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Bahnurlaub in Tschechien - Sommer 2012 (Teil 17)


Teil 17: Opocno und Heimfahrt via ÖNWB


Bisherige Teile:
Teil 1: Von Zwickau über Cheb nach Chomutov
Teil 2: Von Chomutov zur Fichtelbergbahn und zurück
Teil 3: Karlsbad und Brüx
Teil 4: Rundfahrt über Sebnitz/Dolní Poustevna
Teil 5: Zwei Strecken zwischen Böhmen und Zwickau
Teil 6: Über Leitmeritz nach Prag
Teil 7: Karlštejn und Prag
Teil 8: Prag Straßenbahnmuseum Strešovice
Teil 9: Eisenbahnmuseum Lužná
Teil 10: Ausflug nach Pilsen
Teil 11: Prag und Nelahozeves
Teil 12: Tábor und Bechyne
Teil 13: Police, Adršpach, Broumov
Teil 14: Liberec (Reichenberg)
Teil 15: Dreiländerfahrt CZ-DE-PL-CZ
Teil 16: Potštejn und Rychnov nad Kneznou

8. August: Burg Potštejn und Opocno


Fahrplan 8.8.:
12:01 ab Potštejn (Sp 1952)
12:28 an Týnište nad Orlicí
12:42 ab Týnište nad Orlicí (Os 5104)
13:03 an Opocno
16:47 ab Opocno (Os 5105)
17:00 an Týnište nad Orlicí
17:31 ab Týnište nad Orlicí (R 791)
18:04 an Potštejn

70 Bahnkilometer


Besuch auf Hrad Potštejn (Burg Pottenstein)
Um 9 etwa gehen wir zur Burg. Die Wege sind noch taunass von der Nacht und meine Schuhe und Socken werden dadurch nass, das ist ziemlich blöd und ärgert mich. Auf eine Führung verzichten wir, sie wäre ja nur auf Tschechisch, ich hab das beim letzten Besuch ja erlebt. (Die Bilder in der Burg stammen von 2010)

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Der Turm beim Eingang wurde gedeckt und halbwegs renoviert.

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Von der einstigen Burg stehen fast nur mehr Ruinen.

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Die ehemalige Burgkapelle wurde wohl wiederaufgebaut und erhielt eine Türe. Hier gibt es hin und wieder eine Ausstellung (diesmal Malereien).

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Einzig dieser Teil sieht erneuert aus, vielleicht war er auch nie ganz verfallen?

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Die Stiege im Inneren ist vor kurzem renoviert worden!

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Blick von der Burgruine auf das Ortszentrum. Das Haus in der Mitte war einst die Bäckerei eines meiner Vorfahren.

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Von der Burg sieht man auch den Zeltplatz in der Nähe der Wilden Adler.

Den Rückweg von der Burg gehen wir anders und kommen „pod lipami“, also auf dem Weg „Unter den Linden“ entlang des Flusses wieder zurück. In einem Geschäft kaufe ich mir housky (Semmeln) und einen „Egerländer“ als Proviant für die morgige Heimfahrt (12 Kronen). Dann gehen wir zum Bahnhof, denn wir besuchen heute Opocno.
Das Warten auf unseren Zug ist dann etwas fad, der Fahrplan ist nicht besonders gescheit. Wir fahren deshalb nach Opocno, weil auf der Landkarte der Ort als sehenswert eingestuft ist und wir im Netz gefunden haben, dass es dort ein Schloss gibt. In Týnište müssen wir umsteigen.
Opocno liegt an der Strecke 026 von Tynište (bzw. eigentlich von Chocen) nach Broumov, wo wir schon vor einigen Tagen waren. Allerdings hat es sich bei der Reiseplanung durch bereits getätigte Reservierungen leider so ergeben, dass wir nicht die gesamte Strecke befahren konnten und sozusagen zweimal in der gleichen Gegend waren.
Von Opocno zweigt eine 5 km lange Nebenstrecke nach Dobruška ab, auf der nur mehr ein Alibizugpaar verkehrt (nur in der Früh und nur an Werktagen außerhalb der Schulferien). Die Schienen sehen jetzt (in den Ferien) entsprechend rostig aus.

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Ankunft in Opocno: Ein Triebwagen 854 mit Beiwagen, ein Güterzug steht auch gerade da.

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742 202 fährt mit einem Güterzug Richtung Týnište.

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Im Vordergrund ist die Abzweigung Richtung Dobruška zu sehen.

Opocno
Vom Bahnhof Opocno müssen wir ein hübsches Stück weit in den Ort hineingehen, ist aber trotzdem nicht unangenehm. Wir brauchen dafür etwa eine halbe Stunde.
Im Ort angekommen, fragen wir uns, was an dem Ort so besonders ist. Solche Städte gibt es in Tschechien zuhauf, ein besonderes Ortsbild können wir nicht erkennen. Allerdings hat die Stadt (Stadtrecht schon seit 1359!!) natürlich geschichtlich was zu bieten, wie viele Städte in Tschechien. Die Familie Coloredo-Mansfeld erhielt ab 1775 die Herrschaft Opocno, und 1813 war die Stadt Schauplatz einer historischen Begegnung zwischen Fürst Metternich und Zar Alexander I. von Russland.
Wir spazieren ein wenig über den Platz, kommen an der Kapuzinerkirche vorbei und plötzlich erinnere ich mich, dass wir schon mal da gewesen sind. Es muss 2001 gewesen sein, als wir mit dem Auto unterwegs waren. Mein Freund erinnert sich immer besser als ich und meint, dass wir damals das Schloss nicht gefunden hätten oder keine Zeit dafür hatten. Wir spazieren jedenfalls nun Richtung Pfarrkirche und dann zum Schloss. Dieses und der darunter liegende Schloßpark sind nun wirklich sehenswert! Ursprünglich gab es an dieser Stelle eine Burg, die schon 1068 erwähnt wurde. 1560-69 wurde an deren Stelle ein dreiflügeliges Rennaissanceschloss errichtet. Die Grafen von Colloredo-Wallsee bauten das Schloss im Barockstil aus. Die Familie Colloredo-Mansfeld, der das Schloss zwischen 1775 und 1945 gehörte, bemühte sich bisher vergeblich um eine Restituierung.

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In der Mitte beherrscht ein großer, leerer Platz die Szene, hier sind auch zahlreiche Busstationen.

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In einer Seitengasse des Städtchens.

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Die seltsame Kirche mit den zwei Ecktürmen, an der Front mit einem Haus halb zugebaut, sieht schon eigenartig aus! Leider war die Kirche geschlossen.

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Der Schlosshof mit den vielen Bögen erinnert an einige österreichische Schlösser.

Wir gehen nicht in das Schloss hinein, weil es nur mit (tschechischsprachiger) Führung betreten werden kann. Aber die Schlösser sind ja überall mehr oder weniger gleich: eine Anhäufig von Gemälden und Repräsentationsräumen. Ich begnüge mich also mit einigen Fotos von außen. Von einer schönen Terrasse führen Treppen hinunter in den Schloßpark und wir spazieren unten herum. Der Blick hinauf zum großen Schlossgebäude wird zwar fast ganz von Bäumen verdeckt, trotzdem ist die Anlage irgendwie hübsch und verträumt. Der Park ist zwar als Garten angelegt, aber besonders gepflegt ist er nicht, so wie es hier zumeist üblich ist. Die Runde, die wir gehen, ist groß, denn der Park ist entsprechend ausgedehnt. Wir kommen dann in einem oberen Teil des Parks sogar an einer Art Palmenhaus vorbei.

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Von einer schönen Terrasse führen Treppen hinunter in den ausgedehnten Schlosspark.

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Der Blick vom Park zum Schloss hinauf wird durch die vielen Bäume verstellt.

Dann geht es zurück zum Hauptplatz, wo wir in einem Restaurant wieder eine Cesneková polévka (Knoblauchsuppe) essen. Sie ist nur unwesentlich anders als die kürzlich verzehrte, mit Schinken-Käse-Brostücken gefüllt, aber es ist sehr viel geschmolzener Käse darin der sich am Boden sammelt, und das macht die Sache sehr zäh. Der Knoblauch ist sehr scharf auf der Zunge. Danach müssen noch Livance als Nachspeise auf den Tisch! Es sind diesmal dreilagige mit Topfen dazwischen sowie Obers und Beeren. Das Essen ist gut und billig und ich bin satt. Wir haben noch Zeit und machen eine Runde durch die Stadt über einige kleine Gassen, kommen an der Marienkirche vorbei, die als Konzertsaal dient, und gehen dann wieder zum Bahnhof zurück.
Die Karte für die Rückfahrt kaufe ich an der Kassa, sie kostet wie die Herfahrt 42 Kronen (REDO-Verbund-Tarif). Eine normale CD-Rückfahrkarte hätte 103 Kronen gekostet, aber ich wurde ja von der Verkäuferin schon bei der Herfahrt auf den Verbundtarif aufmerksam gemacht. Sehr freundlich übrigens! Und das war hier nicht das erste Mal. Und natürlich bin ich wieder mal erstaunt, dass auf so kleinen Stationen die Kassa geöffnet ist.
Beim Umsteigen in Týnište nad Orlicí staune ich wieder über die Abwicklung der Zugkreuzungen. Aus bzw. in vier Richtungen verkehren hier die Züge, es stehen zu manchenZeiten bis zu fünf Züge gleichzeitig auf den Gleisen ohne Bahnsteige. Es klappt natürlich alles, die Ansagen sind auch gut verständlich. Wir müssen eine halbe Stunde warten. Von hier nach Potštejn geht es dann im rýchlik von Prag weiter, dem einzigen Schnellzug dieser Strecke. Unsere Lokomotive ist die 750 706.

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Einmal am Tag gibt es einen Schnellzug zwischen Prag und Letohrad. Mit diesem sind wir heute von unserem Ausflug zurückgekehrt: geführt von der 750 706.

Letzter Abend in Potštejn
Wieder in Potštejn, gehen wir nach einer kleinen Ruhepause wieder hinunter in den Garten auf ein Abendessen und ein Bier. Mir genügt ein hausgemachter Apfelstrudel (jablecný závin) mit Kaffee. Danach widme ich mich wieder den LOH (Letní Olympijské Hry, also den Olmypischen Sommerspielen) im Fernsehen. Morgen wollen wir über die Nordwestbahn nach Wien zurückfahren. Das dauert zwar, bedingt auch viele Umsteigevorgänge, weil es fast nur Regionalzüge sind, aber eben interessant. Weil zwischen Jihlava und Okríšky Schienenersatzverkehr herrscht, schaue ich mich noch im Kursbuch nach Alternativen um, aber es gibt keine. Also akzeptieren wir es eben.

Donnerstag, 9. August: Rückfahrt nach Wien


Fahrplan 8.8.:
09:01 ab Potštejn (Sp 1950)
09:54 an Hradec Králové
10:04 ab Hradec Králové (Sp 1847)
10:22 an Pardubice hl.n.
11:49 ab Pardubice hl.n. (Sp 1985)
13:53 an Havlickuv Brod
14:05 ab Havlickuv Brod (Os 8361)
14:35 an Jihlava
14:39 ab Jihlava (R 665)
15:06 an Okríšky
15:17 ab Okríšky (Os 24813)
16:47 an Znojmo
16:57 ab Znojmo (R 2256)
18:22 an Wien Handelskai
18:29 ab Wien Handelskai (S45)
18:49 an Wien Breitensee

386 Bahnkilometer

Wir verabschieden uns vom freundlichen Hotelpersonal. Man bietet uns sogar an, uns mit dem Auto zum Zug zu bringen, sehr nett, und wir nehmen das natürlich gerne an!

Heimfahrt über die Nordwestbahn
Wir haben aus historischen Gründen beschlossen, über die Strecken der ehemaligen ÖNWB (Österreichische Nordwestbahn) die Heimfahrt anzutreten. Einen Teil der ÖNWB haben wir in diesem Urlaub ja schon befahren, einen weiteren Teil in früheren Jahren, nun kommt also der südliche und letzte Abschnitt bis Wien hinzu. Das viele Umsteigen ( 6 mal!) nehmen wir in Kauf, denn durchgehende Züge gibt es heute natürlich nicht mehr.

Unser Eilzug nch Königgätz besteht wie üblich aus einem Triebwagen Reihe 854 mit zwei B angehängt. Ab Königgrätz ist es eine 163 mit drei Mitteleinstiegswagen (Bautzen). In Pardubice (Pardubitz) haben wir eineinhalb Stunden Aufenthalt, das nutzen wir für ein Mittagessen. Gelegenheit, die überschüssigen Kronen loszuwerden. In einem Souvenirgeschäft finde ich diverse Lebkuchensorten (Pardubitz ist offensichtlich dafür berühmt), die sich perfekt als kleine Mitbringsel eignen. Wir entdecken im Bahnhofsrestaurant dann auch „kynutové knedliký“, und es ist völlig klar, dass wir die Wartezeit bis zu unserem Zug für ein Mittagessen nutzen. Um 85 Kronen gibt es vier Stück Germknödel mit Marillen gefüllt, darüber Rahm, Butter, Kakao und Zucker. Es ist nicht schlecht, aber die Knödel in Leitmeritz waren viel besser. Bei der Abfahrt bleiben also nur mehr 250 Kronen übrig. Und auf der Kilometerbank 351 km, die ich später noch aufbrauchen werde (für einen Ausflug nach Olmütz im Herbst).

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Heute bei der Abfahrt fällt mir erst auf, dass auf der Tafel mit den Öffnungszeiten des Bahnhofs (und Fahrkartenschalters) die Angaben sogar dreisprachig aufscheinen!

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Was man nicht alles an netten Gebäuden unterwegs entdecken kann!

Der nächste Eilzug bis Havlickuv Brod ist leider ein Regionova. Schade, denn das ist eine sehr wackelige Sache für die nächsten zwei Stunden. Es geht über kurvenreiche Strecken durch viel Natur, Wälder, Felder dahin, die Gegend ist schwach besiedelt. Ab Hlinsko hält der Zug in allen Stationen (bei Bedarf). In Havlickuv Brod (Deutsch Brod) ist der Zug für die Weiterfahrt noch nicht da. Er kommt erst aus Jihlava (Iglau) mit 5 Minuten Verspätung, dann muss auch noch die Lok ans andere Ende gekuppelt werden, das dauert. Trotzdem fahren wir mit nur 4 Minuten Verspätung ab. Ich würde gerne wissen, wie lange die Nordwestbahnzüge vor dem Ersten Weltkrieg von Deutsch Brod nach Wien benötigt haben. Im Krieg gab es Wehrmachtszüge, die auf diesem Abschnitt über fünf Stunden unterwegs waren. Wir bewältigen die 222 km heute mit dreimaligem Umsteigen in etwas mehr als vier Stunden.

In Jihlava (Iglau) müssen wir dann statt in einen Schnellzug in einen SEV-Bus umsteigen. Drei Busse stehen bereit, wir fahren 5 Minuten später ab als der Schnellzug abgefahren wäre. Die Ankunft in Okríšky erfolgt mit 11 Minuten Verspätung. Die Abfahrt verzögert sich dadurch auch um 11 Minuten. Wir sitzen nun in einer Brotdose (Reihe 810). Eigentlich hätten wir auch schon früher abfahren können, die Fahrgäste waren schon alle im Zug, aber bei der Ausfahrt aus Okríšky müssen wir die Gleise der Hauptbahn Richtung Brünn kreuzen, daher müssen wir dem Schnellzug nach Brünn natürlich Vorfahrt lassen. Auf der Weiterfahrt sehen Gegend und Bahnhöfe nun zunehmend österreichischer aus. Bei der Ankunft in Moravské Budejovice (Mährisch Budweis) hat sich die Verspätung von ursprünglich 11 Minuten schon auf 5 Minuten reduziert, der Aufenthalt wird einfach gekürzt und wir fahren püntklich ab, sodass die Verspätung wieder eingeholt ist.

Naturgemäß gibt es von der Fahrt nicht viele Bilder. Beim Umsteigen mit Gepäck bleibt wenig Zeit, die Anschlüsse sind meist knapp. Aus dem Zug heraus sind viele Bilder nicht wirklich außergewöhnlich. Ich machte lediglich einige Dokumentationsaufnahmen wegen der Nordwestbahnstrecke:

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In Okríšky fotografiere ich bei der Abfahrt hinten aus dem Fenster unserer Brotdose hinaus.

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Die Ausfahrt von Okríšky liegt in einem starken Bogen, rechts das Gleis der Hauptbahn Richtung Brünn.

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In Moravské Budejovice (Mährisch Budwitz) sehen wir den Gegenzug mit einem eigenartig lackierten Beiwagen. Die Bahnanlagen hier sind ziemlich umfangreich.

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Das Bahnhofsgebäude ist denn auch stattlich und schön renoviert.

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Bei der Ausfahrt fallen sofort die alten Flügelsignale auf.

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Die Gegend wird immer flacher, es sieht auch immer mehr nach Österreich aus.

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Ich weiß nicht mehr, wieso ich den Bahnhof von Grešlové Mýto (Gröschlmaut) fotografiert habe. Vermutlich wegen dem seltsamen Namen, denn ein G gibt es im original Tschechischen eigentlich nicht. Es wird sich wohl um eine direkte Übersetzung aus dem Deutschen handeln.

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In Šumná begegnet uns eine Brotdose der seltenen Reihe 809.

In Znaim haben wir nur wenig Umsteigezeit, sodass ich keine Gelegenheit habe, den erneuerten Bahnhof zu begutachten. Ich habe Sorge, dass ich im Zug keine Fahrkarte bekomme bzw. zuviel draufzahlen muss. Am Schalter stehen leider mehrere Leute, die es eilig haben. Ich frage schnell, ob man Karten nach Wien bekommt, ob auch für Euro (Kronen hab ich bereits zu wenige). Es wird bejaht und ich werde freundlicherweise auch vorgelassen. Ich bekomme einen Beleg über das Geldwechseln und kann mit 15 Euro zu 385 Kronen meine Fahrkarte nach Wien kaufen, das Wechselgeld bekomme ich jedoch in Kronen ausbezahlt. Danach schnell in den Dosto-Zug nach Wien bzw. Payerbach-Reichenau. Es folgt eine gemütliche Heimfahrt über eine für eine Urlaubsrückfahrt unübliche Strecke. Vermutlich bis Retz ist ein tschechische Schaffner im Zug. Es gibt auch einige Halte auf tschechischem Gebiet. Nach vier Wochen bin ich dann erstmals wieder auf österreichischem Boden. Die Fahrt zwischen Znaim und Retz dauert fast 20 Minuten, ab Hollabrunn geht es dann mit weniger Halten etwas schneller dahin. In Handelskai steigen wir in die S45 um und kommen dann in Breitensee an (dort steht mein Auto für die Heimfahrt in die Steiermark).

Ein wunderschöner und gemütlicher Urlaub ist zu Ende gegangen. Tschechien ist halt ein Land, in dem es mir immer wieder gefällt. Ob das mit meinen Genen (Vorfahren) zu tun haben kann?

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Erstmals fahre ich über die neugebaute Znaimer Eisenbahnbrücke, von der man die schöne Lage der Stadt gut erkennen kann.


Danke für alle Geduld. So lange hab ich noch nie für einen Reisebericht gebraucht! Und danke für alle Kommentare und freundlichen Worte!
ENDE

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:07:09:09:32:14.
Danke auch für diesen Teil Deines Berichtes.

Zu Moravské Budejovice (Mährisch Budwitz): Die umfangreichen Bahnanlagen sind vmtl. dem Kohleverkehr aus Jemnice (Jamnitz) geschuldet. Ich war vor etwa 10 Jahren in Jemnice, die Abraumhalden sahen damals noch relativ frisch aus.

Zu Grešlové Mýto (Gröschlmaut): War ab Oktober 1938 (Münchner Abkommen) tschechischer (später Böhmisch-Mährischer) Grenzbahnhof zum Deutschen Reich.

Gruß aus Wien

P.S.: Wie hast Du die diakritischen Zeichen im Ortsnamen Grešlové Mýto hinbekommen?

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:07:09:08:42:07.
Jörg Schwabel schrieb:
-------------------------------------------------------
> P.S.: Wie hast Du die diakritischen Zeichen im
> Ortsnamen Grešlové Mýto hinbekommen?

Danke für Deine Anmerkungen, vor allem (wie peinlich) die Korrektur von Mährisch Budwitz...
Wie ich die diakritischen Zeichen hinbekomme?
Ich verstehe die Frage nicht so ganz, denn Du hast es ja auch hinbekommen...

Aber vielleicht meist Du das grundsätzlich.
Also:
Prinzipiell schreibe ich alles auf InDesign. Es ginge natürlich auch auf Word. Ich habe mir Shortcuts angelegt, um die von mir häufig benötigten diakritischen Zeichen zu schreiben. Es gibt aber bei beiden Programmen ja auch die gesamte Schriftdatei zum einsehen, sodaß man selten gebrauchte Zeichen einfach heraussuchen und anklicken kann. Bei š und Š hab ich aber den Code im Kopf (Alt+0154 für š und Alt+138 für Š) und tippe es daher immer so ein.

Den Reisebericht tippe ich also zunächst korrekt (auch für ein anderes Forum, das alle diakritischen Zeichen unterstützt, sogar cyrillische und japanische Zeichen) mit allen richtigen Zeichen. Für das DSO-Forum erstelle ich dann eine Kopie, in der ich alle hier nicht unterstützten Zeichen durch "Suchen/Ersetzen" korrigiere.
Die Buchstaben áéíóúý sind ja sowieso mit jeder Tastatur schreibbar, aber das war bestimmt nicht Deine Frage.

Übrigens: ich mache den Reisebericht sowieso für mich persönlich (schon seit Jahrzehnten). Für das Forum wird der Bericht dann überarbeitet, also die allzu persönlichen Dinge fallen raus, einige eisenbahnspezifische kommen dazu (die ich mir selbst erspare, wenn es keine neuen Informationen für mich sind).

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:07:09:09:41:50.
Hallo Gustav,

so nun ging es ja Schlag auf Schlag am Schluß, schade dass es vorbei ist. Vielen Dank für deinen lesenswerten Bericht, gerade weil er auch Informationen und Bilder um die Eisenbahn herum geliefert hat und die Emotionen nicht zu kurz gekommen sind. Sehr schön !

Ich hoffe Du hast dir auch für 2013 ein interessantes Urlaubsziel ausgesucht.

Viele Grüße in die Steiermark

Robert
tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
...
> Wie ich die diakritischen Zeichen hinbekomme?
> Ich verstehe die Frage nicht so ganz, denn Du hast
> es ja auch hinbekommen...

Strg+C / Strg+V ............

> Aber vielleicht meist Du das grundsätzlich.

Danke für die Antwort, hilft weiter.

Gruß aus Wien

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)

Vielen Dank!

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 11.07.13 20:12

Guten Abend Gustav,

nachdem der Teil nun seit zwei Tagen schön im Forum steht, habe ich heute die Zeit gefunden, ihn endlich zu lesen. Vielen Dank für den ganzen Reisebericht! Es hat Spaß gemacht, aus diesem sympathischen Land wieder etwas zu lesen, auch abseits der Hauptziele. Du hast lange gebraucht, aber das Warten hat sich gelohnt!

Daß das Tschechische kein G kennt, war mir noch nie bewußt aufgefallen, auch wenn es z.B. hrad heißt, wo andere slavische Sprachen grad schreiben würden. Das Kursbuch kennt übrigens noch Golcuv Jeníkov (nach einem Herrn von der Goltz) und Grygov (dt. Grügau) bei Olmütz. Also wirklich nicht viel.

Viele Grüße,
Sören

Re: Vielen Dank!

geschrieben von: Bremer1897

Datum: 11.07.13 21:44

Betrifft das G im Tschechischen nur Orte oder auch Worte im allgemeinen ? Kenne mich mit der Sprache leider überhaupt nicht aus. Finde es aber sehr interessant.

Hier geht es zu meinen Reiseberichten


Fußball und Eisenbahn funktioniert !

Re: Vielen Dank!

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 11.07.13 22:00

Bremer1897 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Betrifft das G im Tschechischen nur Orte oder auch
> Worte im allgemeinen ? Kenne mich mit der Sprache
> leider überhaupt nicht aus. Finde es aber sehr
> interessant.

In der Sprache an sich gibt es kein g. Also original tschechische Worte haben dort, wo andere slawische Sprachen ein g haben, ein h (wie auch das Ukrainische z.B.).
Ursprünglich gab es also kein g. Natürlich gibt es aber dann viele Fremdwörter und Wörter, die aus anderen Sprachen in die tschechische Sprache eingeflossen sind, so kam auch das G.
Servus Gustav,

vielen Dank für die hervorragende Bebilderung und Erläuterung Deiner Reise! Abseits von Prag machte es besonders viel Spaß, von kleinen Orten und großen Schlössern zu lesen.

Zum "g" im Tschechischen:
Es taucht wirklich nur ganz selten auf, auch bei Entlehnungen wird aus dem g meistens ein k (Hamburg => Hamburk, Rumburg => Rumburk). Auch kennt das Tschechische kein q (wird immer zu kv, wie auch in den skandinavischen Sprachen) und kein w (wird meistens zu v (Warnsdorf => Varnsdorf, Wien => Víden). Dazu kommt eine Gemeinsamkeit mit dem Ukrainischen - man vermeidet f an Wortanfängen (Farbe > barva, slowakisch farba). Das Slowakische nützt das g häufiger, unter anderem bei plagát (Plakat).

Eine einzige Ausnahme gibt es im Tschechischen: Couch (hier nun auch Kautsch) => gauc (c mit Hacek)

Genug Slawistik für heute,
Martin

PS: Wenn Du das alles mit InDesign niederschreibst, machst Du daraus für Dich dann kleine Bücher?
Martin Junge schrieb:
-------------------------------------------------------

Hallo Martin,
Barva? Wußte ich nicht, auf Slowenisch heißt es auch barva.
Ja, ich weiß von einigen Wörtern mit G, siehe Wörterbuch (da kann man aber auch nur jene Wörter finden, die mit G beginnen).

> PS: Wenn Du das alles mit InDesign
> niederschreibst, machst Du daraus für Dich dann
> kleine Bücher?

Ich mache deshalb alles mit InDesign, weil ich das Programm habe und weil ich es gewohnt bin, also nutze ich es auch für private Sachen. Word nehme ich nur, wenn ich jemandem ein Dokument schicken muß, daß er lesen kann und bearbeiten kann (sonst mache ich pdf von der InDesign-Datei).
Bücher mache ich aus meinen Reiseberichten keine, aber die Seiten kommen in Plastikhüllen und dann in Ordner, dazu Andenken wie Prospekte, Fahrkarten usw. Und so kann ich bis 1983 zurück meine Urlaubsreisen nachlesen. Damals natürlich noch mit Schreibmaschine, später mit PageMaker, jetzt also mit InDesign. Zu PageMaker-Zeiten aber auch öfter mit Word, weil ich so versessen darauf bin, die Namen richtig schreiben zu können, das war bei PageMaker noch nicht möglich. Bei InDesign geht es nun aber auch in Japanisch, Arabisch, Griechisch, Cyrillisch und eben all die Sonderzeichen der lateinischen Schriften. Vor InDesign ging das nur bei Word, nicht bei PageMaker.

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
Vielen Dank, lieber Gustav, für Deinen spannenden Bericht!

Ich bin schon gespannt, wohin es Dich das nächste Mal verschlägt!
Klosterwappen schrieb:
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> Vielen Dank, lieber Gustav, für Deinen spannenden
> Bericht!
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> Ich bin schon gespannt, wohin es Dich das nächste
> Mal verschlägt!

Das kann ich Dir verraten:
Im September nach Flandern und dann 3 Tage London.

Von Innsbruck, München und Wien wird es hingegen keinen Bericht geben.