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Hallo Welt,

der dritte Teil führt uns weiter nach Süden bis nach Montenegro. Zuvor gab es aber noch ein paar Bilder im Bosnatal, wo aber nicht alles glatt lief. Am zweiten Tag erlitten wir die ersten richtigen Wolkenschäden.
Und was finde ich an diesem Teil so richtig Klasse? Die Verschiedenen Landschaftypen die man im Balkan alle auf einmal findet. Vom Hochgebirge an die Küste …
Und was haben wir nach dem reinziehen der Wolken gemacht, wir haben uns das Land angeschaut. Schade tut man das immer nur bei schlechtem Wetter, wobei, man sieht ja nicht weniger als wenn es Sonnig wäre.

Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de] >> USA und Start in den Balkan
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de] >> In Bosnien rund um Doboj

Texte innerhalb des Berichts welche in einer [ECKIGEN KLAMMER] stehen sind Kommentare vom Herrn Jordi, die lassen wir einfach mal stehen.




Freitag 23. März 2012, Doboj - Podgorica

Heute war schon wieder dunstig am Morgen, obwohl Freitag war, komisch (Achtung, dieses Wortspiel funktioniert nur im Zürideutschen Dialekt ;)). Im Ernst, das Problem war genau dasselbe wie gestern, es hing wieder eine Dunstschicht am Himmel heute früh, welche die Sonne davon abhielt uns vollends zu beglücken. Das war uns aber egal, denn entgegen aller unserer Gewohnheiten (haben wir ja gestern gelernt) standen wir freiwillig um dreiviertel 7 auf und fuhren um 7 Uhr raus zum Bahnhof von Doboj. Da an der Ausfahrt sollte das Licht nämlich passen und die halb 8 Uhr Spinne hielt ja gleich 3 Züge für uns bereit, Regios nach Tuzla, Samac und Banja Luka standen an. Da wir eh um 8 Uhr los wollten bot es sich an diese drei noch zu nehmen ehe man im Hotel alles zusammen räumt und fährt. Es nicht zu machen wäre blöd gewesen, auch wenn ich mich mit dem Gedanken kurz vor dem Aufstehen auch anfreunden konnte ;)
Aber nein, die Züge sind gratis, die nehmen wir mit. Bevor wir fuhren bezahlten wir das Hotel aber noch. Oder wir wollten es probieren. Sollte es nicht klappen hätten wir so auch noch die Möglichkeit auf dem Weg zurück vom Fotografieren Bargeld zu besorgen um damit zu bezahlen, denn das Hotel akzeptiert entgegen allen Vermutungen kein Euro Geld.
Das Bezahlen klappte aber und in Windeseile waren wir um 370 Bosnische Mark ärmer, hatten 2 Nächte in der Suite und 2 (mega) Abendessen bezahlt, Preise alla Hotel Integra (für alle, die also auch da hin wollen ;)). Den Weg hinter den Bahnhof fanden wir souverän und beim Erreichen des Gleisfeldes waren auch die letzten Zweifel aus der Welt geschafft die befürchtet hatten, dass das Ganze noch im Bergschatten liegen könnte. War nix, war gut.
Im Bahnhof sichteten wir Dieselhobel mit Neulack ZRS Wagen und eine orange 441 mit DDR Kiste. Vom Banja Luka Regio war nichts zu sehen ... sollte das nichtverkehren der Züge etwa System haben, würde das Ausbleiben des Zuges gestern ein bisschen erklären.
Wir mussten noch gut 10min auf die erste Zugbewegung warten. Dabei wurden wir von den Bahnern des Baudienstes entdeckt und akribisch beobachtet. Das ging soweit, dass kurz vor dem zweiten Zug ein Auto vom BW her kam, anhielt, fragte ob wir „Railway Enthusiasts“ oder Terroristen seien (im Ernst) und dann nach einem freundlichen Geplauder wieder zurück zum BW fuhr.

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[maps.google.com]
Doboj am Morgen, der ZRS Regio verlässt den Bahnhof, sein Ziel ist Bosanski Samac an der Kroatischen Grenze.

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[maps.google.com]
Auch an diesem Morgen wieder ein Hobel als Triebwagenersatz, heute immerhin mit einem Neulackierten ZRS Wagen.

Als die beiden Züge raus waren war es definitiv, der Banja Luka Zug existierte einfach nicht, war nicht da, er versteckte sich nirgends nicht. Also doch ...
Zurück am Hotel hatten wir noch genügend Zeit um uns im Bad um die Pferde zu kümmern und alles zusammen zu räumen. Fürs Frühstück reichte die Zeit leider nicht mehr, ich wäre ja bereit gewesen, wie immer nach einer Stunde Aktivität. Die Frau an der Rezeption sagte es uns beim Gepäck raustragen sogar extra nochmal, „Frühstück im Restaurant“, leider mussten wir passen.
Es war ziemlich genau 8 Uhr als wir das Hotel und damit auch Doboj verliessen. Das Ziel für heute Abend war: Podgorica. Die Hauptstadt des kleinen Montenegros. Es dienst uns als Zwischenstopp um in den Kosovo zu kommen, aber nicht ohne auch in dem kleinsten der ex Jugoslawischen Ländern einen Tag Eisenbahn einzulegen.
Bevor wir da eintreffen lag aber ein Vormittag mit Fotos und ein Nachmittag mit einer tollen Fahrt durch die Berge vor uns.
Da unsere Fahrt nach Crna Gora über Sarajevo führt schusterten wir uns einen Plan zusammen welcher uns bis 14 Uhr ein bisschen Beschäftigung im Bosnatal bescherte. Da die Züge da so ewig lange unterwegs sind konnten wir sowohl den Budapester, den Belgrader wie auch den Zagreber Schnellzug erwischen (heieiei, eigentlich keine schlechten Ziele für die Züge, das klingt nach mehr als es ist). Dazu gibt es weiter Südlich hinter Zenica auch noch Regios nach Sarajevo (wir hatten ein Zugpaar auf dem Plan stehen) welche ich mit Triebwagen erhoffte und vermutete.
Der erste Zug war aber erstmal der Budapester. Um 10 Uhr in Doboj läuft er schon um 9 Uhr durch Maglaj. Kurz darauf verlässt ein Regio Maglaj nach Süden und an den wollten wir uns ran hängen. Das Ganze klingt schon wieder so komplex wie es ist und stellt eine Bedingung: Der Budapester darf nicht viel Verspätung haben, sonst muss etwas über die Klinge springen. Im Tal drin fanden wir gerade zu dem Zeitpunkt eine Stelle (wo Sonne und Hintergrund passt) als der Regio nach Maglaj vorbei fuhr, wir im Auto, Regio weg. Der war nicht im Plan, was man dann wohl als Nachlässigkeit taxieren darf (oder wir waren schneller an der Strecke als gestern Abend gedacht).
Die gefundene Stelle war was und wir stellten uns hin. Erst hinten dann vorne und am Schluss noch etwas weiter vorne in einem Abschnitt wo die beiden Streckengleise getrennt verlaufen. So standen wir an der "Einspurstrecke", was mir an sich noch gefiel. Die Planzeit rückte näher und verstrich, ohne Zug. Dafür mit viel Unsicherheit. Das Problem an der "Einspur" war, wenn der Zug auf dem falschen Gleis kommt wäre er unfotografierbar. Kommt er auf dem Falschen? Nein? Die Chancen waren gar nicht so klein, erstens waren weiter oben ein Bautrupp am Werkeln auf „unserem“ Streckengleis, dann fuhr ein Bauhobel auf dem falschen Gleis nach Norden und zum Schluss lief noch ein Streckenkontrolleur (in voller Uniform und mit Halbschuhen, wie praktisch) auf „unserem“ Streckengleis vorbei. Alles Gründe die auch für das Gegengleis sprechen können. Aber wenn wir wechseln, kommt er, klar.
Wir wechselten daher nicht und wurden nicht enttäuscht, Im Gegenteil, vor dem Ungaren Zug hing die blaugrün / grünblaue ZFBH Lok, und diesmal standen wir prima für die Kiste. Nicht das sie mir besonders gut gefällt, aber die Lackierung ist irgendwie lässig.

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[maps.google.com]
Im Bosnatal bei Tomici rollt 441 302 mit Altlack mit dem Budapester IC nach Norden. Die Strecke ist an dieser Stelle nicht einspurig, die beiden Gleise liegen einfach einige Meter auseinander.

Da der Ungare nicht pünktlich kam drückte der Regio nach Süden auch schon ein kleines bisschen, nicht arg, aber ein wenig. So fuhren wir ohne grosse Pause zurück in Richtung Maglaj an eine gesehene Stelle. Bevor wir da waren schauten wir unterwegs noch eine andere potentielle Stelle an und wurden dabei von einem Opa entdeckt, er war auf Konversation aus. Als er nach einigen Minuten einsah, dass wir ihn und er uns nicht versteht, lachten wir beide, gaben uns die Hände und so trennten sich unsere Wege wieder. Die angeschaute Stelle taugte übrigens nichts.
An der eigentlichen Stelle warteten wir, direkt bei einem Haltepunkt (und trotzdem lenkten wir die Aufmerksamkeit auf uns) auf den Regio, mit demselben verkeimten Wagen und der selben dreckigen Lok wie gestern.

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Der Regionalverkehr zwischen Maglaj und Zenica mit dem wunderschönen ZFBH Wagen neuster Bauart ;)

Diesen Zug sahen wir nicht zum letzten mal, tata .. auf in die Schlacht, verfolgt die stählerne Büchse und erlegt sie! Nun, wir machen das ganze etwas moderner als die Ritter damals, aber: Auch die Ritter hoch zu Ross hätten den Zug hinter Zepce wieder aufgeholt. Der war ja mal wieder so etwas von *gähn* langsam. Um zur, von der Hauptstrasse aus gesehenen Stelle, zu gelangen mussten wir aber erstmal wieder vorfahren, über eine Flussbrücke rumpeln und dann auf der anderen Flussseite zurück fahren. Und genau am Ende des asphaltierten Weges lag sie, die Stelle für den Zug. Wir hatten ihm fast 20min Zeit abgenommen die wir nun in der Sonne wieder absitzen durften. Dabei kamen wieder allerlei Bosnier vorbei, schwatzen wollte aber niemand (jetzt wo wir mal Zeit hätten ;)).
Der Zug kündigte sich an als ein mit Warnweste gekleideter Herr aus einem Wohnhaus zu den Gleisen bewegte und eine Fahne zückte. Praktisch, wenn das "Signal" gleich neben der Strecke wohnt. Nur warum es da steht ist nicht so klar, mir zumindest nicht.
Den Regio erwischten wir im folgernden Abschnitt bis Zenica fast ungewollt noch zwei weitere Male, beide Male von der Hauptstrasse aus über den Fluss auf der anderen Talseite. Und das obwohl ich sehr brav fuhr. Zum Glück, denn gerade als mir ein Typ1 ziemlich auf den Senkel ging fuhren wir über eine lange Gerade die übel nach Polizei roch. Und Tatsache, wir blieben zwar fast stehen und krochen, aber die Polizei stand ganz hinten mit ihrem Geschwindigkeitsmessgerät im 60er - gemein! Als die vorbei war, war Typ1 dann aber schnell im Rückspiegel verschwunden.

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Da der Zug in unsere Richtung fuhr folgten wir ihm bis nach Zenica, ein zweites Bild gab es bei Begov Han.

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Vor Zenica wechselt Bahn sowie Strasse die Flusseite und somit kommen am Vormittag solche Stellen ins Licht. Der Regio strebt Zenica entgegen.

Die Aktion mit dem Regio verlief ja schon mal nach Plan, was nun noch auf dem Plan stand klang ebenfalls verlockend. Südlich von Zenica galt es noch 4 Züge zu Fotografieren. Drei nach Norden, einer nach Süden. Nordfahrer waren etwas ein Problem zur Mittagszeit, aber da geht schon etwas, die Strecke windet sich ein bisschen und sollte Ausblicke mit mindestens sehr viel Seitenlicht ermöglichen.
Es begann auch ziemlich gut, wir fanden die passende Abfahrt von der zur Schnellstrassen mutierten Ruta 5 ohne weiteres und folgten der Bahn ins Tal hinein. Das Tal in diesem Abschnitt ist deutlich enger und unbewohnter als die Abschnitte weiter nördlich, deshalb verläuft auch nicht permanent eine Strasse bei der Bahn, aber das wird schon irgendwie gehen, Brücken gibt es mindestens drei auf ca. 10km Strecke.
Wir erreichten da im Tal drin den Bahnhof von Lasava und sahen gleich mal einen Güterzug abgestellt, Lok nach Süden, auf dem äussersten Bahnhofsgleis ganz an der Felswand dran. Da die Sonne so schön passte nahmen wir den Zug gleich mal mit, sehr zum Vergnügen des anwesenden Lokpersonals. Was der Zug da genau machte fanden wir aber nicht heraus, wartet er auf eine Kreuzung? Mit was? Der erste Nordfahrer war noch über 30min entfernt (Planzeit, also in Echt sicher noch 60min) - und Überholung dürfte keine stattfinden, ausser von einem Güterzug (was kein Sinn macht).

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[maps.google.com]
Im Bahnhof von Lasava, bereits südlich von Zenica, stand dieser mit 441 121 (im ganz alten ZFBH Lack) bespannte Güterzug und wartete ... auf, die Abfahrt ;).

Aber Wurscht, wir verdampften wieder. Und ab da begann das Unheil seinen Lauf zu nehmen und Bosnien machte uns zum ersten Mal das Leben wirklich schwer. Auf unserer Karte war das Strässchen auf welchem wir zum Bahnhof kamen durchgehend bis zum nächsten Ort eingezeichnet. Zwar hinten über die Berge, aber schlussendlich ist alles schneller als zurück und wieder vor zu fahren damit man dann wieder zurück fahren kann. Es begann auch toll, endete aber an einer engen Hauszufahrt irgendwo in den Bergen - Sackgasse, wenn weiter dann nur zu Fuss, und am besten noch mit Minenheulgerät vorne dran montiert.
Wir probierten einen zweiten Weg über eine auf unserer Karte nicht vorhandenen Brücke und kamen immerhin bis an die Böschung der Schnellstrasse, aber nicht rauf. Was war das denn? Die Leute haben zwar den Lärm der Schnellstrasse direkt vor der Haustüre, kommen aber nur mit einem 10min Umweg drauf? Ich hätte mich beschwert ;). Also doch zurück zum Taleingang auf die Schnellstrasse. Wir hatten eigentlich mal gaaanz viel Zeit, die war nun aber aufgebraucht und wir sollten sogar ein bisschen eilen für den Ploce Zug. Das einzige was mich beruhigte war die Gewissheit, dass er eh nicht planmässig fährt.
Auf der Karte war der nächste Bahnhof Modrinje eingezeichnet und da sollte das Licht in etwa passen für Nordfahrer. Wir entschlossen einfach mal da hin zu fahren und dann da auf den Zug zu warten, die Stelle muss einfach gehen - und Bosnische Bahnhöfe an sich sind ja meist sogar noch etwas fotogen. Nur, wie kommt man da hin? Denn die Bosnier sind gerade dabei eine 4-spurige Autobahn durch das Tal zu pflastern, mit allen Einschränkungen für die normalen Verkehr die man sich vorstellen kann. Staubige Schotterpisten, Seitenwechsel über Böschungen, garniert mit Baustellenverkehr, kurzum - Chaotisch! Vom Vordermann völlig eingestaubt erreichten wir nach 10min Stop-and-Go in der Baustelle endlich den ersehnten Ort, doch die Zufahrt zur Brücke war blockiert, durch eine 10m hohe Böschung ... und wie kommt man da rüber? Klar, vorfahren und dann zurück, über eine staubige dreckige Schlaglochpiste. Und was war drüben? Keine Stelle, kein gar nichts, nur ein Bahnübergang an dem man wirklich unmöglich etwas machen konnte.
Ich habe noch vor dem Urlaub zu Jordi gesagt, dass ich mehr nach dem Grundsatz "nicht an den eigenen Ansprüchen scheitern, den am Schluss ist man unzufriedener wenn man gar kein Bild von einem Zug hat als ein mieses" halten will (der Grundsatz ist nämlich so wahr wie die hiesigen Politiker ehrlich). Doch da ging es einfach nicht, nicht mal mit bestem Willen.
Also Kommando zurück. Ich sah vor meinem geistigen Auge schon den Ploce Zug durch fahren und gleich danach den Regio Südfahrer nach Sarajevo, welcher kurz danach kommen sollte. Also weiter, zurück zur Baustelle und ewig weiter bis zum nächsten Ort. Unterwegs sahen wir auch den Bahnhof auf der anderen Flussseite, aber wie kommt man da hin? Wohl nicht etwa über den Weg der hinter dem BÜ links ist? Der sah unvorstellbar schlecht aus, aber hätten wir es mal besser probiert. Naja, auf noch mal die Baustelle hatte ich gerade keine Lust.
In Kakanj dann wieder dasselbe, wir sahen eine Stelle, kamen aber wegen der Baustelle nicht hin. Also vor durch den Ort, zurück und dann über eine Zufahrt zu ein paar Häusern die mehr aus Löchern als aus Strasse bestand hinter fahren. Oa, wie können die Leute die da leben tagtäglich über eine so miese Strasse fahren (Autos haben die, vor jedem Haus stand eins)? Da hat doch jeder seine Stossdämpfer innerhalb von 2 Monaten gekillt. Wenn ich da wohnen würde, würde ich noch eigenhändig mit einem Sack Kies diese blöden Löcher stopfen. Es kam also so, dass wir nach der Planzeit vom Schnellzug und vom Regio an einer "Stelle" eintrafen. Gesehen hatten wir aber weder noch und so hoffte ich mindestens noch auf den Schnellzug. Das blöde an der Stelle, wir waren 30min zuvor nur etwa 100m davon entfernt durch die Baustelle geschaukelt - hatten aber etwa 10km Weg durch die Baustelle und über die Schlaglochpiste hinter uns gebracht um da hin zu kommen. Die Stimmung war gerade … nicht so toll. Dazu beigetragen hat auch der Güterzug der vor unseren Augen nach Süden fuhr, unfotografierbar. Es war der Zug der im Bahnhof stand, was gewisse Schlussfolgerungen aufkommen liess ... Ploce Zug war heute Pünktlich?
Wir warteten und NEIN, er war nicht pünktlich. Denn er kam noch, extra für uns. Und die Stelle war sogar ganz passabel. Die Stimmung stieg (ganz ohne Alkohol oder Mickie Krause). Was nun noch fehlte war der Belgrader Brzi und der Regio nach Norden.

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Der Schnellzug nach Zagreb in Kakanj. Das Tal im Abschnit zwischen Kakanj und Zenica eignet sich Lichttechnisch perfekt für Züge nach Norden um die Mittagszeit, die Landschaft weniger.

Wir fassten uns ein Herz und beschlossen den ersten Bahnhof, da wo der Güterzug drin stand, wieder aufzusuchen. Denn ohne den Güterzug im Bild gibt der Bahnhof einen ganz nettes Motiv ab - gammlige Bosnische Infrastruktur. Wäre der Schnellzug nach Plan gefahren hätte es zwar nie mehr gereicht, aber ich pfiff auf die blöden Planzeiten genau so wie die Eisenbahner, was sind schon Planzeiten wenn man selber Fahrpläne machen kann ;).
Unglaubliche 35min brauchten wir für die 20km zurück zur Stelle, und das obwohl es gefühlt auf der Baustelle diesmal sogar etwas flüssiger lief als wie letztes Mal (warum müssen die Bosnier auch auf 15km gleichzeitig bauen anstatt einfach an einem Ort etwas vernünftig zu beenden. Auf dem Weg zum Bahnhof sahen wir zu unserem grossen Erstaunen einen S-Bahn Triebwagen gen Sarajevo fahren. War das der Regio nach Süden? Mit einer Stunde Verspätung? Wohl, aber warum muss man so etwas immer sehen? Können die sich nicht unbemerkt vorbei schleichen? ;)
Kaum im Bahnhof kam zu allem Überfluss (Baustelle, keine zugänglichen Stellen, verpasste Züge) auch noch der letzte störende Faktor dazu welcher uns bisher schön in Ruhe gelassen hat. Die Sonne verschwand hinter einer Schleierschicht. Das war nun etwa so nötig und nützlich wie die Beulenpest ... unmöglich! Wenn es nicht will, dann will es gleich ganz und gar nicht.
Wir warteten trotzdem, da wir eh nichts mehr vor hatten "ausser" nach Podgorica zu kommen. Die Stunde die wir am Schluss auf Belgrader Schnellzug und Regio (juhu, es war ein S-Bahn Triebwagen) warteten waren aber ganz angenehm. Wir erholten uns prächtig von dem Stress der letzten zwei Stunden und die Fotos sind durchaus herzeigbar geworden. Doch nur alles halb so Schlimm. Und der Schleier war auch gar nicht sooo übel, so konnte man wenigstens guten Gewissens den Nachmittag transferierend im Auto verbringen und der Güterzug, welcher kurz nach unserem verschwinden an der Stelle noch kam war auch egal - Montenegro, wir kommen!

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So landeten wir wieder im Bahnhof von Lasava um die Durchfahrt des Belgrader Schnellzuges abzupassen.

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[maps.google.com]

Und da kriege ich ihn doch noch! Einen Olympiatriebwagen, im Regiodienst zwischen Sarajevo und Zenica. Das Licht hat leider nachgelassen, was den Zug aber nicht hässlicher macht ... ein Belegsbild! Diese rein Erstklassigen Züge wurden von der damaligen Staatsbahn zur Olympiade in Sarajevo beschafft. Sie verbanden als hochwertige Fernverkehrszüge unter anderem Sarajevo mit Belgrad.

Die Baustellendurchfahrt lief erstaunlich gut bis fast zum Schluss und dann kam eh die Autobahn. Ach was war das ein einfaches Vorwärtskommen. Bis kurz vor Sarajevo führt die Autobahn und sie endet dann auf eine Strasse die etwas verstopft war. Vorsorglich tankten wir unser Auto und unsere Vorräte in einem Vorort von Sarajevo bei OMV nochmals auf und ich schmiss zur Verhinderung von sich anbahnenden Kopfschmerzen eine von meinen in den USA fast gratis erworbenen Kopfschmerztabletten ein.
Sarajevo ging viel einfacher als befürchtet, und ich hatte mich doch innerlich schon auf eine Stadtdurchquerung gefreut (wie in Tirana damals ... uiui ;)). Als wir draussen waren, der Verkehr wurde weniger, mampfte ich mein Sandwich und wir fuhren in die Berge hinauf. Je höher wir kamen desto mehr liessen die Schneehaufen auf den Seiten vermuten wie streng der Winter in diesem Jahr gewesen sein muss - wir alle haben sicherlich die Bilder aus Sarajevo noch im Kopf. Die Schneemaden türmten sich noch jetzt gegen Ende März meterhoch in den Dörfern, und das obwohl auch Bosnien schon seit mehreren Wochen schönes und warmes Wetter hinter sich hat.
Die Fahrt nach Montenegro und langsame Fahrt durch ein einsames Tal (ausser den River Rafting Firmen hat das wohl noch niemand entdeckt) auf einer Strasse auf der ich nicht scharf darauf bin, einem Bus zu begegnen.

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Blick in ein Tal, der Winter war auch Mitte März noch präsent

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Jan hat über diese Art Auto noch böse Worte verloren, kann ich nicht nachvollziehen, mit den Matiz / Spark Büchsen kommt man überall hin ;)

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Strasse an die Bosnisch / Montenegrinische Grenze

Dann, der Zoll. Auf der ganzen Fahrt hatten wir nur ein Auto gekreuzt und mal einen Montenegriner aufgeholt. Aber am Zoll standen gut Fahrzeuge rum. Was auf eine penible Arbeitsweise des Personals schliessen lässt. Und wo war das Problem? Vorne in der Reihe stand ein Bus ... soviel mir ist fährt da etwa zwei Mal am Tag ein Bus drüber, und genau dann wenn wir die Grenze passieren wollen steht der da und blockiert mit seinem Passagieren die Zollabfertigung. Aber nicht eilen, wir haben Zeit.
Wir kamen nach vielleicht 15min auch mal dran (ging ganz schnell) und fuhren weiter zur Crna Gora Einreise. Der Bus war natürlich noch immer vor uns ... und nach weiteren 20min waren wir weg. Selbst unsere Pässe wurden über etwa 5min in einem Haus angeschaut (oder sie haben Fern geschaut, das wissen wir nicht weil die Pässe irgendwann mit Stempel drin wieder zurück kamen).

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Die Fahrt nach Montenegro erfolgt dann mehrheitlich unter Wolken. Die kleine Strasse durch das Dinarische Gebirge war aber trotzdem in Highlight und sei jedem Balkanreisenden wärmstes empfohlen. Ist auch die schnellste Verbindung zwischen Sarajevo und Podgorica (deshalb gibt es auch Busverbindungen).

Die Fahrt in Montenegro ist noch besser als die in Bosnien. Über lange Strecke geht es durch das Tal des Stausees „Pivsko Jezero“ und sogar über dessen 220m hohe Staumauer. Die Strasse wurde richtiggehend in den Fels geschlagen und lange und kurze unbeleuchtete Tunnel die einfach Löcher im Stein sind wechseln sich ab. Der längste war ca. 1.5km lang ... Stockdunkel. Die Schneeschmelze zauberte immer wieder Steine und Felsbrocken auf die Strasse, was etwas Konzentration erforderte ... jeder Schweizer Kantonsgeologe würde die Strasse wohl wegen Felssturzgefahr sofort schliessen!
Das Highlight war die Überquerung des Stausees nahe Pluzine. Die Brücke war voll mit Angeln und einigen wenigen Anglern. Der Wasserspiegel war aber sicher 50m wenn nicht 100m unter der Brücke. Wir fragte nur beim vorbei schleichen ob man da überhaupt etwas fängt und in diesem Moment fliegt ein Fisch vor dem Auto durch an einer Angel - ja, man fängt etwas.

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Fischen im Stausee, von der Brücke runter bis ans Wasser waren es sicher 50m ... aber man hat etwas gefangen.

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[maps.google.com]
Dieser Stausee heisst Pivsko Jerzo und wurde noch unter Titos Regie errichtet. Im Fürhjahr war er erschreckend leer, was wohl der im Hochgebirge noch nicht eingesetzten Schneeschmelze geschuldet ist.

Es dämmerte langsam als wir die ersten bewohnten Gegenden erreichten, die Strasse wurde entsprechend besser und erlaubte eine höhere Geschwindigkeit. Die Landschaft in der Dämmerung könnte mal wieder in Norwegen sein. Es lag noch viel Schnee in der Landschaft, die von sanften Hügel und Unmengen an Birken gesäumt war. Dazu das Licht ... herrlich! Tiere gab es auch zu sehen, aber keine Elche oder Rentiere, sondern nur einen Fuchs.
Podgorica erreichten wir gegen 20 Uhr und wir mussten nur noch zum reservierten Hotel finden. Ganz einfach, wir hatten einen Stadtplan (von 2009), clever, nicht? ;) Klappte auch alles ganz gut bis die Strasse an deren Ende wir rechts wollten einfach weiter ging, und wir zu Zweifeln begannen. Ich bog einfach eins weiter hinten mal rechts rein und dann wieder rechts, mal links, mal rechts (Jordi fasste sich schon an den Kopf und wiederholte, dass er trotz Karte nicht wisse wo wir sind und keine Orientierung mehr hat). Keine Sorge, alles unter Kontrolle ;) Nochmal rechts, nochmal links und voilà, da war auch schon das Hotel. Ohne Witz, erster Probeschuss, Volltreffer. OK, ich muss zugeben, mich hat eher Kommissar Zufall durch die Strassen gelenkt als mein (selbstverständlich) scharfer Orientierungssinn, aber Jordi war schwer beeindruck von meinen Navigationskünsten - und egal was er behauptet, glaubt ihm nicht ;).
Im Hotel war jemand und wir wurden auf unser Zimmer gebeten. Nettes Hotel, günstige Preise, nur eine etwas üble Gegend. Parkplatz = grosser Platz vor dem Hotel. „Parkt bitte das Auto so, dass wir es von der Rezeption aus sehen“ - war die Anweisung die wir erhielten. Aber bitte, an uns soll’s nicht scheitern ;).
Geschafft, ich sehnte mich nach einer warmen Dusche um den Baustellenstaub und den Baustellen-Schweiss weg zu bekommen. Ich stand bereit vor der Dusche und warte auf das warme Wasser. Ja, wir sind ganz oben, Hotel scheint ziemlich leer ... kann schon dauern, nicht. Nein, immer noch nicht, noch nicht jetzt. Mein Blick schweifte durch das Bad auf einen Wasserboiler. Hmm, also wenn der da hängt dürfte das warme Wasser nicht soooo lange brauchen. Läuft der überhaupt? Nöööö. Also angemacht, ohne dass die rote Lampe leuchte. Wie? Ach, der Schalter. Ok .. und heute Abend gab es nur eine Katzenwäsche und die Dusche wurde auf morgen früh verschoben.
Jordis Magen wollte dann nichts Grosses mehr annehmen und so blieben wir im Hotel heute Abend, sozusagen ohne Znacht ins Bett. Aber wir haben auf der ganzen Fahrt Kleinzeug gefuttert, so war mein Hunger auch nur beschränkt, ich konnte mit der Entscheidung leben.
Und morgen? Montenegro! Auch wenn Meteoblue für Podgorica gar keine Sonne mehr ansagt, der Miesepter!




Samstag 24. März 2012, Podgorica - Podgorica

Irgendwie hatte ich ja nach dem gestrigen Wetterbericht fest damit gerechnet, dass von der Sonne heute nicht viel zu sehen sein wird. Die Farbe des Himmels beim Aufwachen um 7 Uhr sprach aber definitiv eine andere Sprache. Blauer Himmel kann nicht viel anderes als Sonnenschein bedeuten. Und Meteoblue hat doch gelogen!
Das Aufstehen fiel so natürlich leichter als erwartet und um 8 Uhr waren wir fix fertig bereit zur Abfahrt. Viel dabei hatten wir nicht, Karte, Kamera, Fahrpläne, alles was man braucht. Frühstück wäre im Hotel wohl auch dabei, wir verzichteten aber mal wieder (auch aus Zeitgründen ;)). Unser Auto war noch da wo wir es gestern Abend geparkt hatte, der Aufpasser hat also fein aufgepasst auf unsere auffällige Karosse und die üble Gegend ist gar nicht so übel.
Blauer Himmel überall, aber auch hier in diesem Montenegro war der Himmel nicht frei von Dunst, worunter vor allem die Fernsicht litt - was dumm ist, denn die Stellen in der Ecke sind alle etwas davon abhängig. Wird schon ...
Den Weg weg vom Hotel fanden wir viel einfacher als den Weg hin, und er war auch ein bizeli direkter ;). Den Weg aus der Stadt raus kannte ich bereits und so hatte Jordi an diesem Samstag morgen nicht viel zu tun, ausser raus zu gucken und den Schleierstand durchzugeben. Den so ganz frei von Schmodder war der Himmel dann doch nicht - wobei es in unserer Richtung besser aussah als hinter uns in den Bergen.
Vranja war unser Ziel und 8:40 Uhr die Zeitvorgabe. War nix Problem, trotz Typ 0.5 Schleicher der recht lange nicht zu überholen war. Das kleine Fischerdorf am Skadar-See hat mir schon vor zwei Jahren eines der besten Bilder meiner noch jungen Jahre beschert, und dieses Bild wollte ich heute so wiederholen. Einfach ganz faul, ohne nachzudenken. Dafür war der Zug aber heute besser als damals. Nicht so ein popeliger Regio, neinnein, der IC von Bar nach Belgrad stand auf dem Plan. Bevor der kam, kam aber noch der Regio als Triebwagen von hinten. Er war aber eingeschmiert bis unters Dach und auch der Verkehr auf der Strasse vor dem Damm wollte nicht ... böhm, egal.
Auf der Treppe vor dem Friedhof, dem wohl höchsten Platz den mal "legal" erreicht im Ort warteten wir weiter. Den Weg da hinauf fand ich noch aus dem Kopf heraus, auch wenn die kleinen Gassen irgendwie überall gleich aussehen (ja, mein Navigationssinn, ich musste unweigerlich an gestern Abend denken). Das Warten war mal so was von angenehm - kühler Wind strich uns um die Nase und es war noch nicht viel Verkehr unterwegs. Der IC kam dann sogar noch 10min vor meiner vermuteten Planzeit. Es war einfach schön. Die Sonne war voll da, der ganze Zug frei von Sauereien, etwas bunt (Serben und Montenegriner Wagen), und am besten: Eine Neulack 461er der Eisenbahn vorne dran, glänzend im Lack, und kein störender Verkehr auf der Strasse. So macht Fotografieren Spass.

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[maps.google.com]
Vranja in Montenegro, die Stelle ist alt bekannt, aber derart schön das wir nochmal hin mussten. Der Regio war auch nur zum eingewöhnen.

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[maps.google.com]
Hauptsächlich sind wir wegen dem IC nach Belgrad an die Stelle. 2009 als wir das erste mal da waren fuhr er für die Stelle zu spät, im aktuellen Fahrplan aber perfekt. Perfekt war auch die Garnitur, die Lok und die leere Strasse!

Wir hüpften die Treppen zum Strassenniveau wieder herunter und bestiegen das Auto. Fahrplan sagt: 2h Pause. Schööön! Wir schauten am (geschlossenen) Besucherzentrum des Nationalparks und am grossen Damm vorbei und überlegten dann, was wir mit der Zeit anstellen wollen. Beim Herumtrödeln kam dann eine Lok von MonteCargo über den Damm gerollt, dummerweise mit einem Auto parallel, aber ein Lokportrait gab es immerhin.

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[maps.google.com]
Eine leere Lok von Monte Cargo, da hätte auch ein Zug dran sein dürfen. Mit den Autos klappte es auch nicht gerade gut.

Wir entschieden uns mal die Strecke bis zum Tunnelportal im Westen (die Bahn geht da durch einen langen Basistunnel direkt unter dem Gebirge hindurch bis zur Küste) anzuschauen so gut es geht, kleine Wege waren (laut Karte) vorhanden. Das Ganze beschäftigte uns, zusammen mit dem Einkaufen eines Mittagessens, fast eine Stunde. Nebst dem Essen besassen wir nach dem Besuch in Virpazar auch noch den Flyer eines Hotels mit Restaurant in eben diesem Ort. Eine Frau hat ihn uns in die Hand gedrückt, und sie schwärmte vom Restaurant und wir sollen unbedingt kommen bald ... und ob wir Bootfahren wollen? Freundliche Leute.

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In den Bergen liegt noch Schnee und unten im Tal blühen bereits die Bäume!

Wir fuhren zurück zum langen Damm und kletterten da auf den Felsen hinauf. Vor 2 Jahren ging das nicht, der Wanderweg welcher da hinauf führt war unter Wasser. Heuer ging das besser, auch wenn der Wanderweg mehr eine Aneinanderreihung von markierten Felsbrocken ist als ein Weg [und meist gab es einen einfacheren Weg als zur nächsten Markierung…], aber wir Schweizer sind ja von Geburt aus ein bisschen berggängig, so ein popeliger Felsen stoppt uns also nicht.
Nach 15min Kletterei und der Erkenntnis, dass schon mehr Tiere am Leben sind als man glaubt, erreichten wir die Felsnase mit Blick auf den Damm. Da wir um die Mittagszeit gleich zwei Regios, die in unserer Nähe kreuzen, erwarten konnte liefen wir als wir die erste Stelle für toll befanden noch etwas weiter um eine veränderte Position für den zweiten Zug zu finden. War natürlich kein Problem, ist ja alles offen da oben. Und da begingen wir einen Fehler über den ich mich noch jetzt ärgere: Mir gefiel eigentlich der erste Blick besser, trotzdem blieb ich am zweiten für den ersten Zug, den Regio von vorne. Der kam dann auch zur Planzeit. Der Damm wäre fast autofrei gewesen, nur ein einziger Lieferwagen schlich immer genau parallel mit der Zugspitze über den Damm, so ein Mist. [Anscheinend gilt für die Bahn wie auch auf der Strasse Vmax = 60km/h.]

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[maps.google.com]
Regio auf dem Damm über den Skutarisee. Was vorhin beim IC alles perfekt war, war bei diesem Bild schlecht. Schmiererein, Autos ... und die Sonne machte sich auch rar.

Nun zum Fehler: Wir liefen zurück zur ersten Stelle und warteten auf den Zug. Er kam, und war Lok bespannt, mit 3 Wagen. AAACH, das hätte ich wissen können bzw. eigentlich wusste ich es. Der Zug kam aus den Bergen und die sind doch immer aus Lok mit Klassen gebildet. Letztes Mal (jetzt kommt meine Ausrede) war de Zug aus den Bergen aber ein Triebwagen, die Leute mussten wohl umsteigen, heute war es aber KEIN Triebwagen. Und wir sassen auf unserem Affenfelsen wie die Geschmierten. Situation: KEIN Bild von meinem favorisierten Blick, und lokbespannter Regio verdaddelt. Diese beiden Umstände ärgerten mich etwas, weil man es hätte vermeiden müssen, nicht können.
Aber keine Sorge, der Regio kommt ja wieder zurück, blöderweise zu einer Zeit in der die Sonne für Nordfahrer alles andere als optimal ist. Aber trauert nicht den verpatzten Möglichkeiten hinterher, nützt eh nix.
Wir stiegen von unserem Felsen wieder ab (brauchten dafür wieder 15min) und begegneten dabei zwei Mal den langen kleinen schleichenden Freunden. Die Schlangensaison hat also schon begonnen, Vorsicht wo man hintrampelt. [Zur Beruhigung für nächstes Mal: Gemäss Internet-Recherchen gibt es im Land keine besonders gefährlichen Schlangenarten. Die zwei giftigen Arten, die in Montenegro vorkommen, sind relativ harmlos und deren Bisse können innert 30h in jedem Spital durch Abgabe eines Serums behandelt werden. Trotzdem stampft man natürlich lieber etwas lauter und gibt den Schlangen die Chance, sich zu verziehen bevor man auf sie draufsteht…]
Unser gekauftes Mittagessen wartete im Auto brav darauf verdrückt zu werden. Dazu fuhren wir nach Vranja an eine Stelle wo wir einen Zug, so er den kommen würde, Fotografieren könnten und assen da im ausgerichteten Auto unser Brot mit den Beilagen.
Eigentlich wollten wir den nächsten Regio, wieder einer nach Bar, irgendwie in Vranja in die Gegenrichtung Fotografieren, aber wir sahen keine Möglichkeit auf dieser Seite des Ortes irgendwie in die Berge hoch zu kommen, ein zweiter Friedhof war leider (?) nicht auszumachen. Erst standen wir 5min am Wasser unten und konnten uns mit dem Foto anfreunden, je länger wir uns die Stelle anschauten desto weniger gefiel sie uns. Das Wasser in der Bucht war nicht wirklich schön, der Damm auch nicht und wenn auch nur ein Auto auf dem Damm ist, wird es schwierig. Also, neeee.

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In der Bucht von Vranja sieht man wohl mehr als man sehen soll ... bevor die Touristensaison los geht wird wohl noch ein bisschen aufgeräumt.

In Virpazar hatten wir noch etwas offen und entschieden uns dann dafür. Kaum da, wir stellten unser Auto wieder vor den Krämerladen, kam ein älterer Mann zu uns und drückte mir ein Prospekt von einem Hotel und Restaurant in die Finger. Genau vom selben wie Jordi schon ..., auch er wollte uns eine Bootsfahrt anpreisen und ich nahm den Flyer gerne entgegen - jetzt hab ich auch einen ;). Nette Leute.
An der Stelle, vielleicht 200m ausserhalb des Ortes direkt am Schilfwald, warteten wir in der Halbsonne auf den Regio und ich las in meinem Buch. Da schlenderte ein junger Mann auf uns zu und warum? Um uns ein Hotel und ein Restaurant sowie eine Bootsfahrt zu empfehlen natürlich, und was wollte er uns geben? Natürlich einen Flyer von wieder eben diesem Hotel. Sehr geschäftstüchtig die Leute, aber immer freundlich und aufmerksam. Ich bereue es ja schon dass wir nicht in diesem Hotel übernachten können sondern wieder nach Podgorica "müssen", wenn das Hotel auch nur annähernd so gut ist wie die Werbetrommel *grins* ;).
Halbsonne, ein Thema welches uns beschäftigte. Wie angekündigt (und vermutet) zog es nun zu. Ich wollte aber einfach mal bis um 15 Uhr, bis zum lokbespannten Regio, warten mit Programmwechsel .. dann schauen wir mal.
Der Regio am Ort kam noch mit ein bisschen Sonne, leider war er aber übel zugeschmiert, grässlich

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[maps.google.com]
In Virpazar wieder mit der selben eingesauten Garnitur.

Dann wechselten wir in den Wald zum Haltepunkt Crmnica [Ja nicht zuviele Vokale! Da gefällt mir das Finnisch irgendwie besser ;-) Jäätelöä!] den wir heute früh gefunden haben. Das war die Stelle wo die Sonne am ehesten noch passte für den bergfahrenden Regio. Zwei Züge standen überhaupt noch an, ein Regio nach Podgorica und eben der in die Berge fahrende, beide innerhalb von 45min, kein schlechter Takt, hä.
Am Haltepunkt stand ein verlassenes Auto ohne Nummer, mit einer Schweizer Autobahnvignette von 2008, es sah so aus als ob es schon länger da steht und ich baute es im Kopf schon mal mit ins Bild ein mit dem Triebwagen den man ja nachschiessen kann. Das Warten am Haltepunkt war herzallerliebst. Wir sassen auf einer Bank, ich las in meinem Buch und wir liessen die Seelen baumeln. Und wir beobachteten wie am Himmel die Schleicherschicht so dicht wurde, dass an Sonne gar nicht mehr zu denken war. So gingen beide Regios bei totaler Dunkelheit ab. Und als wir nach dem zweiten Regio zum Auto welches hinter dem Gebäude geparkt war zurückliefen war das Autowrack weg .. lol. Da nutzt jemand diese Schüssel um vom Haltepunkt nach Hause zu kommen, warum braucht man deswegen auch ein Kennzeichen? ;) Aber immerhin, der Haltepunkt wird, obwohl mitten im Nichts gelegen, noch genutzt, dass ist ja das wirklich Erstaunliche an der ganzen Geschichte.

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Der Haltepunkt Crmnica liegt auf unserer Höhe und der Regio von Bar nach Podgorica fährt gerade ein. Aus dieser Perspektive sieht man sogar fast keine Schmierereien.

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Aus diesel Perspektive ist er nicht mehr … so schön

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[maps.google.com]
Wir wussten wann es Zeit ist aufzuhören, nämlich nach dem Lokbespannten Regio in die Berge.

Licht war aus und wir nutzten den freien Nachmittag um die Gegend etwas zu erkunden. Wir fuhren einfach mal aufs blaue hinaus in die Berge hinein und windeten uns auf kleinsten Strässchen durch die grandiose Landschaft des Montenegrinischen Hinterlandes, immer von Ort zu Ort und mit der Hoffnung irgendwo wieder raus zu kommen. Das kamen wir, wenn auch nicht da wo wir es eigentlich gedacht haben, aber Wurscht, alle Wege in Montenegro führen nach Podgorica - und wir wussten sogar wo wir in die Stadt rein kommen.

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Auch an der Küste hing der extrem dichte Schlunz .. man kann es nur erahnen. Zeit für eine kleine Runde mit dem Auto

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Mit dem Auto in die Berge ;)

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Montenegro ist eine Perle, Landschaftlich von der Küste bis in die Berge einfach nur schön!

Das Hotel fanden wir diesmal auf Anhieb und wieder verwirrte mich der Kreisverkehr im Quartier, den man auf beide Seiten befahren darf, dass ist mal kompliziert und bedarf einiger Denkarbeit beim Abbiegen ;). Im Hotel machten wir uns frisch und liefen dann ohne grosse Verzögerung in der Dämmerung wieder raus. Wir wollten in der Stadt etwas Futtern und noch am Bahnhof vorbei schauen.
Die Station war leer, bis auf eine abgeschaltete GM stand auch nix Spannendes da, kein Triebwagen, kein gar nichts. Trotzdem warteten Leute im Wartesaal, und davon nicht zu wenige, ob die auf den Nachtzug nach Belgrad warten welcher in etwa 2h fahren müsste?
In der Innenstadt assen wir eine Kleinigkeit und mit einem Eis in den Flossen ging es dann über den Bahnhof zurück ins Hotel - es war schon 21 Uhr. Am Bahnhof hatten wir gerade noch das Vergnügen dem Belgrader Nachtzug zuzuschauen, der trotz Nebensaison eine beachtliche Länge erreicht. Auf die Lok folgte ein Montenegrinischer Liegewagen auf einen Schlafwagen, dann kam jeweils dasselbe von der Serbischen Staatsbahn, dann drei mal ein Sitzwagen der JZ und am Schluss noch ein Bistrowagen mit Sitzecke. Den Güterwagen ganz am Zugschluss identifizierten wir als Autotransportwagen ... wie wär’s wenn es so etwas mal nach Mitteleuropa gibt? Feldkirch - Bar, ICH würde da verladen, versprochen!
Im Hotel bringen wir die Zeit nun mit Internet und Bericht schreiben rum ... und in der kommenden Nacht ist noch Zeitverschiebung, da sollten wir also eine Stunde früher ins Bett als normal damit der Verlust nicht zu schwer auf unseren Schultern lastet.




Was folgt im nächsten Teil: Wir transferieren uns in den Kosovo, was fast einen ganzen Tag beansprucht und erleben dann einen weiteren Tag zwischen Pristina, Peja und Hani i Elezit!
Von Montenegro kommt dann auch noch mehr, da haben wir bei der Reise nach Norden noch mal einen kleinen Zwischenhalt eingelegt.

En Gruess


Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...

Danke!

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 09.09.12 14:02

Hallo Nil,

wiedermal sehr schön. Hvala! :-)

Bei [bahnpics.com] kam mir die einstige Schmalspurbahn Bar - Virpazar in den Sinn, aber da überreagiere ich wohl. Auf [download.maps.vlasenko.net] scheint die alte Streckenführung drauf zu sein. Hast Du da eventuell den Aufnahmeort, dann könnte man das rausbekommen?

Viele Grüße, Sören





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:09:09:14:11:37.
Hallo Nil,

danke für den spannenden Bericht aus einer Ecke, wo man wahrscheinlich eher nicht hinkommt, aber mal hinkommen müsste...

MfG Rheinlandsachse

RoyZieroldPhotography

Sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 09.09.12 19:17

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Blauer Himmel überall, aber auch hier in diesem Montenegro war der Himmel nicht frei von Dunst, worunter vor allem die Fernsicht litt - was dumm ist, denn die Stellen in der Ecke sind alle etwas davon abhängig. Wird schon ...

Hoa hoa, wart' mal ab, bis unsere Bilder kommen. Dagegen war's bei Euch vollkommen klar!

Und wisst Ihr überhaupt, was Ihr für ein Schwein mit Graffiti gehabt habt? Allein eine Olympia-S-Bahn in Bosnien ohne Geschmier zu erwischen, ist schon frech. Und der B430/431 in Montenegro ohne Graffiti ist für uns ein vollkommen ungewohnter Anblick!

Ach ja, und so sieht der Skutarisee also mit Wasser drin aus...

Viele Grüße,
Jan

Re: Danke!

geschrieben von: Nil

Datum: 09.09.12 23:33

Hoi,

nein, das war keine Eisenbahn, leider. Dieser kleine Tunnel ist auf der Karte gar nicht mehr drauf, er ist irgendwo hier:
[maps.google.ch]

Grüsse nach Norden,

Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...

Re:

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 10.09.12 09:56

Danke Nil,

Überreaktion, ganz klar. Ich hoffe, Du kamst mit der verlinkten Karte klar. Kyrillisch ist ja nicht jedermanns Sache.

Viele Grüße, Sören

Klasse Bericht!!! (o.w.T)

geschrieben von: Dr. NE

Datum: 11.09.12 11:04

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
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Re: Klasse Bericht!!!

geschrieben von: Theijs

Datum: 11.09.12 13:03

Sehr schoenes Bericht Nil, Danke!
Ich wundere mich welche Autotrassen du gefahren hattest. Ich moechte die wonderschoene Tour im sommer machen :)
Theijs