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Moin moin!

Da war der Nil mit seinem nächsten Iran-Teil doch glatt schneller als ich, tz tz tz...
Der Exotik des Irans kann ich natürlich nicht viel entgegensetzen. Aber eine Polizeibegegnung kann ich auch noch anbieten. Sowas kann in Norwegen unter Umständen ja schon mal viel Geld kosten und nicht nur Fingernägel ;-)

Tja, wir waren also in Grong und hatten eigentlich vor, noch weiter südwärts zu fahren. Aber lest selbst...
Und auch wenn es erst nicht so aussieht, aber das eine oder andere Lichtbild konnten wir noch von Schienenfahrzeugen in norwegischer Landschaft anfertigen.

Erster Teil: [www.drehscheibe-online.de] (Anreise und Dovrefjell)
Zweiter Teil: [www.drehscheibe-online.de] (Trondheim und Dovrebahn)
Dritter Teil: [www.drehscheibe-online.de] (Rauma-, Dovre- und Nordlandsbahn)
Vierter Teil: [www.drehscheibe-online.de] (Nordlandsbahn und Besuch an der Küste)

Viel Spaß im Endspurt,
Jan




Montag, 19.09.2016

Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, den Dienstag südlich von Trondheim zu verbringen. Die Korn- und Stoppelfelder rund um die großen Kirchen von Lundamo und Melhus hatten wunderbar golden geleuchtet, die sollten es sein. Doch die Unterkunftfindung in dem Bereich fanden wir äußerst schwierig. Nicht nur bei booking.com war nichts zu finden, das uns anmachte, auch die sonstige Campingplatzsuche im Internet ergab nichts, was uns begeisterte. Wir wollten gern die letzten Nächte stilvoll in einer schönen Hütte mit Du/WC verbringen. Das Hotel in Fauske war zwar toll, aber wir wollten Hütte und kein Hotel. Aber eine voll ausgestattete!

Das Wetter war für Dienstag insgesamt ganz vernünftig angekündigt. Mussten wir denn unbedingt in Richtung Zivilisation fahren, unbedingt noch wieder zweimal durch Trondheim durch? An Maut hatten wir ja genug zusammen, deswegen also bestimmt nicht ;-) Die Hütte in Grong war topp, den mittleren Teil der Nordlandsbahn hatte man immer vernachlässigt, warum sich also nicht mit den müden vier Zügen begnügen und die hier in der Umgebung von Grong bzw im Namdalen, dem Tal des Flusses Namsen, umsetzen?

Nur das Verlängern der Hütte war etwas erschwert. An der Rezeption eines Campingplatzes darf man im Herbst in Norwegen niemanden erwarten. Am Telefon ging bei mehrfachen Versuchen auf zwei Nummern auch keiner ran. Die Hüttenklasse war bei booking allerdings noch verfügbar. So haben wir einfach über booking gebucht und in das Freitextfeld geschrieben, dass dies eine Verlängerung sei. Ein Zettel für eine heute erwartete Gruppe von Gästen an der Tür zur Rezeptionsbude ließ darauf schließen, dass die Platzverwaltung sich heute komplett frei genommen hatte. Wir ließen unseren Kram einfach in der Hütte und starteten.

Heute sollte die Sonne praktisch gar nicht rauskommen. Wir beschlossen, im Namdalen ein wenig zu kundschaften. Es ging den einen oder anderen Seitenweg hinein, doch großartige Motive entdeckten wir nicht. Die Strecke verläuft hier ziemlich durch Wald. In Lassemoen bekamen wir im Bahnhof direkt die um 20 Min verspätete Kreuzung zwischen Talent und nordfahrendem Dagtog mit.

Am Breifossen Veikro in Brekkvasselv fuhren wir noch vorbei, doch nach Erkundung des Bf Namsskogan sollte es ein Mittagessen im dortigen Kro, dem Nams Inn sein. "Nams Inn", ein Name, den man sich merken muss. Von außen würde ich es das repräsentativste Gasthaus auf diesem Abschnitt der E6 nennen. Im Nachhinein muss ich konstatieren, dass mich noch nie ein Restaurant so angeekelt hat wie dieses. Vielleicht hätte es uns schon nachdenklich machen müssen, dass zur besten Mittagszeit keine anderen Gäste da waren. Vor der Tür hingen paar Bauarbeiter ab und rauchten.

Die Tische waren allesamt vollgekrümelt oder bekleckert. Die Gläser waren voller Wasserflecken. Die Milchpäckchen im Kühlregal waren seit drei Tagen abgelaufen. Das Klo war der Ekligkeit ihr Höhepunkt; es gab zwar keine braunen Spuren, aber die ganze Brille war mit irgendwas Durchsichtigem beschmiert. Yannicks Hamburger, der "Nams Inn Burger" in groß, sah gut aus. Aber die Pommes und mein Fisch (ich hatte Fish and Chips) waren eindeutig zu lange in der Fritöse gewesen und hatten eine sehr braune statt goldgelbe Farbe. Der Fisch hatte null Bissfestigkeit mehr. Na ja, dann wussten wir das jetzt auch...

Es gab noch eine Stelle talaufwärts zu erkunden. Beim ehemaligen Bf Bjørnstad führt das Gleis direkt am Ufer des Flusses entlang. Und der Fluss lag spiegelglatt da! Bei unseren bisherigen Vorbeifahrten hatte einen das immer als Hauptmotiv angelacht. Doch nun bei näherer Betrachtung fiel auf, dass immer irgendeine Baumspitze über Gleishöhe ragt. Sowas blödes! Das Motiv war aber trotzdem nett. Eine der Baumspitzen konnte man noch ignorieren.

Am Himmel zeigten sich nun großflächige Auflockerungen. Dumm nur, dass bis zum nächsten Zug noch - ääääh - vier Stunden Zeit war. Wir parkten einfach mal abseits der E6 auf der anderen Flussseite am Gleis. Hier gab es zwei Höfe, einen bewohnten (könnten auch alte Eisenbahnerhäuser rund um den einstigen Hp Bjørnstad gewesen sein) und einen unbewohnten. Nach einstündigem Nickerchen und Ende der Sonnenphase falteten wir uns wieder zusammen und zogen südwärts. Nun hatten wir Lust auf Kaffee und Kuchen. Natürlich nicht im Nams Inn, sondern ein Haus weiter im Breifossen Veikro zu Brekkvasselv. War lecker, doch die Gruppe Trucker am Nachbartisch war arg laut und grob, so dass wir uns auch hier nicht unnötig lang aufhielten.

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Zwei von DSO Entlaufene!

Zurück in Grong kauften wir erstmal alle fehlenden Zutaten für eine Pølsebrød Mahlzeit ein und machten es uns in der Hütte bequem. Nur als sich der südfahrende Güterzug näherte und sich immer wieder Sonnenschein zeigte, bin ich nochmal schnell raus und habe geschaut, ob der Zug auf der Namsenbrücke nördlich Grong bei Buneset noch Licht bekäme. Das Ergebnis war positiv. Als ich bei Zugdurchfahrt um 18:14 unterhalb der Brücke war, sah ich die Sonne sich matt hinter den Wolken abheben. Aber der Dagtog eine Stunde später würde nicht mehr gehen. Das wussten wir nun also auch.

Den Dagtog konnten wir aber akustisch wahrnehmen. So um und bei viertel nach 7 lag minutenlang das tiefe, markante Grummeln der Di4 über dem Talkessel von Grong. Und hatte ich es nur geträumt, oder hörte ich das gleiche nochmal in der Nacht, als einer der Nachtzüge in Grong Station machte?

Dienstag, 20.09.2016

Nun lagen drei Tage ohne nennenswerte Bahnfoto Aktionen hinter uns. Langsam hätte man mal wieder gekonnt! Doch wir wachten erneut bei bedecktem Himmel auf. Die Wetterfrösche orakelten nun, dass es gegen Mittag auflockern würde. Na denn, wir hatten heute mittags zwei Züge nordwärts und gegen Abend zwei südwärts. Da waren wir ja mal gespannt...

Erstmal versuchten wir noch eine Kontaktaufnahme mit unserer Campingplatzleitung. Meine Zusatzbemerkung auf booking war offenbar nicht gelesen worden - an der Rezeptionstür fanden wir einen Zettel vor "Jan-Geert, Hütte 1 nehmen, Schlüssel steckt, Bezahlung morgen!". Aber heute erreichten wir jemanden und konnten paar Minuten später alles klären und bezahlen.

Nun gut, für die Nordfahrer wurde das mit dem Wetter und den Aufklarungen schon mal nichts. Der Rt 471 war vermutlich mein dritter erfolgloser Versuch mit der Namsenbrücke, und den nachfolgenden Gt 5795 versuchten wir von der Sanddølabrücke bei Formofoss. Beides lichttechnisch erfolglos, wobei der Güterzug überraschend viel Helligkeit reflektierte.

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Auch wenn nicht wirklich die Sonne schien: Die Kette des Güterzuges glänzt schon prima am Ufer der Sanddøla.

Die nun folgenden Stunden wollten wir abseits von Bahn und E6 verbringen. Wir hatten uns eine kleine Küstenrundtour ausgedacht. Doch die Entfernungen sind weit, und wenn man dann auch noch dauernd für Landschaftsbilder stehen bleibt, kommt man nicht zu Potte. So kamen wir auf der Nebenstraße ab Gartland nur über Høylandet bis kurz hinter Foldereid. Besonders am Indre Foldafjord, auf der Rückfahrt aber auch am Øyvatn begeisterte uns eine Wahnsinnsspiegelung, so dass wir dort viel herumgeknipst haben. Unser Mittagessen nahmen wir mangels anderer Möglichkeiten in Form von abgepackten Elgkarbonader und Kartoffelsalat aus dem Supermarkt von Foldereid am Fjord zu uns. Der Indre Foldafjord führt so tief ins Land hinein, dass ich zunächst dachte, das sei einer der zahllosen Seen.

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Der Øyvatn auf der Hinfahrt.

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Der Indre Foldafjord bei Bogan.

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Der Indre Foldafjord bei Bogan.

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Der Indre Foldafjord bei Bogan.

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Der Indre Foldafjord bei Bogan.

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Der Øyvatn auf der Rückfahrt.

Angesichts der Gesamtwolkenlage, die an der Küste offenbar etwas günstiger aussah als im Gebirge, hätte ich mir auch vorstellen können, auf die zwei verbleibenden Züge zu verzichten und die Rundfahrt an die Küste fortzusetzen. Yannicks Meinung war etwas entschiedener als meine zugunsten der Züge. Das war mir natürlich auch recht. Wir waren schließlich nicht zum Spass hier. Nein, im Ernst: Das wäre schon nett, wenn mit den beiden Zügen oben im Namdalen etwas ginge.

Somit ging es zurück nach Gartland und auf der E6 hoch nach Namsskogan. Dort herum fanden wir dann doch so paar Stellen, die man allesamt gern umgesetzt hätte. Fast alle dieser Stellen hatten aber eines gemeinsam: Für den Güterzug würde das Licht noch reichen. Für den Dagtog - hmmm, mal sehen, eher nicht! Außerdem schwirrten hier noch paar Wolken herum, die es spannend machten. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für den BÜ in Namsskogan für den Güterzug, da man hier in eine sehr lange Gerade schaute. Dort setzten wir uns einfach ins Gras und warteten. Das hatte nun Kevin wieder mitbekommen und ärgerte uns per Dimmschalter. Denn während sich die "ehrlichen" Wolken scheinbar auflösten, hing da jetzt so ein blöder Schleier vor der Sonne.

Irgendwann wurde das Licht wieder besser und besser. Doch der Zug war noch weit weg. Yannick hatte die Togkart, das Zugradar, offen. Während auf der Togkart häufig die Züge nach Durchfahrt einer Station im Zeitraffer zur nächsten Station flitzen, bewegte sich der Punkt diesmal in anscheinend realer Geschwindigkeit. Also so, als ob er per GPS erfasst sei. Irgendwann vermeldete Yannick, dass der Zug jeden Moment hinten um die Ecke käme. Der BÜ war noch offen, das Esig kann nicht grün gewesen sein. "Jetzt kommt er um die Kurve, jetzt passiert er das Esig, jetzt fährt er bei uns vorbei" vermeldete Yannick. Der BÜ war immer noch offen, kein Zug zu sehen. Hmmm. Im Bf Namsskogan war der Punkt auf der Karte zum Stillstand gekommen. Hier wartete er offenbar auf den realen Zug. Bald ein Tröt in der Ferne, dann begann der BÜ zu bimmeln. Diese althergebrachten Vorzeichen erwiesen sich als zuverlässiger. Nun kam Gt 5790 bald um die Ecke.

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Gt 5790 ist gerade unterhalb des Myrvoll Hofes entlang gefahren und erreicht nun den Bahnhof Namsskogan.

Jetzt war die spannende Frage, wo die Sonne noch für den Dagtog hinkäme. Nicht nur die Bergrücken bereiteten Sorge, sondern auch lästige Wolken, die sich genau an den Stellen hielten, wo die Bahn mal fotografierbar gewesen wäre. Wir waren dem Dagtog noch ganz durch das Tor Nordlands entgegen gefahren, doch da ging es wieder in den Schatten eines großen Berges. Der Zug drückte nun langsam von vorn. Wir wendeten und fuhren nun komplett vor ihm her, doch wir waren mal wieder zwei Wochen zu spät im Jahr. Bis die Bahn auf die andere Namsenseite wechselte und nur noch auf der Westseite des Tals im Bergschatten verlief, gab es keine einzige Möglichkeit mehr...

Das war nun sehr schade, aber immerhin hatte ja der Güterzug geklappt. Die Laune war auf der Rückfahrt sogar ganz gut. Wir hatten uns gerade über Lieder aus der Kindheit unterhalten, und Yannick nannte dabei ein Lied, das ich zuletzt wohl in der Grundschule gehört hatte, dessen markanter Text mir aber bei verschiedenen Assoziationen immer mal wieder in den Sinn gekommen war, wobei ich immer dachte, ich hätte den Text damals nur nicht richtig verstanden. Hatte ich aber doch wohl - der Text ist eigentlich gar keiner. Bitteschön, Gulli gulli ramsamsam:
[m.youtube.com]
Oder die Erwachsenenversion:
[m.youtube.com]
Die erstgenannte Version hallte nun laut durch das Autoradio, während wir im tief stehenden Abendlicht durch die Wälder des Namdalen abwärts glitten, vorbei an Wasserfällen, Stromschnellen und Trollen. Schnell waren wir dann auch unten. Obwohl wir nicht gehetzt waren, hatten wir unseren minimalen Vorsprung vor dem Dagtog gehalten. Erst beim Cruisen durch den Ort Grong zum Bahnhof holte der Zug auf. Gleichzeitig kamen wir am Bahnhof zum stehen. Wir wollten einfach nochmal Sound genießen; die Sonne war gerade untergegangen. Der Lokführer holte sich erstmal beim Zugführer einen Becher Kaffee ab. Er erinnerte mich optisch etwas an den Sozialarbeiter aus der Serie "Lilyhammer", die ich Freunden der Landes nur ans Herz legen kann...

So, Schluss mit Medientipps. Wir hatten zwar nicht wirklich Hunger, aber eine gepflegte Abschluss-Hüttenmahlzeit musste sein. Diesmal schwedische Köttbullar mit Kartoffelbrei und brauner Soße. Und Preisselbeeren natürlich. Danach gab es einen letzten gemütlichen Hüttenabend.

Mittwoch, 21.09.2016

Das Wetter sollte heute Vormittag ganz passabel werden. Wir peilten an, den Dagtog an einer Stelle zwischen Sparbu und Røra zu fotografieren. Dort hatten Nico und ich uns auch schon mal versucht, leider nur mit halblichtigem Erfolg. Pünktlich um 8 Uhr verließen wir die Hütte und nahmen die knapp anderthalbstündige Anreise unter die Hufe. Bis Steinkjer war die E6 wieder angenehm leer. Unterwegs sahen wir sogar zwei kleinere Elche am Straßenrand. Hinter einer Hügelkuppe lag dann erstmal der Snåsavatn vor einem - unter einer dicken Hochnebelschicht! Wir konnten nur hoffen, dass es unten am Trondheimsfjord besser aussah. Und tatsächlich hielt sich der Nebel am Fjord eher am Westufer, während wir auf der Ostseite völlig unbehelligt blieben. Rt 471 klappte prima wie vorgesehen.

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Der Dagtog kurz vor Sparbu. Aus der Ferne grüßt der Trondheimsfjord herüber.

Nun mussten wir etwas eilen, denn der Dagtog kreuzte in Mære mit dem Lt 430. Für den hatte ich auf der anderen Seite von Sparbu, praktisch schon am südlichen Esig von Mære, noch das Motiv mit dem Kirchlein von Mære im Hinterkopf. Ein Muss, passend für den kleinen Triebwagen. Wie gut, dass die Skandinavier ihre Kirchen gern weit außerhalb der Ortschaften bauen...

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Lt 430 und die Mære kirka.

Nun drückte von Süden ein Güterzug. Für den hatten wir eben im Vorbeifahren an einer Schnellstraßenabfahrt bei Vist eine brauchbare Stelle gesehen. Wir parkten unser Auto auf einer von der Auffahrtrampe abzweigenden Feldzufahrt und stellten uns oben am Kreisverkehr an bzw auf die Leitplanke. Die Autofahrer schauten uns alle an, als kämen wir vom Mond. Der Güterzug rollte laut Togkart schon stramm auf Mære zu, und zwar vor dem planmäßigen Bummelzug, von dem er planmäßig in Bergsgrav hätte überholt werden müssen.

Wir standen bereit. Und standen. Und standen immer noch. Die Autofahrer glotzten weiter. Irgendwann war klar, dass er in Mære hingestellt worden war. Warum wollen die eine Station vorm Endbahnhof der Lokalzüge noch den Lt am Gt vorbei nehmen? Wat'n Quatsch. Wir warteten. Doch der Lt kam auch nicht! Statt dessen kam von hinten ein Polizeiwagen und hielt bei uns. Eigentlich glaubten wir, nur etwas ungewöhnlich zu stehen, aber nichts verbotenes zu tun. Insofern trat ich ganz entspannt an den Wagen. Der Polizist meinte dann auch nur, dass eine Frau am Gleis langspazieren solle, ob wir etwas gesehen hätten. Aha, deshalb kam nichts. Personen am Gleis! Was wir da machten, wollte er nur in einem Nebensatz wissen und die Erklärung war auch ok. Offenbar kam dann bald die Entwarnung, als erstes kam Lt 427 und dann Gt 5795 ums Eck.

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Gt 5795 hat es bei Vist nicht mehr weit bis Steinkjer.

Wir hatten schon die ganze Zeit mit dem Blick in die Gegenrichtung geliebäugelt. Der war nämlich viel schöner mit dem Fjord im Hintergrund. Dort passten wir nun noch Lt 432 ab.

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Blick auf den Steinkjersfjorden bei Vist. Der Fjord ist ein Teil des großen Trondheimsfjorden.

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Lt 432 bei Vist mit dem Steinkjersfjorden. Die Bm92 sind echte Duewags.

Sooo irre viel Zeit war nun gar nicht mehr. Einen Nordfahrer hatte ich gern noch von der schönen Feldwegbrücke zwischen Levanger und Mule abpassen wollen. Das kam zeitlich auch gut hin. Der leicht angeherbstete Motivbauernhof kam auch richtig klasse. Fast hatten wir schon wieder Lex Wilderness in Aktion treten sehen. Plötzlich kam nämlich eine Horde von ca 30 Kindern in Warnwesten (!) vom Bauernhof oberhalb von uns und trat auf den Gemüseacker, dessen unteren Teil wir im Bild hatten. Ok, wäre irgendwo witzig gewesen, aber sie blieben "leider" oben außerhalb des Bildausschnitts und ließen sich die Möhrchen fachkundig erklären, als sich Lt 431 aus Levanger auf unsere Anhöhe hochgearbeitet hatte.

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Das letzte Bahnfoto zeigt einen Bm92 zwischen Levanger und Verdal, aufgenommen von der Brücke Sætersmyra ("Almmoor").

Das war die letzte Zugdurchfahrt. Immerhin hatte dieser Vormittag den quantitativen Schnitt an Zugbildern der zweiten Urlaubshälfte nochmal etwas "gerettet". Wir hatten vorhin mit einem Mittagessen in irgendeinem Kro, vielleicht sogar "Rampa" in Hommelvik, geliebäugelt. Doch letzteres wurde zu knapp und an einem Kro kamen wir nun nicht mehr vorbei. Deshalb ging es erstmal nach Stjørdal rein, wo Yannick noch paar Tubenkäse für Nico und ein Bier für seinen Vater besorgen musste und wir das Auto auftankten.

Tja, das war es dann schon wieder. Die Autoabgabe klappte problemlos, das Check-in lief völlig automatisiert und die Sicherheitskontrolle war auch nicht weiter problematisch. Diesmal wurden bei mir von Fingern und Gürtel Sprengstoffproben genommen. Immer wieder was anderes... In einer Sportsbar, die das einzige Restaurant im Terminal zu sein schien, aßen wir dann zu Mittag. Später entdeckten wir, dass im internationalen Teil auch noch ein Foodcourt war. Die Abflugmonitore waren auf irgendeinem musealen Zeitpunkt eingefroren, Yannick führte uns dank Internetcheck aber zum richtigen Gate. Und der Flieger wurde schon wieder mit +35 angekündigt, damit das mit dem Umsteigen in København auch alles etwas spannend blieb.

SK 2889 Trondheim 15.05+43 - København 16.35+40

Der Flug war ok. Es ging bald über die Wolken. Später konnten wir unten eindeutig Göteborg erkennen, bevor wir in einem großen westlichen Bogen rechts an København vorüber flogen und dann Kastrup aus südlicher Richtung ansteuerten. Die Øresundbrücke war dann rechterhand prima zu sehen.

Vor Gate B5 war dann Verabschiedung angesagt. Bei mir begann gerade der Check-in, Yannick hatte noch eine halbe Stunde länger Zeit. Ich eigentlich auch, aber das wusste ich da noch nicht. Als alle im Flieger saßen, wurde verkündet, dass wegen einer geschlossenen Landebahn in Hamburg der Abflug ab Kastrup auf 18.25 verschoben werden müsse.

SK 651 København 17.50+35 - Hamburg 18.25+35

Das Warten im Flieger auf den Abflug war bissi nervig. Der Flug war kurz; København - Hamburg dürfte die kürzeste Flugdestination sein, die ich je geflogen bin. Ab dem Fehmarnbelt war es unten wolkenlos. Man sah in der Ferne Wismar liegen und unten direkt die Neustädter Bucht, Tantemünde, man hatte aus geringer Höhe einen genialen Ausblick auf die Lübecker Altstadt, dann Ratzeburg, Mölln, Geesthacht, dann Zollenspieker, Allermöhe, und dann im Tiefflug ein selten genialer Ausblick auf den Hafen und die Hamburger Innenstadt. Wunderbar! Rund um mich saß ein Filmteam auf dem Rückweg von einem Event in Island, der Sprache nach allesamt Hamburger, und gemeinsam gab man sich der Freude über diesen Ausblick auf die schönste Stadt hin.

Der Flieger wurde wegen diverser Bauarbeiten vor der Lufthansa Werft geparkt. Zügig ging es per Bus zum Terminal, wo ich am Förderband zeitgleich mit meinem Koffer eintraf. Die S-Bahn fuhr dann auch sogleich; mich bewillkommnete eines der neu umgebauten Fahrzeuge.

Fazit

Wir waren mit der Ausbeute sehr zufrieden. Es gab viele sonnige Momente für Fotos und jede Menge interessante Fotomöglichkeiten. Dass man mal drei Tage nix machen kann, ist halt in Norwegen so. So einfach wie in Großbritannien kann man in Norwegen halt auch dem schönen Wetter nicht hinterher fahren. Bei hunderten Kilometern auf der Landstraße kann ein Ortswechsel leicht mal zwei Tage dauern! Die optimale Lösung wäre vielleicht eine Kombi aus Bahn und Leihwagen. Mit dem Nachtzug große Entfernungen überbrücken und sich dann am Ziel einen Leihwagen nehmen. Billig ist das aber nicht, und die Frage ist ja auch, wie kurzfristig man noch Schlafwagenplätze bekommt. Wobei - Spaß würde das sicherlich machen. Vielleicht käme es mal auf einen Versuch an?


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Soooo, wenigstens unter dem letzten Teil muss ich dann doch noch mal etwas schreiben und mich herzlich für den Reisebericht einer wirklich schönen Tour bedanken, wenn man ihn so durchliest kommt durchaus der Gedanke hoch "Man könnte ja eigentlich mal wieder...".

LG
Yannick

10564-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.10.15 18:29

Vielen Dank um uns mit zu nehmen. Macht immer Spass die Reiseberichte zu lesen!

MfG aus Belgien,
Steven

Mehr Bilder auf meine Flickr-Seite: [www.flickr.com]
Moin,
auch von mir ein Dankeschön für den gewohnt großartigen Reisebericht aus einem Land, das mir bisher noch nicht vergönnt war. Aber das Geld ist die Landschaft einfach wert, wenn nicht immer dieser Kevin wäre ;-)

Mehr Reiseberichte und Serien rund um die Straßenbahn- und Schmalspurfotografie auf [www.tramtrain.de]
Verzeichnis meiner Berichte auf DSO: [www.drehscheibe-online.de]
https://www.tramtrain.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-Kopie3.jpg
Schön waren die Bilder vom Urlaub!

Herzliche Grüße
Simon

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Übersicht: [www.drehscheibe-online.de]
Herzlichen Dank für diesen - wie von dir gewohnt - äußerst unterhaltsamen und lesenswerten Reisebericht. Zu den grandiosen Fotos (auch den Landschaftsaufnahmen) muss man ja ohnehin nichts sagen. Aber da legt Nil im zeitgleichen Persien-Bericht ja auch ganz gut nach... ;-)
Moin Moin,

danke für die Reise durch das herbstliche Norwegen. Es ist doch immer eine Reise Wert!
Schade ist es schon fertig ...

>> Der Exotik des Irans kann ich natürlich nicht viel entgegensetzen
Grandiose Landschaften? Traumhafte Ausblicke mit roten Zügen?? Viel Jan, ganz schön viel.

Ansonsten sei dir die nächste Reise in den Iran mit Blablabla-Tours an Herz gelegt :-)

Grüsse,
Nil

Ps. Wer macht jetzt eigentlich mein Wingman für die Iranberiche wenn du fertig bist? :-(

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum: [www.drehscheibe-foren.de]

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Leben und Leben lassen ...
Hallo Jan,

schön war's wieder... Vielen Dank für's Mitnehmen und die herrlichen Zug- und Landschaftsaufnahmen!

Viele Grüße
Gunar
"Man müsste eigentlich mal" - das steht bei mir auch auf der Wunschliste. Bisher kenn ich Norwegen nur ganz ohne Eisenbahn, und da gäbs noch sooo viel zu entdecken. Wenn man mal ein paar Jahre Urlaub hätte...
Auch von mir ein dickes Dankeschön für den super Reisebericht!

Danke für die schöne Reihe! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 10.10.16 16:20

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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