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Dieses Jahr gibts keinen Reisebericht aus Rumänien, denn ich hatte meinem Kollegen und langjährigen Kumpel Patrick aus Berlin versprochen, mit ihm das Land seines Vaters zu bereisen.
Bislang war Neapel der südlichste von mir in Italien erreichte Punkt.
Die gemeinsame Reise haben wir lange vor uns hergeschoben, doch im September 2016 sollte es losgehen, damit ich das "Land der Schnurrbartfrauen" kennenlernen konnte.
Nun werdet Ihr Euch sicher fragen, was sind denn "Schnurrbartfrauen"?
Nun, die Erklärung ist simpel: Viele Schwarzhaarige Südländerinnen neigen zu "Damenbart".
Allerdings stellte sich auf Sizilien heraus, dass die Moderne Damenkosmetik und die Elektroindustrie mit Enthaarungswachs und Empiliergeräten offenbar "Vollendete Tatsachen" geschaffen hat und wir
während unseres Aufenthaltes -trotz "Augen auf"- auf der Insel keine einzige Frau mit "Bart" entdecken konnten.

Patrick übernachtete vom 16. auf den 17. September bei mir und zum Abendessen grillte ich uns rumänische "Carnati" und zu Trinken gab es Original "Timisoreana" Bier und Tuica aus der Maramures.
Dies war mein Beitrag zu Patricks Meinung, Sizilien sei "Rumänien für Anfänger". ;-)

Bevor es losgeht, gibt es zuerst die Streckenkarten zur Veranschaulichung der befahrenen Strecken:

Deutschland
https://abload.de/img/gerfahrenestreckenregtsukd.gif
https://abload.de/img/gefahrenestreckendsiztbunn.gif

Schweiz
https://abload.de/img/gefahrenestreckenchsibauib.gif

Italien
https://abload.de/img/gefahrenestreckenisizzsusr.gif

Bei der Reiseplanung beschlossen wir, nicht mit FIP-Freifahrt zu fahren, sondern -vergleichsweise günstige- Onlinetickets zu nutzen, zumal Patrick einen Account bei der Trenitalia hat.
Hierfür Ausschlaggebend waren die teilweise recht hohen Aufpreise für den Schlafwagen und die teilweise Globalpreispflicht des EC 56, nicht zu vergessen der "Geldwerte Vorteil", den Herr Schäuble zugunsten Ausgabefreuduger Minister auf die Freifahrten erhebt.
Nicht, dass ich es nicht in Ordnung fände, einen geldwerten Vorteil nicht zu versteuern, aber Summa Summarum war die angewendete Methodik preislich sehr attraktiv.
Und in der 1.Klasse bekommt man schlicht mehr Reisekomfort, zumal es ja eine recht lange Strecke ist von Baden nach Sizilien.
Von Mailand nach Acireale im Einzelabteil hat schon was für sich!
Für die Fahrten mit der FS auf Sizilien nutzten wir die FIP-Ermäßigungskarte.

Hier nun die Reisedokumente:
https://abload.de/img/fs1.kl.baselbadbf-sbby6uvn.jpg
https://abload.de/img/fs1.kl.baselsbb-milanroo4s.jpg
Die Fahrt 1. Klasse von Basel SBB nach Milano Centrale war recht günstig

https://abload.de/img/pnvtagesk.milano17.0943od5.jpg
Die Tageskarte für den ÖPNV in Milano

https://abload.de/img/onlinet.1.kl.wlmilanoe3yof.jpg
Nur 94,90€ pro Person im Single-Schlafwagen für rund 1600km, das nenne ich einen wirklich attraktiven Preis

https://abload.de/img/div.ticketsfsfce19.0985rck.jpg
Fahrkarten FS, Metro Catania und FCE (Catania Borgo-Bronte-Catania Borgo) Patrick hat 5,00€ für die Erdbebenopfer in Italien gespendet, was ganz einfach am Fahrscheinautomaten der FS in Acireale funktionierte.

https://abload.de/img/ticketsfs20.09.2016axr5t.jpg
https://abload.de/img/ticketsfs21.09.20161v2q86.jpg
https://abload.de/img/ticketsfs21.09.20162jhp6d.jpg
https://abload.de/img/onlinet.acireale-roma6rpt9.jpg
https://abload.de/img/ticketsfs23.09.2016pn87pmz.jpg
Letzteres Bild zeigt ua. auch eine Tageskarte für den ÖPNV in Rom

Doch nun genug der Theorie, jetzt gehts los!

Samstag, 17.09.2016

Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns auf zum Haltepunkt Wössingen Ost, wo wir um 08:27 Uhr in die S-4 Nach Karlsruhe Hbf einstiegen.
In Karlsruhe noch am Bankautomaten ein wenig "Reisegeld" gezogen und dann rauf zum Gleis 2, wo unser ICE 275 nach Basel pünktlich abfuhr.

https://abload.de/img/sam_3364zugzielanzeig7bkv0.jpg
Zugzielanzeiger in Karlsruhe Hbf

Nach einer ereignislosen Fahrt durch die Oberrheinebene erreichten wir auf die Minute pünktlich Basel Badischer Bahnhof, wo die "Fresskiste" versorgt wurde.

https://abload.de/img/sam_3365baselbad.bf.boujhy.jpg
Im badischen Bahnhof von Basel warteten Lok 174 der BLS (links hinten), die 242 517 von Hectorrail und eine unerkannte 120 der DB (mitte) und ein 643 der DB auf neue Einsätze

https://abload.de/img/sam_3366zub-wechselin05k4c.jpg
Das Bord Restaurant bekommt frische Ware

https://abload.de/img/sam_3367patrickbaselbynus4.jpg
Patrick vor unserem Wagen

Nachdem die Fresskiste versorgt war, ging es dann die restlichen Kilometer zum Bahnhof Basel SBB.
Über Bordlautsprecher wurde den Fahrgästen Bekannt gegeben, dass dieser Zug heute in Basel SBB endet und ein Ersatz-ICE nach Interlaken Ost weiterführe.

https://abload.de/img/sam_3368baselsbbtrinkeouqa.jpg
Sucht man in Deutschland seit Jahren vergebens: Trinkwasserbrunnen in Basel SBB

https://abload.de/img/sam_3369abfahrtsanzeibsu3k.jpg
Unser EC 56 nach Milano soll also von Gleis 3 abfahren.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Zug machten wir einen kurzen Zwischenstopp im Raucherbereich, schließlich hatten wir ja noch reichlich Zeit.

https://abload.de/img/sam_3370ec56baselsbb-vjuk8.jpg
Unser EC 56 (Basel-Milano) besteht also aus einem ETR 610 der SBB

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Zuglaufanzeige an unserem EC 56

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Wagennummer unseres Wagens 1, in welchem unsere reservierten Plätze waren

Nachdem wir den modernen Zug von außen bestaunt hatten, stiegen wir ein, suchten unsere Plätze auf und verstauten unser Gepäck.
Ich war überrascht, wie bequem die Sitze in der 1.Klasse des ETR 610 sind, da kann man die Ledersitze im Deutschen ICE glatt in die "Tonne kloppen"!

https://abload.de/img/sam_3372patrick15u5i.jpg
Patrick hat es sich schon bequem gemacht

https://abload.de/img/sam_3396meinereservie4iq8t.jpg
Die Reservierungsanzeige über meinem Platz (Sie zeigte die Reservierung übrigens bis zur Ankunnft in Mailand an)

https://abload.de/img/sam_3374ingo3quea.jpg
Auch ich genieße den hohen Sitzkomfort

Da es noch Zeit bis zur Abfahrt war, schoss ich auf dem Bahnsteig noch schnell ein Foto von einer Re 4/4, deren "Stern" ja auch im Sinken begriffen zu sein scheint.

https://abload.de/img/sam_3376re4_41190mitikblgy.jpg
Re 4/4 1190 vor IR 2323 (Basel - Locarno) in Basel SBB

Kurz vor Abfahrt unseres Zuges füllte sich unser Großraumabteil deutlich.
Viele Amerikanische und Asiatische Touristen wollten wohl auch nach Ialien.
Kurz nach der Abfahrt beschlossen wir, den Speisewagen für ein kleines Mittagessen aufzusuchen.
"Klein" deshalb, weil wir vereinbart hatten in Mailand "richtig" zu Abend zu essen.
Auf dem Weg zum Speisewagen fiel mir im Einstiegsbereich noch eine "Hinweistafel" der SBB mit klaren Verhaltensregeln für die Fahrgäste auf.

https://abload.de/img/sam_3377unmissverstndnyunx.jpg
Da wird im Gegensatz zu Deutschland wenigstens "Klartext" geschrieben

Im Speisewagen angekommen, nahmen wir an einem 4er Tisch Platz (Bis auf weitere 2 Plätze war die Kiste voll) und gaben der Kellnerin unsere bestellung auf, während wir durch Liesthal rauschten.

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Gut gekühltes "Feldschlösschen" (Nur Original aus der Schweiz!)

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Als Genussmensch ist das "Futterfoto" obgligatirisch: "SBB-Plättli" (Das runde "Gelbe" vorne links auf dem Teller ist eine Trockenfruchtpaste)

Unser "SBB-Plättli" bestand aus Bündnerfleisch, Wildbachkäse, Gruyére, Emmenthaler und Tomme de Vache (Mini-Brie), garniert war das Ganze mit Essiggürkchen, Silberzwiebeln und einer Paste aus Trockenfrüchten, letztere gab einen wunderbaren Kontrast zum Käse.
Dazu reichte man uns Mini Laugengebäck.
Nun, das "Plättli" war nicht ganz "billig" (19,90€), aber erstens waren wir in der Schweiz, Zweitens im Urlaub und drittens waren wir nicht im Supermarkt! ;-)

Hinter Bern begaben wir uns zu unseren Plätzen zurück.
In Bern hatte sich die erste Klasse bis auf 3 Plätze restlos gefüllt.
Wir genossen die sehr entspannte Reise durch das Schweizer Voralpenland und erreichten (wie sollte es bei der SBB anders sein) Spiez auf die Minute pünktlich.
Hinter Spiez erblickten wir den Thuner See, welcher wunderschön inmitten der herrlichen Berge liegt.

https://abload.de/img/sam_3382entlangdesthuhrux6.jpg
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Entlang des Thuner Sees (ich bitte, die Spiegelungen durch die Fensterscheibe zu entschuldigen)

Die Fahrt durch den endlos langen Lötschberg-Basistunnel nutzte ich, das Bier "wegzubringen", anschließend kam das "Wägeli", wie die Minibar in der Schweiz genannt wird und ich spendierte uns einen doppelten Espresso, welchen wir bei der anschließenden Fahrt im Rhonetal bis Brig genossen.

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Von aussen ziemlich verranzt wirkender Wagen der SBB im Bahnhof Brig (Patrick erklärte mir, dass an den dunklen Flecken, die Folie weg sei)

Unmittelbar hinter dem Bahnhof Brig kam das nächste "lange Loch", der Simplon-Tunnel.
Im Simplon-Tunnel verläuft die Grenze zwischen der Schweiz und Italien.
Am südlichen Ende des Tunnels hieß es dann endlich:
Benvenuti in Italia!

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Willkommen in Italien! (Kurz vor Domodossola)

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Im Bahnhof Domodossola, welcher seine Einstige Bedeutung wohl weitgehend verloren zu haben scheint

Mit jedem Kilometer Richtung Süden wurde die Landschaft langsam "flacher" und wir erreichten den berühmten Lago Maggiore, an welchem wir ein paar Kilometer entlang fuhren
Leider ist die Strecke dort ziemlich zugewachsen, was das Fotografieren aus dem fahrenden Zug zu einer Nervenaufreibenden Angelegenheit werden ließ.
Patrick weiss, welche "schlimmen" Worte ich voller Ingrimm vor mich hin murmelte. :-)

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Das einzig halbwegs brauchbare Foto vom Lago Maggiore

Nach einer anschließend landschaftlich eher langweiligen Fahrt durch eine riesige Ebene erreichten wir die Vororte von Mailand.
Bei der Einfahrt in den Bahnhof Milano Centrale erspähte ich in der Abstellgruppe ein paar "Leckerlis".

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Ein "Italo", dieser Hochgeschwindigkeitszug wird nicht von der Trenitalia betrieben

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Ein "Frecciacabina" mit einer modernen E402, der Wagenpark besteht aus ehemaligen "Gran Comfort" Wagen

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Dahinter lugt ein Triebkopf eines "Frecciabianca" hervor

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JETZT sind wir wirklich in Milano Centrale! Die "berühmte" unter Denkmalschutz stehende "Cabina A"

Nachdem die Massen aus unserem Wagen größtenteils ausgestiegen waren, begaben auch Patrick und ich uns auf den Bahnsteig.
Unglaublich, die Fuhre musste wohl in der 2. Klasse zu 100% ausgebucht gewesen sein, soo viele Menschen!
Diese Massen stauten sich dann am Bahnsteigende zum Querbahnsteig zu einem unüberschaubaren Knäuel.
Dann machte mich Patrick auf den Grund aufmerksam: Die Ausgänge waren zur Hälfte durch eine Zugangskontrolle "blockiert", so dass nur 2 "Reihen" Leute durch den Ausgang gehen konnten.
Die Reisenden, die zu den Bahnsteigen wollten, mussten an den etwas "provisorisch" wirkenden "Sperren" ihre Fahrscheine dem Kontrollpersonal der FS im Beisein von "Security"-Leuten vorweisen.
Entsprechend lang waren die Schlangen davor.
Patrick und ich philosophierten darüber, welcher "Shitstorm" wohl im höchstgradig verwöhnten Deutschland losbrechen würde, wenn die DB die Fahrgäste auf den großen Bahnhöfen kontrollieren würde.
Amüsiert begaben wir uns in das "Tiefgeschoss" zur Gepäckaufbewahrung, wo wir nach Vorlage unserer Personalausweise das Gepäck abgeben konnten.
Schließlich hatten wir knapp 3 1/2 Stunden Aufenthalt.

Danach machten sich bei mir Nikotinmangel und Durst bemerkbar.
Also raus aus dem Nordausgang und Patrick orderte Dank seiner guten Italienischkenntnisse an einem Kiosk zwei "Chino" (erinnerte mich irgendwie an "Zonen-Cola" in der ehemaligen DDR, nur dass ein Hauch Orangengeschmack den Geschmack erheblich verbesserte).

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Ein wahlich imposanter Anblick: Der Bahnhof Milano Centrale vom Bahnhofsvorplatz aus gesehen

Wir kauften uns eine Tageskarte und fuhren mit einmaligen Umsteigen mit der Metro in die Stadt.

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Der Mailänder Dom

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Die Passage "Vittorio Emanuele II", ein wahrer "Edel-Konsumtempel", wo Geschäfte von Marken wie "Prada", "Gucci", "Dolce&Gabana"die Herzen von verwöhnten "Edel-Shopping-Miezen" bis zur Extase höher schlagen lassen.
Aber auch einige Restaurants und Bars sind in der Passage vertreten.

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Viel Betrieb in der Passage, aber die meisten schienen nur "Seh-Leute" gewesen zu sein

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Wagen 1757 der Mailänder Straßenbahn fährt an der "berühmten" Mailänder Scala (rechts) vorbei

Die Scala hatte ich mir imposanter vorgestellt, der unscheinbare "Schuppen" ist also berühmt und soll die "Eliten" der Musischen Szene in wahre Extase versetzen?
Naja, wer´s braucht, mein "Ding" ist sie jedenfalls nicht, ganz im Gegensatz zu den urigen Straßenbahnen, da wollte ich unbedingt mal mitfahren!
Also sprangen wir in die nächstbeste und fuhren erstmal drauf los.
Wohin die fuhr? Keine Ahnung, war auch egal.

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Gut besucht, das Wägelchen, man beachte die gläsernen Lampenschirme der Deckenbeleuchtung

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Wer macht denn sowas? Hinweis in der Mailänder Tram: "Spucken verboten"...

Wie genossen noch ein Weilchen die Fahrt und spähten nebenbei nach einem Resaturant oder einer Trattoria Ausschau, den wir wollten noch was zu Abend essen.
Dann entdeckten wir ein Café-Restaurant an einem Platz, wo sich auch ein futuristisch anmutendes Gebäude befand.
Kurzerhand beschlossen wir, mal schnell das ominöse moderne Gebäude von innen anzusehen und siehe da, wir waren auf dem...

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Bahnhof Milano Nord gelandet! So ein Zufall

Dort warteten einige Doppelstock-ET der Trenord auf Pendler.

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Ale 711 085 und 028

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Ale 711 155 nach Asso wartet auf die Abfahrt

Die futuristisch anmutenden Ale 711 haben ein m.E. etwas "gewagtes" Design, sind aber deutlich schöner als die scheußlichen "U-Boote" der privaten JHMD in Tschechien.
So, der Hunger meldete sich, also ab in das vorhin erspähte Café-Restaurant, wo es auch "richtiges" Essen gab.

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Mein Abendessen: Tagiatelle alla Bolognese

Interessant war für mich die Tatsache, dass in Italien die in Deutschland höchst beliebten Spaghetti Bolognese völlig unbekannt sind.
Zur Bologneser Sauce verwendet man in Italien Tagiatelle, da diese deutlich besser die Sauce aufnehmen.
Wieder was gelernt!

Auf dem Weg zur Metrostation erspähten wir noch eine alte Tram.

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Auch ein schöner Rücken kann entzücken: Wagen 2000 vor dem Bahnhof Milano Nord

Neben dem Eingang zur Metro entdeckte Patrick einen Supermarkt, wo wir uns noch ein Sandwich als Ergänzung zum Frühstück am nächsten Morgen kauften.
Das Frühstück in Italien ist ja für uns Deutsche eine sehr "spartanische" Angelegenheit.
Kaffee und ein Cornetto (Hörnchen) oder anderes Süßgebäck sind nun mal nicht gerade viel.
Mit der Metro ging es dann zurück zum Bahnhof Milano Centrale.
Dort holten wir unter Vorlage der Quittung und des Personalausweises unser Gepäck ab (Det jibt et doch jarnich!) und während Patrick vor dem Supermarkt wartete, besorgte ich uns noch etwas Schlummertrunk.
Schnell noch eine Zigarette gequalmt und dann durch die "Bahnsteigsperre" auf den Querbahnsteig.
Im Gegensatz zu Deutschland wird das Abfahrtsgleis erst einige Minuten vor der Abfahrt des Zuges angezeigt.
Aber Neugierig, wie ich auch von Berufs wegen bin, ging ich zu einem an einem Bahnsteig stehenden Nachtzug und erkundete die "Lage".
Und siehe da, es war unser InterCityNotte 35563 ("Schnurrbartfrauen-Express") nach Siracusa, welcher uns nach Acireale bringen sollte!
Also schnell zurück zum Querbahnsteig und mit Patrick zu unserem Schlafwagen.

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Unser Domizil für die nächsten 17 Stunden: Schlafwagen des ICN 35563 in Milano Centrale

Wir bezogen unsere nebeneinander liegenden Abteile und der Schlafwagenschaffner kontrollierte unsere Onlinetickets mittels Scanner.
Patrick entdeckte die Zwischentür in seinem Abteil und öffnete sie kurzerhand.
Prima, so mussten wir nicht über den Seitengang, wenn wir einander zum Schlummerbierchen besuchen wollten!
Für Patrick war diese Schlafwagenreise eine Premiere.
Na denn, ich war gespannt, ob und wie ihm die "gehobene, kultivierte Art" des Nachtzugreisens zusagen würde.

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Blick in mein Abteil, hinten auf der Öffnung der Klimaanlage die obligatorischen Getränke, darunter in der Tüte das Sandwich fürs Frühstück am nächsten Morgen

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Mein Kopfkissen ist noch in einer Plastikhülle (Kunststoff auf Kartoffelstärke-Basis, biologisch abbaubar)

Claudia Roth und andere Öko-Jünger hätten ihre wahre Freude gehabt! ;-)

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Schlummertrunk (links), Cola (für den Durst "zwischendurch) und Mini-Salamis warten auf ihre Vernichtung im Laufe des späteren Abends

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Patrick vor seinem Abteil im Seitengang unseres Schlafwagens

Auf die Minute pünktlich setzte sich unser Zug in Bewegung und wir tranken gemütlich das erste Bierchen.
Patrick äußerte sein äußerstes Wohlgefallen, auf diese Art zu reisen.
Ich erklärte ihm, dass es halt "Transport" und "Reisekultur" gebe, letztere sei ja (weil etwas "teurer") bekanntlich langsam am Aussterben, aber ich gedenke diese gepflegte Art des Bahnreisens so lange es geht weiter zu nutzen.

Da wir 2018 gemeinsam nach Rumänien reisen wollen, wird Patrick spätestens dann wieder Gelegenheit haben, die "Kultivierte" Art des Reisens erleben zu dürfen.

Während wir die lange Brücke über den Po überquerten und unser Zug der Hafenstadt Genua entgegeneilte, unterhielten wir uns über meine unzähligen Nachtzugreisen in Europa (und 1993 im Osten der USA).
Nachdem ein gutes Stück hinter Genua das letzte "alkoholische Getränk" (Anm. für Patrick: Det is Toxisch!)in Form eines Bieres (2 für jeden) leer war, beschlossen wir den tag zu beenden.
Der Vorteil beim Schlafwagen ist der Umstand, dass sich im Abteil ein Waschbecken befindet und man zur Abendtoilette nicht über den Gang zum waschraum muss.
Also Zähne geputzt und ab ins Bett, wo ich alsbald ins Reich der Träume hinüberglitt.

Ob Patrick in dieser Nacht wohl von Schnurrbartfrauen geträumt hat?
Das wird wohl sein Geheimnis bleiben. ;-)

So, nun ist erstmal genug, der zweite Teil dieser Hochinteressanten und sehr angenehmen Reise kommt voraussichtlich am Donnerstag.
Ich hoffe, der Bericht hat Euch gefallen.

Ingo

Hier geht es zu den weiteren Teilen (wird nach Veröffentlichung derselben ergänzt):

2. Teil: [www.drehscheibe-online.de]
3. Teil: [www.drehscheibe-online.de]
4. Teil: [www.drehscheibe-online.de]
5. Teil: [www.drehscheibe-online.de]
6. Teil: [www.drehscheibe-online.de]



8-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:12:11:19:26:16.

Schöner Beginn, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 22.11.16 20:22

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Anmerkungen von der Reisebegleitung

geschrieben von: PatrickBln

Datum: 22.11.16 20:23

Salve,

als erwähnte Reisebegleitung möchte ich noch einige Anmerkungen machen. Zunächst, mit einem ernsten Hintergrund, dass ich es einfach unglaublich schön fand, 2.500 Kilometer mit der Bahn quer durch Europa zu reisen. In Zeiten, in denen viele Leute an Europa zweifeln ist eine solche Reise für mich ein sehr beeindruckender Beweis, was freie Grenzen bedeuten und wie einfach es ist, mit einer Währung zu bezahlen. Ich möchte das alles nicht mehr missen.

Die von Ingo erwähnte Route ist ja bereits ein Klassiker unter Eisenbahnfreunden und in der Tat besteht mit dem ICN Mailand–Siracusa/Palermo eine der längsten, täglich betriebenen, Nachtzugverbindung auf dem Kontinent. Es ist wohl auch einer der subventioniertesten Züge der Trenitalia. Der Fahrpreis ist sehr günstig, das Wagenmaterial ein wenig „antik“ und jedes Jahr steht traditionell das Zugpaar Mailand–Sizilien auf der Kippe und wird nur durch politischen Druck weiter betrieben.

Ingo Oerther schrieb:
Mit jedem Kilometer Richtung Süden wurde die Landschaft langsam "flacher" und wir erreichten den berühmten Lago Maggiore, an welchem wir ein paar Kilometer entlang fuhren
Leider ist die Strecke dort ziemlich zugewachsen, was das Fotografieren aus dem fahrenden Zug zu einer Nervenaufreibenden Angelegenheit werden ließ.
Patrick weiss, welche "schlimmen" Worte ich voller Ingrimm vor mich hin murmelte. :-)
Hast Du Deine Murkskamera inzwischen weggeworfen ;-)?

Ingo Oerther schrieb:
Dann machte mich Patrick auf den Grund aufmerksam: Die Ausgänge waren zur Hälfte durch eine Zugangskontrolle "blockiert", so dass nur 2 "Reihen" Leute durch den Ausgang gehen konnten.
Die Reisenden, die zu den Bahnsteigen wollten, mussten an den etwas "provisorisch" wirkenden "Sperren" ihre Fahrscheine dem Kontrollpersonal der FS im Beisein von "Security"-Leuten vorweisen.
Entsprechend lang waren die Schlangen davor.
Patrick und ich philosophierten darüber, welcher "Shitstorm" wohl im höchstgradig verwöhnten Deutschland losbrechen würde, wenn die DB die Fahrgäste auf den großen Bahnhöfen kontrollieren würde.
Vor allem weil diese albernen Zugangskontrollen genauso sinnlos sind, wie die Passagierkontrolle auf spanischen Fernbahnhöfen. Was leider auffiel ist, dass die Unbeschwertheit in Italien vorbei ist. Einen kleinen Schock habe ich bekommen, als in den Schalterhallen der Metro in Mailand und auch in Rom viele mit Maschinenpistolen bewaffnete Soldaten herumstanden. Bei Verkehrskontrollen auf Sizilien nahm ich den Anblick schwer bewaffneter Carabinieri bereits Anfang der 80er Jahre wahr, Soldaten in Verkehrsanlagen allerdings bisher nur aus Frankreich.

Ingo Oerther schrieb:
Also raus aus dem Nordausgang und Patrick orderte Dank seiner guten Italienischkenntnisse an einem Kiosk zwei "Chino" (erinnerte mich irgendwie an "Zonen-Cola" in der ehemaligen DDR, nur dass ein Hauch Orangengeschmack den Geschmack erheblich verbesserte).
Die Brause heißt offiziell „Chinotto“ und hat vermutlich den doppelten Zuckergehalt und Farbstoffanteil einer Coca-Cola. Durch das enthaltene Chinin hilft diese Brühe aber gut gegen Halsschmerzen, wirkt verblödend und hilft angeblich gegen Potenzstörungen. Hier sehe ich deutliche Unterschiede zur „Zonen-Cola“.


Ingo Oerther schrieb:
Für Patrick war diese Schlafwagenreise eine Premiere.
Na denn, ich war gespannt, ob und wie ihm die "gehobene, kultivierte Art" des Nachtzugreisens zusagen würde.
Ja, war es, ja, hat es. Die damaligen Reisen zur Verwandtschaft wurden im Liegewagen (Brüssel-Rom-Express) von Luxembourg durchgeführt. Ich erinnere mich noch daran, dass wird durch eine gezielte Bestechung des Liegewagenschaffners durch meinen Vater immer ein Abteil für uns alleine hatten ;-).

Ingo Oerther schrieb:
Ob Patrick in dieser Nacht wohl von Schnurrbartfrauen geträumt hat?
Nein, hat er nicht. Zum Träumen kam er nämlich, dank der Flachstelle am Drehgestell und trotz Ohropax nicht. Außerdem kleiner Praxistipp für Leser, die sich auch auf diese Reise begeben wollen: Bitte ein klein wenig Tapeband mitnehmen um die Sprechstelle abzukleben, die sich direkt neben dem Bett befindet. Alle zwei Sekunden blinkt an dieser nämlich eine grüne LED auf, die das Abteil stroboskopmäßig und taghell erleuchtet. In diesem Sinne, Gute Nacht!

https://farm1.staticflickr.com/869/27921841298_515929d3d5_c.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:11:23:00:17:05.
Zum Fahrausweis Basel Bad Bf-Basel SBB: Der Preis der DB ist ja abartig teuer. Im Tarifverbund und direkt über die App der SBB gebucht, kostet der Spass CHF 6.20

Zum ETR 610: Eigentlich ist es ein RABe 503 (2. Serie ETR welche direkt durch die SBB beschafft wurden) :) Die ETR 610 fahren eigentlich fast ausschliesslich am Gotthard und die 4 aktuell zu liefernden RABe 503 fahren vorzüglich die EC 37/42 damit sie möglichst schnell die gewünschte Anzahl Kilometer erreicht haben. Und die Sitze sollen komfortabel sein? Ich teile diese Meinung nur bedingt und bevorzuge den ICE-Sitz (auch wenn die alten ICE-Sitze bequemer waren) und die Züge dieser Bauart haben einer der bescheidensten Sitzabstände der Züge welche in Italien als Freccia fahren...

Zum Essen im EC: Als Kunde der 1. Klasse hätte es dies auch in der 1. Klasse gegeben (einfach den Wunsch äussern, wenn die Minibar vorbeikommt. So riskiert man seinen Platz nicht, insbesondere zwischen Basel und Brig, besteht da durchaus die Gefahr :)

Die Zutrittskontrolle in Mailand wurde insbesondere wegen den Bettler, unerwünschter Gepäckträger (sind nun als solche gekennzeichnet) und anderen komischen Gestalten eingeführt. Und das ist gut so, denn auf dem Weg nach Sizilien (etwas später dieses Jahr und mit Freccia bis Neapel) wurde ich in Neapel von einer dieser kuriosen Gestalten blöd angequatscht als ich mich etwas umsehen wollte und unschlüssig war, was ich nun in den nächsten rund 45 Minuten machen wollte. Nach diesem Erlebnis war dann schnell klar, dass ich die "1h nach Ankunft"-Regel nutzen könnte und es mir im Freccia-Club gemütlich mache.
Ich hatte für meinen Ausflug ab der Schweiz aber auch nur 3,5 Tage zur Verfügung und Nachtzug ist nicht so mein Ding (schlafen geht da eher schlecht), weswegen ich nach der Prüfung (halber Tag) bis Mailand vorrückte und dann am 2. Tag mit FrecciaRossa 1000 bis Neapel und ab dort mit dem IC nach Catania, 3. und 4. Tag vor Ort und am Sonntagabend mit dem Flieger zurück nach Zürich.