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Dicke Luft bei den Schwiegereltern

Teil 3: Dicke Luft im Nachtzug entlang der Seidenstraße



Teil 1: Dicke Luft in Peking?!
Teil 2: Dicke Luft im Nachtzug oder 28h Zugfahrt mit Stehplatzfahrkarte von Peking nach Hami


Im letzten Bericht hatte ich euch ja von der denkwürdigen Fahrt von Peking nach Hami erzählt. Nun geht es auf die Rückfahrt, natürlich auch wieder mit dem Zug, diesmal aber mit Fahrkarte. Viel Spaß beim Lesen des Berichts:

Am 3.März machte ich mich auf die Rückfahrt von Hami nach Peking. Leider bekam ich auch hier keine Fahrkarte für einen durchgehenden Zug, aber mit Umsteigen in Lanzhou bekam ich einen Schlafwagenplatz von Hami nach Lanzhou und von dort nach 12-stündigem Aufenthalt einen Liegewagenplatz nach Peking.

Um kurz vor 11Uhr hatte ich den abgelegenen Bahnhof von Hami (oder Kumul, wie es neuerdings heißt) Süd erreicht. Er liegt an der neu gebauten Strecke mitten in Feldern und hat nur ein provisorisches Bahnhofsgebäude. Ein Foto von außen kann ich euch leider nicht zeigen, da auf dem Parkplatz vor dem Gebäude sehr viel Polizei und Militär unterwegs war. Wie an jedem chinesischen Bahnhof wurden am Eingang Fahrkarte und Pass kontrolliert sowie das Gepäck geröntgt. Zusätzlich in Hami kam dann eben noch das Abtasten unter Aufsicht des Militärs dazu. Aber im Gegensatz zum Flughafen Frankfurt betraf das nicht nur Ausländer, sondern alle Fahrgäste. Meine Kontrolle war nur sehr oberflächlich, stattdessen freuten sich alle riesig über die Abwechslung, Langnasen sind am Bahnhof Hami Süd eben eher selten zu sehen.

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Bild 1: Im Inneren des behelfsmäßigen Bahnhofsgebäudes von Hami (Kumul) Süd. An der Außenfassade des Gebäudes
hing schon Werbung für die Miete von Ladenflächen im neuen Bahnhofsgebäude, das erst noch gebaut werden muss.
Ob sich so ein riesiger Bahnhof lohnt? Das Fahrgastaufkommen hält sich jedenfalls in Grenzen, in meinen Zug stiegen in Hami ca. 70 Fahrgäste ein.


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Bild 2: Hami liegt unverkennbar in der Provinz Xinjiang, wo die muslimischen Uiguren (noch) die Mehrheit der Bevölkerung stellen.



Noch bevor der Zug angekommen war, durfte man auf den Behelfsbahnsteig, das ist China eher selten. Meistens darf man an den größeren Bahnhöfen erst auf den Bahnsteig, wenn der Zug schon da ist. Ich bezog mein Schlafwagenabteil und hatte Glück, denn ich hatte für die nächsten Stunden das Abteil ganz alleine für mich.

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Bild 3: Auf dem Bahnsteig von Hami (Kumul) Süd. Im Hintergrund sieht man Verladekräne für Schwellen und Gleise. Die Umgehungsstrecke von Hami ist
bereits fertig und elektrifiziert, auf den anschließenden Abschnitten der Neubaustrecke Richtung Urumqi und Lanzhou fehlen aber noch Schienen und Oberleitung.
Der Bahnhofsname ist auf Chinesisch und Uigurisch in arabischer Notation angeschrieben, die Uiguren gehören zu den Turkvölkern, ihre Sprache ist mit dem Türkischen verwandt.


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Bild 4: Mein Zug fährt ein, gezogen von DF11-0216, einer Diesellok, da wie oben bereits beschrieben die Neubaustrecke noch nicht fertig ist und die bestehende Strecke nicht elektrifiziert ist.


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Bild 5: Nach einer Weile rattert Wagen 10 vorbei, in dem sich mein Bett befindet. Wie alle anderen Wagen des Zuges ist auch dieser Wagen total verdreckt.
Sonderlich viel sah man also nicht, wenn im Abteil aus dem Fenster schaute, wie ihr auf den folgenden Bildern sehen könnt…


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Bild 6: Der Zug ist eingefahren und hat jetzt satte 14 Minuten Aufenthalt. Die Fahrgäste nutzen das, um auf dem Bahnsteig zu entspannen und eine Zigarette zu rauchen.
Die Schaffnerin an der Tür wacht darüber, dass jeder, der aussteigt, auch wieder einsteigt und sich kein neuer Fahrgast ohne passende Fahrkarte in ihren Wagen schleicht.
Warum der Zug solange Aufenthalt in Hami hat, erschließt sich mir nicht. Es gibt jedenfalls keinerlei Anschlusszüge und nicht viel ein- oder aussteigende Fahrgäste.



Nach knapp zweistündiger Fahrt durch Felsen- und Sandwüste erreichten wir Shankou, den Abzweigebahnhof der Stichstrecke zur Erzmine in Yamansu, wobei man sagen muss ehemalige Stichstrecke. Der einst beschauliche Bahnhof von Shenkou hat sich nämlich in letzter Zeit rapide verwandelt. Wasserturm und Wasserkräne sind zwar noch da, stehen aber einsam in der Gegend. Die Strecke nach Yamansu ist unterbrochen, dafür steht jetzt hier mitten in der Wüste im Nirgendwo ein Knoten zweier Hochgeschwindigkeitsstrecken. Kreuzungsfrei auf riesigen Brücken fädelt hier eine noch nicht ganz fertige Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Norden ab. Keine Ahnung, wo die hinführt. Von der Richtung her könnte sie nach Ulan Bator führen, ansonsten hat es in die Richtung außer Wüste und Berge nichts.

Überhaupt ist es einfach verrückt, was die Chinesen hier mitten in der Wüste bauen. Unser Zug lief auf der zweigleisigen, modernisierten und nicht elektrifizierten Strecke. An einigen Stellen konnte man noch den Verlauf der alten Strecke sehen, die weitaus kurviger war, um Berge und Hügel zu umfahren. In einiger Entfernung konnte man dann meist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke sehen, die schnurgerade auf endlosen Brücken oder riesigen Dämmen schnurgerade durch die Wüste führt. Teilweise ist die Strecke schon mit Oberleitung fertig, teilweise fehlen aber noch komplette Brücken. Andere, bereits fertig gestellte Brücken machen dagegen schon einen leicht maroden Eindruck. Aber länger als 20 Jahre wird die Strecke sowieso nicht halten, dann wird einfach wieder eine neue gebaut. China hat ja sehr ehrgeizige Pläne zum Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes, momentan ruhen aber die Arbeiten seit längerer Zeit, nachdem der ehemalige Eisenbahnminister wegen eines Korruptionsskandals gehen musste. Der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke mehr als 1000km durch unbewohnte Wüste mag verrückt klingen, macht aber durchaus Sinn. Die ausgebuchten Züge zeigen, dass der Bedarf besteht und die bestehende Strecke ist trotz ihrer zwei Gleise hoffnungslos überlastet. Xinjiang ist sehr rohstoffreich und die Ausweichbahnhöfe, die die alle 20 bis 30km an der Strecke liegen und zwischen vier und acht Ausweichgleisen haben, waren immer komplett mit wartenden Güterzügen vollgeparkt. Auf der Strecke gibt es also Züge im Minutentakt und das in einer komplett menschenleeren Wüste.

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Bild 7: Blick aus dem verdreckten Fenster auf die Wüstenlandschaft. Merke: in der Wüste muss es nicht immer Sanddünen geben.
Im Vordergrund sieht man die alte Strecke, die Gleise wurden komplett entfernt, die Schwellen liegen teilweise noch.


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Bild 8: Hier hat man auf der alten Strecke die Betonschwellen beim Entfernen der Gleise einfach die Böschung hinuntergeworfen.
Unser Zug verkehrt auf der aktuellen Strecke, die erst vor ein paar Jahren gebaut wurde. Die gerade in Bau befindliche Neubaustrecke
verläuft hier weiter abseits durch die fast pechschwarzen, sehr erzreichen Geröllhalden. Nicht weit von hier liegt die Erzgrube von Yamansu.


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Bild 9: Kilometerlang ziehen sich Zäune entlang der Strecke, dann fehlen die Zäune plötzlich wieder für viele Kilometer.
Der Zweck der Zäune erschließt sich mir nicht. In dieser lebensfeindlichen und menschenleeren Gegend will weder ein
Mensch noch ein Tier die Gleise queren und vor Sandverwehungen schützt dieser Zaun auch nicht.


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Bild 10: Mitten in der Wüste findet sich eine Kohlemine. Eine Diesellok der Staatsbahn zieht gerade einen Vollzug mit beladenen Waggons aus
dem Anschlussgleis. Die Kohle geht Richtung Ostküste, wo sie dann in Kohlekraftwerken verheizt wird und für die im Titel erwähnte dicke Luft sorgt.


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Bild 11: Und irgendwann kreuzen wir auch wieder die in Bau befindliche Neubaustrecke, die mehrere hundert Kilometer auf einer Brücke durch die Wüstenlandschaft führt.



Am späten Nachmittag hatten wir dann die Wüste Gobi durchquert und erreichten die Städte an den Ausläufern der Berge des Himalajas. Dank des Wassers aus den Bergen kann hier intensive Landwirtschaft betrieben werden. Der Zug hielt in ein paar Städten, aber ich war noch immer alleine in meinem Abteil.

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Bild 12: Nach mehreren hundert Kilometern finden sich entlang der Strecke endlich wieder Bäume. In der Wüste ist es aber auch noch Winter.


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Bild 13: Ein älteres Bauernehepaar ruht sich von der schweren Feldarbeit aus. Ihre Kinder und Enkel sind wohl längst in eine der großen Städte gezogen und versuchen dort
ihr Geld zu verdienen. Wenn das Wetter wärmer wird, können die Felder mit dem Wasser, das von den Flanken der Ausläufer des Himalajas herunterfließt, bewässert werden.


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Bild 14: Zwischen Feldern und Bäumen liegt ein Bauerndorf mit den für China typischen, flachen, einstöckigen Gebäuden.


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Bild 15: Schließlich hat uns die Zivilisation wieder. Unser Zug läuft in Shulehe ein, ein kleines Städtchen am Rande der Wüste, das bereits zur Provinz Gansu gehört.


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Bild 16: Das Bahnhofsgebäude von Shulehe versteckt sich hinter knorrigen, alten Bäumen. Architektonisch erinnert es an
Bauten aus den 80er-Jahren auf dem Balkan oder dem Kaukasus. Nur sehr wenige Fahrgäste steigen hier ein oder aus.


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Bild 17: Ein alter Mann trägt seine Frau auf dem Rücken über den Bahnsteig von Shulehe.


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Bild 18: Direkt nach dem Bahnhof von Shulehe folgend wieder Bauerndörfer und landwirtschaftlich genutzte Flächen.


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Bild 19: Unweit von Shulehe zeigt sich das moderne China: ein riesiger Windkraftpark zieht sich entlang der Strecke. Die beiden Ungetüme
im Vordergrund verlegen auf der Neubautrasse gerade Schienen. Bis der erste Zug hier fahren wird, gehen wohl noch einige Jahre ins Land,
denn das einst so ehrgeizig gestartete Hochgeschwindigkeitsnetzprojekt wird seit einiger Zeit nur noch auf Sparflamme fortgeführt.


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Bild 20: An den Ausweichbahnhöfen mitten im Nirgendwo finden sich immer wieder architektonisch sehr abwechslungsreiche Stellwerke.
Hier könnte man fast meinen, der Architekt habe sich vom Bauhaus-Stil inspirieren lassen. Jedenfalls ist der Stil recht gewagt im Vergleich …


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Bild 21: ... zu diesem Stellwerk, dass im Asien so beliebten, kitschigen Zuckerbäckerstil daherkommt.


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Bild 22: Der Bahnhof von Diwopu wurde dagegen wiederum im eher sozialistischen Einheitsbaustil errichtet.
Für das winzige Städtchen und die wenigen Züge, die hier jeden Tag halten, ist er jedenfalls reichlich überdimensioniert.


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Bild 23: Direkt hinter Diwopu folgen dann wieder landwirtschaftliche Flächen bis zum Horizont.



Als die Sonne bereits untergegangen war, kam der Zugpolizist, um die Ausweise von allen Fahrgästen zu kontrollieren. Und zum ersten Mal hatte ich es bei dieser Reise mit einem Offiziellen zu tun, der es etwas genauer nahm. Er kontrollierte meine Pass und wollte wissen, wo ich herkomme („deguo“ = Deutschland). Dann blätterte er durch den Pass und meinte „meiyo visa“ (kein Visum). In meinem Pass hat es mittlerweile knapp 30 Visa von Nordkorea bis Myanmar, da kann man schon Mal die richtige Seite überblättern. Ich zeigte ihm dann die richtige Seite mit meinem aktuellen Visum und er tippte die Nummer in sein Lesegerät. Nach einiger Zeit kam dann die Frage, wo ich mich in den vier Wochen vor meiner Fahrt nach Hami aufgehalten hätte. Jetzt wurde es heikel. Alle Ausländer müssen in China der örtlichen Polizei gemeldet werden (ein Relikt aus alten Zeiten, als es noch viel mehr Einschränkungen für Ausländer in China gab), die die Daten dann wohl in einem zentralen System erfassen. Bei Übernachtungen in Hotels und Nachtzügen erfolgt dies automatisch. Da ich aber in Peking bei meinen Schwiegereltern übernachtet hatte, hätte ich mich dort eigentlich selbst bei der lokalen Polizeibehörde anmelden müssen. Mein Schwiegervater aber meinte, die Polizisten würden ihn für verrückt erklären, wenn er in Peking der Polizei melden würde, dass sein Schwiegersohn bei ihm übernachtet. In Peking sieht man die Dinge eben locker (auch bei der Ausreise am Flughafen gab es keinerlei Probleme), der Polizist im Zug sah es wohl ein bisschen anders. Ich erklärte ihm dann, dass ich die ganze Zeit in Peking bei meinen Schwiegereltern übernachtete hätte, dies der Polizei gemeldet hätte, aber das es vielleicht ein Problem mit seinem Taschencomputer gäbe. Er tätigte einen Anruf mit seinem Handy und war dann schließlich zufrieden. Als er mir meinen Pass zurückgab, erblickte er meine Kamera und meinte leicht säuerlich „Made in Japan“. Ich antwortete „Bu (=nein). Made in China“ und zeigte ihm das Label „Made in China“. Er meinte dann aber „Canon. Made in Japan“ und verließ das Abteil. Die ganze Prozedur hatte sich über mehr als 15 Minuten erstreckt und ausgerechnet in dieser Zeit passierte der Zug einen herrlichen alten Industriekomplex mit glühenden Hochöfen und Dutzenden Schornsteinen aus Backsteinen. Zudem waren in einem Areal über 100 alte Lokomotiven geparkt (hauptsächlich SS3-E-Loks). Ob sich hier auch ein AW befindet oder ob die Loks einfach eingeschmolzen werden, konnte ich leider nicht ergründen und Fotos kann ich euch wegen der parallelen Kontrolle leider auch nicht zeigen.

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Bild 24: Da ich euch wegen der Polizeikontrolle keine Fotos von den vielen Loks vor dem Stahlwerk zeigen kann, folgen hier ein paar Fotos aus Liuyuan,
einem Ausweichbahnhof mit BW mitten im Nirgendwo der Wüste Gobi. Die alten E-Loks der Baureihe SS3 findet man noch immer recht zahlreich vor Güterzügen, auch wenn …


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Bild 25: ... ihre moderne Konkurrenz langsam aber sicher die Überhand gewinnt.


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Bild 26: Auch jede Menge Dieselloks jüngeren Datums standen sich im BW von Liuyuan die Reifen platt.


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Bild 27: So sieht das BW Liuyuan aus: ein paar verlassene Arbeiterbaracken und …


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Bild 28: ... ein paar Werkstatthallen mitten im Nirgendwo der Wüste.



Nach dem Abendessen (wie die meisten Chinesen gönnte ich mir Schnellnudeln, die gerade mal 20 Cent kosten, mit dem im Zug immer verfügbaren Heißwasser schnell zubereitet sind und echt lecker schmecken) schaute noch ein Mann aus dem Nachbarabteil vorbei. Er war Soldat und gerade auf dem Rückweg von seiner Familie zu seinem Stationierungsort. Wie viele Chinesen ist er scharf auf ausländische Münzen und so kramte ich aus meiner Geldtasche meine verbliebenen Euro-Münzen zusammen und tauschte sie gegen Yuan ein. Anschließend machte ich mein Bett im oberen Stock fertig und freute mich schon auf eine ruhige Nacht ganz alleine im Abteil. Um zehn Uhr wurde ich dann aber aus dem Schlaf gerissen, denn drei chinesische Männer bezogen die anderen Betten in meinem Abteil. Und in China geht’s dabei eben etwas lauter zu.

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Bild 29: Blick in mein noch leeres Schlafwagenabteil, die weiteren Fahrgäste des Abteils stiegen erst spät am Abend in Zhangye hinzu. Auf dem Tisch stehen meine
Schnellnudeln und mein Tee. Im Schlafwagen bringt einem die Schaffnerin das heiße Wasser in Thermoskannen, im Liegewagen muss man es sich selber holen.


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Bild 30: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat das schönste Schlafwagenabteil im Land?



Um halb vier weckte mich dann die Schaffnerin, indem sie mit ihrer megastarken Taschenlampe voll in mein Gesicht leuchtete. In jedem chinesischen Nachtzug muss man beim Betreten seine Papierfahrkarte gegen ein Plastikkärtchen tauschen. Rechtzeitig vor Ankunft am Bahnhof kommt die Schaffnerin dann, weckt einen ggf. auf und tauscht das Plastikkärtchen wieder zurück, denn ohne Papierfahrkarte kann man den Bahnhof in China nicht verlassen. Pünktlich um 4:47 fuhr unser Zug dann im Bahnhof von Lanzhou ein. Zunächst einmal hieß es frühstücken und das war um diese Uhrzeit am Bahnhof nur bei „Kentucky schreit @#$%&“ möglich, der hier 24h geöffnet hat. Eigentlich wollte ich die 12 Stunden Aufenthalt nutzen und einen kleinen Abstecher ins ca. 100km entfernte Bayin machen, um zu schauen, ob da gerade was dampft. Aber irgendwie fehlte mir dazu der Antrieb, ich war noch ziemlich müde und hatte keine Lust, ewig lange mit einem Taxifahrer um den Preis zu feilschen, knapp 100km nach Bayin zu fahren, um dort dann festzustellen, dass gerade doch keine Dampflok im Einsatz ist.

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Bild 31: Solch ein Plastikkärtchen bekommt man von der Schaffnerin im Tausch gegen das Papierticket
(hier für den Zug T76 von Lanzhou nach Peking). Neben der Zugnummer steht auch Waggon (in diesem Fall Nr. 7)
und Abteil (in diesem Fall Nr. 5) auf dem Plastikkärtchen. Nur anhand der chinesischen Zeichen lässt sich
dann erkennen, dass ich im Liegewagen das mittlere Bett habe. Vor dem Verlassen des Zuges achtet jede
Schaffnerin peinlichst genau darauf, dass jeder sein Plastikkärtchen wieder gegen das Papierticket getauscht hat.


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Bild 32: Mein frühmorgendliches Frühstück bei “Kentucky schreit @#$%&” am Bahnhof von Lanzhou. Eigentlich wollte ich einen Zinger-Burger, Pommes und einen Kaffee.
Zinger gab’s keine mehr, die Friteuse wurde gerade gereinigt und die Kaffeemaschine war kaputt. Also gab’s diesen Hamburger mit aufgewärmter Milch aus der Mikrowelle.
Mit den Burgern verhält es sich in China wie überall auf der Welt. Auf den Bildern sieht man knusprige Brötchen, frisch gegrilltes Fleisch und knackigen Salat.
Wenn man dann die Tüte aufmacht, kommt einem ein latschiges Brötchen entgegen. Aber nach einer Woche Nudel- und Keksdiät war ich über jede
Abwechslung froh. Vielleicht lag es auch am lausigen Frühstück, dass ich keine Lust verspürte nach Bayin zu fahren. So verzichtete ich eventuell …


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Bild 33: … auf ein Bild wie dieses, das bei meinem Bayin-Aufenthalt 2010 entstand. Allerdings hätte ich bei einem Kurzausflug nach Bayin auch Pech
haben können und keine einzige Dampflok wäre mir vor die Linse gefahren. So gesehen war es vielleicht doch besser, die gut zwölf Stunden Wartezeit
bis zu meinem Anschlusszug nach Peking im Bahnhof von Lanzhou zu verbringen und ein bisschen auszuruhen sowie diesen Bericht zu schreiben.


Also ging ich zurück in den Bahnhof und suchte mir ein Plätzchen zum Schlafen. Ich kannte den Bahnhof von Lanzhou ja ganz gut und mein Plan war es, in einem der für Schlafwagenfahrer reservierten Warteräume noch ein bisschen zu schlafen, obwohl ich nur einen Liegewagenplatz hatte. Leider waren die Wartesäle aber so früh am Morgen noch abgeschlossen. Plötzlich sah ich aber, wie eine Putzfrau einen Saal öffnete. Schnell schlich ich mich in den unbeleuchteten Saal und machte es mir auf einem der verschlissenen Ledersofas bequem. Nach gut einer Stunde weckte mich dann eine laut fluchende Bahnhofsangestellte und verwies mich energisch aus dem Saal. Also suchte ich mir den richtigen Wartesaal für meinen Abendzug nach Peking und begann mit dem Schreiben des Reiseberichts.

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Bild 34: Blick in den Wartesaal vier des Bahnhofs von Lanzhou. Im Hintergrund stehen Fahrgäste Schlange für den nächsten Zug, der gerade aufgerufen wurde.


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Bild 35: Als besonderen Service gibt’s in den Wartesälen inzwischen Kinderbetten, die recht oft belegt waren.
Überhaupt ist China im Gegensatz zu Deutschland ein sehr kinderfreundliches Land. Überall ist man auf Kinder
eingestellt und keiner stört sich an ihnen. In Restaurants wurde einem immer sofort ein Kindersitz gebracht und
alle Bedienungen kamen erst einmal, um mit ihren Handys Fotos von unserem Kleinen zu machen.
Das lag vielleicht aber auch am nicht alltäglichen Langnasenpapa. Auf der Straße und in der U-Bahn wurden wir
immer sehr freundlich angesprochen und bekamen oft kleine Geschenke für unseren Kleinen zugesteckt.


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Bild 36: Und wer nicht genügend Reiseproviant dabei hat, findet im Chaohai-Supermarkt in der Wartehalle vier sicher etwas.
Von Red-Bull über Cola bis hin zu einheimischen Getränken, Snacks und Fertignudeln (links oben) findet man alles.


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Bild 37: Wer in China mit dem Zug reist, darf keine Angst vor Menschenansammlungen haben und weder geruchs- noch lärmempfindlich sein.


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Bild 38: Nach 12 Stunden Wartezeit in verschiedensten Wartesälen ging es dann weiter nach Peking. Der Nachtexpress
bestand aus neuen Wagen, die sogar rollstuhlgerecht sind. So etwas hatte bis dato auch noch nicht in China gesehen.



Die Zugfahrt nach Peking verlief dann eher unspektakulär. Je näher man eben an die Hauptstadt rückt, desto langweiliger wird es. Die Waggons des Zuges waren im Gegensatz zu den alten und verdreckten Waggons im Zug von Hami nach Lanzhou nigelnagelneu und sogar rollstuhlgerecht ausgebaut. In normalen Zugwaggons ist das Reisen mit Rollstuhl aufgrund der engen Gänge ausgeschlossen. Am nächsten Tag erreichten wir dann pünktlich den Bahnhof Peking West, der vor einigen Jahren komplett neu gebaut wurde (und mittlerweile auch endlich U-Bahnanschluss hat). Aber er ist so schlecht geplant, dass er bereits jetzt nicht mehr dem Andrang gerecht wird. Jedenfalls stand ich mehr als 10min in der Unterführung zum Ausgang, weil einfach zu viele Menschen da waren. Na ja, in ein paar Jahren wird man den Bahnhof sowieso abreißen und neu bauen…

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Bild 39: Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof von Lanzhou passiert der Zug die Wagenabstellgruppe, wo gleich Waggons aus drei verschiedenen Epochen stehen.
Ganz links in weiß-blau-rot die modernsten Personenwaggons, daneben die älteren Waggons in weiß-orange (mit solchen war mein Zug von Hami nach Lanzhou bestückt)
und rechts in grün die alten Waggons, die noch über Kohleöfen verfügen. In langsamen Fernzügen gehören diese Waggons aber immer noch zum Standard.


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Bild 40: Trotz ihrer 7.200kW verkehren die modernen E-Loks für Güterzügen meist in Doppel- oder sogar Dreifachtraktion.


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Bild 41: Auch die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Lanzhou harrt der Fertigstellung. Die Brücken sind alle fertig, es fehlen aber noch die Gleise und die Oberleitung.


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Bild 42: Rund um Lanzhou, das am Gelben Fluss (Huang He) liegt, erstreckt sich eines der wichtigsten Industriereviere Chinas.
Da die Gegend von hohen Lößbergen umgeben ist, kann die verschmutzte Luft schwer abziehen, folglich wurde Lanzhou 1998
von der UN zum schmutzigsten Ort der Welt gewählt. Ganz so schlimm wie vor 15 Jahren scheint es aber nicht mehr zu sein.


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Bild 43: Die Lößschichten um Lanzhou haben teilweise eine Mächtigkeit von mehreren 100 Metern. Um den fruchtbaren Boden zu nutzen, haben Bauern seit
Jahrhunderten Terrassen aus dem leicht zu bearbeitenden Löß geschaffen. Trotz der geringen Niederschläge macht die Erosion den Menschen hier schwer zu schaffen.


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Bild 44: Auf einer Brücke überquert die Strecke ein Seitental in der Lößhügellandschaft. Auf der Stahlbrücke verlief früher die alte Strecke,
die Betonbrücke im Hintergrund gehört nicht zur Hochgeschwindigkeitsstrecke, sondern ist eine Straßenbrücke.


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Bild 45: Ein kleines Bauerndorf am Rande der Strecke.


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Bild 46: Auch in der abgelegenen Provinz Gansu ist die moderne Zeit mit Autobahnen und riesigen Werbetafeln längst da.


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Bild 47: Und auch hier warten an jedem noch so kleinen Bahnhof endlos lange Güterzüge und lassen die Personenzüge vorbeiziehen.
In der Gegenrichtung kamen im Blockabstand Personen- und Güterzüge vorbei. Das chinesische Eisenbahnnetz ist trotz des immensen
Ausbaus in den letzten Jahren noch immer hoffnungslos überlastet und kommt der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes einfach nicht hinterher.


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Bild 48: Am nächsten Morgen haben wir bereits die ostchinesische Küstentiefebene erreicht. Die Morgensonne steht schon relativ hoch über einem der zahlreichen Flüsse. Die einsamen Pfeiler im Fluss gehören zur alten Eisenbahnbrücke. Dieses Szenario bot sich fast an jedem Fluss. Alle 20 bis 30 Jahre müssen die Brücken wohl neu gebaut werden und werden dabei um einige Meter verlegt.


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Bild 49: An einem Zwischenbahnhof waren nochmals einige Exemplare der Baureihe SS4 abgestellt.


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Bild 50: Eine Junge, mit dessen Familie ich das Abteil teilte, hatte mich draußen am Fenster fotografieren
sehen. Sofort holte er sich von seinem Papa die Kamera und fotografierte ebenfalls drauf los.



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Bild 51: Dieses Arbeitstier hat satte 9.600kw, trotzdem muss es im Rangierbahnhof von Shijiazhuang Schiebedienst verrichten.


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Bild 52: Moderner Triebwagen der Fahrbahnmeisterei im noch moderneren Rangierbahnhof von Shijiazhuang. Shijiazhuang? Noch nie gehört?
Die Stadt ist Hauptstadt der Küstenprovinz Hebei, liegt ca. 250km südwestlich von Peking und hat immerhin 10 Millionen Einwohner. Sowohl im alten
Eisenbahnnetz wie auch im modernen Hochgeschwindigkeitsnetz ist Shijiazhuang einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Chinas, was die nächsten Bilder beweisen werden.


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Bild 53: Überblick über den neuen Rangierbahnhof von Shijiazhuang. Die mehrstöckigen Brücken im Hintergrund sind übrigens nicht Straßen- …


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Bild 54: ... sondern Eisenbahnbrücken, wie dieses Bild beweist. Die beiden Betonbrücken gehören zu Hochgeschwindigkeitsstrecken, die in den Bahnhof von Shijiazhuang münden.


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Bild 55: Die normale Strecke, auf der mein Zug unterwegs war, macht eine weite Schleife um die Brücken der Hochgeschwindigkeitsstrecken und läuft dann schließlich parallel in den …


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Bild 56: ... neuen Hauptbahnhof von Shijiazhuang ein. Bei dem Bahnhof handelt es sich übrigens um eine Besonderheit. In den meisten chinesischen Städten werden die Bahnhöfe für die
Hochgeschwindigkeitsstrecken meist weit außerhalb der Stadtzentren gebaut. Wer so zwischen einem normalen Zug und einem Hochgeschwindigkeitszug umsteigen will, muss vorher oft
per Bus oder Taxi durch die ganze Stadt tingeln. Nicht so in Shijiazhuang. Aufgrund der Wichtigkeit des Bahnknotens hat man den neuen Bahnhof von Shijiazhuang im Stadtzentrum gebaut.
Hier halten normale Züge und Hochgeschwindigkeitszüge gemeinsam. Für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Peking hat man dafür extra einen 5km langen Tunnel unter der Stadt gegraben.


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Bild 57: Im Inneren des Bahnhofs von Shijiazhuang stehen die neuen Hochgeschwindigkeitszuüge in Reih und Glied.


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Bild 58: So sieht moderner Zugverkehr in China aus und so ...


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Bild 59: ... sieht der weniger moderne Zugverkehr aus. Eine Diesellok rangiert einen Gepäckwagen, der zum Standard jedes chinesischen Fernzuges gehört, im Bahnhof von Shijiazhuang.


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Bild 60: Nach weiteren zwei Stunden Fahrt haben wir die Außenbezirke Pekings erreicht und die Hochgeschwindigkeitsstrecke verläuft wieder parallel.


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Bild 61: Die rote Zuglok (vorne links im Bild) zieht den Zug T76 die letzten Kilometer Richtung Bahnhof Peking West.


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Bild 62: Und da ist er schon, der relativ neue Bahnhof von Peking West, der seit einigen Monaten auch endlich ans U-Bahnnetz angeschlossen ist.


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Bild 63: Der Bahnhof Peking West ist komplett elektrifiziert, trotzdem sind die Dieselloks in der Überzahl. Neben der alten E-Lok SS8-0074
steht eine recht moderne Diesellok sowie ganz hinten eine „Kuayue“-Doppeltraktionsdiesellok (für den Direktzug von Peking nach Lhasa?).


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Bild 64: Der Bahnhof Peking West wurde erst vor einigen Jahren gebaut, ist dem Ansturm jetzt aber schon nicht mehr gewachsen. Vor der Fahrkartenkontrolle
am Ausgang stand ich nochmals 15min Schlange, während meine Frau draußen schon verzweifelt mit einer McDonalds-Tüte (mein Mittagessen) auf mich wartete.



Und zum Abschluss noch etwas für die Statistiker:


Zug K170 Korla - Xian

Der Zug K170 könnte auch den Namen „Seidenstraßen-Express“ tragen, führt er doch von der Oasenstadt Korla tief im Nordwesten Chinas entlang der Seidenstraße bis zu deren End- bzw- Startpunkt in Xian. Für die 2.882km benötigt der Zug satte 43h, macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin noch 67km/h trotz der 22 Unterwegshalte. Ich benutzte den Zug nur 1.339km von Kumul Süd (Hami Süd) bis nach Lanzhou.

BahnhofAnkunftAbfahrtkm
Korla - 19:28 0
Yanqi 20:37 20:48 57
Hejing 21:31 21:36 88
Turpan 05:45 06:02 457
Shanshan 08:01 08:13 597
Kumul South 11:24 11:38 867
Liuyuan 15:10 15:16 1139
Shulehe 17:03 17:05 1281
Jiayuguan 19:29 19:40 1436
Jiuquan 19:59 20:01 1458
Gaotai 21:14 21:16 1587
Zhangye 21:59 22:05 1659
Shandan 22:43 22:45 1712
Jinchang 00:21 00:23 1829
Wuwei 01:15 01:21 1903
Lanzhou 04:47 04:55 2206
Dingxi 06:13 06:15 2324
Longxi 07:08 07:10 2408
Gangu 07:59 08:01 2487
Tianshui 09:11 09:27 2554
Baoji 12:10 12:18 2709
Caijiapo 12:48 12:51 2752
Yanglingzhen 13:19 13:22 2797
Xian 14:18 - 2882



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Bild 65: Schlafwagenfahrkarte von Hami Süd (Kumul Süd) nach Lanzhozu. Die 1.339km im Bett 32 in Wagen 10 kosteten mich knapp 45€.


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Bild 66: Und hier noch eine Karte mit dem groben Zugverlauf des Zuges K170 von Korla nach Xian.



Zug T76 Lanzhou – Beijing West

BahnhofAnkunftAbfahrtkm
Lanzhou - 17:06 0
Tianshui 20:55 21:01 348
Xian 00:58 01:06 676
Shijiazhuang 10:01 10:08 1599
Beijing West - 12:46 1876


Der Zug T76 von Lanzhou nach Beijing West ist ein echter Express-Zug. Auf den 1.876km hält er gerade mal an drei Zwischenbahnhöfen. Das ermöglicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 95km/h.

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Bild 67: Liegewagenfahrkarte von Lanzhou nach Beijing West. Die 1.876km in der mittleren Liege 5 in Wagen 7 kosteten mich umgerechnet knapp 40€.


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Bild 68: Und hier noch eine Karte mit dem groben Zugverlauf des Zuges T76 von Lanzhou nach Peking.


So reist man also in China 5.775km mit dem Nachtzug durch die Gegend. Schaut im nächsten Bericht wieder rein, dann erzähle ich euch, was ich in Hami gemacht habe. Hami ist übrigens die Heimat der Honigmelone, nicht umsonst heißt Honigmelone auf Chinesisch „hami gua“, was Wort wörtlich übersetzt nichts anderes als „Frucht aus Hami“ bedeutet. Aber keine Sorge, es wird im nächsten Bericht nicht um Honigmelonen gehen, stattdessen gibt es eine eisenbahnerische Besonderheit, wie man sie sonst nirgendwo anders auf der Welt mehr findet. Experten wissen längst Bescheid (und schweigen), der Rest muss sich eben bis zum nächsten Bericht gedulden.
gedulden.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:08:18:11:28:41.
Danke für ein absolutes Highlight hier im Forum!

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Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil. Vielen Dank für den schönen Bericht samt tollen Bildern.

Hier geht es zu meinen Reiseberichten


Fußball und Eisenbahn funktioniert !
Das Bild 49 zeigt keine SS3 sondern SS4. Es gibt auch SS3 als Doppellok, aber während die als SS3B[zh.wikipedia.org] bezeichneten Loks
Achsfolge CoCo + CoCo haben, sind die hier gezeigten SS4[en.wikipedia.org] mit Achsfolge BoBo + BoBo unterwegs.
Moin,

Flo1979 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Der Bahnhofsname ist auf Chinesisch und Arabisch
> angeschrieben, die Uiguren gehören allerdings zu
> den Turkvölkern, ihre Sprache ist mit dem
> Türkischen verwandt.

Zur Präzisierung: Uigurisch wird mit arabischen Schriftzeichen notiert/geschrieben.

Gruß, ULF
Danke für diesen ganz ausgezeichneten Reisebericht, der einen interessante Einblick in ein immer noch fremdes Land und seine Kultur gestattet.
Der Bundesbahner schrieb:
-------------------------------------------------------
> Das Bild 49 zeigt keine SS3 sondern SS4. Es gibt
> auch SS3 als Doppellok, aber während die als
> SS3B[zh.wikipedia.org]%
> B13B%E5%9E%8B%E7%94%B5%E5%8A%9B%E6%9C%BA%E8%BD%A6
> bezeichneten Loks
> Achsfolge CoCo + CoCo haben, sind die hier
> gezeigten
> SS4[en.wikipedia.org]
> 10901.jpg mit Achsfolge BoBo + BoBo unterwegs.

Vielen Dank für den Hinweis. Man sollte nach 14 Stunden Arbeit und Kinderbetreuung einfach keine DSO-Berichte mehr schreiben, da schmeißt man nur die Lokbaureihen durcheinander. In den nächsten berichten wird's zum Glück einfacher, da gibt's dann ausschließlich die Baureihe JS zu sehen ;-)

Viele Grüße

Florian
Ulf Kutzner schrieb:
-------------------------------------------------------
> Zur Präzisierung: Uigurisch wird mit arabischen
> Schriftzeichen notiert/geschrieben.

Das ist natürlich auch korrekt und ebenfalls korrigiert.

Viele Grüße

Florian

Super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 08.06.13 20:50

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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Klasse!

geschrieben von: D 2027

Datum: 10.06.13 15:44

Ganz grosses Kino; da hat sich das Warten auf die Fortsetzung doch gelohnt!

Aber noch ein kleiner Tip für bessere Fotos bei dreckigen Scheiben, der sich gerade im Winter bewährt: man kaufe eine Flasche des billigsten lokalen Fusels für ein paar Yuan und reinige damit mit Hilfe eines Tempos von aussen bei der nächsten geeigneten Pause die Scheiben seines Abteils.

Du wirst zwar während des Reinigungsvorgangs sehr seltsam angeschaut werden (wird man das in China als Langnase eigentlich immer noch permanent?) aber das kann Dir ja völlig egal sein. Auf jeden Fall reist es sich dann angenehmer und mit klarer Sicht... vorausgesetzt Du hast den Rest des "Reinigungsmittels" nicht später ausgetrunken ;-)

Gruss
Erik

Re: Klasse!

geschrieben von: Flo1979

Datum: 10.06.13 21:45

Hallo Erik,

vielen Dank für den Tipp. Ich hatte mir überlegt, die Scheibe sauber zu machen. Aber beim Einstieg in Hami musste ich mich im Abteil erst häuslich einrichten, der nächste Halt war dann erst vier Stunden später und da hatten wir die interessantesten Abschnitte schon passiert. Außerdem war ich einfach zu faul, denn die drei Tage zuvor war ich jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu Fuß in der staubigen Wüste unterwegs (Bilder davon folgen in den nächsten Beiträgen). So kuschelte ich mich lieber ins bequeme Abteil, zumal ich die Strecke nicht zum ersten Mal fuhr.

Viele Grüße

Florian

Lieber Florian

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 01.07.13 22:10

ich habe lange nichts geschrieben, aber Deine wirklich lesens- wie sehensweren Reiseberichte aus Asien sind das Beste, was hier zu lesen ist. Würdig der Hall of Fame. Ich bin super-gerne auf all den 1000en Kilometern durch China mit Dir mitgefahren und bin begeistert.

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(