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Geschätztes Forum,

als ich am 14. Mai vergangenen Jahres mit meiner Frau nach ein paar Bier das Frühlingsfest des örtlichen Blasmusikvereins verliess um daheim zwecks Verfolgung der Auswertung des Eurovision Song Contests (ESC) den Fernseher anzuwerfen, ahnte ich noch nicht, dass dies die Grundlage eines längeren Reiseberichts auf DSO geben könnte.

Bei Uebertragungsende dieser kulturell doch eher minderwertigen Veranstaltung standen nämlich nicht nur 4 weitere leere Bierflaschen auf dem Tisch, sondern auch das Duo "Ell und Nikki" aus Aserbeidschan als Sieger fest. Wir schauten uns gegenseitig an und nach einer ersten Verwunderung begriffen wir, dass der nächste ESC dann ja wohl in Aserbeidschan stattfinden müsse. Dies fanden wir spontan sehr deplatziert und nach nur sehr kurzem Ueberlegen befeuert von König Alkohol fiel uns ein, wer dort noch völlig deplatziert sein müsse: nämlich wir! Und als dann noch der Kollege D.N. aus Goslar zu später Stunde auch schon recht angetrunken anrief um sich über das unerwartete Ergebnis austauschen zu können, gab es nur noch eine Devise und sofortige Einigkeit: Da fahren wir nächstes Jahr zu dritt hin!

Nun sind ja dumme Ideen unter Alkoholeinfluss meist recht schnell zum Scheitern verurteilt, aber der Gedanke einen Eurovision Song Contest in Baku zu besuchen, hatte sich schon zu tief in unser Hirn gefressen. Und als ich im Dezember unserem freundlichen Forenkollegen "Martin Kop." bei einem privaten Besuch bei mir zuhause von unserem Reiseplan erzählte, outete er sich als langjähriger Grand Prix Fan und fragte spontan ob er mitfahren könne, was ich ebenso spontan zusagte.

Und so begann die Tour Gestalt anzunehmen. Lief am Anfang alles in Richtung Aserbeidschan, wurde uns schnell klar, dass sämtliche Yieldmanagements der Baku anfliegenden Airlines nicht auf den Kopf gefallen waren. Alle Flugtickets im Zeitraum dieses Events waren bereits im Januar schweineteuer. Als Alternative bot sich Tiflis und die Weiterfahrt mit dem Nachtzug für insgesamt etwa 180 Euro oneway an.

Oneway? Nun, wer Baku sagt und mal etwas genauer auf die Landkarte schaut muss doch eigentlich auch.... genau Turkmenistan sagen. Die - sagen wir etwas "eigenwillige" - Staatsführung und das Wirken des Turkmenbashi verfolgten sämtliche Reiseteilnehmer schon lange mit grossem Interesse und auch nach seinem Tod geht von Ashgabat eine nicht zu unterschätzende (und wie wir feststellen sollten berechtigte) Faszination aus. Als dann der Kollege N. im Vorfeld der Planung die Mitreise krankheitsbedingt absagen musste, sprang Turkmenistanfan und Ruhnamabesitzer Markus E. nur zu gerne ein, sodass wir nach wir vor zu viert reisen konnten.

Doch wie bekommt man ein Visum für Turkmenistan? Die einzige Möglichkeit unbewacht und ohne offizielle Begleitung durch das Land zu reisen ist ein Transitvisum, welches jedoch nur unter der Auflage verkehrstechnisch wirklich zu transitieren zu müssen (ein Flug ab Ashgabat wird nicht akzeptiert) bekommt. So blieben nur zwei Zielländer übrig und in den Iran wollte meine Frau wirklich nicht. Also Usbekistan!

Schnell war ein günstiger Gabelflug mit der CSA ab Prag gebucht, am 15.03 kauften wir zwei Minuten nach 12 unsere Eintrittskarten (billigste Plätze, die aber ein Visa garantierten) für das Finale und nachdem Martin im Anzug der turkmenischen Botschaft seine Aufwartung gemacht hatte (und erst mal zum Tee eingeladen wurde) hatten wir am Gründonnerstag alle notwendigen Unterlagen um aufzubrechen.

Los gings dann definitiv am 24.05. mit einer Zwischenlandung in Istanbul, wo wir noch die User "Baron" und "Mistral" zum Abendessen im Bahnhofsrestaurant Pendik trafen und am 25.05. erreichten wir um 3.10 morgens unser erstes Ziel: Tiflis. Uebrigens kommen mehr oder weniger alle Flüge aus Europa um diese nachtschlafene Zeit an und der einzige Grund den wir uns für diese Flugplangestaltung vorstellen konnten, war dass die südossetischen Rebellen vermutlich nicht über Nachtsichtgeräte verfügen und so eine Landung im Schutze der Dunkelheit gefahrlos möglich ist ;-) Selbst die georgische Eisenbahn weiss um die Flugpläne und so verkehrt ein nächtliches Zugpaar 6601/6602 auf der neugebauten Strecke von der Stadt zum Flughafen (an 3.50 / ab 4.00)

Da wir jedoch ein Hotel incl. Abholung vom Flughafen gebucht hatten, blieb uns diese Fahrt versagt. Im Hotel angekommen wurden wir als erstes auf die Terasse geführt, um den spektakulären Ausblick über die illuminierte Stadt zu geniessen und die freundliche Hotelchefin bot uns an noch was zu trinken zu holen und den Sonnenaufgang über Tiflis abzuwarten. Dafür waren wir aber definitiv zu müde und so landeten wir gegen 5 Uhr morgens endlich im Bett. So sah der Ausblick dann bei Tage aus:

http://img825.imageshack.us/img825/8467/tiflisstadtansicht.jpg

Ein spätes Frühstück ist bei solchen Eincheckzeiten natürlich eine Selbstverständlichkeit und als wir um 11 Uhr den Speisesaal betraten, bekamen wir einen ersten Eindruck von georgischer Gastlichkeit. Der Tisch bog sich fast unter den Speisen und pro Gast war sogar ein Wimpel mit der georgischen Fahne als Souvenir vorgesehen. Gebucht haben wir unsere Unterkunft übrigens nicht über eines der gängigen Internetportale sondern über Beziehungen. Die Frau eines PARTEI-Freundes ist Georgierin, das Hotel gehört der Verwandtschaft und der Schwager übernahm vor Ort im Vorfeld noch ein paar andere organisatiorische Dinge u.a. die Beschaffung der Fahrkarten nach Baku, die im Hotel hinterlegt waren und uns dann ausgehändigt wurden. Und für diesen perfekten Service gibt es gerne eine kleine Schleichwerbung und Weiterempfehlung: [www.hotel-mtatsminda.ge]

Das Mtatsminda liegt in einer Seitenstrasse direkt unterhalb des Funkturms des Mtatsmindaberges. Es gab/gibt? dort eine Art Freizeitpark, der mit einer Seilbahn die jedoch mittlerweile nicht mehr in Betrieb ist erreichbar war. Ein Mast ohne Seil ist links neben dem Turm noch gut erkennbar.

http://img600.imageshack.us/img600/2168/funkturm.jpg

Ebenfalls nicht weit ist der Hauptboulevard Tiflis´, die Rustaveli Ave. und so nutzten wir die knapp 4 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges für eine kleine Stadtbesichtigung. Unser einziger Bezug zu Tiflis war eigentlich nur der legendäre Besuch der PARTEI in Georgien und sämtliche mir bekannten Teilnehmer dieses "Staatsbesuchs" schlugen ob meines Ziels die Hände über dem Kopf zusammen. Auch unsere jetzige Reisegruppe bestand zu 75% aus PARTEI Mitgliedern (von denen damals aber niemand dabei war) und so erwarteten wir ein überall gepflegtes Grau, Bruch und Dalles. Doch im Spätfrühling geht das georgische Wintergrau nicht etwa wie von Tom Hintner ("Georgien ist das kaputteste Land, in dem die meisten von uns je waren, Gaumarjos") behauptet in ein warmes Frühlingsgrau über, sondern die Stadt präsentierte sich an besagtem Boulevard grün und aufgeräumt. Und abgesperrt!

http://img507.imageshack.us/img507/8560/rusavellave.jpg

Der folgende Tag war nämlich der Unabhängigkeitstag, sodass die Stadt gerade intensiv herausgeputzt war. Nur uns störten die ganzen Zelte und Wimpel doch sehr, da sie die meisen Gebäude verdeckten und den Gesamteindruck doch verstellten. Dafür gab es aber auch interessante Ausstellungstücke; der Güterwagen wurde übrigens noch penibelst von den Erdölrückständen gesäubert...

http://up.picr.de/11050412zz.jpg

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Und nun sollten wir erfahren wem wir den ganzen Spass zu verdanken haben. Endlich die erste Propaganda und es sollte im Lauf der Reise nicht die letzte bleiben :-)

http://up.picr.de/11050410ic.jpg

http://up.picr.de/11050411ma.jpg


Nun begaben wir uns in die Altstadt. Unterwegs lockten verschiedenste Läden und in ein alter Strassenbahnwagen diente gar als Biergarten.

http://img96.imageshack.us/img96/1641/ladentiflis.jpg

http://img96.imageshack.us/img96/7475/laden2.jpg

http://img703.imageshack.us/img703/4024/trambierwagen.JPG

Und beliefert wurde auch! Gaumarjos!

http://up.picr.de/11050425gq.jpg

http://up.picr.de/11050426xo.jpg

Am Hauptstadtfluss Kura angekommen erschloss sich uns nun, was der Präsident mit dem Wiederaufbau des Landes wohl meint. Überall entsteht planlos moderne Archtitektur, die überhaupt nicht zur Stadt passt. Gut, das tut moderne Architektur selten, aber in Tiflis erschien es uns als ob Herr Saakashvili wie ein kleines Kind einfach immer nur mehr Spielzeug haben will. Das sieht dann so aus:

http://img843.imageshack.us/img843/982/brcketiflis.jpg

Vor der Brücke ensteht ein kleiner Park, in dem auch eine Seilbahn, die auf den gegenüberliegenden Burgberg führt angelegt ist. Doch auch diese war bei unserem Besuch noch nicht in Betrieb, aber es war ja noch ein halber Tag Zeit bis zum Feiertag. Die Bauarbeiter und der verantwortlichte Bauleiter dürften bis heute wegen Nichterfüllung des Plansolls im Arbeitslager Steine klopfen....

http://img59.imageshack.us/img59/1388/parktiflis.jpg

http://img207.imageshack.us/img207/6006/burgi.jpg

Diese oben gezeigte Aussicht auf das ganze Ensemble hat man übrigens direkt vom Präsidentenpalast... das Auge regiert schliesslich mit. Dorthin gingen wir jedoch nicht, sondern wanderten durch ein zwei verfallene Viertel zur 2004 vollendeten Sameba Kathedrale um nach alter Tradition (mache ich bei jeder Osteuropareise) und gutem orthodoxen Brauch durch Anzünden einer Kerze bei einem Heiligen seines Vertrauens für einen guten Reiseverlauf zu bitten. Bislang hat´s noch immer geholfen ;-)

http://img689.imageshack.us/img689/8996/kirxche.jpg

Doch nun drängte die Zeit und wir machten uns per U-Bahn auf dem Weg zu unserem Hotel um das Gepäck abzuholen. Wobei wir nicht umhin konnten noch einmal einzukehren um die georgische Küche zu würdigen. Faszniniert von der Vielfalt der Gerichte bestellte Martin etwas arg grosszügig und die Hälfte blieb stehen... ein Lapsus, der uns auf dem weiteren Reiseweg noch häufiger passieren sollte. Von der aufgetragenen Menge existiert zwar kein Bild, dafür gibt es jedoch eines von der sehr einfallsreichen Restaurantdekoration an der Decke!!!! Um einen realistischen Eindruck zu bekommen müsst Ihr Euch zum Betrachten auf den Kopf stellen.

http://img844.imageshack.us/img844/1300/essenj.jpg

Im Hotel wurden wir schon erwartet und von dort aus nach einer sehr familiären Verabschiedung zum Bahnhof gebracht. Der Tifliser Hauptbahnhof ist weniger ein Bahnhof, sondern ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss, auch wenn man die Züge kaum findet. Wir aber fanden unseren Nachtzug:

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Noch ein paar Impressionen des Bahnbetriebs

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Unser Abteil

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Schlechte Bilder aus dem fahrenden Zug Richtung aserbeidschanische Grenze

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Und der schon sehr unscharfe Schlummertrunk. Die Einreise nach Aserbeidschan verlief übrigens völlig problemlos, nachdem wir das Zauberwort "Eurovision" auch nur gedacht hatten. Dieses Parole sollte uns noch mehr als nur eine Tür in Aserbeidschan öffnen.

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Und so sah die Landschaft am nächsten Morgen aus. Trotz später Ankunft in Baku (der Zug braucht für die 551 Kilometer 18 Stunden!) wurden wir bereits um 7.30 Uhr geweckt, was mich zu der Bemerkung veranlasste der Reisende hier habe das Recht vom Zugpersonal geweckt zu werden. Antwort Martin: " In diesem autoritären System gibt es keinen Unterschied zwischen Rechten und Pflichten"

http://up.picr.de/11050493bq.jpg

Ein paar Ölquellen, mit deren Ertrag man schon mal einen kleinen Teil des ESC finanzieren kann.....

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Streckensicht aus dem letzten Wagen.

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Und die Ankunft am denkwürdigen 26.05.2012

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http://up.picr.de/11050497vi.jpg

Und deshalb sind wir hier... Fortsetzung von Martin folgt.

http://up.picr.de/11050501bm.jpg

Ich hoffe Teil 1 gefällt.

Erik

Edit ergänzte doch arg viele Fehler und fügte einen Kalauer ein.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:05:21:32:26.
D 2027 schrieb:«...Ich hoffe Teil 1 gefällt...»
Fishing for compliments?
Absolute Spitze! Zuuugaaabeee!

Viele Grüsse von Hubert, der sich gerade mit einem Schwabenbräu Schwarzbier über die Hitze rettet...
G.E.N.I.A.L, Erik! Ich freu mich schon auf die Fortsetzungen, zumal ich in einigen Monaten selbst in Tiflis landen werde (allerdings sogar noch später als ihr :D )

Grüße,
Bernhard

Super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 05.07.12 20:54

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: Super, danke! :-)

geschrieben von: Malterno

Datum: 05.07.12 21:50

Wow, sehr schöne Fotos und toller Bericht. Bin schon sehr gespannt auf die nächsten Teile!

Eine Nachfrage jedoch: Hattet ihr das Nachtzugticket schon von Deutschland aus gekauft (und wenn ja wie), oder gab das so kurzfristig noch ein ganzes Kupe frei?

Gruß,
Malte.
Hochinteressant! Freue mich auf den nächsten Teil!

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
Hier noch meine 50 Tetri dazu:

Die U-Bahn nochmal von vorne, wer jemals in Prag in letzter Zeit Metro gefahren ist, ist in dem Glauben, dass dieses Fahrzeug tatsächlich in Georgien modernisiert worden sein, wahrscheinlich etwas vorsichtig:

http://img542.imageshack.us/img542/680/p1050529f.jpg

Die Tifliser Metro ist sehr gut gekennzeichnet, und auch Ausländer_innen können sehr leicht den Namen der Stationen erkennen:

http://img507.imageshack.us/img507/48/p1050532l.jpg

Internationale Spezialitäten:

http://img826.imageshack.us/img826/1803/p1050540f.jpg

Eine der letzten kyrillischen Anschriften, die wir in Tbilisi noch fanden:

http://img824.imageshack.us/img824/9664/p1050546n.jpg

Talstation der besagten Seilbahn:

http://img341.imageshack.us/img341/4884/p1050556g.jpg

Präsidentenpalast. Man kann sich direkt vorstellen, wie Herr S. auf Staatsbesuch in Berlin vom Kanzleramt auf das Gebäude gegenüber schaute und dachte "Will auch haben!!!":

http://img804.imageshack.us/img804/6241/p1050561.jpg

Abseits der Hauptstrecken sieht es eher so aus, was ist das eigentlich? Tierbedarf ?

http://img545.imageshack.us/img545/7703/p1050579c.jpg

Manchmal ist es besser, die alten Schilder hängen zu lassen, dann wissen auch von weiter her kommende potentielle Kunden grob über das Angebot Bescheid:

http://img861.imageshack.us/img861/3776/p1050580.jpg

Nun werden wir aber wieder on-topic, der Aushangfahrplan des Bahnhofs Tbilisi:

http://img32.imageshack.us/img32/6522/p1050591y.jpg

http://img707.imageshack.us/img707/2149/p1050592vf.jpg

Derzeit ist man in Georgien an so etwas wie Tbilisi-21, nur ohne Tunnel. Man möchte die innerstädtischen Bahnflächen gewinnbringend verscherbeln, deshalb wird die zentrale Strecke durch eine weite Umgehung für Güterzüge und zwei Personenendbahnhöfe am Nord- und Südrand der Stadt ersetzt. Solche Ideen sind scheinbar international beliebt, Dummheit ist scheinbar nicht regional beschränkt.
Daher unterbleiben am betrieblichen Teil des Einkaufszentrum jegliche Unterhaltungen:

http://img85.imageshack.us/img85/1124/p1050599u.jpg


Wie Erik schon schrieb, gingen mit Erwähnung des Wortes "Eurovision" in Aserbaidschan Dinge, die ansonsten die vorläufige Erschiessung nach sich ziehen. Wie zum Beispiel Fotos im Grenzbahnhof Beyuk-Käsik:

http://img171.imageshack.us/img171/1600/p1050606z.jpg

Interessant ist, wie "Klaus Mustermann" in Aserbaidschan heisst, während im Erscheinungsland der Bildzeitung alle Papst sind, ist Aserbaidschan eine grosse Präsidentenfamilie:
http://img266.imageshack.us/img266/1834/p1050625q.jpg

http://img580.imageshack.us/img580/3035/p1050626jn.jpg

Ümümilli Lider:
http://img26.imageshack.us/img26/4198/p1050629q.jpg

An einigen Stellen wurde die Strecke sogar saniert, ansonsten war der Streckenzustand eher bescheiden:

http://img833.imageshack.us/img833/3943/p1050632b.jpg

In der Einfahrt Baku ein Vorgeschmack auf die Dinge, die die Ausserirdischen in Baku so hinterlassen haben:

http://img191.imageshack.us/img191/3351/p1050638m.jpg

Am Bahnhof Baku wurden wir vom offiziellen ADY-Eurovisions-Begrüssungskomitee empfangen, die sich sichtlich sehr freuten, doch einmal die monatelang erlernten Kenntnisse anwenden zu können. Uns wurde eine persönliche junge Eisenbahnerin zur Seite gestellt, die uns Fotos genehmigte (normalerweise ganz böse verboten), den Geldwechsel organisierte und Fragen beantwortete.

http://img692.imageshack.us/img692/2366/p1050643no.jpg

Auch hier passen Papa und Sohn gemeinsam auf die Reisenden auf:

http://img837.imageshack.us/img837/986/p1050644.jpg

Abfahrtsplan Baku, hier mokierte sich ein uniformierter Mensch ob meines Tuns, wurde aber von unserer Begleiterin recht schnell zum Schweigen gebracht.

http://img853.imageshack.us/img853/8264/p1050652b.jpg


MfG
Martin

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Fahrscheine, Reiseberatung, Kursbücher international:
[www.bahnagentur-schoeneberg.de]
[DB-,ÖBB-,SNCF-,Trenitalia-,RZD-, REGIOJET- und SNCB-Agentur und noch Einiges mehr]
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Re: Super, danke! :-)

geschrieben von: D 2027

Datum: 06.07.12 01:12

Malterno schrieb:
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> Eine Nachfrage jedoch: Hattet ihr das
> Nachtzugticket schon von Deutschland aus gekauft
> (und wenn ja wie), oder gab das so kurzfristig
> noch ein ganzes Kupe frei?

Danke für die Blumen,

wie bereits im Text geschildert, hat der Schwager meines PARTEI-Freundes uns die Fahrkarten vor Ort gekauft und im Hotel hinterlegt. Dafür haben wir eine Kopie unserer Pässe hingefaxt und es gab keine Probleme. Die georgische Eisenbahn bietet allerdings auch ein Online-Ticket an. [tickets.railway.ge] welches jedoch erst 40 Tage vor Abfahrt gebucht werden kann. Da wir aber davon ausgingen, dass in dieser Nacht vermutlich recht starke Nachfrage besteht, gab es keinen Grund etwas zu riskieren.

Normalerweise ist der Zug angeblich jedoch eher schwach ausgelastet und es kostete uns auch einige Mühe unseren georgischen Gewährsmann davon zu überzeugen, dass wir wirklich Zug fahren wollen. In Tiflis war man der Ansicht, dass wir besser Samstag morgens mit dem modernen Bus nach Baku fahren sollten; dieser sei viel schneller und bequemer im Vergleich zur alten gammeligen Eisenbahn. Aber diese Ansicht vertreten ja gewisse NL-Teilnehmer auch hier im Forum......

Erik

Re: Super, danke! :-)

geschrieben von: MP

Datum: 06.07.12 12:13

D 2027 schrieb:
-------------------------------------------------------

> Normalerweise ist der Zug angeblich jedoch eher
> schwach ausgelastet


Letztes Jahr im Oktober war es jedenfalls kein Problem, einen Tag vor Abfahrt eine Fahrkarte Tiflis-Baku zu loesen. Man haette auch erst unmittelbar vor Abfahrt die Fahrkarte kaufen koennen, denn es waren noch reichlich freie Plaetze im Zug. Ob das immer so ist, weiss ich jedoch nicht. Fuer die Reise zum Song Contest war es aber sicherlich besser, die Fahrkarten schon im Voraus zu organisieren.
Martin Kop. schrieb:
-------------------------------------------------------

> Abfahrtsplan Baku, hier mokierte sich ein
> uniformierter Mensch ob meines Tuns, wurde aber
> von unserer Begleiterin recht schnell zum
> Schweigen gebracht.
>
http://img853.imageshack.us/img853/8264/p1050652b.jpg


Oh, da gibt es ja einige Aenderungen im Vergleich zu letztem Jahr: [www.drehscheibe-foren.de] Das Tageszugpaar nach Astara ist offenbar verschwunden, ebenso das Tageszugpaar nach Mingecevir. Die Fahrtzeiten fuer das Tageszugpaar Baku-Gence sind nun offenbar so, dass zwei Garnituren gebraucht werden, oder wie ist das zu verstehen (Günasiri = jeden zweiten Tag, aber das Zugpaar steht ja auch zweimal mit verschiedenen Nummern auf der Tafel)? Nach Qazax und Böyük Kesik gibt es nun aber zwei getrennte Nachtzuege, letztes Jahr wurde da vereinigt gefahren. Konntet ihr die in der Slowakei modernisierten Sitzwagen im Einsatz sehen? Ausserdem scheint es auch die Direktverbindung Baku-Kiev nicht mehr zu geben.
Sehr schoener Bericht. Da werden Erinnerungen an letztes Jahr wach. Komplett auf dem Landweg wolltet ihr wohl nicht anreisen? Die Fahrt im Dogu-Express nach Kars ist landschaftlich absolut top.

Die neue Seilbahn in Tiflis ist mir letztes Jahr gar nicht aufgefallen, moeglicherweise gab es sie da auch noch nicht. Die desolate Seilbahn auf den anderen Berg sollen laut Taxifahrern an irgendeinen auslaendischen Investor verkauft worden sein, der dann einfach die Kabinen verscherbelt hat oder so aehnlich. Ob das tatsaechlich stimmt, weiss ich nicht. Auch die Standseilbahn war ausser Betrieb. Jedenfalls hat man von dort oben einen schoenen Blick auf die Stadt, insbesondere wenn man dann nochmal in das dort oben befindliche Riesenrad umsteigt. Es sei auch noch erwaehnt, dass der sparsame Reisende in Tiflis auch deutlich preiswerter uebernachten kann :-)

Wie wurde das Visum fuer Aserbaidschan organisiert? Genuegten da die Eintrittskarten fuer den Song Contest, oder mussten zusaetzliche Buchungen vorgewiesen werden?
MP schrieb:
-------------------------------------------------------
> Sehr schoener Bericht. Da werden Erinnerungen an
> letztes Jahr wach. Komplett auf dem Landweg
> wolltet ihr wohl nicht anreisen? Die Fahrt im
> Dogu-Express nach Kars ist landschaftlich absolut
> top.

Es gibt auch heterosexuelle ESC-Fans, die Kinder haben ;-) Ernsthaft: es hätte zeitlich nicht gepasst, da die Pfingstferien in BW erst Freitags begannen und die Grosseltern ohnehin schon zwei Tage vorher bei uns anreisen mussten um die Kinder abzuholen. Mehr wäre da nicht zumutbar gewesen. Ich hätte mir gerne auch noch mehr von Georgien angesehen, aber das folgt dann ein andermal... Botumi und Armenien muss ja auch noch bereist werden :-)


> Wie wurde das Visum fuer Aserbaidschan
> organisiert? Genuegten da die Eintrittskarten fuer
> den Song Contest, oder mussten zusaetzliche
> Buchungen vorgewiesen werden?


Unter Vorlage der Voucher wurden uns auf der Botschaft in Berlin Visa bis zum 10.06. ausgegeben. Die Dame hat zwar etwas herumgezickt, da die Bedingungen für die Visavergabe eigentlich vorsahen, dass diese am Flughafen in Baku erfolgen sollte, aber Martin hat ihr dann klargemacht, dass wir auf dem Landweg einreisen. Daraufhin wurde unter einem verächtlichen "Georgien" der Antrag entgegengenommen. Die Bearbeitungszeit war soweit ich weiss drei Tage und gekostet hat der Spass 60 Euro. Weitere Buchungen, Einladungen etc. waren nicht erforderlich, da sich AZ der EBU gegenüber verpflichten musste allen Teilnehmern Visa auszustellen.

Wir schienen übrigens die einzigen Reisenden zu sein, die während des ESC überhaupt mit dem Zug anreisten. Nur so konnten wir uns den enthusiastischen Empfang am Bahnhof erklären...

Zu den Sitzwagen: wir haben ausser unserem Nachtzug, einer Elektrischka am nächsten Tag und den Güterwagen auf der Fähre nach Türkmenbashi keinerlei Eisenbahn in Aserbeidschan gesehen. Sorry.

Gruss
Erik
Nun, in Tiflis wurden wir aber auch schon etwas auf Ashgabat eingestimmt. Nicht nur der Herr Saparmyrat Ataýewiç Nyýazow kann güldene Statuen....

http://up.picr.de/11085126yp.jpg

Und der schöne Kran kann auch fahren. Die Feinstaubverordnung findet hier infolge Grobstaub keine Anwendung!

http://up.picr.de/11085127id.jpg

Hier noch ein paar Details zur leckeren georgischen Küche. Es hiess Abschied nehmen, weil anschliesend galt: „Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, Paarzeher sind und wiederkäuen, dürft ihr essen. […] Ihr sollt für unrein halten das Wildschwein, weil es zwar gespaltene Klauen hat und Paarzeher ist, aber nicht wiederkäut." Find ich a blöde Regel! Am Ende der Reise hab ich mich echt auf a scheens fränggischs Schäufala gefreid!!

http://up.picr.de/11085128ol.jpg

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http://up.picr.de/11085132ij.jpg

Geniale Teigtaschen. Die Serviertochter zeigte uns sogar, wie mann sie ohne grössere Sauerei essen kann. Leider nur mit eingeschränkten Erfolg.

http://up.picr.de/11085149to.jpg

http://up.picr.de/11085134ft.jpg

Was auch immer dieser georgische Poet uns sagen will? Sinngemäss: Save a cow, eat an vegetarien! ?? ;-P



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:22:16:20:52.

Re: Modernisierter Metrowagen

geschrieben von: oaf

Datum: 07.07.12 23:45

Hallo,

laut des tschechischen Wikipedia-Artikels zur Metro Tiflis [cs.wikipedia.org] wurde die Modernisierung von der Firma ZREPS aus Moskau durchgeführt. Die Front hat Škoda zugeliefert, daher sieht der Wagen wie ein Prager Fahrzeug aus.

Gruß
oaf
"Bei Uebertragungsende dieser kulturell doch eher minderwertigen Veranstaltung...befeuert von König Alkohol"

Danke dafür! Und so wird aus einer "b'soffenen G'schicht" ein wunderbarer Reisebericht! Grandios!

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:08:19:33:46.
Moin,

frolic74 schrieb:

> Und der schöne Kran kann auch fahren. Die
> Feinstaubverordnung findet hier infolge Grobstaub
> keine Anwendung!
>
> [up.picr.de]

Scheint mir Ölaerosol zu sein.

Gruß, ULF