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Mit Volldampf durch China – Vier Wochen in den letzten Dampfparadiesen des Fernen Osten

Teil 8: Tief im Westen, wo die Sonne mit Dampf untergeht – Ein Tag im Kohletagebau von Sandaoling



Im letzten Bericht waren wir bereits fast in der Kohlemine von Sandaoling angekommen. Zudem gab es eine kleine Einführung in den Tagebau und den dortigen Zugbetrieb. Jetzt folgt der Bericht des ersten Tages in Sandaoling. Viel Spaß beim Lesen.

Vorab wie gewohnt noch eine Übersichtskarte des Streckennetzes in der Kohlemine von Sandaoling. Die Schienen im Tagebau und auf den Abraumhalden sind nur schematisch eingezeichnet, das sich deren Lage naturgemäß ständig ändert:

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Bild 1: Übersichtskarte des Tagebaus von Sandaoling. Die Kohle wird mittlerweile per Förderband zur Kohleverladeanlage zwischen den Bahnhöfen Xikeng und Dongkuang auf halber Höhe der Grube transportiert. Dort erfolgt die Umladung in die Kohlenzüge, die dann in Form eines umgekehrten S über Kengkongzhan und Dongbolizhan („Ostbahnhof“) entweder zur Kohlewäsche nach Xuanmeichang oder zur Kohleentladestelle kurz vor dem Bahnhof Nanzhan („Südbahnhof“) fahren. Zwischen Dongkuang und Xibolizhan ist die Strecke zweigleisig. Nach erfolgter Kohlenwäsche erfolgt in Nanzhan die Umladung in Waggons der Staatsbahn, die beladenen Waggons werden dann mit Dieselloks abgeholt und zum Anschlussbahnhof an der Staatsbahnstrecke (außerhalb der Karte rechts unten) gebracht. In Nanzhan befindet sich auch ein größerer Rangierbahnhof.
Der Abraum aus den oberen Ebenen des Tagebaus wird direkt nach Xibolizhan („Westbahnhof“) gebracht, in den tieferen Ebenen müssen die Abraumzüge erst mit einer 180°-Kurve auf die andere Seite des Tagebaus in den Bahnhof Xikeng fahren. Dort machen die Abraumzüge Kopf und werden nach Xibolizhan geschoben. Die Strecke zwischen Xikeng und Xibolizhan ist ebenfalls zweigleisig. Hinter Xibolizhan verzweigt sich die Strecke auf mehrere Gleise hinauf zu den Abraumhalden westlich und südlich des Bahnhofs.
Auf der Verbindung zwischen Dongbolizhan und Xibolizhan verkehren nur Arbeits- und Arbeiterzüge zum Schichtwechsel.
In Jichangzhan befindet sich eine große Werkstätte. Die Bekohlung und das Wasserfassen erfolgen meistens in Dongbolizhan, obwohl die dortige Großbekohlungsanlage schon länger stillgelegt ist. Stattdessen erfolgt die Bekohlung meist einfach per Schaufellader.
In Yijing („erste Mine“) und Erjing („zweite Mine“) gibt es noch Untertageminen, die ebenfalls an das Schienennetz angeschlossen sind (Abzweig in Nanzhan).
2014 endete dann die Dampfherrlichkeit in weiten Teilen. Nordwestlich des Tagebaus wurden neue Untergrundminen erschlossen (links außerhalb der Karte). Die wurden zwar auch von Nanzhan ausgehend an das Bahnnetz angebunden, der Transport obliegt aber komplett Dieselloks (Strecke ist nicht in Karte eingezeichnet). Im Gegenzug wurde der weitere Abbau von Deckgestein im Tagebau eingestellt und das gesamte Schienennetz westlich von Dongkuang und Dongbolizhan abgebaut. Es wird jetzt lediglich die noch verbliebene Kohle im Tagebau mit Dampfloks abtransportiert, spätestens 2017 soll der Tagebau samt Dampfbetrieb dann komplett stillgelegt werden.
In diesem Bericht geht es von der Kohlewäsche in Xuanmeichang über einen kurzen Blick in den Tagebau in der Nähe von Kengkongzhan zu einem langen Nachmittag am westlichen Ende des Tagebaus zwischen Xibolizhan und Xikeng, bevor der Abend auf den Abraumhalden westlich von Xibolizhan ausklang.





11.11.2010
Nachdem wir unsere überhitzten und verkaterten Körper am Bahnübergang wieder mit etwas Frischluft versorgt hatten, ging es wieder in den Bus in Richtung Tagesziel Sandaoling. Aber noch bevor wir Sandaoling erreicht hatten, wurden wir in Xuanmeichang schon wieder von einem Zug aufgehalten. Und da es uns in der Wüste nicht nach Wasser, sondern nach Dampf dürstete, verließen wir den Bus und lichteten die erste Dampflok des Tages ab.

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Bild 2: JS 8193 hat soeben einen Kohlenzug in die Kohlenwäsche gezogen. Nach und nach werden nun die einzelnen Wagen entladen.


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Bild 3: Die Waggons sind entladen, die Lok hat nach vorne gezogen und …


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Bild 4: … schiebt die jetzt leeren Waggons wieder Richtung Tagebau, um dort die nächste Fuhre Kohle abzuholen.



Das war doch für den Anfang schon gar nicht mal so schlecht. Auf dem weiteren Weg Richtung Sandaoling machten wir kurz noch am Tagebau halt, um in der Kurve einen bergwärts fahrenden Kohlenzug abzulichten:

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Bild 5: Die halbe Strecke hat der Kohlenzug schon hinter sich. Jetzt legt er sich in die Kurve, um das restliche Teilstück Richtung Kohlenwäsche in Angriff zu nehmen.



Spätestens jetzt obsiegte das Jagdfieber über die durch Schlafmangel und Alkoholabbauprodukte verursachte Trägheit. Die furchtbare Schlaglochpiste zwischen Sandaoling und Xibolizhan weckte dann auch den Allerletzten auf. Hier am westlichen Ausgang des Tagebaus in der Nähe von Xibolizhan sollte nun der Rest des Tages zur freien Verfügung stehen, nachdem es zuvor noch eine Warnung vor den zahlreichen Schwelbränden in und um den Tagebau herum gab. Also dann mal nichts wie los:

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Bild 6: Mit diesem Bus ging es über die Schlaglochpiste nach Xibolizhan.


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Bild 7: Blick hinab in den Tagebau von Sandaoling, der Blick geht Richtung Osten. Im Hintergrund kann man noch die blaue Kohleverladeanlage auf halber Höhe des Tagebaus erkennen. Neben vier Dampfloks dampfen und rauchen auch etliche Schwelbrände im Tagebau.


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Bild 8: Eine JS hat mit ihrem Leerwagenzug vor kurzem den Bahnhof Xibolizhan verlassen und rollt wieder hinab in den Tagebau, um die nächste Fuhre Abraum abzuholen.


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Bild 9: Sandaoling – auf Deutsch die „Die Drei-Farben-Streifen“. Der bayrische Himmel wird begrenzt durch die teils schneebedeckten Berge, danach folgt die braun-rot-gelbe Decksteinschicht, die dann langsam in die schwarze Kohleschicht auf dem Grund des Tagebaus übergeht. Mittendrin sind zwei Abraumzüge. Während der linke sich schon auf den Weg Richtung Xibolizhan macht, muss der rechte Abraumzug zunächst einmal im Bahnhof Xikeng Kopf machen, bevor auch er seine Fuhre Richtung Xibolizhan schieben kann.


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Bild 10: Der erste Abraumzug hat es fast schon geschafft. Er muss noch ein paar Schwelbrände passieren, bevor er den Tagebau verlassen und den Abraum hinter Xibolizhan auf die Abraumhalden kippen kann.


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Bild 11: Der zweite Abraumzug hat mittlerweile auch Kopf gemacht und macht sich auf den Weg Richtung Xibolizhan, wobei ….


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Bild 12: … er ebenfalls meinen Fotostandpunkt passiert.


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Bild 13: Mit einer dichten Rauchwolke kündigt sich schon der nächste Abraumzug an. Von einer der obersten Stufen des Tagebaus muss er zunächst ein bisschen bergab rollen. Trotzdem …


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Bild 14: … zieht er mit einer dicken Rauchwolke …


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Bild 15: ... an meinem Fotostandpunkt vorbei.



Die fast im Minutentakt verkehrenden Dampfzüge waren ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor. Daher begab ich mich zwei Stufen tiefer hinab in den Tagebau, um die Beladung der Züge mit Abraum genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Bild 16: Zwei Ebenen tiefer wurde gerade ein Abraumzug beladen. Grund genug, mir das mal etwas genauer anzuschauen.


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Bild 17: Die Hochlöffelbagger vom Typ WK-4 haben auch schon einige Jährchen auf dem Buckel. Sie werden elektrisch betrieben, die für die Stromversorgung notwendigen Starkstromkabel sind einfach am Boden kreuz und quer über den gesamten Tagebau verteilt.


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Bild 18: Mit ordentlichem Gepolter wird fällt der Abraum in die leeren Waggons.


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Bild 19: Die Lok schiebt den Zug immer näher an den Bagger ran, bis ...


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Bild 20: … sie schließlich fast selber aufgeladen wird.



Nachdem der Ladevorgang ebenfalls ausreichend dokumentiert wurde, schlendere ich etwas ziellos umher. Es gibt so viele Stufen im Tagebau mit so vielen Zügen, die darauf unterwegs sind. Und von einer zur anderen Stufe kommt man nur recht schwierig, denn die Abbruchkanten sind sehr steil und nur mehrere hundert Meter weiter gibt es Verbindungswege zwischen den einzelnen Stufen. Schließlich hatte ich einen Weg gefunden, der mich eine Ebene tiefer bringt.

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Bild 21: Auf dem Weg hinab kommt mir erst einmal schon wieder ein Zug mit leeren Waggons entgegen.


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Bild 22: Weiter unten im Tagebau qualmt es schon wieder ordentlich.


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Bild 23: Einer der zahllosen Weichenwärter lässt sich in seiner bescheiden eingerichteten Bude vom hektischen Zugverkehr nicht aus der Ruhe bringen.


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Bild 24: Dabei poltert an seiner Bude gerade ein frisch mit Abraum beladener Zug vorbei.


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Bild 25: Kaum ist der beladene Zug Weg, schon kommt der nächste Zug mit leeren Wagen. Diesmal hat JS 6261 den Zug am Haken, ein etwas exotischeres Exemplar. Im Gegensatz zu den meisten anderen JS-Kolleginnen in Sandaoling (8001 bis 8423), die meist Ende der 80er-Jahre gebaut wurden, haben die JS-Lokomotiven mit den Nummern 6201 bis 6558 etwas mehr Jährchen auf dem Buckel, sie entstanden Anfang der 80er-Jahre. Von der ersten Serie (5001 bis 6135) konnten keine Exemplare mehr im Einsatz gesichtet werden. Schließlich entstanden diese auch zwischen 1956 und 1965.



Etwas weiter vorne hatte ich einen Bauzug entdeckt, der gerade dabei war, neue Gleise zu verlegen. Dabei kam auch ein Dampfkran zum Einsatz. Leider ließ man mich nicht am Bauzug vorbeigehen, so dass ich das Spektakel aus sicherer Entfernung betrachten musste. Natürlich hätte ich auch eine Ebene weiter nach oben gehen können, aber dazu wäre ein Umweg von fast einem Kilometer notwendig gewesen. Nichtsdestotrotz hat es sich gelohnt, denn neben dem Dampfkran gab es auch eine weitere Rarität zu bestaunen…

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Bild 26: … denn die Zuglok des Bauzuges war keine JS- sondern eine SY-Lokomotive. Es war die einzige SY sein, die mir in Sandaoling begegnen sollte, alle anderen gesichteten Loks gehörten zur Baureihe JS.


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Bild 27: Der Bauzug in seiner vollen Pracht. Vorne SY 1304, hinten der Dampfkran. Ziel der Bauarbeiten war es, ein Gleis, das mittlerweile zu weit von der Abbruchkante entfernt war, wieder näher an die Abbruchkante zu verlegen.


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Bild 28: An einer frei zugänglichen Stelle konnte ich Gleisarbeitern bei der Arbeit über die Schultern schauen.


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Bild 29: Sie lösten die Schienenverbindungen, damit die Gleisjoche vom Dampfkran näher an die Abbruchkante gehoben werden können.


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Bild 30: Ohne Worte.



So langsam wurde es Zeit, wieder in Richtung Bus zu gehen, um dort den Rest der Gruppe wieder zu treffen. Es sollte aber genügend Zeit bleiben, um auf dem Rückweg noch die eine oder andere Impression auf Chip zu bannen, auch wenn sich die Motive so langsam wiederholen.

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Bild 31: Ein Zug mit leeren Waggons ist auf der untersten Stufe unterwegs, um neuen Abraum zu laden. Auf der gegenüberliegenden Seite kann man auf etwas gleicher Höhe den Bahnhof Xikeng erkennen. Hier wird der Zug, nachdem er Abraum geladen hat, Kopf machen und seine Waggons Richtung Xibolizhan schieben.


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Bild 32: Das ganze nochmals etwas näher betrachtet, vor der Lok stehen die Mopeds der Arbeiter. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass der Kessel mit Messingstreifen verziert sei. Aber nicht doch bei den Loks in Sandaoling, die immer durch ein äußerst ungepflegtes Äußeres bestechen. Es sind vielmehr Rostfahnen, die in der Sonne fast gülden glänzen.


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Bild 33: In der Ebene unter mir donnerte schon der nächste Abraumzug vorbei. Er hat noch einen recht weiten Weg vor sich, bis er die andere Seite des Tagebaus erreicht hat, wo er dann Kopf machen kann. Die Schatten werden langsam länger, jetzt muss ich mich aber sputen, um zum Treffpunkt am westlichen Ende des Tagebaus zu gelangen.



Als ich den Bus erreicht hatte, war die Gruppe dort aber noch nicht vollzählig. So kam ich am westlichen Ende des Tagebaus, wo die zweigleisige Strecke den Tagebau verlässt und Richtung Xibolizhan abzweigt, noch zu den folgenden Fotoaufnahmen.

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Bild 34: JS 8040 hat den Tagebau fast schon verlassen. Nur noch schnell rechts um die Ecke, dann kommt schon der Bahnhof Xibolizhan. Im Hintergrund sind schon die ersten Abraumhalden zu erkennen.


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Bild 35: Derweil herrscht unten im Tagebau weiterhin rege Betriebsamkeit.


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Bild 36: Die Schatten werden länger, der Tagebau glüht fast schon im Abendlicht. Nur ein schwarzer Strich in der Landschaft stört die Idylle.


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Bild 37: JS 8040, die in Bild 32 einen Abraumzug Richtung Xibolizhan schob, hat sich ihrer Last aber schnell entledigt. Denn sie rollt schon wieder in den Tagebau hinab.


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Bild 38: Ein letztes Bild von der Kurve am Ende des Tagebaus, bevor die Sonne dort vollends verschwunden ist.



Der Tag sollte seinen würdigen Abschluss am anderen Ende von Xibolizhan an den Abraumhalden finden. Dort gab es für die staubigen und trockenen Kehlen zwar kein Bier, dafür aber ganz nette Sonnenuntergangsmotive. Da verschiebt man dann halt mal notgedrungener Weise die Flüssigkeitsaufnahme.

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Bild 39: Lauter müde Männer, gezeichnet von einer kurzen, feuchten Nacht und einem langen, trockenem, staubigen Tag im Tagebau, stehen sich auf der Abraumhalde die Füße platt. Eigentlich wären jetzt ein gemütlicher Sessel und ein kühles Bier viel schöner. Also warum nur stehen alle hier rum?


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Bild 40: Nun, wegen Fotomotiven wie diesen. Ein Abraumzug hat sich seiner Ladung entledigt und kehrt jetzt wieder langsam wieder von der Abraumhalde zurück.


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Bild 41: Nachdem der Abraum entladen wurde, kommt eine JS mit ihrem vorgespannten „Abraumpflug“, um den Abraum links und rechts der Strecke den Hang hinunter zu schieben. Zunächst …


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Bild 42: … muss der „Abraumpflug“-Zug die untergehende Sonne passieren.


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Bild 43: Kurz danach kommt schon der nächste leere Abraumzug vorbeigedampft. Zur Abwechslung erst einmal eine Aufnahme mit größerer Brennweite …


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Bild 44: … gefolgt von einer Weitwinkelaufnahme.


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Bild 45: Einmal schnell um 180° gedreht und schon hat man ein weiteres Motiv mit Wolken und Bergen, die von den allerletzten Sonnenstrahlen beleuchtet werden. Der Abraumzug von den beiden vorherigen Bildern hat in Kürze den Bahnhof Xibolizhan erreicht.


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Bild 46: Auch ein Gleisbauzug kehrt von der Abraumhalde zurück. Leider fährt er auf einem etwas tiefer liegenden Gleis und daher ist die Silhouette leider zur Hälfte abgeschnitten.


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Bild 47: Nach so vielen leeren Abraumzügen muss auch mal ein voller Abraumzug auf das Bild.


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Bild 48: Die Sonne ist weg, das Licht wird immer weniger und der Bauzug macht sich auf den Heimweg in den Bahnhof Xibolizhan.



Das war dann doch durchaus den Verzicht auf einen Sessel und ein kühles Bier wert. Jetzt war für heute aber endgültige Schicht im Schacht, besser gesagt Schicht im Tagebau. Gezeichnet von viel zu wenig Schlaf in der letzten Nacht und einem stressigen und sehr staubigen Tag in und um den Tagebau stapften wir in ein sehr einfaches Restaurant, wo es ein noch einfacheres Abendessen und einigermaßen kühles Bier gab. Die anschließende Dusche im Hotel machte die müden Männer auch nicht mehr munter, zumal wie gestern im Zug auch die Hotelzimmer total überhitzt waren. Die Heizung bollerte auf Hochtouren und regulieren ließ sie sich auch nicht. Das Nachtleben sah jetzt auch nicht so prickelnd aus, denn außer Kohle und Dampfloks gibt’s in Sandaoling nichts anderes Sehenswertes. Ich übergab einen Teil meiner inzwischen recht übel riechenden Kleidung an die Hotelwäscherei und legte mich anschließend schlafen.

Im nächsten Bericht folgt dann der zweite Tag in Sandaoling. Eigentlich blieb alles beim Alten. Die Nacht war viel zu kurz, der Himmel viel zu blau und es herrschte viel zu viel Dampfbetrieb. Trotzdem lohnt es sich, beim nächsten Bericht wieder einen Blick reinzuwerfen. Ich hoffe, dass ihr alle wieder mit dabei seid.










Zugliste
Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
07.11. Zug 2 Shixi Huangcunjing 18 Dampf 762mm
07.11. Zug 4 Jioba Yuejin 10,3 Dampf 762mm
08.11. Zug 1 Yuejin Bagou 12,1 Dampf 762mm
08.11. Zug 4 Caiziba Mifengyan 1,9 Dampf 762mm
10./11.11. K9782 Ürümqi Hami 556 Diesel 1.435mm






5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:12:07:22:00:25.
Hallo Florian,

besten Dank für die imteressante Fortsetzung! Laut Gibbons ([www.amazon.co.uk], S. 147 wurde die JS 6261 im Jahr 1983 in Datong gebaut, die JS 8193 im Jahr 1987.

Viele Grüße, Helmut

Danke

geschrieben von: felixS

Datum: 07.12.16 10:36

Hallo

Will hier auch mal danke sagen für deine schönen unterhaltsamen Berichte. Erinnert mich natürlich stark an ähnliche Reisen mit derselben Reiseleitung.

Wie im kleingedruckten des Herrn S ja ausführlich erklärt wird, wird dem perfekten Bild alles andere untergeordnet. Inklusive Schlaf, Hunger und dreckige Klamotten.

Hab aber auf diesen teuren Reisen am meisten in Sachen Eisenbahnfotografie gelernt.

Felix
Hallo Helmut,

Vielen Dank für die Ergänzungen. Bezüglich JS 6167 habe ich leider noch keine Rückmeldung.

Viele Grüße

Florian
Ganz große Klasse - da kommt sehr große Freude auf! Interessant auch die geologischen Aufschlüsse, die man schön an den oberen Strossen (da, wo der Abraum abgebaggert wird) erkennen kann. So, wie ich das beurteile, sind da auch einige dünne Kohleflöze eingebettet, die nicht mit abgebaut werden und somit für die Schwelbrände sorgen.

Eine Anmerkung: der WK-4 ist ein Hochlöffelbagger, kein Schaufelbagger.

RUHRKOHLE - Sichere Energie
Zitat:
So, wie ich das beurteile, sind da auch einige dünne Kohleflöze eingebettet, die nicht mit abgebaut werden und somit für die Schwelbrände sorgen.

Das siehst du vollkommen richtig. Das abbauwürdige Flöz ist teilweise über 5m dick, da lohnen sich die dünnen Flöze, die teilweise bis zu 50cm dick sind, nicht. So schwelen nicht nur die Abraumhalden, sondern auch die Abraumkanten. Selbst die über 20 Jahre alten Abraumhalden schwelen noch teilweise ziemlich extrem. Das Betreten ist lebensgefährlich.

Zitat:
Eine Anmerkung: der WK-4 ist ein Hochlöffelbagger, kein Schaufelbagger.
Vielen Dank für die Ergänzung. Habe es angepasst.
Wahnsinnig tolle Fotos. Wenn ich das mit meinem Besuch im Tagebau Garzweiler vergleiche, sehe ich schon einen gewissen Unterschied bei der Ausrüstung und Arbeitssicherheit...