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[CZ] Bahnurlaub in Tschechien - Sommer 2012 (Teil 16)

geschrieben von: tokkyuu

Datum: 07.07.13 19:52

Bahnurlaub in Tschechien - Sommer 2012 (Teil 16)


Teil 16: Potštejn und Rychnov nad Knežnou


Bisherige Teile:
Teil 1: Von Zwickau über Cheb nach Chomutov
Teil 2: Von Chomutov zur Fichtelbergbahn und zurück
Teil 3: Karlsbad und Brüx
Teil 4: Rundfahrt über Sebnitz/Dolní Poustevna
Teil 5: Zwei Strecken zwischen Böhmen und Zwickau
Teil 6: Über Leitmeritz nach Prag
Teil 7: Karlštejn und Prag
Teil 8: Prag Straßenbahnmuseum Strešovice
Teil 9: Eisenbahnmuseum Lužná
Teil 10: Ausflug nach Pilsen
Teil 11: Prag und Nelahozeves
Teil 12: Tábor und Bechyne
Teil 13: Police, Adršpach, Broumov
Teil 14: Liberec (Reichenberg)
Teil 15: Dreiländerfahrt CZ-DE-PL-CZ



6. August: Fahrt nach Potštejn

Fahrplan 6.8.:
10:02 ab Liberec (R 987)
12:34 an Hradec Králové
13:05 ab Hradec Králové (Sp 1955)
13:58 an Potštejn

180 Bahnkilometer

Fahrt zum letzten Domizil: Potštejn (Pottenstein)
Der letzte Hotelort, den wir in dieser Reise aufsuchen, ist Pottenstein. Grund? Ganz einfach: meine Vorfahren stammen von hier! Ich war seit der Wende schon einige Male dort und irgendwie fühle ich mich dort wohl, kann es aber natürlich wieder mal nicht erklären. Ich bin erst kurz vor der Wende dahintergekommen, dass meine Vorfahren väterlicherseits aus Pottenstein stammten. Mein Ururgroßvater war noch hier geboren, heiratete dann in Wien und mein Urgroßvater kam 1875 in Wien auf die Welt. Einige Namen (und auch der tschechische Familienname) deuten darauf hin, dass die Vorfahren einmal tschechisch gesprochen hatten, obwohl es in Pottenstein auch viele Deutschsprachige gegeben haben muss (Grabinschriften usw.).
Soweit also die Hintergründe, warum wir den Urlaub hier abschließen. Wir gehen es gemütlich an und wollen an den folgenden Tagen einige Orte mit Schlössern besuchen oder einfach den Tag genießen.
In der Früh gibt es noch spannendes TV: Wir sind live dabei bei der Marslandung von „Curiosity“. Auch ein schöner Zufall. Das Frühstücksbuffet ist ausgezeichnet, heute sind die Hotelbesitzer wieder anwesend und der Mann im Frühstücksraum und später beim Bezahlen spricht perfekt Deutsch (kein Wunder: er hat in Deutschland studiert).

Bevor die Fahrt zum letzten Urlaubsdomizil beginnt, muss ich noch ein paar Bilder vom Vortag nachholen:

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Die Strecke Richtung Jablonec (Gablonz) wird auch schrittweise auf Normalspur umgestellt und zweigleisig ausgebaut. Bis zu einer Zwischenendstation dürfte das schon bald der Fall sein. Aber die Normalspurgleise sind noch nicht befahren.

http://share.bahnforum.info/transfer/4b34bb10c170dda14241baa237c7d58d12b33f68/U2012/U12_2694e.JPG
Eine Haltestelle (ich glaube, eine hinter Fügnerová) in diesem Streckenabschnitt.

Auf dem Fußweg zum Bahnhof gelingen auch noch einige Straßenbahnbilder: heute ist Werktag, daher sind Doppelgarnituren unterwegs:

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Wagen 80 und 77 in Linie 2.

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Wagen 77 in Linie 11.

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Wagen 32 und 31 in Linie 11.

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Wagen 29 in Linie 11.

Die Fahrt nach Pottenstein (Potštejn) ist unspektakulär. Bei der Ausfahrt fahren wir eine Weile parallel mit einem Triebwagen der Reihe 840.
Wir fahren mit einem Takt-Schnellzug (alle zwei Stunden, wie viele Züge in Tschechien) nach Königgrätz (Hradec Králové), wo wir in den Eilzug umsteigen, der uns nach Potštejn bringt. Unterwegs müssen wir einmal in einen SEV-Bus umsteigen, und zwar zwischen Týnište (Tinischt) und Castolovice (Castolovitz). Das sind nur 8 Kilometer, und das gilt nur heute und morgen. Unser Eilzug verkehrt mit Triebwagen Reihe 854 und zwei angehängten Wagen. Trotz dieses SEV kommen wir mit lediglich 5-6 Minuten Verspätung in Potštejn an.
Es ist das erste Mal, dass ich in Potštejn mit dem Zug ankomme, bisher war ich hier immer mit dem Auto angekommen. Immerhin bin ich seit der Wende bereits zum sechsten Mal (1990, 1992, 2001, 2009, 2010, 2012) an diesem Ort, zum dritten Mal mit Nächtigung über mehrere Tage. Diesmal brauche ich nicht die Häuser meiner Vorfahren suchen (das tat ich schon beim letzten Mal), sondern wir genießen nur die Ruhe und wollen Ausflüge zu irgendwelchen Orten mit Schlössern und/oder Burgen machen. Also sozusagen leisetreten abseits großer Touristenströme.
Zwar hatte mir der Hotelbesitzer geschrieben, sie wollten uns abholen, aber sie haben vermutlich darauf vergessen. Macht aber nichts, der Weg zum Hotel ist nicht allzu weit, nicht einmal 15 Minuten.

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Unterwegs kommt uns in Turnov dieses seltsame Gespann vor die Linse: Lok Reihe 714 mit einem Regionova.

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Die Fahrt geht durch hübsche Gegenden, es steigen immer wieder Wanderer aus. Oft sieht man nichts, weil man durch dichten Wald fährt. Aber Ausblicke wie diesen gibt es doch einige.

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Aber manchmal sieht man nichts als Bäume.

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Unser dreiteiliger Eilzug (Steuerwagen-Zwischenwagen-Triebwagen) nach der Ankunft in Potštejn. Ein idyllisch gelegener Bahnhof.

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Das Innere des Wagens (ich glaube, es war der Zwischenwagen) ist wohl vor kurzem total erneuert worden.

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Das hübsche Bahnhofsgebäude von Potštejn: es ist sogar den ganzen Tag über besetzt: Wochentags von 4.40 bis 20.10 Uhr, Samstag und Sonntag von 5.40 bis 20.10 Uhr!

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Noch ein Blick auf den Bahnhof.


Köstliches Mittagessen
Nach dem Bezug unseres Zimmers gehen wir gleich in den Gastgarten, der mich an meine Kindheit erinnert: große schattige Kastanienbäume, Kiesboden, Holztische und -stühle, und wunderbare Ruhe, keine Ausländer (außer uns - hihi) sondern lauter Tschechen. Die Speisekarte für das verspätete Mittagessen ist üppig wie schon die letzten Male, ich nehme mir einfach irgenwas Originelles: „Veprový rízek po starocesku“. Das kann ich sogar ohne Wörterbuch übersetzen: Schweinsschnitzel altböhmische Art. Was dabei ist, verstehe ich zwar nur teilweise (tymián, povidla, jerábiny), aber als ich im Wörterbuch „jerábiny“ nachschlage, frohlocke ich schon: juchuu! Es ist mein Lieblingsgericht hier, das ich fast jedesmal genommen hab – diesmal allerdings zufällig. Wo bekommt man schon Vogelbeeren (die Beeren der Eberesche) als Zutat? Die meisten Leute wissen gar nicht, dass es bei uns daheim u.a. einen Vogelbeerschnaps gibt, der ziemlich teuer ist (weil man viele Beeren benötigt: 100 Liter Maische ergibt 1,5 Liter Schnaps). Als Zutat zu Fleisch hab ich Vogelbeeren bisher nur in Böhmen kennengelernt.

Geschichte und Wissenswertes über Pottenstein
Man mag überrascht sein, aber selbst dieser kleine Ort hat eine interessante Geschichte! Potštejn (Pottenstein in Böhmen) liegt 12 km südlich der Kreisstadt Rychnov nad Knežnou (Reichenau an der Knieschna) und 30 km östlich von Hradec Králové (Königgrätz) – in der Region Hradec Králové - und hat etwa 900 Einwohner. Bis 1924 hieß der Ort Potštýn nad Orlicí. Der Ort liegt an der Bahnlinie Hradec Králové - Letohrad (Kursbuch-Nr. 020).
Potštejn ist gar nicht so unwichtig – die meisten Orte in Tschechien haben eine interessante Geschichte. Schon 1287 wurde die Burg Pottenstein erstmals erwähnt, die damals dem Botho von Bothenstein (Puta z Potštejna) gehörte. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch der unterhalb der Burg liegende Ort gleichen Namens erstmals erwähnt. Um 1500 wurde die Burg im Renaissancestil ausgebaut, häufiger Besitzerwechsel ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkten sich aber negativ auf die Bausubstanz aus, sodaß bereits 1673 die Burg als Ruine bezeichnet und nicht wieder aufgebaut wurde.
Ab 1746 gehörte Pottenstein dem Grafen Johann Ludwig Harbuval de Chamaré, der sich große Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung Pottensteins erwarb. Neben der Errichtung einer Seidenfabrik und einer Weber- und Spinnereischule erbaute er bis 1755 auch das in der Ortsmitte gelegene Schloß, das als Sitz der herrschaftlichen Verwaltung diente. Ab Mitte des 19. Jahrhundert war das Schloß im Besitz der Grafen Dobrenský, die das Schloß zu einem kulturellen Zentrum machten, das auch von Rainer Maria Rilke und Karl Kraus aufgesucht wurde. 1945 wurde das Schloß enteignet, nach der Wende erfolgte die langsame Restaurierung. Bei meinem ersten Besuch 1992 war das Schloß noch gesperrt und wirkte recht unansehnlich. Heute ist das Schloß renoviert und wieder zu besichtigen. Der Wiederaufbau ist aber noch nicht abgeschlossen.
St.-Laurentius-Kirche (Kostel sv. Vavrince) wurde 1815-1821 errichtet. Durch die malerische Lage ist Pottenstein ein beliebtes Ausflugsziel.
Zwar konnte ich noch nirgends Angaben finden, die über die Sprache Aufschluß geben, die dort gesprochen wurde. Es scheint aber von den Herrschenden die meiste Zeit Deutsch die Hauptsprache gewesen sein, während das Fußvolk vermutlich doch eher tschechisch geprägt war. Unser Familienname ist ja eindeutig tschechisch, allerdings gibt nur die deutschsprachige (und nicht etwa die tschechische) Wikipedia-Seite eine ausführliche Geschichte des Ortes an.

Spaziergang entlang der Wilden Adler
Wir machen eine Pause im Zimmer zum Frischmachen und gehen dann auf einen Spaziergang entlang dem Tal der Wilden Adler (Divoká Orlice). Danach schauen wir noch zum Friedhof, auf dem es keine Gräber mit meinem Familiennamen gibt. Aber wir entdecken alte Grabplatten mit deutschen Inschriften, es muss hier also wohl früher eine zweisprachige Bevölkerung gegeben haben.
Die folgenden Bilder von Pottenstein sind teilweise aus 2010:

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Unser Hotel „Praha“ in Pottenstein.

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Zamek Potštejn - Schloss Pottenstein - ist mitten im Ort gelegen und kann besichtigt werden.

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Neben dem Hotel ist die Kirche, in der meine Vorfahren getauft wurden.

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Die Straße von der Kirche (und vom Hotel) Richtung Ortszentrum, wo es eine nette kleine Konditorei gibt!

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Spaziergang neben der Wilden Adler (Divoká Orlice)

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Eine breite Alle „pod lipami“, also „unter den Linden“ führt entlang des Flusses. Weiter hinten gibt es Zeltplätze, wo Kinder eine Art Sommerlager abhalten. Es ist hier offenbar eine Feriengegend.

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Auf dem Friedhof gibt es auch einzelne Inschriften auf Deutsch: hier von 1838, der Familienname ist allerdings polnisch.

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Die Ortschaft an sich sieht absolut unspektakulär aus - aber vielleicht empfinde ich sie deshalb so erholsam?

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Beim Spaziergang hat man öfter einen netten Blick auf die Burgruine Pottenstein.

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Die Ruine wurde nach der Wende zugänglich gemacht und sie wird auch für diverse Veranstaltungen genutzt.

Wieder zurück im Hotel erkundige ich mich, was wir bezahlen werden: 17,80 Euro pro Nacht und Nase inklusive Frühstück - das ist schon recht günstig! Wir schmieden noch Pläne für die nächsten zwei Tage: morgen wollen wir nach Rychnov (Reichenau), das ist die Bezirksstadt dieser Gegend und übermorgen nach Opocno, weil übermorgen kein SEV mehr besteht. Auch die Burgruine hier in Pottenstein wollen wir wieder einmal besuchen.

7. August: Ausflug nach Rychnov nad Knežnou

Fahrplan 7.8.:
09:01 ab Potštejn (Sp 1950)
09:18 an Castolovice
09:44 ab Castolovice (Os 20256)
09:57 an Rychnov nad Knežnou
15:02 ab Rychnov nad Knežnou (Os 20265)
15:16 an Castolovice
15:41 ab Castolovice (Sp 1957)
15:58 an Potštejn

40 Bahnkilometer

Besuch in der Bezirksstadt
Der Wetterbericht im Fernsehen sagt für heute „polojasno“ bis „oblacno“ an, na das ist auszuhalten. Wir sehen aber auch die Folgen von Unwettern, sogar Hochwasser in manchen Gegenden, sogar in Prag. In Vyššy Brod ist der Zugsverkehr unterbrochen. Na, da haben wir hier ja Glück!
Ich war zwar schon fünfmal hier, aber in der zugehörigen Bezirksstadt Rychnov nad Knežnou (Reichenau an der Knieschna), früheres Autokennzeichen RK, war ich noch nie. Da es dort ein Schloss gibt, haben wir beschlossen, uns dieses anzusehen und das Städtchen natürlich auch. Wie erwähnt, ist der Bahnhof immer besetzt, die Dame am Schalter (Bahnhofsvorstand und Weichenstellerin und Fahrkartenverkäuferin und sozusagen Mädchen für alles, auch für die Pflege der vielen Blumen gibt es Zeit) rät mir, eine Verbundfahrkarte zu kaufen, weil sie viel billiger ist! Das nenne ich Service!
Der heutige Eilzug besteht aus einer solofahrenden Brotdose (Reihe 810), übervoll besetzt. Allerdings steigen sehr viele Leute hier aus, sodass wir keine Platzprobleme haben. In Doudleby müssen wir schon raus und in einen 854 umsteigen. Vermutlich ist wegen dem SEV der Fahrzeugumlauf nicht im gewohnten Umfang möglich, dass man zu dieser Maßnahme greift. Von Castolovice geht es mit dem Osobní weiter, der aus einem Regionova besteht.
Eigentlich lustig, dass man mit der Bahn einen ziemlichen Umweg machen muss, denn direkt auf der Straße ist Rychnov nicht 20 km entfernt, sondern lediglich 10 km.

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Der heutige Eilzug ist kein dreiteiliger 854, sondern eine Brotdose (Reihe 810).

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In Doudleby müssen wir umsteigen. Der kleine Bahnhof ist eine Abzweigstation für die Nebenbahnlinie nach Rokytnice und es ist schier unglaublich, wieviel hier umgestiegen wird - auch wenn es keine Besonderheiten wie heute gibt.

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Der Steuerwagen zum 854 ist wieder ein modernisierter, schöner Wagen!

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In Castolovice steigen wir in den Regionova um. Die Nebenbahn startet auf einem eigenen kleinen Bahnsteig.

Wir spazieren in die Stadt und ich bin froh, den Regenschirm dabei zu haben, denn der Himmel ist pechschwarz über uns, obwohl die Sonne die Häuserfronten anstrahlt. Wir gehen zum Hauptplatz und kommen in einer Seitengasse zu einer Synagoge (1787), die kürzlich renoviert wurde und als Museum verwendet wird. Es ist eigentlich ganz interessant, obwohl ich nur rudimentär etwas verstehe. Die freundliche Dame bemüht sich sehr, aber mein Tschechisch reicht natürlich bei weitem nicht aus, um irgendwelche Details zu verstehen. Ich bin überrscht, welch reiche jüdische Vergangenheit es hier gibt! Wir kommen dann zur Kirche Sv. Havel (St. Gallus), die aus dem 13. Jahrhundert stammt und 1521 spätgotisch umgebaut sowie im 17. Jahrhundert barockisiert wurde.

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Auf dem Hauptplatz der kleinen Stadt ist gerade Markt, die Wolken sehen dunkel und bedrohlich aus, aber es bleibt trocken!

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Die Kirche St. Gallus (Sv. Havel) hat eine Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Wir spazieren dann weiter zum Schloss (1676-90), besichtigen es aber nicht, da wir annehmen, dass die meisten Schlösser einander im Inneren ja gleichen: Gemäldegalerien zuhauf und Familienporträts. Aber wir schauen uns die zwei Höfe an und spazieren dann weiter, entlang einer langen Mauer, die einen Schloßpark umgibt (der allerdings vom Schloss durch eine Straße getrennt ist). Wir kommen zu einer Kirche der Bömischen Brüder (eine spätgotische Dreifaltigkeitskirche, errichtet 1592-1602). Die Kirche wurde mit einer barocken Fassade versehen und ich vermute, dass sie heute katholisch genutzt wird. Der Eintritt beträgt 20 Kronen, aber wir schauen trotzdem hinein, denn sie ist recht interessant. Innen scheint die Ausstattung neugotisch zu sein.

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Das Schloss sieht recht ansehnlich aus.

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Es gibt zwei Innenhöfe.

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Vom zweiten Hof sieht man im Hintergrund schon die große Kirche der Böhmischen Brüder. Erreichbar ist sie von hier aus jedoch nicht.

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Die Front-Fassade der Kirche ist barockisiert worden.

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Von der Seite merkt man jedoch die gotische Grundstruktur.

Wir spazieren dann wieder zum Hauptplatz zurück und schauen auf den gegenüberliegenden Hang zum jüdischen Friedhof, der jedoch versperrt ist. Von dem Hügel jenseits der Bahnlinie haben wir allerdings einen hübschen Blick auf die Stadt und das Schloss. Das nächste Ziel, das wir ansteuern, ist eine Brauerei. Es ist ein schöner Spaziergang entlang alter Häuser, vorbei an der „Alten Post“. Die Anlage sieht aber aus, wie sie wohl vor 100 Jahren auch schon ausgesehen hat. Wir spazieren also auf einem anderen Weg wieder zurück und kommen dabei auch durch den Schloßpark, in dem wir eine kleine Rast machen. Die schwarzen Wolken sind übrigens längst verschwunden und es ist warm, ja sogar heiß geworden.

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Blick vom gegenüberliegenden Hügel, vom jüdischen Friedhof, auf das Schloss.

Mittagessen
Auf dem Hauptplatz suchen wir ein Restaurant, aber ein „internationales“ mit Allerweltsküche ist nicht unsere Sache. Wir finden schließlich ein passendes Lokal. Da ich in der Speisekarte keine Mehlspeisen außer Palatschinken finde (ich habe wenig Hunger), wähle ich eine Cesnecka (später lese ich, dass sie eigentlich vollständig Cesneková polévka heißt). Noch weiß ich nicht, was es ist, weil ich noch nicht weiß, dass cesnek Knoblauch heißt. Aber nach dem zweiten Löffel ist es deutlich zu merken: überaus knoblauchscharf. So etwas gibt es bei uns nicht! Es ist eine Art Bouillon mit Ei, Zwiebel, Schinken, gerösteten Brotstücken und natürlich Unmengen an Knoblauch, sodass ich meine Zunge noch stundenlang deutlich spüre! Aber sie ist gut und vor allem: einmal was wirklich Neues! Unsere Knoblauchsuppen sind ein fader Abklatsch dagegen (abgesehen davon, dass es bei uns immer Knoblauchcremesuppe ist).
Mein Gusto nach Süßem wird in einer Cukrárna (mit einem Kaffee dazu) gestillt. Danach gehen wir wieder zum Bahnhof und besteigen den Zug zurück. Bei der Abfahrt beginnt es zu regnen: perfektes timing! Mit dem Regionova geht es wieder bis Castolovice (es schüttet beim Umsteigen) und mit einer dreifachen Brotdose weiter nach Pottenstein.

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In Pottenstein gibt es wieder eine Zugkreuzung. Unser Zug steht auf dem dritten Gleis.

Abend im Schlosspark Pottenstein
Als wir wieder in unserem geliebten Pottenstein sind, fällt uns auf, dass der Schloßpark geöffnet ist. Also nichts wie hinein in den Park. Hier hat es ziemlich stark geregnet, wie man auf den Wegen überall leicht feststellen kann, jetzt scheint aber wieder die Sonne und wir können uns den kleinen Park ansehen, der bisher immer geschlossen war. Das Schloss selbst kennen wir vom letzten Besuch ja schon. Nach dem Spaziergang sind wir dann im Zimmer und fadisieren uns – was nicht heißt, dass es nicht lustig ist, auch mal dem Müßiggang bzw. dem Nichtstun zu frönen. Es ist irgendwie gemütlich, einfach kein Ziel und keinen Zwang zu haben. Im Fernsehen gibt es die Olympischen Sommerspiele von London zu sehen.

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Der Schlosspark ist zwar nicht spektakulär, aber er wirkt freundlich und beruhigend.

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Blick von der Gartenanlage zum Schloss.

Fortsetzung (und Schluss):
Teil 17: Opocno und Heimfahrt via ÖNWB

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:07:08:21:01:23.

Einfach nur schön

geschrieben von: D 2027

Datum: 07.07.13 21:03

Hallo Gustav,

erneut ein wunderschöner Reisebericht aus dem alten Europa; diesmal von der wilden Adler... eine Gegend die ich nur vom Durchfahren kenne. Aber das wird sich angesichts Deiner Auslassungen zu den Parks und Schlössern hoffentlich bald ändern.

Vielen Dank dafür
Erik
... (abgesehen davon, dass es bei uns immer Knoblauchcremesuppe ist).

Und dann auch noch von Knorr oder Maggi oder ähnlichem Pulverzeugs aus dem Packerl. Aber Beeilung: Die böhmische Knoblauchsuppe wird auch schon immer seltener angeboten. Als Ersatz gibt es: Richtig!!!!!

Danke für die Berichte. Gäbe es Böhmen/Mähren/Schlesien nicht, man müsste es glatt erfinden.

Gruß aus Wien

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)
Mein nächstes Fahrt war eigentlich in ein südliche gelegenes Deutsches Nachbarland geplant. Nun muß ich mir das ganze nochmal genau überlegen ob ich nicht doch woanders hinfahre. Du bringst mir Tschechien auf eine Art und Weise näher wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Auch wenn ich sonst nicht so interessiert in geschichtlichen Exkursen bin, so habe ich dennoch deinen Beitrag interessiert gelesen.

Hier geht es zu meinen Reiseberichten


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