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[RO][MD][UA] Heißer August im Osten, Teil 5

geschrieben von: diesellokguru

Datum: 03.12.14 19:29

Hallo Hobbykollegen,

wie versprochen schauen wir uns heute die 1871 eröffnete Strecke von Chisinau über Tiraspol nach Kucurhan (Ukraine) genauer an. Außerdem ist von den Strecken in den Süden des Landes zu berichten.
Ein Blick auf die Landkarte genügt, um die überragende Bedeutung der Strecke von Chisinau über Tiraspol nach Kucurhan (Ukraine) für den Verkehr nach Osten zu erkennen. Zu Sowjetzeiten wurde daher auch mit der Elektrifizierung dieser Trasse begonnen, wovon zahlreiche Betonmasten an der Strecke Zeugnis ablegen. Vollendet wurde hier nichts, das gesamte Netz der CFM muss ohne Fahrdraht auskommen.

Der Transnistrienkonflikt hat der Strecke sicherlich geschadet, sie aber nicht zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Die RZD bieten an ungeraden Tagen eine direkte Verbindung von Chisinau über Tiraspol nach Moskau an. Täglich fährt ein Zugpaar Chisinau - Odessa und zurück, welches dem Eisenbahnfreund mit Hang zum Besonderen sicherlich ein eindrucksvolles Reiseerlebnis bietet. Auf CFM-Gebiet handelt es sich um eine der letzten Leistungen der beiden verbliebenen moldawischen Wummen der Reihe M62. Leider müssen diese wegen Ausfalls oft durch eine Einzelsektion einer 3TE10M ersetzt werden.

Es ist darauf hinzuweisen, dass Stadt und Bahnhof Bender, die noch westlich des Dnister liegen, nicht unter der Kontrolle Chisinaus stehen, mit der Folge, dass der Schienen- und Straßenverkehr dort auf ein Hindernis stößt. Die Züge stehen daher bei Ostfahrt längere Zeit im Bahnhof Bulboaca, für eine theoretische Kontrolle. Auf der Straße kommt unvermittelt ein improvisierter moldawischer Kontrollposten, wo auch die Vignette kontrolliert wird (!). Dem Vernehmen nach werden auf Wunsch Einreise- und Ausreisestempel erteilt, aber nur für den Transit in die Ukraine bzw. aus der Ukraine. Für einen Aufenthalt in Transnistrien hatten wir leider keine Zeit eingeplant.

Fotografisch sehr interessant ist vor allem der hügelige Abschnitt östlich Bulboaca. Kühe und Ziegen sorgen dafür, dass der Bewuchs auch in Gleisnähe kleingehalten wird. Der Betrieb ist abwechslungsreich. Dafür sorgen neben dem erwähnten Moskau-Schnellzug und dem Odessa-Schnellzug auch zwei Zubringer zu den CFM-Moskau-Schnellzügen, die manchmal auch von M62 gefördert werden. Bei uns waren CME3 im Einsatz, was uns natürlich auch erbaute. Die Lumpensammmler bestehen freilich aus D1.

Das Bender-Problem führte dazu, dass die 1932 eröffnete und nach dem 2. WK verfallene Direktverbindung von Revaca nach Cainari kürzlich wieder aufgebaut wurde, um unter Umgehung Transnistriens in den Süden des Landes zu gelangen. Diese Strecke wird aber nur von einem Personenzugpaar benutzt. Auf Grund des miserablen Streckenzustandes und der erheblichen Steigungen eignet sich die landschaftlich ansprechende Strecke für den Güterverkehr nicht. Der Güterverkehr muss also den Umweg über Bender nehmen, und fällt daher wohl auch recht dünn aus. Eine Reise mit dem Zugpaar 6010/6009 von Chisinau nach Basarabeasca, welches im Nachtsprung verkehrt, ist sicher ein Reiseerlebnis der Extraklasse. Wenn man einen Tag mehr einplant und den Kurswagen bis Cahul wählt, kann man beschauliche 16 h im Zug verbringen, der in dieser Zeit 271 km zurücklegt. Nach ein paar erholsamen Stunden im Wildbad Cahul geht es dann nachmittags auf demselben Wege wieder retour. Die Strecke von Cahul nach Giurgiulesti (bei Galati) ist derzeit nicht befahrbar. In die Streckensanierung floss zwar viel Geld, welches jedoch nicht im Oberbau ankam.

Nennenswerter Güterverkehr findet von der Ukraine über Tiraspol nach Südmoldawien statt. Wichtigstes Transportgut sind Erz und Kohle in das ArcelorMittal Stahwerk im rumänischen Galati. Die CFM bedient weiterhin in Giurgiulesti einen kleinen Donauhafen, von wo Schiffsanbindung über das Schwarze Meer nach Constanta möglich ist. Auf der Website der CFM werden die (bescheidenen) Lasten über den Hafen monatlich dargestellt. Im Rahmen eines Abkommens ist zollfreier Verkehr bis nach Weißrussland möglich. Im August war es aber eher mau mit den Güterzügen. Einer folgte abends scharf nach dem Personenzug nach Basarabeasca, den wir aber leider versemmelten. Wie gesagt läuft der Güterverkehr nicht über Cahul, sondern über Etulia, was zahlreiche Grenzübertritte und Zuständigkeitswechsel erfordert.

Gerüchtehalber läuft das aus der Ukraine wie folgt. Die Ukrainer übergeben den Zug an die Transnistrier, die diesen mit angemieteten ukrainischen Zehnern des Depo Reni bis Causeni fahren. Dort wird auf eine CFM-Zehner umgespannt, wobei das häufig die letzte echte dreiteilige 3TE10M der CFM ist. Diese fördert den Zug bis Etulia. Dort übernimmt wieder eine ukrainische Zehner (diesmal unter direkter Regie der Odessaer Eisenbahn) des Depo Reni den Zug, um ihn nach Giurgiulesti zu ziehen. Das Depot Reni selbst ist wiederum eine kleine Dienststelle der Odessaer Eisenbahn, die nur über Transnistrien und Moldawien erreichbar ist. In Giurgiulesti wiederum muss eine CFM-Zehner ran, um die letzten Kilometer bis zum Übergabebahnhof östlich Galati zu überbrücken. Den Verkehr ins Stahlwerk besorgt dann ein Breitspurkutter der CFR. Es dürfte sich mithin um den kompliziertesten Kohleverkehr in Europa handeln.

Um gleich mal Enttäuschungen vorzubeugen. Mir wurde von einem kompetenten DSO-Kollegen zugetragen, dass z.B. im Juni 2014 im Stahlwerk Galati nichts los war. Gründe dafür sind nicht ersichtlich, es muss sich um eine Schwankung gehandelt haben. Gemäß Unternehmensangaben wurden 2014 1,6 Mio Tonnen Stahl in Galati produziert, und für 2015 ist eine Steigerung auf 2 Mio. Tonnen geplant.

[www.adz.ro]

Man sollte also nicht zu enttäuscht sein, wenn man den Verkehr zum Stahlwerk nicht so erleben kann, wie man sich das vorstellt. Umso schöner ist es dann, wenn es klapppt.
Im nächsten Teil geht es in die Ukraine zur Odessaer Eisenbahn.

Bis bald
der diesellokguru


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-700-3-2014-08-10-1.JPG
Bild 1:
Am Nachmittag des 10.08.2014 kamen wir an der Bender-Strecke an. Als erster Zug zeigte sich dort der D1 700/3/1 als No. 6003 Bender-Chisinau. Wir hatten uns in einiger Entfernung vor dem Bahnhof Bulboaca postiert.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-CME3-3217-2014-08-10-4.JPG
Bild 2:
Manchmal bewegt man sich in einer Welt, in der Gewohnheit und Träumerei eine unheilvolle Allianz eingehen. Nur ein klitzekleines Unbehagen aus dem Unterbewusstsein gibt einem dann die Veranlassung, mit der Realität Kontakt aufzunehmen. Im Falle des Eisenbahnfotografen in fremden Landen heißt das, den Fahrplan zur Hand zu nehmen. So fiel uns auf, dass der RZD-Moskauschnellzug nicht mehr täglich eingelegt ist. Und dementsprechend kam er am 10.08.2014 auch nicht mehr. Zum Glück fährt der Zubringer zum CFM-Moskauschnellzug täglich, so dass wir östlich Bulboaca wenigstens in den Genuss einer CFM-Hummel kamen.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-D1-777-1-2014-08-10-5.JPG
Bild 3:
Im allerletzten Abendlicht kam noch der um einen Mittelwagen verstärkte D1 777/1/3 als No. 6006 Chisinau - Bender vorbei.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-M62-1257-2014-08-11-4.JPG
Bild 4:
Am Morgen des 11.08.2014 konzentrierten wir uns natürlich auf den Schnellzug Chisinau - Odessa, der die No. 642 trägt. Unsere Freude war sehr groß, als wir die elegant lackierte M62 1257 aus Chisinau erblickten. An unserer Fotostelle vor Bulboaca machte sie vor dem attraktiven Schnellzug eine gute Figur.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-M62-1257-2014-08-11-7.JPG
Bild 5:
Auch der No. 642 steht einige Zeit in Bulboaca. Was die Reisenden sicherlich nicht erbaut, gibt dem motorisierten Eisenbahnfotografen die Möglichkeit, den schönen Zug in den Hügeln östlich Bulboaca noch einmal ganz entspannt aufzunehmen.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-D1-800-3-2014-08-11-4.JPG
Bild 6:
Die Kühe und Ziegen von Bulboaca nehmen ihre Aufgabe, die Bahntrasse von lästigen Pioniergewächsen freizuhalten, sehr ernst. Dazu bedurften sie grundsätzlich auch keiner Aufsichtsperson, zumindest war die im Bild erkennbare Hirtin infolge vorangegangenen großen Durstes als solche nur mehr eingeschränkt geeignet. Der D1 800/3/1 als No. 6002 Chisinau - Bender passte gleichwohl sehr gut in die Szenerie.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-CME3-3217-2014-08-11-1.JPG
Bild 7:
Der No. 101 ist eine Kurswagengruppe aus Bender zum Schnellzug Nr. 047 von Chisinau nach Moskau. Die CME3 3217 hatte am 11.08.2014 die Aufgabe, die beiden Kurswagen nach Chisinau zu befördern.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-CME3-3217-2014-08-11-6.JPG
Bild 8:
Unweit Transnistrien befindet sich die ferngesteuerte Ausweiche B. P. Km 1507. Mit dem No. 5404 nach Bender wird CME3 3217 in Kürze Transnistrien erreichen (11.08.2014).


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-3TE10M-0030B-2014-08-11-5.JPG
Bild 9:
Sehnlich erwartet: der RZD-Schnellzug No. 65 Moskau-Chisinau. Die B-Sektion der 3TE10M-0030 hatte den Auftrag, den schönen Zug von Bender nach Chisinau zu befördern. In Kürze wird die Ausweiche B. P. Km 1507 erreicht.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-CME3-4317-2014-08-11-2.JPG
Bild 10:
Nach der Durchfahrt des RZD-Schnellzuges setzte sich CME3 4317 mit einem schönen Nahgüter in die Gegenrichtung in Bewegung. Wie man sieht, war es sehr heiß, so dass der Beimann eine Mitfahrt "an Deck" bevorzugte.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-CME3-3217-2014-08-11-9.JPG
Bild 11:
In schönem Abendlicht zeigte sich wieder die Kurswagengruppe No. 103 Bender - Chisinau, wie gestern bespannt von CME3 3217 (2014-08-11; Km 1506).


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-D1-694-1-2014-08-12-3.JPG
Bild 12:
Bissle frustrierend war dann der nächste Tag (12.08.2014). Wir legten uns an der Strecke in den Süden (südlich Cainari) auf die Lauer. Leider fuhr den ganzen Tag kein Güterzug. Lediglich D1 694/1/3 als No. 6212 Basarabeasca - Cainari durchbrach bei P O Carbuna kurz die Lethargie. Die Strecke ist überdies entweder total flach oder heillos verkrautet.


http://www.diesellokguru.de/images/RO2014/MD2014-3/MD-3TE10M-1041-2014-08-12-4.JPG
Bild 13:
Unsere Laune verbesserte sich kaum, als wir die letzte echt dreiteilige 3TE10M 1041 bei Satul Nou zu Gesicht bekamen; denn sie fuhr gegen das Licht und leer. Dass sie bereits scharf nach dem Personenzug nach Basarabeasca mit einem schweren Güterzug zurückkommen würde, hätten wir nicht für möglich gehalten. Ohnehin waren zu diesem Zeitpunkt schon dichte Wolken aufgezogen.


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http://www.diesellokguru.de/bild-ind/2014-11-3.jpg

Wieder super! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 03.12.14 20:01

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
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Fantastisch. Vielen Dank! (o.w.T)

geschrieben von: D 2027

Datum: 03.12.14 21:00

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Le nationalisme, c'est la guerre! (François Mitterrand)

Herrlich, Danke (o.w.T)

geschrieben von: FANTOMAS

Datum: 03.12.14 22:02

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Klasse! Toller Bericht! (o.w.T)

geschrieben von: Dr. NE

Datum: 03.12.14 22:46

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
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Re: [RO][MD][UA] Heißer August im Osten, Teil 5

geschrieben von: 702

Datum: 05.12.14 21:23

Zitat:
Dem Vernehmen nach werden auf Wunsch Einreise- und Ausreisestempel erteilt, aber nur für den Transit in die Ukraine bzw. aus der Ukraine.

So "serviceorientiert" war man 2002 noch nicht. Immerhin wurde uns zwar die illegale Einreise vorgehalten, letztlich jedoch nicht geahndet. Der Pass ohne Moldawischen Einreisestempel hat mir bei weiteren Grenzübertitten zwischen Polen/Slowakei/Ungarn/Rumänien noch viel Freude bereitet. Wer die Geschochte nachlesen will: [www.drehscheibe-online.de]

Jedenfalls vielen Dank für den Beitrag,

Werner

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