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Die DEUTSCHE WEINSTRASSE zwischen Osnabrück und Westerland





Ist der Köstner jetzt total durchgeknallt? wird sich der ein oder andere von euch fragen. Die DEUTSCHE WEINSTRASSE zwischen Osnabrück und Sylt? Und dann auch noch orthographisch falsch?

Kennen die meisten von euch bzw. uns die Deutsche Weinstraße doch als eine der ältesten touristischen Straßen Deutschlands, die zwischen dem Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach an der französischen Grenze und dem Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim am Rande des Weinbaugebietes Pfalz entlang der Bundesstraßen 38 und 271 verläuft.

Gemach, gemach... Mit der „Deutschen Weinstrasse“ meine ich natürlich den seinerzeit beim Bf Ludwigshafen beheimateten Sonderzug der Deutschen Bundesbahn (DB), der von Zeit zu Zeit auch abseits der klassischen Weinbaugebiete zum Einsatz gelangte.

1967 hatte die DB vier B3yg 761-Umbauwagenpärchen zu Sonderwagen WG3yge 835 für den Zug „Deutsche Weinstraße“ umbauen lassen. Zusätzlich ließ man einen vierachsigen Bye 653 zum Büttenwagen (WGye 839, 50 80 89-11 702-4) mit 7 Bütten und 60 Plätzen und einen weiteren zum Gesellschaftswagen mit Küche (WGye 831, 50 80 89-11 701-6) umbauen. Die Inneneinrichtung der Pärchen war unterschiedlich. Es gab drei „Weinprobierwagen“ (WG3yge 835, 87 415/87 416/87 961) mit langem Tisch und 26 Plätzen, zwei „Büttenwagen“ (WG3yge 835, 87 769/87 770) mit jeweils vier Bütten und 36 Plätzen und einen „Laubenwagen“ (WG3yge 835, 87 580) mit 13 Tischen und 36 Plätzen, sowie je einen „Tanz- und Barwagen“ (WG3yge 835, 87 579) mit 9 Plätzen an der Bartheke und Aufenthalts- und Speisewagen, auch „Nischenwagen“ genannt, (WG3yge 835, 87 960) mit 48 Plätzen, 12 Tischen und einer Tonkabine. Später kamen noch zwei vierachsige WGye 831, 50 80 89-53 703-1 und 50 80 89-53 705-6, hinzu, die an der abweichend oceanblau-beigen Lackierung und den fehlenden Aufschriften „Deutsche Weinstraße“ zu erkennen waren. Zeitweise ist ein Wagen wohl auch als „Schubkärchlerwagen“ mit Seitengang, 6 Tischen und 46 Plätzen ausgestattet gewesen. Genaueres ist nicht bekannt. Eine ausführliche Beschreibung dieses Zuges findet ihr HIER bei Ralph Dißinger und HIER bei Günter Tscharn.

Da dieser zwischenzeitlich nicht mehr zeitgemäß war, vor allem die Höchstgeschwindigkeit von nur 100 km/h erwies sich auf zahlreichen Hauptstrecken als hinderlich, ließ die DB im Jahre 1982 acht 26,4 Meter-Wagen zum Sonderzug „Deutsche Weinstrasse“ umbauen, als da waren:


WGm 842.0, 51 80 89-80 901-7   =   ex BRbumh 281,      51 80 85-40 002-7

WGm 842.2, 51 80 89-80 902-5   =   ex Bcm (USTC),      51 80 05-40 611-2 P

WGm 842.2, 51 80 89-80 903-3   =   ex Bcm (USTC),      51 80 05-40 658-3 P

WGm 842.3, 50 80 89-40 911-3   =   ex BRyl 446,        50 80 85-43 007-4

WGm 842.3, 50 80 89-40 912-1   =   ex BRyl 446,        50 80 85-43 016-5

WGm 842.4, 50 80 89-40 913-9   =   ex BRyl 446,        50 80 85-43 012-4

WGm 842.4, 50 80 89-40 914-7   =   ex BRyl 446,        50 80 85-43 010-8

WGm 842.3, 50 80 89-40 915-4   =   ex BRyl 446,        50 80 85-43 026-4

WGm 842.0  =  Gesellschaftswagen

WGm 842.2  =  Bar- und Büttenwagen

WGm 842.3  =  Büttenwagen  

WGm 842.4  =  Laubenwagen

Bereits der WGm 842.0 war aufgrund seiner Herkunft ein interessantes Exemplar. Bei ihm handelte es sich um einen der beiden Wegmann Büffetwagen-Prototypen von 1960. Die beiden WGm 842.2 waren ehemalige Liegewagen aus dem Pool der US-Streitkräfte und die WGm 842.3 und 842.4 schließlich ehemalige Halbspeisewagen 2. Klasse, die Anfang der 80er aus dem Betrieb genommen worden waren.


Am Samstag, dem 26. August 1989 startete die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) in Zusammenarbeit mit der überaus rührigen DB-Generalvertretung Osnabrück erneut einen Sonderzug der „Leserdienstreisen“ nach Westerland (Sylt). Normalerweise wurden diese Züge aus der Sonderbereitschaft des Bf Osnabrück gestellt, zu diesem Zeitpunkt i.d.R. schon 2. Klasse-Abteilwagen der Bauart Bm 234. Dazu kam dann der Osnabrücker Gesellschaftswagen WGm 840, 51 80 89-80 789-6. Es gab auch Sonderzüge nach Westerland im Rahmen der Aktion „Der schöne Tag“, die meist aus bis zu achtteiligen 624-Garnituren (inkl. ein oder zwei Gesellschaftswagen) gebildet wurden, aber für die „Leserdienstreisen“ war aufgrund der Beliebtheit dieser Fahrten ein größeres Platzkontingent notwendig. Im Vorjahr war Westerland erstmalig das Ziel der Leserdienstreisen gewesen. wobei der Zug aus eben jenen Wagen der Betriebsreserve bestand. Mit einer 110 ging es 1988 bis nach Hamburg-Altona, wo dann im Bahnhof kopf gemacht wurde und zwei Loks der BR 218 den Zug zur Fahrt nach Westerland übernahmen.

Jedoch war es dann 1989 doch etwas anders: Als ich morgens früh auf den Osnabrücker Hbf kam, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Prangte doch auf zwei Wagen des Sonderzuges groß der Schriftzug „Deutsche Weinstrasse“. War das überhaupt mein Zug? In der Tat: Er war es. Und es war tatsächlich auch der komplette Zug der „Deutschen Weinstrasse“ Zusätzlich zu den acht „Weinstrassenwagen“ liefen am Zugschluß drei Bm 234 vom Bf Osnabrück. Auch die Fahrt verlief etwas anders. Statt in Hamburg in den Bf Altona zu fahren, ging es direkt nach HH-Langenfelde, wo im Betriebsbahnhof auf Diesel umgespannt wurde. Diesmal nur eine Lok der BR 218.

Wie war der Zug nach Osnabrück gekommen? Hier muß ich meine im HiFo bereits einmal gemachte Äußerung revidieren, dass ich nichts über den Zulauf in Erfahrung bringen konnte. Denn als ich jetzt die Bilder bearbeite habe, sind mir an einigen Wagen noch grüne Zettel aufgefallen. Nachdem ich den Text auf jenen halbwegs entziffern konnte, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Der Zug war zuvor vom „Göttinger Tageblatt“ für eine Sonderfahrt gechartert worden und da er sich schon mal im Bereich der BD Hannover befand, hatte man ihn dann der Generalvertretung Osnabrück zum „kennenlernen“ angeboten.



Bild 01: 218 260 ist mit dem Dz 26217, Osnabrück – Westerland, auf Sylt eingetroffen:

https://abload.de/img/218260westerlandhbf084wkk6.jpg


Bild 02: Gleich hinter der Lok lief der Laubenwagen WGm 842.4, 50 80 89-43 914-7, welcher mit dem Schriftzug „Deutsche Weinstrasse“ versehen war:

https://abload.de/img/wgm842.4914westerland96k9g.jpg


Bild 03: Es folgte der Büttenwagen WGm 842.3, 50 80 89-43 915-4:

https://abload.de/img/wgm842.3915westerlanddpkrv.jpg


Bild 04: Als Wagen 3 war der RIC-fähige für 160 km/h zugelassene Bar-/Büttenwagen WGm 842.2, 51 80 89-80 902-5, eingereiht:

https://abload.de/img/wgm842.2902westerlandnukp5.jpg


Bild 05: An vierter Stelle war der Gesellschaftswagen WGm 842.0, 51 80 89-80 901-7, der ehemalige Buffetwagen-Prototyp, zu finden.
Auch er RIC-fähig und für 160 km/h zugelassen. Es war der einzige Wagen des Zuges „Rollende Weinstrasse“ der Drehfalttüren besaß:


https://abload.de/img/wgm842.0901westerland5gjq1.jpg


Bild 06:

https://abload.de/img/wgm842.0901westerlandbujfg.jpg


Bild 07: Dann der zweite kombinierte Bar-/Büttenwagen, 51 80 89-80 903-3...

https://abload.de/img/wgm842.2903westerlandvjjju.jpg


Bild 08: ...sowie der Büttenwagen WGm 842.3, 50 80 89-43 911-3:

https://abload.de/img/wgm842.3911westerlandjskxs.jpg


Bild 09: An siebter Position schließlich der Laubenwagen WGm 842.4, 50 80 89-43 913-9...

https://abload.de/img/wgm842.4913westerlandhbjss.jpg


Bild 10: ...nd als letzter Wagen der „Deutschen Weinstrasse“ der Büttenwagen WGm 842.3, 50 80 89-43 912-1:

https://abload.de/img/wgm842.3912westerlanddfj3u.jpg





Was auffällt ist, dass die drei Gesellschafts- bzw. Bar-/Büttenwagen analog den Gesellschaftswagen der Baureihe WGm 840 Mehrspannungswagen, RIC-fähig und für 160 km/h zugelassen waren, während die fünf Lauben- und Büffetwagen lediglich als Einspannungswagen ausgelegt waren und nur 140 km/h laufen durften. Somit waren die WGm 842.0 und 842.2 freizügiger einsetzbar, so dass man davon ausgehen kann, dass sie auch außerhalb des eigentlichen Nutzungszweckes zum Einsatz gekommen sind. Dass das allerdings in eingeschränktem Maße auch für die WGm 842.3 und 842.4 galt, beweise ich dann in der nächsten Folge.


Bis neulich in diesem Forum

Rolf Köstner


Dieser Beitrag erscheint auch im Forum Historische Bahn (Historisches). Ja, ich weiß: Es gibt bei DSO kein Historisches Forum... ;-)




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:01:25:14:22:39.
Hallo Rolf,

ein schöner Beitrag von dir.

Eine Frage: hat der WGm 842.0 Außenlautsprecher?

Grüße,
Albert
Moin,

rolf koestner schrieb:

> Gemach, gemach... Mit der „Deutschen Weinstrasse“
> meine ich natürlich den seinerzeit beim Bf
> Ludwigshafen beheimateten Sonderzug der Deutschen
> Bundesbahn (DB),

Wann war der Zug denn in Mainz beheimatet, oder wurde er dort ohne Beheimatung hinterstellt?

Gruß, ULF
...angeschrieben, es kann jedoch sein, dass er später im Rahmen vom Umstrukturierungen innerhalb der DB bzw. DB AG nach Mainz gekommen ist. Das können vielleicht andere besser beantworten.


Bis neulich

Rolf Köstner