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Hoi Welt

Im letzten Teil sind wir in Calama angekommen und am ersten Tag fuhren wir gleich mal zur Bolivianischen Grenze – nach Ollagüe. Wir hatten nicht viel Ahnung von gar nichts und „bildeten“ uns heute ein bisschen (Verkehr, Streckenkunde usw.) … Viel Spass beim „mitbilden“ ;).

Teil 1 und Prolog: [www.drehscheibe-foren.de] >> wir erreichen Chile
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de] >> an der Ferronor um Vallenar und Huasco
Teil 3: [www.drehscheibe-foren.de] >> Ein Tag an der spektakulären Eisenbahn nach Potrerillos
Teil 4: [www.drehscheibe-foren.de] >> Einen zweiten Tag an der Eisenbahn nach Potrerillos
Teil 5: [www.drehscheibe-foren.de] >> bis nach Calama mit einem Besuch am Cumbrepass



Dienstag 1. Juni 2011 – Calama > Calama

Unsere erste Priorität in dieser Ecke (also um Calama) liegt bei der Strecke zur Bolivianischen Grenze, von Calama bis Ollagüe. Landschaftlich ist die der absolute Wahnsinn, mitten in den Anden umringt von 6000ern steigt die Strecke zeitweise bis auf knapp 4000 Meter über Meer und führt im „hinteren Bereich“ vor der Grenze auch über zwei grosse Salzseen, den Salar de Ascotan und Salar de Carcote.
Genau da wollten wir heute hin, und morgen und übermorgen und überhaupt eigentlich so lange bis wir zufrieden sind. Problem ist nur „mal wieder“ der Zugsverkehr. Wir wussten nicht viel, nur, dass vermutlich ein Zug pro Tag über die Strecke rollt. Nur wann? Vormittags, Nachmittags? Wir entschieden uns dann dazu einfach so lange der Strecke nach zu fahren bis wir auf einen Zug auflaufen der sich zum verfolgen eignet (wir nannten das dann Plan ;)). Dazu wollten wir früh raus, um 7 Uhr .. und wir schafften es! Das Frühstück ging gut rein und im Zimmer schauten wir noch mal kurz im Internet nach dem Wetter - nicht dass das an unseren Planungen etwas geändert hätte, aber es interessiert ja doch. Öhm, ich sage es mal freundlich, wir haben ein Luxusproblem. Es sieht nur bis und mit Freitag gut aus, danach ist immer eine kleine Wolke neben der Sonne. Nicht bei jeder Vorhersage, aber bei den meisten. Sollte uns etwa "schlechtes Wetter" drohen ;) ? Wir hoffen es mal nicht ...
Wir fuhren nach dem Zusammenräumen und bezahlen aus der Stadt raus und hatten erstmal 90km vor uns bis wir wieder auf die Bahn trafen – in San Pedro. Auf den letzten Kilometern davor sahen wir weit weg auf der anderen Talseite ein Güterzug in Richtung Calama fahren … aber unerreichbar weit weg.
San Pedro ist nichts, ein Bahnhof und ein paar „Hütten“ drumherum. Und weil da so viel schönes „nichts“ ist, finden da dem Anschein nach (Gleiszustand) auch keine Kreuzungen mehr statt. Unsere erste Hoffnung, dass unmittelbar vor uns ein Zug auf dem Weg zur Grenze war zerschlug sich also. Die Strasse bis an die Grenze, die Ruta 21, ist nicht wahnsinnig, es ist eine Dreckpiste mit Löchern und Unebenheiten, viel mehr als ein 50er Schnitt schaut da nicht raus wenn man das Auto nicht kompett Schrotten will (OK zugegeben, wenn es wirklich eilt dann geht’s auch schneller ;)).. Dementsprechend lange brauchten wir im Verlauf.

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Fahrt auf der Ruta 21 in Richtung Ollagüe. In diesem Abschnitt ist die Strasse gerade ziemlich gut und man kann die erlaubten Geschwindigkeiten ausfahren - aber nur Bergab. Wir befinden uns bereits auf über 3500m Höhe und für unseren Benziner ist das hochfahrend entsprechend "anstrengend".

Auf der Passhöhe des Ascotan Passes, auf fast 4000 Meter über Meer versperrte dann eine Schranke die Weiterfahrt. Polizia, wir wurden registriert und konnten beim freundlichen Beamten gleich noch fragen, ob es oben eine Tanke gibt in Ollagüe. Er grinste und verneinte. Ooops ... das bedeutet für die Planung in Zukunft einige Schwierigkeiten – mit der Tanke hatten wir eigentlich gerechnet.
Da alles in der Ecke auf Zugsverfolgungen beruht und man diese Züge erst mal finden muss ist es eine relativ Kilometerfressende Angelegenheit. Aber hoch, runter, hoch, runter, hoch und noch mal runter geht natürlich nicht, wenn man oben übernachten will und da nicht tanken kann. Es bleibt Calama als alternative oder den Kauf eines zweiten Kanisters, was den Radius dann erhöht und Schlussendlich ein hoch, runter, hoch, runter, hoch, runter ermöglicht ;)
Nach dem Pass folgen dann die Abschnitte mit den Salzseen und auf einmal waren wir an der Grenze ohne einen Zug gesehen zu haben, auch der Bahnhof war leer.

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Hinter dem Ascotan Pass erreicht die Ruta 21 den Salzsee Solar de Ascatan und die Strasse führt an dessen Rand entlang. Links sieht man noch, dass auf dem See tatsächlich noch Sand abgebaut wird.

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So eben wie es aussieht ist es auf dem Salzsee leider auch nicht *rumpel*... der Blick in der ferne fällt auf den 6176m hohen Gipfel des Cerro Aucanquiche.

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Den Solar de Ascotan haben wir verlassen und die Ruta 21 führt über einen kleinen Hügelkamm. Der Blick fällt runter noch einmal auf den Salzsee.

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[maps.google.com]
Die Ruta 21 in der absoluten Einöde!

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Vor Ollagüe liegt der Solar de Carcote, wir blicken über ihn wieder auf zwei 6000er Gipfel.

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Natürlich auch allgegenwärtig in der Gegend, die Vicuñas.

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Fast 150km Dreckipste liegen hinter uns und vor uns ist die einzige Siedlung seit ChuiChui - Ollagüe. Gleich hinter dem Ort liegt die Chilenisch - Bolivianische Grenze.
Ollagüe ist keine Weltstadt und es hat nicht mal eine Tankstelle. Ehrlich gesagt hatten wir schon etwas mehr erwartet ... . Was Ollagüe aber hat ist ein (oder sogar zwei) Hostals.


Dann war dann wohl der Weg das Ziel, wir sahen unterwegs dampfende Berge, Wilde Viecher und traumhaft schöne Landschaften. Das alles bei Temperaturen um den Gefrierpunkt übrigens ... brrrr.
Es hatte aber zwei Gründe, dass wir trotz dem leeren Bahnhof erstmal im Ort blieben. Es waren da einige Fragen offen die wir klären wollten. Einerseits suchten (und fanden) wir ein Hotel, andererseits wollten wir jemand von der Bahn haben der uns sagt, was wann läuft. Ein Hostal (einfache Unterkunft) fanden wir auf Anhieb und wir liessen uns mal die Karte geben, mit der Telefonnummer falls wir wirklich mal in Ollagüe übernachten wollten. Punkt 2: Daran geglaubt das wir jemanden von der Bahn treffen taten wir nicht.. aber am Bahnhof war einer mit Warnwesten zugegen! HEEE SIE DA!
Und wir wurden mit Informationen versorgt die uns hoffentlich reichen. Es soll täglich um etwa 15 Uhr eine Zugkreuzung geben im Bahnhof. Dabei fahren die Bolivianer bis nach Chile - und Fotografieren sei kein Problem. Dazu gibt es am Donnerstag noch ein zweites Zugpaar welches gegen Mittag oben kreuzt. Achja, die Züge nach Calama bräuchten etwa 9h.
Blick auf die Uhr, es war halb 12. Warum haben wir diesen Zug den nicht gesehen? Die Rechnerei ergab dann, dass wir in dem Abschnitt bis San Pedro ganz zum Beginn den Zug überfahren haben mussten. Schade. Dabei war heute früh noch die Idee im Raum, bis San Pedro der Bahn zu folgen - mit dem Risiko in vorausfahrenden Zug nicht mehr zu erwischen. Janu, wir konnten es nicht ändern.

Aber wir haben uns nun einen Plan zusammen geschustert für die nächsten paar Tage. Jetzt stehen wir ein paar Kilometer weg vom Bahnhof an der Strecke, es ist halb 2 Uhr und wir hoffen, dass der Zug bald kommt. Draussen ist es ein paar grad warm, die Sonne scheint und der Berg links von uns stösst an der Spitze Rauchwolken aus, ist der nicht mega?! Das warten ist angenehm und in 30min besteigen wir mal unseren Hügel. Hoffentlich kommt der Zug dann auch irgendwann …

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[maps.google.com]
Ausserhalb von Ollagüe warteten wir auf einem Hügel auf den einzigen Zug des Tages. Dabei konnten wir auch den aktiven Vulkan Volcano Ollagüe beobachten an dessen Westflanke ständig eine Rauchfahne zu sehen ist.

Im Auto sitzend waren wir der Meinung den Zug früh genug zu hören um dann auf den Hügel hochlaufen zu können. Aber da noch einige Zweifel mit im Auto sassen liefen trotzdem um 14 Uhr mal auf den Hügel. Und wir hätten ihn nicht gehört! Noch bevor das Dieselgrummeln zu uns kam waren Rollgeräusche zu hören, und schon war der Zug da. Er bestehend aus unzähligen Boxcars und kam mit drei vernünftigen Loks.

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[maps.google.com]
Nach etwa einer Stunde warten kam den Zug dann. Die 3 Loks der FCAB hatten in der Ebene von Ollagüe den anstrengenden Anstieg auf fast 4000 M.ü.M. hinter sich und können gemächlich bis zur Grenze rollen. Hinten zu sehen ist der Salzsee Solar de Carcote welcher die Bahn vorhin überquert hat.

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[maps.google.com]
Der Zug auf dem Bild kommt von Antofagasta und hat eine Mine in Bolivien als Ziel. Die Aufgabe der 3 FCAB Loks ist in wenigen Kilometern zu Ende, der Grenzort Ollagüe ist erreicht.

Wir liefen vom Hügel runter und fuhren wieder nach Ollagüe, dem Grenzbahnhof. Schon beim hinfahren erkannten wir, dass der Bolivianer mit dem Zug noch nicht da war, wohl aber im Bolivianischen Grenzbahnhof stand. Perfekt für uns, denn das Licht stand für den Bolivianer bei der Einfahrt bestens. Bevor wir aber an die Ostausfahrt fuhren knipsten wir noch so halbschlau die Einfahrt des Chilenen im Westen, es ging sich gerade aus.

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An der Einfahrt von Ollagüe noch ein Bild vom Zug mit Lok 2004 an der Spitze.

Dann fuhren wir rüber zum Ostkopf. Das Problem (das vielleicht auch gar keins ist) an der Ostausfahrt ist der Zoll, der direkt auf der anderen Gleisseite und mitten im Bild liegt. Nicht, dass er das Motiv zerstören würde, aber Zollbeamte reagieren wenn man ihre Gebäude und/oder sie selber Fotografiert meist ja nicht sehr angetan. So hielten wir uns vornehm bedeckt und schauten ohne Kamera dem Chilenen zu wie er den langen Zug in zwei Teile trennte und in den Bahnhof rangierte.
Dabei eine etwas bizzare Szene aus dem Ort: Ollagüe ist nicht viel, eine Handvoll Häuser, sonst nichts. Trotzdem übte, während wir an der Einfahrt wartete, die Blaskapelle irgend ein Stück. Man steht also auf fast 4000 Meter über Meer, an einem der verdammt verlassensten Orte, und was geschieht im Ort: Eine Blaskapelle übt.

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Ollagüe, der Zug aus Antofagasta ist eingetroffen und die Loks rangieren die Wagen in die Bahnhofsgleise.

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Beim Rangieren am Ostkopf des Bahnhofs. Und hinten sieht man bereits die FCA Lok aus Bolivien mit dem Gegenzug.

Als der Chilene fertig war fuhr "drüben" der Bolivianer los, an der Rauchfahne gut zu erkennen, und rollte die paar Kilometer zur Grenze. Er setzte sich dann mit dem Zug direkt neben das Zollgebäude, unfotografierbar - aber da musste ja noch umgesetzt werden. Ganz zu Beginn hatten wir noch die Idee an der Chilenischen Ausfahrt des Bahnhofs zu stehen und die Lok nur beim Rangieren zu Fotografieren - um dem Zoll sicher nicht in die Hänge zu geraten, jetzt wo wir sahen wie Rangiert wird, waren wir aber froh es nicht getan zu haben!
Das Manöver war ziemlich simpel, bevor wir jedoch das erste Bild machten wechselten wir noch schnell den Chip in der Kamera, man weiss ja nie.
Der Bolivianer zog, nachdem die Lokmannschaft und einer der FCAB aus dem Zollgebäude mit Papieren gekommen sind, vom seinem Zug weg und setzte direkt an eine der beiden Boxcars Schlangen - fertig war der Zauber und der Bolivianer stand mit der Schattenfront nach vorne zur Ausfahrt bereit. Die Chilenen setzten dann ihrerseits an den Zug aus Bolivien und wenig später fuhren beide Züge an und wir waren weg.

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[maps.google.com]
Lok 1019 der FCA erreicht den Chilenischen Grenzbahnhof Ollagüe.

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[maps.google.com]
Der Zug aus Bolivien bleibt gleich ausserhalb des Bahnhofs stehen und die FCA Lok setzt direkt an den Zug aus Chile.

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[maps.google.com]
Die FCA Lok hat bereits an den Zug gesetzt und die FCAB Loks aus Chile tun ihr dies gleich.

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[maps.google.com]
Der Boliviano steht bereits zur Abfahrt zurück “nach Hause” bereits.

Unser Ziel war das westliche Ende des Salzsees bei Ollagüe, das Licht passte da nicht schlecht und die Szene mit dem Salzsee gefiel uns - eine einfache Wüste reicht heutzutage nicht mehr als Motiv, da muss schon ein Salzsee, ein Vulkan oder so etwas her ;).
Wir parkten auf der Strasse an der passenden Stelle, bereit zu einer kleinen wenn der Zug den kommt.
Bei der Ankunft war auf dem Salzsee noch kein Zug zu sehen und überholt hatte er uns definitiv nicht - wir hatten also Zeit. Zeit um mal das Pepsi welches seit 4 Tagen im Auto irgendwo liegt zu suchen und da waren doch noch irgendwo Kekse .. *grab*. Wie ich dann hinter dem Auto durchgehe, die Pepsi hatte ich schon mal gefunden, vernahm ich ein leises rauschen. Was ist den das? Das klingt doch arg nach .... *verdammt*, Reifenschaden, hinten rechts! Das Loch war "frisch", aber relativ gross, um einen Reifenwechsel kamen wir nicht herum, das war klar.

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[maps.google.com]
Wir fuhren dem Zug über die Ruta 21 wieder vor und warteten hinter dem Salar de Carcote auf den Zug. Zum Glück liess sich der Zug zeit, so hatten wir Zeit genug um einen Platten reifen hinten rechts zu wechseln. Den Platten hatten wir uns irgendwo auf der Strasse über den Salzsee eingefahren ... zum Glück hat das Auto ein richtiges Reserverad hinten an der Heckklappe.

Eigentlich war der Platten auch kein Wunder, das Profil unserer Reifen, insbesondere der beiden rechts, ist dermassen abgefahren, da war es eine Frage der Zeit, bis sich irgendein Stein darin verfängt und festfrisst. Nun war es also soweit, während einer Verfolgung! Wir schauten uns an (wie wir es immer tun wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen die mühsam ist) und legten gleich los. Es war klar, wenn wir es jetzt machen, entwischt uns der Zug nicht. Etwas ätzend an der ganzen Sache war einzig, wir (also vor allem der Wipf) waren von oben bis unten voll mit dem Staub, der überall war am Auto ... heieiei, wer hat die Karre bloss so eingesaut!
Wir waren fertig und der Zug war hinten noch immer nicht in Sicht. Aber he, wer kann von sich schon behaupten, während einer Zugverfolgung einen Reifen gewechselt zu haben und KEIN Motiv deswegen verpasst zu haben ;) Das einzige was bei dem Ersatzrad übrigens das Problem ist, es eiert ziemlich gewaltig ... nix gut!
Der Zug war dann einige Minuten nachdem wir fertig waren zu sehen auf der anderen Seite des Salzsees. Bis er bei uns war vergingen kleine Ewigkeiten. Und es war verdammt schon halb 17 Uhr durch. So war klar, dass es noch die geplanten zwei Fotos gibt und dann vermutlich nichts mehr, ausser der Fahrt über die Holperpiste nach Hause.

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Der Zug von Ollagüe zurück nach Antofagasta rollt gemächlich über den Salar de Carcote.

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Hinter dem Salzsee gewinnt die Bahn langsam an Höhe um einen kleinen Bergrücken zu passieren.

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[maps.google.com]
Viel gibt es hierzu nicht zu sagen …

Die Fahrt bis San Pedro war, solange wie es Hell war, wunderschön. Nur hatten wir beide die Strasse entlang der Salzseen vom hinfahren irgendwie besser in Erinnerung, die Piste ist grauenhaft und schlechter als so mancher Feldweg bei uns - wir hofften einfach mal keinen zweiten Platten einzufangen ;).

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Blick auf den Salar de Ascotan

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Eine staubige Sache

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Auf dem Weg zurück nach Calama im Sonnenuntergang.

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Auf dem Weg hoch zum Ascotan Pass das letzte Bild ehe uns die Nacht schluckt.

Nachdem es dunkel wurde zog es sich dann doch noch bis Calama, aber wir haben es so gewollt. Zum Glück wird der Weg nach dem Pass und der Zollstelle deutlich besser und die Schlaglöcher die sich im Dunkeln prima verstecken sind nicht mehr ganz so Zahlreich vorhanden. An einigen neuralgischen Stellen an die wir uns erinnerten fuhren wir schön langsam, an anderen (an die wir uns nicht erinnern konnten) nicht unbedingt ;).
Ab San Pedro wird die Strasse dann wirklich besser und wir kamen auf einen guten Schnitt, so dass wir gegen 20 Uhr in Calama "einliefen", direkt am Hotel unserer Wünsche, dem Hotel L&S. Die Tarantulahöhle von letzter Nacht, dem dunklen Universum, musste nicht mehr sein, definitiv nicht. Dumm war da nur, dass das Hotel der Wünsche keine Doppelzimmer mehr frei hatte – ups, das war so nicht geplant. Wir reservierten mal ein Zimmer für die nächsten Nächte und suchten weiter.
Auch beim Hostal Calama gab es nichts und bei einem dritten ebenso wenig - alles voll. Die Liste des Lonley Planet der guten Hotels war abgeklappert. Und dann sind wir auf der Suche nach einem anderen Hotel noch an einem 4**** Bunker vorbei gefahren und hielten einfach mal an. Mit 78'000$ war das Angebot zweier Einzelzimmer (Doppelzimmer auch voll) aber ziemlich arg über unserem Limit. Das teilten wir der guten, so gut es Ging, auf Spanisch mit. Sie war aber bemüht und Telefonierte rum, am Schluss war der Preis deutlich niedriger und wir schlugen zu.
Daniels Zimmer war aber in einem Nebengebäude und man hat ihm sogar extra noch einen Fernseher rüber getragen. Wobei die Beschreibung Zimmer nicht unbedingt zutrifft, auch auf mein Zimmer nicht. Wohnung trifft es eher ... aber nur jeweils mit einem Bett, eine Schande, da hätten noch 5 Betten mehr Platz gehabt und wir hätten nur den halben Preis bezahlt ;).
Wir vereinbarten einen Termin fürs Abendessen und gingen erstmal beide Duschen. Dabei war ich "in meinem Hotel" auf mich alleine gestellt, was eigentlich kein Problem ist, wenn das Personal mir nicht irgendetwas mitteilen wollte als ich von Daniel kommend zu meinem Zimmer wollte. Da ich nur mit den Achseln zuckte und sagte, dass ich kein Wort verstehe, kam der Junge vom Eingang sogar mit ins Zimmer und zeigte mir irgendetwas, ohne dabei aber mit Reden aufzuhören. Was er wollte weiss ich noch heute nicht.
Ohne Spanisch ist es praktisch unmöglich hier auch nur mit irgend jemandem zu Kommunizieren. Es wird grundsätzlich KEIN Englisch gesprochen, auch in den besseren Hotels nicht, keine Chance. Zum Glück kann Daniel etwas Spanisch ... und ich bin auch immer mehr Wortfetzen am lernen :)
Wie verabredet trafen wir uns vor dem Hotel um 21:30 Uhr und gingen Essen, gleich nebenan, in ein Restaurant welches Daniel von seinem Reception’isten empfohlen wurde. Da gab es Bier, ein Stück Fleisch, Papas Fritas und die Welt war in Ordnung!
Morgen ... ja morgen erstmal zur Vermietung, und dann nach Tocopilla, eine Elektroeisenbahn besuchen. Dann am Donnerstag noch mal Ollagüe und dann, mal sehen.




Ja .. und ob wir neue Räder bekommen haben und wirklich nach Tocopilla fahren? Wir werden es im nächsten Teil erfahren ;)

Grüess
Nil



Übersicht über meine Reiseberichte in diesem Forum (nicht nachgeführt): [www.drehscheibe-foren.de]

Leben und Leben lassen ...

Höchst spektakulär! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 12.12.11 00:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Irre!

Auf den ersten Blick ist man versucht zu fragen, welcher Teufel Euch geraten (geritten) hat, ausgerechnet in den Norden Chiles zu reisen, "nur" um ein paar Dieselloks zu fotografieren. Dafür ist die Szenerie unglaublich. Aber man kennt Euch ja inzwischen.

Als das schönste Bild dieses Teils finde ich die Fahrt in den Sonnenuntergang - eine kahle Landschaft - Berge - schönes Nachmittagslicht - "der Mooond ist aufgegangen..." - wunderbar!

Danke dafür!

Gruß aus Wien

P.S.: Wie erging es Euch denn so in der Höhe? Hattet Ihr damit irgendwelche Probleme?

"Ohne Skepsis und Zweifel würden wir heute noch glauben, die Erde wäre eine Scheibe".
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

(Immanuel Kant)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:12:14:13:58:56.
Nun ja, wie du siehst sind nebenbei viele andere schöne Fotos entstanden...und nicht nur Eisenbahn! ;-). Die Landschaft ist wirklich einzigartig. Im Laufe meiner Reise quer durch den Kontinent bin ich noch auf die andere Seite der Grenze gekommen...und dort gehts mit der spektakulären Landschaft weiter... wenn nicht sogar spektakulärer.

Betreffend der Höhe hatten wir in Chile nicht so ein Problem. Lediglich die Puste fehlte beim rumkraxeln...und unser Auto soff Benzin wie ne Kuh ;-). Grund dafür dürfte gewesen sein, dass wir nie länger als ca. 12h in einer solchen Höhe waren und unser Körper sich nie an 4000müM gewöhnen musste. Viel Trinken den Tag hindurch hilft auch gegen Kopfweh. Notfallmedis hatten wir zwar mit...aber nicht gebraucht. Als ich später nach Bolivien ging und auch auf solcher Höhe oder gar höher übernachtete und sich mein Körper daran gewöhnen musste, wars effektiv ein kleines Problem. Die ersten 2 Tage auf 4000müM hatten wir Kopfschmerzen und Spaziergänge fühlten sich wie mehrtägige Wanderungen an, nach 2 Tagen war jedoch Schluss damit. Der Cacoblätter kauen oder Cacotee sollte auch nützen...
Hola

Da bleibt einem wirklich der Atem weg beim Anblick dieser majestätischen Landschaft, und das nicht nur wegen der dünnen Luft! Dass muss man einfach gesehen haben, und wenn es "nur" auf DSO ist...

Nun noch mein FCAB-Lok-Kommentar: Erstmals sehen wir eine GR12 (Nummer 2402) aus einer Serie, die 2005 in Kolumbien gekauft wurden. Sie stammen vom Atlantik-Netz und hatten ursprünglich eine Spurweite von 914 mm. Unter Verwendung des Untergestells baute die FCAB-Werkstätte praktische neue Loks, die so gar nicht mehr wie eine GR12 aussehen.

Die Boxcars auf den Bildern gehören zum Park der FCA (Empresa Ferroviaria Andina) und dienen der Versorgung von Bolivien mit Importgütern - dem ursprünglichen Zweck der FCAB! Momentan ist die Strecke die einzige Bahnverbindung, die Bolivien zum Pazifik hat, bis die Ferrocarril Arica - La Paz wieder betriebsfähig ist. Die 3 FCAB-Loks haben den beladenen Zug von Antofagasta bis zur Grenze gebracht, während die Hitachi/Mitsubishi-Lok der FCA den Leerzug führte. Die Erzkonzentrate aus der Mina San Cristóbal werden in runden, tonnenförmigen Behältern auf Flachwagen transportiert. Aber ich will hier nicht vorgreifen ;-)

Saludos,
Don Pedro

Re: [CL] Bienvenido a Chile (6) – bis an die Bolivianische Grenze [m.31B.]

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 12.12.11 20:01

Don Pedro schrieb:
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> Die Erzkonzentrate aus der Mina San Cristóbal
> werden in runden, tonnenförmigen Behältern auf
> Flachwagen transportiert. Aber ich will hier nicht
> vorgreifen ;-)

Dazu ein Link auf die Website der Mine, hier speziell interessierend der Bahntransport. Die gut gemachte Seite beschreibt aber auch relativ detailliert den ganzen Mining-Prozess.
[www.minerasancristobal.com]

Georg



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:12:12:20:02:47.
Hallo,

nachdem ich hier bei DSO schon lange unangemeldet mitlese, habe ich mich heute nun doch einmal angemeldet, um mich bei euch zu bedanken!

Eure Berichte aus Chile sind einfach der Wahnsinn! Freue mich auf die weiteren Teile...
Hallo Nil,

danke für das Mitnehmen in diese grandios "andere" Landschaft.
Schon alles sehr eindrucksvoll.

Die bolivianische Lok sieht ja richtig "unamerikanisch" aus - aber durchaus fotogen.

Viele Grüße,
Jan

Ja, wie ich weiter oben erwähnte, ist die bolivianische Lok ein japanisches Produkt von Hitachi und Mitsubishi. Der Lokomotivpark der FCA besteht (fast) ausschliesslich aus den "Japonesas", die es als 4-achsige und als 6-achsige Varianten gibt. Die "Americanas" sind alle auf dem Ostnetz um Santa Cruz de la Sierra.

Don Pedro
Ich bin zwar erst heute auf dem aktuellen Teil gestossen, hab mir aber gleich die anderen aus Interesse angesehen.

Ich muss sagen, das macht Lust auf mehr, da bekommt man richtig fernweh!

Atemberaubende Landschaften, tolle Züge darin und mit dem Wetter auch Glück gehabt!

Zur Reifenpanne:

Ich bin mal mit einem Foto-Kollegen bei einer Fotosonderfahrt (!) festgefahren, gut der Kollege ist gefahren, wir wären wohl von selbst nicht mehr rausgekommen, aber nach etwa 15 Minuten kam ein Hilfsbereiter Bauer mit Jeep und Seilwinde und hat uns rausgezogen (Danke nochmals dafür). Die Aktion hat uns auch kein Bild gekostet, da das genau in der Mittagspause der Zugmannschaft war!

Gruß Schumi