Im Geiste des Zuckerrohrs geht es nun heute mit Teil 4 der Eisenbahnfotoreise Zug um Zug durch Kuba über Caibarien nach Hershey. Und Zuckerrohr gehört nun mal zu Kuba, wie der Rum zu einem gut dosierten Cuba Libre gehört.
Vorab zur Halbzeit meines Berichts hier die Links zu den schon veröffentlichten Teilen.
Teil 1
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Teil 2
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Teil 3
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So nun geht’s aber wieder los.
Von St Clara aus fahren wir zunächst nach Caibarien an der Nordküste. In der dortigen ehemaligen Zuckerrohrmühle wird dem Besucher der Prozess zur Verarbeitung des Zuckerrohrs an einer Reihe von Exponaten gezeigt.
Auf dem angrenzenden Freigelände ist eine Reihe von ehemaligen Zuckerbahndampfloks ausgestellt. Die von der American Lokomotiv Company gebaute Nr. 1850 (Baujahr 1935) und von Baldwin gebaute Nr. 1910 (Baujahr 1925) sind die imposantesten Maschinen. Bei uns kommt unwillkürlich die Frage auf, ob wohl all diese Maschinen die im gesamten Land und wie auch hier als Denkmäler stehen, heute noch zu großem Teil laufen würden, wenn der Markt für Zuckerrohr Anfang der 90er Jahre nicht eingebrochen wäre.
Auf der an der Zuckerfabrik vorbei führenden Strecke Camajuani – Caibarien wird mehrmals täglich ein Dampfgeführter Museumszug mit der 1920 gebauten 1549 bis ins 9 km entfernte Remedios gefahren.
In Bf. Remedios angekommen,
entdecken wir dann noch die liebevoll gestaltete Remise der örtlichen Bahnmeisterei.
Unsere Fotoreise geht weiter Richtung Westen zu einer Bahn, die auch dem Zucker ihre Entstehung verdankt. Zunächst wieder ein Blick auf die Streckenkarte.
Auf der Fahrt dorthin, finden wir neben der Strasse noch dieses interessante Modell einer Satteltanklok. Leider waren der Hersteller und das Baujahr nicht aus zu machen.
Wir erreichen den Bahnhof Hershey, Betriebsmittelpunk der Hersheybahn. Den zugehörigen Ort wird man allerdings auf den meisten Landkarten vergeblich suchen, trägt der Ort doch heute den Namen Camilo Cienfuegos (nicht zu verwechseln mit der Stadt Cienfuegos an der Südküste). Der US-Schokoladenhersteller Hershey Company ließ zur Verbindung ihrer Zuckerfabrik mit dem übrigen Bahnnetz im Jahr 1919 eine eigene normalspurige Bahn anlegen, die von Anfang an elektrisch betrieben wurde. Sie ist damit bis heute die einzige elektrifizierte Bahn auf Kuba. 1922 wurde der Personenverkehr eingeführt. Das 140 km lange Netz (andere Quellen sprechen von 135 km) umfasst die Strecken Casa Blanca (Havanna) – Hershey, Matanzas – Hershey und Jaruco – Hershey. Auf allen drei Strecken wird für kubanische Verhältnisse ein relativ dichtes Fahrplanangebot gefahren. Dazu kommt noch eine nur saisonal befahrene Stichstrecke von Guanabo nach Playas del Este. Im Jahr 2008 wurde von dem kubanischen Transportministerium bei einer Nürnberger Ingenieursfirma ein Projekt in Auftrag gegeben, das die Modernisierung und Ausbau der Hersheybahn beinhaltet. Was daraus geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Während der Bahnhof Hershey der Strecke Casa Blanca (Havanna) - Hershey - Matanzas am Nordrand des Ortes liegt,
starten die Züge nach Jaruco direkt neben der stillgelegten Zuckerfabrik. Zwischen beiden Bahnhöfen existiert ein Streckendreieck. Dieses wird aber nicht im planmäßigen Verkehr befahren.
Im Bereich der Zuckerfabrik befindet sich auch das Depot. Neben den heute auf dem Netz eingesetzten ehem. spanischen Triebwagen sind dort auch die nicht mehr fahrfähigen E-Loks für den einst umfangreichen Güterverkehr und ein Triebwagen aus der Anfangszeit der Bahn abgestellt.
Starten wir unsere Reise auf der Strecke Hershey – Jaruco. Ein allseits bekannter Lkw für den Personentransport bringt vor der Abfahrt noch Anschlussfahrgäste,
bevor unser Triebwagen mit dem Mittagszug rumpelnd des Gelände der ehem. Zuckerfabrik verlässt. Die ausgedehnten Anlagen des Güterbahnhofs zeugen von einem einstmals umfangreichen Güterverkehr.
Nach ca. 15 Min Fahrt gibt es einen abrupten Stopp. Was war geschehen? In Deutschland würden wir sagen „Schleifleistenbruch“. Nur, dass die Schleifleiste hier aus einem auf dem Stromabnehmer aufgeschweißten Metallstreifen besteht. Dieser war gebrochen und drohte sich in der Fahrleitung zu verhaken. Kurzerhand wurde er mit Hammer und Meißel entfernt und danach die Fahrt mit dem blanken Stromabnehmer fortgesetzt.
Die Anwohner beobachteten und kommentierten das ganze Geschehen neugierig.
Unbeirrt vom Geschehen auf dem Dach führten die Fahrgäste mit dem Schaffner beim Fahrkartenverkauf einen Schwatz über die neuesten Neuigkeiten,
während weitere Fahrgäste den mitreisenden Vogel eines Anderen begutachteten.
Nach ca. 25 min ging es dann weiter.
An der Station Carretara verlassen die ersten Fahrgäste eilig den Zug, um durch die Verspätung doch noch rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause zu sein.
Nach 18 km ist dann in Jaruco die Endstation erreicht. Das Verbindungsgleis zum Bahnhof an der Strecke Havanna – Jaruco – Matanzas wird nicht mehr befahren. Zum Umsteigen müsste man durch den Ort laufen.
Für heut ist dann somit auch das Ende dieses Teils meines Fotoberichtes erreicht. Im nächsten, fünften Teil reisen wir weiter nach Pinar del Rio ganz im Westen der Insel und mit dem Zug über Rincon zurück nach Havanna.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:03:28:12:07:40.