärm, ältere Personen, Mobilitätseingeschränkte sowie Eltern mit Kindern über Schwierigkeiten beim Einstieg in den Wagen über hohe Stufen und Autofahrer über die schadhafte Fahrbahn an den Gleisen.
Vor nicht langer Zeit übernahm Gliwice – ähnlich anderen schlesischen „Straßenbahnstädten“ - die Eigentümerschaft der Aktien der „Schlesischen Straßenbahnen“. Es war an der Zeit zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Ich weiß, dass es Leute gibt, die die Straßenbahnen einfach mögen, sich an ihren Anblick gewöhnt haben, ihnen Zuneigung erweisen. Ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich eine große Verantwortung auf mich nehme. Über viele Monate anaylsierte ich das Problem detailliert. Als ich alle Argumente „für“ und „wider“ einander entgegenstellte, ergab sich, dass sie – leider – nicht zum Vorteil der Straßenbahn sprechen.
Um moderne, niederflurige Straßenbahnen auf die Schienen zu bringen, müsste man eine gründliche und besonders kostspielige Sanierung der Gleisanlagen vornehmen sowie neue Wagen kaufen. Die Stadt kann sich eine derartige Ausgabe nicht leisten. Es gibt ebenfalls keine Möglichkeit, für diesen Zweck Gelder aus der Europäischen Union zu erreichen. Der Straßenbahnbetrieb auf den Linien 1 und 4 ist doppelt so teuer wie die Busleistungen, welche die Straßenbahnen vorteilhaft ersetzen können. Weiterhin ist der Zuschuss für die Straßenbahnen in Gliwice – aufgrund der relativ geringen Fahrgastzahlen – um die Hälfte höher als im Durchschnitt unserer Region.
Was sollten die hierher mit der Straßenbahn Anreisenden wissen? Die Busse werden auf derselben Trasse wie derzeit die Straßenbahnen – von Wójtowa Wies bis zum Betriebshof an der Chorzower Straße – verkehren. Sie werden als Linie A4 beschildert. Es werden bequeme und moderne Fahrzeuge sein, die die höchsten Umweltanforderungen erfüllen; und vor allem: Niederflurfahrzeuge, in die es sehr einfach ist einzusteigen. Die Haltestellen verbleiben ungefähr an denselben Stellen wie jetzt. Die Busse werden in ähnlichem Takt wie die Straßenbahnen verkehren - in etwa alle zehn Minuten in den Spitzenzeiten. Auch der Fahrpeis wird sich nicht ändern.
Ich habe vorgeschlagen, dass die Busse die Straßenbahnen von Gliwice ab dem 1. August ersetzen sollen. Sofern keine unvorhergesehenen Rahmenbedingungen eintreten, erfolgt die Änderung an diesem Tag. Sie werden mit detaillierten Informationen auf dem Laufenden gehalten.
Ich hoffe, dass Sie meine Entscheidung akzeptieren werden und Ihre derzeitigen Bedenken durch die Komfortverbesserung kompensiert werden.
Hochachtungsvoll,
Zygmunt Frankiewicz
Präsident der Stadt Gliwice.
Das Original: [
um.gliwice.pl]
Grüße von Lukas.