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Ich musste den Reisebericht auf drei Teile aufteilen, sonst konnte ich ihn nicht hochladen:
Hier war der Beginn:
Teil 1


Tag 12: Paris

In der Früh kam ich in Paris Est an. Auf dem Bahnhof fiel mir auf, dass die Ansagen bei den Zügen aus Deutschland oder Österreich auch auf Deutsch erfolgten. Damals gab es noch mindestens zwei direkte Züge von Wien nach Paris. Nun war ich also erstmals im fremdsprachigen Ausland, noch dazu hatte ich von Französisch kaum eine Ahnung. Trotzdem schaute ich mir einiges in der Stadt an, also alle berühmten Sehenswürdigkeiten bis auf Montmartre und Sacré-Cœur, das fand ich nicht oder hatte keine Zeit mehr dafür. Ich war auf dem Eiffelturm (die dritte Ebene war leider geschlossen), ich fuhr mit den alten Holzzügen der Metro, ich sah den Place de la Concorde und den Triumphbogen. Ich besuchte auch einige andere Bahnhöfe und sah viele Lokomotiven und Triebwagen, die es heute nicht mehr gibt. Ich leistete mir sogar eine Rundfahrt auf der Seine und auf dem Champs-Élysées leistete ich mir als einziges Essen einen Apfel und ein Fanta, dessen seltsam grüne Farbe ich vorher und nachher nirgendwo mehr gesehen habe. Ich war schließlich hundemüde, meine Fußsohlen brannten vom vielen Laufen. Ich hatte zwar Hunger, aber kein Geld mehr.

Für die Fahrt nach London hatte ich mich eigens nach der kostengünstigsten Möglichkeit erkundigt, denn ich wollte keineswegs zusätzlich für die Fähre bezahlen. Von Oostende hätte man zwar Ermäßigung mit Interrail bekommen, aber eben doch etwas bezahlen müssen. Die einzige Eisenbahnfäre von Dünkirchen (Dunkerque) nach Dover hingegen war gratis benutzbar. Ich schlief in meinem Wagen natürlich sofort ein. Dass auf dem Zuglaufschild „London Victoria“ in Klammern stand, habe ich wohl nicht deuten können, denn ich dachte, mein Wagen wird auch überschifft. Dem war natürlich nicht so. Lediglich ein oder zwei Schlafwagen kamen auf das Schiff und ich wurde schlaftrunken geweckt und musste den weg zum Fährschiff finden und mir auf dem Schiff einen Platz suchen, wo ich meinen Schlafsack ausbreiten konnte und (im Freien!!) schlief. Den Sonnenaufgang wollte ich an Deck erleben und es war auch wirklich ein besonderes Erlebnis. Es war natürlich meine erste Fahrt mit einer Fähre und die erste Fahr auf dem Meer überhaupt.

Tag 13: London

Die Ankunft in Dover war ein Erlebnis. Erstens schon die Kreidefelsen, die man aus der Ferne sah: Erinnerungen an den Englisch-Unterricht, wo wir das alles schon gelernt hatten, was ich nun sehen würde. Der Geruch des Meeres, der Geruch des Hafens, das alles war etwas ganz Besonderes für mich. Interessant war auch das umständliche Grenzkontroll-Procedere. Man musste in einer langen Schlange am Fährhaften warten. Vorne waren mehrere Pulte aufgebaut. In Respektsabstand musste man warten, bis man gerufen wurde. Dann gab es einige Fragen zum Zweck der Reise, und das alles natürlich auf Englisch. Und ich war ziemlich müde, denn viel geschlafen hatte icih ja nicht. Als ich dann endlich im Zug nach London Victoria saß, schlief ich die meiste Zeit, obwohl ich doch so gerne die Landschaft sehen wollte. Das Grün in England war etwas ganz anderes als im Rest von Europa, das hab ich schon damals bemerkt. Außergewöhnlich waren auch die Waggons des Zuges. Die Türen gingen nach außen auf, man musste zuerst das Fenster der Türe öffnen, um den Tür-Drehgriff außen betätigen zu können, denn von innen ließen sich die Türen nicht öffnen. Und es gab auch Züge mit unendlich vielen Türen! Bei jedem „Abteil“ eine Türe. So etwas hatte ich vorher nur in Italien gesehen.
Aufgefallen sind mir auch die Zugschaffner. Sie wirkten auf mich irgendwie armselig mit ihren Uniformen, die so gar nicht schick aussahen, sondern eher zerlumpt und billig, aus grobem Stoff. Die Schaffner wirkten auf mich wie schlecht bezahlte Hilfsarbeiter. Und dann fielen mir noch etliche Jugendliche auf, also in meinem Alter etwa, die Schuhe mit recht hohen Absätzen hatten. Sowas war bei uns daheim noch nicht Mode. Das kam erst etwas später.

Ein ganz besonderes Erlebnis war dann die Ankunft in London. Der erste Blick vom Bahnhof auf die Straßen: der Linksverkehr, die roten Doppeldecker mit den offenen Plattformen, die seltsamen Fußgänger-Blinkampeln, die klobigen schwarzen Taxis, die Geschäftleute mit ihren Melonen und Aktenmappen und Regenschirmen. Alles Dinge, die ich vom Englischunterricht her noch lebhaft in Erinnerung hatte und nun sah ich es erstmals selbst. Ich hatte einen Stadtplan und ging Richtung Westminster, Parliament und Tower Bridge. Buckhingham Palace und Piccadilly Circus und viele andere Ecken in der Stadt schienen mir so bekannt, auch Lord Nelson auf dem Trafalgar Square. Alles Erinnerungen an die Schulbücher. Dann die U-Bahn: es gab so viele alte Züge, und die Stationen selbst waren ja auch ein Erlebnis. Jedenfalls war der Tag in London wunderbar und ich beschloß, hierher auf jeden Fall wieder zu kommen. Ich wollte auch etwas mehr von England sehen. Dazu sollte es erst zwei Jahre später kommen. Schließlich wartete ich hundemüde auf dem Bahnhof Victoria auf die Abfahrt des „Boat trains“, der mich wieder nach Dover bringen sollte. Das nächste Ziel Brüssel hätte ich wohl rascher über Oostende erreicht, aber billiger war es über Dunkerque, also wählte ich wieder diese Route. Im Zug schlief ich sofort ein und an den Übergang auf die Fähre erinnere ich mich gar nicht mehr.


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Leider sind nur wenige Bilder aus England was geworden, und die in schlechter Qualität. Vermutlich bei der Einfahrt in Victoria hab ich bei diesem Tausendtürer abgedrückt. Keine Ahnung welche Baureihe das war, vielleicht ist das die spätere Reihe 415.


Tag 14: Brüssel

Bei Dunkelheit hieß es in Dunkerque vom Boot auf den Zug umsteigen, aus den ich in Lille wieder ausstieg, um weiter nach Brüssel zu gelangen. Schon in Lille war eine belgische Diesellok vor den Zug gespannt. Ich hatte damals noch keine Ahnung, dass Lille nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt liegt. Sowohl in Lille als auch in Brüssel fotografierte ich dann einige Züge und Lokomotiven. Die belgischen Lokomotiven sahen für mich ungewöhnlich aus und gefielen mir vom Aussehen her überhaupt nicht. Auch die Straßenbahnen hatte ein etwas eigenwilliges Design. Vor allem fiel mir gleich die Zweisprachigkeit auf in den Zielschildkästen der Straßenbahnen und auch sonst in der Stadt. Der „Grote Markt“ bzw. „Grande-Place“ gefiel mir recht gut, den Manneken Pis fand ich jedoch nicht. Mit der Straßenbahn fuhr ich in die Richtung zum Atomium. Ich erinnere mich auch ein Gespräch mit einer Brüsslerin, die zwar Französisch und Englisch (oder war es gar Deutsch?) sprach, aber nicht Flämisch. Da erfuhr ich erstmals, dass die Sache mit den Sprachen nicht gar so einfach ist. Sie erklärte mir auch den Weg zum Atomium, das mir dann auch wirklich sehr mächtig und interessant erschien. Da mir aber der Eintritt viel zu teuer war, verzichtete ich darauf und beließ es bei Fotos.

Am Nachmittag ging es dann weiter mit einem besonderen Zug nach Brüssel. Damals gab es diese zweiteiligen dunkelgrünen oder dunkelblauen Benelux-Triebwagen der NS, die den Städteverkehr zwischen Brüssel und Amsterdam abwickelten. Es waren quasi Zweisystemfahrzeuge, denn in Belgien fährt man ja mit 3000 V, während man in Holland mit 1500 V das Auslangen findet. Überhaupt kamen mir die Triebzüge in den beiden Ländern etwas komisch vor. Die Inneneinrichtung vergleichsweise spartanisch, die Fenster kaum zu öffnen, bis auf einen schmalen Luftschlitz, den man kaum für Fotoaufnahmen aus dem Zugsfenster gebrauchen konnte.

Der Grund für die Fahrt nach Amsterdam war wiederum eine Gratisübernachtung in einem Nachtzug. Denn von Amsterdam konnte ich am Abend abfahren und in der Früh in der Schweiz ankommen. Von Brüssel aus hätte ich viel zu lange in die Nacht hinein am Bahnhof warten müssen. Von Amsterdam sah ich also damals nichts außer dem Bahnhof. Erst 1974 sollte ich mir auch die Stadt anschauen. Auffallend in Holland war für mich das flache Land mit den schwarz/weißen Kühen, so etwas gab es daheim ja nicht. Unsere Kühe sind fast alle braun gescheckt. Natürlich war ich begierig, auch einige Windmühlen zu sehen, aber allzuviele gab es vom Zugsfenster aus nicht zu entdecken. An die Grenze zwischen Belgien und Holland hab ich kaum eine Erinnerung. Es gab jedenfalls keine Paßkontrolle, möglicherweise gingen Zöllner aber durch den Zug und ließen ihre Blicke herumschweifen.

Die Nachtfahrt von Amsterdam, wo ich auch eine belgische Zweisystemlok beobachten konnte sowie die berühmte französische CC 40100, führte über Köln und Basel nach Lugano.

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Der Benelux-Triebwagen der NS (1201-1208) bzs. SNCB in (korr:) höchstwahrscheinlich Bruxelles Midi/Brussel Zuid. Möglich, dass das Bild auch erst 1974 entstand.


Tag 15: Lugano

In der Früh wachte ich auf, als der Zug über den Gotthard fuhr. Eine grandiose Landschaft. Auch das Ziel Lugano wurde nur gewählt, weil ich im Zug ein Nachtquartier hatte, sonst wäre ich vielleicht schon in Zürich ausgestiegen. In Lugano spazierte ich ein wenig am See entlang und machte Bilder von der Privatbahn FLP. Von dort ging es dann über Zürich wieder nach Feldkirch, wo ich meinen Hunger nach einigen Tagen Fastenzeit wieder stillen konnte und auch wieder in einem richtigen Bett schlafen konnte.

Tag 16: Lindau

Auf Empfehlung meiner Tante besuchte ich an diesem Tag Lindau, denn die Stadt im Bodensee soll sehr sehenswert sein. Und das war sie auch. Auf dem Bahnhof sah ich die Gasturbinenloks der Reihe 210 aber auch die alte Baurehe 1570 der ÖBB sowie schweizerische Loks. Das war doch damals schon etwas Besonderes für mich, Fahrzeuge von drei Betrieben in einem Bahnhof zu erleben. Auch eine große Dampflok (Baureihe 03) konnte ich dort sehen.
Am Abend ging es mit einem Nachtzug nach Wien zurück. Grund dafür könnte gewesen sein, dass ich etwas Geld brauchte.
In Lindau war dann auch der Platz für das Eintragen der Zugsfahrten in das Ticket vollgeworden. Ich frage auf mehreren Bahnhöfen nach einem Ergänzungsheft, das man einlegen sollte, es gab aber nirgendwo eines. Ein österreichischer oder Lindauer Schalterbeamter ermpfahl mir daher, einfach selbst ein Heftchen zu basteln und in das Ticket einzukleben, was ich auch tat. Das ging auch überall ganz gut und wurde akzeptiert (manchmal mit Schmunzeln), nur ein nordeutscher Schaffner schimpfte später über die Südländer (Bayern und Österreicher), die solche Dinge empfehlen und zulassen.

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Gasturbinenloks 210 007 auf der Drehscheibe in Lindau.

Tag 17: Passau

Was ich in Wien getan habe, weiß ich nicht mehr. Ziemlich sicher Wäsche gewechselt und Geld besorgt. Am Nachmittag ging es mit dem TS228 Johann Strauß nach Passau. Das war einer der Paradezüge der ÖBB, Triebwgen Reihe 4010 nach Frankfurt, wunderbare Laufruhe und bester Komfort im Sechser-Abteil. In Passau konnte ich auch bei Bekannten gratis schlafen, die Stadt, die ich damals schon kannte, ist außerdem immer einen Besuch wert.


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Mein unbestrittener Lieblingszug der ÖBB: 4010.08 als Johann Strauß nach Frankfurt am Wiener Westbahnhof.


Tag 18: Aschach, Eferding, Linz

Von Passau aus konnte ich einige Nebenbahnen in Oberösterreich leicht erreichen. Daher fuhr ich zunächst die Nebenbahn von Wels nach Aschach an der Donau, auf der Schienenbusse der Reihe 5081 verkehrten. Auf der Rückfahrt stieg ich in Eferding aus und fuhr auf der LLB (Linzer Lokalbahn, wie die LILO damals noch hieß) nach Linz. Es gab damals noch uralte Triebwagen auf diesen Strecken. Natürlich musste ich die Fahrkarte bezahlen. Interrail galt hier nicht. Heute ist der Lokalbahnhof in Linz auch bereits Geschichte, ebenso wie der alte Hauptbahnhof von Linz. Ob ich auch auf den Pöstlingberg gefahren bin, weiß ich heute nicht mehr. Ich fuhr am Nachmittag mit dem TS228 wieder nach Passau zurück und von dort mit dem D298 über Nacht nach Hamburg. Ab nun sollte es wieder spannend werden, denn Skandinavien lockte!


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In Wels konnte man immer sehr alte Loks beobachten, so auch die 1073.20, die mit einem Personenzug Richtung Passau im Bahnhof stand..


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Eine andere 1073 mit den tyischen Spantenwagen dieser Zeit. Die ÖBB-Produktfarben waren damals teilweise noch Weinrot mit Gelb. So waren auch die Bahnbusse lackiert.


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Dieser unbekannte 5081 brachte mich nach Aschach an der Donau, das Bild entstand dort.


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Ein Überblicksbild von der Bahnanlage machte ich auch noch.


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Bei der Rückfahrt stieg ich in Eferding um. Links erkennt man zahllose alte StH-Triebwagen. Die 2043.27 wird einenGüterzug nach Aschach bringen, mein Schienenbus ist rechts zu erkennen.

Fortsetzung und Schluß:
Teil 3

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:01:02:17:11:15.
absolut genial!

Das "irgendwo unterwegs" mit dem Benelux Hondekop dürfte Bruxelles-Midi / Brussel Zuid sein.
Hallo

Die Benelux-triebwagen ist ein 2 stromtriebwagen (NS 1500V und SNCB 3000V ) abgleitet von die ELD2 "hondekop" . Fur die NS sind 8 stuck gebaut worden (1201-1208) und die SNCB 4 stuck (220.901-220.904) .

gr Jos

danke fur die schone bilder in teil 1,2 und 3 .
Zum Foto bei London-Victoria: die ET-Einheit ist eine 4-SUB "emu"aus den ersten Nachkriegsjahre (Br 405, aber nie so genannt), wie damals fast alle Vorortszuege der Central Division ("Brighton Line"). Von der Headcode 36 ist sicher, dass sie von Beckenham Junction (meiner kentischen Heimat) ueber Crystal Palace faehrt.