Hallo,
da ich immer noch krank bin habe ich Zeit, so folgt heute der letzte Teil der Reise als Fortsetzung von
hier.
Zur Erinnerung unser bisheriger Reiseweg:
Blau: Mit dem Zug
Grün: Mit der Fähre
Rot: Mit dem Bus
Es ist Sonntag, der 12. August und wir haben bis zum Freitag Zeit, uns Armenien näher anzusehen. Aufgrund der politischen Wirren in Folge des Berg-Karabach-Konflikts, ist das Land geografisch in einer isolierten Lage, denn die Grenzen zur Türkei und Aserbaidschan sind geschlossen. D.h. der Warenaustausch findet vorwiegend über Georgien, zum Teil über den Iran statt. Für den Bahnverkehr bedeutet das, dass alle Strecken zu den Nachbarländern geschlossen sind, bis auf die Hauptstrecke nach Tiflis. die aktuelle Lage wird an dieser Übersicht deutlich, obwohl Berg Karabach völkerrechtlich korrekt noch zu Aserbaidschan gehörend dargestellt wird, de facto aber armenisch ist.
Vom Bahnverkehr ist daher in diesem Land wenig zu erwarten und zu sehen, allerdings habe ich drei neuralgische Punkte für diesen Bericht rausgesucht.
Jedenfalls schauen wir uns am Sonntag Jerewan näher an. Bilder über die Stadt sind im Netz ja zuhauf zu finden, deshalb exemplarisch drei.
Zur Schau gestellte Stretch-Limosinen am Platz der Republik - völlig unpassend zum ansonsten bitterarmen Land
Zugang zur U-Bahnstation Hanrapetutian Hraparak
E. A. Poe an einer Hauswand in der Abovyan Straße
Für Montag stand auf jeden Fall eine Tour auf dem Programm, die ich mir für Armenien fest vorgenommen hatte. Und zwar ein Besuch des stillgelegten Grenzbahnhofs Akhuryan an der von der Türkei gesperrten Strecke Gjumri - Akhuryan - Dogu Kapi - Kars. Daher hieß das Ausgangsposting des 1. Teils dieses Reiseberichts ja auch Dogu Kapi, die Ostpforte, die wir nun von der anderen Seite aufrollen werden.
Das erste und letzte Mal auf dieser Reise organisieren wir uns für diese Tour einen Fahrer. Ursprünglich hatte ich in unserem Hostel nachgefragt, die hatten aber keinen zur Hand, sodass wir es letztlich über die Agentur Hyur gemacht haben:
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www.hyurservice.com]
Der gute Mann ist dann auch schnell zur Stelle und wir fahren direkt bis Gjumri. Wir unterqueren die Eisenbahnbrücke unter der Hauptstrecke nach Tiflis und biegen links ab auf die ehemalige M7 nach Kars. Nach ca. fünf Kilometern liegt auf der rechten Seite der Bahnhof. den eigentlichen Bericht habe ich vor einigen Wochen bereits im Rahmen des Streckenberichts hier eingestellt, sodass hier noch einmal alles nachgelesen werden kann:
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www.drehscheibe-foren.de]
Hier als Auswahl zwei Bilder:
Einfädelung zum Vierschienengleis in Richtung Türkei. Rechts das Normalpurgleis, links das Breitspurgleis.
Geschlossenes Grenztor mit Vierschienengleis zu Türkei
Zum Transportdilemma und Prognosen Armeniens siehe hier: [
www.unece.org]
Vom Bahnaspekt war ich mit der Welt zufrieden und das sollte aus meiner Sicht auch genügen, da Ex-UdSSR-Systeme mich nicht sonderlich interessieren. Allerdings sollte es doch noch zu zwei interessanten Bereichen kommen.
Wir wollen weiter nach Sevan fahren und passieren noch den Bahnhof von Gjumri. Hier wurden die Kurswagen nach Dogukapi abgekoppelt und über Akhuryan über die Grenze in die Türkei gefahren, wo in die Züge nach Ankara und Istanbul umgestiegen werden musste.
Einen Reiseprospekt aus sowjetischen Tagen hat Ivan (navi.illop) uns hier präsentiert:
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www.drehscheibe-foren.de]
Auf dem Weg zum Sevan-See fahren wir über Vanadzor und überqueren wiederum die Hauptstrecke nach Tiflis:
Sevan an sich ist enttäuschend. Wir laden unseren Fahrer unterhalb Sevanavanks zum Essen ein und fahren dann nach Yerevan zurück.
Typische Szene am Sevan-See. Die Fischer haben hier unter dem sinkenden Wasserspiegel zu leiden
Zum Sevan See vgl. hier die überaus interessante Dokumentation: [
www.youtube.com]
Bahnstrecke Yerevan - Sotk. Im Sommer kann die Strecke komplett mit dem Zug befahren werden.
Dienstag, 14. August 2012. Ebenfalls bietet unsere Agentur von jedem Dienstag bis Donnerstag Touren im Bus nach Berg Karabach an. Nachdem wir nun die letzten drei Wochen unsere Reise bei 30 - 40° Hitze selbst organisiert hatten, griffen wir gern auf dieses Angebot zurück. Ich bin ja persönlich kein Freund von irgendwelchen Pauschalreisen, aber diese Touren kann ich euch wirklich empfehlen. Ihr könnt kaum auf eigene Faust diese Touren organisieren und ihr kommt mit Exil-Armeniern in Kontakt und verbringt mehrere Tage mit ihnen. Unsere Gruppe bestand auf Armeniern aus den USA, dem Libanon, aus Basra im Irak, Frankreich, Holland, auch waren zwei Franzosen dabei. Eine Auswahl des Programms findet ihr hier:
Zuerst fahren wir nach Khor-Virap, das direkt an der Grenze zur Türkei liegt, mit einem wunderbaren Blick auf den Ararat:
Für die meisten Exil-Armenier ist es wichtig, ihre Kirchen und Klöster zu besuchen. Die älteste Teilnehmerin ist ca. 90 Jahre alt und will zum letzten Mal in ihrem Leben die für sie wichtigen Orte besuchen.
Noravank
Armenien ist landschaftlich wunderschön, wirtschaftlich aber völlig von seiner Diaspora abhängig. Wir fahren weiter zur Grenze zu Berg Karabach:
Bevor wir Berg Karabach erreichen. Liegt rechts unter uns noch die Stadt Goris:
Zur Grenzkontrolle: Ihr müsst euch mit einem Einreiseschein in der Hauptstadt Stepanakert registrieren lassen. Dort bekommt ihr das Visum. Beachtet bitte, falls ihr nach Aserbaidschan möchtet, darf in eurem Pass kein Visum der Republik Artsakh (Berg Karabach) vorhanden sein. Wir bekommen ein Gruppenvisum, das in unserem Pass nicht auftaucht.
In Stepanakert sind wir im Hotel Armenia direkt am Hauptplatz untergebracht. Es ist natürlich streng verboten, den Regierungspalast zu fotografieren. Hier finden nach sowjetischer Manier auch noch Panzeraufmärsche statt:
Zurück zum Eisenbahnnetz. Stepanakert war nicht über eine Bahnlinie an Armenien angeschlossen, allerdings mit Yevlakh in Aserbaidschan:
Ich war im Vorfeld unserer Reiseplanung überhaupt nicht darauf eingestellt, dass wir Karabach besuchen werden. Den Bahnhof zu finden, ist ebenfalls nicht einfach. Er liegt ca. 2 Kilometer außerhalb der Stadt und ist völlig zerschossen. Es stehen noch zwei Wracks ehemaliger sowjetischer Dieselloks auf dem Bahnhofsgelände:
Bahnhof Stepanakert
Die nichtelektrifizierte Strecke ist komplett demontiert. Übrig geblieben sind nur Signalgerippe:
Strecke Stepanakert - Yevlakh
So viel kann ich ausmachen. Hintergrund ist natürlich der Berg Karabach Konflikt bzw. Krieg, der im nationalen Bewusstsein die Menschen hier ebenso wie der Genozid von 1915 bewegt:
Allerdings, welche Versöhnungsmöglichen bieten sich an, wenn die Nummernschilder der vertriebenen Aseris zur Schau gestellt werden, abgesehen bei all der Religiosität?
Ebenfalls fristen noch viele vertriebene Aseris ihr Leben in Güterwagen in Aserbaidschan: [
www.youtube.com]
Die wirtschaftliche Realität bei einer extrem hohen Arbeitslosigkeit spiegelt sich dann eben doch auf der Rückseite sowjetischer Blocks wider:
Abgesehen von all den politischen Wirren, der unüberbrückbare Hass zwischen Armenien und Aserbaidschan, unsere Reisegruppe genießt die den letzten Tag. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft entstanden.
Ghazanchetcots
Und die Reisegruppe vor dem Monument
Wir und unsere Berge:
Auf der Rückfahrt nach Yerevan müssen wir auf jeden Fall über Yeraskh fahren. Hier befindet sich die geschlossene Grenze an der Bahnstrecke Yerevan - Julfa zu Nakhijevan:
Ich bitte unseren Busfahrer zu halten und verdrücke mich im letzten halbwegs brauchbaren Licht in die Pampa zum ehemaligen Bahnhof an der Grenze. Das ist hier ebenfalls eine No-Go-Zone, aber drei Bilder sind möglich:
Ehemaliger Bahnhof Yeraskh, der neue liegt ca. 1 Kilometer weiter rechts
Blick in Richtung Nakhijevan
Blick in Richtung Yerevan mit Wracks von Breitprofilwagen
Zur Lage vergleiche hier: [
wikimapia.org] Yeraskh, Eraskh
Abgesehen davon, dass ich zu diesem Moment dringend in die Büsche muss und auf diese Grenzen pis.., wird man vergeblich auf ein Zeichen der Versöhnung warten müssen:
Ihr müsst uns die Vergangenheit vergeben, und ihr müsst uns die Gegenwart verzeihen.
Ebenfalls noch ein Bericht zur politischen Brisanz in dieser Region:
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www.taz.de]
Am nächsten Morgen sind wir von Jerevan aus nach Tiflis zurück gefahren und dann per Flugzeug (wie langweilig) zurück nach Deutschland.
So, das war der lange Reiseumweg nach Armenien.
Viele Grüße
Alex
Die komplette Reiseroute:
23. Juli 2012: Von Oldenburg nach Prag: [
www.drehscheibe-foren.de]
24. und 25. Juli 2012: Im Kurswagen 377 im Nesebar von Prag nach Burgas:
Teil 1: [
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: [
www.drehscheibe-foren.de]
26. bis 28. Juli: Von Burgas nach Istanbul inkl. der Bahnhöfe Haydarpasa und Sirkeci:
[
www.drehscheibe-foren.de]
29. Juli 2012: Von Istanbul mit der Fähre und dem 6-Eylül-Express nach Izmir:
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www.drehscheibe-foren.de]
30. und 31. Juli: Izmir Basmane, Alsancak, Ephesos und Pergamon:
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www.drehscheibe-foren.de]
31. Juli und 1. August: Mit dem Izmir Mavi und dem Schienenersatzverkehr von Izmir-Alsancak nach Ankara:
[
www.drehscheibe-foren.de]
1. - 4. August: Von Ankara über Göreme nach Gaziantep:
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www.drehscheibe-foren.de]
5. August: Mit dem Zug von Gaziantep nach Akcakale:
Karma (GmP) Gaziantep – Nusaybin und die Lage in Syrien:
Teil 1: Von Gaziantep nach Karkamis: [
www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: Von Karkamis nach Akcakale: [
www.drehscheibe-foren.de]
5. - 8. August: Von Akcakale über Harran nach Mardin: [
www.drehscheibe-foren.de]
8. - 10. August 2012: Von Mardin über Van und Kars nach Batumi: [
www.drehscheibe-foren.de]
11. - 12. August 2012: Mit Zug 201 Armenia von Batumi nach Yerevan: [
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