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Mit Volldampf durch China – Vier Wochen in den letzten Dampfparadiesen des Fernen Osten

Teil 6: Total vernebelt, und das ohne Droge (Dampf) – Ob die Reise trotzdem (weiter)geht?


Im letzten Bericht hatte ich euch vom Abschluss des dritten Tages in Shibanxi berichtet. Jetzt folgt leider schon der letzte Tag in Shibanxi, an dem nur noch ein Besuch des BWs in Shixi auf dem Programm stand. Zur besseren Übersicht hier nochmals eine Karte der Bahnstrecke:

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Bild 0: Streckenkarte der Schmalspurbahn von Shibanxi: Die Strecke beginnt in Shixi und verläuft über Yuejin zum Spitzkehrenbahnhof von Mifengyan. Bis Xianrenjiao steigt die Strecke steil an, anschließend geht es wieder etwas flacher über Jiaoba und Bagou zum Endpunkt Huangcunjing, wo sich die Kohlemine befindet. In diesem Bericht gibt es noch ein paar Impressionen aus Yuejin, gefolgt von einem BW-Besuch in Shixi.





10.11.2010
Heute war im Vergleich zu den beiden vorherigen Tagen ausschlafen angesagt. Der Wecker klingelte nicht um halb sechs, sondern erst um sieben Uhr. Schnell alle Reiseutensilien in meinen großen Rucksack packen, das Gepäck im wartenden Reisebus verstaut und kurz das übliche Frühstück in Form von „Baozhe“ (gefüllte Hefeklößchen), Suppe und „Jiaozhe“ (Maultaschen) zu sich nehmen. Das Wetter hatte sich massiv verschlechtert, es herrschte dichter Nebel, dennoch sollte der talwärts fahrende Personenzug in Yuejin nochmals abgelichtet werden. Während der Rest der Gruppe sich rund um den Bahnhof Yuejin versammelte (wir wollten von dort ja mit dem Bus direkt ins BW fahren), entfernte ich mich unerlaubterweise von der Reisegruppe und suchte ich mir ein Plätzchen etwas außerhalb Yuejins Richtung Shixi. Während ich also mit dem Blick Richtung Yuejin auf den Personenzug wartete, rumpelte es plötzlich hinter meinem Rücken. Schnell umgedreht, kommt da etwa ein Leerzug mit Dampfbespannung? Leider nicht, aber immerhin kam ich zu meinem ersten schönen Streckenmotiv mit E-Lok. Auch nicht schlecht.

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Bild 1: Strahlte gestern noch die Sonne, waberte heute dicker Nebel durch das Tal. Das sollte uns später an diesem Tag noch vor erhebliche Probleme stellen. Der vernebelte Blick geht von Yuejin Richtung Shixi.


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Bild 2: Eine Bäuerin trägt zwei Eimer mit Wasser über die Bahnstrecke. Auch hier reichen die Gemüsebeete bis fast an die Schienen heran. Ich erwartete eigentlich den Personenzug aus dieser Richtung, wurde jedoch …


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Bild 3: … von einem Güterzug mit E-Traktion aus der anderen Richtung überrascht. Da sowieso keine Sonne schien, ergab sich trotz der Überraschung ein ganz brauchbares Motiv.



Der Personenzug hätte schon längst kommen müssen, aber er kam und kam nicht. Ich überlegte mir schon, ob ich nicht doch besser zur Gruppe zurückkehren sollte, als ein Pfiff vom Bahnhof Yuejin ertönte. Na endlich. Im dichten Nebel kam ich so zum letzten Streckenbild in Shibanxi.

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Bild 4: Endlich kommt der dampfbespannte Personenzug aus Yuejin. Ob es die Henne rechts vom Gleis noch rechtzeitig über die Schienen schafft?


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Bild 5: Ja, die Henne ist schneller unterwegs wie die Dampflok.


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Bild 6: Als die Lok meinen Standpunkt passiert, befindet sich die Henne schon auf Futtersuche auf der anderen Gleisseite.



Nachdem die Motive im Kasten waren, ging es schnell zurück zum Bus. Und obwohl ich mich weit von der Gruppe entfernt hatte, war ich nicht der Letzte, der in den Bus einstieg. Nächster Halt war dann das Betriebswerk in Shibanxi. Dort bekamen wir einen sehenswerten Einblick in die Werkstatt, wo gerade zwei Dampfloks repariert wurden. Ich lade euch jetzt also zu einem Rundgang durch Betriebswerk und Werkstatt ein. Viel Spaß dabei!

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Bild 7: Erstes Opfer der Fotoorgie rund um Betriebswerk, Betriebsbahnhof und Kohleentladung waren die beiden Dieselloks vom Typ SJ380A, die zwischen 1991 und 1996 auf der Bahn im Einsatz waren. Sie bewährten sich nicht und man kehrte wieder zur Dampftraktion zurück. Seither rosten die beiden Exemplare im Betriebsbahnhof vor sich hin.


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Bild 8: Die Türen zum Betriebswerk öffnen sich. Im Hintergrund das Werkstattgebäude, davor stehen eine angeheizte Dampflok und zwei E-Loks, die auf ihren nächsten Einsätze warten. Ganz links befindet sich die Kohleentladung.


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Bild 9: Außerhalb der Werkstatt stapelt sich jede Menge Schrott.


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Bild 10: In der Werkstatt für Eisenkleinteile schuften die Männer und die Frauen tratschen. Warum sollte das in China anders sein?


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Bild 11: Blick in die Werkstatthalle, wo gerade zwei Dampfloks generalüberholt werden.


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Bild 12: In der großen Werkstatthalle wird bei schummrigem Licht aus ein paar Glühbirnen ebenfalls fleißig gewerkelt.


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Bild 13: Der Arbeitsschutzbeauftragte schaut jetzt lieber mal weg. Wobei, die Arbeiter tragen immerhin Handschuhe. Wer braucht bei Schweißarbeiten schon Helm oder Gesichtsschutz?


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Bild 14: Lässig mit der Kippe im Mund wird am Gestänge gewerkelt.


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Bild 15: Das Führerhaus wird ebenfalls komplett neu eingekleidet.


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Bild 16: Blick auf das Werkstattgleis, auf dem die beiden Loks gerade generalüberholt werden. Richtig gearbeitet wurde gerade nur an der Lok im Hintergrund. Woher der viele Schutt kommt, der überall in der Halle verteilt war? Ich weiß es nicht. Vielleicht stammt er noch vom verheerenden Erdbeben in Sichuan im Jahre 2008, dessen Folgen ja auch in Shibanxi zu spüren waren.


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Bild 18: Im Schein einer Glühbirne wird an der Werkbank gearbeitet.


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Bild 19: Hinweis für den Arbeits- und Feuerschutzbeauftragten. Es gibt immerhin einen Feuerlöscher an der Wand.


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Bild 20: Relativ modern im Vergleich zum Rest der Werkstatt sieht diese Drehmaschine aus.


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Bild 21: Wir wechseln mal die Lokation und schauen in der Schmiede vorbei. An diesem Schmiedehammer wird gerade nicht gearbeitet, denn ...


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Bild 22: … ein Arbeiter hat gerade ein „heißes Eisen im Feuer“.


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Bild 23: Das Eisen ist jetzt wohl heiß genug, um …


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Bild 24: … mit dem Schmiedehammer bearbeitet zu werden.


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Bild 25: Im Materialraum hat man den Schutt bereits zusammengekehrt und in den Schubkarren geladen.


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Bild 26: Kreideanschrift auf einer der beiden Loks, die gerade generalüberholt wurden. Die Lok hat noch die originale Beschriftung mit Typbezeichnung ZM16-4 und Nummer 72. Bei den im Einsatz befindlichen Loks fanden sich nur noch die internen Nummerierungen der Loks.


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Bild 27: Mit Hilfe einer einfachen Glühbirne wird der Zylinder einer der beiden Loks inspiziert. Sonderlich zufrieden mit dem was er sah war der Vorarbeiter nicht.


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Bild 28: Oha, war der Arbeitsschutzbeauftragte da? Auf Bild 13 wurde ja noch ohne Gesichtsschutz geschweißt.


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Bild 29: Auch auf der anderen Seite der Lok wurde der Zylinder einer genaueren Inspektion unterzogen.


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Bild 30: Charakteristisch für chinesische Dampfloks sind die großen Frontlampen die meist auf den Kesseln montiert werden.


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Bild 31: Ein letzter Blick auf die Lokreparatur.


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Bild 32: Wir verlassen die Werkstatthalle, am Eingang wartet eine angeheizte Dampflok zusammen mit ihren beiden E-Lok Geschwistern auf die nächsten Einsätze.



Eigentlich waren wir schon viel zu spät dran, die Reiseleitung zog es aber noch zur benachbarten Kohleentladung. Also nichts wie hinterher und so konnte auch noch die Entladung von Kohlewaggons fotografisch festgehalten werden.

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Bild 33: Da direkt neben der Werkstatt die Kohleentladung liegt, statten wir ihr auch noch einen kleinen Besuch ab.

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Bild 34: Auf dem Rückweg zum Bus kommen wir nochmals an den abgestellten Dieselloks vorbei. Diesellok Nr. 1 wurde inzwischen unfreiwillig sogar zum Blumentopf.


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Bild 35: Ein letzter Blick auf den Betriebsbahnhof.


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Bild 36: Die Bewohner der angrenzenden Eisenbahnersiedlung haben wohl alle neue Waschmaschinen bei Haier bestellt.



Nun hieß es Abschied nehmen von der herrlichen Schmalspurbahn in Shibanxi, die Rückfahrt nach Chengdu stand an, von wo aus es am Nachmittag mit dem Flugzeug weitergehen sollte. Der BW-Besuch zog sich etwas in die Länge und die Reiseleitung war bezüglich des Zeitplans schon reichlich nervös, das Flugzeug würde schließlich nicht auf uns warten. Damit nicht genug. Als wir in Leshan ankamen und auf die Autobahn fahren wollten, herrschte dort ein heilloses Verkehrschaos mit endlosen Staus. Der Grund war schnell gefunden. Bei dichtem Nebel werden in China einfach die Autobahnen geschlossen, um Massenkarambolagen zu vermeiden. Das macht bei der Fahrweise der Chinesen durchaus Sinn. Aber wir waren unbedingt auf die Autobahn angewiesen, über Landstraßen hätten wir ein Vielfaches der kalkulierten Zeit benötigt. Die Reiseleitung wurde noch nervöser und sah den Flieger in Chengdu schon ohne uns abheben. Aber der Busfahrer fand einen Schleichweg zu einer Autobahnauffahrt, die noch nicht gesperrt war. Die Autobahn war dank der eigentlichen Sperrung komplett leer und so konnte der Busfahrer ordentlich Gas geben und verlorene Zeit hereinholen.

Die Autobahn blieb bis Chengdu praktisch komplett leer, nur vor den Rastplätzen gab es auf dem Seitenstreifen kilometerlange LKW-Staus. Die LKWs warteten alle auf Diesel, bei dem es landesweit seit mehreren Wochen akute Lieferengpässe gab. Das lag daran, dass die chinesische Regierung einige Wochen zuvor eine neue Kampagne gegen Energieverschwendung gestartet hatte. Und in China macht die Politik gleich Nägel mit Köpfen und beschließt keine verwässerten Kompromissvorschläge auf Basis von Gesetzesvorschlägen aus Lobby-Gruppen. So wurden Fabriken, die besonders energieineffizient operierten, kurzerhand vom Stromnetz getrennt. Die Fabrikbesitzer wollten die Produktion aber aufrechterhalten und kauften sich einfach Dieselgeneratoren, anstatt ihre Betriebe auf Energieeffizienz zu trimmen. Folglich stieg der Bedarf an Diesel kurzfristig rapide an und im ganzen Land gab es Lieferschwierigkeiten.

Das in Chengdu geplante Mittagessen musste aus Zeitgründen entfallen, aber wir schafften es immerhin noch gerade rechtzeitig zum Flughafen. Der Check-In Counter wurde gerade geschlossen, wir durften aber noch einchecken. Zum verspäteten Mittagessen gab es dann Sandwiches von „Subway“ im Flughafen, das Stück für umgerechnet über 10€! War uns aber egal, denn wir hatten ja alle Vollpension gebucht. Dem Reiseveranstalter war es sichtlich nicht egal, aber (so viel sei schon mal im Voraus gesagt) trotz der ungeplanten Ausgabe konnte die Reise bis zum Schluss uneingeschränkt stattfinden. Wohin der Flug führte, erfahrt ihr dann im nächsten Bericht. Dann steht nämlich der Besuch im nächsten Dampfparadies auf dem Programm. Statt üppiger Vegetation gibt es nur Wüste, dafür verdoppeln wir praktisch die Spurweite. Ich hoffe, dass ihr dann trotzdem wieder alle dabei seid.










Zugliste

Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
07.11. Zug 2 Shixi Huangcunjing 18 Dampf 762mm
07.11. Zug 4 Jioba Yuejin 10,3 Dampf 762mm
08.11. Zug 1 Yuejin Bagou 12,1 Dampf 762mm
08.11. Zug 4 Caiziba Mifengyan 1,9 Dampf 762mm






2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:11:22:12:09:56.
Wahnsinn. Toller Beitrag. Wenn man das mit Shanghai vergleicht, da liegen mindestens 50 Jahre dazwischen.
Total vernebelt:dann Fotos in den Innenräumen schiessen,wenn die Kamera dazu geeignet ist.
Vielen Dank,Florian!
Im Bild 28 wird aber elektrisch geschweist;in den Lichtbogen schaust Du nur wenige Sekunden,
dann hast Du schon Probleme mit den Augen!Ging mir früher mal so:mehrere Tage Tränen.
Beste Grüsse
Olaf

Wieder super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 22.11.16 20:23

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de] - Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de]
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Tja, da kann man sich ein Bild machen, wie vielleicht auch bei uns vor 100 oder 130 Jahren gearbeitet wurde...

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
Sehr richtig - Bild 28 ist E-Schweißen, während oben autogen (also mit Acetylen und Sauerstoff) geschweißt wird . Bei letzterem reicht eione Schutzbrille gegen Funken, bei Ersterem kann man sich übelst an der UV Strahlung die Augen verblitzen!

Die Werksttstilleben sind ganz wunderbar und atmosphärisch dich - toll!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(