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Aktivurlaub auf der Abraumhalde („Aua dA“)

Teil 3: Sonnenuntergang am Pool – Eine erste Inspektion der Clubanlage



Im letzten Bericht war ich mit meinem kauzigen Fahrer Mr. Gu unterwegs von Jinzhou nach, ja wohin eigentlich? Mr. Gu war steif und fest der Meinung, dass wir in Fuxin seien. Ich konnte es immer noch nicht glauben. Als wir schon kurz vor dem Hotel waren, erblickte ich plötzlich die Bahnunterführung. Die kommt mir doch bekannt vor. Und da hinter der Häuserreihe steigt Dampf auf und bewegt sich nach rechts. Tatsächlich, wir waren in Fuxin. Mensch, was haste dir verändert!

Das imposante Hotel in Bahnhofsnähe hatte auch erst vor kurzem eröffnet. Kaum waren wir vor dem Eingang vorgefahren, stürmte Jun über den roten Teppich. Nach der herzlichen Begrüßung wurden sofort Postkarten und Bilder ausgetauscht. Dabei stellte sich auch die Identität von Mr. Gu heraus. Er ist eigentlich Reiseleiter im örtlichen, staatlichen Reisebüro CTS. Da aber Fuxin jetzt nicht unbedingt ein Touristen-Hotspot ist (um es mal vorsichtig auszudrücken), hat er sich seit vielen Jahren auf das Foto- und Videografieren von Dampfzügen spezialisiert. Damit waren wir also zu dritt. Eine illustre, dreiköpfige Reisegruppe macht Aktivurlaub auf der Abraumhalde (AuA dA!). Na das kann ja noch heiter werden.

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Bild 1: Nächtliche Außenansicht meines Hotels in Fuxin.


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Bild 2: „Love is in the air…”, zum Glück nur im Hotel. Im restlichen Fuxin ist dagegen zum Glück “steam and smoke in the air”.



Jun stellte mir die eher rhetorisch-höfliche Frage, ob ich mich zunächst ein bisschen auf dem Hotelzimmer ausruhen möchte. „Are we here to relax or are we here to take photos of steam locos?” war meine rhetorische Gegenfrage.”Ok, then let’s quickly check in and then let’s go to see some steam trains.” Der Check-In-Vorgang in chinesischen Hotels dauert immer etwas länger (Kopieren des Reisepasses, Ausfüllen von Formularen für die örtliche Polizei etc.). Während wir also am Tresen standen und Mr. Gu draußen wartete, fragte mich Jun, ob die Fahrt mit Mr. Gu OK gewesen wäre, denn Mr. Gu wäre „a littlebit crazy“. Meine Antwort, dass ich schon weit verrücktere Fahrten in China gehabt hätte, nahm er amüsiert zur Kenntnis und erzählte mir eine Episode aus Mr. Gus Leben. Vor einigen Jahren kam seine Mutter über Chinesisch Neujahr zu Besuch. Seine Frau hatte die Flucht vor ihrer Schwiegermutter ergriffen und besuchte die gemeinsame Tochter, die gerade in Shenyang studierte. Aber anstatt zu Hause mit seiner Mutter zu feiern, packte er sie ins Auto und klapperte eine Woche Kohleminen in Nordchina ab, um Dampfloks zu fotografieren. Nun sind in China auf dem Land über Neujahr alle Hotels und Restaurants geschlossen. So übernachteten sie im Auto (in Nordchina sind um diese Jahreszeit Temperaturen von -25 Grad keine Seltenheit!) und ernährten sich von Schnellnudeln, die sie auf einem Gaskocher im Auto erwärmten. Mr. Gu zeigte mir später sogar ganz stolz Bilder von der damaligen Tour. Spätestens jetzt war mir klar, dass die nächsten Tage eine der besten Urlaubswochen meines Lebens werden würden: drei verrückte Eisenbahnfans machen zusammen Aktivurlaub auf der Abraumhalde, um Dampfzüge zu fotografieren. Menschen ohne Eisenbahnbezug, denen ich erzähle, was ich so in meinem Urlaub mache, zweifeln ernsthaft an meiner Zurechnungsfähigkeit. Aber anderen hier im Forum geht es wohl genauso. Der eine reist drei Wochen im Schlafwagen kreuz und quer durch Europa, der andere fährt mit dem Zug zum Eurovision Song Contest tief in den Kaukasus und ich stiefele mit zwei Chinesen eben über Abraumhalden in Nordchina, um Dampfzüge zu fotografieren. Ist doch vollkommen normal. Dagegen ist für mich eine Woche Cluburlaub auf den Kanaren total abartig. Alles eben nur eine Frage der Sichtweise.

Bevor wir uns nun auf Besichtigungstour der Urlaubsanlage machen, vorab eine Karte zur besseren Orientierung:

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Bild 3: Das Streckennetz der Minenbahn von Fuxin (in der Karte schwarz eingezeichnet) erstreckt sich mehr oder weniger parallel zur Strecke der chinesischen Staatsbahn
von Shenyang nach Chaoyang (in der Karte blau gekennzeichnet). Betriebsmittelpunkt ist der Bahnhof Pingan, dort befinden sich der Rangierbahnhof, das Depot und das
Ausbesserungswerk sowie eine Anbindung an das Netz der Staatsbahn. Von Pingan aus sind die Minen Wangqing (nur Dieselbetrieb) und Wulong (fast ausschließlich
Dampfbetrieb) sowie die beiden Kraftwerke angebunden. Von Pingan aus führt eine zweigleisige Strecke nach Xinqiu, wo ein weiterer Anschluss an die Staatsbahn besteht,
allerdings wird der Abschnitt nördlich des Kraftwerks praktisch nicht mehr befahren. Die beiden riesigen Tagebaue bei Pingan und Xinqiu sind seit vielen Jahren stillgelegt.
Einst steppte hier der Bär, der Betrieb wurde in den Tagebaugruben größtenteils elektrisch abgewickelt. Heute zeugen nur noch vereinzelte Oberleitungsmasten von dieser Blütezeit.
Der Restverkehr beschränkt sich heute also auf den südwestlichen Bereich des völlig überdimensionierten, aber trotzdem hervorragend gepflegten Netzes.
In der Wulong-Mine gab es 2014 ein schweres Grubenunglück mit 55 toten Kumpeln, einer der beiden Schächte ist seither geschlossen. Allzu lange wir die Herrlichkeit also wohl
nicht mehr dauern, in ein paar Jahren wird der Restbetrieb wohl auch verschwunden sein. Das zeigt sich auch daran, dass keine neuen Dieselloks mehr gekauft werden sollen,
stattdessen werden die vorhandenen Dampfloks vollends runtergeschrubbt, bis sie nicht mehr reparabel sind und der Betrieb komplett eingestellt werden kann.


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Bild 4: Da sich der Betrieb hauptsächlich im südwestlichen Teil des Netzes abspielt hier noch eine Detailkarte des Netzes im Südwesten. Die Wangqing-Mine ist mit einer Stichstrecke,
die größtenteils direkt parallel zur Staatsbahnlinie verläuft, angebunden. Da dort nur Dieselverkehr stattfindet, wird diese Strecke in den Berichten nicht auftauchen. Dampfbetrieb gibt es
hauptsächlich rund um die Wulong-Mine. Der Abraum wird von der Mine auf die Abraumhalde (dumps) gefahren und daher bildet die Abraumhalde wie schon im Titel beschrieben das Herz
der Urlaubsanlage, auf der ich meinen Aktivurlaub verbrachte. Ein Zug besteht meist aus drei bis fünf flachen Kippwagen, die Abraumhalde hinauf werden die Züge ausschließlich von
Dampfloks Tender voran geschoben. Sehr kohlehaltiger Abraum wird von Dampfloks in den Tagebau geschoben (Schornstein voran), dort wird nochmals Kohle und Abraum getrennt,
die Kohle wird per LKW abgefahren, der Abraum wird in den Tagebau gekippt. Die reine Kohle wird meist direkt an der Mine in Ganzzüge (meist ca. 20 Wagen) verladen, von der
Diesellok abgeholt und direkt zum Staatsbahnhof gebracht. Einmal täglich verkehrt noch ein dampfbespannter Aschezug, der morgens in den Kraftwerken die Asche abholt und
auf die Abraumhalde fährt. Als ich zuletzt 2010 in Fuxin war, gab es im Norden rund um Xinqiu noch Minen im Betrieb, mittlerweile sind die Minen dort aber alle stillgelegt.



Nachdem ich meinen Koffer im Hotelzimmer (dazu später mehr) abgestellt hatte, ging es mit dem Auto sofort ins nahegelegene Depot. Abgesehen von den Hochhäusern im Hintergrund hat sich da in den letzten Jahren nichts verändert. Oder doch? Früher waren am späten Nachmittag eigentlich immer Loks im Depot zum Ausschlacken und Auffüllen der Vorräte. Jetzt aber gähnende Leere. Also erst einmal Kameras wieder einpacken und Bilder und Postkarten zum Verschenken auspacken. Das mangels anwesender Loks arbeitslose Personal hatte uns längst erspäht und uns umringt, zumal sie meine beiden Begleiter kannten. Die Bilder wurden ausführlich begutachtet, den meisten Absatz fanden erstaunlicherweise nicht meine Dampfbilder aus China, sondern die aus Myanmar. Nachdem die Mitarbeiter auch noch ein paar Selfies (ohne Selfie-Stange) mit der komischen Langnase gemacht hatten, verlangten wir die Gegenleistung (in China basiert ja alles auf gegenseitigem Geschäftemachen): „Wo sind die Dampfloks?“ „Auf der Abraumhalde“ war die Antwort. Unverzüglich ging es ins Auto und mit Vollgas steuerte Mr. Gu seine Klapperkiste Richtung Abraumhalde.

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Bild 5: Kontraste im Depot, leider ohne Dampflok. Die Hochhäuser im Hintergrund sind neu und verursachten meine Zweifel im letzten Bericht.


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Bild 6: Gähnende Leere im Lokschuppen. Die Loks sind alle in Richtung Abraumhalde ausgeflogen. Also nichts wie hin!



Zum Glück gibt es in Fuxin noch keine ausgeprägte Rush-Hour und die breiten Straßen waren relativ leer. Vor dem Bahnübergang an der Wulong-Mine hatte sich dann aber aufgrund der geschlossenen Schranken ein längerer Stau gebildet. Eine Dampflok zog gerade mit Abraum befüllte Waggons aus der Mine, eine zweite Dampflok schob leere Waggons hinein. Wie ein Reisender, der seit Tagen ziellos durch die Wüste irrte und jetzt eine Oase entdeckte, sprang ich aus dem Auto und sprintete nach vorne. Dabei war die Stelle eher suboptimal, Schatten und keinerlei Motiv. Aber mehr als zwei Jahre Dampfentzug hatten eben ihre Spuren hinterlassen. Das erste Video war im Kasten.

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Bild 7: Lok 1395 rangiert am Bahnübergang vor der Wulong-Mine. Das Portrait am Kessel stellt übrigens nicht Mao Tse-Tung,
sondern Zhu De dar. Zu dieser Person aber in den folgenden Berichten mehr, hat er uns doch einiges an Nerven gekostet.



Kaum hatten sich die Schranken geöffnet, ging die Fahrt Richtung Abraumhalde weiter. Arg weit kamen wir aber nicht. Am nächsten Bahnübergang keine 200 Meter weiter schlossen sich bereits wieder die Schranken. Deutlich hörbar schob eine Dampflok den gerade aus der Mine geholten Abraumzug mit fünf Wagen in Richtung Abraumhalde. Der Bahnübergang liegt in einer Kurve mit erheblicher Steigung. Dementsprechend kämpfte sich die Lok mit teilweise durchdrehenden Rädern mit nicht einmal Schritttempo hinauf. Leider kann ich euch nur die visuellen Eindrücke zeigen, die akustischen (knallender Dampfausstoß, metallisches Hämmern der durchdrehenden Räder) und sensorischen Eindrücke (bebende Erde, Geruch nach verbrannter Kohle und heißem Öl) müsst ihr euch selbst vorstellen:

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Bild 8: Lok 1460 hat schwer zu kämpfen, als sie die fünf mit Abraum beladenen Waggons in Richtung Abraumhalde schieben muss.
Im Schritttempo mit durchdrehenden Rädern quälte sie sich durch die in einer Kurve liegende Steigung. Wenige Meter später wird sie
den Bahnübergang passieren, dessen geschlossene Schranken uns auf der zügigen Fahrt in Richtung Abraumhalde jäh stoppte.


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Bild 9: Im Schritttempo rumpelt die Lok über den antiken Bahnübergang, ein vor der Schranke wartendes Auto fiel leider Gimp zum Opfer.
Nebenan hat man bereits schon vor ein paar Jahren einen neuen Bahnübergang für eine stark verbreiterte Straße gebaut, bis jetzt ist der neue
Bahnübergang aber aus mir unerfindlichen Gründen nicht in Betrieb. Umso besser, da kann man sich noch an dem alten Bahnübergang erfreuen.


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Bild 10: Die Lok war so langsam unterwegs, dass ich meine Fotoposition auf einem Dreckhügel verlassen konnte und
so noch ein ganz brauchbarer Nachschuss samt Bahnwärter, der gerade die Schranken wieder hochkurbelt, gelang.



Allein dieses Erlebnis hätte für einen fast perfekten Tag gereicht. Aber noch hatten wir das Herz der Clubanlage noch gar nicht erreicht: die Abraumhalde. Also nichts wie los. In Walter-Röhrl-Manier raste Mr. Gu über den unbefestigten Weg, der parallel zu den Schienen verlief. Mehrfach krachte der Unterboden des Autos auf den steinigen Untergrund, Stoßdämpfer bollerten über den tiefen Schlaglöchern, was bei Mr. Gu jedes Mal einen Freudenschrei auslöste, obwohl sein Auto nach einer Woche auf der Abraumhalde wohl einen neuen Unterboden und neue Stoßdämpfer brauchen wird. Das Jagdfieber war spätestens jetzt geweckt. Als wir den Zug auf die Abraumhalde hinauf überholten, öffnete ich trotz der dichten Staubwolke das Fenster und streckte den Kopf heraus. Kurz nachdem wir den Zug überholt hatten, suchten wir uns einen Hügel für eine Fotoposition.

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Bild 11: Panoramablick über unsere Urlaubsanlage, auf der wir die kommenden Tage entspannen würden. Links erkennt man die Fördertürme der Wulong-Mine,
der Rest Fuxins verbirgt sich unter einer Smog- und Dunstglocke. Auch der Swimming-Pool, den ich euch im letzten Bericht versprochen hatte, ist erstmalig zu sehen.
Allerdings lässt er sich fototechnisch nicht zusammen mit dem Abraumzug umsetzen. Aber so eine Urlaubsanlage hat ja meistens (hoffentlich) mehr als nur einen Pool.
Der Zug hat den steilsten Abschnitt der Strecke hinauf zur Abraumhalde bereits hinter sich gebracht und nimmt auf der Geraden nochmals richtig Fahrt auf, bevor…


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Bild 12: … die nächste 90°-Kurve folgt und der Zug seine Fahrt wieder verlangsamen muss.



Nach dem Nachschuss also im Galopp ins Auto und mit Vollgas zur nächsten Fotostelle an der 90°-Kurve. Der Zug hatte die Kurve fast schon passiert, als wir aus dem Auto stiegen und nach einer geeigneten Fotoposition Ausschau hielten. Das Auto stand neben einem recht flachen, gleichmäßig hohen, großen Hügel mit Auffahrt. Schnell hochgeklettert, das ist doch nicht etwa… doch… es ist ein weiterer Swimming Pool! Der stand doch aber gar nicht in der Reisebeschreibung! Das erhöht die Anzahl der möglichen Fotomotive natürlich enorm. Eine optimale Position konnten wir in der Schnelle nicht mehr suchen und die Sonne stand eigentlich noch zu hoch für Gegenlichtaufnahmen. Aber die ersten Aufnahmen am Swimming Pool waren für diesen Aktivurlaub jetzt auch schon im Kasten.

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Bild 13: Meine erste Swimming-Pool-Aufnahme aus dem Aktivurlaub. Die Sonne versteckte sich zwar hinter einem Dunst- und Smogschleier,
für Gegenlichtfotos steht sie aber trotzdem immer noch zu hoch. Ich habe dennoch draufgehalten und das erste halbwegs brauchbare
Sonnenuntergangsfoto des diesjährigen Urlaubs samt Swimming-Pool war auch im Kasten, um die zuhause Gebliebenen neidisch zu machen.


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Bild 14: Der Lokführer dreht nochmals den Regler auf, bevor er den Zug die letzten Meter auf die Abraumhalde ausrollen lässt.
Leider ist es ziemlich windig und statt einer spiegelnden Wasseroberfläche kräuseln sich die Wellen. Die neben der Strecke wachsenden
Bäume und Büsche stören auch ein bisschen den Gesamteindruck. Da muss die nächsten Tage nochmals der Gärtner mit der Säge anrücken.



Die perfekte Fotoposition war jetzt gefunden, jetzt fehlte nur noch ein Zug, der die Stelle bergauf bei passend niedrigem Sonnenstand passieren würde. Normalerweise fahren immer zwei Abraumzüge kurz hintereinander auf die Abraumhalde. So wechselten unsere Blicke stets zwischen der immer tiefer sinkenden Sonne und dem Blick ins Tal zur Wulong-Mine. Dort sah man zwar immer wieder Dampf und Rauch, aber es bewegte sich kein Zug in Richtung Abraumhalde. Wir warteten und warteten, unsere Gesichter wurden immer länger. Da werde ich mich morgen bei der Reiseleitung über das dürftige Animationsprogramm beschweren. Ich habe hier schließlich einen Aktivurlaub gebucht! Irgendwann war die Sonne dann hinter der Abraumhalde verschwunden und just in diesem Moment bewegte sich eine Dampf- und Rauchwolke die Abraumhalde hinauf. Verfluchte Kacke!

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Bild 15: Der zweite Abraumzug, geschoben von einer nicht identifizierten Lok passiert unsere Fotostelle. Die Sonne war
leider schon weg, immerhin ergaben das letzte Abendrot und ein paar Schleierwolken einen ganz netten Hintergrund ab.


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Bild 16: Auf der Abraumhalde gibt es zwei Entladegleise, folglich muss der bergaufwärts fahrende Zug erst
in sein Entladegleis einfahren, bevor oben wartende Zug die Rückfahrt Richtung Wulong-Mine antreten kann.


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Bild 17: Die Dampflok schiebt den Zug die letzten Meter hinauf in Richtung Abraumhalde.

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Bild 18: Kaum ist der bergwärts fahrende Zug in sein Gleis eingefahren, tritt Lok 1460 den
Rückweg an und lässt dabei ein paar zärtliche Dampfwölkchen Richtung Himmel ziehen.


Weiterlesen kann ihre Gesundheit gefährden!
Die folgenden Bilder und Texte können Spuren von off-topic Anteilen enthalten.
Personen mit ausgeprägter Allergie gegen Plätzchen backen und anderen off-topic
Inhalten wird daher dringend vom weiteren Genuss des Beitrags abgeraten.



Damit war das Animationsprogramm für den heutigen Tag aufgrund der einbrechenden Dunkelheit beendet. Das Animationsprogramm war mit Ausnahme des fehlenden Timings zum Sonnenuntergang ganz akzeptabel und so hatten wir uns das Abendessen mehr als verdient. Glücklicherweise mussten wir nicht zur All-Inclusive-Fütterung, sondern fanden gegenüber dem Hotel ein Restaurant mit passablem Essen (das ich irgendwie vergessen hatte zu fotografieren). Das Bier war leider auch nicht gekühlt und so stießen wir dann mit dünner und viel zu warmer chinesischer Plörre auf einen gelungen Start an, wobei das Gesehene ja noch durchaus mehr Potential für die nächsten Tage erhoffen ließ.

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Bild 19: Frei nach dem Kaiser: “Jo mei, is denn heut scho Weihnachten in Fuxin?“. Das Restaurant glänzte nicht mit kühlem Bier, dafür aber mit stilvoller Weihnachtsdekoration.
Irgendwie ticken die Uhren hier oben in Nordchina noch anders, oder warum sonst sollte der Weihnachtsmann erst (oder schon) Ende März in Fuxin angeschneit kommen?


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Bild 20: Mein Hotelzimmer bestach durch ein Feature, das man des Öfteren in modernen
chinesischen Hotels antrifft: eine Glasfront erlaubt ungehinderten Blick vom Bett ins Badezimmer.
So kann der chinesische Mann auf dem Bett liegen und zuschauen, wie sich seine Geliebte/
Prostituierte unter der Dusche frisch macht (in chinesischen Hotels hängt gemäß Vorschrift über
der Rezeption immer eine Digitalanzeige mit den Preisen der verschiedenen Zimmerkategorien.
Etwas versteckt ganz unten findet sich neben den oben angezeigten Preisen für den gesamten
Tag meist auch der Preis pro Stunde). Hat die Dame dann fertig geduscht, kann der Mann nochmals
gemütlich auf’s Töpfchen und dabei zuschauen, wie sich die frisch geduschte Dame auf dem Bett
räkelt. Ich habe auf solche Aktivitäten verzichtet, zumal die großen, schwarzen Damen mit den vielen
Rundungen, wegen denen ich in Fuxin war, sowieso nicht ins Zimmer gepasst hätten.



Vom Restaurant ging’s dann direkt zurück ins Hotel, denn das Club-Programm sah am nächsten Morgen bereits um 5:58 die erste Aktivität vor: Sonnenaufgang auf der Abraumhalde. Das heißt, spätestens um 5:15 aufstehen. Und das nicht nur Morgen, sondern die ganze Woche! Na ja, so ist das halt, wenn man anstatt Erholungsurlaub Aktivurlaub auf der Abraumhalde bucht. Ihr könnt euch das frühe Aufstehen sparen und den nächsten Bericht zu beliebiger Zeit zu Gemüte führen, vorausgesetzt ihr seid virtuell wieder dabei wenn es das nächste Mal wieder so richtig „Aua dA“ macht.





Inhaltsverzeichnis Aktivurlaub auf der Abraumhalde („Aua dA“)






Aua dAnke

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 12.09.15 15:11

Flo1979 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ihr könnt euch das frühe Aufstehen sparen und den nächsten Bericht zu
> beliebiger Zeit zu Gemüte führen, vorausgesetzt ihr seid virtuell wieder dabei wenn es das nächste
> Mal wieder so richtig „Aua dA“ macht.

Aber klar doch. Danke für Bilder und Text, Flo, wobei mir, der ich nicht dampfvirusverseucht bin, letztere dann doch besser gefallen. Aber Sonnenuntergang oder so geht immer. :-)


Viele Grüße
Sören

Re: Aua dAnke

geschrieben von: Flo1979

Datum: 12.09.15 16:31

Sören Heise schrieb:
-------------------------------------------------------
> Flo1979 schrieb:
> -----------------------------------------------
> Aber klar doch. Danke für Bilder und Text, Flo,
> wobei mir, der ich nicht dampfvirusverseucht bin,
> letztere dann doch besser gefallen. Aber
> Sonnenuntergang oder so geht immer. :-)

Ich befürchte, dass das in den nächsten Berichten nicht besser wird :-( Es wird erst mal ziemlich dampflastig bleiben.

Viele Grüße

Florian

Re: Aua dAnke

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 12.09.15 17:06

Hallo Flo,

mit dem passenden Begleittext sind sowohl die schlimmsten off-topic-Bilder aus einer finnischen Karaoke-Bar als auch die schönsten Dampflokbilder gut auszuhalten. ;-) Von daher mußt Du Dir keine Sorgen um mein Wohlergehen machen.


Viele Grüße
Sören

Re: Aua dAnke

geschrieben von: Flo1979

Datum: 12.09.15 19:50

Sören Heise schrieb:
-------------------------------------------------------
> mit dem passenden Begleittext sind sowohl die
> schlimmsten off-topic-Bilder aus einer finnischen
> Karaoke-Bar als auch die schönsten Dampflokbilder
> gut auszuhalten. ;-) Von daher mußt Du Dir keine
> Sorgen um mein Wohlergehen machen.

Uff, dann habe ich ja nochmal Glück gehabt ;-)

Viele Grüße

Florian