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Hallo Welt

Was machen die da bloss so lange? Das haben wir uns in diesem Teil wieder mehr als einmal gefragt. Die Antwort war dann ... naja, lest selber ;)

Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de] --> auf nach Lima!
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de] --> es wird gedreht!
Teil 3: [www.drehscheibe-foren.de] --> rauf auf den Berg
Teil 4: [www.drehscheibe-foren.de] --> nichts ausser Sonne
Teil 5: [www.drehscheibe-foren.de] --> in die Höchste Stadt der Welt




Donnerstag 25. Oktober 2012

Jaja, der prall gefüllte Bauch vom vielen Essen. Irgend etwas war damit nicht in Ordnung und ich konnte mir in den Nachtstunden das Mittagessen und Abendessen, sowie alles dazwischen, nochmal ganz genau durch den Kopf gehen lassen. Da wegen diesem gesundheitlichen Tiefpunkt nicht schlafen konnte lag „hörte“ ich immerhin den einzigen Zug in der Nacht. Gegen 4 Uhr ist ein Zug zum Pass durchgefahren.
Sonst war diese Nacht einfach nur Grauenhaft! Es war verdammt saukalt im Zimmer und auch die vier Wolldecken reichten nicht um mich auf Betriebstemperatur zu halten. Hätte ich den richtigen Schlafsack doch bloss mal eingepackt. Da drin wäre es wohlig warm.
Ich war gar nicht traurig darüber als um 5:30 Uhr der Wecker ging und mich endlich "erlöste" von dem leidigen dahinvegetieren. Mit etwas frischer Luft um die Nase wird sich das Problem von selber beheben. Wir waren pünktlich um 5:50 Uhr fertig und liefen runter um uns "befreien" zu lassen. Über eine Klingel informierten wir die Nachtwache (welche gleichzeitig auch Tagwache, Besitzerin, Putzfrau, und gute Seele des Hauses ist) über unseren Wunsch das Haus zu verlassen. Richtig - wir waren eingeschlossen. Die kleine Türe ist in der Nacht verrammelt und ist nur mit einem Schlüssel zu öffnen, den wir natürlich nicht haben. Die Señorita war zum Glück schon wach und kam bald um uns die Lucke in die frische Luft zu öffnen. Ein Hotel bei dem man nicht raus kommt wenn etwas ist, kein wirklich gutes Gefühl (zudem die Fenster unten natürlich Vergittert waren). Unser Fluchtweg (den man besser vorher anschaut) führte über das Fenster des Doppelzimmers im ersten Geschoss direkt in die Ladefläche unseres Autos - das Garagentor liesse sich dann mit dem beherzten tritt aufs Gaspedal öffnen (warum haben wir denn sonst so eine dicke Stossstange hinten)?
Allen Horrorszenarien zum Trotz sind wir aus dem Hospedaje gesund (naja, mehr oder weniger ;)) heraus gekommen. Und was erwartete uns draussen? Die kühle Morgenluft, kaum über dem Gefrierpunkt, tiefhängende Wolken und Nieselregen. Jaa, warum den nicht? Sehr gut! Es war zwar überhaupt nicht so angekündigt, aber Nieselregen hat auch seine guten Seiten, man kann zum Beispiel ... fast duschen ohne Duschen zu müssen. Ach, wo ich gerade bei der Dusche bin, natürlich fehlte in den Zimmer das warme Wasser, die Dusche fiel also aus.
Wir beluden unsere Camioneta (hochoffizielle Bezeichnung, heute heraus gefunden) und fuhren los. Erstmal wie geplant zur Strecke nach Cerro de Pasco. Aber für Fotos, dies liessen wir bei dem Wetter mal schön sein, sondern einfach nur um zu gucken ob eine der gestern gesichteten Wagenschlangen im RBF weg ist. Da war alles noch auf seinem Platz, der Zug nach hinten ist also entweder noch nicht gefahren, oder er kommt sonst woher.
Ein zweites mal durchquerten wir La Oroya und hubelten über alle die blöden Hubel, was mein Magen immer mit einem erquickenden aufblähen goutierte. Für den frühen Morgen war im Ort schon ganz schön was los. Der Transitverkehr und die Minen ruhen halt nie ...
Unser Ziel war der Pass. Da die Wolken so schön tief hingen hofften wir einfach mal, dass sich die Passhöhe über den Wolken befindet. Immerhin sind es noch gute 700 Höhenmeter bis ganz oben. Und wenn da das Wetter auch nix ist fahren wir halt einfach der Strecke entlang in Richtung Lima, bis etwas geht!
Gesagt getan. Die Fahrt auf den Pass sowie die Überquerung selbiges fand komplett unter bzw. in den Wolken statt. Um uns Willkommen zu heissen packten diese Wolken sogar noch das weisse Zeug aus welches gemeinhin als Schnee bekannt ist. Brrrrr, es ist doch Frühling!

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Auf dem Weg zum Pass ... tolles Wetter

Ohne auch nur die Nase in den Wind zu halten fuhren wir auf der anderen Passeite gleich wieder runter und erfreuten uns zusehends am besseren Wetter. Am Horizont war ein blauer Streifen zu sehen, er kündigte das Ende des Frühjährlichen Winters an. So weit kamen wir aber gar nicht, auf halber Strecke, in der Spitzkehre vor San Mateo, war gerade ein Talfahrer am Sägen.
Da die ersten blauen Störungen in diesem Bereich lagen blieben wir stehen. Wir wollten uns an den Zug hängen so lange es geht und bei Möglichkeit auf einen Zug in Richtung Pass wechseln - die Kreuzungspunkte dürften alle einsehbar sein. Das war der Plan und die Hoffnung. Ob wir tatsächlich auf einen Bergfahrenden Zug treffen bevor wir in Matucana sind? Wir glaubten ja nicht daran.

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[maps.google.com]
Auf der anderen Passseite war das Wetter dann ab Rio Blanco ganz passabel, und es gab sogar ein erstes Sonnenbild von einem Westfahrer. Lok 1009 kommt gerade aus der Spitzkehre unterhalb Rio Blanco hervor.

So gab es zwei Bilder von dem Zug auf dem Weg bis San Mateo. Und immer und immer wieder liefen wir auf die selben zwei ewig schleichenden LKW's auf, die mit Dreck beladen wohl nur noch mit dem sehr festen Glauben an Gott den Berg herunter bremsen. Daniel zog die Schleicher heute früh förmlich an. Aber auch ein beherztes Hupen brachte nichts, schneller wurden die beiden tollkühnen Fahrer in ihren Rostigen Büchsen trotzdem nicht.
In San Mateo ging es links über die Brücke (natürlich gleich vor uns ein kleiner LKW) und zum Bahnhof hinauf. Da liegt eine Kreuzungsstelle und wir hofften einfach mal darauf, einen Kreuzungszug zu sehen.

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[maps.google.com]
Die Bahnhofstrasse von San Mateo, Busanschluss gibts aber erst im Ort unten.

Wir schraubten uns die kleine Strasse den Ort hinauf und am Bahnhof angekommen stand da tatsächlich ein Zug Bergwärts in der Ausweiche! Bespannt, fast das beste daran, mit Lok 1007, der mit Abstand saubersten Büchse die wir bisher überhaupt auf dieser Eisenbahn gesehen haben. Ausgenommen von der Titolok 701, aber das wäre ja zu schön gewesen.
Wir machten unser Bild vom Zug und vom kreuzenden Talfahrer. Dabei erfuhren wir vom Lokpersonal, dass da noch ein zweiter Zug folgt. Wie dicht? Keine Ahnung, die Antwort kam nicht mehr, die Konversation endete als die Fahrt für den Zug weiter ging. Der Zug setzte sich in Bewegung, oder er probierte es. Die Lok schleuderte nur und bis auf ein paar Zentimeter bewegte sich nichts. Die Loks verfügen anscheinend nicht über Sandbehälter, so musste ein Eisenbahner welcher auf der Lok war (davon gibt es genug) von Hand Sand aus einem Eimer auf die Gleise streuen. Und schon hat es funktioniert!
Der Zug war gerade zu Ende da tauchte nur wenige Meter dahinter an der Felswand Lok 701 mit dem zweiten Zug auf. Ahhh, wie bestellt! Zwei Bergfahrer mit schönen Loks hintereinander. Das klingt zu perfekt um Wahr zu sein. Stimmt, das Wetter hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Den in Richtung Pass war es noch immer Wolkenverhangen. Aber die beiden brauchen eh bis zum Nachmittag bis sie da oben sind, da kann sich viel ändern, wir zerren da bereits nach einer Woche von unseren Erfahrungen.

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Vor dem BahnhofsBÜ in San Mateo stand Lok 1007 (aah, die ist so schön sauber!) und wartet auf die Kreuzung mit dem Talfahrer.

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Es dauerte gar nicht so lange bis 1009 dann auch kam und stehen blieb.

Beim wegfahren von der Stelle kam uns natürlich genau der kleine blöde Mitsubishi LKW entgegen welcher uns zuvor im Ort blockierte und nun war er schon wieder im Weg. Daniel zog es heute wirklich an ... da war der Bagger auf dem Tieflader mit Begleitkonvoi welcher vor uns durch zog als wir an der roten Ampel auf die Einfahrt auf die Carretera Central warteten irgendwie nur noch logisch.

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Hinter dem Zug mit 1007 folgte, wie auch schon, Lok 701 mit einem zweiten Zug. Um diesen zu erwischen kam dann auf einmal noch etwas Eile auf. Wir hatten da eine Stelle im Kopf. Die Ortsdurchfahrt von San Mateo ist dabei aber kein wirkliches hinderniss.

Wegen dieser Trödelei war Lok 1007 an der nächsten Stelle bereits durch, aber mit der Titobüchse hatten wir ja eine zweite Chance im Köcher. Der kam an der Brücke in der Felsschlucht wunderbar im Licht. Done!

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Hinter San Mateo dann die Stelle. Wir waren bei Grusselwetter bereits mal an der Brücke, heute mit Sonne kam aber alles viel besser!

An der gleich folgenden Spitzkehre war der erste Zug bereits durch und er rollte in der oberen Ebene weiter als wir kurz nach Lok 701 eintrafen. Mit viel Wolkenglück gelang das zweite Bild des Zuges.

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An der Spitzkehre unterhalb von Rio Blanco war der erste Zug mit 1007 bereits durch, so blieb es bei Lok 701, aber die nehmen wir gerne mit.

Etwas weniger Glück hatten wir bei den nächsten Versuchen. Lok 1007 war immerzu zu schnell für uns und da wir immer auf die Titolok warten wollten holten wir auch nie entscheidend auf. Bei Rio Blanco gab es von Lok 701 immerhin ein 1/4 Licht Bild, an der Spitzkehre von Chilca, etwas weiter oben, dann gar nichts. Da gab es dafür den ersten Zug mit etwas Kompromisslicht auf der oberen Ebene.

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Wir bleiben gleich bei Lok 701. In Rio Blanco gab es dieses Bild. Witziges Detail ist an der Wand zu sehen, da sind zwei Peruaner gerade dabei die Wand neu mit (vermutlich) politischer Werbung zu verschönern.

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Da wäre er dann wieder, der Zug mit 1007. Wir sind bereits in Chilca und der Zug wird schon in der oberen Ebene zurück gedrückt. Dieser Teil ist mehrere Kilometer lange und der längste „Rückwärtsbefahrene“ Abschnitt auf der Strecke.

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Die Sonne wollte gerade nicht, auch nicht bei Lok 701 die wortwörtlich „am Drücker“ ist. Die Situation mit den Klos der Häuser ist aber auch ohne Sonne ein Foto Wert.

Aus meiner Beschreibung hört man es heraus, heute früh verlief der ganze Eisenbahnbetrieb ziemlich speditiv. Es wurde nirgends ewig und grundlos herum gestanden und geblöterlet sondern man fuhr zu! So war es fast schon schwierig den ersten Zug bis Casapalaca einzuholen. OK, es war kein Problem, aber der Zug kam kurz nach dem erreichen der Fotostelle. Dank einer weiteren Spitzkehre hatten wir trotz Schwertransport vor uns (ja, schon wieder der Bagger) genug Zeit.

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Vor Casapalaca, dem letzten Ort vor dem Pass auf >4000 Meter über Meer, hatten wir 1007 wieder eingeholt und auch ein Wolkenloch war zur Stelle.

Der erste Zug war durch und auf Lok 701 wollten wir da nicht warten, oder doch? Wir verdaddelten alles selber und landeten am Schluss im Ort an der Ausfahrt aus dem Bahnhof, ohne ein Bild an der Einfahrt gemacht zu haben. Natürlich, jetzt wo man mal einen speditiven Ablauf bräuchte wurde wieder getrödelt bei der Eisenbahn ;). Den nichts bewegte sich mehr.
Nach 10 min musste es dann genug sein, Lok 1007 hatte schon ordentlich Vorsprung und die wollten wir nicht auf den Pass entwischen lassen. Denn trotz kleiner Spitzkehre (schon wieder eine) war der Zug schon im nächsten Tal verschwunden. Per Mehrheitsentscheidung "wir fahren" ging es los. Der Zug war nicht mehr zu sehen, trotz parallel laufender Strasse. Dann konnte er sich nur in der 180° Wende im nächsten Tal befinden, hoffentlich noch.

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Zug 701 folgte dem anderen Zug mit ca. 15Min Abstand. Anstatt weiter zu fahren blieb der Zug aber im Bahnhof von Casapalanca einfach stehen. Da wird dann wohl gebastelt. Um den Zug mit 1007 nicht „zu verlieren“ liessen wir Lok 701 stehen und fuhren wieder vor.

Wir rumpelten da hinter und tatsächlich, da stand die Lok im Bahnhofsgelände (welches dummerweise auf dem Werksgelände einer Miene, und somit unerreichbar liegt) und Rangierte eifrig herum.
Genug Zeit für uns um hinten auf den Hügel zu fahren um da die Fahrt auf den Pass zu beobachten. Wir befanden uns nur noch wenige Kilometer von der Passhöhe entfernt und das Wetter änderte sich im Minutentakt. Da war einmal ein riesiges blaues Loch und 5min später sah es so aus, als ob es sicher keine Sonne mehr gibt. Es war ein Wechsel zwischen Licht und Schatten und so hatten wir ein bisschen Glück als die Lok mit ein paar Wagen aus dem Bahnhof raus zog um sich auf ein das Ausweichgleis zu stellen.

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Dieser Bahnhof ist der letzte vor dem Pass und auch in diesem Tal ist eine grosse Mine installiert. Der Zug mit 1007 fuhr auf die Strecke raus und drücke dann ins Ausweichgleis zurück. Und jetzt?

Und da stand sie dann und tat nicht mehr viel. Dass sie in das einzige Ausweichgleis im Bahnhof drückte kann nur bedeuten, dass da etwas kreuzt oder etwas überholt - also nach logischen Gesichtspunkten (was in Peru demzufolge nichts heissen muss ;)). Als die Lok sich 20min nicht bewegte und sogar das Spitzenlicht ausmachte fuhren wir kurz runter um ein Standbild zu machen. Wenn man sich einer Peruanischen Lok nähert kommen immer die Arme aus dem Führerstand welche einem zu sich winken. Das war diesmal auch nicht anders.
Wir begannen das Ratschen und erfuhren den Grund für die Pause. Es sei Personalwechsel und man warte noch auf die Ablösung. Lok 701 täte dies in Casapalanca, die komme dann irgendwann hoch. Auch sonst wusste das Personal auf alle Fragen eine Antwort. Die Lok fahre mit dem Zug bis nach Galera (hinter dem Passtunnel) und kehre dann gleich wieder mit einem Zug zurück. Dann soll 701 über den Pass fahren - ich malte mir all die schönen Stellen die wir gesichtet haben mit einem Zug darin aus. Bei drei Zugfahrten wäre sehr viel möglich.

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Was macht ihr den da? Das wollten wir mal nachfragen, den Kreuzungszug wird kaum einer kommen?

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Nach dem gemütlichen Schwatz auf der Lok wollte das Personal dann aber noch auf ein Bild.

Wir hätten es wissen müssen .. Zurück an der Stelle am Berg, in Erwartung auf die Zugfahrt, geschah gar nichts. Ersatzpersonal kam zwar mal mit einem Auto, aber es tat sich trotzdem nichts. Dafür kam irgendwann Lok 701 und stellte sich mit ihrem Zug in das besetzte Ausweichgleis. Da war dann erstmals fertig. Unsere Lok, die ja eigentlich gleich nach dem Personalwechsel auf den Pass hätte fahren sollen, begann das Rangieren. So viel Mühe sich die Eisenbahner immer geben mit den Infos, so häufig sind sie leider auch falsch. Aber das scheint etwas zu sein was in Südamerika ganz allgemein ein "Problem" ist: Egal was man wen fragt, man bekommt immer eine Antwort. Ob die dann auch wirklich stimmt oder nicht ist nicht so relevant, aber man sagt lieber irgend etwas als einzugestehen, die Antwort nicht zu kennen.
Ich döste im Auto auf dem Weg und wir konnten über 2 Stunden lang zuschauen wie sich das Wetter stetig verschlechterte. Auf einen Graupelschauer folgte eine kurze Sonnige Phase bevor der nächste Schauer folgte. Dabei hätten wir ja durchaus Glück haben können. Hatten wir aber nicht. Gleich zwei mal nicht ;). Einmal als die Lok nochmal auf das Streckengleis rangierte und dann auch bei der Abfahrt des Zuges. Es ging zum Zeitpunkt der Abfahrt gerade der bis dahin stärkste Graupelschauer nieder und wir dachten nicht mal daran das Auto zu verlassen (mein Bild konnte ich aus dem geöffneten Fenster schiessen ;)). Es war 14:30 Uhr als sich der Zug in Bewegung setzte. Komisch, nach den Angaben des Lokführers sollte er um 14:30 schon fast wieder hier sein mit dem Zug Talwärts ... eine Schande! Der schöne Fahrplan ;).

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Eigentlich sollte der Zug nach einem Personalwechsel gleich weiter, wurde uns gesagt. Aber mit dem frischen Personal begann dann wieder das Rangieren. Und es dauerte und dauerte und (ja) es dauerte ... . Und als der Zug dann kam war es ganz dunkel.

Auch eine Schande war unser Tankinhalt. Der war nämlich leer und die Lampe leuchtete Daniel ins Gesicht. Ist ihm das nicht aufgefallen? Keine Ahnung, dieser Anfängerfehler war etwas ärgerlich. Warum haben wir nicht in den Stunden des wartens getankt? Nun, tanken selber ist nicht schwer, eine Zapfsäule zu finden dagegen sehr. In San Mateo ist sicher eine, oder auf dem Weg nach La Oroya in den Mienendörfern? Wir wussten es schlicht nicht, darauf haben wir nie speziell geachtet.
Wir probierten erst den nächstgelegenen Ort, Casapalanca, aus. Da gab es aber nichts, gar nichts. Obwohl Daniel und ich irgendwie meinten da mal etwas ... aber das muss wohl an einem anderen Ort gewesen sein.
So fuhren wir auf den Pass hoch für den Zug mit 1007. Ins Tal nach La Oroya runter bis zur ersten Tankstelle kommt man auch noch mit Dieseldämpfen ;). Am Pass hatten wir den Zug natürlich wieder, doch der knappe Sonnenstand machte uns Mühe. Tatsache, Sonnenstand, auf dem Pass schien die Sonne! Leider nicht mehr als der Zug kam. Dieser war somit weg, den hinter dem Tunnel folgt ein Teil welcher nur per Bahn oder mit einem Muli erreichbar ist.

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Wir folgten 1007 auf den Pass hinauf, auch wenn die Aussicht auf Sonne, wie man auf diesem Bild sieht, nicht wirklich vorhanden war.

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Nein, keine Sonne, aber dafür hatten wir jetzt endlich mal ein Bild von da oben ;)

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[maps.google.com]
Blick von der Passtrasse (aus dem Seitenfenster) nach Osten.

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[maps.google.com]
Schmucke Bushaltestelle von Codiciada

Tanken, irgendwo auf dem Weg nach La Oroya, so schnell wie möglich, denn nach dem aufdieseln wollten wir zurück zur Kehre. Da stand ja noch Lok 701 und irgendwann müsste Lok 1007 zurück kommen. Aber da kam einfach keine Tanke, die erste öffentliche Tankstelle war im Speckgürtel von La Oroya zu sehen, 30min Fahrzeit vom Pass entfernt (es lief gut, mit den obligatorischen Schleichern hätte man gleich nochmal 10min drauf packen müssen). Es war 15:30 Uhr. Zeit zurück bis zur Stelle: 45min im besten aller Fälle - bliebe eine Stunde Licht, wenn überhaupt (denn es sah am Pass ganz schön zu aus). Dass war ein Murks, ohne wirkliche alternative liessen wir den Plan an den Pass zu fahren sein für heute ...
Beim Tanken machte Daniel per Handy noch das Zimmer im Hotel Michelin klar. Unsere erste Wahl in La Oroya, leider gut besetzt und gerne voll. Wir haben uns gestern Abend für die Nacht aber schon angekündigt und sollten die Reservierung per Telefon bestätigen - bitteschön. Das Hotel ist mit seinen 180 Soles zwar vermutlich das teuerste am Platz. Eine Heizung hat auch dieses Hotel trotzdem nicht - dafür W-Lan, ein Klo mit Brille, eine Decke die nicht lebt und warmes Wasser (dass dabei die Duschbrause das Wasser überall hin verteilt nur nicht nach unten ist ein vernachlässigbares Details am Rande ;)).
Was tun mit der verbleibenden Zeit? Die einzige Chance überhaupt noch ein Sonnenbild zu bekommen sahen wir in den Werken und Mienen im Tal vor La Oroya. Da standen letztes mal ja zwei Loks rum - und stehende Objekte lassen sich leichter in einem Sonnenspot erwischen als fahrende ;).
Der Weg wurde irgendwie nicht besser seit vorgestern (komisch) und geschüttelt kamen wir an den kleinen Rangierbahnhof da hinten. Er ist irgendwie im Mienengelände, aber auch nicht. So klar ist das da hinten ja nicht.
Wir stellten uns an den BÜ hinter dem kleinen Rbf und warteten auf den Sonnenspot. Die Wolken zogen vom Pass her rein und so wurde immer mehr Mus in unsere Richtung transportiert. Zu viel, dass die tiefstehnde Sonne noch einmal ein blaues Loch erreichte - im Tal drin lösten sich die Wolken ziemlich gut auf - nur halt bei uns nicht. Grrrrr! Und als uns dann ein kleiner Sonnenspot erreichte war der Zug weg.

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Wir sind runter vom Pass und vor La Oroya nochmal ins Tal rein. Bei Mahr Tunnel stand auf dem Werksgelände (auf dem man ja eh war ;)) Lok 1016 herum. Sie war am Rangieren und rollte hin-und-her.

Zum Zeitvertreib fuhren wir weiter ins Tal hinein und suchten nach Möglichkeiten zur Bahn zu kommen, klappte (erwartungsgemäss) nicht. Dafür sahen wir den Kran-Zug vom Röhreneinsatz zurück kommen und der Zug der vorhin Rangiert hat fuhr hinauf zum Pass. Mit den 5 (!!) gesichteten Zügen heute ist dies der offizielle Rekord bisher.
Was wir nicht sahen ist ein Triebwagen. Nach einer Information sollen vom Minengelände zum Bahnhof am Tunnel (Galera) ein Lynettertriebwagen im Personenshuttle eingesetzt werden. Wir haben den Triebwagen aber noch niemals gesehen und gehen daher davon aus, dass die Information (noch?) nicht stimmt.

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[maps.google.com]
Wir kamen am Abend noch bis Yauli, hinten im Tal. Dann wurde es langsam dunkel. Wobei es vorne schon wieder blau war ...

Der Weg nach La Oroya war kurz und bei der Dämmerung erreichten wir diese hässliche Stadt - bei der Fahrt hinein mussten wir es schon wieder denken. Es fehlt ja häufig nicht viel um es als „schön“ zu bezeichnen. Aber alleine schon die Tatsache, dass ausser der Hauptstrasse kaum etwas asphaltiert ist und zwischen Häusern und Strasse ein Matschfeld liegt (jetzt bei dem Wetter) trägt sehr viel dazu bei. Alles ist dreckig, schlammig, bäääh. Da könnte man doch einfach etwas weiter raus Asphaltieren und das Problem hätte sich ein wenig entschärft - La Oroya ist mit der ganzen Industrie (nennt sich selber Eisen Stadt von Peru) sicher nicht mausearm.
Jordi wurde zum Geld holen verdonnert und bald schon waren wir vor dem Hotel damit beschäftigt das Auto zu räumen. Wir erinnern uns: Der Wachmann meinte, unser Reserverad (dick angekettet mit riesigem Vorhängeschloss) auf der Ladefläche ist nicht sicher. Also rollten wir es wieder ins Treppenhaus (einmal durchs Restaurant ;)).
Die anderen beiden sind jetzt gerade Abendessen gegangen, darauf verzichte ich heute gerne. Alleine der Anblick vom Bifsteak mit Papas Fritas und Aroz weckt aktuell eher ein Würgereflex als Hungergefühle in mir.
An dieser Stelle ist der Zeitpunkt gekommen der Küche in Peru ein Kränzchen zu winden. Im Vergleich zu Chile kann man hier überall vernünftig und (mehr oder weniger) gut Essen. Was aber nicht davon ablenkt das die Küche in den Restaurants (vermutlich auch gerade hier in den Gegenden mit den vielen Mineros) eher eintönig ist. Fleisch, mit Pommes, Reis und etwas Grünzeug (aber bloss nicht zu viel davon). Davor eine Brühe wenn es sein darf. Aber es ist Essbar, sehr Essbar.
Das Malheur mit meinem Magen muss man aber auch der Peruanischen Küche anlasten, wobei wir nicht heraus gekriegt haben was es hätte sein können, den ich habe nichts alleine gegessen, Jordi oder Wipf hatten immer dasselbe. Möglicherweise war es die Mayo zum Fisch?
Und morgen? Ja wenn wir das nur wüssten ...




Im nächsten Teil sind wir nochmal auf der Andenbahn unterwegs, dann geht es aber langsam in Richtung Süden.

Grüsse aus der Schweiz,
Nil



Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...
Wiedermal muy bien!
Und ich finde: Gerade die Wolkenbilder geben dem Ganzen etwas "Dramatik". Ao gesehen muss es ja nicht immer eitel Sonnenschein sein. ;-)


Thomas

Ein Traum! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 31.01.13 21:09

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Hallo Nil,

das Bild mit der Schlucht und der Brücke ist der Hammer!!! Auch der Rest kann sich sehen lassen :)

VG Steffen