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 08/01 - Auslandsforum 

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Hallo,

eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, jemals den armenischen Grenzbahnhof Akhurian an der seit dem Juli 1993 von der Türkei gesperrten Strecke Kars - Akyaka - Dogukapi - Ahurjan (Akhuryan) - Gjumri zu besuchen, sodass es jetzt nach zwei Jahren einen vierten Teil geben wird. Die bisherigen Berichte aus dem Jahr 2010 findet ihr hier:

Teil 1: Von Kars bis Akyaka:

[www.drehscheibe-foren.de]

Teil 2: Akyaka und das Gleisdreieck:

[www.drehscheibe-foren.de]

Teil 3: Akyaka – Dogukapi – Ahuryan:

[www.drehscheibe-foren.de]

Eins im Vorfeld: Bitte keine Anfragen zur Anreise, darüber wird es einen ausführlichen Reisebericht geben. Für mich war es ebenfalls nicht einfach, den Bahnhof zu finden und ich hatte keine Informationen, was mich hier erwarten würde, denn der Bahnhof liegt im Sperrgebiet direkt an der türkischen Grenze, welches von russischen und armenischen Truppen bewacht wird. Also, auch hier herrscht wie auf der türkischen Seite absolutes Fotografierverbot. Das Dilemma dieses Bahnhofs wird wahrscheinlich für immer und ewig durch die Neubaustrecke über Georgien nach Baku zementiert werden. (Rot markiert)

Vorweg zwei Übersichtskarten über die Lage, obwohl auf der türkischen der Bahnhof falsch eingezeichnet ist:

http://imageshack.us/a/img822/7417/georgienarmenien1.jpg

http://imageshack.us/a/img213/7899/img0756s.jpg

Im Juni 2009 hatten ukrainische Journalisten den Bahnhof besucht und dabei den damaligen Bahnhofsvorstand M. Geworgjan interviewt. Die deutsche holprige Übersetzung mit allen nötigen Informationen findet ihr hier und darunter das Original, da diesen Bericht einige Armenier lesen werden:

http://imageshack.us/a/img849/6604/ahuryan1.jpg

http://imageshack.us/a/img198/7238/ahuryan2.jpg

http://imageshack.us/a/img854/6555/akhurijan10001.jpg

http://imageshack.us/a/img411/8657/akhurijan20001.jpg

[analitika.at.ua]

Es folgt eine grobe Skizze über die Strecke und die beiden Grenzbahnhöfe Dogukapi [TR] und Akhurian [AM]. Hier müssen als Übergang zwischen der Normal- und Breitspur die Räder gewechselt werden. Eine Umspuranlage ist nicht vorhanden, sondern das Ganze geschah mittels Kränen, wie aus dem Gespräch mit M. Geworgjan deutlich wurde.

http://imageshack.us/a/img29/4848/img242gd.jpg

Die Lage der folgenden Bilder habe ich hier markiert:

http://imageshack.us/a/img856/6623/akhurianbahnhof.jpg

Von rechts nach links:

Schwarz: Weg zum Bahnhof
Weiß: Breitspurgleis aus der Normalspuranlage oben zum Streckengleis nach Gjumri (Leninakan)unten
Hellblau: Lokschuppen für die Normalspurlokomotive
Rot: Bahnhofsgebäude, Nebengebäude und Lagerhalle
Grün: Die beiden Kräne über der Normalspurgleisanlage
Grau: Rampe
Gelb: Normalspurgleisanlage
Lila: Breitspurgleisanlage
Blau: Einfädelung von Normal- und Breitspur zum Vierschienengleis nach Dogukapi (Türkei)

Die aus Gründen der Solidarität mit Aserbaidschan von der Türkei geschlossene Grenze, es geht dabei um den Berg Karabach - Konflikt, stellt für Armenien ein gewaltiges ökonomisches Problem dar, denn auf dem Landweg können Güter nur über Georgien und den Iran transportiert werden. Deshalb verwaist der Grenzbahnhof seit 19 Jahren zunehmend und befindet sich in einem Dornröschenschlaf, in der Hoffnung, dass eine Besserung der türkisch-armenischen Beziehungen ihn eines Tages wachküssen wird.

Zu den Bildern. Alle Aufnahmen entsprechen dem Stand vom August 2012:

Bild 1:

Wir befinden uns an der Ausfädelung der Strecke in die Türkei an der Hauptbahn Gjumri in Richtung Jerewan. Rechts verläuft das stillgelegte Gleis zur Grenze:

http://imageshack.us/a/img803/8305/img0357af.jpg

Bild 2:

http://imageshack.us/a/img198/9820/img0363ps.jpg
Stationsschild und rechts die Zufahrt zum Bahnhof

Bild 3:

http://imageshack.us/a/img145/8639/img0365uh.jpg
Streckenverlauf in Richtung Gjumri

Bild 4:

http://imageshack.us/a/img33/3241/img0364ld.jpg
Streckenverlauf in Richtung Akhurian, rechts das Breitspurausziehgleis

Wir befinden uns mittlerweile auf dem Bahnhofsgelände. Es herrscht eine Hitze von ca. 35°. Auf dem riesigen Areal ist kein Mensch zu sehen. Der Bahnhof ist mittlerweile nicht mehr besetzt. Weit und breit kein M. Geworgjan, kein Bahnarbeiter und zum Glück ist nirgends ein Soldat zu sehen.

Bild 5:

http://imageshack.us/a/img152/7882/img0376b.jpg
Verbindungsbreitspurgleis aus der Normalspurgleisanlage in Richtung Streckengleis nach Gjumri

Einige Bauern leben am Bahnhof in dieser Einöde

Bild 6:

http://imageshack.us/a/img32/5826/img0368cn.jpg

Hier war in diesem Lokschuppen eine armenische Normalspurlokomotive stationiert.

Bild 7:

http://imageshack.us/a/img825/8015/img0378f.jpg

Auf den nächsten Bildern sehen wir links das Bahnhofsgebäude, daneben die Lagerhalle. Alles ist in einem guten Zustand. Keine eingeworfenen Scheiben, keine Schmierereien. Im Hintergrund befindet sich bereits die Türkei.

Bild 8:

http://imageshack.us/a/img528/1425/img0377vz.jpg

Bild 9:

http://imageshack.us/a/img402/2029/img0379xy.jpg
Rechts die Bahnhofsgebäude aufgenommen vom Breitspurbereich mit Blick in Richtung Türkei

Bild 10:

http://imageshack.us/a/img819/420/img0380eg.jpg

Auf dem folgenden Bild sehen wir vor uns die Rampe, links die Normalspurgleisanlagen, rechts die Breitspurgleisanlagen mit Blick in Richtung Gjumri:

Bild 11:

http://imageshack.us/a/img19/8653/img0382af.jpg

Und einmal um 180° gedreht, das Ende der Rampe mit Scheinwerfermast mit Blick in Richtung Türkei. Rechts die Normalspurgleisanlagen, links die Breitspurgleisanlagen.

Bild 12:

http://imageshack.us/a/img717/5061/img0385my.jpg

Bevor es weiter zum Vierschienengleis und zum Grenztor geht, schauen wir uns die beiden Kräne zum Radwechsel im Normalspurgeleisbereich näher an. Wie das hier nun im Einzelnen funktionierte, kann man nur erahnen. Zumindest sieht es so aus, dass die Normalpurwagen aus der Türkei hier umgespurt wurden und auf einem Breitspurgleis in Richtung Gjumri weiterfahren konnten, im Gegensatz dazu die Breitspurwagen in Dogukapi in der Türkei umgespurt wurden. Es wird sich das ganze Procedere nur schwer belegen lassen, da direkte Aufnahmen in Dogukapi fast ein Ding der Unmöglichkeit sind.

Bild 13:

http://imageshack.us/a/img194/685/img0375kt.jpg

Bild 14:

http://imageshack.us/a/img96/6043/img0404yw.jpg

Bild 15:

http://imageshack.us/a/img26/4027/img0405os.jpg

Aus dem Breit- und Normalspurbereich des Bahnhofs fädeln die Gleise zu einem Vierschienengleis in Richtung zur türkischen Grenze aus:

Bild 16:

http://imageshack.us/a/img444/564/img0389oz.jpg
Einfädelung zum Vierschienengleis in Richtung Türkei. Rechts das Normalpurgleis, links das Breitspurgleis.

Bild 17:

http://imageshack.us/a/img210/8393/img0391x.jpg
Und einmal umgedreht, die Ausfädelung


Auf den drei folgenden Aufnahmen sehen wir den weiteren Verlauf des Vierschienengleises durch das geschlossene Grenztor zur Türkei. Die Türken haben hier ganze Arbeit geleistet, selbst die Stromleitungen wurden gekappt.

Bild 18:

http://imageshack.us/a/img259/1999/img0401c.jpg

Bild 19:

http://imageshack.us/a/img528/7014/img0399p.jpg

Bild 20:

http://imageshack.us/a/img23/1671/img0393un.jpg

Und als letzte Aufnahme, der Kran im türkischen Grenzbahnhof Dogukapi, auf der anderen Seite des Grenzzauns. Näher kommt man hier nicht ran. Aufnahme vom Mai 2010.

Bild 21:

http://imageshack.us/a/img13/64/dogukapi1.jpg

Somit kann ich eine Beitragsreihe schließen und ich hoffe, dass ich alles einigermaßen, auch ohne Zentimetermaß, rekonstruieren konnte. Falls ihr Ergänzungen habt, alte Aufnahmen, Besuche, bitte, gerne, jederzeit.

Ähnlich gelagerte Themen findet ihr hier: [www.drehscheibe-foren.de]

Das Inhaltsverzeichnis zum Reisebericht wird hier zu finden sein: [www.drehscheibe-foren.de]

Viele Grüße

Alex

(Closed rail line Armenia - Turkey)



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:12:09:14:23:57.
Ein großes, dickes DANKE SCHÖN für diesen Bericht. Sehr spannend, sehr informativ.

Gruß aus Wien

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)
Wow Alex !

Sehr schöner Reisebericht mit ebenso schönen Fotos; das ist die Art Reisebericht, die ich liebe zu lesen. Freue mich, wenn du wieder neues "Material" hast.

Passend zum Thema, ich habe hier was gefunden :

[texnic.livejournal.com]

Eine schöne Woche wünsche ich allen Lesern und DSO-Freunden !

Ivan

0_6c4e8_b510f235_XL.jpg
Wow Alex! Wass ein wunderschöne Überraschung. Es hat mir gefreut du könntest diese Reihe von streckenberichte bis zum über die Armenische grenzen Enden. Danke für das teilen im DSO Foren!

Theijs
Großer Applaus, Alex!

Aber gab es keinen Grenzbeamten, keine Polizei, niemanden, der sich für Dich interessiert hat??

Gruß von Ludger,
dessen Verhör durch die Bahnpolizei letztes Jahr in Ararat an Sprachproblemen gescheitert ist :-).
Hallo,

danke für euer Interesse. Es ist natürlich so, wenn man vor zwei Jahren auf der anderen Seite der Grenze war, will man irgendwann den Sack zumachen bzw. eine Dokumentation auch sinnvoll zu Ende bringen.

Ich wollte immer schon wissen, wie es auf der armenischen Seite aussieht. Und da es über diesen Bahnhof weltweit keinen Bericht mit aussagekräftigen Bildern über den Istzustand gibt, habe ich mir eben gesagt, jetzt erst recht.

Aber diese atemberaubende Stille, die flimmernde Hitze an diesem tragischen geschichtsträchtigen Ort, wo die Zunahme jeder Entwicklung nur aus einer Häufung von Kuhdung auf den Schwellen zu bestehen scheint, das übt schon eine ungemeine Faszination aus.

Ich glaube, die wenigsten von euch können die Atmosphäre nachvollziehen, die sich an diesen verbotenen Orten ergibt, erst recht, wenn man völlig ungestört sich alles ansehen kann, praktisch die Stimmung und wie es mal war bzw. hätte sein könnte einatmen kann.

Vielleicht hatte ich einfach Glück gehabt, denn wir waren an einem Montag da und vielleicht haben die Ordnungskräfte noch ihren Vodkarausch vom Wochenende ausschlafen müssen … no one knows … .

Denn zu recht heißt es auch in dem Text: „Stille an der Grenze“ und so war es auch.

Als ich zurück kam, fragte mich meine Begleitung, ob ich aufgrund der langen Abwesenheit in die Türkei gelaufen wäre, ich kreuze nur die Arme und entgegne, verhaftet hat man mich dabei nicht.

Aber das Zusammentreffen von Kurswagen aus Yerevan und Tiflis, die hier über die Grenze geführt und am nächsten Morgen an den Dogu nach Ankara angehängt werden, das hätte schon was.

Wer weiß, vielleicht gibt es doch irgendwann ein politisches Tauwetter.

Jedenfalls starte ich wahrscheinlich morgen mit dem Reisebericht, damit ihr alle Details erfahrt und ich somit ein bebildertes Reisetagebuch habe. Praktisch, gelle.

Viele Grüße

Alex
Hallo Alex

Danke für die reportage aus diesem Teil der Welt. Man könnte denken der Zug von Moskau nach Istanbul ist gerade eingetroffen und wird umgespurt.

Da die Bahn meine Kreditkarte nicht mehr anerkennt wird der Fernverkehr halt mit dem Deutschlandticket oder Flugzeug bestritten.
Grüße aus der Klingenstadt Solingen

Christian

Faszinierend. Vielen Dank! (o.w.T)

geschrieben von: D 2027

Datum: 29.08.12 15:29

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Hallo,

über den Grenzbahnhof Akhuryan ist nun ein armenisches Video aufgetaucht. Für die von euch, die es interessiert. Befindet sich in der Mitte:

[www.narphotos.net]

Guten Rutsch und Grüße

Alex
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